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Fr, 17. April 2026, 22:08 Uhr

SKW Trostberg kaufen


19.10.99 00:00
Stisweekly

Die Analysten von Stisweekly raten dem Anleger derzeit zum Kauf der Aktien des Spezialchemiekonzerns SKW Trostberg (WKN 729270).

Fast halbiert habe sich der Kurs der SKW Trostberg AG seit seinem all-time-high von umgerechnet über 14 Euro im April 1998. Während die Gesellschaft im Geschäftsjahr 1997 noch ein Gewinnwachstum von beachtlichen 40% ausweisen konnte, habe sich die Entwicklung des Geschäftsergebnisses in den letzten beiden Jahren deutlich abgeflaut. Zuletzt sei mit der anstehenden Fusion von Veba und Viag wieder etwas Phantasie in die Aktie gekommen, da nun eine Fusion auf „kleiner" Ebene von SKW und Degussa diskutiert werde. Viag halte 64% an SKW, auf der anderen Seite würden 62,4% von Degussa bei Veba liegen.

SKW Trostberg gehöre zu den weltweit führenden Anbietern von Spezialchemie. Der Sektor Bauchemie generiere 49% bzw. 54% von Umsatz und Gewinn. In diesem Bereich sei SKW Weltmarktführer.

Anfang des Jahres habe man von der amerikanischen Harris-Gruppe deren Bauchemiesektor erworben. Mitte des Jahres habe SKW Trostberg die Witco Olechemicaks and Derivate Group von der Witco Olechemicals Corporation akquiriert. Witco Olechemicals and Derivate sei ein Hersteller von Pflegeprodukten für die Bereiche Fabric Care, Personal Care und Home Care.
Durch Niederlassungen in den USA, England, Spanien und Deutschland, erlange SKW Trostberg dadurch nicht nur eine deutliche Stärkung in der Sparte Fabric Care, sondern auch eine wesentliche Verbesserung der globalen Firmenpräsenz. Das Angebot für die internationalen Kunden in der Konsumgüterindustrie könne dadurch stark ausgeweitet werden.

Als ersten Schritt der mittelfristig anstehenden Fusion mit Degussa, habe die Viag als Folge der Fusion mit Veba die Goldschmidt AG in die SKW Trostberg AG integriert. Bei den beiden Spezialchemieunternehmen gebe es bis auf die Sparte Blausäurechemie keine Überlappungen in den Geschäftsfeldern. Durch die Kartellbehörden bestehe für den Zusammenschluss als Ganzes laut SKW Trostberg jedoch keine Gefahr. Nach der Verschmelzung werde der Konzern etwa 17.000 Mitarbeiter beschäftigen. Laut dem Fusionsvertrag würden aus 5 Altaktien 13 Inhaber-Stückaktien.

Damit sei der Hunger von SKW Trostberg jedoch noch nicht gestillt. Vor allem zum Ausbau der Sparte Feinchemie suche die Gesellschaft derzeit noch nach geeigneten Übernahmekandidaten.

Im Geschäftsjahr 1998 habe SKW Trostberg ein Umsatzvolumen von 2,7 Mrd. Euro erwirtschaftet und einen Gewinn von 91,2 Mio. Euro ausgewiesen. Im ersten Halbjahr 1999 habe man eine Umsatzverbesserung von 2,2% auf 1,4 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum erreichen können. Allerdings sei die Umsatzsteigerung nur durch die Harris-Übernahme zustande gekommen. Ohne diesen Sondereffekt wäre der Umsatz sogar um 3% zurückgegangen, heißt es.

Zweifelsohne habe SKW Trostberg mit einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld zu kämpfen. Die hartnäckige Preisschwäche bei Ammoniak und Harnstoff sowie die mangelnde Nachfrage aus der Chemie- und Stahlindustrie belasteten die Geschäftsentwicklung. Das Hauptgeschäftsfeld Chemie habe einen Umsatzrückgang von 47% zu erleiden müssen. Hinzugetreten seien infolge der schwachen Inlandskonjunktur Probleme bei der Bauchemie. Auch die auffällig starken Verluste im ostdeutschen Werk Piesteritz sowie die Asienkrise wirkten sich negativ aus. Diesen negativen Trends hätten erfreuliche Entwicklungen bei der Bauchemie in den USA und in den europäischen Ländern, außer Deutschland, gegenübergestanden.

Für die weitere Geschäftsentwicklung sei vor allem die konjunkturelle Erholung der europäischen Wirtschaft, besonders des Bausektors, verantwortlich. Die US-Baubranche zeige sich wie die gesamte US-Konjunktur robust. Die Chemiebranche habe des weiteren von einer verbesserten Stahlkonjunktur und einer wieder ansteigenden Nachfrage aus Asien profitieren können. Abgesehen davon, habe SKW Trostberg ein umfassendes Kostensenkungsprogramm eingeleitet, um die Umsatzrendite zu steigern. Auch von der Eingliederung von Goldschmidt in den Konzernverbund seien deutliche Einsparungen zu erwarten. Langfristig interessant erscheine auch der Vorstoß von SKW Trostberg in den Biotechnologiebereich.

Nach der Verschmelzung mit Goldschmidt strebe SKW Trostberg einen Umsatz von knapp 3,4 Mrd. Euro für das Geschäftsjahr 1999 an. Als Gewinn werde man ca. 160 Mio. Euro erreichen. Einen erfolgreichen Aktienumtausch vorausgesetzt, wäre dies ein Gewinn pro Aktie von 0,53 Euro. Durch die Fusion von SKW Trostberg mit Goldschmidt erwarte das Management jährliche Einsparungen von ca. 10,2 Mio. Euro. Mittelfristig solle dadurch zusammen mit einem, bereits gestarteten, Kosteneinsparungsprogramm die Umsatzrendite auf 12% vor Steuern angehoben werden.

Die Situation bei der Umsatzentwicklung werde sich zweifelsohne aufhellen. Der Aufschwung bei der Spezial- und Metallchemie werde den Umsatz von SKW Trostberg stimulieren. Zudem stehe die Inlandskonjunktur vor der Erholung. Auch aus den Emerging-markets, vor allem aus Asien, sei mit Aufträgen zu rechnen. Einzige Gefahr für die weitere Umsatzentwicklung drohe gerade aus dem bisher stabilsten Markt, aus den USA. Hier könnte eine konjunkturelle Abkühlung zu einem deutlichen Auftragsrückgang bei der Sparte Bauchemie führen. Zukunftsweisend sei das verstärkte Engagement von SKW Trostberg beim Biotechnologiesektor. Zudem wolle sich das Unternehmen in schwachen Geschäftsbereichen, wie der Feinchemie, weiter durch Akquisitionen verstärken.
Für die Berechnung des Ertragswertes nehmen die Analysten ein konservatives Umsatzwachstum von 4% für das Jahr 2000 und 5% bis 2004 an. Laut eigenen Angaben habe SKW Trostberg langfristig eine Umsatzregion von etwa 5 Mrd. Euro im Visier. Die Umsatzrendite wolle das Management auf umgerechnet 9% nach Steuern heben. Dies solle bis 2004 verwirklicht sein. Allein die Synergieeffekte aus den diesjährigen Übernahmen würden jährlich zwischen 20 und 25 Mio. Euro betragen. Die Experten heben die Rendite schrittweise auf 5% für das folgende Jahr, 6% im 2001und 8% Jahr 2002 an. Für das Geschäftsjahr 2004 setzen die Experten sie auf 9% an.

Das aktuelle KGV auf Basis 2000 beträgt 13,2. Verglichen mit dem dementsprechenden KGV anderer Chemieunternehmen erscheine SKW Trostberg günstig bewertet. So würden BASF einen Wert von 15, Degussa etwa 14 und der Schweizer Spezialchemiehersteller Ciba Specialty von 19 aufweisen.
SKW Trostberg stehe an einem wichtigen Punkt in seiner Unternehmensgeschichte. Entscheidender Punkt sei, ob die Übernahmen sowie die Fusion mit Goldschmidt erfolgreich umgesetzt werden und die Geschäftsfelder der Unternehmen reibungslos in die Struktur von SKW Trostberg eingebracht werden können. Nur dann würden sich die Synergieeffekte voll entfalten können und über eine höhere Umsatzrendite die Gewinne stimulieren.

Eine positive Umsatzentwicklung für die nächsten Jahre scheine gesichert und weitere Übernahmen seien geplant. Die Aktie von SKW Trostberg sei zum aktuellen Kurs angesichts des Potentials des Unternehmens unterbewertet.

Auch im Vergleich zu anderen Chemieunternehmen habe sie noch Spielraum nach oben. Die Experten empfehlen daher die Aktie der SKW Trostberg auf dem aktuellen Niveau dem konservativen Anleger zum Kauf.