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Do, 13. August 2020, 10:26 Uhr

Verschuldung: Gute Ausgangslage für Deutschland


24.04.20 12:55
Helaba

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Dank der Schuldenbremse sind die öffentlichen Haushalte in Deutschland vor der Corona-Krise in einer guten Ausgangslage, berichten die Analysten der Helaba.

Bei der konkreten Mittelaufnahme würden sich die Gebietskörperschaften erheblich unterscheiden.

Nach dem vorläufigen Höhepunkt der öffentlichen Verschuldung in Deutschland im Jahr 2012 mit 2,068 Bio. Euro habe eine gewisse Konsolidierung eingesetzt, deren gesetzliche Grundlage die Einführung der Schuldenbremse gewesen sei. Immerhin habe sich bis Ende 2019 der Schuldenstand auf 1,899 Bio. Euro reduziert und der Bund als größter Schuldner unter den Gebietskörperschaften mit einem Anteil von 63% habe Reserven anlegen können. Die Schuldenfinanzierung sei beim Bund zu 96% über Wertpapiere erfolgt. Länder und Stadtstaaten hätten im Durchschnitt ebenfalls eine hohe Wertpapierquote aufgewiesen (65%), allerdings reiche die Spannbreite von Sachsen mit nur 9% bis Hessen mit 77%. Die Kommunen seien dagegen bisher fast gar nicht am Kapitalmarkt aktiv.

Für die Belastung einer Volkswirtschaft durch ihre Schulden sei aber nicht der absolute Stand ausschlaggebend, sondern das Verhältnis zwischen Verschuldung und Wirtschaftskraft, gemessen am nominalen Bruttoinlandsprodukt - eine Relation, deren maximaler Wert in den Maastricht-Kriterien auf 60% festgelegt worden sei. Wie sei Deutschland in dieser Hinsicht positioniert? Bis 2019 seien die öffentlichen Haushalte hierzulande auf gutem Weg gewesen. So sei das Bruttoinlandsprodukt seit dem Tiefpunkt 2009 mit nominal zwischen 2% und 5% spürbar schneller gewachsen als die Staatsschulden, die zum Teil sogar gesunken seien. Damit hätten sich deutlich abnehmende Werte ergeben: Mit 60% habe die Schuldenquote 2019 deutlich unter dem 2010 erreichten Höchstwert von 82% gelegen.

Auf europäischer Ebene sei die Ausgangslage vor der Coronakrise sehr unterschiedlich gewesen. Die Verschuldungsquote im dritten Quartal 2019 habe von Estland mit nur 9% bis zu Griechenland mit 178% gereicht. Der Durchschnitt der EU-Staaten sowie der Euroländer habe 80% bzw. 86% betragen und sei damit weit von der angestrebten Maastrichtquote entfernt gewesen. Viele große Eurozonen-Länder hätten sogar noch höhere Quoten ausgewiesen. Allerdings habe sich von den 27 EU-Staaten eine deutliche Mehrheit - 16 Länder - nahe oder deutlich unter der 60%-Grenze befunden. In der Eurozone sei es mit 10 von 19 Ländern immerhin gut die Hälfte gewesen.

Insofern bestünden nun sehr unterschiedliche Interessen und Dringlichkeiten zwischen den Ländern der EU, die Ausgaben zur Bekämpfung der Corona-Krise zumindest zum Teil gemeinschaftlich zu finanzieren. Werde die Schuldenaufnahme über entsprechende europäische Institutionen wie die Europäische Investitionsbank durchgeführt, würden die nationalen Schuldenstände - je nach Ausgestaltung - nicht steigen. Inwiefern dies dennoch die Ratings der einzelnen EU-Staaten belaste, bleibe abzuwarten, denn letztlich würden die Länder auch für die europäischen Institutionen haften. (24.04.2020/ac/a/m)