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Sa, 18. April 2026, 10:54 Uhr

transtec Interview


18.06.99 00:00
musterdepot.de

Das Interview mit Bernhard Bruscha, Vorstandsvorsitzender der transtec AG (WKN 748820), wurde von unserem Kooperationspartner musterdepot.de geführt.

musterdepot.de: Herr Bruscha, obwohl transtec durch den Neuen Markt inzwischen jedem bekannt sein dürfte, erläutern Sie bitte nochmals kurz das Geschäftsfeld Ihres Unternehmens, was macht transtec?

Bruscha: Die transtec AG hat sich in den letzten Jahren stark zum anerkannten Computerhersteller entwickelt. Wir fertigen strikt nach dem Built-to-Order-Prinzip (Assemblierung nach Kundenwünschen) transtec PCs, Server und Workstations für den professionellen Anwender, sowohl NT- als auch Linux-basierend. Hinzu kommen transtec eigene ausfallsichere RAID-Lösungen, High-End-Speichersysteme, SPARC Workstations und Netzwerkprodukte, die wir zentral in Tübingen für ganz Europa sowie in Bülach (Schweiz) für den Schweizer Markt herstellen. Neben unseren Eigenfertigungen bieten wir außerdem "herkömmliche" Handelsware wie z.B. Drucker, Monitore oder Terminals an und geben unseren Kunden somit die Chance des "One-Stop-Shopping" - bei transtec bekommen sie alles aus einer Hand. Unser komplettes Produktsortiment bieten wir nebem dem klassischen Medium Printkatalog auch modern via Internet unter www.transtec.de an und ermöglichen dadurch europaweites "Shopping ohne Grenzen", denn online sind wir - wie auch mit unseren Katalogen - in deutsch, englisch und französisch vertreten. Noch ein Wort zur Kundenstruktur: Unsere Kunden kommen hauptsächlich aus dem Bereich Forschung & Lehre, Großunternehmen (Key Accounts), mittleren und kleinen Unternehmen sowie Software- und Systemhäuser. Wir betreuen über 17.000 Kunden, ausschließlich business-to-business.

musterdepot.de: Wie hat sich Ihre Firma in den letzten 18 Jahren entwickelt?

Bruscha: Ich habe die transtec 1980 als GmbH in Tübingen gegründet. Bereits fünf Jahre später, also 1985, wurde die erste europäische Tochtergesellschaft in der Schweiz gegründet. Es folgten Grossbritannien 1991, Frankreich 1993, Österreich und die Niederlande 1995 sowie die Akquisitionen Exo Data AB in Schweden und ITP InfoTech Projekt GmbH in Stuttgart im Jahre 1998. 1999 gründeten wir die Tochtergesellschaft in Belgien. Über die Jahre hinweg hat sich die transtec vom kleinen Nischenanbieter mit rund 5 Millionen DM Umsatz zum renommierten Systemhersteller mit Direktvertrieb und einem Umsatz von knapp 300 Millionen DM (1998) entwickelt, der seit April 1998 in Frankfurt am Neuen Markt notiert ist. transtec beschäftigt mittlerweile über 250 Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter. Einige Meilensteine zur Verdeutlichung der Entwicklung:
1987: Aufbau der eigenen Fertigung und Beginn der Produktion von maßgeschneiderten Speicherlösungen
1991: Wechsel der Gesellschaftsform: Aus der transtec GmbH wird die transtec AG
1992: transtec durchbricht die 100-Millionen-Grenze und erzielt einen Umsatz von 111,8 Millionen Mark
1995: Einstieg ins Internet ("Internet-Pionier"), komplette Produktpalette kann online geordert werden
1996: Einstieg in den wachsenden Windows-NT-Markt, Fertigung von NT-Produkten
1997: Zertifizierung nach DIN ISO 9001
1998: transtec goes public: Notierung am neuen Markt (03.04.98). Einstieg in den Telekommunikationsmarkt

musterdepot.de: Einen großen Prozentteil Ihrer Computer verkaufen Sie über das Internet. Wie entwickelte sich die Geschichte Ihrer Homepage und dem damit verbundenen Umsatz über das Internet? Wieviele Mitarbeiter sind mit der Internetseite Ihres Unternehmens beauftragt?

Bruscha: Wir starteten 1995 als "Internet-Pionier" und sahen damals die Chance, Wettbewerbsvorteile durch einen durchdachten Webauftritt zu nutzen. Dies war mit großer Überzeugungsarbeit - extern wie intern bei den Mitarbeitern - verbunden, denn nur wenige Personen sahen vor ein paar Jahren in Deutschland wirklich realistische Möglichkeiten, Geschäfte via Internet abzuwickeln. Drei Jahre später sind alle schlauer und der Erfolg unserer E-Business-Strategie gibt uns recht. 1997 wurden ca. 5% aller Bestellungen direkt via Internet getätigt, 1998 waren es bereits 10%, Tendenz stark steigend. Aber noch viel wichtiger ist für uns die Erkenntnis, daß wesentlich mehr Aufträge ihre Anfänge im Internet finden (wir schätzen diese Prozentzahl auf weit über 50%), es nach der Auswahl der Produkte aber zu einem "Medienbruch" kommt. Soll heißen, derjenige, der die Produkte zusammenstellt ist nicht gleich der Einkäufer. Und aus verschiedensten Gründen wird der Einkäufer nun nicht übers Internet bestellen, sondern z.B. sein vorgedrucktes Bestellformular ausfüllen und an uns faxen oder sogar einen Ausdruck unserer Internetseite mit den notwendigen Informationen zukommen lassen. Eine kleine Geschichte dazu am Rande. Um den Interessenten das Internet näher zu bringen, installierten wir im Warenausgang eine Netzwerkkamera, fotografierten jedes Paket, das unser Haus verließ und stellten diese Bilder online. So konnten Kunden ihr Paket bereits im voraus betrachten und wußten, in welcher Form dieses bei ihnen ankommen würde. Aus dieser Spielerei entwickelte sich ein einzigartiger Service für unsere Kunden, denn heute gehört diese Dienstleistung zum festen Bestandteil unseres Online-Tracking-Systems unter dem Aspekt der "Gläsernen Logistik". Dazu noch eine kleine Statistik: Im ersten Quartal 1997 betrug die Gesamtzahl der Zugriffe auf unsere transtec Internetseiten etwa 0,8 Millionen. Diese Zahl wuchs stetig stark an auf mittlerweile 7,4 Millionen im ersten Quartal 1999. Die genaue Zahl der Mitarbeiter lässt sich schwer beziffern, denn im Grunde genommen arbeitet praktisch jeder transtec Mitarbeiter täglich an der Erweiterung unseres Internetauftritts mit. Sei es der Produktmanager, der neu aufgenommene Produkte in das Online-Angebot einbaut, der Einkäufer, der Preise updatet oder das Support-Team, das hilfreiche Tips und Tricks auf den Supportseiten einstellt. Aussschließlich mit der Betreuung unseres Internetauftritts sind momentan 3 Mitarbeiter beschäftigt.

musterdepot.de: Glauben Sie, man kann zwischen der Firma transtec und dem erfolgreichen Unternehmen Dell aus den USA Parallelen ziehen?

Bruscha: In gewisser Weise ja. Beide Unternehmen sind sehr erfolgreich, haben ihre eigenen brands, sind stark im Internet vertreten und machen Ihre Geschäfte in der IT-Branche. Wir unterscheiden uns dadurch, dass wir eine wesentlich breitere Produktpalette anbieten können (rund 6.000 Artikel) und damit das Ziel "One-Stop-Shopping" verfolgen. Ganz wesentlich unterscheiden wir uns in den Zielgruppen, denn wir verkaufen NICHT in den Consumer-Markt, sondern konzentrieren uns auf den business-to-business-Bereich ("Performance for Professionals").

musterdepot.de: transtec operiert in einem wachsenden Markt. Auch im Ausland sind Sie sehr aktiv. Sind nach den Akquisitionen von Exo Data AB und der ITP InfoTech Projekt GmbH noch weitere geplant, oder werden Sie in Zukunft aus eigener Kraft weiterwachsen?

Bruscha: Für die Zukunft sind weitere Akquisitionen bzw. Neugründungen in Westeuropa geplant und für 1999 haben wir bereits im März diesen Jahres im Rahmen unserer Bilanzpressekonferenz von 1-2 neuen Länderengagements gesprochen. Wir gehen davon aus, daß wir diese Vorgabe auch erfüllen werden. Zum anderen werden wir aber auch aus eigener Kraft in den bisher vorhandenen Märkten weiter wachsen, hier setzen wir uns eine Zielgröße von 15 - 20 % p.a. (Neuakquisitionen sind in diesen Zahlen nicht enthalten).

musterdepot.de: Ihre Aktien weisen ein KGV von ca. 20 auf. Dies ist für einen Neuen Markt Wert eher wenig. Allerdings ist der Kurs Ihrer Aktie, nach anfänglich sehr starkem Anstieg auf über 90 Euro, stark zurückgekommen. Wie erklären Sie sich den Kursverlauf und was erwarten Sie von der transtec Aktie in Zukunft?

Bruscha: Nun, der anfänglich starke Kursanstieg ist sicherlich mit der allgemeinen NM-Euphorie zu erklären, die im April 1998 - also zur Zeit unseres Börsenganges - für sehr hohe Einstiegskurse sorgte. Die transtec Aktie war beispielsweise 120fach überzeichnet und notierte nach einem Ausgabekurs von 36,30 Euro am ersten Tag mit 99,70 Euro, was für uns unvorstellbar und absolut unerwartet war. Natürlich waren wir mit dem Rückgang auf den tiefsten Stand von rund 29 Euro nicht zufrieden, sehen uns momentan aber auf einem guten Weg. Viel wichtiger für uns ist, daß unsere Geschäfte auf einer soliden Basis aufbauen, die wir wie Sie sicher wissen ohne Einschränkung haben. Durch die Konzentration auf unsere Stärken werden wir auch in Zukunft entsprechend positive Wachstumsraten in Gewinn und Ertrag erzielen können. Der Aktienkurs wird sich mittelfristig unserem Erfolg entsprechend entwickeln.

musterdepot.de: Im vergangenen Quartal konnten Sie das Ergebnis um 86,6% von 0,41 Mio. Euro auf 0,76 Mio. Euro steigern. Können solche Wachstumsraten auch in Zukunft aufrecht erhalten werden?

Bruscha: Die ersten Quartale 1998 waren geprägt von den IPO-Kosten, welche uns 1999 nicht mehr belasten. Daher ist auch im zweiten Quartal 1999 mit einem überproportionalen Anstieg zu rechnen. In Zukunft wollen wir qualitativ wachsen, d.h. das Verhältnis von Umsatz und Ertrag muß in einem gesunden Verhältnis zueinander stehen. Wir erwarten daher auch weiterhin entsprechend gute Wachstumsraten.

musterdepot.de: Welche Gründe sprechen Ihrer Meinung nach für eine Investition in transtec, nennen Sie uns bitte 3 Gründe, die für Ihr Unternehmen sprechen!

Bruscha: Flexibilität und Schnelligkeit europaweit, Focus auf den Kunden (striktes Built-to-Order) und Innovative Internet-Strategie.

musterdepot.de: Wo sehen Sie transtec in sagen wir 3 Jahren?

Bruscha: Unser Umsatz wird bei über einer halben Milliarde DM stehen. Unsere innovative Vertriebsstrategie soll uns in drei Jahren zum europaweit führenden IT-Anbieter im Direktvertrieb für professionelle Anwender machen.