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Sa, 18. April 2026, 4:22 Uhr

US-Börsen Spätsommerrallye vorbei?


06.09.04 11:31
iWatch

Am Montag begehen die US-Amerikaner den Feiertag "Labor Day" - Tag der Arbeit. Die Börsen bleiben geschlossen, so die Experten von "iWatch".

Dieser Feiertag sei jedoch gleichzeitig das Ende der Sommerurlaubssaison, Anleger dürften also erwarten, dass ab Dienstag der Financial District im Lower Manhattan wieder vollständig besetzt sei.

"Die Nacht ist immer am dunkelsten, kurz bevor die Sonne aufgeht", laute ein Sprichwort. Auch für die Börse gelte dies: Die "iWatch"-Prognose der letzten Woche sei ziemlich genau eingetroffen. Nach einigen Wochen Kursrallye hätten die Börsenindizes nun erst einmal eine kleine Pause eingelegt. Die letzte Woche vor dem inoffiziellen Ende des Sommerlochs habe sich durch ein extrem schwaches Handelsvolumen, nur durchschnittlich 1,1 Mrd. Aktien hätten pro Tag ihren Besitzer gewechselt, sowie durch ein zögerliches Verhalten der Marktteilnehmer ausgezeichnet.

Die Woche habe mit einer kleinen Goldrallye begonnen, nachdem volkswirtschaftliche Daten belegt hätten, dass der US-Konsument weiterhin mehr konsumiere, als er verdiene. Ein solches Verhalten führe über kurz oder lang zu einer Entwertung der eigenen Währung und als sicherer Hafen habe das Gold aufgrund dieser Meldung Anleger angezogen. Von 405 US-Dollar sei der Preis für die Feinunze auf vorübergehend 408 US-Dollar gestiegen, um jedoch anschließend vor dem Hintergrund recht ordentlicher volkswirtschaftlicher Daten wieder abzufallen. Die Arbeitsmarktdaten, die zu der niedrigsten Arbeitslosenquote im August (5,4%) seit Oktober 2001 geführt hätten, hätten für einen Ausverkauf des Goldes mit einem Schlusskurs von nur noch 401,15 US-Dollar gesorgt.

Der Ölpreis, der in der Vorwoche um 8% eingebrochen sei, habe sich im Wochenverlauf stabilisiert. Obwohl am vergangenen Wochenende nochmals Anschläge auf Ölpipelines im Irak für Unsicherheit gesorgt hätten, habe es keinen neuen Preisanstieg mehr gegeben. Das Verhalten des Ölpreises untermauere die Theorie der Experten, dass die letzten Dollar des Anstiegs der Vorwochen nur noch durch Spekulanten und Trader, die auf dem falschen Fuß erwischt worden seien, getrieben worden sei. Diese Panikkäufe seien nun vorüber und das Niveau um 44 US-Dollar habe die bestehenden geopolitischen Unsicherheiten ausreichend widergespiegelt.

Die Republikaner begingen diese Woche ihren Parteitag. Als Ort sei der Madison Square Garden in New York ausgewählt worden. Nicht ohne Grund sei die Nähe zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gesucht worden, denn in seiner sehnlichst erwarteten Ansprache ging es Präsident Bush in erster Linie darum, seine Stärke gegenüber dem weltweiten Terrorismus zu demonstrieren.

Die Vorstellung, dass Präsident Bush in diesem Rahmen über seine harte Linie in der Sicherheits- und Außenpolitik als zentrales Thema seines Wahlkampfes spreche, lasse befürchten, dass die US-Amerikaner auf absehbare Zeit keine grundlegende Veränderung ihrer Politik anstreben würden.

Börsianer, die sich traditionell eher einen republikanischen Präsidenten wünschen würden, hätten dieser Rede erwartungsvoll entgegen gefiebert. Schon lange werde ein Wahlkampf nicht mehr mit Argumenten, sondern mit Emotionen gewonnen. Bush habe diese Erwartungen voll erfüllt: Er habe Härte, Sicherheit und Entschlossenheit ausgestrahlt - und verbunden mit seinem Kirchgang - sei sein Bezug zu christlichen Werten fundamentiert worden.

Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten, John Kerry, habe es schwer, sich im Wahlkampf von Bush abzugrenzen. Auch er sei für einen Einmarsch im Irak gewesen. Er könne sich somit von Bush nur abgrenzen indem er "bessere" Konzepte für die Kriegsführung habe. Und bei der Entschlossenheit, die Bush ausgestrahlt habe, werde es schwer für Kerry, Wählerstimmen zu gewinnen.

Die Experten würden also bei ihrer Einschätzung bleiben, die sie bereits Ende letzten Jahres formuliert hätten: Bush schaffe es immer wieder, durch Populismus Wählerstimmen hinter sich zu scharen. Der Herausforderer Kerry habe nur wenige Differenzierungsmerkmale, um eine hitzige Diskussion in der Bevölkerung zu entfachen.

Bush habe wahrlich keine besonders guten Konzepte, mit denen er Stimmen gewinnen könnte. Es gelinge ihm jedoch, seine größte Niederlage als Erfolg darzustellen, womit Kerry ein wichtiger Kritikpunkt genommen worden sei.

In Erwartung dieser Rede seien die Aktienbörsen in den letzten Tagen bereits angestiegen. Die Rede habe die Erwartungen erfüllt, habe jedoch für keine Überraschungen gesorgt. Damit ging der Börse anschließend die Luft aus.

Ein Grossteil der Puste sei jedoch auch noch durch ein anderes Ereignis entzogen worden: Eine Intel-Pressekonferenz. Es sei im Vorfeld durchgesickert, dass Intel in den vergangenen zwei Monaten nicht sonderlich gut verdient habe. Somit hätten Analysten eine Senkung der Prognose auf den unteren Rand der Prognosespanne erwartet.

Nicht nur der Aktienkurs von Intel sei am Freitag gefallen, im Kielwasser sei der technologielastige NASDAQ um 1,5% gefallen, während gleichzeitig der Dow Jones nur um 0,3% gefallen sei.

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.





 
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