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Fr, 14. August 2020, 1:32 Uhr

Aktien: Potenzial vorerst ausgereizt


19.06.20 15:07
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die Konjunkturperspektiven hellen sich zwar auf, so die Analysten der Helaba.

Dennoch schienen Aktien zu schnell zu viel Positives vorweggenommen zu haben. Auf Sicht der kommenden Monate sei das Chance-Risiko-Verhältnis nicht sonderlich attraktiv.

Aktien hätten weltweit zuletzt zwar wieder zulegen können. Das Kursbild der international führenden Indices zeige aber auch, dass nach dem steilen Anstieg der vergangenen Monate die Luft deutlich dünner geworden sei. Schließlich seien die zwischenzeitlich massiven Kursverluste zu einem großen Teil wieder aufgeholt. Der NASDAQ Composite (ISIN: XC0009694271, WKN: 969427) habe zeitweilig sogar neue Allzeithochs markiert. Corona -sei da was gewesen? In Deutschland und bei den europäischen Nachbarn sei die Zahl der Neuinfektionen seit Wochen rückläufig. Dagegen beruhige sich das Infektionsgeschehen in den USA nur schleppend. Weltweit steige die Zahl der Corona-Infektionen sogar weiter. Auch die Gefahr einer zweiten Welle się längst nicht gebannt, wie die neuen Fälle aus China zeigen würden. Anders als während der ersten Phase sei allerdings davon auszugehen, dass künftig in betroffenen Ländern mit gezielten lokalen Maßnahmen anstelle eines generellen Lockdowns reagiert werde. Damit würde auch der volkswirtschaftliche Schaden geringer ausfallen.

An der Börse würden Erwartungen gehandelt und bei der Erwartungsbildung sei stets eine gehörige Portion Emotion im Spiel. Daraus resultiere die in Krisenphasen sprunghaft steigende Volatilität an den Aktienmärkten. Sie sei ein Zeichen der Unsicherheit und sei mit Ausbruch der Pandemie massiv gestiegen. Während dieser Phase seien Aktien zum Teil sehr günstig zu haben gewesen. Die Zeit für Schnäppchenjäger habe aber nur kurz gewährt. Inzwischen seien US-Aktien auf Basis der wichtigsten Kennziffern über das langfristige Normalband geschossen und schon wieder teuer. Deutsche Blue-Chips würden leicht oberhalb des fairen Bereichs notieren. Selbst gegenüber Staatsanleihen würden Aktien inzwischen nur noch eine unterdurchschnittliche Risikoprämie aufweisen. Anleger seien also in Vorleistung gegangen, jetzt müssten die Fundamentaldaten nachziehen.

Viele konjunkturelle Frühindikatoren seien zuletzt deutlich gestiegen und schienen das optimistische Szenario der Aktienbullen zu untermauern. Zumeist handele es sich bei diesen Indikatoren um Umfragewerte, die zwar die Breite einer Bewegung (wie viele Teilnehmer würden davon ausgehen?), nicht aber das Ausmaß (wie stark sei die erwartete Veränderung?) abbilden würden. Bei normalen zyklischen Schwankungen sei zwar eine enge Korrelation zwischen diesen Größen vorhanden. In Krisenphasen sei der Anstieg solcher konjunktureller Stimmungsindikatoren aber nicht ohne Weiteres in entsprechend hohe Wachstumsraten und damit auch Unternehmensgewinnsteigerungen zu übersetzen. Neben der hohen Bewertung stelle auch der Vergleich mit früheren Erholungen nach ähnlich kräftigen und kurzen Kurseinbrüchen für die kommenden Monate wenig Aufwärtspotenzial für Aktien in Aussicht. Angesichts des derzeit nicht sonderlich attraktiven Chance-Risiko-Verhältnisses sollten für den Kauf mögliche Schwächephasen abgewartet werden. (19.06.2020/ac/a/m)