Suchen
Login
Anzeige:
Sa, 18. April 2026, 8:40 Uhr

Solon Turnaround in Sicht


10.08.01 11:42
boersenmagazin.de

Den Aktienexperten von "boersenmagazin.de" zufolge ist bei der Aktie Solon AG (WKN 724630) der Turnaround in greifbare Nähe gerückt.

Solon gelte als führender Anbieter von gebäudeintegrierten Photovoltaik-Anlagen. Die Referenzliste des 1996 gegründeten Unternehmens könne sich sehen lassen. Die Berliner hätten allein in der Bundeshauptstadt sechs der insgesamt zehn Regierungsgebäude mit Sonnenenergie-Anlagen ausgestattet. Aber auch der Autohersteller Audi in Ingolstadt, die Universität Erlangen oder 16 Erfurter Schulen seien mit Solaraggregaten der Solon AG ausgestattet worden. Der erste große Auftrag sei die Projektierung und Realisierung der inzwischen preisgekrönten Photovoltaik-Anlage am Klinisch-Molekularbiologischen Institut Erlangen gewesen. Für die Solon-Gruppe seien derzeit rund 120 Mitarbeiter tätig.

Die Solon-Aktie werde seit knapp drei Jahren im Freiverkehr an den Börsen in Berlin, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart notiert. Der Emissionskurs habe im Oktober 1998 bei umgerechnet 7,67 Euro gelegen. Seinen absoluten Höchststand habe das Papier im Oktober vergangenen Jahres bei 21 Euro erreicht. Doch von da an sei es mit der Aktie fast stetig bergab gegangen - bis zum historischen Tiefstand bei 3,10 Euro Ende Juli 2001.

Der rasante Kursverfall lasse sich mit der Mentalität der Unternehmensführung erklären. In den ersten Jahren des Bestehens habe das Solon-Management offenbar wenig Wert auf eine betriebswirtschaftlichen Unternehmensführung gelegt. Die Folge: Hohe Verluste in den beiden vergangenen Geschäftsjahren. Sowohl 1999 als auch 2000 habe die Gruppe mit tiefroten Zahlen abgeschlossen (minus 4,7 Millionen Eure bzw. minus acht Millionen Euro). Die Umsatzentwicklung habe sich dagegen mit einem Zuwachs von knapp hundert Prozent auf 15,5 Millionen Euro sehen lassen können. Der Jahresfehlbetrag des Geschäftsjahres 2000 habe sich auf 3,3 (1999: 3,6) Millionen Euro bei einem Verlustvortrag von 4,7 Millionen Euro belaufen. Die hohen Verluste seien vor allem durch Kosten im Geschäftsaufbau und unvorhersehbarer Probleme bei den staatlichen Förderprogrammen entstanden.

Der Solon-Vorstand habe umgehend reagiert. Mit einem Sofortprogramm sei die Wende eingeleitet worden. Die renommierte Berliner Beratungsgesellschaft LBD unterstütze das Unternehmen bei der Planung und Umsetzung aller Maßnahmen. Wesentliche Ziele: deutlich höhere Umsätze, niedrigere Kosten und Konzentration auf ergebnisstarke und förderunabhängige Geschäftsbereiche.

Auch der Vorstand sei inzwischen umgebildet worden. Die Mitgründerin Birgit Flore, zuletzt als Vorstandsmitglied für die Finanzen zuständig, habe das Unternehmen Ende Februar 2001 verlassen. Der Gründer und Physiker Alexander Voigt habe daraufhin Anfang Mai den 38jährigen Harald Rothschedl ins Boot geholt. Der Österreicher habe sich zuvor einen Namen als Sanierer der angeschlagenen Photo-Porst-Kette gemacht.

Ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg aus der Krise: Solon werde seinem unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten indiskutablen Standort Kreuzberg den Rücken kehren. Ein geeigneter neuer Firmensitz sei inzwischen ebenso gefunden worden wie ein Nachmieter für die alten Räumlichkeiten. Als kluger Schachzug könnte sich auch die neu gestartete Produktion standardisierter Solaranlagen erweisen.
Doch der wohl wichtigste Schritt: Solon wolle sich künftig nicht nur der Stromerzeugung, sondern auch verstärkt der Solarthermie zuwenden. Schon im Jahr 2003 wolle das Berliner Unternehmen die Hälfte seines Umsatzes mit Solarthermie machen. CEO Voigt erhoffe sich in diesem Geschäftsfeld viele Aufträge der öffentlichen Hand. Gute Beziehungen zu staatlichen Stellen könnten ihm dabei den Weg ebnen.

Ebenfalls positiv: Die neue Solon-Mannschaft habe einen Business-Plan aufgestellt und sich dabei an den veränderten Marktgegebenheiten orientiert. Seien bisher nur Verluste angefallen, peile Solon für das kommende Jahr rund 26 Millionen Euro Umsatz und einen Gewinn von 0,8 Millionen Euro an. Zuversichtlich würden die weiterhin gut gefüllten Auftragsbücher stimmen. Bei einer Gesamtleistung von rund 35 Millionen Euro solle der Gewinn 2003 rund 3,6 Millionen Euro betragen.

Der Turnaround bei Solon sei in greifbare Nähe gerückt, doch kaum ein Anleger habe bisher davon Notiz genommen. Das könne sich allerdings schon in den nächsten Monaten ändern, wenn Solon vom Freiverkehr in den Geregelten Markt wechseln werde. Denn schließlich würden für den Geregelten Markt härtere Zugangsvoraussetzungen gelten, die das Vertrauen der Anleger in die Aktie wieder herstellen könnten. So müsse Solon dann zum Beispiel einen "Paten" - zum Beispiel eine Bank - benennen. Außerdem müsse das Solarunternehmen von da an ausführliche Geschäftsberichte und Jahresabschlüsse einreichen sowie kursrelevante Informationen umgehend verbreiten. Die Aktie habe am 10. August nachrichtenlos um knapp 23 Prozent auf 4,40 Euro zugelegt.

Es muss sich in nächster Zeit erweisen, ob die Sonne auch längerfristig über Solon strahlen wird, so die Wertpapierexperten von "boersenmagazin.de".