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Sa, 6. März 2021, 6:18 Uhr

Marktstimmung: "In Aktien der Eurozone verliebt"


16.07.20 08:59
Redaktion boerse-frankfurt.de

Anders als hierzulande scheinen ausländische Investoren Geschmack an heimischen Aktien zu finden. Das holt aber wenige aus der Bärenecke, was ein gutes Zeichen ist.


Zusammenfassung

Das internationale Interesse an europäischen Aktien steigt, der DAX ist seit vergangenem Mittwoch noch mal um 200 Punkte gestiegen. Nur die hiesigen Anleger bleiben skeptisch. Fast die Hälfte der institutionellen Anleger ist noch auf der Shortseite, lediglich einige neutral gestimmte Investoren sind ins Bullenlager gewechselt. Die Stimmung ist bei -20 Punkten ziemlich pessimistisch. Bei den Privatanlegern hat sich kaum etwas getan und -10 Punkte als Sentiment-Index ist auch nicht gerade euphorisch.


Nach Ansicht von Joachim Goldberg waren die Kursdellen der betrachteten Tage nicht tief genug für Gewinnmitnahmen der Bären. Auch nicht zwangsweise, dazu fielen die Preissteigerungen zu gering aus. Der Verhaltensökonom sieht den DAX weiterhin in einem "günstigen Umfeld". Die hiesigen Investoren würden zwar vermutlich erst ab 12.350/400  eindecken. Aber nach oben könnte ab 13.000 ein Short-Squeeze einsetzen und international gebe es noch viel potenzielle Nachfrage.


15. Juli 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Aktien der Eurozone scheinen sich seit einigen Wochen vor allen Dingen bei internationalen Fondsmanagern steigender Beliebtheit zu erfreuen. Diesen Eindruck vermittelt zumindest die gestern publizierte monatliche Umfrage der Bank of America (BofA). Gab das Gros der Portfolio-Manager – netto 17 Prozent der Befragten – nämlich noch im Mai an, in Aktien der Eurozone untergewichtet zu sein, hat sich diese Ablehnung im Juni und im Juli in eine kleine Liebesgeschichte verwandelt: Im Juli ergab sich nun eine Übergewichtung von per Saldo 16 Prozent der Fondsmanager (Vormonat 7 Prozent). Dies ist insofern bemerkenswert, als die heimischen institutionellen Investoren während besagten Zeitraums gegenüber dem DAX durchweg pessimistisch eingestellt waren.


…aber nicht alle Investoren


An diesem Pessimismus hat sich auch nach der heutigen Stimmungsumfrage nichts Wesentliches geändert. Immerhin ist der Börse Frankfurt Sentiment-Index der von uns befragten mittelfristig orientierten institutionellen Investoren um 9 Punkte gestiegen, liegt aber immer noch bei einem Wert von -20 Punkte. Diese Verbesserung geht übrigens zu 70 Prozent auf das Konto vormals neutral eingestellter Akteure, die sich nun zu den Optimisten gesellt haben. Mit anderen Worten: Die Pessimisten sind immer noch mit 47 Prozent aller Befragten fast so stark wie in der vergangenen Woche. Dies ist auch verständlich, da der DAX seither lediglich um etwas mehr als 1,3 Prozent günstiger notierte. Zu wenig also, um bearishe Positionen aufzugeben. Allerdings reichte der spätere Anstieg des Börsenbarometers im Punktvergleich zur vergangenen Befragung von 1,6 Prozent auch nicht aus, um eine Kapitulationswelle der Pessimisten auszulösen. Zumal das bisherige Hoch der Mitte März begonnenen Erholungsrallye am 8. Juni bei rund 12.913 Zählern bis zum Zeitpunkt der heutigen Erhebung noch nicht überwunden war.


Kaum der Rede wert sind die Stimmungsveränderungen bei den Privatanlegern. Der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels ist nämlich gerade einmal um 4 Punkte auf ein Niveau von nunmehr -10 gestiegen. Und das, weil es nur eine kleine Verschiebung (2 Prozent aller Befragten) vom Bären- ins Bullenlager gab.


Kapitulation der Pessimisten bislang ausgeblieben


Mit der heutigen Erhebung ist einmal mehr deutlich geworden, wer die hiesige DAX-Rallye während der vergangenen Wochen befeuert hat: vornehmlich internationale Investoren. Dabei ist es keineswegs so, dass die internationalen Fondsmanager aus der BofA-Umfrage erheblich risikofreudiger als die von uns befragten Pendants wären. Denn die globale Aktienallokation insgesamt liegt mit einer Übergewichtung von netto 5 Prozent der Befragten unter dem langfristigen Mittel. Und auch die von 4,7 auf 4,9 gestiegene Kassenquote dieser Investoren spricht nicht gerade für eine ungebremste Gier an den Aktienmärkten. Letztere werden ohnehin immer noch in einem hohen Maße als überbewertet eingestuft.


Kurzum: Der DAX befindet sich weiterhin in einem günstigen Umfeld. Zwar würden die hiesigen, überwiegend pessimistisch eingestellten institutionellen Investoren erst bei einem größeren Rücksetzer (vermutlich frühestens in der Region 12.350/400) ihre bearishen Engagements zurückdecken. Aber ein Überschreiten der 13.000er Marke dürfte ebenfalls zu Nachfrage zumindest in Form einer kleinen Short-Squeeze sorgen. Zusätzlich zeigt das Verhalten der internationalen Fondsmanager, dass ein großer Teil von ihnen ihr Pulver nicht zuletzt wegen der wahrgenommenen Marktrisiken trocken gehalten hat. Unter letzteren wird nämlich immer noch die Angst vor einer zweiten Covid-19-Pandemiewelle als größtes Damoklesschwert gesehen. Und sollte diese bullishe Munition zum Einsatz kommen, dürfte davon auch der DAX noch einmal profitieren.


15. Juli 2020, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de




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