Suchen
Login
Anzeige:
So, 19. April 2026, 13:55 Uhr

PurchasePro Negativbeispiel


25.05.01 00:00
Internet Report

Nach Auffassung der Analysten von Internet Report stellt PurchasePro (WKN 925242) ein Paradebeispiel im negativen Sinne dar.

Noch im März habe das B2B-Unternehmen seine eigenen Prognosen bestätigt. Für das erste Quartal 2000 werde ein Umsatz von 42 Millionen Dollar und ein Gewinn von mindestens acht Cents pro Aktie erwartet. Diese Ankündigung sei zu einer Zeit gekommen, in der andere Unternehmen der Branche ihre Prognosen bereits deutlich nach unten korrigiert hätten. Und so sei der Kurs von PurchasePro an diesem Tag auch stolze 14 Prozent nach oben geschossen. Zu dieser Zeit habe PurchasePro noch deutlich über 10 Dollar notiert.

Wenige Stunden vor dem festgelegten Zeitpunkt der Veröffentlichung habe die Firma bekannt gegeben, man werde die Prognosen verfehlen – und zwar deutlich. Wenig später am gleichen Tag habe der B2B-Konzern verkündet, er wäre nicht in der Lage die Ergebnisse zu veröffentlichen, sondern benötige noch einen Tag um die Bücher in Ordnung zu bringen. Dieses Possenspiel sei natürlich nicht ungestraft geblieben, die Aktie sei wie ein Stein gefallen. Am nächsten Morgen habe Vorstand Charles „Junior“ Johnson dann das Ergebnis verkündet. Bei einem Umsatz von 29,8 Millionen Dollar sei im ersten Quartal ein Verlust von 0,02 Dollar je Aktie entstanden. Die Anleger seien schockiert gewesen, der Kurs von PurchasePro sei weiter gestürzt. An nur zwei Handelstagen habe sich die Aktie dann von sieben auf drei Dollar mehr als halbiert. So schlimm diese Geschichte auch sei, richtig erschreckend werde sie erst dann, wenn man berücksichtige, dass Vorstand Johnson eigene Aktien im Wert von 15,9 Millionen Dollar verkauft habe – und zwar direkt nach der vollmundigen Bestätigung der eigenen Prognosen.

So habe die Firma im vergangenen Jahr ihre bereits gemeldeten Ergebnisse aufgrund einiger Unstimmigkeiten rückwirkend korrigieren müssen. Nachdem PurchasePro in weniger als fünf Jahren vier Finanzvorstände verschlissen habe, sei auf eine Neubesetzung dieser Position verzichtet worden. Trotz all dieser Warnsignale gab und gibt es noch immer tausende von Anlegern, die an den Erfolg von PurchasePro glauben und ihre Aktien nicht verkauft haben, so die Analysten von Internet Report. Die Anleger seien durch die Erfahrungen der letzten Monate aber weitaus sensibler und kritischer geworden. Niemand wolle Aktionär eines Unternehmens sein, dem eine „kreative“ Bilanzierung vorgeworfen werde oder das reihenweise Gewinnwarnungen abgebe. Deshalb sollten Warnsignale ernst genommen und die entsprechenden Aktien gemieden werden.

Als Investor sollte man zukünftig noch genauer auf die Unternehmensentwicklung achten und bei jeder noch so unbedeutsam erscheinenden Unregelmäßigkeit sein Investment überdenken. Bei wirklich einschneidenden Verschlechterungen sollte man sich immer fragen, ob man die entsprechende Aktie jetzt noch einmal kaufen würde. Werde diese Frage mit einem „Nein“ beantwortet, gebe es nur eine Lösung: Sofort verkaufen! Auch wenn man diesen Wert vielleicht schon sehr lange in seinem Depot habe.

Unternehmen wie PurchasePro hätten ihre Glaubwürdigkeit bei den Anlegern auf unbestimmte Zeit verspielt und sollten als abschreckendes Beispiel dienen, so die Wertpapierexperten von Internet Report.