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Fr, 14. August 2020, 2:46 Uhr

Deutschland: Es bleibt ein Wohlstandsverlust


08.06.20 11:05
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Quartal um 2,2% gegenüber den drei Vormonaten gesunken, obwohl sich die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie erst ab März zeigten, berichten die Analysten der Helaba.

Die privaten Konsumausgaben, die Ausrüstungen sowie die Exporte seien stark rückläufig gewesen. Stabilisiert hätten sich hingegen die Bauinvestitionen und die öffentlichen Konsumausgaben. Der deutlich stärkere Einbruch sei für das zweite Quartal zu erwarten, bevor ab dem dritten Vierteljahr kräftige Zuwächse wahrscheinlich würden. Da das erste Quartal schwächer als erwartet ausfiel, haben die Analysten der Helaba ihre Prognose für Deutschland gesenkt. Die deutsche Wirtschaftsleistung dürfte 2020 um kalenderbereinigt 5% schrumpfen (vorher: -4,2%). Der neue Verlauf führe dazu, dass im Gegenzug der Zuwachs 2021 mit 4,5% stärker ausfalle als zuvor prognostiziert (4,0%).

Die erwartete Besserung der deutschen Konjunktur zeige sich bereits in den Frühindikatoren. So seien die vom ifo Institut befragten Unternehmen leicht optimistischer geworden. Die Einschätzung der tatsächlichen Lage hingegen habe sich noch nicht verbessert, obwohl die Einkaufsmanagerindices vielversprechend ausgefallen seien. Vor allem im Dienstleistungsbereich seien die Einkäufer im Mai wieder optimistischer gewesen. Auch der Lkw-Maut-Fahrleistungsindex deute an, dass nach dem Einbruch ab Mai mit einem Anstieg der Industrieproduktion gerechnet werden könne. Dieser Index zeichne die Entwicklung der Fahrleistung von großen Lkw (mit mindestens vier Achsen) auf deutschen Bundesautobahnen nach und spiegele recht zuverlässig die Produktionsleistung.

Der Aufschwung im zweiten Halbjahr werde durch das Anfang Juni beschlossene Konjunkturprogramm gestärkt. Es umfasse Maßnahmen für die Jahre 2020 und 2021 in einer Größenordnung von 130 Mrd. Euro oder fast 4% des Bruttoinlandsprodukts von 2019. Das Konjunkturprogramm biete ein Potpourri von 57 Maßnahmen. Hierzu gehöre die Absenkung der Mehrwertsteuersätze von 19% auf 16% bzw. von 7% auf 5% für das zweite Halbjahr 2020, ein einmaliger Bonus von 300 Euro pro Kind und die Verdopplung der Kaufprämie ("Innovationsprämie") für Elektrofahrzeuge. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu erhöhen, werde die EEG-Umlage gesenkt. Die Rahmenbedingungen für Investitionen würden zudem durch die degressive Abschreibung, eine höhere Forschungsförderung, den steuerlichen Verlustrücktrag und die Deckelung der Sozialversicherungsbeiträge auf 40% bis zum Jahr 2021 verbessert.

Trotz dieser Maßnahmen werde es mindestens bis Ende 2021 dauern, bis das Niveau des Bruttoinlandsprodukts vor der Corona-Krise wieder erreicht werde. Unterstelle man, diese Krise sei nicht eingetreten und die Wirtschaftsleistung stattdessen entsprechend ihres Potenzials weiter gewachsen, dann bleibe im Vergleich auch Ende nächsten Jahres noch ein Wohlstandsverlust von mehr als zwei Prozentpunkten oder fast 80 Mrd. Euro. Diese Einbußen würden daraus resultieren, dass verlorene Einnahmen wie in der Gastronomie nicht oder nur teilweise nachgeholt würden. (08.06.2020/ac/a/m)