ricardo.de spekulativer Kauf
29.11.99 00:00
Stisweekly
Die ricardo.de Aktiengesellschaft (WKN 702070) sei Anbieter einer Internet-Auktionsplattform. Auf der Homepage des Unternehmens würden Waren aller Art von Unternehmen oder Privatpersonen versteigert bzw. erworben.
Die Company sei ein noch sehr junges Unternehmen, das erst am 21. Juli 1998 gegründet worden sei. Die Unternehmenskonzeption sei seit September 1997 entwickelt worden. Bereits am 25. August 1998 habe ricardo.de das operative Geschäft aufgenommen - übrigens mit lediglich 2 Angestellten. Zum Ende des Kalenderjahres 1998 seien 22.000 Kunden in der eigenen Datenbank registriert gewesen und ca. eine Million DM Umsatz erwirtschaftet worden. Im März 1999 sei die Kundenzahl auf 43.000 gestiegen, im Mai die Umwandlung der ricardo.de GmbH in eine AG erfolgt und seit dem 21.07.1999 sei das Unternehmen am Neuen Markt notiert (der Emissionspreis habe 28 Euro betragen). Das erste (Rumpf-) Geschäftsjahr sei am 31.06.1999 mit einem Gesamtumsatz von 6,3 Millionen DM und einem planmäßigen Verlust von 2,7 Millionen DM (vor IPO-Kosten) abgeschlossen worden. Das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres 1999/2000 habe am 30.09.1999 mit einem Umsatz von 5,9 Millionen DM geendet, einem Verlust von 2,7 Millionen DM und 250.000 registrierten Kunden. Gegenwärtig seien ca. 350.000 Kunden bei Ricardo.de erfasst. In diese noch junge Unternehmensgeschichte würden befristete Kooperationen oder langfristige Bündnisse mit dem Stern, dem OTTO Versand, der Deutschen Telekom, Cinemaxx, SAT.1, der comdirect bank, ProSieben, funcity, dem Shoppingsender H.O.T., Mobilcom und der Tomorrow Internet AG fallen.
Wenn man sich diesen kurzen "historischen" Abriss betrachte, werde man zugeben müssen, dass dieses Unternehmen in dem einen Jahr seines Bestehens durchaus erstaunliches geleistet habe.
Das Internet unterliege momentan einer vollkommenen Verwandlung seines ursprünglichen Charakters - in den USA sei dies mit einem Zeitvorsprung von 24 bis 36 Monaten gegenüber Deutschland noch besser zu erkennen. Das Netz sei am Anfang ein reines Informations- und Kommunikationsmedium für Wissenschaftler, Computerexperten und Freaks (die Grenzen seien da fließend...). Kommerz habe in dieser Atmosphäre als sehr unanständig gegolten und sei entsprechend "geflamt" worden.
Heute sei das Netz auf dem Wege, sich zu allererst als eine Kommerzplattform zu präsentieren (Anmerkung: Der Verfasser registriere diese Tatsache keineswegs mit deutschtypischer Empörung oder Betroffenheit; er halte sie vielmehr für einen Segen für die Menschheit und werde sich dazu demnächst nochmals kommentierend äußern).
Das Netz also sei Kommerz, Kommerz aber sei in seinem Wesen Gütertausch. Jeder Tauschverkehr benötige Handelsplattformen - vom fahrenden Händler und dem städtischen Marktplatz des Mittelalters bis zum modernen Shopping-Center. Wo aber würden im unübersichtlichen Web die Tauschpartner aufeinander treffen? Wer betreibe hier einen effektiven Marktplatz?
In Deutschland jedenfalls sei ricardo.de dafür die erste Adresse! Bei ricardo.de könnten Angebots- und Nachfrageseite im Internet ihren Ausgleich finden.
Das auf solchen virtuellen Marktplätzen umgesetzte Handelsvolumen wachse mit atemberaubender Geschwindigkeit. Weltweit betrachtet würden die Umsätze im e-business in wenigen Jahren aus dem Millionen- in den Milliardenbereich steigen und würden eines Tages möglicherweise in Billionen $ gemessen werden. ricardo.de stehe bereit, um einen möglichst großen Teil dieser Umsätze über den eigenen Marktplatz abzuwickeln - und sie natürlich mit einer kleinen Vermittlungsgebühr zu belegen.
Die Analysten glauben, dass es bei dem hier zu besprechenden Geschäftsmodell im wesentlichen um nur ein Kriterium gehe, das darüber entscheide ob ein Unternehmen sich aus der Masse der Konkurrenz herausheben könne und damit seinen langfristigen Erfolg sichere: nämlich schiere Größe bzw. Bekanntheit. Um bei diesem alles entscheidenden Kriterium einen Top-Wert zu erreichen, seien allerdings überdurchschnittliche Leistungen des Managements von höchster Wichtigkeit. Zu beachten seien darüber hinaus Fragen des Design, des Komforts und der technischen Ausfallsicherheit des Internet-Angebots.
Die Fixierung auf den Faktor Größe resultiere aus der inneren Logik des Geschäftsmodells der ricardo.de AG. Da das Unternehmen einen Marktplatz betreibe, sei der Ausgleich von Angebots- und Nachfrageseite der Sinn der Veranstaltung. Dieser Ausgleich könne hinreichend oft nur zustande kommen, wenn eine möglichst große Menge einzelner Wirte relativ zeitgleich auf diesem Markt zugegen sei. Dieses Prinzip wirke dabei selbstbeschleunigend. Ein Markt auf dem ein hohes Handelsvolumen abgewickelt werde sei für die Tauschpartner attraktiv, weil sich so ihre Chancen erhöhen mit ihren Wünschen zum Zuge zu kommen. Ein solcher Markt werde also verstärkten Zulauf tauschwilliger Wirte verzeichnen können, womit sich dann vice versa sein Handelsvolumen und seine Attraktivität nochmals steigere usw. An der Börse sei den Anlegern das Prinzip ja gut vertraut; es münde dort in die Frage nach dem Börsenplatz mit der höchsten Liquidität.
ricardo.de sei in einem Marktsegment tätig, das mit rasender Geschwindigkeit wachse. Ende 1999 würden nach Schätzungen verschiedener Marktforschungsunternehmen in Deutschland ca. 10 Millionen Menschen einen Internetzugang haben, in Europa würden es 43 Millionen sein. Bis 2002 sollten sich diese Zahlen nochmals verdoppeln. Für die USA gehe man bis Ende 2002 von 118 Millionen Internetnutzern und einem Handelsvolumen im Online-Auktionsbereich von ca. 70 Milliarden US $ aus. Auf Europa dürften diese Schätzungen tendenziell übertragbar sein, so dass sich bis 2002 unter Berücksichtigung der geringeren Penetrationsrate ein Marktvolumen von ca. 30 Milliarden Euro ergeben könnte. Andere Schätzungen gehen übrigens von beinahe doppelt so hohen Zahlen aus.
Wenn es also insgesamt auf Größe ankomme und der Markt schnell wachse, dann gebe es für ricardo.de nur eine Forderung: noch schnelleres Wachstum. Das Wachstum müsse jetzt erfolgen, heute werde der Markt verteilt - Wachstum gehe daher im Moment klar vor Profitabilität. Die Anleger könnten bereits aus der obigen Beschreibung der Unternehmensentwicklung erkennen, dass ricardo.de diese Forderung bisher erfüllen könne:
· Im August 1998 bei Null gestartet, heute etwa 350.000 registrierte Kunden
· im Zeitraum Juli bis Dezember 1998 ca. 1 Million DM Umsatz
· im Zeitraum Januar bis Juni 1999 ca. 5,2 Millionen DM Umsatz
· von Juli bis September 1999 ca. 5,9 Millionen DM Umsatz
· bis Juni 2000 weitere 32,7 Millionen DM Umsatz vom Unternehmen geplant
Erfreulich sei dabei, dass das Unternehmen bisher seine Prognosen ständig geschlagen habe. So habe nach der Verkündung der Zahlen für das erste Quartal 1999/2000 die Prognose für das Geschäftsjahr um 64% (!) angehoben werden müssen. Der interne Businessplan habe ursprünglich bis zum 30.06.2001 (!) die Gewinnung von 250.000 registrierten Kunden vorgesehen. Die bereits deutlich optimistischeren Prognosen zum IPO seien von 320.000 Kunden bis 06/2000 ausgegangen. Tatsächlich seien bereits heute, wie schon gesagt, 350.000 Kunden registriert. Die Experten erwarten bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres (30.06.2000) zwischen 800.000 und 1.000.000 in der ricardo.de-Datenbank verzeichnete Nutzer.
ricardo.de habe nach Einschätzung der Analysten bereits heute die kritische Masse überschritten, um den oben beschriebenen sich selbst verstärkenden Wachstumsprozess in Gang zu setzen. Die Kettenreaktion laufe also schon.
Die Expansion in das europäische Ausland werde vom Management der ricardo.de AG als strategisches Ziel aufgefasst. Die Vorbereitungen für die Aufnahme des operativen Geschäfts in den Zielmärkten Großbritannien, Frankreich, Italien, Niederlande und Skandinavien würden auf Hochtouren. Das Unternehmen wolle in diesen Märkten Vor-Ort-Präsenzen mit einem eigenen potenten Management aufbauen, um lokalspezifische Kompetenz zu gewinnen und um einen besseren Kontakt zu den Kunden, den logistischen Dienstleistern und den Werbepartnern zu gewinnen. Diese Art der Expansion sei zweifellos aufwendiger und viel schwieriger zu organisieren, als es eine einfache Freischaltung diverser, in die jeweiligen Landessprachen übersetzter ricardo.xyz-Seiten von Deutschland aus wäre. Sie biete aber andererseits ungleich mehr Möglichkeiten, in den jeweiligen Märkten wirklich eine wichtige bzw. die entscheidende Rolle zu spielen und nicht nur irgendwie präsent zu sein.
Im Jahr 1999 seien jedoch die entsprechenden Vorbereitungen nicht mehr abschließbar, so dass entgegen ursprünglicher Erwartungen in diesem Jahr eine Internationalisierung nicht erfolgen werde. Ab dem ersten Quartal 2000 sollten aber entsprechende Meldungen erwartet werden können. An diesem Punkt der Unternehmensentwicklung sei das Management außerordentlich stark gefordert. Die Analysten würden mit höchstem Interesse verfolgen, wie gut diese Expansion gelinge. Eine gelungene Ausweitung des Geschäfts in das europäische Ausland sei für das Wachstumspotential der ricardo.de jedenfalls mittelfristig von entscheidender Bedeutung. Insbesondere der Einstieg in den britischen Markt müsse so schnell und kraftvoll wie möglich realisiert werden, da die Nutzung des Internet dort stärker verbreitet sei als in Deutschland und es mit eBay und QXL bereits sehr starke Konkurrenten gebe.
Wie bereits dargestellt, komme es bei einem Unternehmen welches bei Null beginne und ein extrem hohes Wachstum steuern müsse auf die Fähigkeiten des Managements ganz besonders an. Die Experten sind davon überzeugt, dass hier der entscheidende Unterschied zwischen ricardo.de (und bis zu ihrem Aufkauf sicher auch Alando) auf der einen und den vielleicht 50 anderen deutschen Auktionsanbietern auf der anderen Seite liege. Während ricardo.de in den Medien präsent sei, phantastische Kooperationen eingehe und mittlerweile die kritische Masse erreicht habe, dümpele die Schar der Durchschnittsfirmen weitgehend unentdeckt vor sich hin. Die Gesellschaft werde von einem dreiköpfigen Vorstand geführt. Dr. Christoph Linkwitz fungiere als Chief Executiv Officer und verantworte die Bereiche Unternehmenssteuerung, Finanzen, IT und Customer Care. Dr. Stefan Glänzer sei als Chief Business Officer für Geschäftsentwicklung, PR, Einkauf und Strategie zuständig. Dr. Stefan Wiskemann führe die Bereiche Marketing, Publishing und Internationalisierung.
Die Vorstände seien die Gründer des Unternehmens gewesen und würden sich bereits aus Studienzeiten kennen. Alle drei hätten Betriebswirtschaft studiert und im Anschluss daran promoviert - Linkwitz über Optionen, Glänzer über Strategisches Management und Wiskemann über Medien. Die Vorstände würden zahlreiche Erfahrungen mit "Neuen Medien" und gute Kontakte in die Medienbranche besitzen.
Die Internetseite von ricardo.de sei sehr ansprechend und modern gestaltet worden. Hervorzuheben sei insbesondere die übersichtliche Struktur innerhalb der einzelnen Auktionsbereiche. Insgesamt komme die Seite beim Publikum hervorragend an.
Die Verfügbarkeit des Systems sei durch ein (im Vergleich zum Hauptnetz allerdings deutlich leistungsschwächeres) Backing-Netz sichergestellt, so dass ein Totalausfall der Seite, wie im Juni diesen Jahres bei eBay geschehen, recht unwahrscheinlich sei.
ricardo.de bietee Auktionen auf drei verschiedenen Ebenen an:
a) Business-to-Private-Auktion
Diese Art der Auktion sei das ursprüngliche Geschäft von ricardo.de, bei dem erstklassige und ungebrauchte Markenartikel von Geschäftspartnern wie 3com, Microsoft, Philips, Sony, Hewlett Packard, CHS, Canon, Bosch, Loewe usw. entweder über eine moderierte Live-Auktion oder über eine unmoderierte und über mehrere Tage laufende Non-Stop-Auktion versteigert würden.
Die Ware werde von ricardo.de meist in Kommission für den Hersteller gegen eine Provision von ca. 10% des erzielten Verkaufspreises versteigert. Teilweise betreibe das Unternehmen auch einen Eigenhandel, bei dem ricardo.de Waren einkaufe und versuche, diese teurer zu versteigern. Die Risiken dieses Geschäfts seien recht gering. Beim Kommissionsgeschäft gehe nicht abverkaufte Ware an den Hersteller zurück. Für verkaufte Posten werde immer eine Provision fällig, die sich nach dem tatsächlich erzielten Erlös bemesse.
Dies gelte auch dann, wenn das Produkt weit unter dem vom Hersteller empfohlenen Verkaufspreis abgegeben worden sei. Der Eigenhandel berge naturgemäß mehr Risiken. Jedoch könne ricardo.de seine Einkaufsmenge sehr schnell und sehr flexibel an die Bedürfnisse der Kunden anpassen. ricardo.de unterhalte keine eigenen Lagerkapazitäten, sondern bediene sich hier der Dienstleistungen spezialisierter Logistikunternehmen. Da vor der Lieferung eines Produktes der Kaufpreis bei ricardo.de eingegangen sein müsse, bestehe auch kein Inkassorisiko.
Der Vorteil für die Produkthersteller liege darin, dass ricardo.de ihnen einen effektiven, eingeführten und preiswerten Direktvertriebsweg und eine ständig steigende Kundenzahl biete. Die Hersteller würden somit den teuren Groß- und Zwischenhandel umgehen. Darüber hinaus lasse sich mit den Versteigerungen bei ricardo.de ein Werbeeffekt erzielen.
Die Business-to-Private-Auktion sei gegenwärtig für ricardo.de der wichtigste Umsatzträger. Die Analysten erwarten auch für die Zukunft in diesem Bereich erhebliches Wachstum, glauben aber doch, dass die anderen Geschäftsbereiche in der Zukunft eine größere Bedeutung haben werden. Da der B-P-Bereich recht margenschwach sei (Brutto ca. 10%), sei dies verschmerzbar.
b) Private-to-Private-Auktion
Im Unterschied zur Business-to-Private-Auktion versteigere ricardo.de im P-P-Bereich keine eigenen Waren. Vielmehr handele es sich hier um einen gigantischen "Flohmarkt" auf dem Privatpersonen als Anbieter auftreten. Allerdings seien zahlreiche Anbieter auch hier (semi)professionelle Kleinhändler. ricardo.de sei nicht am Inkasso oder dem Versand der Waren beteiligt, dies werde von den Geschäftspartnern selbst organisiert. Das Unternehmen stelle nur die Handelsplattform zur Verfügung und biete ein interessantes Informationswerkzeug an. Bei ricardo.de würden registrierte User nach einem Geschäftsabschluss befragt, wie der jeweilige Geschäftspartner sich verhalten habe. Diese Information sei dann für alle anderen User zugänglich, so dass sich im Laufe der Zeit positive oder negative Nutzerprofile bildeten. Dies erhöhe die Sicherheit für alle Beteiligten.
Typischerweise handele es sich bei den hier angebotenen Waren um gebrauchte und meist geringwertige Güter. Dessen ungeachtet wickele man momentan bereits ein Handelsvolumen von 10 Millionen DM pro Monat erfolgreich ab. Das angebotene Warenvolumen sei über 100 Millionen DM wert.
Noch sei die Nutzung dieses Services bei ricardo.de kostenlos. Im Jahr 2000 werde aber auf die abgeschlossenen Geschäfte eine Provision in Höhe von 3% erhoben. Bis zum Ende des Geschäftsjahres rechnen die Analysten mit Erlösen in Höhe von ca. 2 Millionen DM pro Quartal aus diesem Geschäftsbereich - mit stark steigender Tendenz. Die Margen in diesem Bereich dürften sehr hoch sein. Die Analysten rechnen Brutto mit 70 bis 80%.
c) Business-to-Business-Auktion
Die B-B-Auktionen seien ein neuer Geschäftsbereich der sich noch im Konzeptionsstadium befinde und in den Planzahlen des Unternehmens noch nicht enthalten sei. Dabei sollten Waren und Dienstleistungen zwischen Unternehmen ausgetauscht werden. Dies könne innerhalb und außerhalb geschlossener Benutzergruppen abgewickelt werden. ricardo.de würde wie bei den P-P-Auktionen nur als Mittler auftreten, Warenangebot, Lieferung und Inkasso würden in der Verantwortung der Nutzer bleiben.
Es gebe Anzeichen dafür, dass dieses B-B-Geschäft das Volumen der anderen Geschäftssegmente in mittlerer Zukunft weit überflügeln könnte. Marktforschungsinstitute erwarten für 2003 im B-B-Segment einen doppelt so hohen Umsatz wie in den herkömmlichen Bereichen. In den USA sei die auf dieses Geschäft spezialisierte Gesellschaft VerticalNet im letzten Quartal sequentiell um beinahe 50% gewachsen.
ricardo.de wolle in diesem Segment "unbedingt dabeisein" und betreibe die Vorbereitungen dafür mit aller Energie. Die Analysten erwarten den Markteintritt bis spätestens zum 30.06.2000, wahrscheinlich erfolge er jedoch bereits früher.
Die Internetseite www.ricardo.de sei eine der in Deutschland am stärksten frequentierten Webadressen. Die Zahl der Page Views explodiere geradezu. Sie sei von 0,3 Mio. im September letzten Jahren auf 27 Mio. im Oktober des laufenden Jahres gestiegen. Zum Vergleich: Yahoo Deutschland generiert momentan ca. 100 Millionen Page Views, Consors etwa 20 Millionen. Man könne also sehen, dass ricardo.de in die Spitzengruppe der deutschen Internetseiten gehöre. Insbesondere gelte dies, wenn man noch die durchschnittliche Verweildauer der User auf den Seiten berücksichtige. Während man sich bei Yahoo nur ca. 4 Minuten aufhalte, seien es bei ricardo.de 30 Minuten! Damit könne ricardo.de verstärkt Einkünfte durch die Vermietung von Werbeflächen erzielen. Die Kooperation mit der Tomorrow Internet AG ab dem 01.01.2000 diene auch der besseren Vermarktung dieses Geschäftsfeldes. Entsprechend erwarte man für das nächste Jahr erstmals Werbeeinkünfte von mehr als einer Million DM. Da dieses Geschäft für ricardo.de nebenbei mit abfälle, könne hier Umsatz und Gewinn beinahe gleich gesetzt werden.
Über eine B-P-Auktion sei es möglich, für ein noch nicht am Markt eingeführtes Produkt einen Preis in einem Feldversuch zu testen. ricardo.de werde ab 2000 solche Aktionen verstärkt in sein Programm aufnehmen.
Das Geschäftsmodell der ricardo.de AG sei mit hohen Risiken behaftet. Aus Sicht der Analysten sei das Hauptproblem, dass es im Prinzip keine Markteintrittsbarrieren gebe. Entsprechend sei der Markt sehr wettbewerbsintensiv. Hauptkonkurrent für ricardo.de in Deutschland sei vor allem der US-Auktionsriese eBay. eBay habe den Markteintritt nach Deutschland mit dem Kauf des hier gut positionierten Anbieters Alando.de vollzogen. Weitere ernsthafte Konkurrenten seien QXL aus Großbritannien, Primus-Online und Yahoo. ricardo.de sei aber, wie weiter oben dargestellt worden sei, darauf angewiesen ein großer Player zu werden, am besten der Größte - zumindest in Europa. Insofern sei die Konkurrenzsituation ein ständiger Grund zu ernsthafter Sorge.
Problematisch könnte auch die weitere Steuerung des extremen Wachstums und insbesondere die Auslandsexpansion werden. Das Management habe hier ungeheure Aufgaben zu bewältigen.
Kein Risiko stelle nach Auffassung der Analysten die Tatsache dar, dass ricardo.de für die nächsten zwei bis drei Geschäftsjahre Verluste realisieren werde. Die Bruttomarge dürfte in drei Jahren bei mindestens 50% liegen und langfristig eine hohe Profitabilität erlauben. Im Moment habe die Finanzierung der Wachstumsstrategie Vorrang vor der Ausweisung von Gewinnen.
Die Bewertung des Unternehmens gestalte sich als außerordentlich schwierig. Die Analysten behaupten sogar, dass sich ein einigermaßen präziser fairer Wert im Moment überhaupt nicht bestimmen lasse. KGV und PEG-Ratio würden naturgemäß als Bewertungskriterien ausscheiden, da ja das Unternehmen noch keine Gewinne realisiere.
Sinnvoller sei da prinzipiell ein Ertragswertmodell. Das Problem bestehe aber darin, bis 2006 eine präzise Umsatz- und Umsatzrenditenprognose zu entwickeln. Um einen fairen Emissionspreis zu bestimmen, hätten die begleitenden Banken das dem Ertragswertverfahren verwandte DCF-Verfahren angewandt. Die dort zugrunde gelegten Daten seien bereits drei Monate später Makulatur. Das Unternehmen und der Markt seien einfach zu dynamisch.
Die Analysten haben daher einen eher intuitiven Ansatz gewählt, um das Potential für ricardo.de abzuschätzen. Wenn man von einem Markvolumen im Online-Auktionsgeschäft in Europa von 30 Milliarden Euro im Jahr 2002 ausgehe, wie es Einschätzungen renommierter Marktforschungsinstitute nahelegten, und für ricardo.de einen Marktanteil von 10% unterstellen, würden Waren im Wert von 3 Milliarden Euro über die Plattform der ricardo.de AG transferiert werden. Davon sollten etwa 15% auf den Business-to-Private-Sektor entfallen. Es folge dann aus diesem Geschäft ein Umsatz von 450 Millionen Euro, allerdings bei nur geringen Margen. 2,5 Milliarden Euro würden auf den Business-to-Business und den Private-to-Private-Bereich entfallen. Da ricardo.de hier aber nur der Makler sei, wären nur die Provisionen für das Unternehmen anrechenbar. Bei einer durchschnittlichen Transaktionsprovision von 3% würde daraus für ricardo.de ein Umsatz von 75 Millionen Euro resultieren. Diese Umsätze würden allerdings sehr hohe Bruttomargen von bis zu 80% erzeugen. Für 2002 wäre demnach ein Umsatz von über einer halben Milliarde Euro im Bereich des Möglichen!
Die Analysten gehen nicht davon aus, dass Internet-Auktionshäuser generell mit einem KUV von 100 zu bewerten seien, wie dies momentan beim Marktführer eBay üblich sei. Schließlich trete ricardo.de im Business-to-Private Bereich nur als Händler auf, bei eBay resultiere jedoch der gesamte Umsatz aus dem margenstarken Private-to-Private Geschäft. Die Analysten können sich aber gut vorstellen, dass ein in seinem Markt erstklassig positioniertes, weiterhin stark wachsendes und letztendlich auch margenstarkes Unternehmen mit einem KUV um 5 gehandelt werde. Solche Werte würden durchaus auch außerhalb des Internet-Business von Firmen erreicht, welche die oben genannten Kriterien erfüllen.
ricardo.de würden dann eine Marktkapitalisierung um 2,5 Milliarden Euro aufweisen. Mithin bestünde auf Sicht von 24 bis 36 Monaten ein Kurspotential von fast 1.000%.
Die Analysten bitten die Anleger aber unbedingt zu bedenken, dass dies keine Prognose darstelle, die mit mathematischer Gewissheit eintreffen werde. Die Realisierung der Erwartungen hänge davon ab, ob der in Rede stehende Markt tatsächlich so schnell wachse wie unterstellt und ob es ricardo.de gelinge, sich im europäischen Markt als eine der stärksten Marken zu etablieren. Die Experten gehen hier also von einem best case-Szenario aus. Die Risiken seien jedenfalls sehr hoch. Die Anlagestrategen empfehlen die Aktie dem hochspekulativen Anleger auf Sicht von mindestens 36 Monaten zum Kauf. Das Unternehmen und der Markt müssten ständig beobachtet werden!
Die Company sei ein noch sehr junges Unternehmen, das erst am 21. Juli 1998 gegründet worden sei. Die Unternehmenskonzeption sei seit September 1997 entwickelt worden. Bereits am 25. August 1998 habe ricardo.de das operative Geschäft aufgenommen - übrigens mit lediglich 2 Angestellten. Zum Ende des Kalenderjahres 1998 seien 22.000 Kunden in der eigenen Datenbank registriert gewesen und ca. eine Million DM Umsatz erwirtschaftet worden. Im März 1999 sei die Kundenzahl auf 43.000 gestiegen, im Mai die Umwandlung der ricardo.de GmbH in eine AG erfolgt und seit dem 21.07.1999 sei das Unternehmen am Neuen Markt notiert (der Emissionspreis habe 28 Euro betragen). Das erste (Rumpf-) Geschäftsjahr sei am 31.06.1999 mit einem Gesamtumsatz von 6,3 Millionen DM und einem planmäßigen Verlust von 2,7 Millionen DM (vor IPO-Kosten) abgeschlossen worden. Das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres 1999/2000 habe am 30.09.1999 mit einem Umsatz von 5,9 Millionen DM geendet, einem Verlust von 2,7 Millionen DM und 250.000 registrierten Kunden. Gegenwärtig seien ca. 350.000 Kunden bei Ricardo.de erfasst. In diese noch junge Unternehmensgeschichte würden befristete Kooperationen oder langfristige Bündnisse mit dem Stern, dem OTTO Versand, der Deutschen Telekom, Cinemaxx, SAT.1, der comdirect bank, ProSieben, funcity, dem Shoppingsender H.O.T., Mobilcom und der Tomorrow Internet AG fallen.
Wenn man sich diesen kurzen "historischen" Abriss betrachte, werde man zugeben müssen, dass dieses Unternehmen in dem einen Jahr seines Bestehens durchaus erstaunliches geleistet habe.
Das Internet unterliege momentan einer vollkommenen Verwandlung seines ursprünglichen Charakters - in den USA sei dies mit einem Zeitvorsprung von 24 bis 36 Monaten gegenüber Deutschland noch besser zu erkennen. Das Netz sei am Anfang ein reines Informations- und Kommunikationsmedium für Wissenschaftler, Computerexperten und Freaks (die Grenzen seien da fließend...). Kommerz habe in dieser Atmosphäre als sehr unanständig gegolten und sei entsprechend "geflamt" worden.
Heute sei das Netz auf dem Wege, sich zu allererst als eine Kommerzplattform zu präsentieren (Anmerkung: Der Verfasser registriere diese Tatsache keineswegs mit deutschtypischer Empörung oder Betroffenheit; er halte sie vielmehr für einen Segen für die Menschheit und werde sich dazu demnächst nochmals kommentierend äußern).
Das Netz also sei Kommerz, Kommerz aber sei in seinem Wesen Gütertausch. Jeder Tauschverkehr benötige Handelsplattformen - vom fahrenden Händler und dem städtischen Marktplatz des Mittelalters bis zum modernen Shopping-Center. Wo aber würden im unübersichtlichen Web die Tauschpartner aufeinander treffen? Wer betreibe hier einen effektiven Marktplatz?
In Deutschland jedenfalls sei ricardo.de dafür die erste Adresse! Bei ricardo.de könnten Angebots- und Nachfrageseite im Internet ihren Ausgleich finden.
Das auf solchen virtuellen Marktplätzen umgesetzte Handelsvolumen wachse mit atemberaubender Geschwindigkeit. Weltweit betrachtet würden die Umsätze im e-business in wenigen Jahren aus dem Millionen- in den Milliardenbereich steigen und würden eines Tages möglicherweise in Billionen $ gemessen werden. ricardo.de stehe bereit, um einen möglichst großen Teil dieser Umsätze über den eigenen Marktplatz abzuwickeln - und sie natürlich mit einer kleinen Vermittlungsgebühr zu belegen.
Die Analysten glauben, dass es bei dem hier zu besprechenden Geschäftsmodell im wesentlichen um nur ein Kriterium gehe, das darüber entscheide ob ein Unternehmen sich aus der Masse der Konkurrenz herausheben könne und damit seinen langfristigen Erfolg sichere: nämlich schiere Größe bzw. Bekanntheit. Um bei diesem alles entscheidenden Kriterium einen Top-Wert zu erreichen, seien allerdings überdurchschnittliche Leistungen des Managements von höchster Wichtigkeit. Zu beachten seien darüber hinaus Fragen des Design, des Komforts und der technischen Ausfallsicherheit des Internet-Angebots.
Die Fixierung auf den Faktor Größe resultiere aus der inneren Logik des Geschäftsmodells der ricardo.de AG. Da das Unternehmen einen Marktplatz betreibe, sei der Ausgleich von Angebots- und Nachfrageseite der Sinn der Veranstaltung. Dieser Ausgleich könne hinreichend oft nur zustande kommen, wenn eine möglichst große Menge einzelner Wirte relativ zeitgleich auf diesem Markt zugegen sei. Dieses Prinzip wirke dabei selbstbeschleunigend. Ein Markt auf dem ein hohes Handelsvolumen abgewickelt werde sei für die Tauschpartner attraktiv, weil sich so ihre Chancen erhöhen mit ihren Wünschen zum Zuge zu kommen. Ein solcher Markt werde also verstärkten Zulauf tauschwilliger Wirte verzeichnen können, womit sich dann vice versa sein Handelsvolumen und seine Attraktivität nochmals steigere usw. An der Börse sei den Anlegern das Prinzip ja gut vertraut; es münde dort in die Frage nach dem Börsenplatz mit der höchsten Liquidität.
ricardo.de sei in einem Marktsegment tätig, das mit rasender Geschwindigkeit wachse. Ende 1999 würden nach Schätzungen verschiedener Marktforschungsunternehmen in Deutschland ca. 10 Millionen Menschen einen Internetzugang haben, in Europa würden es 43 Millionen sein. Bis 2002 sollten sich diese Zahlen nochmals verdoppeln. Für die USA gehe man bis Ende 2002 von 118 Millionen Internetnutzern und einem Handelsvolumen im Online-Auktionsbereich von ca. 70 Milliarden US $ aus. Auf Europa dürften diese Schätzungen tendenziell übertragbar sein, so dass sich bis 2002 unter Berücksichtigung der geringeren Penetrationsrate ein Marktvolumen von ca. 30 Milliarden Euro ergeben könnte. Andere Schätzungen gehen übrigens von beinahe doppelt so hohen Zahlen aus.
Wenn es also insgesamt auf Größe ankomme und der Markt schnell wachse, dann gebe es für ricardo.de nur eine Forderung: noch schnelleres Wachstum. Das Wachstum müsse jetzt erfolgen, heute werde der Markt verteilt - Wachstum gehe daher im Moment klar vor Profitabilität. Die Anleger könnten bereits aus der obigen Beschreibung der Unternehmensentwicklung erkennen, dass ricardo.de diese Forderung bisher erfüllen könne:
· Im August 1998 bei Null gestartet, heute etwa 350.000 registrierte Kunden
· im Zeitraum Juli bis Dezember 1998 ca. 1 Million DM Umsatz
· im Zeitraum Januar bis Juni 1999 ca. 5,2 Millionen DM Umsatz
· von Juli bis September 1999 ca. 5,9 Millionen DM Umsatz
· bis Juni 2000 weitere 32,7 Millionen DM Umsatz vom Unternehmen geplant
Erfreulich sei dabei, dass das Unternehmen bisher seine Prognosen ständig geschlagen habe. So habe nach der Verkündung der Zahlen für das erste Quartal 1999/2000 die Prognose für das Geschäftsjahr um 64% (!) angehoben werden müssen. Der interne Businessplan habe ursprünglich bis zum 30.06.2001 (!) die Gewinnung von 250.000 registrierten Kunden vorgesehen. Die bereits deutlich optimistischeren Prognosen zum IPO seien von 320.000 Kunden bis 06/2000 ausgegangen. Tatsächlich seien bereits heute, wie schon gesagt, 350.000 Kunden registriert. Die Experten erwarten bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres (30.06.2000) zwischen 800.000 und 1.000.000 in der ricardo.de-Datenbank verzeichnete Nutzer.
ricardo.de habe nach Einschätzung der Analysten bereits heute die kritische Masse überschritten, um den oben beschriebenen sich selbst verstärkenden Wachstumsprozess in Gang zu setzen. Die Kettenreaktion laufe also schon.
Die Expansion in das europäische Ausland werde vom Management der ricardo.de AG als strategisches Ziel aufgefasst. Die Vorbereitungen für die Aufnahme des operativen Geschäfts in den Zielmärkten Großbritannien, Frankreich, Italien, Niederlande und Skandinavien würden auf Hochtouren. Das Unternehmen wolle in diesen Märkten Vor-Ort-Präsenzen mit einem eigenen potenten Management aufbauen, um lokalspezifische Kompetenz zu gewinnen und um einen besseren Kontakt zu den Kunden, den logistischen Dienstleistern und den Werbepartnern zu gewinnen. Diese Art der Expansion sei zweifellos aufwendiger und viel schwieriger zu organisieren, als es eine einfache Freischaltung diverser, in die jeweiligen Landessprachen übersetzter ricardo.xyz-Seiten von Deutschland aus wäre. Sie biete aber andererseits ungleich mehr Möglichkeiten, in den jeweiligen Märkten wirklich eine wichtige bzw. die entscheidende Rolle zu spielen und nicht nur irgendwie präsent zu sein.
Im Jahr 1999 seien jedoch die entsprechenden Vorbereitungen nicht mehr abschließbar, so dass entgegen ursprünglicher Erwartungen in diesem Jahr eine Internationalisierung nicht erfolgen werde. Ab dem ersten Quartal 2000 sollten aber entsprechende Meldungen erwartet werden können. An diesem Punkt der Unternehmensentwicklung sei das Management außerordentlich stark gefordert. Die Analysten würden mit höchstem Interesse verfolgen, wie gut diese Expansion gelinge. Eine gelungene Ausweitung des Geschäfts in das europäische Ausland sei für das Wachstumspotential der ricardo.de jedenfalls mittelfristig von entscheidender Bedeutung. Insbesondere der Einstieg in den britischen Markt müsse so schnell und kraftvoll wie möglich realisiert werden, da die Nutzung des Internet dort stärker verbreitet sei als in Deutschland und es mit eBay und QXL bereits sehr starke Konkurrenten gebe.
Wie bereits dargestellt, komme es bei einem Unternehmen welches bei Null beginne und ein extrem hohes Wachstum steuern müsse auf die Fähigkeiten des Managements ganz besonders an. Die Experten sind davon überzeugt, dass hier der entscheidende Unterschied zwischen ricardo.de (und bis zu ihrem Aufkauf sicher auch Alando) auf der einen und den vielleicht 50 anderen deutschen Auktionsanbietern auf der anderen Seite liege. Während ricardo.de in den Medien präsent sei, phantastische Kooperationen eingehe und mittlerweile die kritische Masse erreicht habe, dümpele die Schar der Durchschnittsfirmen weitgehend unentdeckt vor sich hin. Die Gesellschaft werde von einem dreiköpfigen Vorstand geführt. Dr. Christoph Linkwitz fungiere als Chief Executiv Officer und verantworte die Bereiche Unternehmenssteuerung, Finanzen, IT und Customer Care. Dr. Stefan Glänzer sei als Chief Business Officer für Geschäftsentwicklung, PR, Einkauf und Strategie zuständig. Dr. Stefan Wiskemann führe die Bereiche Marketing, Publishing und Internationalisierung.
Die Vorstände seien die Gründer des Unternehmens gewesen und würden sich bereits aus Studienzeiten kennen. Alle drei hätten Betriebswirtschaft studiert und im Anschluss daran promoviert - Linkwitz über Optionen, Glänzer über Strategisches Management und Wiskemann über Medien. Die Vorstände würden zahlreiche Erfahrungen mit "Neuen Medien" und gute Kontakte in die Medienbranche besitzen.
Die Internetseite von ricardo.de sei sehr ansprechend und modern gestaltet worden. Hervorzuheben sei insbesondere die übersichtliche Struktur innerhalb der einzelnen Auktionsbereiche. Insgesamt komme die Seite beim Publikum hervorragend an.
Die Verfügbarkeit des Systems sei durch ein (im Vergleich zum Hauptnetz allerdings deutlich leistungsschwächeres) Backing-Netz sichergestellt, so dass ein Totalausfall der Seite, wie im Juni diesen Jahres bei eBay geschehen, recht unwahrscheinlich sei.
ricardo.de bietee Auktionen auf drei verschiedenen Ebenen an:
Diese Art der Auktion sei das ursprüngliche Geschäft von ricardo.de, bei dem erstklassige und ungebrauchte Markenartikel von Geschäftspartnern wie 3com, Microsoft, Philips, Sony, Hewlett Packard, CHS, Canon, Bosch, Loewe usw. entweder über eine moderierte Live-Auktion oder über eine unmoderierte und über mehrere Tage laufende Non-Stop-Auktion versteigert würden.
Die Ware werde von ricardo.de meist in Kommission für den Hersteller gegen eine Provision von ca. 10% des erzielten Verkaufspreises versteigert. Teilweise betreibe das Unternehmen auch einen Eigenhandel, bei dem ricardo.de Waren einkaufe und versuche, diese teurer zu versteigern. Die Risiken dieses Geschäfts seien recht gering. Beim Kommissionsgeschäft gehe nicht abverkaufte Ware an den Hersteller zurück. Für verkaufte Posten werde immer eine Provision fällig, die sich nach dem tatsächlich erzielten Erlös bemesse.
Dies gelte auch dann, wenn das Produkt weit unter dem vom Hersteller empfohlenen Verkaufspreis abgegeben worden sei. Der Eigenhandel berge naturgemäß mehr Risiken. Jedoch könne ricardo.de seine Einkaufsmenge sehr schnell und sehr flexibel an die Bedürfnisse der Kunden anpassen. ricardo.de unterhalte keine eigenen Lagerkapazitäten, sondern bediene sich hier der Dienstleistungen spezialisierter Logistikunternehmen. Da vor der Lieferung eines Produktes der Kaufpreis bei ricardo.de eingegangen sein müsse, bestehe auch kein Inkassorisiko.
Der Vorteil für die Produkthersteller liege darin, dass ricardo.de ihnen einen effektiven, eingeführten und preiswerten Direktvertriebsweg und eine ständig steigende Kundenzahl biete. Die Hersteller würden somit den teuren Groß- und Zwischenhandel umgehen. Darüber hinaus lasse sich mit den Versteigerungen bei ricardo.de ein Werbeeffekt erzielen.
Die Business-to-Private-Auktion sei gegenwärtig für ricardo.de der wichtigste Umsatzträger. Die Analysten erwarten auch für die Zukunft in diesem Bereich erhebliches Wachstum, glauben aber doch, dass die anderen Geschäftsbereiche in der Zukunft eine größere Bedeutung haben werden. Da der B-P-Bereich recht margenschwach sei (Brutto ca. 10%), sei dies verschmerzbar.
b) Private-to-Private-Auktion
Im Unterschied zur Business-to-Private-Auktion versteigere ricardo.de im P-P-Bereich keine eigenen Waren. Vielmehr handele es sich hier um einen gigantischen "Flohmarkt" auf dem Privatpersonen als Anbieter auftreten. Allerdings seien zahlreiche Anbieter auch hier (semi)professionelle Kleinhändler. ricardo.de sei nicht am Inkasso oder dem Versand der Waren beteiligt, dies werde von den Geschäftspartnern selbst organisiert. Das Unternehmen stelle nur die Handelsplattform zur Verfügung und biete ein interessantes Informationswerkzeug an. Bei ricardo.de würden registrierte User nach einem Geschäftsabschluss befragt, wie der jeweilige Geschäftspartner sich verhalten habe. Diese Information sei dann für alle anderen User zugänglich, so dass sich im Laufe der Zeit positive oder negative Nutzerprofile bildeten. Dies erhöhe die Sicherheit für alle Beteiligten.
Typischerweise handele es sich bei den hier angebotenen Waren um gebrauchte und meist geringwertige Güter. Dessen ungeachtet wickele man momentan bereits ein Handelsvolumen von 10 Millionen DM pro Monat erfolgreich ab. Das angebotene Warenvolumen sei über 100 Millionen DM wert.
Noch sei die Nutzung dieses Services bei ricardo.de kostenlos. Im Jahr 2000 werde aber auf die abgeschlossenen Geschäfte eine Provision in Höhe von 3% erhoben. Bis zum Ende des Geschäftsjahres rechnen die Analysten mit Erlösen in Höhe von ca. 2 Millionen DM pro Quartal aus diesem Geschäftsbereich - mit stark steigender Tendenz. Die Margen in diesem Bereich dürften sehr hoch sein. Die Analysten rechnen Brutto mit 70 bis 80%.
c) Business-to-Business-Auktion
Die B-B-Auktionen seien ein neuer Geschäftsbereich der sich noch im Konzeptionsstadium befinde und in den Planzahlen des Unternehmens noch nicht enthalten sei. Dabei sollten Waren und Dienstleistungen zwischen Unternehmen ausgetauscht werden. Dies könne innerhalb und außerhalb geschlossener Benutzergruppen abgewickelt werden. ricardo.de würde wie bei den P-P-Auktionen nur als Mittler auftreten, Warenangebot, Lieferung und Inkasso würden in der Verantwortung der Nutzer bleiben.
Es gebe Anzeichen dafür, dass dieses B-B-Geschäft das Volumen der anderen Geschäftssegmente in mittlerer Zukunft weit überflügeln könnte. Marktforschungsinstitute erwarten für 2003 im B-B-Segment einen doppelt so hohen Umsatz wie in den herkömmlichen Bereichen. In den USA sei die auf dieses Geschäft spezialisierte Gesellschaft VerticalNet im letzten Quartal sequentiell um beinahe 50% gewachsen.
ricardo.de wolle in diesem Segment "unbedingt dabeisein" und betreibe die Vorbereitungen dafür mit aller Energie. Die Analysten erwarten den Markteintritt bis spätestens zum 30.06.2000, wahrscheinlich erfolge er jedoch bereits früher.
Die Internetseite www.ricardo.de sei eine der in Deutschland am stärksten frequentierten Webadressen. Die Zahl der Page Views explodiere geradezu. Sie sei von 0,3 Mio. im September letzten Jahren auf 27 Mio. im Oktober des laufenden Jahres gestiegen. Zum Vergleich: Yahoo Deutschland generiert momentan ca. 100 Millionen Page Views, Consors etwa 20 Millionen. Man könne also sehen, dass ricardo.de in die Spitzengruppe der deutschen Internetseiten gehöre. Insbesondere gelte dies, wenn man noch die durchschnittliche Verweildauer der User auf den Seiten berücksichtige. Während man sich bei Yahoo nur ca. 4 Minuten aufhalte, seien es bei ricardo.de 30 Minuten! Damit könne ricardo.de verstärkt Einkünfte durch die Vermietung von Werbeflächen erzielen. Die Kooperation mit der Tomorrow Internet AG ab dem 01.01.2000 diene auch der besseren Vermarktung dieses Geschäftsfeldes. Entsprechend erwarte man für das nächste Jahr erstmals Werbeeinkünfte von mehr als einer Million DM. Da dieses Geschäft für ricardo.de nebenbei mit abfälle, könne hier Umsatz und Gewinn beinahe gleich gesetzt werden.
Über eine B-P-Auktion sei es möglich, für ein noch nicht am Markt eingeführtes Produkt einen Preis in einem Feldversuch zu testen. ricardo.de werde ab 2000 solche Aktionen verstärkt in sein Programm aufnehmen.
Das Geschäftsmodell der ricardo.de AG sei mit hohen Risiken behaftet. Aus Sicht der Analysten sei das Hauptproblem, dass es im Prinzip keine Markteintrittsbarrieren gebe. Entsprechend sei der Markt sehr wettbewerbsintensiv. Hauptkonkurrent für ricardo.de in Deutschland sei vor allem der US-Auktionsriese eBay. eBay habe den Markteintritt nach Deutschland mit dem Kauf des hier gut positionierten Anbieters Alando.de vollzogen. Weitere ernsthafte Konkurrenten seien QXL aus Großbritannien, Primus-Online und Yahoo. ricardo.de sei aber, wie weiter oben dargestellt worden sei, darauf angewiesen ein großer Player zu werden, am besten der Größte - zumindest in Europa. Insofern sei die Konkurrenzsituation ein ständiger Grund zu ernsthafter Sorge.
Problematisch könnte auch die weitere Steuerung des extremen Wachstums und insbesondere die Auslandsexpansion werden. Das Management habe hier ungeheure Aufgaben zu bewältigen.
Kein Risiko stelle nach Auffassung der Analysten die Tatsache dar, dass ricardo.de für die nächsten zwei bis drei Geschäftsjahre Verluste realisieren werde. Die Bruttomarge dürfte in drei Jahren bei mindestens 50% liegen und langfristig eine hohe Profitabilität erlauben. Im Moment habe die Finanzierung der Wachstumsstrategie Vorrang vor der Ausweisung von Gewinnen.
Die Bewertung des Unternehmens gestalte sich als außerordentlich schwierig. Die Analysten behaupten sogar, dass sich ein einigermaßen präziser fairer Wert im Moment überhaupt nicht bestimmen lasse. KGV und PEG-Ratio würden naturgemäß als Bewertungskriterien ausscheiden, da ja das Unternehmen noch keine Gewinne realisiere.
Sinnvoller sei da prinzipiell ein Ertragswertmodell. Das Problem bestehe aber darin, bis 2006 eine präzise Umsatz- und Umsatzrenditenprognose zu entwickeln. Um einen fairen Emissionspreis zu bestimmen, hätten die begleitenden Banken das dem Ertragswertverfahren verwandte DCF-Verfahren angewandt. Die dort zugrunde gelegten Daten seien bereits drei Monate später Makulatur. Das Unternehmen und der Markt seien einfach zu dynamisch.
Die Analysten haben daher einen eher intuitiven Ansatz gewählt, um das Potential für ricardo.de abzuschätzen. Wenn man von einem Markvolumen im Online-Auktionsgeschäft in Europa von 30 Milliarden Euro im Jahr 2002 ausgehe, wie es Einschätzungen renommierter Marktforschungsinstitute nahelegten, und für ricardo.de einen Marktanteil von 10% unterstellen, würden Waren im Wert von 3 Milliarden Euro über die Plattform der ricardo.de AG transferiert werden. Davon sollten etwa 15% auf den Business-to-Private-Sektor entfallen. Es folge dann aus diesem Geschäft ein Umsatz von 450 Millionen Euro, allerdings bei nur geringen Margen. 2,5 Milliarden Euro würden auf den Business-to-Business und den Private-to-Private-Bereich entfallen. Da ricardo.de hier aber nur der Makler sei, wären nur die Provisionen für das Unternehmen anrechenbar. Bei einer durchschnittlichen Transaktionsprovision von 3% würde daraus für ricardo.de ein Umsatz von 75 Millionen Euro resultieren. Diese Umsätze würden allerdings sehr hohe Bruttomargen von bis zu 80% erzeugen. Für 2002 wäre demnach ein Umsatz von über einer halben Milliarde Euro im Bereich des Möglichen!
Die Analysten gehen nicht davon aus, dass Internet-Auktionshäuser generell mit einem KUV von 100 zu bewerten seien, wie dies momentan beim Marktführer eBay üblich sei. Schließlich trete ricardo.de im Business-to-Private Bereich nur als Händler auf, bei eBay resultiere jedoch der gesamte Umsatz aus dem margenstarken Private-to-Private Geschäft. Die Analysten können sich aber gut vorstellen, dass ein in seinem Markt erstklassig positioniertes, weiterhin stark wachsendes und letztendlich auch margenstarkes Unternehmen mit einem KUV um 5 gehandelt werde. Solche Werte würden durchaus auch außerhalb des Internet-Business von Firmen erreicht, welche die oben genannten Kriterien erfüllen.
ricardo.de würden dann eine Marktkapitalisierung um 2,5 Milliarden Euro aufweisen. Mithin bestünde auf Sicht von 24 bis 36 Monaten ein Kurspotential von fast 1.000%.
Die Analysten bitten die Anleger aber unbedingt zu bedenken, dass dies keine Prognose darstelle, die mit mathematischer Gewissheit eintreffen werde. Die Realisierung der Erwartungen hänge davon ab, ob der in Rede stehende Markt tatsächlich so schnell wachse wie unterstellt und ob es ricardo.de gelinge, sich im europäischen Markt als eine der stärksten Marken zu etablieren. Die Experten gehen hier also von einem best case-Szenario aus. Die Risiken seien jedenfalls sehr hoch. Die Anlagestrategen empfehlen die Aktie dem hochspekulativen Anleger auf Sicht von mindestens 36 Monaten zum Kauf. Das Unternehmen und der Markt müssten ständig beobachtet werden!
11.12.09
, Ad hoc
ricardo.de Squeeze-Out vollzogenHamburg (aktiencheck.de AG) - Der Beschluss der außerordentlichen Hauptversammlung vom 27. Mai 2008 über die Übertragung ...
26.11.09
, Ad hoc
ricardo.de OLG Hamburg entscheidet im Squeeze-ou [...]Hamburg (aktiencheck.de AG) - Das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg hat im Rahmen des Freigabeverfahrens den Weg ...
02.04.08
, Ad hoc
ricardo.de Tradus Limited legt Squeeze-Out-Barabfin [...]Hamburg (aktiencheck.de AG) - Die Tradus Limited (vormals Tradus plc bzw. QXL ricardo plc) mit Sitz in London, Vereinigtes ...
