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Krypto Update Q2 2026: Bitcoin vor weiterem Rücksetzer?


23.03.26 10:03
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.aktiencheck.de) - Mitten im Kryptowinter wurde von so manchem Marktbeobachter jüngst bereits wieder das Tauwetter ausgerufen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Obwohl es aktuell tatsächlich Anzeichen einer BTC-Erholung gebe, würden die Analysten vor zu viel Optimismus warnen. Es werde noch dauern, bis es mal wieder richtig Sommer werde.

Obwohl lange Zeit negiert, habe sich nach zwischenzeitlichen -50% seit dem Allzeithoch vom Oktober 2026 mittlerweile auch beim Konsens die Überzeugung durchgesetzt, dass man sich mitten im Kryptowinter befinde. Damit erkenne die Szene schrittweise an, wovon die Analysten bereits in den letzten beiden Ausgaben ihres Krypto Updates gewarnt hätten: nämlich sich emotional und finanziell auf eine längere Durststrecke einstellen zu müssen.

Seit ihrer letzten Einschätzung Anfang Januar habe der Bitcoin abermals mehr als 20% abgegeben, wenngleich sich die digitale Leitwährung im Zuge der aktuellen Spannungen in Nahost erstaunlich stabil halte. Treibe man es auf die Spitze, könnten dem Bitcoin im aktuellen Umfeld gar Eigenschaften zugeschrieben werden, welche man sonst nur von anderen vermeintlichen sicheren Häfen kenne. So habe der BTC seit Kriegsausbruch im Vergleich zu anderen Risky Assets nicht nur moderat an Wert zugewinnen können, sondern erfreue sich zudem auf der Fund Flow Seite wieder erhöhter Beliebtheit. Auch in anderen Bereichen habe sich zuletzt die Datenlage verbessert, sodass einzelne Stimmen bereits Tauwetter sähen und den Kryptowinter für beendet erklärten. Die Analysten der RBI denken, dafür ist es noch zu früh.

Über die Ansicht, dass Saisonalitäten probate Prognosevehikel darstellen würden, lasse sich streiten. Unbestritten sei jedoch, dass das Zyklusmodell seit 15 Jahren präzise wie ein Schweizer Uhrwerk laufe. So auch im aktuellen Fall. Die Kursrückgänge seit dem Allzeithoch im Oktober 2025 würden sich beinahe lehrbuchartig in historische Muster einordnen. Dass der Bitcoin seit Kriegsausbruch im Iran negativ mit anderen Risky Assets korreliere und gar Kursanstiege verbucht habe, möge jedoch zur Annahme verleiten, dass das Schlimmste bereits hinter einem liege. Die Analysten würden dies für trügerisch halten. Denn rein statistisch spreche vieles dagegen.

Bisherige Kryptowinter hätten stets mindestens ein Jahr gedauert. Bei einer zugegebenermaßen kleinen Stichprobe von gerade einmal drei Fällen sei dies freilich kein Garant für künftige Entwicklungen. Dennoch gebe dies eine gewisse Indikation. Derzeit befinde man sich im fünften Monat des Kryptowinters und daher statistisch gesehen immer noch in der ersten Hälfte. Man wisse aus der langen Geschichte der Kapitalmärkte, dass Saisonalitäten und Kalenderanomalien mit zunehmendem Reife- und Effizienzgrad des Marktes verschwänden. Bekannte Beispiele seien der Day-of-the-Week Effekt oder der Januar-Effekt an den Aktienmärkten. Diese seien und seien gewesen beliebte Beispiele in der akademischen Literatur und würden aufgrund dessen mittlerweile keine profitable Handelsstrategie mehr darstellen.

Aktuell würden die Analysten noch nicht denken, dass der Kryptomarkt reif genug sei, um den Zyklus zu ignorieren. Es sei jedoch durchaus zielführend anzunehmen, dass bei fortschreitendem Bekanntheitsgrad der Anomalie, die Dauer derartiger Rücksetzer kürzer ausfalle. Aus Sicht der Analysten werde der aktuelle Kryptowinter kein volles Jahr andauern. Ein Anhalten bis in den Sommer erscheine eine vernünftige Annahme.

Was für die Dauer des Kryptowinters gelte, gelte auch für die Intensität der Rücksetzer. Historisch sollte von einem Kurseinbruch im Ausmaß von 80% ausgegangen werden. Übertragen auf das letzte Allzeithoch impliziere dies ein Kryptowintertief bei USD 25.000. Ausgehend von aktuell rund USD 70.000 wäre also noch einiges an Platz nach unten. Gefühlt seien die bisherigen Rücksetzer bereits schmerzhaft genug gewesen und die aktuellen Erholungstendenzen würden die Hoffnung nähern, dass der Markt überverkauft und eine Bodenbildung längst überfällig gewesen sei.

Dem würden die Analysten jedoch entgegnen, dass zwischenzeitliche starke Gegenbewegungen zum üblichen Muster eines ausgeprägten Bärenmarktes gehören würden. So sei der Bitcoin beispielsweise im Zuge des 2022er-Kryptowinters zwischenzeitlich um +40% angestiegen, nur um anschließend abermals um 60% nachzugeben. Vom Performanceverlauf stelle der aktuelle Bärenmarkt daher keinen statistischen Ausreißer dar. Und dennoch: Die zunehmende Kenntnis über die Maximum Drawdowns der Vergangenheit lasse es den Analysten unwahrscheinlich erscheinen, dass sich der Bitcoin tatsächlich in Richtung der USD 25.000 bewege. Den Analysten erscheine eine Bodenbildung im Bereich USD 50.000 und USD 60.000 naheliegend.

Gebe es abseits der historischen Dauer und der Performance des Kryptowinters Indikatoren, die es wert seien im Blick zu behalten, um eine potenzielle Bodenbildung und damit Einstiegsmöglichkeit zu erkennen? Ja.

Einen erstaunlich guten Track-Rekord weise die MVRV-Ratio auf. Diese stelle die Marktkapitalisierung des BTC der sogenannten realisierten Kapitalisierung gegenüber. Letztere summiere den Wert aller existierenden Bitcoins, basierend auf dem Preis, zu dem sie zuletzt transferiert worden seien (d. h. als sie zuletzt in einer Transaktion die Wallet gewechselt hätten). Coins, die beispielsweise seit langer Zeit nicht bewegt worden seien, würden daher tendenziell mit einem niedrigeren Kurs in die Berechnung mit einfließen. Als Faustregel gelte:

MVRV > 3 - 4: Ein sehr hoher Wert des MVRV-Verhältnisses spiegele wider, dass die derzeitigen BTC Kurse die historischen Kaufpreise der Spekulanten drastisch übersteigen würden. Dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit von Gewinnmitnahmen und das Risiko einer Korrektur steige.

• MVRV < 1: Bedeute, dass die realisierte Kapitalisierung höher sei als die Marktkapitalisierung. Dies signalisiere eine Unterbewertung, da der Markt unter den historischen Kaufkosten handle.

• MVRV zwischen 1 und 3: Werde oft als neutral betrachtet und impliziere eine relativ faire Bewertung.

Aktuell liege das MVRV-Verhältnis bei 1,3. Bereits der nächste größere Rücksetzer könnte den BTC daher in den unterbewerteten Bereich drücken.

Wertvolle Informationen über potenzielle Einstiegsmöglichkeiten würden sich auch über die Intensität von Kursschwankungen ableiten lassen. Gehe es nach historischen Volatilitätsverläufen, so könnte die Bodenbildung noch etwas auf sich warten lassen. Alle drei vergangenen Zyklen seien mit deutlichen Anstiegen der rollierenden 90-Tages-Volatilität einhergegangen. Das Bärenmarkttief habe sich erst dann ausgebildet, als die täglichen Schwankungen deutlich zurückgelaufen seien. Dies sei noch nicht der Fall. Zuletzt sei weder eine Volatilitätsspitze gebildet worden, noch sei ein Rücklauf der täglichen Ausschläge zu beobachten gewesen.

Spekulanten, die den Aufbau eines BTC-Exposure anstreben würden, könnten genannte Indikatoren im Blick behalten. Die Wahrscheinlichkeit den Bitcoin exakt am Bärenmarkttief zu erwischen, werde jedoch selbst für den besten Markt-Timer eine Herausforderung sein. Aus Sicht der Analysten zielführender und vor allem zeit- und ressourcenschonender sei es daher, Kurse unter USD 70.000 beständig und in Tranchen zum Aufbau des gewünschten Exposures zu nutzen. Auf die kommenden Wochen und Monate sollte sich so ein attraktiver durchschnittlicher Einstiegskurs ergeben. (Ausgabe vom 20.03.2026) (23.03.2026/ac/a/m)




 
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