Suchen
Login
Anzeige:
So, 22. September 2019, 18:58 Uhr

Konjunktur Deutschland: Abkühlung ja, Rezession nein


08.07.19 12:20
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.aktiencheck.de) - Die konjunkturelle Dynamik hat sich in Deutschland seit dem Jahr 2018 spürbar abgekühlt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI) in einer aktuellen Ausgabe von "Strategie Globale Märkte".

Dies sei angesichts der Konjunkturüberhitzung zwischen Ende 2016 und Mitte 2018 aber sogar als positiv anzusehen. Die explizite Konjunkturschwäche im zweiten Halbjahr 2018 sei großenteils Sondereffekten wie Problemen in der Automobilindustrie zuzuschreiben gewesen. Diese Sondereffekte hätten sich inzwischen größtenteils ausgewaschen. Die Gefahr einer weitergehenden Konjunkturabkühlung oder gar einer Rezession sähen die Analysten der RBI derzeit nicht. Wie stark das reale Bruttoinlandsprodukt in den nächsten Quartalen wachsen werde, hänge ihrer Meinung nach im Wesentlichen von der Entwicklung der privaten Konsumausgaben sowie der Exporte ab.

Für den privaten Konsum seien die Analysten der RBI vorsichtig optimistisch. Zwar habe sich die Dynamik beim Beschäftigungszuwachs zuletzt etwas abgeschwächt, die Analysten würden allerdings angesichts der nach wie vor fast rekordhohen Zahl an unbesetzten Arbeitsplätzen von einem weiteren Anstieg der Beschäftigung ausgehen. Für die Lohnentwicklung würden die bis dato vorliegenden Tarifabschlüsse sowohl für das laufende Jahr als auch für 2020 auf Zuwachs von jeweils knapp über 2% hindeuten. Das wäre jeweils etwas mehr als die erwartete Teuerungsrate. Steigende Reallöhne in Kombination mit einer steigenden Beschäftigung sprächen für wachsende reale Konsumausgaben.

Die realen Exporte dürften zumindest im Ausmaß der letzten Quartale zulegen. Vom zweiten Quartal 2018 bis zum ersten Quartal 2019 habe der durchschnittliche Quartalszuwachs 0,4% betragen. Ende 2018 bzw. Anfang 2019 seien die Exporte im Schnitt sogar fast doppelt so stark angestiegen - trotz der miserablen Entwicklung der wichtigsten Stimmungsindikatoren im selben Zeitraum. Die Zuwachsrate der Importe dürfte sich angesichts der bereits erfolgten Abnahme der binnenwirtschaftlichen Dynamik sowie der weniger stark wachsenden Exporte abkühlen. Die Zeiten, in denen die Importe stärker wachsen würden als die Exporte - fünf der letzten sechs Jahre - dürften sich damit auch dem Ende neigen. Beim realen Bruttoinlandsprodukt sei wegen sehr schwachen zweiten Halbjahres 2018 und dem daher quasi nicht vorhandenen statistischen Überhang für das laufende Jahr dennoch nur mit einer Zunahme der Wirtschaftsleistung von maximal 1% zu rechnen. Ein ähnlich starkes Plus erwarte man für das Jahr 2020.

Die österreichische Volkswirtschaft bleibe im stürmischer werdenden internationalen Umfeld weiterhin auf Kurs. Zwar bekomme auch Österreich das rauer werdende Klima zu spüren. Jedoch habe in den letzten Quartalen einem nachlassenden (aber weiterhin vorhandenen) Rückenwind aus dem Ausland eine unvermindert dynamische Inlandsnachfrage gegenübergestanden und damit bisher eine stärkere Abkühlung der Konjunkturdynamik verhindert. Dieses Muster - nachlassender externer Impuls und weiterhin solide Inlandsnachfrage - dürfte zumindest 2019 das konjunkturelle Bild prägen. Vor diesem Hintergrund sollte die Konjunktur in den kommenden Quartalen nur leicht an Fahrt verlieren und damit trotz bestehender externer Unsicherheiten ihren moderaten Expansionskurs fortsetzen. Alles in allem würden die Analysten der RBI für das Gesamtjahr 2019 ein BIP-Wachstum von mindestens 1,3% (2018: 2,7%) erwarten, gefolgt von 1,2% im Jahr 2020. Als maßgeblicher Treiber sollten sich in erster Linie der private Konsum sowie die (Bau-)Investitionen erweisen. (Ausgabe 3. Quartal 2019) (08.07.2019/ac/a/m)