Suchen
Login
Anzeige:
Fr, 14. August 2020, 2:45 Uhr

Japan: Tiefe Rezession unvermeidlich


11.05.20 14:10
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die farbenprächtige Kirschblütenzeit ist immer ein besonderes Ereignis in Japan, zu dem normalerweise auch viele Menschen aus dem Ausland eigens anreisen, do die Analysten der Helaba.

Dieses Frühjahr hätten jedoch angesichts der globalen Corona-Krise andere Bedingungen geherrscht. Der landesweite Notstand sei ausgerufen und bei über 15.000 Infizierten die Einschränkungen des öffentlichen Lebensbis Ende Mai verlängert worden. Dies sorge für kräftige Wachstumseinbußen in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt, die nach acht Jahren Expansion nun in eine tiefe Rezession abrutsche.

Bedingt durch die Anhebung der Konsumsteuer im letzten Herbst und die langwierigen Handelsstreitigkeiten zwischen den beiden wichtigsten Handelspartnern USA und China habe sich Japan ohnehin mit ernstzunehmenden Herausforderungen konfrontiert gesehen, die zu einer Wachstumsdelle geführt hätten. Doch die rasante Verschlimmerung der globalen Corona-Krise lasse mittlerweile sogar eine gesamtwirtschaftliche Kontraktion um 4,5% für das laufende Jahr erwarten. Dazu trage die Verschiebung der Olympiade nur einen kleinen Teil bei. Als industrielastige Volkswirtschaft besitze Japan schließlich eine hohe externe Verwundbarkeit, hinzu komme die krisenbedingt begrenzte inländische Wirtschaftstätigkeit.

Mit umfangreichen Konjunkturmaßnahmen versuche sich Japan demgesamtwirtschaftlichen Einbruch entgegenzustemmen. Im April 2020 habe die Regierung ein Konjunkturpaket mit einem Rekordvolumen von 117 Billionen Yen (eine Billion Euro) geschnürt, was rund 20% des japanischen Bruttoinlandsproduktes ausmache. Diese Maßnahmen würden finanzielle Soforthilfen für Haushalte und Unternehmen umfassen, die temporäre Stundung von Steuern und Sozialausgaben, zinslose Unternehmenskredite, die Unterstützung besonders krisengebeutelter Sektoren sowie die Verbesserung des Gesundheitssystems. Hierfür sei jüngst ein Nachtragshaushalt über 25,7 Billionen Yen (220 Milliarden Euro) verabschiedet worden.

Die großvolumigen Konjunkturstimulimit immer neuen Schulden hätten Japan bereits über die Jahre zum am meisten verschuldeten Staat unter den großen Industrienationen gemacht. Mit der nun veranschlagten Neuverschuldung sei ein Anstieg des öffentlichen Schuldenstandesim laufenden Kalenderjahr auf rund 250% des BIP denkbar (von zuletzt knapp 240% gemäß Internationalem Währungsfonds). Im Jahresverlauf könnte es weitere Konjunkturmaßnahmen via Nachtragshaushaltsfinanzierung geben. Hinzu komme die fortschreitende Überalterung der japanischen Bevölkerung, die zunehmend kostspielige Pflege- und Rentenleistungen erfordert. Ein derart hohes Schuldenniveau sei auch zu Kriegszeiten bisher in keinem Industriestaat erreicht worden. Dies lasse das ursprüngliche Regierungsversprechen eines ausgeglichen Primärhaushaltes bis2025 in weite Ferne rücken (Prognose 2020: rund -10%). (11.05.2020/ac/a/m)