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Do, 2. Juli 2020, 17:22 Uhr

USA: Schlimmer geht's nimmer?


29.05.20 12:09
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Die ISM-Einkaufsmanagerindices zählen - aus unserer Sicht zu Recht - zu den aussagekräftigsten US-Konjunkturindikatoren, so Patrick Franke von der Helaba.

Sie seien aber nicht perfekt. Konstruktionsbedingt würden sie zunächst nur die Breite einer Bewegung, nicht ihre Stärke reflektieren. Da Erstere mit Letzterer aber hoch korreliert sei, zumindest in normalen Zeiten, würden die Indices in der Regel verlässliche Informationen über die konjunkturelle Dynamik liefern.

Aktuell gelte dies nur eingeschränkt. Dies liege zum Teil an der Berechnungsmethode. Die Indices würden nicht stumpf die allgemeine Lage abfragen, sondern seien aus Komponenten zusammengewichtet. Ein Teilindex bilde dabei die Lieferzeiten ab. In einer normalen "Nachfragerezession" würden diese fallen, wenn sich die Konjunktur abkühle. Wegen der speziellen Natur der aktuellen "Virus-Rezession" seien die Lieferzeitenindizes aber stark gestiegen, was den direkten Vergleich mit vergangenen Zyklen erschwere. Vor allem deshalb seien die absoluten Niveaus auch nicht ungewöhnlich niedrig. Orientiere man sich an den bereits vorliegenden regionalen Stimmungsindikatoren, sei bei den ISM-Einkaufsmanagerindices (innerhalb und außerhalb des Verarbeitenden Gewerbes) trotz des andauernden Lockdowns in weiten Landesteilen für Mai ein Anstieg zu erwarten. Allerdings dürften sie unterhalb der Expansionsmarke von 50 bleiben.

Am Arbeitsmarkt sei das Drama hingegen noch in vollem Gange. Nach dem Rekordwert von 14,7% im April dürfte die Arbeitslosenquote im Mai noch einmal deutlich steigen - die Analysten der Helaba würden mit rund 18% rechnen. Dies beruhe auf einer "versicherten Arbeitslosenquote" von 14,5% in der Umfragewoche. Die Analysten der Helaba würden zudem eine erneut schrumpfende Erwerbspersonenzahl unterstellen, weil sich in der aktuellen Lage viele Leute ohne Job aus diversen Gründen gar nicht auf die Suche nach einer neuen Stelle machen würden. Einhergehen sollte der neue Rekord bei der Arbeitslosenquote mit einem siebenstelligen Stellenabbau. Nach dem Rückgang der Beschäftigung um rund 20 Mio. im Vormonat würden die Analysten der Helaba für Mai -9 Mio. prognostizieren.

Bei den Löhnen dürfte sich der verzerrende Zusammensetzungseffekt vom Vormonat in abgeschwächter Form fortsetzen. Wegen des überproportionalen Wegfalls niedrig bezahlter Jobs während des Lockdowns seien die Durchschnittslöhne wohl um 1% gegenüber dem Vormonat gestiegen (nach 4,7% im April). Da die Wiederöffnung der US-Wirtschaft auf sich warten lasse, werde auch die Verbesserung am Arbeitsmarkt, die unmittelbar auf das Zurückfahren der Restriktionen folgen dürfte, länger dauern. Dies sollte dann mit einem sehr deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit verbunden sein. Darüber hinaus lasse sich derzeit kaum seriös abschätzen, wie schnell am Arbeitsmarkt eine Art Normalität wiederhergestellt werden könne. (29.05.2020/ac/a/m)