US-Börsen Richtung erkennbar
02.07.04 09:33
iWatch
Nachdem im Monat Juni keine einheitliche Börsentendenz zu erkennen war, konnten wir in der abgelaufenen Woche eine Vielzahl von Ereignissen erleben, die für die künftige Börsenrichtung maßgeblich sind, so die Experten von "iWatch".
Die Woche habe mit einer Überraschung begonnen: Zwei Tage früher als geplant, sei die Souveränität über den Irak an die neue irakische Regierung übergeben worden. Der Druck sei groß gewesen, die Angst vor weiteren Terroranschlägen habe im Nacken gesessen und die USA wollten so schnell wie möglich die Verantwortung für die Vorgänge im Irak abgeben. Dies sei am Montag mit der vorzeitigen Übergabe gelungen. De facto habe sich nicht viel geändert: Es seien noch genauso viele Soldaten im Irak, wie zuvor. Außerdem gelte der erste irakische Ministerpräsident Ijad Allawi in der Bevölkerung als verlängerter Arm der USA.
Für die Börsianer jedoch sei dies eine sehr wesentliche Änderung: Künftig würden Unruhen und Anschläge im Irak nicht mehr von Amerikanern kommentiert und verurteilt, sondern von Irakern. Und die neue irakische Regierung habe nun die Chance, sich der Bevölkerung in einer Form zu präsentieren, dass eine Distanzierung von den USA deutlich werde.
Gelinge dies, so wäre ein Damoklesschwert, das monatelang über der US-Börse gehangen habe und regelmäßig herniedergerauscht sei, beseitigt. Nach Einschätzung der Experten sei noch lange nichts besonders Positives im Irak zu verzeichnen. Jedoch ein immer wieder negativ belastender Faktor sei nun neutralisiert worden.
Als nächstes habe die Sitzung des FOMC angestanden. Am Mittwochabend sei es soweit gewesen: Um 20:17 MEZ sei bekannt gegeben worden, dass der US-Leitzins von 1% um 25 Basispunkte auf 1,25% angehoben werde.
Dieser Schritt sei erwartet worden. Die Experten hätten diese erste Zinsanhebung schon Ende letzten Jahres erwartet. Nachdem bereits Ende letzten Jahres Wachstumsraten der US-Wirtschaft von über 8% vermeldet worden seien und nachdem im Frühjahr diesen Jahres der Arbeitsmarkt einen kräftigen Schub erlebt habe, sei weithin diskutiert worden, ob die FED "behind the curve" sei.
Es seien Befürchtungen aufgekommen, dass Sir Alan und Co, wie bereits im Jahr 2000, zu spät mit den Zinsanhebungen beginnen würden, wenn die Wirtschaft schon auf allen Zylindern feuere, und dass dadurch mehrere schnell aufeinander folgende Zinsanhebungen erforderlich werden könnten.
Diese Angst, ein weiteres Damoklesschwert, das über der Börse geschwebt habe, sei diesen Mittwoch beschwichtigt worden. Sir Alan habe zur Zinsanhebung erklärt, dass die FED nunmehr wieder eine neutrale Haltung annehmen werde und weitere Zinsanhebungen von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung abhängig mache.
Also: In den nächsten Wochen sei weder mit schlechten Meldungen aus dem Irak zu rechnen, noch mit weiteren Zinsanhebungen.
Schließlich sei am Mittwoch auch noch der letzte Handelstag des Monats Juni gewesen und damit der letzte Tag des 2. Quartals oder auch des 1. Halbjahres 2004. Egal, über welchen Zeithorizont institutionelle Anleger Rechenschaft ablegen müssten, der Monatswechsel Juni/Juli sei einer der wichtigsten des Jahres.
Nasdaq und Dow Jones hätten in diesem Zeitraum zwar mehrere Kapriolen gedreht, seien schließlich jedoch wieder nahe an ihrem Ausgangspunkt gelandet. Mit den großen Aktien hätten Anleger in diesem ersten Halbjahr 2004 also kaum einen Blumentopf gewinnen können.
Der S&P500 jedoch, in dem noch eine Vielzahl an kleineren Unternehmen enthalten seien, habe immerhin 2% zulegen können. Für die Experten zeige dies vor allem, dass Unternehmen, die noch vor einem Jahr ums Überleben hätten kämpfen müssen, nun über den Berg seien und dadurch überproportionale Kursgewinne hätten verzeichnen können.
Zum Monatswechsel Juni/Juli müssten viele institutionelle Anleger ihre Portfoliostruktur offen legen. Wer in den vergangenen Monaten nicht wenigstens besser abgeschnitten habe als der S&P500, der werde sich eine Menge unangenehmer Fragen seiner Kunden gefallen lassen müssen, warum er Aktien wie Yahoo!, Broadcom, eBay oder QUALCOMM nicht im Portfolio habe.
Daher hätten gerade diese Aktien in den letzten Tagen eine besondere Nachfrage erlebt. Die Kurse seien nochmals in die Höhe geschossen, ungeachtet des hohen Bewertungsniveaus. Schwächere Aktien hingegen seien noch schnell verkauft worden, damit man nicht auch noch über die Fehlgriffe diskutieren müsse.
Somit habe der Monatswechsel neben den beiden Damoklesschwertern, die sich belastend ausgewirkt hätten, auch noch diesen Sondereffekt zu verarbeiten.
Es sei also zu erwarten gewesen, dass am Donnerstag, dem ersten Tag des neuen Quartals, langsam wieder Normalität an der Börse einkehre. Weit gefehlt: Yahoo! sei in der Bewertung herabgestuft worden und sei um 5% gefallen. Kurz zuvor hätten noch General Motors und Wal-Mart Umsatzeinbrüche im 2. Quartal 2004 vermeldet.
Und auch Maxtor, Speicherplattenhersteller für Computer, habe vor einem Umsatzrückgang von 10% gewarnt. Während Seagate mit in den Abwärtssog von Maxtor gezogen werde, könne sich EMC jedoch recht gut halten. EMC stelle Speicherlösungen für Unternehmen im Terrabyte-Bereich her, während Maxtor und Seagate mit herkömmlichen Festplatten stärker vom Konsumenten abhängig seien.
Am kommenden Montag würden die Börsen in den USA geschlossen bleiben. Anleger sollten den heutigen Freitag nutzen, um sich für die nächste Woche günstig zu positionieren. Denn in der nächsten Woche werde sich entscheiden, ob wir eine Sommerrallye bekommen oder ob die Verluste des gestrigen Donnerstags der Beginn einer neuen Baisse seien.
Gründe gebe es für beide Szenarien genug: Viele der belastenden Faktoren der Aktienbörse der letzten Monate seien nun aus dem Weg. Es könnte also eine Sommerrallye geben. Auf der anderen Seite sei das KGV wieder recht hoch: Mit 20 sei das KGV des S&P500 wieder einmal zu hoch.
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
Die Woche habe mit einer Überraschung begonnen: Zwei Tage früher als geplant, sei die Souveränität über den Irak an die neue irakische Regierung übergeben worden. Der Druck sei groß gewesen, die Angst vor weiteren Terroranschlägen habe im Nacken gesessen und die USA wollten so schnell wie möglich die Verantwortung für die Vorgänge im Irak abgeben. Dies sei am Montag mit der vorzeitigen Übergabe gelungen. De facto habe sich nicht viel geändert: Es seien noch genauso viele Soldaten im Irak, wie zuvor. Außerdem gelte der erste irakische Ministerpräsident Ijad Allawi in der Bevölkerung als verlängerter Arm der USA.
Für die Börsianer jedoch sei dies eine sehr wesentliche Änderung: Künftig würden Unruhen und Anschläge im Irak nicht mehr von Amerikanern kommentiert und verurteilt, sondern von Irakern. Und die neue irakische Regierung habe nun die Chance, sich der Bevölkerung in einer Form zu präsentieren, dass eine Distanzierung von den USA deutlich werde.
Gelinge dies, so wäre ein Damoklesschwert, das monatelang über der US-Börse gehangen habe und regelmäßig herniedergerauscht sei, beseitigt. Nach Einschätzung der Experten sei noch lange nichts besonders Positives im Irak zu verzeichnen. Jedoch ein immer wieder negativ belastender Faktor sei nun neutralisiert worden.
Als nächstes habe die Sitzung des FOMC angestanden. Am Mittwochabend sei es soweit gewesen: Um 20:17 MEZ sei bekannt gegeben worden, dass der US-Leitzins von 1% um 25 Basispunkte auf 1,25% angehoben werde.
Dieser Schritt sei erwartet worden. Die Experten hätten diese erste Zinsanhebung schon Ende letzten Jahres erwartet. Nachdem bereits Ende letzten Jahres Wachstumsraten der US-Wirtschaft von über 8% vermeldet worden seien und nachdem im Frühjahr diesen Jahres der Arbeitsmarkt einen kräftigen Schub erlebt habe, sei weithin diskutiert worden, ob die FED "behind the curve" sei.
Es seien Befürchtungen aufgekommen, dass Sir Alan und Co, wie bereits im Jahr 2000, zu spät mit den Zinsanhebungen beginnen würden, wenn die Wirtschaft schon auf allen Zylindern feuere, und dass dadurch mehrere schnell aufeinander folgende Zinsanhebungen erforderlich werden könnten.
Diese Angst, ein weiteres Damoklesschwert, das über der Börse geschwebt habe, sei diesen Mittwoch beschwichtigt worden. Sir Alan habe zur Zinsanhebung erklärt, dass die FED nunmehr wieder eine neutrale Haltung annehmen werde und weitere Zinsanhebungen von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung abhängig mache.
Also: In den nächsten Wochen sei weder mit schlechten Meldungen aus dem Irak zu rechnen, noch mit weiteren Zinsanhebungen.
Nasdaq und Dow Jones hätten in diesem Zeitraum zwar mehrere Kapriolen gedreht, seien schließlich jedoch wieder nahe an ihrem Ausgangspunkt gelandet. Mit den großen Aktien hätten Anleger in diesem ersten Halbjahr 2004 also kaum einen Blumentopf gewinnen können.
Der S&P500 jedoch, in dem noch eine Vielzahl an kleineren Unternehmen enthalten seien, habe immerhin 2% zulegen können. Für die Experten zeige dies vor allem, dass Unternehmen, die noch vor einem Jahr ums Überleben hätten kämpfen müssen, nun über den Berg seien und dadurch überproportionale Kursgewinne hätten verzeichnen können.
Zum Monatswechsel Juni/Juli müssten viele institutionelle Anleger ihre Portfoliostruktur offen legen. Wer in den vergangenen Monaten nicht wenigstens besser abgeschnitten habe als der S&P500, der werde sich eine Menge unangenehmer Fragen seiner Kunden gefallen lassen müssen, warum er Aktien wie Yahoo!, Broadcom, eBay oder QUALCOMM nicht im Portfolio habe.
Daher hätten gerade diese Aktien in den letzten Tagen eine besondere Nachfrage erlebt. Die Kurse seien nochmals in die Höhe geschossen, ungeachtet des hohen Bewertungsniveaus. Schwächere Aktien hingegen seien noch schnell verkauft worden, damit man nicht auch noch über die Fehlgriffe diskutieren müsse.
Somit habe der Monatswechsel neben den beiden Damoklesschwertern, die sich belastend ausgewirkt hätten, auch noch diesen Sondereffekt zu verarbeiten.
Es sei also zu erwarten gewesen, dass am Donnerstag, dem ersten Tag des neuen Quartals, langsam wieder Normalität an der Börse einkehre. Weit gefehlt: Yahoo! sei in der Bewertung herabgestuft worden und sei um 5% gefallen. Kurz zuvor hätten noch General Motors und Wal-Mart Umsatzeinbrüche im 2. Quartal 2004 vermeldet.
Und auch Maxtor, Speicherplattenhersteller für Computer, habe vor einem Umsatzrückgang von 10% gewarnt. Während Seagate mit in den Abwärtssog von Maxtor gezogen werde, könne sich EMC jedoch recht gut halten. EMC stelle Speicherlösungen für Unternehmen im Terrabyte-Bereich her, während Maxtor und Seagate mit herkömmlichen Festplatten stärker vom Konsumenten abhängig seien.
Am kommenden Montag würden die Börsen in den USA geschlossen bleiben. Anleger sollten den heutigen Freitag nutzen, um sich für die nächste Woche günstig zu positionieren. Denn in der nächsten Woche werde sich entscheiden, ob wir eine Sommerrallye bekommen oder ob die Verluste des gestrigen Donnerstags der Beginn einer neuen Baisse seien.
Gründe gebe es für beide Szenarien genug: Viele der belastenden Faktoren der Aktienbörse der letzten Monate seien nun aus dem Weg. Es könnte also eine Sommerrallye geben. Auf der anderen Seite sei das KGV wieder recht hoch: Mit 20 sei das KGV des S&P500 wieder einmal zu hoch.
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
Werte im Artikel

