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Fr, 14. August 2020, 1:37 Uhr

Deutschland: Mehr Nachfrage und besserer Standort


05.06.20 15:38
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Der konjunkturelle Tiefpunkt in Deutschland war im April, so die Analysten der Helaba.

Wie stark der Aufschwung ausfallen werde, sei noch unsicher. Das beschlossene Konjunkturprogramm in Höhe von fast 4% des Bruttoinlandsprodukts dürfte teilweise rasch wirken. Die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen werde sich mittelfristig positiv auswirken.

Der April sei auch für die deutsche Industrie der konjunkturelle Tiefpunkt gewesen. Die Auftragseingänge seien gegenüber Vormonat um unglaubliche 25,8% geschrumpft. Die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes, die in der Berichtswoche veröffentlicht werde, dürfte ebenfalls einbrechen. Klimaindices würden aber ab Mai eine Besserung versprechen. Es bleibe allerdingsdie Frage, wie stark dieser Aufschwung ausfallen werde. Die Bundesregierung gehe offensichtlich davon aus, dass sich Verbraucher und Investoren vorerst noch zurückhalten würden. Das jetzt beschlossene Konjunkturprogramm in der enormen Größenordnung von 130 Mrd. Euro oder fast 4% des Bruttoinlandsprodukts von 2019 für die Jahre 2020 und 2021 solle die Stimmung im Lande drehen. Bereits im Nachtragshaushalt seien Zusatzausgaben im Rahmen der Schutzschirm-Programme von rund 350 Mrd. Euro oder rund 10% des BIP beschlossen worden, die bislang erst zu einem Teil ausgeschöpft worden seien. Sie könnten teilweise auch für das Konjunkturprogramm verwendet werden. Gehe man davon aus, dass etwa zwei Drittel der Mittel für das neue Konjunkturprogramm bereits in diesem Jahr ausgegeben würden, erhöhe sich das öffentliche Defizit 2020 nochmals deutlich auf über 9% des Bruttoinlandsprodukts.

Das Konjunkturprogramm biete ein Potpourri von 57 Maßnahmen: Manche würden kurzfristig positive konjunkturelle Wirkungen entfalten. Hierzu gehöre die Absenkung der Mehrwertsteuersätze von 19% auf 16% bzw. von 7% auf 5% von Juli bis Dezember 2020. Allein hierfür seien 20 Mrd. Euro veranschlagt. Dies gelte auch für den einmaligen Kinderbonus von 300 Euro pro Kind (Finanzbedarf: 4,3 Mrd. Euro) und die Verdopplung der Kaufprämie ("Innovationsprämie") für Elektrofahrzeuge (gut 2 Mrd. Euro). Diese Maßnahmen würden die Kaufkraft der deutschen Verbraucher erhöhen. Dies sei erwünscht, auch wenn Importe hierdurch ebenfalls gefördert würden. Immerhin dürften die privaten Verbrauchsausgaben mit 5,5% nochmals stärker schrumpfen als das Bruttoinlandsprodukt (-5%). Allerdings werde es zu Vorzieheffekten beim Konsum kommen. Es bleibe zu hoffen, dass sich die Konjunktur soweit erhole, dass eine Zurückhaltung der Verbraucher im ersten Quartal 2021 gut verkraftet werden könne.

Noch deutlich stärker als beim Konsum werde 2020 der Einbruch bei den Ausrüstungsinvestitionen mit schätzungsweise -16% ausfallen. Ein dynamischerAnstieg im zweiten Halbjahr sei nur dann zu erwarten, wenn sich die wichtigen Absatzmärkte der deutschen Industrie von der Corona-Krise rasch erholen würden. Offene Märkte seien hierfür eine wichtige Voraussetzung. Naturgemäß könne ein Konjunkturprogramm hier wenig bewirken. Einzig die Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit bleibe. Auch hier führe das Programm in die richtige Richtung. Die Absenkung der EEG-Umlage helfe neben Verbrauchern auch den deutschen Unternehmen, die im internationalen Vergleich sehr hohe Stromkosten schultern müssten. Die Rahmenbedingungen für Investitionen würden zudem durch die degressive Abschreibung, die Verbesserung bei der Forschungsförderung, den steuerlichen Verlustrücktrag und die Deckelung der Sozialversicherungsbeiträge auf 40% bis zum Jahr 2021 verbessert. Problematischer dürfte sein, dass der Staat im sogenannten "Zukunftspaket" die Entwicklungsrichtung der deutschen Volkswirtschaft vorgebe und stimuliere. Ob sich dies bewähre, werde sich zeigen. Zumindest helfe die Förderung der Elektromobilität, der Wasserstofftechnologie, der Künstlichen Intelligenz (KI) und der Quantentechnologien den deutschen Unternehmen, ihre Position in diesen Bereichen zu verbessern.

Sollte es mit diesem Programm gelingen, Konsum- und Geschäftsklima weiter zu verbessern, würde das Wirtschaftswachstum im zweiten Halbjahr höher als bislang angenommen ausfallen. Eine Aufwärtsrevision der Helaba-Prognose setze aber voraus, dass auch der deutsche Außenhandel als ein Grundpfeiler der Entwicklung in Gang komme. Bislang seien aber wichtige Absatzmärkte wie die USA weiterim Banne der Corona-Krise. (05.06.2020/ac/a/m)