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Fr, 14. August 2020, 2:07 Uhr

Türkei: Hoffnung richtet sich auf 2021


08.06.20 13:17
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - In der Türkei verwandelt die Corona-Pandemie gerade ein wirtschaftlich vielversprechendes Jahr in eine Katastrophe, so die Analysten der Helaba.

Der Start in das Jahr 2020 sei noch recht ordentlich verlaufen, unterstützt von einer kräftigen Kreditausweitung und guten Frühbucherzahlen im Tourismus. Das Virus führe jetzt zu einem massiven Einbruch über alle Wirtschaftssektoren hinweg. Die Analysten würden einen Wirtschafts-einbruch von 4% erwarten, wobei hinter der Tourismus-Saison 2020 noch ein großes Fragezeichen stehe. Gut möglich, dass der Rückgang 2020 mit den Rekord-Rezessionsjahren 2001 und 2009 mithalten könne, als das BIP um mehr als 5% nachgegeben habe.

Die Lockdown-Maßnahmen hätten zusammen mit dem inländischen und ausländischen Nachfragerückgang sowie Unterbrechungen in der globalen Lieferkette zu einem Rückgang der Kapazitätsauslastung in der Industrie von 75,3% im März auf 61,6% im April geführt. Zuvor habe es nur während der Finanzkrise 2009 einen vergleichbaren Rückgang gegeben. Auch im Mai habe die Auslastung mit 62,6% nur unwesentlich höher als im Vormonat gelegen, was der Hoffnung der türkischen Verantwortlichen auf eine schnelle Erholung entgegenstehe.

Allerdings könnte die Türkei mittelfristig von einer Neuausrichtung der globalen Lieferketten profitieren. Dafür würden die solide industrielle Basis, die gute Infrastruktur und die Nähe zu europäischen Produktionsstätten sprechen. Wegen der gedämpften Auslandsnachfrage seien die Warenexporte im April 41% niedriger ausgefallen als im Vorjahresmonat. Besonders schwach hätten sich die Exporte der Automobilzulieferer gezeigt, die traditionell den größten Anteil an den Warenexporten ausmachen würden und nur noch weniger als ein Viertel des Wertes vom April 2019 erreicht hätten. Eine Erholung des Außenhandels hänge wesentlich von der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland, dem Vereinigten Königreich und Italien ab, den wichtigsten Exportländern der Türkei.

Die Aussetzung von Flugverbindungen, Reisewarnungen und Restriktionen im Gastgewerbe würden dem Tourismus zu schaffen machen. Der Sektor sei die Achillesferse der türkischen Wirtschaft. Er trage etwa 12% zum BIP bei und beschäftige mehr als eine Millionen Arbeitnehmer. 2019 habe die Türkei 35 Mrd. US-Dollar an ausländischen Besuchern verdient. Dementsprechend setze die Regierung alles daran, die Beschränkungen für Touristen so schnell wie möglich aufzuheben. Schon im Juni wolle Tourismusminister Ersoy wieder erste ausländische Gäste begrüßen. Den Anfang machen sollten Länder in Asien, denen im Kampf gegen Corona die größten Fortschritte gelungen seien. Auch Deutsche sollten bald folgen. 2019 hätten sie mit 5 Millionen die zweitgrößte Besuchergruppe gestellt, nur Russen seien mit 7 Millionen zahlreicher gewesen.

Angesichts des schweren Verlaufs der Pandemie in Russland würden türkische Hotels aber auf absehbare Zeit auf russische Gäste verzichten müssen. Letztes Jahr sei mit 52 Millionen Touristen ein Rekord erreicht worden. Die angepeilte Vor-Corona-Marke von 58 Millionen sei jetzt Utopie. Die Hoffnungen würden sich schon auf das kommende Jahr richten, in dem man auf 63 Millionen Touristen hoffe. Ein Argument für den Türkei-Urlaub liefere der Absturz der Türkischen Lira: Zwar habe sich diese zuletzt etwas erholen können, sie liege aber gegenüber dem US-Dollar immer noch etwa 20% niedriger als zu Jahresbeginn. (08.06.2020/ac/a/m)