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Sa, 18. April 2026, 7:12 Uhr

Hemosol Depotbeimischung


24.08.99 00:00
Stisweekly

Nach Einschätzung der Analysten von Stisweekly handelt es sich bei den Aktien des Biotechnologieunternehmens Hemosol um eine interessante Depotbeimischung für den spekulativ orientierten Investor.

In den letzten Wochen habe die Story des kanadischen Biotechunternehmens Hemosol die Gemüter der Börsenteilnehmer in Unruhe gebracht. Getrieben von Empfehlungen habe der Kurs stark zulegen können und sei letztlich gar wie eine Rakete in die Höhe gestartet. Doch inzwischen seien Zweifel aufgekommen, ob denn die Unternehmensperspektiven tatsächlich so rosig sind, wie immer dargestellt werde und ob die Bewertung nicht doch eher zu hoch sei. Während anfangs noch in großen Tönen von künstlichem Blut gesprochen worden sei, mache sich inzwischen die eher angebrachte Zurückhaltung breit. Auch der Kurs habe inzwischen darauf reagiert und notiere nun wieder deutlich unter den Höchstständen.

In der Tat wäre es ein Durchbruch nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die Medizin allgemein, wenn Hemosol synthetisches Blut auf den Markt bringen könnte. Doch es werde wohl noch einige Jahre dauern, bis auf diesem Gebiet nennenswerte Erfolge erzielt werden können. Denn der Weg zum „künstlich" erstellten Blut sei nicht nur weit, sondern auch höchst diffizil. So seien schon zahlreiche Firmen, darunter auch einige namhafte Vertreter der Big-Pharma-Unternehmen, an den hohen Herausforderungen gescheitert und hätten die Entwicklung des Produkts einstellen müssen, seien weit zurückgeworfen worden.

Nach Einschätzung der Analysten sollte dabei festgehalten werden, dass Hemosol kein künstliches Blut entwickle, sondern einen Blutersatzstoff. Der wichtige Unterschied: Der Blutersatzstoff könne dem Patienten in kritischen medizinischen Situationen das Leben retten, doch benötige er weiterhin eigenes Blut um überleben zu können. Künstliches Blut hingegen sei als Substitut denkbar, das jedem verabreicht werden könne und vom Körper wie eigenes akzeptiert werde. Soweit zur groben Unterscheidung, Abgrenzung und Verdeutlichung der Unterschiede. Gewiss stelle es einen Fortschritt dar, wenn man in medizinischen Extremsituationen einen Mangel an Blut überbrücken könne, doch bestehd im Vergleich zu künstlichem Blut eine erhebliche Limitierung der Möglichkeiten.

Nach den Aussagen des Unternehmens könne das Produkt Hemolink einige Produktcharakteristika aufweisen, die als Vorteil gegenüber anderen Produkten anzusehen seien. So könne Hemosol darauf verweisen, zur Herstellung eine Reihe an Verfahren zu verwenden, die eine hohe Reinheit des Produkts garantierten und mit denen Bakterien und Viren entfernt werden könnten. Einen weiteren Vorteil stelle die Eigenschaft dar, dass Hemolink nur gering allergisch sein solle und auch keine anderen Immunreaktionen ausgelöst werden sollten. Die Möglichkeit, den Ersatzstoff bei allen Blutgruppen einsetzen zu können, liefere die Basis für eine breite Anwendbarkeit, da keine gefährlichen Blutreaktionen erfolgten und Zeit gewonnen werde, wenn kein Blutgruppentest durchgeführt werden müsse. Wichtig sei auch die Fähigkeit schnell Sauerstoff aufnehmen und transportieren zu können. Eine überdurchschnittliche Haltbarkeit - über ein Jahr, nach Angaben des Unternehmens - erleichtere die Lagerhaltung. Durch die Vorteile bei der Lagerung und Handhabung von Hemolink seien große Einsparungen zu erzielen. Dies sei ein wichtiger Faktor bei der Produktauswahl, stehe die Gesundheitsbranche doch stets vor der Herausforderung Gelder einsparen zu müssen und die Kosten niedrig zu halten. Grundsätzlich höre sich all dies ja durchaus positiv an, doch gelte es zu bedenken, dass es sich um Produkteigenschaften handele, die lediglich Konkurrenzprodukte ausstechen würden. Genauso gut könne die technologische Fortentwicklung anderer Produkte zu Eigenschaften führen, die wiederum Hemolink übertreffen könnten. Es sei daher eine grundsätzlich andere Bewertung vorzunehmen, als dies bei einer Produktneuentwicklung im Stile synthetischen Blutes der Fall wäre.

Rasch sei Hemolink durch die Phase-II-Tests gekommen und befinde sich nun in den Phase-III-Tests zur Anwendung bei Bypass-Operationen. In den USA, Großbritannien und Canada würden sich 270 Patienten den Tests unterziehen. Neben der Zulassung für den Bereich der Herzoperationen solle auch eine Zulassung für orthopädische Eingriffe und bei Anämien erfolgen. Verlaufen die Tests erfolgreich, so wären die ersten Marktzulassungen für Hemolink im Laufe des nächsten Jahres zu erwarten. Kurz- und mittelfristig werde die Unternehmensentwicklung dadurch von den Ereignissen um Hemolink bestimmt. Doch kann Hemosol auch auf weitere Produkte in der Pipeline verweisen. So werde unter den Bezeichnungen HML-109 und HML-110 an zwei weiteren Produkten im Bereich der hämoglobinbasierten Sauerstoffträger gearbeitet. Weitere Forschungen würden im Bereich der Medikamentendarreichung und der Zelltherapie betrieben. Alle Ansätze würden sich jedoch noch im Bereich der Forschung- und Entwicklung, bzw. den vorklinischen Tests bewegen. Von daher sei in naher Zukunft nicht mit einem weiteren eigenständigen Produkt zu rechnen, das sich auf die Bewertung des Unternehmens auswirken werde.

Der Markt

Auf den ersten Blick würden das Marktpotential und die Wachstumsraten als ideale Grundlage für das Wachstum des Unternehmens erscheinen. Bei der Betrachtung der Wachstumspotentiale sollte man jedoch differenziert vorgehen. Auf der einen Seite stehe natürlich der derzeit hohe Bedarf an Blutpräparaten aufgrund der Knappheit an vorhandenem Material. Es könne daher zu Engpässen bei der Versorgung der Patienten kommen, gerade wenn unvorhergesehene Notfälle in größerem Umfang eintreten. Hier könnten Produkte wie Hemolink, etc. helfen. Dennoch sollte bedacht werden, dass aufgrund der herrschenden Zustände in der Vergangenheit bereits Maßnahmen ergriffen worden seien, um die Knappheit an Blutvorräten zu verringern. Auch die medizinische Entwicklung komme dem entgegen. Neben dem Forcieren der Eigenblutspende seien es vor allem auch die operativen Techniken (minimalinvasive Operationen), welche den Bedarf an Blut reduzierten. Überdies würden konsequent Anstrengungen unternommen, z.B. mittels gentechnischer Anwendungen, entweder die Blutbildung zu unterstützen oder die Transfusion sicherer zu machen.

Nach den Aussagen des Unternehmens seien für Nordamerika - und analog dazu auch weltweit - drei Märkte zu unterscheiden, in denen Blutersatzstoffe eingesetzt werden sollten. Mit einem Anteil von 55% seien es vor allem Operationen, bei denen ein hoher Bedarf bestehe. 30% Marktanteil solle den Anwendungen im Bereich Anämie zufallen, 15% solle der Notfallbereich ausmachen. Für all diese Bereiche versuche Hemosol die Zulassung für Hemolink zu erhalten.

Schwierig sei es auf Basis der vorliegenden Daten eine exakte Abschätzung vorzunehmen. Mehrere Faktoren bestimmten den zukünftigen Wert des Unternehmens:

Zulassung von Hemolink und Marktchancen: Noch könne das Produkt an der Zulassungsbehörde scheitern, es sei schwer abzusehen, wie der Einfluss der Konkurrenzprodukte sei und wie die Marktentwicklung sein werde. Das Unternehmen selbst schätze, dass sich in Nordamerika im Jahr 2005 ein Absatzpotential von 1,6 Mio. Einheiten ergebe. Dies sei das Potential, das Hemosol direkt beanspruchen könne, da die Vermarktungsrechte in den anderen Staaten wie z.B. Europa an Fresenius abgegeben worden seien. Insgesamt bestehe nach Aussagen verschiedener Marktbeobachter ein Potential im Bereich zwischen 500 Mio. US$ und einer Mrd. US$.

Direktinvestment von Fresenius und Unterstützung durch das Unternehmen: Dies stelle einen für die Bewertung von Hemosol nicht unerheblichen Faktor dar. Denn zum einen erfahre das Unternehmen durch das erfolgte Direktinvestment eine gewisse Werthaltigkeit. Wie Fresenius 1995, nach der erfolgten Beteiligung, sagte, stelle „Hemolink einen idealen Ausbau der Fresenius Produktpalette dar." Damit sei zumindest dokumentiert, dass an die Fortentwicklung des Produkts geglaubt werde. Mit der Investition in Hemosol habe sich Fresenius - gegen entsprechendes Research-Funding - auch die Vertriebsrechte für Hemolink außerhalb Amerika gesichert. Damit gebe Hemosol zwar die Vermarktungsrecht ab, erhalte jedoch Zugang zum Vertriebsnetz eines großen Unternehmens und erhalte zudem auch noch Lizenzgebühren aus den Verkäufen. Den nicht unbedeutenden Absatzmarkt USA habe sich ja wie bereits gesagt Hemosol selbst gesichert.

Marktkapitalisierung des Unternehmens: Mit einer Bewertung um 100 Mio. US$ herum, sei das Unternehmen derzeit fair bewertet. Sollte sich ein Produkterfolg abzeichnen (z.B. Zulassung des Produkts) könne man den Unternehmenswert durchaus noch etwas höher ansiedeln. Danach komme es jedoch sehr auf die Umsatz- und Ertragsentwicklung an. Das Erreichen der Profitabilitätszone dürfte weiteres Kurspotential eröffnen.

Fazit

Hemosol entwickle ein interessantes Produkt mit Eigenschaften, die zumindest für einige Zeit einen Wettbewerbsvorteil darstellen könnten. Da das Zulassungsverfahren weit fortgeschritten sei, erscheine ein Scheitern eher unwahrscheinlich, könne dennoch nicht ausgeschlossen werden. Hemolink stelle jedoch keineswegs ein so revolutionäres Produkt her, wie bisweilen behauptet worden sei. Sollte sich abzeichnen, dass das Produkt vom Markt akzeptiert werde und dass es, wie vom Unternehmen dargestellt, einen signifikanten Marktanteil erreichen könne, so dürften sich aufgrund der derzeit geringen Kapitalisierung des Unternehmens neue Kurspotentiale ergeben. Derzeit stelle die Aktie jedoch nur ein Investment für den spekulativ orientierten Langfristanleger dar und eigne sich lediglich als Depotbeimischung.