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Do, 2. Juli 2020, 18:18 Uhr

Deutschland: Trendwende


22.05.20 15:40
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Bei den Frühindikatoren dürfte in den nächsten Wochen das "V" dominieren, berichten die Analysten der Helaba.

Ausgehend von grottenschlechten Werten erhole sich nach den ZEW-Erwartungen und den Einkaufsmanagerindices voraussichtlich auch das ifo-Geschäftsklima. Zudem dürften die Konsumenten optimistischer werden.

Ab dem 20. April habe die deutsche Automobilindustrie begonnen, die Produktion schrittweise wieder zu starten. Auch die Einzelhändler im Nicht-Lebensmittelbereich hätten ihre Geschäfte geöffnet. Anfang Mai durften auch erste Dienstleister die Arbeit aufnehmen. Dies dürfte sich im ifo-Geschäftsklimaindex für den Berichtsmonat Mai positiv niederschlagen. Voraussichtlich würden sich die Erwartungen vor allem im Einzelhandel, aber auch bei Dienstleistern und im Verarbeitenden Gewerbe stark verbessern. Der Anstieg der Einkaufsmanagerindices für Mai zeige zudem, dass auch die Lage vor allem im Dienstleistungsbereich günstiger eingeschätzt werde. In vorherigen Krisen habe der ifo Teilindex "Lage" allerdings mit Zeitverzug hierauf reagiert. Der gesamte ifo-Geschäftsklimaindex dürfte deswegen nur moderat zulegen.

Auch der Lkw-Maut-Fahrleistungsindex zeige, dass sich die wirtschaftlichen Aktivitäten in Deutschland wieder erhöhen würden. Dieser Indikator sei im Bundesamt für Güterverkehr entwickelt worden und zeichne die Entwicklung der Fahrleistung von großen Lkw (mit mindestens vier Achsen) auf deutschen Bundesautobahnen nach. Er spiegele recht zuverlässig die Entwicklung der Industrieproduktion wider. Sein Vorteil bestehe darin, dass es sehr aktuelle Tageswerte gebe. Im Monatsvergleich signalisiere dieser Index, dass die Industrieproduktion im April, die noch nicht veröffentlicht worden sei, nochmals deutlich geschrumpft sei. Auf Basis der bereits vorliegenden Tageswerte lasse sich für Mai ein Anstieg gegenüber Vormonat von gut 3% errechnen.

Die Corona-Lockerungen dürften sich auch positiv beim Konsumklima zeigen. Dies habe sich schon am Wert für die Eurozone gezeigt, der für Mai gestiegen sei. Der GfK-Index sollte noch etwas stärker zulegen. Hierzulande hätten die Geschäftsöffnungen früher und weitergehender stattgefunden als in anderen Ländern. Ein Belastungsfaktor für die Verbraucher bleibe allerdings die schwierige Lage an den Arbeitsmärkten. In Deutschland beispielsweise hätten die Unternehmen Kurzarbeit für über 10 Millionen Beschäftigte beantragt. Dies belaste die Einkommenserwartungen, trübe die Einschätzung der Konjunktur und letztlich die Kaufneigung.

Entlastend auf die Realeinkommen würden hingegen die aktuell niedrigen Energiekosten wirken. Auch im Mai seien Benzin und Heizöl nochmals leicht günstiger geworden. Allerdings würden die Verbraucher durch hohe Preise für unverarbeitete Lebensmittel belastet - aufgrund der Schwierigkeiten, Erntehelfer zu bekommen. Auch seien teilweise Dienstleistungspreise wegen der Corona-bedingten Zusatzkosten erhöht worden. Trotzdem würden die Inflationsraten mit voraussichtlich 0,9% in Deutschland und 0,4% in der Eurozone außergewöhnlich niedrig bleiben. (22.05.2020/ac/a/m)