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Fr, 17. April 2026, 14:15 Uhr

Trump verändert Spielregeln für Investoren


20.01.26 15:15
Leverage Shares

Dublin (www.aktiencheck.de) - Als Donald Trump am 20. Januar 2025 ins Weiße Haus zurückkehrte, glaubten die Finanzmärkte, das Drehbuch zu kennen, so Violeta Todorova, Senior Research Analyst bei Leverage Shares und Income Shares.

Deregulierung, Steuersenkungen, fiskalische Impulse und eine Wiederholung des bekannten "Trump Bump", der nach der Wahl 2016 die Aktienmärkte beflügelt habe. Zollandrohungen seien als Verhandlungstaktik gegolten, nicht als ernsthafte wirtschaftspolitische Leitlinie. Ein Jahr später sei klar: Diese Annahme sei ein Trugschluss gewesen.

Trumps erstes Jahr zurück im Amt habe sich als deutlich unberechenbarer, konfliktträchtiger und für die Kapitalmärkte folgenreicher erwiesen, als erwartet worden sei. Statt planbarer wirtschaftspolitischer Impulse dominieren institutionelle Brüche, eine aggressive Machtkonsolidierung im Präsidentenamt und eine Handelspolitik, die diesmal strukturell und nicht taktisch angelegt sei. Das Ergebnis sei ein Marktumfeld, das von anhaltender Volatilität, scharfen sektoralen Divergenzen und wachsender politischer Risikoprämie geprägt sei.

Seit seiner Amtseinführung vor einem Jahr habe der US-Präsident mit hoher Geschwindigkeit zentrale institutionelle Pfeiler der US-Regierung ausgehöhlt. Bundesbehörden seien einseitig umstrukturiert worden, Haushaltsmittel eingefroren worden, politische Gegner gezielt unter Druck gesetzt worden. Weitreichende Begnadigungen für die Beteiligten des Kapitol-Sturms vom 6. Januar 2021, der Einsatz der Nationalgarde sowie autorisierte Militäroperationen in mehreren Ländern unterstreich(t)en die Bereitschaft, politische und militärische Macht offensiv einzusetzen.

Diese Maßnahmen folgten einem klaren Muster: der systematischen Ausweitung präsidialer Befugnisse. Für Investoren bedeute das einen fundamentalen Regimewechsel. Politische Entscheidungen erschienen weniger berechenbar, institutionelle Gegengewichte seien geschwächt worden. Handels-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik verschmölzen zunehmend zu einem Instrumentarium strategischer Machtausübung.

Unmittelbar nach Trumps Wahlsieg im November 2024 hätten die Märkte erwartungsgemäß euphorisch reagiert. Der S&P 500 sei am Folgetag um mehr als 2,5 Prozent nach oben gesprungen, getrieben von Hoffnungen auf unternehmensfreundliche Politik. Bis Februar 2025 habe der Index um mehr als sechs Prozent zugelegt – der "Trump Bump" scheine zurück.

Dann sei die Kehrtwende gefolgt. Mit den im April verkündeten umfassenden "Liberation Day"-Zöllen habe die Regierung die fragile Marktzuversicht zerstört. Die Maßnahmen seien weder symbolisch noch begrenzt gewesen, sondern zielten offen auf eine aggressive Neuordnung des globalen Handels. Und zwar nicht nur gegenüber China, sondern auch gegenüber Verbündeten. Der S&P 500 sei bis zum 8. April auf sein Jahrestief gefallen, habe mehr als 20 Prozent von seinem Februarhoch abgegeben und sämtliche Gewinne seit der Wahl ausgelöscht. Es sei der drittschlechteste Start eines US-Präsidenten in der modernen Börsengeschichte gewesen.

Zwar hätten sich die Märkte seither erholt, der S&P 500 liege 2025 rund 17 Prozent im Plus. Doch der Charakter des Marktes habe sich verändert: Volatilität sei kein vorübergehendes Phänomen mehr, sondern strukturell verankert. Vertrauen sei konditional geworden.

Ironischerweise habe das Zollregime ausgerechnet jene Sektoren besonders hart getroffen, die eigentlich geschützt werden sollten. Industrie, Automobilhersteller, Elektronik, Öl und Gas, Basiskonsumgüter sowie die Landwirtschaft zählten zu den klaren Verlierern. Der Grund liege in der Struktur moderner Wertschöpfungsketten. Zölle auf Vorprodukte erhöhten Kosten, drückten Margen und schwächten die Wettbewerbsfähigkeit.

US-Autobauer kämpften mit steigenden Komponentenpreisen und sinkender Exportattraktivität – trotz des vorteilhaften Zoll-Deals mit der EU, der sie von Zöllen befreit habe, während europäische Hersteller unter diesen litten. Technologiehardware leide unter steigenden Chipkosten. Landwirte gerieten erneut ins Visier von Vergeltungsmaßnahmen. Der Versuch, nationale Industrie durch Abschottung zu stärken, kollidiere mit der Realität global integrierter Produktionsprozesse.

Während globale Zykliker unter Druck geraten seien, hätten Absicherungsinstrumente und politisch begünstigte Sektoren profitiert. Gold habe sich zum klaren Gewinner entwickelt und seit Trumps Rückkehr um rund 70 Prozent zugelegt. Geopolitische Risiken, politische Unsicherheit, ein schwächerer US-Dollar und hartnäckige Inflation hätten die Nachfrage getrieben. Goldminenwerte verstärkten diese Entwicklung durch operative Hebel.

Rüstungsaktien hätten beiderseits des Atlantiks deutliche Kursgewinne verzeichnet. Trumps Forderung, die Verteidigungsausgaben der NATO auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzuheben, sowie neue geopolitische Spannungen von Venezuela bis Grönland machten Verteidigungsbudgets zu langfristigen Wachstumsthemen.

Auch US-Banken hätten profitiert. Allein die Erwartung regulatorischer Erleichterungen und größerer Kapitalflexibilität reiche aus, um Bewertungen und Kurse zu stützen – ohne dass entsprechende Gesetzgebung bereits umgesetzt worden sei.

Enttäuschend sei hingegen die Entwicklung von Kryptowährungen verlaufen. Der massive Anstieg von Bitcoin nach der Wahl – von rund 69.000 auf über 126.000 US-Dollar – habe sich als kurzlebig erwiesen. Mit der Rotation in Richtung Gold und weg von spekulativen Anlagen sei die erhoffte nachhaltige Unterstützung durch eine kryptofreundliche Regierung ausgeblieben. Parallel habe Trumps erklärtes Ziel niedrigerer Ölpreise Energieaktien unter Druck gesetzt.

Eine der überraschendsten Entwicklungen von "Trump 2.0" sei die globale Kapitalumschichtung gewesen. Statt eines pauschalen Risikoabbaus sei Kapital verstärkt nach Europa geflossen. Europäische Aktien, lange als Value-Fallen belächelt, hätten von attraktiveren Bewertungen und dem Wunsch nach Diversifikation und mehr Souveränität profitiert. Britische und deutsche Indizes hätten den S&P 500 im ersten Jahr von Trumps Amtszeit übertroffen, gestützt durch Infrastrukturprogramme, Verteidigungsausgaben und Kapitalrotation weg von US-Konzentrationsrisiken.

Gleichzeitig bleibe Deutschland besonders exponiert. Trumps erneute Drohung, ab dem 1. Februar Zölle von zehn Prozent auf Importe aus Deutschland und anderen EU-Staaten zu erheben – sowie eine Erhöhung auf 25 Prozent ab Juni, falls keine Einigung im Grönland-Konflikt erzielt werde – habe die Märkte zuletzt spürbar unter Druck gesetzt.

Die wirtschaftliche Bedeutung der USA für deutsche Exporte sei erheblich. Bereits 2025 seien die deutschen Ausfuhren in die Vereinigten Staaten um fast neun Prozent zurückgegangen. Der stärkste Rückgang außerhalb der Pandemie. Zölle in der Größenordnung von zehn bis 25 Prozent würden deutsche Produkte für US-Käufer deutlich verteuern, die Nachfrage dämpfen und Exporteure zwingen, Margen zu opfern oder Preise weiterzugeben. Die potenziellen Wachstumsverluste reichten von 0,1 bis 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bei niedrigeren Zollsätzen – mit deutlich höheren Risiken bei einer Eskalation.

Noch bevor formale Maßnahmen beschlossen worden seien, hätten die Märkte begonnen, das Risiko einzupreisen. Am 19. Januar 2026 habe der DAX mehr als 1,4 Prozent verloren, belastet durch erneute Zollandrohungen. Besonders Automobilhersteller und exportorientierte Industriewerte seien unter Druck geraten. Aktien von BMW, Volkswagen, Porsche und Mercedes-Benz hätten nachgegeben, während Rüstungswerte und stärker binnenorientierte Titel zugelegt hätten.

Diese Divergenz spiegele weniger eine Verschlechterung der Fundamentaldaten wider als eine Neubewertung politischer Risiken. Für deutsche Exporteure bedeuteten drohende US-Zölle eine doppelte Belastung aus Margendruck und schwächerer Endnachfrage. Damit rücke die Handelspolitik erneut in den Fokus als zentraler Treiber der kurzfristigen DAX-Entwicklung.

Trumps erstes Jahr zurück im Amt habe die Spielregeln für Investoren verändert. Protektionismus sei strukturell geworden, institutionelle Stabilität keine Selbstverständlichkeit mehr. Für globale Märkte – und insbesondere für exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland – bedeute das ein Umfeld erhöhter Unsicherheit.

Selbst wenn Zölle verzögert oder abgeschwächt würden, reiche ihre bloße Androhung aus, um Bewertungen zu belasten, Risikoprämien zu erhöhen und Aufwärtspotenzial zu begrenzen. Die Kapitalmärkte hätten verstanden: In der zweiten Amtszeit Trumps sei Politik kein Hintergrundrauschen mehr, sondern ein dominanter Faktor der Preisbildung. (20.01.2026/ac/a/m)




 
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