Qiagen Basisinvestment
15.02.99 00:00
Stisweekly
Qiagen: wohin fuehrt der Weg des Erfolges?
(www.stisweekly.de) Das bereits im Jahr 1984 gegruendete Biotechunternehmen kann auf eine erfolgreiche unternehmensgeschichte zurueckblicken. Was in der bewegten "Gruenderphase der Biotechunternehmen" begann, wurde vor zwei Jahren, mit dem Going-Public, zum Erfolg an den Boersen. Mit Know-how zur Reinigung von DNA begann das Unternehmen, die Maerkte zu erobern. Obwohl Qiagen ein Commodity liefert - die oft zitierten Hacken und Schaufeln der Biotechnologie -, sind die Produkte fuer die biotechnologische Forschung unverzichtbar. Besonderes Know-how bei der Herstellung und die hohe Qualitaet sichern dem Unternehmen eine feste Position auf dem Markt. Die starken Umsatz- und Gewinnzuwaechse wurden seit der Boerseneinfuehrung 1996 mit steigenden Aktienkursen belohnt. Nachdem sich der Wert inzwischen verdreifacht hat, stellt sich natuerlich die Frage nach der weiteren Zukunft der Kursentwicklung.
Zur technologischen und produkttechnischen Entwicklung der Gesellschaft Zwei Jahre nach der Gruendung der Gesellschaft - also im Jahr 1986 - wurden die Qiagen Plasmid Kits eingefuehrt, mit denen erstmals die Moeglichkeit eroeffnet wurde, besonders reine Plasmide von der DNA zu isolieren. Die gaengigen - und auch heute noch oft verwendeten Methoden - waren entweder sehr teuer, da die Benutzung der Geraete hohe Kosten verursachte oder gefaehrlich, da giftige Chemikalien Verwendung fanden. Die Plasmid Kits setzten sich durch und sind im Moment das verbreitetste Tool zur Reinigung grosser Mengen an DNA. Das verschaffte Qiagen weltweit den Ruf als Marktfuehrer, den die Gesellschaft auch heute noch unbestritten geniesst.
Mitte 1995 wurden die Kits um zwei Technologien erweitert, zum einen um QIAfilter, das etwa eine Stunde Zentrifugierarbeit einspart und zum anderen um eine Anwendung, die Endotoxin aus der DNA entfernt. Gerade der Zeitfaktor spielt eine grosse Rolle. Die Forschung und die biopharmazeutische Anwendung - v.a. in der Diagnostik - braucht die Ergebnisse in immer kuerzerer Zeit.
Seit dem Jahr 1992 ist eine weitere Produktreihe auf dem Markt, die viele Anwendungsmoeglichkeiten im Feld der DNA und RNA Reinigung eroeffnete. Basierend auf einer neuen Technologie wurde es moeglich, gezielt verschiedene Arten und Groessen von Kernsaeuren zu reinigen. Dabei wurde grosser Wert darauf gelegt, dass die neuen Produkte fuer automatische Analyseverfahren geeignet sind - so sind sie in allen gaengigen Testformaten verfuegbar. Mit ueber 250 verschiedenen Produkten, die sich mit der Reinigung und der Analyse von DNA und RNA befassen, bietet Qiagen ein weites Spektrum, auf das die Biowissenschaftler weltweit zurueckgreifen koennen und dies auch tun.
1995 betrat Qiagen den Markt fuer komplexe Laborinstrumente. Mit dem BioRobot 9600 koennen Labors die DNA-Reinigungs-Produkte fuer automatisch ablaufende Versuchs- und Testreihen verwenden und damit noch effizienter arbeiten. Die Vorarbeit wurde dadurch gelegt, dass die gesamte Produktpalette auf automatische Testverfahren abgestimmt wurde. Dies fuehrte zur Synthese von Reagenz und Instrument - ein entscheidender Wettbewerbsvorteil fuer Qiagen.
Doch dem Unternehmen stehen noch weitere Anwendungsgebiete offen: Zum Beispiel die Durchfuehrung von Sequenzierungsfunktionen per BioRobot oder Anwendungen im Bereich der Polymerasekettenreaktionen. Durch die enzymatische Vermehrung von DNS kann so aus wenig Probenmaterial eine ausreichend grosse Menge gewonnen werden, um weitreichende Tests (Gendefekte, Virologie,...) durchfuehren zu koennen. Entscheidend ist, dass Qiagen nicht von einigen wenigen Produkten abhaengig ist, sondern vielmehr die gesamte Produktpalette den Erfolg ausmacht.
Das Know-how von Qiagen, das in ueber 250 Produkten resultiert, wird durch ein System von Patenten (130 weltweit), Lizenzierungen und Markenschutzrechten vor dem Zugriff der Konkurrenz bewahrt. Dadurch wird sichergestellt, dass das Unternehmen die weltweit einzigartige Position beibehalten kann.
Positionierung, Maerkte, Potentiale
Marktposition. Unbestritten ist Qiagen der Marktfuehrer. Um das zu verdeutlichen ein Zahlenbeispiel: Der Hauptmarkt (Forschung), der den ueberwiegenden Teil zu den Umsaetzen beisteuert, hat ein Volumen von 700 Mio. US-$. Hier hat Qiagen einen Marktanteil von etwa 20%. Der naechstgroesste Konkurrent ist mit 7 Mio. US-$ Umsatz im Vergleich zur 15-mal groesseren Qiagen ein unbedeutender Gegner. Es sind weniger einzelne Unternehmen, die im Wettbewerb auftreten, als verschiedene andere Verfahren zur Aufreinigung von DNA. So finden noch haeufig wenig effizient arbeitende Chemikalien Anwendung, die in Ihrer Reinigungswirkung an die Qiagen-Produkte nicht heranreichen. Zum Teil dauert damit die Aufreinigung 30-mal laenger. Die deutlichen Effizienzvorteile sprechen daher fuer Qiagen. Mit der Einfuehrung des BioRobot 9600 wurden diese Vorteile sogar noch groesser. Zum einen war die Breite der Produktpalette schon immer eine ideale Verkaufsgrundlage, zum anderen wurde darauf geachtet, dass sie auch fuer Testreihen und automatisierte Versuche einsetzbar ist. BioRobot ermoeglichte die Automatisierung der Reinigungs- und Testablaeufe und war damit die logische Weiterentwicklung als Antwort auf die Anforderungen der Zeit. Fuer die Anwender ergaben sich grosse Effizienzvorteile, fuer Qiagen war eine weitere Absatzplattform geschaffen. Der Vorteil, "alle Reagenzien aus einer Hand" anbieten zu koennen, wurde um den BioRobot ergaenzt, der dadurch neue Umsatzpotentiale erschloss. Die Entscheidung, Reagenzien und Instrumente zusammen anzubieten, war nicht nur einzigartig und bedeutend vor allem fuer diagnostische Anwendungen, sondern war auch eine strategisch wichtige Entscheidung. Mit BioRobot konnte sich Qiagen weit vor den Markt setzen.
Grossen Wert wird auch seit jeher auf das Marketing gelegt, das oft als der Schluessel zum Erfolg genannt wird. Die Verbindung von guten Produkten mit hohem cross-selling-Potential (siehe Verbindung zwischen Reagenzien und BioRobot) und hoher Marketingpower (135 Verkaufs-, und Servicespezialisten in acht Laendern, sowie 26 Distributionspartner) helfen, die Marktanteile zu vergroessern.
Kunden. Man kann fast sagen, dass die ganze Welt bei Qiagen einkauft. Zumindest laesst die Kundenliste darauf schliessen, die 40.000 unterschiedliche Abnehmer der Produkte vorweisen kann. Den vom Volumen her groessten Anteil machen allerdings die grossen Pharmazeutikunternehmen aus, also Firmen wie Schering, Merck, Smithkline Beecham um nur einige zu nennen, die etwa 40% des Umsatzvolumens generieren. Insgesamt greifen jedoch ueber 200.000 Anwender weltweit auf die Produkte von Qiagen zurueck.
Kooperationen und Partnerschaften. Von den rund 30 Kooperationen, die Qiagen bisher eingegangen ist, sind etwa 20 dem Bereich der universitaeren Forschung zuzurechnen. Dabei werden Forschungsprojekte im Hochschulbereich gesponsert, im Gegenzug erhaelt Qiagen Rechte zur Nutzung der Forschungsergebnisse. Daneben werden mit 3M Membrane auf der technologischen Plattform von 3M produziert. Eine Kooperation mit Roche ermoeglicht den Zugang zu mehreren wichtigen Technologieplattformen. Die fuer die Zukunft wohl entscheidendste Zusammenarbeit stellt der im Oktober letzten Jahres abgeschlossene Vertrag mit Abbott Laboratories dar. Fuer zunaechst fuenf Jahre bezieht Abbott die Qiagen-Produkte zur Probenvorbereitung von DNA und RNA fuer diverse Anwendungen in der molekularen Diagnostik.
Potentiale. Der ueberwiegende Teil der von Qiagen hergestellten Produkte zielt derzeit auf den Bereich der Life-Science-Forschung. Dieser hat ein Volumen von etwa 700 Mio. US-$ und waechst mit 15% jaehrlich. Der auf Qiagen entfallende Marktanteil betraegt aktuell etwa 20%, wobei die Umsaetze mit etwa 40% bis 50% jaehrlich wachsen. Unter diesen Vorgaben waere bereits in drei bis vier Jahren ein Marktanteil erreicht, der wohl nicht mehr signifikant erhoehbar waere (etwa 50%). Zwar erreichen einzelne Produkte derart hohe Quoten - ein Produkt erreicht gar 60% - doch duerfte sich das nicht auf den gesamten Konzern uebertragen lassen. Zumal der gesamte Markt nicht von einem oder wenigen Qiagen-Produkten targetiert wird, sondern von einem Grossteil der Produkt-Palette. Ziel ist es daher, die Positionen der Einzelprodukte in kleinen Schritten zu verbessern. Zwar wird die Bedeutung der Konkurrenzverfahren aufgrund der schlechteren und vor allem langsameren Ergebniserreichung im Lauf der naechsten Jahre abnehmen und der Markt insgesamt eine groessere Bedeutung aufgrund neuer Anforderungen erfahren.
Doch selbst wenn sich das Marktvolumen dadurch erhoeht, vergroessert sich der Zeitraum, in dem derart hohe Wachstumsraten erzielt werden koennen, dadurch nur unwesentlich. Immerhin geht Qiagen davon aus, eine Gesamtmarktpenetration von etwa 60% erzielen zu koennen. Mit der Erreichung dieses Ziels waere das von der Mehrheit der Boersenteilnehmer erwartete Gewinnwachstum von 40 bis 50% pro Jahr fuer die naechsten Jahre gesichert. Doch was kommt danach? Um auf diese Frage eine Antwort zu geben, sollte man am besten die Kooperation mit Abbott heranziehen. Denn der initiierte Deal koennte grosse zusaetzliche Potentiale bieten und die Umsetzung ist bei weitem nicht mit so grossen Unsicherheitsfaktoren verbunden, wie in anderen Bereichen. Wie gesagt, liefert Qiagen an Abbott exklusiv das Know-How zur Aufreinigung von Nukleinsaeuren fuer die molekulare Diagnostik. Sehr wichtig dabei: Eine moeglichst gute Aufreinigung der DNA, da sonst die Tests wenig Sinn machen. Denn mit unreiner DNA laesst sich kaum die Grundlage fuer einen Vergleich mit Test-DNA legen, die Ueberpruefung auf Gendefekte z. B. waere weder sinnvoll noch von grosser Aussagekraft. Was unspektakulaer klingt, eroeffnet hohes Potential. Denn Abbott - als ein fuehrendes Diagnostika-Unternehmen - will in den Markt fuer molekulare Diagnostika vordringen. Durch gezielte Analysen mit Genmaterial lassen sich Tests auf Krankheiten mit grosser Sicherheit und vor allem unter hoher Geschwindigkeit durchfuehren. Wann Analysen auf molekularer Basis in groesserem Umfang durchgefuehrt werden, ist eine Frage der Zeit. Das Potential ist riesig und erreicht etwa das des derzeitigen Marktes den Qiagen bedient. Es werden jaehrlich etwa 500 Mio. bis 1,5 Mrd. Tests mit Praeparaten auf dieser Basis durchgefuehrt werden, bei einem Einzelpreis von etwa 1,5 US-$. Darueber hinaus duerfen natuerlich die anderen Bereiche der biotechnologischen Forschung nicht vergessen werden, denn auch sie kommen ohne die "Hacken und
Schaufeln" nicht aus...
Bewertung: kurzfristig Rueckschlaege abwarten, langfristig kaufenswert
Trotz der guten Positionierung am Markt wird bei einem Blick in die Bilanz der Qiagen deutlich, dass es sich um ein "Zulieferunternehmen" handelt. Denn die Umsatzrendite bewegt sich mit derzeit etwa 12% auf einem - fuer Bio-Tech-Werte - relativ niedrigen Niveau. Die hohe Rohertragsmarge von ueber 70% wird durch die Marketing- und Verwaltungskosten stark geschmaelert. Da das Marketing eine der tragenden Saeulen von Qiagen ist, ist nicht davon auszugehen, dass sich hier Einsparungen erreichen lassen. Das Gleiche gilt fuer die Verwaltungskosten und die Aufwendungen im Bereich der Forschung- und Entwicklung, die sich mit rund 12% schon auf einem niedrigen Niveau bewegen. Die zum Umsatz ueberproportionalen Gewinnentwicklungen in den letzten Jahren waren durch Einmaleffekte bedingt, die sich in dieser Weise nicht wiederholen lassen: Durch die Verlagerung der Gesellschaft in die Niederlande, die Errichtung von Tochtergesellschaften in der Schweiz und Grossbritannien und die geaenderte Bewertung von Aktienoptionen mit dem Boersengang, gelang es Qiagen die Steuerlast deutlich zu senken. Es gilt nun einen Blick auf die Gewinnentwicklung zu werfen, die sich gemaess der Umsatzentwicklung fortschreiben lassen duerfte. Fuer die naechsten Jahre ist mit jaehrlichen Wachstumsraten von 40% zu rechnen, fuer das naechste Jahr werden 0,88 EUR Gewinn pro Aktie erwartet. Wir gehen aufgrund der guten Positionierung der Gesellschaft, der Innovationsfaehigkeit und des zu erwartenden Gesamtmarktwachstums davon aus, dass derartige Wachstumsraten zugrunde gelegt werden koennen. Wenden wir diese Angaben auf unser Ertragswertmodell an und verwenden einen Zins von 9%, so ergibt sich ein fairer Wert von 70,05 EUR. Angesichts der guten Positionierung ist ein ist ein Zinssatz von 9% auf keinen Fall zu niedrig. Da die Aktie bereits bei rd. 70 EUR notiert, ist das Kurspotential nach oben kurzfristig beschraenkt. Natuerlich sind Kurse ueber 70 EUR denkbar und wahrscheinlich, aufgrund der Dynamik und Positionierung der Firma, auch in gewisser Weise zu rechtfertigen. Zudem ergibt sich durch die Uebernahme der ROSYS AG - Hersteller des BioRobot - ein glaettender Effekt auf die saisonalen Schwankungen der Umsaetze. Waehrend bei Qiagen das erste und dritte Quartal staerker ausfallen, sind es bei ROSYS das Zweite und das Vierte. Die Umsatz- und Ergebnisentwicklung erhaelt dadurch mehr Kontinuitaet, etwaige Ausreisser machen sich nicht mehr so deutlich bemerkbar.
Auf jeden Fall interessant ist dieser Wert fuer den laengerfristig orientierten Investor. Da zum heutigen Tage weder abgeschaetzt werden kann, wie schnell sich biotechnische Verfahren im Pharmabereich durchsetzen koennen und wann sich z. B. Kooperationen wie die mit Abbott Labs positiv auf die Gewinne auswirken werden, sollte hier entsprechende Geduld aufgebracht werden koennen. Unter dieser Voraussetzung stellt Qiagen ein interessantes Investment dar. Denn die Frage ist heutzutage nicht mehr, ob sich diese technologischen Ansaetze durchsetzen, sondern vielmehr wann und mit welcher Geschwindigkeit. Es sind schon heute deutliche Anzeichen dafuer erkennbar, dass der weitere Bedarf an biotechnologischen Grundmaterialien - wie sie die DNA nun einmal ist - stark ansteigt. Doch Bereiche wie Genomics, genetische Impfung, und Diagnostik unter Zuhilfenahme derartiger Technologien entwickeln sich gerade erst zu grossen neuen Geschaeftsfeldern. Positive Ergebnisbeitraege sind fuer dieses Jahr, in dem noch zahlreiche Investitionen getaetigt werden muessen, nicht zu erwarten, doch sobald die Maerkte erschlossen sind, bietet sich ein hohes zusaetzliches Umsatz- und Gewinnpotential.
Fazit
Qiagen ist ein Standardinvestment im Biotech-Sektor. Derzeit sind die kurzfristigen Kurssteigerungspotentiale jedoch weitestgehend ausgeschoepft. Rueckschlaege - wie z. B. im letzten Herbst - bieten sich als ideale Einstiegszeitpunkte an. Wer derzeit Positionen in diesem Wert aufbauen moechte, sollte einen entsprechend langfristigen Anlagehorizont (zwei bis drei Jahre) haben. Natuerlich sind aufgrund der derzeit starken Kursbewegungen am Neuen Markt schnelle Anstiege jederzeit moeglich, doch waeren diese dann nicht auf die Korrektur einer Unterbewertung zurueckzufuehren. Qiagen zaehlt auf jeden Fall zu den interessanten Investmentmoeglichkeiten in diesem Sektor und sollte weiterhin beobachtet werden.
Qiagen wird an der NASDAQ, am Neuen Markt in Frankfurt, an den Boersen Berlin, Stuttgart, Duesseldorf, Muenchen und Hamburg unter der WKN 901626 gehandelt. Der Schlusskurs am Freitag lag bei 70,50 EUR in Frankfurt (NM).
(sir, 13.02.99) - (c) 1999 Stis-Weekly, der kostenlose Email-Boersenbrief
(www.stisweekly.de) Das bereits im Jahr 1984 gegruendete Biotechunternehmen kann auf eine erfolgreiche unternehmensgeschichte zurueckblicken. Was in der bewegten "Gruenderphase der Biotechunternehmen" begann, wurde vor zwei Jahren, mit dem Going-Public, zum Erfolg an den Boersen. Mit Know-how zur Reinigung von DNA begann das Unternehmen, die Maerkte zu erobern. Obwohl Qiagen ein Commodity liefert - die oft zitierten Hacken und Schaufeln der Biotechnologie -, sind die Produkte fuer die biotechnologische Forschung unverzichtbar. Besonderes Know-how bei der Herstellung und die hohe Qualitaet sichern dem Unternehmen eine feste Position auf dem Markt. Die starken Umsatz- und Gewinnzuwaechse wurden seit der Boerseneinfuehrung 1996 mit steigenden Aktienkursen belohnt. Nachdem sich der Wert inzwischen verdreifacht hat, stellt sich natuerlich die Frage nach der weiteren Zukunft der Kursentwicklung.
Zur technologischen und produkttechnischen Entwicklung der Gesellschaft Zwei Jahre nach der Gruendung der Gesellschaft - also im Jahr 1986 - wurden die Qiagen Plasmid Kits eingefuehrt, mit denen erstmals die Moeglichkeit eroeffnet wurde, besonders reine Plasmide von der DNA zu isolieren. Die gaengigen - und auch heute noch oft verwendeten Methoden - waren entweder sehr teuer, da die Benutzung der Geraete hohe Kosten verursachte oder gefaehrlich, da giftige Chemikalien Verwendung fanden. Die Plasmid Kits setzten sich durch und sind im Moment das verbreitetste Tool zur Reinigung grosser Mengen an DNA. Das verschaffte Qiagen weltweit den Ruf als Marktfuehrer, den die Gesellschaft auch heute noch unbestritten geniesst.
Mitte 1995 wurden die Kits um zwei Technologien erweitert, zum einen um QIAfilter, das etwa eine Stunde Zentrifugierarbeit einspart und zum anderen um eine Anwendung, die Endotoxin aus der DNA entfernt. Gerade der Zeitfaktor spielt eine grosse Rolle. Die Forschung und die biopharmazeutische Anwendung - v.a. in der Diagnostik - braucht die Ergebnisse in immer kuerzerer Zeit.
Seit dem Jahr 1992 ist eine weitere Produktreihe auf dem Markt, die viele Anwendungsmoeglichkeiten im Feld der DNA und RNA Reinigung eroeffnete. Basierend auf einer neuen Technologie wurde es moeglich, gezielt verschiedene Arten und Groessen von Kernsaeuren zu reinigen. Dabei wurde grosser Wert darauf gelegt, dass die neuen Produkte fuer automatische Analyseverfahren geeignet sind - so sind sie in allen gaengigen Testformaten verfuegbar. Mit ueber 250 verschiedenen Produkten, die sich mit der Reinigung und der Analyse von DNA und RNA befassen, bietet Qiagen ein weites Spektrum, auf das die Biowissenschaftler weltweit zurueckgreifen koennen und dies auch tun.
1995 betrat Qiagen den Markt fuer komplexe Laborinstrumente. Mit dem BioRobot 9600 koennen Labors die DNA-Reinigungs-Produkte fuer automatisch ablaufende Versuchs- und Testreihen verwenden und damit noch effizienter arbeiten. Die Vorarbeit wurde dadurch gelegt, dass die gesamte Produktpalette auf automatische Testverfahren abgestimmt wurde. Dies fuehrte zur Synthese von Reagenz und Instrument - ein entscheidender Wettbewerbsvorteil fuer Qiagen.
Doch dem Unternehmen stehen noch weitere Anwendungsgebiete offen: Zum Beispiel die Durchfuehrung von Sequenzierungsfunktionen per BioRobot oder Anwendungen im Bereich der Polymerasekettenreaktionen. Durch die enzymatische Vermehrung von DNS kann so aus wenig Probenmaterial eine ausreichend grosse Menge gewonnen werden, um weitreichende Tests (Gendefekte, Virologie,...) durchfuehren zu koennen. Entscheidend ist, dass Qiagen nicht von einigen wenigen Produkten abhaengig ist, sondern vielmehr die gesamte Produktpalette den Erfolg ausmacht.
Das Know-how von Qiagen, das in ueber 250 Produkten resultiert, wird durch ein System von Patenten (130 weltweit), Lizenzierungen und Markenschutzrechten vor dem Zugriff der Konkurrenz bewahrt. Dadurch wird sichergestellt, dass das Unternehmen die weltweit einzigartige Position beibehalten kann.
Positionierung, Maerkte, Potentiale
Marktposition. Unbestritten ist Qiagen der Marktfuehrer. Um das zu verdeutlichen ein Zahlenbeispiel: Der Hauptmarkt (Forschung), der den ueberwiegenden Teil zu den Umsaetzen beisteuert, hat ein Volumen von 700 Mio. US-$. Hier hat Qiagen einen Marktanteil von etwa 20%. Der naechstgroesste Konkurrent ist mit 7 Mio. US-$ Umsatz im Vergleich zur 15-mal groesseren Qiagen ein unbedeutender Gegner. Es sind weniger einzelne Unternehmen, die im Wettbewerb auftreten, als verschiedene andere Verfahren zur Aufreinigung von DNA. So finden noch haeufig wenig effizient arbeitende Chemikalien Anwendung, die in Ihrer Reinigungswirkung an die Qiagen-Produkte nicht heranreichen. Zum Teil dauert damit die Aufreinigung 30-mal laenger. Die deutlichen Effizienzvorteile sprechen daher fuer Qiagen. Mit der Einfuehrung des BioRobot 9600 wurden diese Vorteile sogar noch groesser. Zum einen war die Breite der Produktpalette schon immer eine ideale Verkaufsgrundlage, zum anderen wurde darauf geachtet, dass sie auch fuer Testreihen und automatisierte Versuche einsetzbar ist. BioRobot ermoeglichte die Automatisierung der Reinigungs- und Testablaeufe und war damit die logische Weiterentwicklung als Antwort auf die Anforderungen der Zeit. Fuer die Anwender ergaben sich grosse Effizienzvorteile, fuer Qiagen war eine weitere Absatzplattform geschaffen. Der Vorteil, "alle Reagenzien aus einer Hand" anbieten zu koennen, wurde um den BioRobot ergaenzt, der dadurch neue Umsatzpotentiale erschloss. Die Entscheidung, Reagenzien und Instrumente zusammen anzubieten, war nicht nur einzigartig und bedeutend vor allem fuer diagnostische Anwendungen, sondern war auch eine strategisch wichtige Entscheidung. Mit BioRobot konnte sich Qiagen weit vor den Markt setzen.
Grossen Wert wird auch seit jeher auf das Marketing gelegt, das oft als der Schluessel zum Erfolg genannt wird. Die Verbindung von guten Produkten mit hohem cross-selling-Potential (siehe Verbindung zwischen Reagenzien und BioRobot) und hoher Marketingpower (135 Verkaufs-, und Servicespezialisten in acht Laendern, sowie 26 Distributionspartner) helfen, die Marktanteile zu vergroessern.
Kooperationen und Partnerschaften. Von den rund 30 Kooperationen, die Qiagen bisher eingegangen ist, sind etwa 20 dem Bereich der universitaeren Forschung zuzurechnen. Dabei werden Forschungsprojekte im Hochschulbereich gesponsert, im Gegenzug erhaelt Qiagen Rechte zur Nutzung der Forschungsergebnisse. Daneben werden mit 3M Membrane auf der technologischen Plattform von 3M produziert. Eine Kooperation mit Roche ermoeglicht den Zugang zu mehreren wichtigen Technologieplattformen. Die fuer die Zukunft wohl entscheidendste Zusammenarbeit stellt der im Oktober letzten Jahres abgeschlossene Vertrag mit Abbott Laboratories dar. Fuer zunaechst fuenf Jahre bezieht Abbott die Qiagen-Produkte zur Probenvorbereitung von DNA und RNA fuer diverse Anwendungen in der molekularen Diagnostik.
Potentiale. Der ueberwiegende Teil der von Qiagen hergestellten Produkte zielt derzeit auf den Bereich der Life-Science-Forschung. Dieser hat ein Volumen von etwa 700 Mio. US-$ und waechst mit 15% jaehrlich. Der auf Qiagen entfallende Marktanteil betraegt aktuell etwa 20%, wobei die Umsaetze mit etwa 40% bis 50% jaehrlich wachsen. Unter diesen Vorgaben waere bereits in drei bis vier Jahren ein Marktanteil erreicht, der wohl nicht mehr signifikant erhoehbar waere (etwa 50%). Zwar erreichen einzelne Produkte derart hohe Quoten - ein Produkt erreicht gar 60% - doch duerfte sich das nicht auf den gesamten Konzern uebertragen lassen. Zumal der gesamte Markt nicht von einem oder wenigen Qiagen-Produkten targetiert wird, sondern von einem Grossteil der Produkt-Palette. Ziel ist es daher, die Positionen der Einzelprodukte in kleinen Schritten zu verbessern. Zwar wird die Bedeutung der Konkurrenzverfahren aufgrund der schlechteren und vor allem langsameren Ergebniserreichung im Lauf der naechsten Jahre abnehmen und der Markt insgesamt eine groessere Bedeutung aufgrund neuer Anforderungen erfahren.
Doch selbst wenn sich das Marktvolumen dadurch erhoeht, vergroessert sich der Zeitraum, in dem derart hohe Wachstumsraten erzielt werden koennen, dadurch nur unwesentlich. Immerhin geht Qiagen davon aus, eine Gesamtmarktpenetration von etwa 60% erzielen zu koennen. Mit der Erreichung dieses Ziels waere das von der Mehrheit der Boersenteilnehmer erwartete Gewinnwachstum von 40 bis 50% pro Jahr fuer die naechsten Jahre gesichert. Doch was kommt danach? Um auf diese Frage eine Antwort zu geben, sollte man am besten die Kooperation mit Abbott heranziehen. Denn der initiierte Deal koennte grosse zusaetzliche Potentiale bieten und die Umsetzung ist bei weitem nicht mit so grossen Unsicherheitsfaktoren verbunden, wie in anderen Bereichen. Wie gesagt, liefert Qiagen an Abbott exklusiv das Know-How zur Aufreinigung von Nukleinsaeuren fuer die molekulare Diagnostik. Sehr wichtig dabei: Eine moeglichst gute Aufreinigung der DNA, da sonst die Tests wenig Sinn machen. Denn mit unreiner DNA laesst sich kaum die Grundlage fuer einen Vergleich mit Test-DNA legen, die Ueberpruefung auf Gendefekte z. B. waere weder sinnvoll noch von grosser Aussagekraft. Was unspektakulaer klingt, eroeffnet hohes Potential. Denn Abbott - als ein fuehrendes Diagnostika-Unternehmen - will in den Markt fuer molekulare Diagnostika vordringen. Durch gezielte Analysen mit Genmaterial lassen sich Tests auf Krankheiten mit grosser Sicherheit und vor allem unter hoher Geschwindigkeit durchfuehren. Wann Analysen auf molekularer Basis in groesserem Umfang durchgefuehrt werden, ist eine Frage der Zeit. Das Potential ist riesig und erreicht etwa das des derzeitigen Marktes den Qiagen bedient. Es werden jaehrlich etwa 500 Mio. bis 1,5 Mrd. Tests mit Praeparaten auf dieser Basis durchgefuehrt werden, bei einem Einzelpreis von etwa 1,5 US-$. Darueber hinaus duerfen natuerlich die anderen Bereiche der biotechnologischen Forschung nicht vergessen werden, denn auch sie kommen ohne die "Hacken und
Schaufeln" nicht aus...
Bewertung: kurzfristig Rueckschlaege abwarten, langfristig kaufenswert
Trotz der guten Positionierung am Markt wird bei einem Blick in die Bilanz der Qiagen deutlich, dass es sich um ein "Zulieferunternehmen" handelt. Denn die Umsatzrendite bewegt sich mit derzeit etwa 12% auf einem - fuer Bio-Tech-Werte - relativ niedrigen Niveau. Die hohe Rohertragsmarge von ueber 70% wird durch die Marketing- und Verwaltungskosten stark geschmaelert. Da das Marketing eine der tragenden Saeulen von Qiagen ist, ist nicht davon auszugehen, dass sich hier Einsparungen erreichen lassen. Das Gleiche gilt fuer die Verwaltungskosten und die Aufwendungen im Bereich der Forschung- und Entwicklung, die sich mit rund 12% schon auf einem niedrigen Niveau bewegen. Die zum Umsatz ueberproportionalen Gewinnentwicklungen in den letzten Jahren waren durch Einmaleffekte bedingt, die sich in dieser Weise nicht wiederholen lassen: Durch die Verlagerung der Gesellschaft in die Niederlande, die Errichtung von Tochtergesellschaften in der Schweiz und Grossbritannien und die geaenderte Bewertung von Aktienoptionen mit dem Boersengang, gelang es Qiagen die Steuerlast deutlich zu senken. Es gilt nun einen Blick auf die Gewinnentwicklung zu werfen, die sich gemaess der Umsatzentwicklung fortschreiben lassen duerfte. Fuer die naechsten Jahre ist mit jaehrlichen Wachstumsraten von 40% zu rechnen, fuer das naechste Jahr werden 0,88 EUR Gewinn pro Aktie erwartet. Wir gehen aufgrund der guten Positionierung der Gesellschaft, der Innovationsfaehigkeit und des zu erwartenden Gesamtmarktwachstums davon aus, dass derartige Wachstumsraten zugrunde gelegt werden koennen. Wenden wir diese Angaben auf unser Ertragswertmodell an und verwenden einen Zins von 9%, so ergibt sich ein fairer Wert von 70,05 EUR. Angesichts der guten Positionierung ist ein ist ein Zinssatz von 9% auf keinen Fall zu niedrig. Da die Aktie bereits bei rd. 70 EUR notiert, ist das Kurspotential nach oben kurzfristig beschraenkt. Natuerlich sind Kurse ueber 70 EUR denkbar und wahrscheinlich, aufgrund der Dynamik und Positionierung der Firma, auch in gewisser Weise zu rechtfertigen. Zudem ergibt sich durch die Uebernahme der ROSYS AG - Hersteller des BioRobot - ein glaettender Effekt auf die saisonalen Schwankungen der Umsaetze. Waehrend bei Qiagen das erste und dritte Quartal staerker ausfallen, sind es bei ROSYS das Zweite und das Vierte. Die Umsatz- und Ergebnisentwicklung erhaelt dadurch mehr Kontinuitaet, etwaige Ausreisser machen sich nicht mehr so deutlich bemerkbar.
Auf jeden Fall interessant ist dieser Wert fuer den laengerfristig orientierten Investor. Da zum heutigen Tage weder abgeschaetzt werden kann, wie schnell sich biotechnische Verfahren im Pharmabereich durchsetzen koennen und wann sich z. B. Kooperationen wie die mit Abbott Labs positiv auf die Gewinne auswirken werden, sollte hier entsprechende Geduld aufgebracht werden koennen. Unter dieser Voraussetzung stellt Qiagen ein interessantes Investment dar. Denn die Frage ist heutzutage nicht mehr, ob sich diese technologischen Ansaetze durchsetzen, sondern vielmehr wann und mit welcher Geschwindigkeit. Es sind schon heute deutliche Anzeichen dafuer erkennbar, dass der weitere Bedarf an biotechnologischen Grundmaterialien - wie sie die DNA nun einmal ist - stark ansteigt. Doch Bereiche wie Genomics, genetische Impfung, und Diagnostik unter Zuhilfenahme derartiger Technologien entwickeln sich gerade erst zu grossen neuen Geschaeftsfeldern. Positive Ergebnisbeitraege sind fuer dieses Jahr, in dem noch zahlreiche Investitionen getaetigt werden muessen, nicht zu erwarten, doch sobald die Maerkte erschlossen sind, bietet sich ein hohes zusaetzliches Umsatz- und Gewinnpotential.
Fazit
Qiagen ist ein Standardinvestment im Biotech-Sektor. Derzeit sind die kurzfristigen Kurssteigerungspotentiale jedoch weitestgehend ausgeschoepft. Rueckschlaege - wie z. B. im letzten Herbst - bieten sich als ideale Einstiegszeitpunkte an. Wer derzeit Positionen in diesem Wert aufbauen moechte, sollte einen entsprechend langfristigen Anlagehorizont (zwei bis drei Jahre) haben. Natuerlich sind aufgrund der derzeit starken Kursbewegungen am Neuen Markt schnelle Anstiege jederzeit moeglich, doch waeren diese dann nicht auf die Korrektur einer Unterbewertung zurueckzufuehren. Qiagen zaehlt auf jeden Fall zu den interessanten Investmentmoeglichkeiten in diesem Sektor und sollte weiterhin beobachtet werden.
Qiagen wird an der NASDAQ, am Neuen Markt in Frankfurt, an den Boersen Berlin, Stuttgart, Duesseldorf, Muenchen und Hamburg unter der WKN 901626 gehandelt. Der Schlusskurs am Freitag lag bei 70,50 EUR in Frankfurt (NM).
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14.04.26
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13.03.26
, aktiencheck.de
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, DEUTSCHE BANK RESEARCH
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