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Do, 13. August 2020, 10:17 Uhr

USA: Erholung vertagt - auf Juni?


05.06.20 16:06
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA als "schlecht" zu beschreiben, ist eine wüste Untertreibung, so die Analysten der Helaba.

Die Zahlen bewegen würden sich aber im Rahmen der (niedrigen) Erwartungen bewegen. Die Kontraktion durch den Lockdown ab März halte sich sozusagen offenbar an das "Drehbuch" des Basis-Szenarios der Helaba. Leider folge die epidemiologische Entwicklung in den USA aber nicht demselben Skript wie in China oder Deutschland. Die daraus resultierenden Verzögerungen beim "Wiederöffnen" der Wirtschaft hätten erhebliche Auswirkungen auf den Output. Die Analysten der Helaba würden daher ihre Wachstumsprognose noch einmal spürbar nach unten anpassen - hoffentlich zum letzten Mal in diesem Jahr.

Das bisheriges Basis-Szenario der Analysten der Helaba sei gewesen, dass die Epidemie in den USA - und in den großen europäischen Ländern - grob wie in China verlaufe: Ein steiler Anstieg der Infektionszahlen, Ausbildung eines Hochs nach drei bis vier Wochen und dann ein recht zügiger Rückgang. Zunächst sei dem die Epidemie in den USA mit etwas Nachlauf gegenüber Europa gefolgt. Aber Anfang Juni zeige sich ein anderes Bild: Landesweit lägen die Zuwächse noch immer recht hoch, ein nachhaltiger Abwärtstrend habe bislang nicht eingesetzt. In einigen Bundesstaaten steige die Infektionsrate sogar.

Hoffnungen auf eine breite, nachhaltige Lockerung der Restriktionen für das öffentliche Leben noch im Mai hätten sich daher zerschlagen. Ob es nun im Juni dazu komme, bleibe abzuwarten. Auf die Wachstumsprognose der Analysten der Helaba wirke sich aber der zweite Monat auf dem äußerst niedrigen Aktivitätsniveau vom April spürbar aus. Mit dem resultierenden schwächeren zweiten Quartal gehe der Jahresschnitt für 2020 auf -6% (bisher: -4,5%). Dabei hätten die Analysten der Helaba das grundsätzliche Szenario für die kommenden Quartale beibehalten, obwohl jede zusätzliche Woche am Tief die Gefahr mittel-bis langfristiger Schäden durch Insolvenzen und dauerhafte Stellenverluste erhöhe. Dennoch spreche alles dafür, dass bereits im dritten Quartal eine kräftige Erholung einsetze, die sich in den folgenden Perioden fortsetzen sollte. Für 2021 stehe damit nun ein Wachstum von 6,5% zu Buche (bisher: 5,5%). Das Vorkrisenniveau des Output würden die USA aber wohl trotzdem erst gegen Ende 2021 wieder erreichen.

Die aktuelle Episode könnte sich vor diesem Hintergrund als die schärfste, aber zugleich kürzeste Kontraktion in der jüngeren US-Wirtschaftsgeschichte erweisen. Diesen Rekord halte derzeit die Rezession in der ersten Jahreshälfte von 1980 (sechs Monate). Wahrscheinlich werde das "Business Cycle Dating Committee" das zyklische Hoch auf den Februar 2020 festlegen. Der untere Wendepunkt auf Monatsbasis dürfte im zweiten oder im frühen dritten Quartal liegen. Damit wäre die Rezession "offiziell" nach vier oder fünf Monaten wieder vorbei. Dies ändere jedoch nichts daran, dass es länger dauern werde, um die Spuren dieser Krise zu überwinden. Wie lange genau lasse sich derzeit noch nicht absehen: Wie wahrscheinlich seien neue Infektionswellen? Je nachdem, wie ängstlich die Verbraucher sich verhalten würden, könnten Branchen, die auf engen persönlichen Kontakt mit den Kunden setzen würden, sehr lange brauchen würden, um wieder auf einen grünen Zweig zu kommen. Wie gut hätten die Schutzschirme gewirkt? Was komme noch an Konjunkturprogrammen nach? (05.06.2020/ac/a/m)