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Fr, 14. August 2020, 3:01 Uhr

USA: Arbeitsmarkt überrascht im Mai positiv


08.06.20 11:30
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Der US-Arbeitsmarkt steht stets im Mittelpunkt der Konjunkturanalyse, spiegelt er doch gleichzeitig die Stimmung in den Unternehmen und die Einkommenssituation der privaten Haushalte wider - und damit die Hauptbestimmungsfaktoren der Investitionen und des Konsums, berichten die Analysten der Helaba.

Der Schrecken sei groß gewesen, als im April laut offizieller Statistik netto mehr als 20 Mio. Stellen verloren gegangen seien und die Arbeitslosenquote auf den Rekordwert von 14,7% gesprungen sei. Im Hoch habe die Zahl der Empfänger von Arbeitslosenhilfe Anfang Mai fast 25 Mio. erreicht. Die Erwartungen für den Arbeitsmarktbericht zum Mai seien entsprechend pessimistisch gewesen. Statt um 9 Mio. zu fallen, womit die Prognostiker im Schnitt gerechnet hätten, sei die Beschäftigung aber um rund 2,5 Mio. gestiegen. Die Arbeitslosenquote sei auf 13,3% zurückgegangen, statt auf 20% oder darüber zu klettern, wie manche im Vorfeld prophezeit hätten - allgemeines Kopfkratzen unter den Ökonomen. Was erkläre diese Fehlprognosen?

Nun sei die Statistik für solche dramatischen Schwankungen nicht gut aufgestellt. Das Bureau of Labor Statistics habe angemerkt, dass bis zu 3 Mio. Personen möglicherweise falsch klassifiziert worden seien und bei den Arbeitslosen fehlen würden - aber dieses Problem habe auch schon im April bestanden. Eine mögliche Erklärung für die Verbesserung wäre, dass die Anreize des "Payroll Protection Program" (PPP)1 Unternehmen animiert hätten, in einer ersten Reflexaktion temporär freigestellte Mitarbeiter wieder zurückzuholen. Offenbar hätten manche Arbeitgeber im April überreagiert und selbst für die bescheidene Aktivität im Mai mehr Arbeitskräfte benötigt. Auch nach dem deutlichen Anstieg bleibe die Stellenzahl aber fast 13% unter dem Niveau vom Februar. Eine merkliche Erholung der Aktivität im Mai zeichne sich nämlich nicht ab. Vor der Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts hatten die Analysten der Helaba ihre Wachstumsprognose noch einmal nach unten angepasst, weil der Verlauf der Pandemie in den USA spürbar länger dauert als von ihnen unterstellt. Sie würden nun mit einer Kontraktion von rund 6% 2020 und einem Plus von 6,5% 2021 rechnen (bisher: -4,5% und 5,5%).

Die FED werde auf ihrer geldpolitischen Sitzung am 9./10. Juni wohl keine neuen Maßnahmen beschließen, sondern an Details bereits verabschiedeter Instrumente feilen bzw. das Kommuniqué leicht überarbeiten. Auch in der Fiskalpolitik seien zuletzt keine zusätzlichen Programme mehr dazu gekommen. Die vom Kongress auf den Weg gebrachte Ergänzung zum PPP gebe nicht mehr Geld aus, die Vergabekriterien würden lediglich angepasst. Dennoch bleibe es wahrscheinlich, dass hier nachgelegt werde und die Haushaltsdefizite 2020 und 2021 noch höher ausfallen würden als von den Analysten unterstellt. Schließlich haben die Analysten der Helaba wegen der schneller als erwartet eingetretenen Erholung der Ölpreise ihre Preisprognose nach oben angepasst. Für 2020 würden sie nun mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 0,8% (bisher: 0,2%) rechnen. Getrieben von den Energiepreisen dürfte die Teuerung 2021 auf 3% steigen. Inwieweit die Krise darüber hinaus durch einen allgemeinen Kostenschub eine nachhaltig höhere Inflation nach sich ziehen werde, bleibe abzuwarten. (08.06.2020/ac/a/m)