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Fr, 14. August 2020, 1:54 Uhr

Deutschland: Deutlicher Rückgang 2020 - Starker Anstieg 2021


15.05.20 13:45
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Quartal um 2,2% gegenüber den drei Vormonaten gesunken, so Dr. Stefan Mütze von der Helaba.

Nach ersten Informationen des Statistischen Bundesamtes seien die privaten Konsumausgaben, die Ausrüstungen sowie der Außenhandel stark rückläufig gewesen. Stabilisiert hätten hingegen die Bauinvestitionen und die öffentlichen Konsumausgaben. Der deutlich stärkere Einbruch aufgrund der Corona-Krise sei für das zweite Quartal zu erwarten, bevor ab dem dritten Vierteljahr deutliche Zuwächse wahrscheinlich würden. Da das erste Quartal schwächer als erwartet ausgefallen sei, würden die Analysten der Helaba ihre Prognose für Deutschland senken. Die deutsche Wirtschaftsleistung dürfte 2020 um kalenderbereinigt 5% schrumpfen (vorher: -4,2%). Der neue Verlauf führe dazu, dass im Gegenzug der Zuwachs 2021 mit 4,5% stärker ausfalle als bislang prognostiziert (4,0%).

Die umfangreichen öffentlichen Hilfen für die Unternehmen sollten dazu beitragen, dass der Anstieg der Insolvenzen überschaubar bleibe. Bei einem Wiederanspringen der Nachfrage könnten die Unternehmen auch durch die Ausdehnung der Arbeitszeit ihrer Kurzarbeiter sehr rasch reagieren. Immerhin hätten sie Kurzarbeit für über 10 Millionen Personen in zwei Monaten angemeldet. Es bestünden damit gute Chancen, dass die Schäden durch die Corona-Krise verhältnismäßig klein bleiben würden.

Im April hätten die Corona-Lockerungen in Deutschland begonnen. Die in der Berichtswoche anstehenden Frühindikatoren für Mai dürften dies widerspiegeln. Die ZEW-Erwartungen der Finanzmarktanalysten seien allerdings bereits im April deutlich nach oben gesprungen, sodass sich die Stimmung im Mai nur noch leicht verbessern dürfte. Die Lageeinschätzung sollte - ausgehend von tiefem Niveau - ebenfalls etwas höher ausfallen. Der allmähliche Produktionshochlauf im Verarbeitenden Gewerbe sowie die Öffnung des gesamten Einzelhandels und die schrittweise Wiederaufnahme anderer Dienstleistungsbereiche wie die Gastronomie sollten sich auch bei den deutschen Einkaufsmanagerindices positiv auswirken. In einigen Ländern seien die Lockerungen später eingetreten als in Deutschland, so in Italien am 4. Mai und in Frankreich sogar erst am 11. Mai. Trotzdem sollten sich erste positive Einschätzungen auch bei diesen Einkaufsmanagerbefragungen niederschlagen.

Die schärferen und zum Teil längeren Lockdown-Regelungen in den Nachbarländern würden sich negativ auf die Wirtschaftsleistung auswirken. Frankreich, Italien und Spanien würden 2020 deutlich stärker als Deutschland schrumpfen. Für die gesamte Eurozone müsse mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 7,2% (vorher: 7%) gerechnet werden. (15.05.2020/ac/a/m)