Restriktive EZB-Geldpolitik
19.06.01 13:04
GZ-Bank
Die Europäische Zentralbank senkte am 10. Mai dieses Jahres ihre Leitzinsen um 25 Basispunkte, so die Analysten der GZ-Bank.
Der geldpolitisch bedeutsame Mindestbietungssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte des Eurosystems habe sich auf 4,5% ermäßigt. Mit dem Zinsschritt hätten die Notenbanker eine sieben Monate währende Phase der Inaktivität beendet. Es habe sich unmittelbar die Frage gestellt, inwieweit weitere Entscheidungen dieser Art zu erwarten seien. EZB-Ratsmitglied Ernst Welteke habe in diesem Zusammenhang angemerkt, der aktuelle geldpolitische Kurs sei angemessen. Dies habe sich einerseits dahingehend interpretieren lassen, als ob die gegenwärtigen Leitzinssätze vorläufig konstant gehalten werden sollten. Andererseits möge aber auch die Interpretation gerechtfertigt sein, die EZB verfolge derzeit einen Kurs rückläufiger Zentralbankzinsen. Bei Licht besehen scheine diese zweite Deutung die wahrscheinlichere zu sein.
Die Finanzmarktakteure würden in den zurückliegenden Wochen stark auf die nicht abreißenden Hiobsbotschaften aus Europa zur Preisniveauentwicklung blicken. Im Mai habe der Harmonisierte Verbraucherpreisindex der Euro-Länder um 3,4% höher als vor Jahresfrist gelegen. Die Kernrate sei auf 2,1% geklettert, so hoch wie seit dem Jahre 1996 nicht mehr. Vorläufige Nachrichten zu gerade den großen Ländern der Euro-Zone hätten nicht erkennen lassen, dass der Trend zu ständig steigenden Preisen im Mai gebrochen worden sei: In Frankreich hätten sich die Verbraucherpreise innerhalb eines Jahres um 2,5%, in Deutschland sogar um 3,6% erhöht. Dies habe für weiter hohe Notenbankzinsen gesprochen, auch wenn die EZB bis zuletzt davon ausgegangen sei, dass die Jahresveränderungsrate des Harmonisierten Verbraucherpreisindex im Verlaufe des Jahres 2002 wieder die EZB-Norm von mittelfristig unter 2% erreichen werde.
Breiten Raum habe in den EZB-eigenen Kommentaren zur Geldpolitik in jüngster Zeit die Geldmengenentwicklung eingenommen. Vorgestellt worden sei ein neuartiges Geldmengenkonzept, bei dem Käufe bestimmter kurzfristiger Wertpapiere durch Ausländer herausgerechnet worden seien: Die resultierende bereinigte Geldmenge M3 stelle einen aussagekräftigeren monetären Indikator dar als ihr unbereinigtes Pendant. M3 in ihrer bereinigten Form sei nach EZB-Angaben in den vergangenen Monaten um etwa einen Prozentpunkt weniger als die unbereinigte Geldmenge gewachsen. Nicht zuletzt dies sei Anlass für die EZB-Zinssenkung vom 10. Mai gewesen.
Die Versuche der Währungshüter, M3 adäquat abzugrenzen, würden auf generelle Probleme eines weit gefassten Geldmengenaggregats hindeuten. Andere Zentralbanken wie das Federal Reserve Board der Vereinigten Staaten würden für die Beobachtung der monetären Entwicklungen in der Regel engere Abgrenzungen benutzen. Diese würden sich auf die liquidesten Geldmittel beschränken, so dass die Anteile verzinslicher Geldmengenbestandteile niedriger lägen. Die so erfasste Geldhaltung dürfte nahezu ausschließlich der Abwicklung realwirtschaftlicher Transaktionen dienen, kaum jedoch Sparzwecken.
Für das Euro-Gebiet ermögliche die Betrachtung eines engen Geldmengenaggregats sehr treffsichere Aussagen zur gesamtwirtschaftlichen Aktivität. Werde beispielsweise die Geldmenge M1 herangezogen, so lasse sich für die vergangene Dekade ein enger Zusammenhang zwischen deren Jahresveränderungsrate und derjenigen des Bruttoinlandsprodukts belegen. Dies werde dann besonders offenkundig, wenn die M1-Zeitreihe um neun Monate nach vorne verschoben werde. So gesehen weise das Wachstum der Geldmenge M1 einen Vorlauf von etwa drei Quartalen vor der Zunahme beziehungsweise der Abnahme des Bruttoinlandsprodukts auf.
Gerade in der allerjüngsten Zeit habe sich die Dynamik von M1 drastisch verlangsamt, so die Analysten. So schwach wie zuletzt sei deren Wachstum nicht einmal Anfang der neunziger Jahre zu Zeiten der vorerst letzten Rezession in den späteren Euro-Ländern gewesen. Werde hiervon auf die gesamtwirtschaftliche Aktivität des Euro-Gebiets in den kommenden Quartalen geschlossen, würden Zuwachsraten des Bruttoinlandsprodukts, ausgedrückt in prozentualen Veränderungen gegenüber dem jeweiligen Vorjahreszeitraum, von etwa 1% zum Jahreswechsel 2001/2002 möglich erscheinen.
Wird dies dem Potenzialwachstum gegenübergestellt, das die Analysten der GZ-Bank derzeit auf etwa 2¾% veranschlagen, klafft eine nennenswerte Output-Lücke zwischen der potenziellen und der tatsächlichen gesamtwirtschaftlichen Leistung. Aktuell möge der Preisniveauanstieg kräftig sein. Auf mittlere Sicht deute aber vieles auf deflationäre Tendenzen hin.
Derzeit sei die Geldnachfrage von sich aus recht schwach, doch werde auch das Geldangebot stark beschränkt. In diesem Zusammenhang rücke die Zinspolitik der EZB ins Bild. Die geringe Zunahme der Geldbestände im Euro-Raum sei auch der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank anzulasten.
Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die EZB ihre Leitzinssätze weiter zurücknimmt, so die Analysten der GZ-Bank.
Der geldpolitisch bedeutsame Mindestbietungssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte des Eurosystems habe sich auf 4,5% ermäßigt. Mit dem Zinsschritt hätten die Notenbanker eine sieben Monate währende Phase der Inaktivität beendet. Es habe sich unmittelbar die Frage gestellt, inwieweit weitere Entscheidungen dieser Art zu erwarten seien. EZB-Ratsmitglied Ernst Welteke habe in diesem Zusammenhang angemerkt, der aktuelle geldpolitische Kurs sei angemessen. Dies habe sich einerseits dahingehend interpretieren lassen, als ob die gegenwärtigen Leitzinssätze vorläufig konstant gehalten werden sollten. Andererseits möge aber auch die Interpretation gerechtfertigt sein, die EZB verfolge derzeit einen Kurs rückläufiger Zentralbankzinsen. Bei Licht besehen scheine diese zweite Deutung die wahrscheinlichere zu sein.
Die Finanzmarktakteure würden in den zurückliegenden Wochen stark auf die nicht abreißenden Hiobsbotschaften aus Europa zur Preisniveauentwicklung blicken. Im Mai habe der Harmonisierte Verbraucherpreisindex der Euro-Länder um 3,4% höher als vor Jahresfrist gelegen. Die Kernrate sei auf 2,1% geklettert, so hoch wie seit dem Jahre 1996 nicht mehr. Vorläufige Nachrichten zu gerade den großen Ländern der Euro-Zone hätten nicht erkennen lassen, dass der Trend zu ständig steigenden Preisen im Mai gebrochen worden sei: In Frankreich hätten sich die Verbraucherpreise innerhalb eines Jahres um 2,5%, in Deutschland sogar um 3,6% erhöht. Dies habe für weiter hohe Notenbankzinsen gesprochen, auch wenn die EZB bis zuletzt davon ausgegangen sei, dass die Jahresveränderungsrate des Harmonisierten Verbraucherpreisindex im Verlaufe des Jahres 2002 wieder die EZB-Norm von mittelfristig unter 2% erreichen werde.
Breiten Raum habe in den EZB-eigenen Kommentaren zur Geldpolitik in jüngster Zeit die Geldmengenentwicklung eingenommen. Vorgestellt worden sei ein neuartiges Geldmengenkonzept, bei dem Käufe bestimmter kurzfristiger Wertpapiere durch Ausländer herausgerechnet worden seien: Die resultierende bereinigte Geldmenge M3 stelle einen aussagekräftigeren monetären Indikator dar als ihr unbereinigtes Pendant. M3 in ihrer bereinigten Form sei nach EZB-Angaben in den vergangenen Monaten um etwa einen Prozentpunkt weniger als die unbereinigte Geldmenge gewachsen. Nicht zuletzt dies sei Anlass für die EZB-Zinssenkung vom 10. Mai gewesen.
Für das Euro-Gebiet ermögliche die Betrachtung eines engen Geldmengenaggregats sehr treffsichere Aussagen zur gesamtwirtschaftlichen Aktivität. Werde beispielsweise die Geldmenge M1 herangezogen, so lasse sich für die vergangene Dekade ein enger Zusammenhang zwischen deren Jahresveränderungsrate und derjenigen des Bruttoinlandsprodukts belegen. Dies werde dann besonders offenkundig, wenn die M1-Zeitreihe um neun Monate nach vorne verschoben werde. So gesehen weise das Wachstum der Geldmenge M1 einen Vorlauf von etwa drei Quartalen vor der Zunahme beziehungsweise der Abnahme des Bruttoinlandsprodukts auf.
Gerade in der allerjüngsten Zeit habe sich die Dynamik von M1 drastisch verlangsamt, so die Analysten. So schwach wie zuletzt sei deren Wachstum nicht einmal Anfang der neunziger Jahre zu Zeiten der vorerst letzten Rezession in den späteren Euro-Ländern gewesen. Werde hiervon auf die gesamtwirtschaftliche Aktivität des Euro-Gebiets in den kommenden Quartalen geschlossen, würden Zuwachsraten des Bruttoinlandsprodukts, ausgedrückt in prozentualen Veränderungen gegenüber dem jeweiligen Vorjahreszeitraum, von etwa 1% zum Jahreswechsel 2001/2002 möglich erscheinen.
Wird dies dem Potenzialwachstum gegenübergestellt, das die Analysten der GZ-Bank derzeit auf etwa 2¾% veranschlagen, klafft eine nennenswerte Output-Lücke zwischen der potenziellen und der tatsächlichen gesamtwirtschaftlichen Leistung. Aktuell möge der Preisniveauanstieg kräftig sein. Auf mittlere Sicht deute aber vieles auf deflationäre Tendenzen hin.
Derzeit sei die Geldnachfrage von sich aus recht schwach, doch werde auch das Geldangebot stark beschränkt. In diesem Zusammenhang rücke die Zinspolitik der EZB ins Bild. Die geringe Zunahme der Geldbestände im Euro-Raum sei auch der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank anzulasten.
Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die EZB ihre Leitzinssätze weiter zurücknimmt, so die Analysten der GZ-Bank.
