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Fr, 17. April 2026, 13:03 Uhr

Biochem kaufen


14.12.98 00:00
Stisweekly

Biochem Pharma: kaufenswert

(www.stisweekly.de) Das kanadische Biotechunternehmen Biochem (BCHE) gehört zu den blue-chips in diesem Sektor und kann auf eine Erfolgsstory zurückblicken. Der durchschlagende Erfolg des HIV-reverse-transcriptase-Inhibitors 3TC (Epivir) brachte Biochem nicht nur einen Umsatzschub sondern führte das Unternehmen in die Gewinnzone.

Epivir

Im Jahr 1996, dem ersten vollständigen Jahr, in dem Epivir verkauft wurde, holte sich dieses Medikament den Titel der erfolgreichsten Medikamentenneueinführung und sicherte sich sogleich den ersten Platz im HIV-Markt. Biochem schaffte diesen Erfolg aufgrund der Partnerschaft mit Glaxo, die mit einem schlagkräftigen Verkaufsnetzwerk den Vertrieb sicherstellten. Innerhalb eines halben Jahres erreichte Epivir die Verkaufszahlen des damaligen Marktführers (AZT, das übrigens von Glaxo stammte), hatte aber den großen Vorteil geringerer Nebenwirkungen. Heute ist Epivir ein fester Bestandteil der Aids-Therapie. Das Marktpotential beläuft sich - vorsichtig geschätzt - auf etwa 1 Mrd. US-$. Biochem erhält von Glaxo Lizenzeinnahmen, die einen wichtigen Anteil an den Gesamteinnahmen von BCHE haben (1997: ca. 44%) und sich genauso erfolgreich entwickeln (etwa Faktor 10 seit 1995) wie sich Epivir am Markt durchsetzen konnte. 3TC hat sich als Standardbestandteil in den gängigen Cocktails (AIDS wird durch eine Kombination von verschiedenen Medikamenten bekämpft) durchgesetzt, einen ansehnlichen Marktanteil erreicht und ist bereits in über 80 Ländern der Erde zugelassen. Explosives Wachstum ist zwar nicht mehr zu erwarten, doch bildet Epivir als Cash Cow mit kontinuierlichem Wachstum die Grundlage für den weiteren Unternehmenserfolg. Neue Impulse kommen durch eine neue Darreichungsform von 3TC. Mit Combivir wurde gegen Ende 1997 das erste Mal eine Tablette zugelassen in der zwei Aids-Präparate kombiniert wurden: 3TC und AZT von Glaxo. Durch Einnahme von Combivir können die Patienten die Gesamtzahl der einzunehmenden Tabletten deutlich reduzieren. Pro Tag kann auf bis zu sechs Tabletten (das sind bis zu 2190 im Jahr) verzichtet werden, Combivir hat insgesamt geringere Nebenwirkungen und kann sowohl mit als auch ohne gleichzeitige Nahrungsaufnahme eingenommen werden. Seit der Zulassung im Oktober 1997 haben bereits über 30000 Patienten diese neue Darreichungsform genutzt.

Lamivudine

Mit Lamivudine hat sich Biochem auf einem weiteren interessanten Markt gut plaziert. Die Epivir-HBV-Tabletten (=Lamivudine) sind das erste, oral verabreichte Medikament, das bei Erwachsenen eingesetzt wird, die an Hepatitis B erkrankt sind. Hepatitis B - Entzündung der Leber - tritt bei etwa 350 Mio. Menschen der Erde auf und zählt somit zu den weitverbreitetsten Krankheiten. Hepatitis ist eine Infektionskrankheit, die in den schweren Fällen Schädigungen der Leber wie Leberzirrhose, Leberversagen oder auch Leberkrebs zur Folge hat. Lamivudine unterbindet die Virusreplikation und reduziert damit die auftretenden Entzündungen. Derzeit ist Lamivudine in fünf Ländern (USA, Canada, Philippinen, Neuseeland und Pakistan) zugelassen, in über 30 Ländern ist die Zulassung bereits beantragt. Für ausreichend Marktpotential ist folglich gesorgt, die Vermarktung übernimmt wie im Falle von Epivir Glaxo Wellcome gegen Zahlung von Lizenzgebühren. Die Konkurrenz ist schwach - es gibt erst ein Mittel am Markt, das noch dazu hohe Nebenwirkungen hat und nur in wenigen Fällen anwendbar ist. Biochem gelang mit Lamivudine der Zugang zu einem weiteren großen Markt und kann nun Erträge und Wachstum in zwei Bereichen generieren.

andere Geschäftsfelder

Zwar generiert BCHE Umsatz- und Gewinnwachstum mit diesen beiden Medikamenten, doch ist BCHE auf zwei weiteren Feldern aktiv: Impfstoffe und Diagnostika. Zwar machen die Umsätze im Impfstoffgeschäft erst 2% der Umsätze aus, doch ein erstes Standbein in einem weiteren Wachstumsmarkt (Verdoppelung des Marktvolumens von 1996 bis 2000 von 3,6 Mrd. $ auf über 7 Mrd. $) wurde damit geschaffen. Dabei setzt BCHE auf zwei Strategien, um sich gegenüber der Konkurrenz abzusetzen und so Marktanteile gewinnen zu können. Klassischerweise werden Impfstoffe aus Eibestandteilen gewonnen, was jedoch mit sich bringt, daß die Produktion aufwendig ist, es zu Engpässen kommen kann und die Neuentwicklung sehr lange Zeiträume in Anspruch nimmt. Hier setzt Biochem auf ein Produktionsverfahren das auf Zellkulturen basiert, mit dem sich "bessere Impfstoffe in größeren Volumina" fertigen lassen. Ein weiteres Problem ist die Art der Darreichung. Viele läßt der Anblick von Spritze und Nadel erschaudern und vor einer Impfung zurückschrecken. Gerade bei Influenza, die einer jährlichen Impfung bedürfte, ist dies ein Problempunkt. Biochem arbeitet auf dem Feld neuer Darreichungsformen mit der französischen Firma Biovector Therapies zusammen. Ziel ist es, die Injektion per Nadel durch simples Einatmen durch die Nase zu ersetzen. Derzeit arbeitet BCHE an der Entwicklung eines neuen Grippeimpfstoffes, der auf der Grundlage von Zellkulturen entwickelt wurde. Dieser Markt unterliegt zwar dem Wettbewerb, ist aber groß (gut 100 Millionen Menschen sind jährlich betroffen, mehr als 100000 sterben jährlich an den Folgen) und wächst auch passabel. Am 10. Dezember wurde eine Kooperation mit Smithkline Beecham (SB) besiegelt, die die weltweite Vermarktung der neuen Impfstoffe (gegen Influenza, sowie auch die neuen Darreichungsformen) sicherstellt. Bis auf Kanada - hier übernimmt BCHE die Vermarktung selbst - wird SB den Vertrieb gewährleisten. BCHE erhält neben Vorauszahlungen und Milestone-Payments wie üblich auch weitere Lizenzgebühren. Interessant ist auch die 36%-Beteiligung an North American Vaccine, einem aussichtsreichen amerikanischen Unternehmen in diesem Sektor. Der Diagnostika-Bereich (Blutanalyse, Immunoassays, Allergietests) macht derzeit etwa die Hälfte der Umsätze aus, konnte aber leider in den vergangenen Jahren im Umsatz kaum noch zulegen. Dies ist auf den harten Wettbewerb und Währungsverschiebungen zurückzuführen, die gegen BCHE gearbeitet haben. Neue Produkteinführungen und die Ausrichtung auf Arztpraxen und kleinere Gesundheitseinrichtungen sollen mittelfristig zu einer Verbesserung der Geschäftssituation hier (Umsatz- und Gewinnwachstum) führen. Wir halten diesen Bereich weniger der Wachstumsaussichten wegen für interessant, sondern denken, daß BCHE damit ein gewisses Sicherheitspolster hat. Mögliche Rückschläge in den anderen Bereichen führen im Falle dieser Firma nicht gleich zum Aus der Gesellschaft und zum totalen Absturz der Akti e. Auch in der Pipeline dürfte sich in Zukunft noch das eine oder andere erfolgreiche Produkt befinden. Geforscht wird an neuen Impfstoffen und an Wirkstoffen gegen Krebs.

Bewertung

Mit Biochem bietet sich die Möglichkeit der Beteiligung an einer sehr aussichtsreichen Biotech-Firma. Im Gegensatz zu vielen kleinen Labs, die vom Erfolg weniger Forschungsprojekte abhängig sind, kann Biochem neben einigen sehr gut positionierten Produkten und einer aussichtsreichen Forschungspipeline auch auf Geschäftsbereiche wie Impfstoffe und Diagnostika aufbauen. Das Scheitern eines Projekts führt so nicht zum Aus der Firma. Biochem ist unserer Einschätzung nach sehr günstig bewertet. Die Umsätze konnten in den vergangenen Jahren deutlich von 187 Mio. CAN-$ in 1995 auf 280 Mio. in 1997 gesteigert werden, und das Wachstum hält weiter mit Raten von 20% jährlich an - die Produktneueinführungen dürften für weiter hohes Wachstum sorgen. Da der Anteil der Lizenzeinnahmen am Umsatz (derzeit etwa 44%) weiter zunehmen dürfte, sollten die Gewinne sogar noch schneller zulegen können. Wir sind in unserem discounted-earnings-Modell von folgenden Annahmen ausgegangen: Gewinn dieses Jahr 70cent (US), nächstes Jahr 1$. Die Gewinne lassen wir (sogar etwas unter dem Analystenkonsens) die nächsten fünf Jahre mit etwa 30% wachsen. Ab dem sechsten Jahr gehen die Wachstumsraten auf 25% und 20% zurück. Bei einem Diskontierungszins von 8,5% ergibt sich daraus ein Kursziel von 40 US-$ (derzeitiger Kurs: 26$). Aber auch die KGV-Betrachtung macht die Unterbewertung deutlich. Die KGVs für die Jahre 1999 und 2000 liegen bei 26 bzw. 20 und eröffnen auch unter diesem Gesichtspunkt deutliche Kurssteigerungspotentiale. Wir halten Biochem für sehr günstig bewertet und beurteilen sie als kaufenswert.

Biochem Pharma wird unter der WKN 875154 an den Börsen München, Stuttgart, Düsseldorf und Berlin gehandelt. Die Umsätze sind dort jedoch sehr gering. Wer größere Positionen aufbauen will, sollte den Direktkauf an der NASDAQ (BCHE) bevorzugen.

(sir, 11.12.1998) - http://www.stisweekly.de
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