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Do, 13. August 2020, 11:14 Uhr

Deutschland: Arbeitsmarkt in einer Belastungsprobe


11.05.20 11:40
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Der weitgehende Lockdown ab Mitte März hat das Konsumklima und das ifo Geschäftsklima kollabieren lassen, so die Analysten der Helaba.

Seit 20. April hätten Einzelhandelsgeschäfte im Nicht-Lebensmittelbereich wieder öffnen können. Auch hätten erste Unternehmen im Fahrzeugbau begonnen, ihre Produktion wieder hochzufahren. Andere Wertschöpfungsbereiche wie Tourismus und Kultur würden zögerlich geöffnet. Trotzdem sei für den April mit dem konjunkturellen Tiefpunkt in der Corona-Krise zu rechnen. Gleichwohl werde das zweite Quartal noch viel schwächer ausfallen. Immerhin sei das deutsche Bruttoinlandprodukt nach ersten Schätzungen im internationalen Vergleich nur moderat gesunken. Dies sei mit der "optimistischen" Analystenprognose für den Rückgang des kalenderbereinigten Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr von 4,2% kompatibel.

Ab dem dritten Quartal sei - ausgehend von sehr niedrigem Niveau - wieder mit kräftigen Wachstumsraten zu rechnen. Damit sei das Ausgangsniveau zu Beginn nächsten Jahres sehr hoch. Allein durch diesen statistischen Überhang werde 2021 ein Jahreswachstum von knapp 2% erreicht. 2021 dürfte die gesamtwirtschaftliche Leistung damit um schätzungsweise 4% zulegen. Die Prognosen während der Corona-Pandemie würden mit außergewöhnlich hoher Unsicherheit behaftet bleiben. Diese resultiere u.a. daraus, dass die politischen Entscheidungen den Wachstumspfad erheblich beeinflussen würden. So würde ein weiterer Ausbruch des Corona-Virus im Herbst mit entsprechenden epidemiologischen Maßnahmen zu einem erneuten Wachstumseinbruch führen.

Die Folgen der Corona-Pandemie für den deutschen Arbeitsmarkt seien erheblich. Allein im April sei die Arbeitslosigkeit gegenüber Vormonat saisonbereinigt um 373 Tausend auf 2,64 Millionen gestiegen. Die Quote habe sich sprunghaft von 5% auf 5,8% erhöht. Allerdings würden sich fast 40% des Anstiegs dadurch erklären, dass durch die verordneten Kontaktbeschränkungen der Einsatz entlastender Arbeitsmarktpolitik wie Schulungen deutlich zurückgegangen sei. Trotzdem sei die Tragweite der Corona-Krise groß. Die Anzeigen zur Kurzarbeit hätten allein im April 7,5 Millionen betragen. Inklusive des März hätten die Unternehmen für 10,1 Millionen Personen konjunkturelle Kurzarbeit angemeldet. Die Anzeigen seien zwar als Obergrenze anzusehen, die tatsächliche Kurzarbeit könne geringer ausfallen. Gleichwohl werde das Finanzkrisenniveau um ein Vielfaches überschritten.

Sollte ein dynamisches Wiederhochfahren der deutschen Wirtschaft nicht gelingen, würden sich die Verwerfungen am Arbeitsmarkt verfestigen. Aus Kurzarbeit würde noch mehr Arbeitslosigkeit. Die Folge wären negative Rückwirkungen auf die privaten Konsumausgaben. Auch ohne dieses Risikoszenario dürften diese 2020 um mindestens 4,5% sinken. Ein gleich hoher Zuwachs sei 2021 nur zu erwarten, wenn sich bei den Verbrauchern das Vorkrisen-Verhalten wieder einstelle. Sollten die jetzt ergriffenen Schutzmaßnahmen im öffentlichen Leben zu einem dauerhaft zurückhaltenden Verbraucherverhalten führen, müsste mit entsprechenden Einbußen gerechnet werden. Ob hier konjunkturstimulierende Maßnahmen ein probates Gegenmittel wären, sei fraglich. Im besten Falle würden Maßnahmen wie Kaufanreize beispielsweise im Fahrzeugbereich zu Vorzieheffekten führen. Das Konsumklima würde sich hierdurch nicht nachhaltig ändern lassen. (11.05.2020/ac/a/m)