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Sa, 18. April 2026, 5:41 Uhr

Spaniens Wirtschaft nimmt ab


16.11.01 16:44
Dresdner Bank

Die spanische Zentralbank hat kürzlich ihre vorläufige Schätzung des BIP-Wachstums für das dritte Quartal 2001 veröffentlicht, berichten die Wirtschaftsexperten der Dresdner Bank.

Danach habe die gesamtwirtschaftliche Leistung (im Trend) um 2,5 % gegenüber der Vorjahresperiode zugenommen. Dies entspreche einer deutlichen Abnahme der Konjunkturdynamik nachdem in den vergangenen Jahren Wachstumsraten um die 4% und im ersten Halbjahr 2001 um über 3% erzielt worden seien. 70% der spanischen Exporte würden in die Länder der Europäischen Union und 5% in die USA gehen. Der Rückgang der ausländischen Nachfrage habe in diesem Jahr das Exportwachstum Spaniens (bei einem BIP-Anteil von 30%) voraussichtlich mehr als halbiert. Nach rund 10% Zuwachs im Jahr 2000 erwarte man bei den Ausfuhren im laufenden Jahr lediglich eine Zunahme um 4%. Eine entsprechende Verlangsamung sei auch bei den Importen zu sehen, wenn auch in etwas geringerem Ausmaß.

Bisher habe die Abschwächung der spanischen Wirtschaftstätigkeit auf den Einbruch des Welthandels zurückgeführt werden können. Nun lasse jedoch auch der Private Verbrauch deutlich nach, mit einem Anteil von 60% am BIP wichtigster unterstützender Faktor der Volkswirtschaft. Die hohe Inflationsrate, die schlechte Entwicklung an den Aktienmärkten, der stockende Abbau der Arbeitslosigkeit hätten zu einem seit Monaten stetig fallenden Konsumentenvertrauen geführt. Zwar sei die harmonisierte Inflationsrate von 4,2% im Mai auf 3,2% im Oktober gefallen, was der Kaufkraft zugute komme.

Die nach dem 11. September gestiegene allgemeine Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung der Wirtschaft insbesondere des Arbeitsmarktes dürfte jedoch die Ausgabenfreude der spanischen Bevölkerung auch in den nächsten Monaten weiter dämpfen. Schon seit dem zweiten Quartal sei eine Zunahme des Sparverhaltens zu beobachten. Es werde deutlich, dass auch die bisher robust scheinende spanische Volkswirtschaft gegen die weltweite Konjunkturabschwächung nicht vollständig immun sei.

Habe vor den Terroranschlägen von guten Chancen für eine lediglich vorübergehende Eintrübung der Wirtschaftsaktivität ausgegangen werden können, so seien seit dem 11. September die Risiken nicht nur für den Außenhandel sondern auch für die Binnennachfrage gestiegen. Für das Gesamtjahr 2001 sei in Spanien ein BIP-Wachstum von 2,6% wahrscheinlich gewesen. Für 2002 rechne man nur noch mit 2,4%. Damit liege Spanien wie in den vergangenen Jahren aber auch weiterhin klar über dem erwarteten durchschnittlichen Wachstum von 1,5% für den Euro-Raum.