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So, 19. April 2026, 14:51 Uhr

BroadVision kaufen


19.01.99 00:00
Stisweekly

BroadVision: Aussichtsreicher Marktführer im ebusiness

(www.stisweekly.de) Im Jahr 1993 gegründet, beschäftigt das in Redwood-City, Kalifornien beheimatete Unternehmen derzeit über 250 Mitarbeiter und dürfte in diesem Jahr gut 50 Mio. $ umsetzen. Daher kann sich BroadVision (BVSN), als führender Anbieter von personalisierter Software für ebusiness Anwendungen im Internet, zurecht als einer der Pioniere in diesem Geschäft bezeichnen. Die Software erfaßt die persönliche Situation und die Vorlieben eines Kunden und kann ihm so automatisch maßgeschneiderte Angebote unterbreiten. Im Rahmen eines Homebanking Systems wäre es beispielsweise möglich, anhand der Vermögenssituation und dem Anlageverhalten des Kunden, ihm ein Angebot über einen neu aufgelegten Fond elektronisch zu unterbreiten. So kann die Effektivität und die Kundenorientierung des Vertriebskanals Internet erheblich gesteigert werden. Es liegt auf der Hand, daß ähnliche Anwendungen auch im elektronischen Handel, bei Reisebüros oder in der Telekommunikationsindustrie sinnvoll sind. Sie stellt quasi die nächste Generation von ecommerce-Angeboten dar, da bisherige Software noch sehr unspezifisch agierte.

Management

Die Firma wird vom Gründer Dr. Pehong Chen geleitet, der schon den Produzenten von Multimediasoftware-Tools Gain Technology aufbaute und im Jahr 1992 auf 100 Mio. DM Umsatz führte. Zuvor war er bereits in leitenden Positionen bei Sybase und Olivetti im Mulimediabereich tätig. Auch die meisten anderen Vorstandsmitglieder verfügen bereits über langjährige Erfahrungen in leitenden Positionen in der Softwareindustrie. Interessant auch die Besetzung des Aufsichtsrates (Board of Directors): Hier findet sich u. a. der CEO von Visa USA, Carl Pascella. Dem Management gelang es in den vergangenen Jahren, zahlreiche namhafte Partner wie Hewlett Packard, Sun Microsystems, Oracle, Aspekt Technology (Call-Center) oder CSC Ploentzke zu finden. Durch die Kooperation mit Aspect Technology, einem führenden Entwickler von Call-Center Software, soll zukünftig eine bessere Koordination zwischen den ebusiness-Funktionen und dem Call-Center erreicht werden. Im obigen Beispiel wäre es wahrscheinlich wünschenswert, wenn der Mitarbeiter im Call-Center auf dieselbe kundenspezifische Datenbank wie die "One-to-One Commerce" Software zugreifen kann und so der Kundenservice konsistenter abläuft. BroadVision zählt zahlreiche Blue-Chip Firmen zu seinen über 235 Kunden: Darunter finden sich Banco Santander, American Airlines, Thomas Cook, Hewlett Packard, Siemens Nixdorf, Matsushita Electric, Nortel Networks und Baan.

Hohes Wachstum

In der folgenden Tabelle geben wir Ihnen einen Überblick über die Umsatz- und Ergebnisentwicklung der letzten Quartale:

in Mio. $ Umsatz sequ. Wachstum Umsatzrendite Gewinn

1. Q 97 5,3
2. Q 97 6,0 13% -35% -2,1
3. Q 97 7,2 20% -24% -1,7
4. Q 97 8,6 19% -13% -1,1
1. Q 98 10,1 17% -5% -0,5
2. Q 98 11,4 13% % ,7
3. Q 98 13,4 18% % ,7

Berücksichtigen sollte man bei der obigen Reihe, daß BroadVision derzeit aufgrund von Verlustvorträgen noch keine Steuern bezahlt. Erste Steuerzahlungen dürften in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres einsetzen. Der Steuersatz dürfte bei etwa 35% liegen. In allen Quartalen konnte BroadVision die Schätzungen der Analysten erheblich übertreffen, zuletzt um 75%.

Bewertung

Wie üblich bewerten wir stark wachsende Firmen mit einer Ertragswertrechnung, da diese die zuverlässigsten Ergebnisse liefert. Für 1999 liegt der Analystenkonsens bei 0,41$ je Aktie. Aus der obigen Tabelle geht hervor, daß Broadvision in den letzten 6 Quartalen ein durchschnittliches sequentielles Umsatzwachstum von 16,7% zu verzeichnen hatte. Auf ein volles Jahr gerechnet

bedeutet dies ein Wachstum von rd. 85%. Wir gehen davon aus, daß dieses Wachstum aufgrund des boomenden Internets fortgesetzt werden kann und rechnen daher für die Jahre 2000 und 2001 mit 75% Umsatz- und Gewinnwachstum. Zwar wird die Umsatzrendite weiter ansteigen, dieser Effekt wird aber teilweise durch die Verwässerung im Rahmen des Aktienoptionsprogramms abgeschwächt, so daß mit einer zum Umsatzwachstum proportionalen Gewinnentwicklung zu rechnen ist. Für die Jahre 2002 und 2003 berücksichtigen wir eine Abschwächung im Gewinnwachstum auf 50% p. a. und für 2004 bis 2006 auf 40% p. a. So gelangen wir zu folgender Gewinnreihe:

in $ 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 - unendlich
Gewinn je Aktie 0,41 0,72 1,26 1,88 2,83 4,24 5,93 8,31

Diskontiert man diese Gewinne mit einem sehr konservativen Zinssatz von 12% auf den heutigen Tag, ergibt sich ein fairer Wert von rd. 38$ je Aktie. Bei einem etwas realistischeren Zinssatz von 10% liegt der faire Wert bei 44$ je Aktie. Wenn es BroadVision wie bisher gelingt, die Schätzungen der Analysten zu übertreffen, dürfte einem Kursanstieg auf über 50$ in den nächsten 12 Monaten nichts im Wege stehen. Am ehesten dürfte BroadVision mit der am Neuen Markt gelisteten Brokat-Aktie vergleichbar sein. Obwohl beide Firmen gleich schnell wachsen, und Brokat nur halb so groß ist, liegt der Börsenwert von Brokat um 50% höher, und das obwohl BroadVision einen niedrigeren Diskontierungszins als Brokat verdient hätte, da die Firma bereits profitabel arbeitet. Andere Unternehmen sind nur sehr eingeschränkt mit BroadVision vergleichbar, da sie entweder Probleme haben (Open Market, Edify) oder vom Produkt her zu weit entfernt sind (Intershop). Zumindest der Vergleich mit Brokat spricht daher für BroadVision. Allerdings halten wir den Kurs von Brokat mittlerweile für deutlich überzogen, so daß unser Ertragswertmodell dem fairen Wert wohl am nächsten kommt.

Fazit

Trotz den zweifellos vorhandenen Übertreibungen bei allem, was mit Internet zu tun hat, findet man in BroadVision noch einen attraktiv bewerteten Marktführer in einem äußerst aussichtsreichen Teilsegment des Electronic Business. Die bisherige Kursentwicklung, seit dem Börsengang im Juni 1996 hat sich Brokat mehr als vervierfacht, dürfte daher anhalten. Wir empfehlen die Aktie weiterhin zum Kauf. Die Zahlen zum 4. Quartal 1998 werden am 27. Januar bekannt gegeben.

(al, 17.1.1999) - (c) 1999 by Stis-Weekly, der kostenlose Email-Börsenbrief