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Sa, 24. August 2019, 2:48 Uhr

Autozölle: CEE ist exponiert, aber nicht überexponiert


09.07.19 12:10
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.aktiencheck.de) - Angesichts der hohen Bedeutung der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen den USA und China steht der anhaltende Handelskrieg im Zentrum und verursacht erhebliche wirtschaftliche und finanzielle Sorgen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Trump sei jedoch nicht sehr gezielt bei der Auswahl seiner Gegner und beim Aussenden von Tweets an Freunde und Feinde gewesen. Nicht nur China, sondern auch Nachbarn und langjährige Verbündete wie Mexiko, Indien, Japan und die EU und insbesondere Deutschland seien bereits durch den US-Präsidenten kritisiert worden. Die Analysten würden zwar davon ausgehen, dass die Fehde mit China auf die eine oder andere Weise weitergehe (auch wenn kurzfristig Einigungen erzielt werden könnten), aber Trump werde seine Aufmerksamkeit möglicherweise auf Europa und insbesondere auf die Handelsbeziehungen mit Deutschland richten.

Für die CE/SEE-Region sei insbesondere die Frage möglicher Autotarife relevant. Bereits im März 2018 habe Trump mit hohen Zöllen für importierte Autos aus Europa gedroht. Gegenwärtig hätten die USA niedrige Zölle von 2,5% für europäische Personenkraftwagen, während die EU einen Zoll von 10% für US-amerikanische Personenkraftwagen habe. Im Juli 2018 habe Trump seine Drohung wiederholt und für einen 20%-igen Tarif für europäische Autos plädiert. Im Mai 2019 habe er aufgehört, Autotarife einzuführen, indem er die Entscheidung um 180 Tage verschoben habe. Die EU habe nachdrücklich die Ansicht bestritten, dass europäische Autoexporte eine "nationale Sicherheitsbedrohung" für die USA darstellen würden.

Nach Angaben des deutschen ifo-Instituts würden solche Strafzölle die deutsche Wirtschaft 5 Mrd. EUR oder 0,15% des BIP kosten. Kleinere Länder wie Ungarn wären jedoch in wirtschaftlicher Hinsicht stärker betroffen. Die CE-Staaten seien eng mit der deutschen Wirtschaft verbunden, die zu den deutschen Lieferketten gehöre, insbesondere in der Automobilindustrie. Darüber hinaus würden auch Autos ausländischer Hersteller und Autoteile in CE/SEE produziert. In der Tschechischen Republik beispielsweise mache der Automobilsektor 24,7% der gesamten Industrieproduktion (von denen 54% auf Autoteilehersteller entfallen würden) und 9% des tschechischen BIP aus. Im vergangenen Jahr seien in der Tschechischen Republik mehr als 1,4 Mio. Autos hergestellt worden, und in der Industrie seien 3,4% aller Mitarbeiter beschäftigt gewesen.

Während die Automobilindustrie in CE/SEE-Ländern wie der Tschechischen Republik eine bedeutende Rolle spiele, sei der Anteil der direkten Exporte aus diesen Ländern in die USA gering. Während über 80% der Exporte aus CE-Ländern in die EU und über 20 bis 30% nach Deutschland gehen würden, würden nur 2 bis 3% direkt in die USA gehen. Da Deutschland der wichtigste EU-Autoexporteur in die USA und CE sei, der so stark in Deutschland integriert sei, würde CE auch von den Zöllen betroffen sein. Da das Wachstum in CE/SEE derzeit noch stark sei und hauptsächlich von der Inlandsnachfrage getrieben werde, würden die Analysten nicht davon ausgehen, dass die Einführung von Autotarifen zu einer unmittelbaren Verlangsamung des Wachstums in den CE/SEE-Volkswirtschaften führen würde. CE/SEE-Länder seien jedoch kleine, sehr offene Volkswirtschaften und würden eindeutig unter anhaltenden globalen Handelskriegen wirtschaftlich leiden. (09.07.2019/ac/a/m)