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Mo, 28. September 2020, 20:37 Uhr

Yen-Schwäche politisch geduldet?


29.06.01 15:42
Helaba

Die Hoffnung auf die Reformkräfte des neuen japanischen Ministerpräsidenten Koizumi kam dem Yen Anfang Juni nur vorübergehend zugute, so die Analysten der Helaba.

Inzwischen hätten erneute Rezessionsängste die japanische Währung wieder geschwächt. Die sinkende Industrieproduktion und der schwindende Handelsbilanzüberschuss dürften den Yen auch weiterhin unter Druck setzen. Diese Tendenz sollte mittelfristig anhalten: Selbst wenn Koizumis Strukturreformen erfolgreich seien, dürfte der Anpassungsprozeß von einer kraftlosen Konjunktur und einem schwachen Yen begleitet werden.

Eine Währungsschwäche komme den Japanern zur Stärkung ihrer Konjunktur durchaus gelegen. Sie könnte zudem den deflationären Druck reduzieren. Zweifelhaft sei aber, ob ein Anstieg des stark politisch determinierten Yen/US-Dollar-Kurses insbesondere von den USA geduldet werde. Die US-Regierung habe jüngst überraschend erklärt, einen schwachen Yen zu tolerieren, wenn er mit japanischen Strukturreformen einherginge und nicht auf eine vorsätzliche Abwertungspolitik zurückzuführen sei.

Ob diese Äußerungen jedoch als ein Freibrief für eine deutliche Yen-Abwertung anzusehen seien, bleibe fraglich. Der Wechselkurs könnte ein umstrittenes Thema beim Treffen von Koizumi und Bush an diesem Wochenende sein. Gegen eine klare Kurstendenz spreche die markttechnische Sicht. So bewege sich der Yen/US-Dollar-Kurs seit April weitgehend in einem Band zwischen 120 und 125 Yen pro Dollar. Zu einer deutlichen Abwertung müsste die Widerstandslinie von 125 überwunden werden, an denen der Kurs am 21. und 28. Juni gescheitert sei.

Ein Wert von über 130 werde zudem auch in Asien auf politischen Widerstand stoßen. So habe China bereits erklärt, ein Kurs über 130 Yen/US-Dollar als Bedrohung für die eigene Wirtschaft anzusehen.