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Di, 27. Februar 2024, 7:33 Uhr

Globaler Ausblick bleibt weiterhin von Risiko-Faktoren geprägt


26.05.23 16:40
National-Bank AG

Essen (www.aktiencheck.de) - Der globale Ausblick bleibt weiterhin von einer Vielzahl von Risiko-Faktoren geprägt: Neben die Unsicherheiten bezüglich der US-Bankenkrise ist zuletzt auch noch die Unsicherheit über die Schuldeden-Obergrenze in den USA getreten, so die Analysten der National-Bank AG.

Noch sei kein Ende im Ukraine-Konflikt abzusehen, die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China würden hoch bleiben. Insgesamt seien die globalen geopolitischen Risikofaktoren in den meisten Quantifizierungen einschlägiger Auswertungen rund um den Globus derzeit fast dreimal so hoch, wie im Schnitt der letzten beiden Dekaden. Dies belaste den Ausblick vor allem in der derzeit geopolitisch am stärksten exponierten Region - der Europäischen Union. Für die Industrienationen werde es nun vor allem darauf ankommen, ob und wann die Notenbanken ihren geldpolitischen Restriktionsgrad wieder zurückfahren könnten.

Die jüngsten US-Daten hätten die Einschätzung der Analysten bezüglich der Inflationsentwicklung weiter untermauert, sodass die geldpolitische Wende in den USA - perspektivisch - weiter Gestalt annehme. Während sich die Perspektiven für die Eurozone weiter eintrüben, bleibe der Ausblick für die USA weiter resilient. Die Dynamik im asiatisch-pazifischen Raum bleibe so hoch, dass sie ein spürbares Gegengewicht zur Abkühlung in den Industrienationen bilde. Bei weiterhin hohen geopolitischen Risiken stünden insgesamt die Chancen gut, dass die Weltwirtschaft die coronabedingte Inflationsepisode ohne größere Verwerfungen überstehe, sodass die Analysten ihr General-Szenario, das sie zum Herbst 2022 entworfen hätten, nicht zu korrigieren brauchen würden.

In den USA habe sich das konjunkturelle Tempo weiter abgekühlt. Die US-Wirtschaft sei im ersten Quartal 2023 lediglich noch um 1,1% gewachsen nach 2,6% im vierten Quartal. Die Abschwächung des Wachstums sei allerdings vor allem darauf zurückgegangen, dass die Unternehmen ihre Lager abgebaut hätten, im zweiten Quartal sei hier mit einer Gegenbewegung zu rechnen, sodass die Wachstumsrate wohl wieder deutlich höher ausfallen könnte.

Insgesamt würden die Analysten davon ausgehen, dass die finanziellen Polster der US-Haushalte so erheblich seien, dass ein signifikanter wirtschaftlicher Einbruch vermieden werden könne. Neben den politischen Event-Risiken werde vor allem der weitere Notenbankpfad für die Frage maßgeblich sein, ob die USA eine Rezession auch weiterhin vermeiden könnten: Sollte die FED noch zu weiteren Bremsmanövern gezwungen werden, würden die Rezessionsgefahren spürbar steigen, da immer weitere Bereiche der Wirtschaft bereits eine erhebliche konjunkturelle Abkühlung aufweisen würden.

Die Perspektiven für die Eurozone würden sich derweil immer weiter eintrüben. Im Kern zeichne sich immer deutlicher ab, dass sich der unterliegende Trend des ökonomischen Momentums kontinuierlich abkühle: Die Wirtschaft zehre vor allem in Deutschland noch vom aufgestauten Nachholbedarf in Form eines hohen Auftragsbestandes, letzterer baue sich aber immer weiter ab. Dieses Bild werde auch durch die Entwicklung der jüngsten Frühindikatoren gestützt: Das ifo-Geschäftsklima sei im Mai spürbar gefallen, und dies obwohl das Indexniveau bereits weit unterdurchschnittlich notiert habe.

Hier weise die ifo-Umfrage insbesondere darauf hin, dass die Unternehmen ihre Auftragsbestände nicht mehr für sehr hoch halten würden: Die Unternehmen seien zwar noch gut ausgelastet, es zeichne sich aber ab, dass dies nicht so bleiben werde, wenn neue Aufträge ausbleiben würden. Mit dem deutlichen Rückgang des ifo-Geschäftsklimas im Verarbeitenden Gewerbe würden nun alle wichtigen Frühindikatoren für diesen richtungsweisenden Sektor nach unten weisen. Neben den gestiegenen Zinssätzen sei es die Kombination von geopolitischen Risiken und strukturell höheren Energiepreisen, die vor allem der deutschen Wirtschaft besonders zu schaffen mache.

Auf Dauer dürfte sich der bis dato resiliente Dienstleistungssektor nicht von der Entwicklung in der Industrie abkoppeln können - man könne es nicht genug betonen: Zu beachten sei bei der Interpretation der Daten, dass vor allem der Dienstleistungssektor von der Normalisierung der Nachfrage nach dem Ende der Corona-Beschränkungen - also einem temporären Sondereffekt - profitiert. Insofern verweise die Entwicklung in der Industrie auf den tatsächlichen unterliegenden Trend der ökonomischen Perspektiven für die europäische Leitökonomie und damit auch für die gesamte Eurozone.

In Relation zur Entwicklung in den Industrienationen bleibe der asiatisch-pazifische Raum eine exorbitant dynamische Region. Trotz schwächerer Auslandsnachfrage - wie zum Beispiel der Rückgang der Nachfrage nach Technologieexporten gegen Ende 2022 - und einer Straffung der Geldpolitik im Inland. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sei bisher stark geblieben, wobei die Wiedereröffnung Chinas für neue Impulse gesorgt habe, auch weltweit: Derzeit kämen rund 70% der absoluten Zuwächse des globalen Outputs aus Asien.

In der Summe der Entwicklungen habe sich das globale Szenario zumindest bis dato weiter materialisiert: Der Weltwirtschaft insgesamt gelinge die Disinflation ohne Rezession, im laufenden Jahr dürften die Wachstumsraten weltweit bei 2,9% liegen und sich dann im nächsten Jahr bei 3,2% bewegen. Damit habe die Weltwirtschaft die COVID-Pandemie überwunden, sodass der Konjunkturzyklus sukzessive stärker von den ökonomischen Gleichgewichtsprozessen bestimmt werde. Diese Entwicklung bewirke, dass sich die pandemiebedingten Ungleichgewichte wie geschildert und wie vor allem die jüngsten Daten vom US-Arbeitsmarkt belegen würden, weiter abbauen könnten. (26.05.2023/ac/a/m)