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Sa, 18. April 2026, 10:21 Uhr

Evotec SE

WKN: 566480 / ISIN: DE0005664809

Evotec Beruhigung abwarten


15.11.99 00:00
Stisweekly

Mit der Hamburger Biotechfirma Evotec (WKN 566480) sei das fünfte Unternehmen dieses Sektors an den Frankfurter Neuen Markt gegangen, berichten die Analysten von Stisweekly.

Bereits im Vorfeld des Börsengangs habe Evotec immer wieder für Schlagzeilen sorgen können und sei vielfach in Fachpublikationen erwähnt worden. Dies liege neben der interessanten Unternehmenstätigkeit auch am Management, das u.a. auch aus dem Umfeld eines der wohl erfolgreichsten Biotechunternehmen stamme: von Qiagen. Nachdem im Oktober der Börsengang verschoben worden sei, sei die Aktie nun doch in der vergangenen Woche an den Markt gekommen.

Der Emissionspreis sei mit 13,00 Euro festgesetzt worden, derzeit notiere Evotec bei 27,50 Euro. Damit habe die Aktie um 111% in wenigen Tagen zulegen können und die Herzen der Anleger höher schlagen lassen.

Die Idee zur Gründung der Evotec Biosystems sei zu Beginn der 90er Jahre entstanden. Bereits zur Mitte der 70er Jahre hätten sich der Nobelpreisträger Prof. Dr. Manfred Eigen und Prof. Dr. Rudolf Rigler mit der Nutzung der FCS (Fluoreszenz-Korrelations-Spektroskopie) als Messverfahren im Rahmen ihrer evolutiven Biotechnologie beschäftigt. 1993 sei dann das Unternehmen in Hamburg gegründet worden. Unter den Gründern sei auch Dr. Karsten Henco, der vielfältiges Wissen aus dem Biotechbereich beisteuern könne. Er sei Mitbegründer und Geschäftsführer von Qiagen. Im Jahr 1994 habe die Gesellschaft ihre Geschäftstätigkeit aufgenommen. Neben einem Auftrag von Unilever seien zwei Forschungsprojekte durchgeführt worden Im Rahmen der Entwicklungstätigkeiten sei festgestellt worden, dass sich die Selektionstechnologie auch für die Wirkstoffsuche einsetzen lasse. 1996 seien Kooperationen mit Novartis und SmithKline Beecham eingegangen worden.

Zusammen mit diesen Big-Pharmafirmen solle ein Ultra-High-Throughput-Screeningsystem entwickelt werden. 1998 sei ein erster Prototyp des Screeningsystems fertiggestellt worden. Integriert sei dabei die von Evotec entwickelte FCS und FCS+ Detektionstechnologie. Mit dem Hildener Unternehmen Qiagen sei ein Joint-Venture gegründet worden. Um das weitere Wachstum zu finanzieren, habe man nach Venture-Capital gesucht. Es sei die Durchführung einer der bis dahin größten Privatplatzierungen in Europa gelungen. Im laufenden Geschäftsjahr sei eine Kooperation mit Pfizer besiegelt worden.

Evotec habe eine breite Plattform an Technologien geschaffen, die im Bereich des Screenings und der Wirkstoffdetektion eingesetzt werden könnten. Zu diesen Technologien zählten

· FCS+ Detektion
· Assay-Technologien
· Microfluidik/Robotik
· Scanner/Picker-Technologie
· Informationstechnologie

Auf dieser Basis biete Evotec Systeme für Ultrahochdurchsatz-Screening (EvoScreen), zum Screening auf Beads (PICKOscreen) und für die Profilierung identifizierter Leitstrukturen an. Von EvoScreen sei bisher ein Prototyp (Mark I) angefertigt worden. Im Laufe diesen und des nächsten Jahres solle Mark II an die Kooperationspartner (Novartis, SmithKline Beecham und Pfizer) ausgeliefert werden. Mark II solle eine erhöhte Leistungsfähigkeit aufweisen und bis zu 100.000 Screening-Datenpunkte pro Tag abarbeiten können. Auf Basis der genannten Systeme und Technologien würden sich die vier Geschäftsbereiche des Unternehmens erschließen.

Evotec biete Produkte und Dienstleistungen für die Life-Science-Industrie an. Der Trend gehe bei den großen Pharmaunternehmen immer mehr dahin, Forschungsaktivitäten an Dienstleister auszulagern. Bei der Wirkstoffsuche sei es von Bedeutung, möglichst schnell möglichst viele potentielle Kandidaten zu testen. Bisher eingesetzte Screening-Systeme schafften im Vergleich nur einen geringen Teil der Leistung der UHTS-Systeme. Die Anwendung von Ultrahochdurchsatzsystemen werde in den kommenden Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnen. Auf diesem Gebiet habe sich Evotec mit seinem EvoScreen-System positioniert. Die Einbindung von FCS+ als Detektionssystem biete dem System entsprechende Produktvorteile, die eine Abgrenzung gegenüber anderen Systemen ermöglichen sollte. Die Kunden seien vor allem im Bereich der Pharmaindustrie und der Biotechnologie zu finden. Marktstudien gehen von einem starken Trend hin zur Auslagerung der Forschungsaktivitäten aus und schätzen das derzeitige Marktvolumen in diesem Bereich zwischen fünf und zehn Milliarden US$.

Evotec sei in vier Geschäftsbereichen aktiv:

· Wirkstoffforschungs-Technologie: Zusammen mit aktuell Novartis, SmithKline Beecham und Pfizer werde die Technologieplattform entwickelt, mit der zukünftig effiziente Wirkstoffforschung ermöglicht werden solle.
· Wirkstoffforschungs-Dienstleistungen: Gegen Bezahlung würden Screening-Dienstleistungen angeboten. Zudem würden im Auftrag Assays entwickelt und Targets validiert.
· Wirkstoffforschungs-Produkte: In diesem Geschäftsbereich sei geplant, Targets von Dritten mit der Technologie von Evotec zusammenzubringen und zu Wirkstoffkandidaten weiterzuentwickeln. Diese sollten dann an Pharmaunternehmen lizenziert werden.
· Geräte: Herstellung von Produkten, die im Rahmen der Wirkstoffforschung eingesetzt werden.

Die Umsätze sollten kurzfristig im Bereich der Wirkstoffdienstleistungen erzielt werden. Hier würden gute Aussichten bestehen, eine gute Position am Markt zu erreichen. Längerfristig wolle sich das Unternehmen die Wertschöpfung der Forschungsarbeit selbst sichern und gezielt auf die Suche nach Wirkstoffen gehen. Dies erscheine nicht unproblematisch. Denn die Forschungsarbeit verschlinge viel Geld und sei auch sehr zeitintensiv. Ungeklärt sei die Einnahmesituation bei diesen Projekten. Allerdings komme durch diese Aktivitäten auch einiges an Phantasie in den Wert, sobald erste interessante Wirkstoffe in der Forschungspipeline seien.

Aufgrund der fehlenden Gewinne könne keine Abschätzung auf der Grundlage des KGV gemacht werden. Zudem sei das Unternehmen noch in einer frühen Phase, in der es vor allem darauf ankomme, die Entwicklung der Technologie voranzutreiben und weniger die Gewinnentwicklung im Auge zu behalten. Als Maßstab könnten daher die Marktkapitalisierung und das Kurs-Umsatz-Verhältnis herangezogen werden. Mit einem Marktwert von 313 Mio. Euro sei Evotec - unter Berücksichtigung des Entwicklungsstadium des Unternehmens - nicht mehr günstig bewertet. Dies vor allem auch vor dem Hintergrund, dass im letzten Jahr gerade einmal 7,3 Mio. Euro Umsatz erzielt worden seien und noch einiges an Entwicklungsarbeit geleistet werden müsse. Erst ab dem Jahr 2001 stelle sich ein KUV unter 10 ein. Da selbst für die fernere Zukunft keine immens hohen Umsätze geplant seien, scheine kurzfristig der Bewertungsspielraum begrenzt. Zum Vergleich: Der amerikanische Konkurrent Aurora Biosciences, der bereits UHTS-Systeme an Big-Pharma (z.B. Bristol-Myers, Pfizer,...) ausliefere, sei mit einem KUV von unter 5 bewertet. Um das Bild abzurunden haben die Experten auch eine Ertragswertberechnung durchführen.

Die Analysten haben einen Diskontierungssatz von 10% gewählt. Dies geschehe unter der Berücksichtigung des innovativen technologischen Ansatzes und des guten Managements. Trotz der Unprofitabilität bis zum Jahr 2003 ergebe sich ein fairer Wert des Unternehmens von knapp 17 Euro. Rückblickend sei die Emission mit 13 Euro also vollkommen fair gepreist gewesen. Die Kursentwicklung an den ersten Börsentagen sei jedoch etwas euphorisch verlaufen. Man müsse anmerken, dass der von den Experten gewählte Bewertungsansatz nicht als konservativ bezeichnet werden könne. Das Risiko sei durchaus groß, dass sich durch Projektverzögerungen oder entsprechende Anforderungen an Investitionen die Profitabilität erst deutlich später erreicht werde. Da die wissenschaftliche Basis und die Managementqualität als sehr gut einzuschätzen seien, könne man vorerst jedoch vom Erfüllen der Planungen ausgehen. Jedoch müsse die Fortentwicklung des Unternehmen stets genau beobachtet werden.

Evotec sei eines der interessanten Biotechunternehmen am Neuen Markt. Die hohe Bekanntheit des Unternehmens sichere den langfristigen Erfolg der Aktie an den Börsen, sofern die Entwicklung der Fundamentaldaten entsprechend positiv verlaufe. Kurzfristig scheinen die positiven Faktoren des Unternehmens in den Kursen umgesetzt zu sein. Der Anleger sollte nach der überhitzten Stimmung in den letzten Tagen erst einmal eine Beruhigung abwarten. Zudem müsse das Unternehmen zeigen, dass die hohen Erwartungen erfüllt werden können. Der langfristig orientierte Investor sollte bei Kursen in der Region 20 Euro an das Aufbauen von Positionen denken.





 
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