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Mo, 12. April 2021, 14:14 Uhr

Wochenausblick: Vorübergehendes Unwohlsein


22.02.21 16:21
Redaktion boerse-frankfurt.de

Inflationssorgen und steigende Anleiherenditen dämpfen die Erwartungen der Anleger. Technisch orientierte Analysten sehen eine Fortsetzung der Hängepartie am deutschen Aktienmarkt. Einige warnen vor Abwärtsrisiken.



22. Februar 2021. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der Auftrieb an den internationalen Aktienmärkten geriet vergangene Woche ins Stocken. Der DAX verlor von 14.125 auf 13.990 Punkte und eröffnete am Morgen mit 13.858 Punkten. Der Dow Jones Industrial schaffte dagegen ein kleines Plus von 0,1 Prozent. Bedenken hinsichtlich einer steigenden Inflation breiten sich aus und treiben Renditen von Staatsanleihen nach oben. Fortschritte bei den Impfungen stützen zwar die Hoffnung auf eine sich erholenden Konjunktur. In Verbindung mit einer auch künftig sehr lockeren Zinspolitik sowie üppigen Staatshilfen bleibt die Teuerung Analysten zufolge aber ein Thema.


Für Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank dürften hohe Kursniveaus, der Gegenwind von der Zinsseite und die vielschichtigen Pandemie-Nachrichten kurzzeitig zu einer Konsolidierung am Aktienmarkt führen. Ob es eine schnelle Abwärtskorrektur oder eine über die Zeit erfolgende Seitwärtsbewegung gibt, sei offen. Mittelfristig werde der positive Trend an den Märkten vermutlich fortgesetzt, da die Risikobereitschaft generell hoch erscheine.


Preisdruck eher moderat


Die an den Finanzmärkten als Reflation bezeichnete Inflationserwartung wird sich nach Ansicht von Schickentanz zunächst in Grenzen halten. Vieles spreche gegen nachhaltig deutlich höheren Preisdruck. Unter anderem werde es voraussichtlich kaum größere Kapazitätsengpässe geben und die Unterbeschäftigung halte den Lohndruck und somit die Inflationsraten eher im Zaum. Anleihe-Renditen könnten zwar weiter steigen, der Druck werde aber allmählich nachlassen und aufgrund der Notenbank-Käufe insgesamt in diesem Jahr moderat bleiben.


Dritte Welle verzögert Erholung


Die Hoffnungen auf ein nahendes Ende der Pandemie werden nach Meinung von Blackrock-Stratege Martin Lück von gleich mehreren Virusmutanten geschmälert. Das erhöhe die Wahrscheinlichkeit einer dritten Infektionswelle erheblich. Ein verlängerter Lockdown wiederum könne zu noch stärkeren ökonomischen Schäden führen als bislang erwartet. Zumindest mittelfristig würde sich das Lück zufolge auch in den Unternehmenszahlen widerspiegeln. Ein starker Wirtschafts-Neustart im Sommer verbunden mit steigender Inflation und weiterhin atypisch niedrigen Zinsen könnten dann für eine günstige Konstellation an den Aktienmärkten sorgen.


Besserung in zwei Geschwindigkeiten


Claudia Windt unterscheidet zwischen den USA und Europa. Robuste Konsum- und Investitionsdaten in den vereinigten Staaten setzen dem US-Rentenmarkt nach Meinung der Helaba-Analystin womöglich weiter zu und beflügeln gleichzeitig Aktien. Für den Euroraum gelte dies nur eingeschränkt. Zwar bestätige der deutsche ifo-Geschäftsklimaindex, dass auch hierzulande die Industrie in vollen Zügen laufe. Anhaltende Lockdown-Maßnahmen, stagnierende Neuinfektionszahlen und nur langsam steigende Impfquoten sprächen derweil für eher schleppende Fortschritte in der Pandemiebekämpfung.


Abwärtsrisiken mit einkalkulieren


Mit den großen Indizes nahe ihren Höchstständen hat sich an den Märkten nach Auffassung von Eduard Baitinger klar die Erwartung eines baldigen Endes der Lockdown-Maßnahmen und einer zeitnahen Wiedereröffnung der Wirtschaft durchgesetzt. Je stärker Investoren davon überzeugt sind, dass bald alles wieder beim Alten ist, desto größer ist nach Meinung des Feri-Analysten das Risiko für Rückschläge. Man dürfe nicht vergessen, dass ein Großteil der positiven Erwartungen an den Märkten bereits eingepreist sei.


DAX weiter im Seitwärtsmodus


Technisch bleibt der DAX auf kurze Sicht seinem vor Monaten eingeschlagenen Weg treu, wie Christop Geyer von der Commerzbank meint. „Nach einem Ausbruch aus einer Seitwärtsrange, folgt eine neue Seitwärtsrange.“ Es sei wie ein Treten auf der Stelle, nur jeweils auf einem etwas höheren Niveau. Statistisch gesehen werde sich daran in den kommenden Wochen vermutlich kaum etwas ändern. Ein Ende dieser Phase erwartet Geyer erst im März.


Für die Charttechniker der Helaba sollte die temporäre DAX-Erholung nicht darüber hinwegtäuschen, dass die technischen Indikatoren wie Momentum, Trendintensität und Volumenentwicklung ein deutlich ausgeprägtes und widersprüchliches Bild zeichnen. Entsprechend könne ein Rutsch unter die 13.830er Marke nicht ausgeschlossen werden. Darunter biete die 55-Tagelinie bei 13.719 DAX-Punkten Unterstützung.


Geyer


Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten


Nachdem die Berichtssaison in den USA so langsam ausläuft, geben in dieser Woche große europäische Konzerne wie BASF, Deutsche Telekom, Telefonica, Fresenius und Reckitt Benckiser Einblick in ihre Bücher.


Freitag, 26. Februar


14.30 Uhr. USA: Private Einnahmen und Konsumausgaben Januar. Unter anderem getrieben vom Pandemie-Check für jeden Haushalt erwarten Analysten mit plus 10 Prozent deutlich höhere Einnahmen als im Dezember. Rechne man den Sondereffekt heraus, verbleibe ein Anstieg um 0,5 Prozent. Der Konsens für die Ausgaben liegt bei plus 0,7 Prozent.


14.30 Uhr. USA: Deflator privater Konsum, Januar. Die Umfrage ergibt im Monatsvergleich einen Anstieg um 0,1 Prozent, die DekaBank rechnet mit 0,3 Prozent. Auf Jahresbasis ergebe sich daraus ein Kernrate von 1,6 Prozent.


von: Iris Merker
22. Februar 2021, © Deutsche Börse AG




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