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Do, 13. August 2020, 9:55 Uhr

Aktien: Hohe Erwartungen


22.04.20 16:10
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - In den vergangenen Wochen konnten die international führenden Aktienindices einen Teil der massiven Verluste wieder wettmachen, so die Analysten der Helaba.

Während die US-Barometer zeitweilig mehr als die Hälfte des Kurseinbruchs aufgeholt hätten, habe dies der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) nicht ganz geschafft. Indessen würden die Gewinnschätzungen auf breiter Front nach unten revidiert. Steigende Kurse und fallende Gewinnerwartungen würden unter dem Strich bedeuten, dass sich die Bewertung von Aktien in den vergangenen Wochen wieder erhöht habe. So habe das KGV des S&P 500 (ISIN US78378X1072/ WKN A0AET0) auf Basis der Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate zuletzt sogar leicht über dem Wert vor Ausbruch der Corona-Pandemie gelegen. Das KGV des DAX sei zwar ebenfalls deutlich gestiegen, er weise jedoch insgesamt eine deutlich moderatere Bewertung als sein US-Pendant auf.

Dies seien klare Anzeichen dafür, dass die Gewinneinbußen von den Marktteilnehmern als vorübergehend eingestuft würden und danach eine V-förmige Erholung einsetze. Entsprechend hätten die jüngsten ZEW-Konjunkturerwartungen den Einbruch vom März vollständig aufgeholt. Grundsätzlich würden auch die Analysten von einer dynamischen Erholung der Wirtschaft im zweiten Halbjahr und damit von wieder steigenden Unternehmenserträgen ausgehen.

Die Frage sei jedoch, wie tief in der Zwischenzeit das "V" bei den Gewinnen ausfalle und ob die Gewinnerwartungen bereits hinreichend negativ seien. Erste Hinweise darauf würden die Zwischenberichte der Unternehmen über das erste Quartal liefern. In den USA hätten bislang 15% der S&P 500-Unternehmen Zahlen vorgelegt. Diese seien im Durchschnitt knapp 10% niedriger ausgefallen als die Konsensschätzungen. Hierzulande laufe die Berichterstattung erst Ende April so richtig an. Nachdem das Gros der Daten ausstehe, dürften die Erwartungen der Marktteilnehmer in den kommenden Wochen noch auf die Probe gestellt werden.

Eine grobe Orientierung könne in der Zwischenzeit der Vergleich mit früheren Kurseinbrüchen liefern. Bei Rückgängen um mehr als 20% spreche man von einem Bärenmarkt. Hierzulande habe es seit 1960 auf Basis des zurückgerechneten DAX bislang 13 solcher Abwärtsphasen gegeben. In zehn Fällen sei der Verlust größer als 30% gewesen.

Um das Chance-Risiko-Verhältnis auszuloten, hätten die Analysten die Entwicklung früherer Zyklen untersucht, in denen der DAX bereits 30% eingebüßt habe und mit dem aktuellen DAX-Verlauf verglichen. Es zeige sich, dass diesmal nach einem Rückgang um insgesamt 39%, was übrigens auch dem Mittelwert der Verluste früherer Bärenmärkte entspreche, eine außerordentlich starke Erholung eingesetzt habe. Dabei seien zeitweilig sogar die Spitzenwerte früherer Zyklen übertroffen worden, die sich aus den Kursverläufen der Jahre 1998 und 2011 ergeben würden. In diesen beiden Jahren sei die Dauer des Absturzes mit rund drei bzw. vier Monaten besonders kurz gewesen. Diesmal habe der DAX innerhalb eines Monats sein (bisheriges) Tief erreicht.

Die einfache Gleichung schneller Einbruch = schnelle Erholung scheine derzeit als Grundlage für Investitionsentscheidungen zu dienen. Dabei zeige sich, dass Privatanleger weniger defensiv agieren würden als Institutionelle. Dies sei vermutlich Ausdruck eines längeren Anlagehorizonts dieser Anlegergruppe. Da Aktien inzwischen aber schon viel Positives vorweggenommen hätten, würde eine Verschnaufpause nicht schaden. (22.04.2020/ac/a/m)





 
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