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Do, 2. Juli 2020, 17:38 Uhr

Aktien: Stimmungsschwankungen


19.05.20 13:05
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Nach einer beeindruckenden Aufholjagd seit den Tiefstständen im März legten die international führenden Indices in den vergangenen Wochen eine Verschnaufpause ein, so Markus Reinwand, CFA von der Helaba.

Ohnehin sei die Phase von Anfang Mai bis Ende Oktober im langfristigen Vergleich der mit Abstand schwächste Sechs-Monats-Zeitraum am Aktienmarkt. Auch in diesem Jahr seien Aktien zunächst schwach in den Mai gestartet, hätten zuletzt aber deutlich zugelegt. Die an den Aktienmärkten gehandelten Erwartungen seien aber schon wieder recht hoch. Da brauche es nicht viel, um für Enttäuschung und Verunsicherung zu sorgen: Eskaliere nun der Streit zwischen den USA und China erneut? Wie schnell und kräftig ziehe die Konjunktur wieder an? Drohe eine zweite Welle an Infektionen, wenn die Restriktionen nun immer mehr gelockert würden?

Zwar sei derzeit nur schemenhaft zu erkennen, wie die "neue Normalität" in Zeiten von Corona aussehen werde. Die von manchen Marktteilnehmern erwartete schnelle Rückkehr zum Status vor Ausbruch der Pandemie sei bis auf weiteres jedoch nicht in Sicht. So werde sich im Zuge der Lockerungsmaßnahmen erst nach und nach zeigen, welche Probleme auf der Angebots- sowie auf der Nachfrageseite gelöst würden und welche vorerst bestehen bleiben würden. Würden sich Güter und Dienstleistungen unter den veränderten Bedingungen mit einem wirtschaftlich vertretbaren Aufwand erstellen lassen? Gebe es angesichts enormer Arbeitsplatz- und Einkommensunsicherheit überhaupt genug Nachfrage dafür? Dies werde nicht nur von Land zu Land, sondern auch von Branche zu Branche unterschiedlich sein. Zwar werde vonseiten der Fiskal- und der Geldpolitik derzeit kein Aufwand gescheut, diese Verwerfungen abzumildern und Überbrückungshilfen zu leisten. Dies könne jedoch kein adäquater Ersatz für einen funktionierenden globalen Wirtschaftskreislauf sein.

Aktien hätten bereits viel Positives vorweggenommen. Im Vergleich zur Entwicklung nach früheren Kursabstürzen sei die jüngste Erholung außerordentlich stark gewesen. Steigende Kurse und gleichzeitig fallende Gewinnerwartungen würden aber bedeuten, dass sich die Bewertung von Aktien in den vergangenen Wochen wieder erhöht habe. Besonders ausgeprägt sei dies in den USA. Dort habe das KGV des S&P 500 (ISIN US78378X1072/ WKN A0AET0) auch dank einer kräftigen Ausweitung der FED-Bilanzsumme das ohnehin schon hohe Niveau von vor Ausbruch der Pandemie überschritten. Dass sich die Unternehmensgewinne aber tatsächlich so schnell erholen würden, um dies zu rechtfertigen und ob die "Alternativlosigkeit" von Aktien auf diesem Bewertungsniveau als Argument für weitere Käufe ausreiche, sei fraglich.

Die Erfahrung der letzten Jahre zeige, dass die mangelnde Attraktivität von Anlagealternativen gepaart mit einer extrem expansiven Geldpolitik nicht vor zeitweiligen Korrekturen bei Aktien schütze. Dies ließ sich hierzulande in der Phase von April 2015 bis Februar 2016 beobachten, als der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) trotz massiver Anleihekäufe der EZB fast 30% einbüßte, so die Analysten der Helaba. Wenn Wachstumsängste aufkämen, würden Anleger angesichts der hohen Schwankungsbreite von Aktien augenscheinlich in den Risk-Off-Modus schalten und die sicheren Häfen ansteuern. Derzeit überwiege an den Märkten die Zuversicht auf eine rasche Erholung. Die Risiken sollten jedoch nicht ausgeblendet werden. (19.05.2020/ac/a/m)





 
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