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Sa, 6. März 2021, 5:46 Uhr

Wochenausblick: Schauen was kommt


17.08.20 11:20
Redaktion boerse-frankfurt.de

DAX Tafel

Mit steigenden Corona-Neuinfektionen und zusätzlichen Reisebeschränkungen in Europa scheint der Optimismus am Aktienmarkt vorerst verflogen. Richtungsweisende Impulse könnten das Blatt wenden, glauben einige Analysten.



17. August 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nach einem positiven Wochenverlauf – zeitweise notierte der DAX wieder oberhalb von 13.000 Punkten – ging dem deutschen Aktienindex zum Schluss etwas die Puste aus. Der DAX verabschiedete sich am Freitag mit 12.901 Punkten aus dem Handel und steht in den .


Markus Reinwand von der Helaba geht davon aus, dass Aktien in den kommenden Monaten eine gemächlichere Gangart einschlagen werden. Börsianer hätten in der Vergangenheit eine dynamische Verbesserung der Fundamentaldaten bereits vorweggenommen. Selbst relativ zu Renten erkennt Reinwand für Dividendentitel kaum Spielraum für eine weitere Bewertungsexpansion.


Bäume wachsen nicht mehr in den Himmel


Das sieht Chris-Oliver Schickentanz ähnlich. Der Commerzbank-Analyst erwartet eine deutliche Abflachung der wirtschaftlichen Erholung. Die Aufwärtsdynamik einiger Echtzeit-Indikatoren wie der Containerumschlag in wichtigen Häfen, der Strom- und Kohleverbrauch, das LKW-Aufkommen oder auch die Besucherzahlen in den großen Einkaufszentren lasse mittlerweile deutlich nach. Ohne dass gleich eine neuerliche Rezession winke werde eine erhöhte Verschuldung von Unternehmen und Staaten mittel- bis langfristig die Konjunktur eher bremsen.


Kurzfristig sehen Analysten eine Einigung über das umstrittene Corona-Hilfspaket aus Washington als möglichen Impulsgeber für Aktien. Nachdem Donald Trump die bisherige Aufstockung der Arbeitslosenhilfe um einen Monat verlängert hat, müssen sich die beiden politischen Lager nun spätestens im September über das fünfte Konjunkturpaket verständigen.


Inflation bewegt die Gemüter


Der Wirtschaftsaufschwung in Europa wird wohl trotz der anrollenden zweiten Corona-Welle intakt bleiben, schätzt Marc Decker von Merck Finck. Er dürfe allerdings an Dynamik verlieren, weil die Bevölkerung wieder vorsichtiger werde und mehr zu Hause bleibe. In den Vereinigten Staaten habe zudem die Inflationserwartung wieder angezogen. Auch in der Eurozone zeige der Inflationstrend nach oben. Als mögliche Erklärung sieht Decker die im Verhältnis zur Produktion schneller wieder anziehenden Konsumausgaben. In beiden Regionen lägen die Einzelhandelsumsätze im Juni dank der umfangreichen Staatshilfen oberhalb des Vorkrisenniveaus.


Einzelhandelsumsätze wieder oberhalb des Vorkrisenniveaus.


Teuerung spielt Aktien und Gold in die Karten


Steigt die Inflation und wenn ja wann? Mit diesem Thema beschäftigen sich derzeit viele Marktteilnehmer. Für Tilmann Galler von J.P. Morgan ist es wie Warten auf Godot. Obwohl die Notenbanken seit Jahren eine expansive Geldpolitik betrieben, verharre die Teuerungsrate auf niedrigem Niveau. Das habe vermutlich auch mit der bislang restriktiven Fiskalpolitik vieler Staaten zu tun. Mit der Corona-bedingten Abkehr von der Sparsamkeit sieht der Analyst erhebliche Risiken für die Preisstabilität, sobald die Krise überwunden werde.


Sollten Staaten und Notenbanken ihre expansive Politik dann nicht drosseln, treffe eine aufgestaute Kauflust der Privathaushalte auf erhöhte staatliche Nachfrage. Die Inflation beginne zu steigen, wenn die Nachfrage größer als das Angebot sei. In derartigen Phasen hätten sich für Anleger Gold, Aktien und inflationsgesicherte Staatsanleihen bewährt.


Auf kurze Sicht eher deflationär


Zumindest auf absehbare Zeit erkennt Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank nicht, wo der viel diskutierte Preisdruck herkommen soll. „Der wirtschaftliche Einbruch hat unseres Erachtens zunächst in erster Linie deflationäre Effekte.“ Derzeit steige die Arbeitslosenrate weltweit, die Industrie klage über eine geringe Nachfrage und unterausgelastete Maschinen. Sollten Firmen in dieser Phase beginnen ihre Preise zu erhöhen, riskierten sie den Verlust von Marktanteilen. „Das kann sich in ein paar Jahren ändern.“ Denn in den nächsten Quartalen finde vermutlich ein Konsolidierungsprozess statt. Nicht wenige Unternehmen würden aller Voraussicht nach aufgeben, andere würden geschluckt. Damit steige die Preishoheit der Produzenten.


Cyrus De la Rubia

De la Rubia


Unternehmen besser als erwartet


Eine positive Rechnung macht Marc Decker hinsichtlich der zu Ende gehenden Bilanzsaison auf. Gut 90 Prozent der S&P 500- und rund 66 Prozent der Stoxx 600- Unternehmen hätten ihre Zahlen für das zweite Quartal bereits vorgelegt. Zwei Drittel davon hätten die Prognosen übertroffen. Allein bei den künftigen Gewinneinschätzungen blieben die Firmen angesichts der Unsicherheiten über den weiteren Pandemie-Verlauf nach wie vor zurückhaltend. Ohne einen Impfstoff ließen sich die längerfristigen Entwicklungen an den Finanzmärkten nicht einschätzen.


Die Gewinne sind weniger stark eingebrochen als zwischenzeitlich geschätzt wurde, stellt auch Reinwand fest. Die Ergebnisse der DAX- und S&P 500-Unternehmen lägen rund 20 Prozent über den zuvor massiv reduzierten Erwartungen. Inzwischen überwiege weltweit die Anzahl der Aufwärtsrevisionen.


Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten


Donnerstag, 20. August


14.30 Uhr. USA: Philly Fed Index: Beim Frühindikator der Federal Reserve of Philadelphia mit Umfragen im produzierenden Gewerbe aus Pennsylvania, New Jersey und Delaware erwarten Analysten einen Rückgang von 24,1 auf 21 Punkte. Abgefragt werden Daten zur allgemeinen Geschäftstätigkeit, zu erhaltenen und gezahlten Preisen sowie zu den Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Fallende COVID-19-Infektionsraten deuteten auf eine ungefährdete Expansion.


Freitag, 21. August


10.00 Uhr. Euroraum: Einkaufsmanagerindizes August. Nachdem die Wirtschaftsleistung in der Währungsunion im zweiten Quartal im Vergleich zu den ersten drei Monaten diesen Jahres über 10 Prozent einbüßte, rechnen Analysten im dritten Quartal mit einer Rückkehr zum Wachstum. Einen Hinweis darauf dürften die Einkaufsmanagerindizes geben. Nach 51,8 Punkten im Vormonat liegt der Konsens für das Verarbeitende Gewerbe bei 52,6 Punkten, für die Dienstleistungen rechnet die Mehrheit mit einem im Vormonatsvergleich unveränderten Wert von 54,7 Punkten.


von: Iris Merker
17. August 2020, © Deutsche Börse AG




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