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Do, 13. August 2020, 11:14 Uhr

Eurozone: Frankreich der große Verlierer


08.05.20 16:20
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die jüngsten Daten zeigen, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie stark differieren, so die Analysten der Helaba.

Deutschland scheine verhältnismäßig gut durch die Krise zu kommen. Dies gelte nicht für Frankreich, Italien und Spanien, deren Wachstumsprognosen angepasst würden.

Nun seien die ersten Effekte der Corona-Pandemie auf die Wirtschaftsleistung der Länder ersichtlich. Die strengen Ausgangsbeschränkungen in Frankreich, Italien und Spanien würden hohe Kosten zeigen. Zwar werde das deutsche Bruttoinlandsprodukt für das erste Quartal erst in der Berichtswoche veröffentlicht. Erste Schätzungen würden jedoch ergeben, dass die liberalere Kontaktsperre hierzulande sowie die weniger stark herunterregulierte Wirtschaft zu einem deutlich kleineren Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland geführt habe. Dies zeige sich exemplarisch an den bereits vorliegenden Daten zum Einzelhandel und der Bauwirtschaft.

Für Deutschland sei die Industrie wesentlich wichtiger als für andere Länder der Eurozone. Der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes am BIP liege hierzulande bei einem Fünftel, während Frankreich und Spanien nur rund ein Zehntel erreichen würden. In Italien liege der Anteil mit rund 15% etwas höher. Die Produktionszahlen für März würden zeigen, dass auch hier der Rückgang in Deutschland weniger ausgeprägt gewesen sei als in den Vergleichsländern. Die Output-Indices aus den Einkaufsmanagerbefragungen lägen bereits für April vor. Sie würden das Bild bestätigen. Die deutsche Automobilindustrie habe ab 20. April begonnen, die Produktion an ihren Standorten schrittweise wieder zu starten, sodass dieser Monat auch im Verarbeitenden Gewerbe den Tiefpunkt darstellen dürfte.

Die BIP-Prognose der Analysten für Deutschland von -4,2% für dieses Jahr werde mit der Bekanntgabe der Zahlen für das erste Vierteljahr überprüft. Die extrem schwachen Zahlen für die anderen Flächenländer hätten die Analysten hingegen bewogen, die Prognosen deutlich nach unten anzupassen. Für die gesamte Eurozone würden die Analysten nun einen Rückgang von -7% erwarten (vorher: -5%). Dies werde am V-förmigen Verlauf der Konjunktur nichts ändern. Es sei sogar anzunehmen, dass die Zuwächse im dritten Quartal höher als bislang erwartet ausfallen würden. Damit hätten sich die Wachstumsraten für 2021 erhöht, ohne dass die Verlaufsraten für nächstes Jahr geändert würden. Für die Eurozone insgesamt dürfte das Wachstum auf 5,5% steigen (vorher: 4,3%).

Den stärksten Einbruch im ersten Quartal mit -5,8% gegenüber den drei Monaten zuvor habe Frankreich verzeichnet, noch hinter Italien (-4,7%), dessen Shutdown-Periode eine Woche früher begonnen habe. Der Einbruch in Spanien habe sich auf -5,2% belaufen. Frankreich dürfte auch im zweiten Quartal der große Verlierer bleiben. Hier beginne das "Déconfinement" erst am 11. Mai, während Italien bereits ab 2. Mai mit den Lockerungen begonnen habe. Die Analysten würden deswegen für Frankreich einen BIP-Rückgang von -9,5% erwarten, für Italien von -8,5% und für Spanien von -8% für dieses Jahr. Es bleibe zu hoffen, dass die erfolgreiche französische Reformpolitik der vergangenen Jahre dazu beitrage, dass das Land nach der Corona-Krise wieder deutliche Wachstumsraten aufweise. (08.05.2020/ac/a/m)