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Mobilcom

WKN: 662240 / ISIN: DE0006622400

MobilCom kaufen


22.12.98 00:00
Stisweekly

Mobilcom: Wird mit dem 77 DM Angebot Geld verdient?

(www.stisweekly.de) Für amerikanische Verhältnisse, so kündigte Gerhard Schmid vor einigen Monaten bereits an, wolle er am deutschen Internet-Markt sorgen. Mit dem in der vergangenen Woche vorgestellten Angebot scheint ihm das auch zu gelingen. Es sieht eine monatliche Pauschale von 77 DM vor für den Internet-Zugang in der Zeit von 7 Uhr abends bis 7 Uhr morgens und am gesamten Wochenende. In diesem Preis sind bereits alle Kosten, auch die Telefongebühren, enthalten. Wir sind der Frage nachgegangen, ob es sich dabei lediglich um einen PR-Gag handelt, der das Aldi-Image von Mobilcom fördern soll, oder ob Mobilcom mit diesem Angebot wirklich Geld verdienen wird.

Nach unseren Informationen kann das Angebot über Call-by-Call von jedem Kunden ohne Voranmeldung in Anspruch genommen werden.

Derzeit sind folgende Interconnection Preise gültig:

in Pfennig pro Minute City Region 50 Region 200 Fern

9.00-21.00 Uhr 1,97 3,36 4,25 5,46

21.00-9.00 Uhr 1,24 2,02 2,35 3,16

Useranteil 50% 30% 20% 0%

Der angenommene Useranteil basiert auf der Tatsache, daß ein Drittel der deutschen Bevölkerung in Großstädten lebt, der Citytarif über die Stadtgrenzen hinaus noch einige Vororte abdeckt und der Annahme, daß der Anteil Internetuser bei städtischer Bevölkerung höher ist als bei ländlicher Bevölkerung. Da Mobilcom mit 23 Interconnection Points Deutschland recht gut abdeckt, dürften keine Fernverbindungen auftreten. Wir haben dies anhand einer Karte, auf der Mobilcoms IC-Points eingezeichnet waren, verifiziert, indem wir um jeden IC-Point einen Kreis mit einem Radius von 200 km gezogen haben. Dadurch wurde ganz Deutschland abgedeckt. Somit ergibt sich in der Zeit von 9.00-21.00 Uhr ein durchschnittlicher Minutenpreis von 2,84 Pf/min und in der Zeit von 21.00 Uhr-9.00 Uhr ein durchschnittlicher Minutenpreis von 1,70 Pf/min. Für die Einwahl ins Internet ist eine Interconnection pro Verbindung erforderlich.

Wie lange ist die durchschnittliche Nutzungsdauer? Der durchschnittliche Nutzer wird morgens aufstehen, frühstücken, Zeitung lesen und dann zur Arbeit fahren, so daß er morgens nicht ins Internet geht. Abends kommt er heim, ißt, und wird vielleicht eine Stunde im Internet verbringen. Am Wochenende gehen wir davon aus, daß er pro Tag durchschnittlich 1,5 Stunden im Internet verbringt. Auf ein Monat gerechnet, ergibt dies eine durchschnittliche Onlinezeit von 34,8 Stunden, also rd. 35 Stunden. Es wird selten vorkommen, daß eine Verbindung die Nacht über läuft, denn Mobilcom

kann eine Verbindung ja nach einem gewissen Leerlauf (vielleicht 10 Minuten) "kappen".

Da das Angebot von Montag bis Freitag von 19.00 Uhr bis 7.00 Uhr gilt und am Wochenende rund um die Uhr, deckt es von Mo-Fr 10 Std. Hauptzeit und 50 Std. Nebenzeit ab. Am Wochenende werden 24 Std. Hauptzeit und 24 Std. Nebenzeit abgedeckt. Wir gehen davon aus, daß sich werktags 50% des Traffics auf die Hauptzeit (hier: 19.00 Uhr bis 21.00 Uhr) und 50% auf die Nebenzeit (hier: 21.00 Uhr-7.00 Uhr) verteilen. Da das Angebot am Wochenende rund um die Uhr gilt, gehen wir hier davon aus, daß 70% des Verkehrs auf die Hauptzeit und nur 30% auf die Nebenzeit entfallen. Auf unsere Daten im vorherigen Absatz angewendet bedeutet dies eine durchschnittliche monatliche Nutzung von 20 Std. in der Hauptzeit und von 15 Std. in der Nebenzeit.

Mit den oben errechneten Minutenpreisen ergibt dies ein durchschnittliches monatliches Interconnection Entgelt von 49,40 DM. Bedenkt man, daß von den 77 DM noch 16% MwSt. und 4,2% Inkassogebühr (an die Dt. Telekom zu entrichten) bezahlt werden müssen, bleiben nur noch 14,20 DM für Mietleitungen, Abschreibung der POPs und Personalkosten übrig. Am Nettoumsatz von 66,38 DM gerechnet, ergibt dies eine Rohertragsmarge von 21,4%. Dies ist sehr wenig im Vergleich zu Ferngesprächen und zum Mobilfunk.

Bei Ferngesprächen beträgt die Rohertragsmarge über 50% und beim Mobilfunk immerhin noch 30%. Wir gehen davon aus, daß Abschreibung, Personalkosten und Leitungsmiete ca. 15% des Nettoumsatzes ausmachen. Das ergibt dann eine Vorsteuerumsatzrendite von rd. 6% und eine Nachsteuerrendite von rd. 3%. Kosten für Werbung sehen wir hier nicht vor, da wir uns gut vorstellen können, daß das Angebot auch ohne Werbung eine sehr hohe Akzeptanz findet und sich schnell herumspricht. Der geringe Kostenblock von 15% für Personal, Abschreibung und Leitungsmiete dürfte sich erst nach einer gewissen Anlaufzeit einstellen, wenn eine ausreichend hohe Nutzeranzahl erreicht ist. Es ist also nicht viel Geld verdient, und wenn man annimmt, daß die durchschnittliche Nutzungsdauer nicht 35 Std. sondern 40 Std. beträgt, ist möglicherweise nichts mehr verdient. Wir nehmen an, daß Mobilcom hier entsprechende Nutzungsstatistiken aus den USA, wo es ähnliche Angebote schon seit geraumer Zeit gibt, ausgewertet hat. Bei 35 Std. Nutzungsdauer und 1 Mio. Nutzer (entspricht 15% Marktanteil) ergibt sich ein Jahresumsatz von 797 Mio. DM und bei einer Umsatzrendite von 3% ein möglicher Gewinn von rd. 24 Mio. DM oder 1,66 DM je Aktie. Nicht allzu viel, wenn man bedenkt, daß Mobilcom in den Geschäftsfeldern Mobilfunk und Ferngespräche nächstes Jahr rd. 20 DM je Aktie verdienen dürfte.

Warum rechnet sich das Angebot trotzdem? Dafür gibt es mehrere Gründe:

Mobilcom poliert sein Aldi-Image auf und wird als Discounter bekannter. Mittelfristig (1-2 Jahre) werden Internetverkehr und Ferngespräche über dasselbe Leitungsnetz laufen, so daß eigentlich keine Mietkosten mehr für das Leitungsnetz veranschlagt werden sollten, da das Leitungsnetz in den Abendstunden ohnehin nicht gut ausgelastet war. Mittelfristig wird Mobilcom sicherlich versuchen, bei seinen Kunden auch den Teilnehmeranschluß zu übernehmen. Dazu wird in den nächsten Monaten in 23 Städten ein umfangreiches Netz von Ortsvermittlungsstellen aufbauen. Mittelfristig werden daher nicht mehr bei allen Kunden im City-Bereich Interconnection-Entgelte anfallen. Evtl. könnte man die 77 DM auch per monatlichen Bankeinzug (ohne Rechnung) kassieren. Dadurch können die 4,2% Inkassogebühren entfallen. Die eigenen Inkassokosten dürften deutlich unter diesem Preis liegen.

Mobilcom gewinnt Internet Kunden, die sich auch mal tagsüber für 9,5 Pf/min einwählen. Dieser Tarif ist im Vergleich zu anderen Anbietern äußerst konkurrenzfähig (T-Online 14 Pf/min, Viag Intercom 10 Pf/min, Arcor 16 Pf/min jeweils inkl. Ortsgebühr). Bei 9,5 Pf/min wird aber ordentlich verdient.

Mittelfristig wird Mobilcom einen großen Anteil des Geschäfts über die Einstiegsseite (Portal-Site) machen, wie dies in Amerika bei AOL und anderen Anbietern bereits heute der Fall ist. Auf der Portal Site wird Werbung plaziert und dem Kunden werden Ecommerce-Angebote gemacht, an denen Mobilcom eine Provision verdienen wird.

Fazit: Wir denken, daß der Tarif sich für Mobilcom mittel- bis langfristig auszahlen wird. Mobilcom wird auf absehbare Zeit vermutlich auch von keinem Anbieter signifikant unterboten werden können. Zumindest nicht beim Preis/Leistungsverhältnis, denn Mobilcom dürfte eine hohe Geschwindigkeit bieten können, da man auf einen 156 MBit Backbone zugreifen kann.

(al, 20.12.1998) - http://www.stisweekly.de
(c) 1998 STIS Weekly - Der kostenlose Email-Börsenbrief

Hinweis: Der Autor besitzt Aktien von Mobilcom.




 
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