Suchen
Login
Anzeige:
So, 27. September 2020, 22:51 Uhr

Deutschland: Erholungist da - Probleme bleiben


19.06.20 15:45
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die deutsche Wirtschaft wächst seit Mai wieder, die Zuversicht steigt zögerlich, so die Analysten der Helaba.

Dies sollte sich positiv bei Frühindikatoren wie dem ifo-Geschäftsklima niederschlagen. Der Einbruch im zweiten Quartal könnte schwächer ausgefallen sein als vielfach erwartet. Zudem stimuliere die Fiskalpolitik das Wachstum ab dem zweiten Halbjahr.

Der Tiefpunkt der deutschen Konjunktur habe im April gelegen. Hochfrequente Indikatoren würden nun eine Besserung versprechen. So signalisiere derLkw-Maut-Fahrleistungsindex mehr Transport auf den Straßen und damit eine lebhaftereKonjunktur. Dieser Index zeichne die Entwicklung der Fahrleistung von großen Lkw auf deutschen Bundesautobahnen nach. Auch ein Blick nach China, wo die Pandemie früher ausgebrochen sei und sich zumindest fürs Erste beruhigt habe, lohne. Hier habe sich der Einkaufsmanagerindex vollständig erholt und habe zuletzt sogar leicht über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten gelegen. Damit sei zu erwarten, dass sich die Einkaufsmanagerindices sowohl in Deutschland als auch in derEurozone im Juni erholt haben. Die zunehmende Öffnung bei Dienstleistungen z. B. in der Gastronomie und im Tourismus dürfte sich positiv niederschlagen. Die gleichen Tendenzen sollten sich auch in einer größeren Zuversicht der vom ifo-Institut befragten 7.000 Unternehmen zeigen. Für Erwartungen und Lageeinschätzung sei mit einem Anstieg zu rechnen.

Trotz dieser Verbesserungen müsse mit einem rabenschwarzen zweiten Quartal gerechnet werden. Der neue Aktivitätsindex der Deutschen Bundesbank (WAI) signalisiere am aktuellen Rand einen Einbruch der deutschen Wirtschaftsleistung von 7,4% gegenüber den vorangegangenen drei Monaten. Sollte sich dies bewahrheiten, wäre es allerdings weit weg von teilweise prognostiziertenzweistelligen Rückgängen. Die Analysten würden hingegen einen eher "moderaten" Rückgangin dieser Größenordnung. Zu berücksichtigen bleibe zudem, dass die Dynamik durchdas jüngst aufgelegte Konjunkturprogramm in Höhevon 130 Mrd. Euro oder fast 4% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ab dem zweiten Halbjahr deutlich zunehmen dürfte. Die gelte selbst dann, wenn nicht jede der 57 Maßnahmen ein voller Erfolg werde. Die Prognose der Helaba eines Rückgangs des BIP im Gesamtjahr von "nur" 5% dürfte damit weiter realistisch sein. Voraussetzung bleibe allerdings, dass eine zweite Infektionswelle sowohl in Deutschland als auch bei wichtigen Handelspartnern vermieden werden könne.

Das Bruttoinlandsprodukt dürfte jedoch erst Ende 2021 das Vorkrisenniveau wieder erreichen. Unterstelle man, die Corona-Pandemie hätte es nicht gegeben und die Wirtschaftsleistung wäre kontinuierlich entsprechend dem Potenzial weiter gewachsen, bleibe auch dann noch ein Verlust von über 2% - auf das Jahr hochgerechnet rund 80 Mrd. Euro. Zudem sei anzunehmen, dass die Krise zu mehr Insolvenzen und einer temporär höheren Arbeitslosigkeit führe. Ein eingetrübtes Investitions- und Konsumklima könnte das Wachstum dämpfen. Auch würden die "alten" Probleme des zunehmenden Protektionismus, des immer noch ungeregelten Brexit sowieder Strukturwandel in der Automobilindustrie, der gerade Deutschland herausfordert bleiben. (19.06.2020/ac/a/m)