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Fr, 17. April 2026, 21:26 Uhr

Indiens Rüstungs-Dilemma: Rafale-Jets oder Typhoon- Kampfflieger


21.01.26 12:25
Leverage Shares

Dublin (www.aktiencheck.de) - Aktuelle Medienberichte deuten darauf hin, dass Indien kurz vor dem Abschluss eines 36-Milliarden-Dollar-Abkommens über den Kauf von 114 Rafale-Jets steht, so Sandeep Rao, Senior Analyst bei Leverage Shares und Income Shares.

Das französische Verteidigungsministerium habe Anfang Dezember bestätigt, dass dieser Deal 90 Rafale F4-Kampfflugzeuge sowie eine zusätzliche Option auf 24 Maschinen der zukünftigen Version Rafale F5 umfassen würde. Da die indische Luftwaffe derzeit unter ihrer Sollstärke operiere, würde ein Teil der Maschinen im "Fly-away"-Zustand geliefert, während der Rest vor Ort gefertigt werden müsste.

Der Haken: Es scheine, dass der Rafale-Hersteller Dassault Aviation versuche, die "Hot Sections" (Brennkammer und Hochdruckturbine des Triebwerks) sowie die "Source Codes" (die Algorithmen, die Subsysteme und Bewaffnung verbinden würden) unter Verschluss zu halten und als französische Staatsgeheimnisse zu behandeln. Dassault biete offenbar lediglich einen Anteil von 30 Prozent an einheimischer Wertschöpfung an. Indische Verteidigungsbeamte hätten daraufhin deutlich gemacht, dass Indiens "Atmanirbhar"-Doktrin (Selbstversorgung) kein Slogan, sondern eine Kaufbedingung sei. Sie hätten auf den von der DRDO entwickelten iMC (Indigenous Mission Computer) als nicht verhandelbare Anforderung für die späteren Chargen der 114 Jets verwiesen. Wenn Dassault die "Interface Control Documents" (ICDs) nicht bereitstelle, sei das Ziel einer 70-prozentigen Indigenisierung unmöglich. Indische Beamte würden signalisieren, dass für 36 Milliarden Dollar die "Standard-Exportregeln" mit gesperrtem Code nicht gelten sollten. Darüber hinaus würden indische Beamte fordern, dass mindestens 80 Prozent der Flugzeuge (etwa 72 bis 91 Stück) in Indien gebaut würden. Quellen würden besagen, dass Dassault angesichts der großen Anzahl in Indien gefertigter Teile seine indische Niederlassung auch für Exportaufträge nutzen und die indischen Standorte als MRO-Hub (Wartung, Reparatur, Überholung) für Länder in der Region anbieten könnte, die Dassault-Flugzeuge betreiben würden.

Absichtserklärung zur rüstungsindustriellen Zusammenarbeit mit Deutschland

Im jüngsten Briefing habe Indiens Verteidigungsministerium die Jets F-35 und Su-57 erwähnt und damit ein gezieltes Signal an Frankreich gesendet: "Wenn ihr den Code nicht teilt, suchen wir uns Partner, die es tun." Und es scheine, dass ein potenzieller Partner vor kurzem gefunden worden sei: Deutschland. Bundeskanzler Friedrich Merz sei im Januar in Indien eingetroffen und von Premierminister Narendra Modi mit großer Herzlichkeit empfangen worden. Im Rahmen seines Besuchs seien 19 Absichtserklärungen (MoU) unterzeichnet worden, um die Zusammenarbeit in Bereichen von Sport und Hochschulbildung bis hin zu grüner Technologie, Halbleitern und kritischen Rohstoffen zu fördern.

Begleitet worden sei der Kanzler von den Chefs von Airbus und MTU Aero Engines. So sei es auch zur Unterzeichnung eines MoU über rüstungsindustrielle Zusammenarbeit gekommen: Das Angebot zum Kauf des Eurofighter Typhoon "Tranche 5", das von einem Konsortium aus Airbus, BAE Systems und Leonardo hergestellt werde.

Rafale-Problem vs. Typhoon-Chance

Ein direkter Vergleich zwischen Typhoon und Rafale zeige, dass ersterer mehrere Vorteile biete bis auf eine geringere Nutzlast, was sich auf Geschwindigkeit, Steiggeschwindigkeit und die Fähigkeit zum "Supercruise" (d. h. Aufrechterhaltung des Überschallflugs ohne Nachbrenner) auswirke. Abgesehen von der geringeren Nutzlastkapazität - etwa zwei Tonnen weniger - werde er vom EJ200 angetrieben, das von den vier Partnerunternehmen des Eurojet- Konsortiums (MTU Aero Engines, Rolls-Royce, ITP Aero und Avio Aero) hergestellt werde. Während MTU Aero Engines signalisiert haben solle, dass man bereit sein könnte, die Blade-Cooling-Technologie und Blisk-Fertigungstechniken (Bladed Disk) für die Brennkammer und Hochdruckturbine des Triebwerks zu teilen, erfordere dies die Zustimmung aller vier Partnerländer. Wie Safran (Hersteller der Rafale-Triebwerke) und Rolls-Royce biete auch MTU Indien ein Co-Development-Modell für das 110-kN-Triebwerk an, das für Indiens in der Entwicklung befindlichen Jet der 5. Generation, den AMCA, benötigt werde.

Würde man nun ein Szenario "durchspielen", in dem Dassault Aviation sich erheblich sträube, etablierte einheimische Subsysteme zu integrieren und die "deutsche Koalition" dagegen offen für Substitutionen und den Transfer von IP für den Kern des EJ200 wäre, damit die souveräne Mitentwicklung des 110-kN-Triebwerks umgehend beginnen könne, dann würde die Entscheidungsmatrix den Typhoon gegenüber der Rafale stark favorisieren. Die Realität sei jedoch, dass beim EJ200 mehrere Länder/Unternehmen die IP-Rechte halten würden, was die Umsetzung für die "deutsche Koalition" erschweren könnte.

Zudem würden sich die Franzosen gegenüber der Beschaffung von Teilen bei indischen Zulieferern nicht völlig verschlossen zeigen. Im November 2025 habe Olivier Andries, CEO von Safran, erklärt, dass das Unternehmen Komponenten im Wert von fast 100 Millionen Euro von indischen Anbietern beziehe und mit Qualität sowie Preisgestaltung sehr zufrieden sei. Daher plane die Firma, den lokalen Bezug bis 2030 auf 500 Millionen Euro zu steigern. Sollte das indische Militär einen Großauftrag für Rafale erteilen, sei Safran bereit, eine Endmontagelinie (FAL) für M88-Triebwerke und andere kritische Ausrüstung in Indien zu errichten. (21.01.2026/ac/a/m)