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Fr, 17. April 2026, 21:09 Uhr

Trump oder Harris: Wer hat die besseren Karten für den Markt?


04.11.24 14:09
eToro

London (www.aktiencheck.de) - Die Nervosität vor der US-Wahl ist überall spürbar - auch an den Finanzmärkten, so die Experten von eToro.

Anleger hätten vergangene Woche das Risiko deutlich reduziert, und die Wall Street habe den heftigsten Ausverkauf seit neun Wochen verzeichnet. Ob Donald Trump oder Kamala Harris die Nase vorne habe oder ob es am Ende ein Münzwurf bleibe, werde sich bald zeigen. Am Dienstag wisse man mehr. Klar sei: Die US-Wahlen würden erhebliches Potenzial für kurzfristige Volatilität bergen. Wer die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verstehe, könne die damit verbundenen Risiken genauer einordnen.

Die vergangene Woche habe zahlreiche Konjunkturdaten und Quartalszahlen aus den USA geliefert. Für die Wall Street sei kein Best-Case-Szenario erreicht worden, doch die Ergebnisse seien für Anleger vertretbar geblieben. Das Wirtschaftswachstum habe sich nur leicht verlangsamt, während die Inflation stagniert habe. Das BIP sei im dritten Quartal annualisiert um 2,8 Prozent gewachsen und die PCE-Kernrate sei im September zum dritten Mal unverändert bei 2,7 Prozent geblieben. Im Oktober seien nur 12.000 Stellen geschaffen worden, die Arbeitslosenquote habe bei 4,1 Prozent verharrt. Positiv sei, dass 75 Prozent der Unternehmen im S&P 500 eine positive Überraschung beim Gewinn pro Aktie (EPS) gemeldet hätten. Während die Daten ein Soft Landing unterstützen würden, seien die Rezessionsrisiken gestiegen, was Anleger veranlassen könnte, erneut auf stärkere Zinssenkungen zu setzen.

Inmitten der hitzigen Diskussionen des Wahljahres stehe die Steuerpolitik im Rampenlicht und werde zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal zwischen den Kandidaten. Die Republikaner würden als Befürworter von Steuererleichterungen auftreten, in der Hoffnung, der Wirtschaft neuen Schwung zu verleihen. Gleichzeitig plane Trump, mit einem schockierenden 60-prozentigen Zoll auf chinesische Importe einen klaren Kurswechsel einzuleiten - ein Drahtseilakt zwischen Unterstützung und Belastung für die US-Verbraucher.

Auf der anderen Seite des politischen Spektrums würden die Demokraten auf eine Erhöhung der Steuern für die wohlhabendsten Bürger setzen, um die wachsende Einkommensungleichheit zu bekämpfen. Diese divergierenden Ansätze könnten weitreichende Auswirkungen auf zahlreiche Sektoren haben, von Luxusgütern über Telekommunikation bis hin zu Finanzdienstleistungen, die nun in einem Wettlauf um die Gunst der Wähler und Investoren stünden.

Doch das sei nur der Anfang. Die Sektoren Verteidigung, Gesundheit und Energie stünden ebenfalls im Schussfeld der politischen Agenda. Sollte Trump triumphieren, werde ein Anstieg des Verteidigungsbudgets erwartet, was Unternehmen wie GE Aerospace, Lockheed Martin und Palantir zugutekommen könnte. Im Gegensatz dazu könnte ein Sieg von Harris den Gesundheitssektor ins Rampenlicht rücken, was Firmen wie UnitedHealth in eine vorteilhafte Position bringen würde.

Die Energiepolitik zeige ebenfalls deutliche Unterschiede: Während die Republikaner auf fossile Brennstoffe setzten, blickten die Demokraten auf erneuerbare Energien. Doch hier sei das Terrain ungewiss. Trumps erste Amtszeit habe eine Vorliebe für ExxonMobil und Chevron gezeigt, doch der Ölsektor habe dramatische Verluste aufgrund sinkender Preise erlebt. Unter Bidens Führung hätten die Aktien erneuerbarer Energien einen anfänglichen Aufschwung erlebt, viele Ziele hätten sich jedoch als sehr kostspielig erwiesen.

Ein Unternehmen wie First Solar könnte von Trumps protektionistischen Bestrebungen profitieren, die eine Erhöhung der Zölle auf chinesische Importe mit sich bringen könnten. Über alle Parteigrenzen hinweg gebe es jedoch einen Konsens über den dringenden Investitionsbedarf in die US-Infrastruktur und das gemeinsame Ziel, die technologische Führungsposition gegenüber China zu verteidigen.

Der Ausgang der US-Wahlen habe für den Markt erhebliche Bedeutung, da der Gewinner den Takt für die nächsten Jahre vorgebe. Allerdings bleibe es komplex zu bewerten, wie stark ein Präsident oder eine Präsidentin das Bruttoinlandsprodukt oder die Aktiengewinne tatsächlich beeinflussen werde. Wichtiger als die politische Führung sei der allgemeine Gesundheitszustand der Wirtschaft, und hier befänden sich die USA weiterhin in einer verhältnismäßig starken Position. Die Federal Reserve verfüge über ausreichend Spielraum, um auf unerwartete Entwicklungen unterstützend zu reagieren. Trotz der gegenwärtigen Abwärtsrisiken, die die Anfälligkeit für Schocks erhöhten, bleibe der langfristige Ausblick positiv. Dennoch sollten die politischen Auswirkungen auf die Wirtschaft keinesfalls unterschätzt werden. (04.11.2024/ac/a/m)