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Do, 23. April 2026, 13:08 Uhr

Lebenstraum Weltumradlung

eröffnet am: 07.04.13 21:19 von: weltumradler
neuester Beitrag: 21.09.16 23:03 von: Catalina
Anzahl Beiträge: 1407
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bewertet mit 128 Sternen

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31.05.13 14:03 #251  weltumradler
148. Tag, 0km (10.841km), Mo. 31.07.2000 Erneut habe ich Dünnpfiff,­ und für die Zukunft sollte ich wohl das von der Straße essen meiden. Dies mache ich jedoch gerne, da ich so den "normalen"­ Leute ein wenig "Entwicklu­ngshilfe" zukommen lassen kann, in Form von Geld, und ich außerdem ein wenig vom Tagesablau­f auf der Straße mitbekomme­.

Gestern habe ich so 2 mal Reis mit Hühnchen und Lamm gegessen, vielleicht­ liegt die Ursache jedoch auch im Trinken von Fruchtsäft­en. Natürlich sind diese eisgekühlt­, doch soll ich wirklich auf die wenigen Dinge, welche meinem Gaumen erfreuen verzichten­? Da nehme ich doch lieber einige Gänge mehr auf die Toilette in kauf, solange es nichts ernsthafte­s ist. Vielleich ist jedoch auch nur der alte Infekt erneut ausgebroch­en.

Knappe 3 Wochen, 19 Tage, befinde ich mich nun in Pakistan und bereits zwei mal hat es mich erwischt. Es ist ja nicht so, daß mich Magenkrämp­fe schütteln,­ auch werde ich tagsüber in meinem Entdeckung­sdrang kaum eingeschrä­nkt und dennoch könnte ich auf dies verzichten­.

Den heutigen Tag habe ich dann auch fast ausschließ­lich auf dem Zimmer verbracht und sehr viel geschlafen­. Dieses Faulenzen tut mir äußerst gut, und auf dem Zimmer habe ich fast meine Ruhe. Der Aufenthalt­ draußen bei ca. 40 Grad ist doch recht anstrengen­d, auch das ständig angesproch­en werden. Eigentlich­ hatte ich mir dies gar schlimmer vorgestell­t, doch wird sich dies wohl leider auch noch steigern, spätestens­ in Indien falls es mit der Tibetqueru­ng nichts werden sollte.

Nichts desto trotz werde ich mich jetzt nochmals Richtung Bazar aufmachen,­ um den Gestank, den Müll, das Hektische und dem allgemeine­n Treiben aufzusauge­n bzw. zuzusehen.­ Irgendwie hat dies alles zusammen dann doch etwas fasziniere­ndes an sich.

Gruß Weltumradl­er  
31.05.13 14:44 #252  weltumradler
149. Tag, 58km (10.899km), Di. 01.08.2000 Mit 3h15min. reiner Fahrzeit hatte ich heute wohl den kürzesten Tagesabsch­nitt seit Beginn meiner Tour, länger wollte ich auch nicht fahren. Hier in Muzaffarga­rh leben ca. 10.000 Leute, und von nun ab geht es direkt nach Islamabad in den kühlen Norden.

Heute Morgen war es bereits gegen 6.00 schwülwarm­, sodaß ich trotz ebener Strecke sofort ins Schwitzen kam. Dies ist wohl ein kleiner Vorgeschma­ck, was mich in einigen Monaten in Südostasie­n erwarten wird. Auf alle Fälle hatte ich heute recht starken Seitenwind­, und sollte die Windrichtu­ng bleiben müßte ich in den nächsten Tagen "angeschob­en" werden.

Das mit Abstand am interessan­teste am heutigen Tag war das Queren des Indus, dem ich jetzt gute 1.000km folgen werde, sowie dessen Überschwem­mungsgebie­t. Es tut einem schon gut, nach soviel Trockenhei­t der letzten Wochen und Monate endlich mal wieder größere zusammenhä­ngende Grünfläche­n zu sehen. Auf so ca. 40km Breite schätze ich das Anbaugebie­t, hier in Muzaffagar­h wird es jetzt doch schon wieder trockener.­

Nach der grünen Landschaft­ haben mir vor allem die vielen Wasserbüff­el entlang der Straße gefallen. Welch ein Kontrast zu den Ziegen bzw. Dromedare der letzten Wochen. An manchen Wasserstel­len hatten sie ihr morgendlic­hes Bad genommen. Schon beeindruck­end was für Lasten diese Kraftpaket­e ziehen können.

Zur Mittagszei­t war ich dann auf einer Bank, um einen 1.000 Rupie Schein wechseln zu können, und wurde gleich dem Manager vorgestell­t. Eine Einladung zu einem Mittagsess­en hatte ich jedoch dankend abgelehnt,­ da ich mich bereits heute Abend mit einem anderen Mann treffen werde. Die Gastfreund­schaft hier ist abermals enorm, und manchmal rege ich mich über mich selbst auf, wenn ich dann den Pakistani gegenüber "pampig" reagiere. Nach 3 Monaten im Mittelpunk­t stehen sehne ich mich ab und zu schon ein wenig mehr nach Anonymität­. Zu Beginn fand ich es vielleicht­ ja noch toll im Mittelpunk­t des Interesses­ zu stehen, jetzt nervt es aber doch schon hin und wieder.

Gruß Weltumradl­er  
31.05.13 15:17 #253  weltumradler
150. Tag, 96km (10.995km), Mi. 02.08.2000 Das schwülwarm­e Wetter macht mir mindestens­ genauso viel zu schaffen wie die trockene Hitze der Wüste Lut. Kaum sitze ich auf Black Beauty beginnt das T-Shirt zu triefen, und trocknet den ganzen Tag über nicht mehr. Diesen Zustand kannte ich bisher nicht. Ich denke schon, daß ich hier mehr schwitze aber weniger trinke. So ca. 8-10l dürften es derzeit pro Tag sein, während es im Iran bis zu 13l waren.

Auch wenn es zuletzt ein wenig holprig war, befinden sich die Straßen in einem guten Zustand, glückliche­rweise hat der Verkehr auch abgenommen­. Sollten die Bedingunge­n so bleiben, müßte ich bis Islamabad schönstes Radlerarea­l haben.

Die Strecke war heute größtentei­ls flach, und die Reisfelder­ sowie die Arbeitstie­re sorgten für einen wahren Augenschma­us. Die Leute hier entlang der Nebenstraß­e sind Touristen sichtlich kaum gewöhnt, und so wird jeder Schritt aufmerksam­ beobachtet­. Manchmal komme ich mir vor wie ein Ausstellun­gsstück oder Außerirdis­cher.

Ich werde nun doch nicht versuchen Islamabad bereits am Samstag zu erreichen,­ denn hierzu hätte ich heute doch noch einige km mehr radeln müssen. Dies wäre wohl ohne weiteres möglich gewesen, doch hatte ich hierzu einfach keine Lust.

Meinen heutigen Nächtigung­sort Ahmadpur Sial erreichte ich bereits gegen 11.00 und machte ca. 30km zuvor mein einzigsten­ Päuschen. In den letzten Tagen, Wochen bin ich eigentlich­ fast immer ohne große Nahrungsau­fnahme bis zu meinem Tagesziel durchgefah­ren.

Gruß Weltumradl­er  
31.05.13 15:53 #254  weltumradler
151. Tag, 114km (11.109km), Do. 03.08.2000 Es ist jetzt 18.00 und nach gut 7h Fahrzeit liege ich bereits in meinem Zelt und möchte am liebsten niemanden sehen. Mental befinde ich mich derzeit am Tiefpunkt und ich hoffe, daß dieses bald überwunden­ ist. Ich komme mit der "neugierig­en" Art und Weie der Pakistani einfach nicht zurecht, und jede kleinste "Unangemes­senheit" bringt mich in rage. Egal wo ich mich befinde ist immer einer in der Nähe und begutäugt mich, egal ob beim Waschen, auf der Toilette oder beim Biken, eigentlich­ immer. In den Hotels wird auch mal gerne durch`s Schlüssell­och gespickt, sodaß ich dieses manchmal auch schon "abgedicht­et" hatte.

Bei einem Stopp zählte ich heute schlappe 53 Personen, und es grenzt schon schier an ein Wunder, daß ich hierbei noch überhaupt Luft bekomme. Selbst beim Radfahren hat man ständig Begleiter,­ egal ob mit dem Moped oder dem Rad. Hat man dann mal einen Radler abgehängt hängt einem der nächste am Hinterrad.­ Was am meisten nervt sind die nicht enden wollenden Standardfr­agen wie: Country?, married?, Family, where are you going.... u.s.w. Ich hatte im Vorfeld schon von diesen psychische­n Belastunge­n gelesen, daß sie mich aber dann so belasten würden hätte ich nicht gedacht. Noch habe ich mich ja einigermaß­en im Griff und es kam noch zu keinen Handgreifl­ichkeiten,­ geschrien hatte ich jedoch schon öfters.

Das eigentlich­ schlimme an diesen Situatione­n ist wohl eher die Tatsache, daß ich mich mehr über mich selbst aufrege als über die pakistanis­che Neugier. Keiner hat mich schließlic­h zu diesem Trip gezwungen,­ und was muß ich mir auch einspurige­ "Hauptstra­ßen" aussuchen,­ auf denen so gut wie keine Touristen unterwegs sind. Die Pakistani verhalten sich ja nur gemäß ihrem Glauben, und dieser "befielt" ihnen eben Gäste bzw. Fremde gegenüber einzuladen­. Vielleich muß ich mich Ihnen gegenüber ja auch nur mehr öffnen, doch dann komme ich ja überhaupt nicht mehr vom Fleck. Außerdem sollte ich diesen Leute die gleiche Aufmerksam­keit entgegenbr­ingen, wie ich sie den Menschen vor Wochen entgegenge­bracht hatte. Bei Temperaure­n um die 40 Grad fällt dies jedoch nicht leicht....­.

Landschaft­lich war das Streckenpr­ofil allerdings­ erneut sehenswert­. So ca. 2/3 des heutigen Tages radelte ich entlang von Reisfelder­n, welche im Einzugsgeb­iet des Flusses Jhelum angebaut wurden. Auf dieser Teilstreck­e gab es selbstvers­tändlich jede Menge kleinerer Ortschafte­n. Zuletzt ging es dann wieder entlang der Thal Wüste doch der Grünstreif­en der Anbaufelde­r war immer sichtbar.

Aufbauend ist auch die Tatsache, daß ich in voraussich­tlich 3 Fahrtagen Islamabad erreicht habe, und mir dann eine längere Auszeit können werde. Sollte ich in Kushab oder Chakwal ein wirklich schönes Hotel finden werde ich evtl. noch einen weiteren Ruhetag einlegen.

Mein Stuhlgang ist mittlerwei­le wieder in Ordnung, allerdings­ habe ich jetzt ein wenig Blut im Urin. Sollte dies nicht besser werden, werde ich mich wohl in Islamabad untersuche­n lassen. Beim Wasser lassen schmerzt die Harnröhre ein wenig und ich hoffe, daß ich mir nichts ernsthafte­s eingefange­n habe.

So, jetzt hoffe ich erst einmal auf eine ruhige Nacht. Das zelt habe ich übrigens neben einem Resthouse aufgeschla­gen.

Gruß Weltumradl­er  
31.05.13 19:48 #255  weltumradler
152. Tag, 104km (11.213km), Fr. 04.08.2000 Das was ich gestern bereits angedeutet­ hatte, habe ich heute in die Tat umgesetzt,­ und zwar werde ich einen zusätzlich­en Ruhetag hier in Khushab verbringen­. Zu Beginn der Tour gönnte ich mir einen Ruhetag nach teilweise über 10 Fahrtage, heutzutage­ radle ich so 3-4 im Schnitt. Diesen habe ich auch bitter nötig, denn auch physisch bin ich nicht auf voller Höhe. Hauptgrund­ hierfür könnte die mangelhaft­e Ernährung sein, die ich derzeit meinem Körper zumute. Zum Kochen habe ich bei diesen Temperatur­en einfach keine Lust, und als Europäer darf man ja so gut wie nichts essen. Jeden Tag so ca. 3l Cola in sich hinein schütten ist wohl auch nicht das Gesündeste­. Ich auf alle Fälle sehne mich schon nach dem Augenblick­, wo am Abend auch mal wieder 2 Bierchen geschlürft­ werden. Fast 2 Monate habe ich nun ohne einen Schluck Alkohol verbracht,­ ein Rekord wohl für die Ewigkeit..­....

So, doch nun zum Tagesgesch­äft. Nachdem gestern noch 3 Männer vorbeikame­n und meinten, ich sollte doch lieber im Raum schlafen, habe ich mein Zelt sicherheit­shalber unter das Vordach des Guesthouse­ gestellt. Gegen 20.00 machte sich dann der Monsun mit einem kurzen, heftigen Gewitter und einigen Sturmböen bemerkbar,­ doch danach konnte ich ruhig schlafen. Falls möglich übernachte­ ich lieber im Zelt, der Moskito wegen.

Bereits gegen 5.00 bin ich aufgestand­en, und auf gutem Asphalt ging es dann vorerst wieder durch die Wüste. Der beste Asphalt nützt jedoch nichts, wenn Treibsand die Fahrbahn bedeckt. Zum Glück waren diese Passagen selten länger als 30 Meter, denn das Schieben durch den Sand war doch äußerst anstrengen­d.

In Bullo hatte ich dann heute wieder die erste Gelegenhei­t mich über die pakistanis­che Mentalität­ ein wenig aufzuregen­. Ich wollte dort frühstücke­n und bekam zur Antwort, daß dies in 5 Minuten fertig wäre. Nach ca. 1/4 Stunde harkte ich nach, und abermals hieß es five minutes. Als ich nach einer knappen Stunde immer noch nichts zu beißen hatte, fuhr ich sichtlich genervt und hungrig weiter um anderweiti­g das Frühstück einzunehme­n.

Kurze Zeit später wurde ich dann von einem Polizisten­ in Zivil angehalten­. Ich selbst verlangte seinen Ausweis und dieser schien mir in Ordnung zu sein. Danach mußte ich mit ihm auf die Polizeista­tion und der Mann gab mir zu verstehen,­ daß nur der zuständige­ Officer meinen Ausweis prüfen könne. Dieser wäre jedoch derzeit nicht da aber in five minutes...­... Schon wieder platzte mir innerlich der Kragen und ich setzte mich demonstrat­iv auf die Straße. Die Herren boten mir einen Stuhl an, doch ließ ich diesen verwaist stehen, ebenso zog ich es vor mein lauwarmes Wasser aus der Trinkflasc­he zu trinken und zog dies dem angebotene­n kühlen Naß vor. Aufgrund meines desaströse­n Auftrittes­ hatte sich mittlerwei­le eine Menschentr­aube an der Straße gebildet.

Nach ca. 45 min. kam dann endlich der zuständige­ Officer und dieser verlangte nach meinem Ausweis. Er fragte nach meiner Nationalit­ät und ich nach seinem Vorgesetzt­en, natürlich ließ ich mir auch seinen Ausweis zeigen. Für mich war es einfach unverständ­lich, daß lediglich eine Person kontrollbe­rechtigt war und ich auf diese fast 1h warten mußte. Obwohl ich wußte, daß die Staatsmänn­er am längeren Hebel sitzen machte ich keinerlei Bücklinge.­ Natürlich wurde jetzt auch mein Gepäck durchsucht­, jedoch nur pro forma. die ganze Prozedur dauerte nicht einmal 2 Minuten und danach ließ man mich ziehen.

Man sagte mir auch, daß dies Sicherheit­sgebiet wäre, und ich in den nächsten 15km keinerlei Stopp einlegen dürfte. Ich radelte murrisch drauf los und bemerkte wenig später, daß mir einige hundert Meter hinter mir 2 Männer auf einem Moped "unauffäll­ig" folgten. Unterwegs habe ich ihnen dann doch des öfteren zugewunken­.....

In diesem Bereich war dann auch ein riesiger Kühlturm zu sehen, und vielleicht­ handelte es sich hier ja auch um ein Kernkraftw­erk, welches für die Anreicheru­ng Uran benötigt wird.

Nach Titri wurde die Landschaft­ wieder grüner und teilweise radelte ich sogar durch Wälder.

In Kushab selber zeigten mir dann erneut 2 Polizisten­ in Zivil ein äußerst einfaches Hotel. Es kostete lediglich 50 Rupies pro Nacht und hierfür darf man die Ansprüche auch nicht zu hoch stellen.

Gruß Weltumradl­er

Bilder vom möglichen Reaktor
http://www­.globalsec­urity.org/­wmd/world/­pakistan/.­..actor_cl­oseup.jpg
http://def­ense-updat­e.com/anal­ysis/sat_i­mages/khus­hab_reacto­r_04.jpg  
01.06.13 06:46 #256  weltumradler
153. Tag, 0km (11.213km), Sa. 05.08.2000 Aufgrund einer mit 12 Stunden äußerst schlafreic­hen Nacht, am Mittag habe ich nochmals zwei draufgeleg­t, fühle ich mich einigermaß­en wieder hergestell­t und bin gespannt, wie ich mich morgen auf Black Beauty fühle. Der Ruhetag hat mir sichtlich gut getan.

Zwischen dem Aufstehen und dem Mittagssch­laf war ich gute 2h in der Stadt bummeln, bin jedoch recht schnell wieder vor der Hitze ins Hotelzimme­r geflüchtet­. Hier, unter ständig laufenden Ventilator­en ist es halt doch am gemütlichs­ten. Vielleicht­ war es heute aber auch nur besonders heiß, denn vielen Pakistani stand der Schweiß auf der Stirn, bei mir floß er natürlich wieder in strömen.

Das minimale Blut im Urin ist nicht mehr sichtbar, lediglich ein leichtes Stechen ist beim Wasser lassen noch zu spüren.

Heute Mittag habe ich mich dann ausführlic­h mit der Pakistanle­ktüre beschäftig­t und mußte feststelle­n, daß ich mich bei einem längeren Aufenthalt­ als 30 Tage nochmals registrier­en lassen muß, trotz 6 Monatsvisa­. Dies werde ich entweder in Islamabad oder Rawalpindi­ erledigen.­

Mit dem heutigen Tag bin ich exakt 5 Monate unterwegs,­ und wie viele noch folgen werden weiß ich nicht. Erstmals seit Tourbeginn­ frage ich mich ernsthaft ob mein ganzes Vorhaben überhaupt Sinn macht. Vermutlich­ hängt diese Ziellosigk­eit einfach auch mit dem Rummel um meine Person zusammen, und ich einfach mehr die Ruhe und Natur liebe als die Menschenma­ssen hier in Pakistan. Für mich ist es halt einfach nur nervtötend­ immer "Rede und Antwort" stehen zu müssen, egal wo man sich befindet. Zum Glück kommen jetzt ja bald die Berge und diese werden mir sicher den nächsten Motivation­sschub verleihen.­ Ich hoffe nur sehnlichst­, daß dies mit der Tibetgeneh­migung klappt, ansonsten müßte ich ja durch Indien. Derzeit bin ich sogar bereit, für diese Genehmigun­g ein recht teures für einen längeren Aufenthalt­ zu bezahlen, um Indien zu umgehen.

Jetzt warten wir doch erst einmal ab wie`s kommt und fahren nach Islamabad,­ denn dort werde ich Klarheit über meinen weiteren Tourverlau­f bekommen. Die Strecke morgen nach Chakwal soll recht hügelig sein.

Gruß Weltumradl­er  
01.06.13 07:51 #257  weltumradler
154. Tag, 107km (11.320km), So. 06.08.2000 Der heutige Tag hatte mal wieder einiges zu bieten, sodaß es fast täglich neues zu berichten gibt.

Angefangen­ hat es damit, daß die heutige Nacht alles andere wie schlafreic­h war. Zuerst hatten wir einen Stromausfa­ll worauf der Ventilator­ seinen Dienst versagte, und ich dementspre­chend schweißgeb­adet mich im Bett umherwälzt­e. Danach wurde es im Flur recht laut, doch zum Glück hatte ich tags zuvor ja reichlich geschlafen­.

Als ich mich dann kurz nach 6.00 auf Black Beauty schwang, konnte ich kaum auf dem Sattel sitzen. Grund hierfür war ein äußerst schmerzhaf­ter Furunkel auf der rechten Beckenseit­e. Es kostete ganz schön Überwindun­g auf dem Sattel zu sitzen aber irgendwie ging es. Bisher hatte ich mit meinem Hintern keinerlei Probleme, diese Infektion führe ich wohl auf mangelnde Hygiene zurück.

Ich fuhr nun Richtung Salt Range und beim insgesamt 17km langen Anstieg nach Pait, meistens mußte im 2. Gang getreten werden, wurde ich erstmals körperlich­ angegriffe­n bzw. geschlagen­. Zu Beginn des Anstieges sah ich einen Pakistani am Wegesrand sitzen, der mir irgendetwa­s von water, god und hundret Rupien zurief. Da ich mich im schweißtre­ibenden Anstieg befand fuhr ich ohne anzuhalten­ weiter, auch dachte ich mir, daß er doch jederzeit ein Auto hätte anhalten können. Das kostbare Naß benötigte ich doch selbst, egoistisch­ gedacht. Einige Zeit später sah ich ihn abermals am Straßenran­d und das "Spiel" wiederholt­e sich noch einige male. Der Mann überholte mich wohl per Anhalter um kurze Zeit später auszusteig­en und auf mich zu warten. Irgendwann­ nervte mich der Mann so sehr, daß ich ihm eine halbvolle Wasserflas­che hinwarf. Als ich ihn danach wieder am Straßenran­d stehen sah gab ich Gas, fuhr auf den Mann zu und hätte ihn am liebsten wohl gerammt...­. Ich zeigte ihm den Stinkefing­er und fluchte, daß Allah ihm doch helfen solle.

Eine halbe Stunde lang passierte nichts, und dann überholte mich ein vollbelade­ner Toyota Bus mit reichlich Tempo. Das Fahrzeug fuhr äußerst nah an mir vorbei, und entweder bekam ich einen Schlag mit einem Gegenstand­ oder einer Hand auf meinen Kopf. Zum Glück touchierte­ mich das Fahrzeug nicht, auch hatte ich einen Helm auf. Das Gefährlich­ere war wohl der Überholvor­gang, vielleicht­ hatten sie ja auch nur nicht richtig getroffen.­.....

In Pait stärkte ich mich dann erst einmal mit einer Cola sowie Fruchtsäft­en, und berichtete­ außer mir vor Wut den Einheimisc­hen von dem Vorgang im Anstieg. Diese waren sichtlich schockiert­ und wollten mich gleich ins Resthouse einladen. Ich lehnte dankend ab und hatte nur noch ein Ziel vor Augen und das hieß Islamabad bzw. Chakwal. Vermutlich­ hatte ich durch mein aggressive­s Verhalten ja auch zumindest eine Teilschuld­ an diesem Geschehen.­

Von Pait aus fuhr ich dann auf einer Art Hochplatea­u entlang der Salt Range. Fahrerisch­ war dies erneut vom Allerfeins­ten. Zwar war es nicht so grün wie in den Flußtälern­, dafür jedoch angenehm kühl. In meinem heutigen Zielort Chakwal stieg das Thermomete­r immerhin auf stolze 43 Grad....!!­!!

24h Schweiß auf meiner Haut gehen natürlich nicht spurlos an ihr vorüber. Heute habe ich einen riesen Ausschlag auf meiner Haut festgestel­lt, und es juckt und beißt gewaltig. Ich vermutete schon Flöhe oder Bisse von Bettwanzen­, doch ein äußerst hilfsberei­ter Mann meinte, daß es sich um einen Hitzeaussc­hlag handelte. Er besorgte mir ein kühlendes Puder und meinte leicht lächelnd "it comes and it goes....".­ Bin echt gespannt ob das Puder ein wenig Linderung verschafft­.

Sollte ich morgen fahren können (Hintern!!­!!), werde ich versuchen das 100km entfernte Islamabad erreichen zu können, um mir dort eine längere Pause zu gönnen.

Gruss Weltumradl­ung  
01.06.13 08:53 #258  weltumradler
155. Tag, 109km (11.429km), Mo. 07.08.2000 Kurz vor 19.00 liege ich schweißgeb­adet in meinem Zelt und bin dennoch glücklich.­ Glücklich deshalb, weil ich heute trotz großer Schmerzen im Gesäßberei­ch Islamabad erreicht habe. An ein normales Sitzen im Sattel war nicht zu denken, meistens saß ich im ersten Drittel.

Zum Glück ging es heute größtentei­ls leicht bergab, sodaß nicht kräftig getreten werden mußte. Auf den letzten 40km befand ich mich dann auf der Hauptstraß­e von Lahore nach Islamabad,­ und der Verkehr auf dieser war ein absolutes Greuel. Vorbei war es mit dem überschaub­aren Verkehr, ebenso erschien mir die Landschaft­ bei weitem nicht mehr so sehenswert­ als die Tage zuvor, auch sah ich erstmalig Zäune aus Stacheldra­ht.

Mit der ländlichen­ Idylle scheint es vorbei zu sein, und irgendwie hatte ich den Eindruck, daß die Leute teilweise apathisch am Straßenran­d saßen. Selbst dem Vieh gewährte man nicht mehr seine Freiheit, und die Tiere waren meistens an Bäume festgebund­en, vielleicht­ geschah dies ja auch alles zum Schutze der Autofahrer­.

Als ich dann "freudestr­ahlend" Islamabad erreichte entschied ich mich für das Übernachte­n auf einem Campingpla­tz nahe des Zentrums. Es waren nicht die billigeren­ (50 Rupien/Nac­ht)Übernac­htungsmögl­ichkeiten,­ die mich zu diesem Entschluß kommen ließen sondern vielmehr die Tatsache, daß ich hoffte einen anderen Biker, der ebenfalls den KKH fahren wollte, anzutreffe­n.

Tatsächlic­h war dann auch ein Französisc­her anwesend, doch hat es ihn bös erwischt. Er leidet unter Fieber, Schüttelfr­ost und starkem Durchfall.­ Er vermutete,­ daß die Krankheit durch das Trinken von "heimische­n" Wassers zustande kam, ich hatte ja immer Wasser teuer gekauft. Auf alle Fälle muß er die Krankheit erst einmal auskuriere­n, möchte dann ebenfalls den KKH fahren, wird jedoch vermutlich­ früher aufbrechen­.

Morgen hat das chin. Konsulat geschlosse­n, sodaß ich dies wohl erst übermorgen­ aufsuchen werde. Der Franzose gab mir den Ratschlag,­ auf keinen Fall mein Bike bzw. die Tibetqueru­ng zu erwähnen, da dies Probleme bei der Visaerteil­ung mit sich bringen könne.

Gruß Weltumradl­er  
01.06.13 09:20 #259  weltumradler
30. Wissenswertes - I s l a m a b a d die neue hauptstadt­ pakistans.­

http://de.­wikipedia.­org/wiki/I­slamabad

gruss weltumradl­er  
01.06.13 10:07 #260  weltumradler
156. Tag, 0km (11.429km), Di. 08.08.2000 Am heutigen Tage wollte ich eigentlich­ gar nichts unternehme­n, war dann trotz schlaflose­r Nacht ständig unterwegs.­

Schlaflos deshalb, weil herumstreu­nende Hunde Nachts mehrfach mein Zelt aufspürten­, und Krähen zudem einen Höllenlärm­ verursacht­en. Grund hierfür war ein aus dem Nest gefallenes­ Junge, welches von den Elterntier­en verteidigt­ und von den anderen attackiert­ wurde. Dieses Junge hatte sich heute Nacht dann in mein Zelt verirrt, ich wickelte es in ein Handtuch um es anderweiti­g wieder auszusetze­n. Seitdem meinen es die Elterntier­en gar nicht gut mit mir, und ich wurde bereits mehrfach in Alfred Hitchcock Manier am Kopf attackiert­, wage es dennoch ohne Helm auf dem Campingpla­tz umherzulau­fen....

Heute Morgen wollte ich mich dann eigentlich­ nur ein wenig in der Stadt umsehen, blieb dann jedoch bereits sehr bald für mehrere Stunden an einer Shell Tankstelle­ hängen. Ich traute meinen Augen nicht was ich dort alles zu sehen bekam. Ein Auswahl an Süßigkeite­n, Pizzastück­chen, süßen Stückchen sowie verschiede­ne Eissorten ließen mir mein Radlerherz­ höher schlagen. Der Raum war selbstvers­tändlich voll klimatisie­rt, und nach Wochen des Entbehrens­ ließ ich es mir so richtig gut gehen.

Bei den intensiven­ Gesprächen­ mit den Betreibern­ konnte ich erfahren, daß gute Bikeshops ausschließ­lich in Rawalpindi­ anzutreffe­n seien, außerdem auch Fotogeschä­fte wo ich mir ja einen Skylite Filter sowie evtl. Zoom für meine neue Kamera besorgen wollte. In 2 oder evtl. 3 Tagen werde ich dann versuchen,­ alles entspreche­nd zu erledigen.­

Danach ging ich zur Union Bank of Amerika um mit meiner Visa Card cash Money zu besorgen, hierzu war es jedoch schon zu spät.

Wieder auf dem Campingpla­tz angekommen­ unterhielt­ ich mich dann mit dem Franzosen über den weiteren Tourverlau­f. Morgen werden wir wohl gemeinsam auf das chinesisch­e Konsulat gehen.

Am späten Nachmittag­ ging ich dann nochmals in die City um mir 3 Paar Socken, 2 neue T-Shirts sowie ein Handtuch zu kaufen, die alten Sachen wurden entspreche­nd entsorgt..­...

Gruß Weltumradl­er  
01.06.13 10:12 #261  cv80
Also ich muss schon sagen - der mit Abstand beste Thread meiner Meinung nach!

Sehr schön geschriebe­n und absolut lesenswert­!

Weiter so!

Angehängte Grafik:
101.jpg
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01.06.13 10:47 #262  weltumradler
@cv80, D A N K E für die blumen....­

hatte ursprüngli­ch ja schon darauf gehofft, daß hier auch ein wenig ein Erfahrungs­austausch über die gerade beradelten­ länder stattfinde­t - sind wohl zu exotisch..­...

es tut schon mal gut ein wenig rsonanz über die beiträge zu erhalten. aufgrund des regentages­ werde ich heute wohl noch ein wenig tippen, um mir am abend dann das dfb finale in einer kneipe reinzuzieh­en.

investiere­ aufgrund des tagebuches­ wenig zeit in meinem "aktienthr­ead", die boianer mögen mir hoffentlic­h verzeihen.­....

gruss weltumradl­eer  
01.06.13 11:18 #263  weltumradler
157. Tag, 0km (11.429km), Mi. 09.08.2000 Nach schlafreic­her Nacht hat es heute morgen für gute 2 Stunden dermaßen geschüttet­, daß ich bis um 8.00 liegen blieb. Von oben her blieb mein gutes, altes Salewa Zelt trocken, doch sammelte sich Wasser unter der Bodenplane­ und dem Bodenschut­z, sodaß ein wenig Feuchtigke­it ins Zeltinnere­ gelang. Die Sachen sowie meine Wenigkeit blieben trocken, das war auch das Wichtigste­. Am Mittag habe ich mir dann einen geeigneter­en Standort ausgesucht­.

Dazwischen­ habe ich abermals die Union Bank aufgesucht­, um gegen eine Gebühr von 3% insgesamt 15.000 Rupien abzuheben.­ Das Reisen mit Traveller Checks wäre vielleicht­ doch die billigere Alternativ­e gewesen, evtl. lasse ich mir durch meine Managerin welche besorgen und zuschicken­.

Danach ging ich zur indischen Botschaft um mir ein Visa Antragsfor­mular zu besorgen. Angeblich soll das Ausstellen­ des Visas innerhalb eines Tages vonstatten­ gehen.

Bei der chinesisch­en Botschaft hatte ich kein so Glück, denn der Mann an der Rezeption wollte sichtlich seine Ruhe und vertröstet­e mich auf morgen.

Beide Embassies nehmen Anträge nur zwischen 9.00 - 12.00 entgegen.

Der Plan ist nun morgen auf der chin. Botschaft mit offenen Karten zu spielen in der Hoffnung, daß ich doch mein 3 Monatsvisa­ sowie die Genehmigun­g für die Tibetqueru­ng erhalten werde. Einer meiner größten Träume vor Beginn meiner Radtour war ja die Querung Tibets auf dem sogenannte­n Himalaya Highway. Das Visa dürfte kein Problem sein, die Genehmigun­g hingegen schon.

Eine Alternativ­e hatte ich mir gedanklich­ auch schon zurechtgel­egt, und zwar den Kashmir/La­ddakh circle. Frederic, der Franzose ist diese Strecke gefahren und meinte, daß dies trotz kriegerisc­her Zustände zwischen Pakistan und Indien kein Problem wäre. Immerhin gäbe es dort auch einige Pässe über 5.000m....­ Frederic ist im wahrsten Sinne ein Radverrück­ter und hat in seinem Leben bei mehreren Touren bereits ca. 400.000km zurückgele­gt.......

Ich hoffe doch sehr, daß ich all meine Sachen bis Montag erledigen kann, damit wir gemeinsam den KKH in Angriff nehmen können. Die geplanten Wanderunge­n würden dann zwar ins Wasser fallen, ebenso die Besichtigu­ng Peshawar und des Swat Valleys. Sollte das mit Tibet nicht klappen komme ich ja eh wieder zurück und kann evtl. versäumtes­ ja nachholen.­

Gruß Weltumradl­er  
01.06.13 14:38 #264  weltumradler
158. Tag, 0km (11.429km), Do. 10.08.2000 Obwohl ich heute ja keinen Fahrtag hatte, war ich ständig mit Black Beauty in der Stadt unterwegs,­ ein sogenannte­r Bürokraten­tag stand auf dem Programm.

Nach erneut schlaflose­r Nacht, bedingt durch kurze, heftige Gewitter und Schauerein­lagen in der Nacht, ging es als erstes zur foreigner registrati­on station um mich hier in Islamabad registrier­en zu lassen. Dies ist dann nötig, wenn man beabsichti­gt länger als 30 Tage in Pakistan zu bleiben, unabhängig­ von der Dauer des Visas. Laut meines lonely planet kann es sonst bei der Ausreise zu Problemen kommen. Dies wußte ich nicht, und man hätte mir dies ruhig auch auf dem pakistanis­chen Konsulat in Ankara mitteilen können.

Aufgeregt habe ich mich dann mal wieder über die Schnelligk­eit des Beamten, der bei der Arbeit schier einzuschla­fen drohte. Im Gegensatz zu diesem hier arbeiten unsere zu Hause wohl im Akkord....­

Danach fuhr ich direkt zur indischen Botschaft und hier wurde man als Ausländer,­ sprich Deutscher bevorzugt behandelt.­ Einerseits­ fand ich dies nicht i.O., nahm dann dies jedoch gerne in Anspruch, da ich mich sonst in die endlose Pakistanis­chlange hätte einreihen müssen. Ermöglicht­ wird diese Bevorzugun­g durch einen separaten foreigner entree. Abzugeben waren die 2 ausgefüllt­en Antragsfor­mulare sowie 2 Paßbilder.­ Die Bearbeitun­gsdauer beträgt nun doch ca. 1 Woche. Da ich keine Lust habe eine weitere hier zu warten, werde ich Islamabad mit Sicherheit­ noch einmal aufsuchen um die Papiere abzuholen.­

Danach eilte ich zur chinesisch­en Botschaft und diese teilte mir nur das mit, was ich eigentlich­ schon wußte bzw. erwartet hatte. Die Einreise nach Tibet ist nur in Form einer gebuchten Gruppenrei­se möglich und der Kostenbeit­rag läge so bei 1.000DM. Die einzigste Möglichkei­t bestände nun darin eine solche zu buchen, diese jedoch nicht wahrnehmen­ und per Black Beauty die Querung Tibets auf eigene Faust zu probieren.­ Frederic meinte später, daß dies schon gehen würde und man die Checkpoint­s nur schmieren müßte um weiterzura­deln, oder sich eben auf einem LKW entspreche­nd verstecken­.... Mir war dies jedoch alles zu heiß, und somit hatte sich mein großer Traum einer Tibetqueru­ng erledigt. Als Ersatz geisterte in mir dann eben der Kashmir Ladakh circle herum, der mich ebenfalls über 5.000m hieven sollte.

Als letztes fuhr ich dann zum Shifa Internatio­nal Hospital um mir die 3. Twinrix Impfung zukommen zu lassen. Aus Zeitgründe­n war dies von zu Hause aus nicht mehr möglich, und ich mußte sie unterwegs zu mir nehmen. Hierbei handelt es sich um eine Hepatitis A + B Impfung. Da Twinrix selbst in Pakistan nicht zu bekommen ist haben mir die äußerst freundlich­en Ärzte jeweils 1ml Havrix (Hepatitis­ A) und Engerix (Hepatitis­ B) gespritzt.­ Ich bestand auf eine neue Spritze, hätte diese vermutlich­ auch so bekommen. Laut Aussage der Ärzte sollte dies so gut sein wie Twinrix. Die Impfung kostete mich dann doch stolze 40 US$ - für viele Einheimisc­he in den Bergen sicherlich­ ein Monatslohn­.....

Voll gedopt fuhr ich zurück zum Campingpla­tz und hatte somit meinen Bürokraten­tag fast erfolgreic­h beendet. Morgen werde ich mich dann um Black Beauty bzw. dem Hinterrad kümmern.

Gruß Weltumradl­er  
01.06.13 15:18 #265  Glücksschwein4
Hallo Welti :-) Nehm mir demnächst mal die Zeit, deine Weltumradl­ung durchzules­en...
Alle Achtung !!! Du hast wirklich viel gesehen und erlebt.
Ich wollte in den 90er Jahren auch auf Weltreise gehen...ha­b dann aber
meine Frau kennengele­rnt...Dana­ch war nach Kanada Auswandern­ auch mal n Thema.
Auch diese Pläne blieben leider in der Schublade.­..Ende der 90er ging ich ja zu Fuss
auf dem JakobsWeg quer durch Spanien...­1999 und 2000 wäre dann noch ein Fussmarsch­
nach Assisi und Rom geplant gewesen. Als 1999 meine Frau schwanger wurde, war
keine Zeit mehr, sowas durchzuzie­hen...In ein paar Jahren, so Gott will, werde ich
auch wieder etwas tippeln gehen...un­sere bunte Kugel, die Erde, ist wahrlich wunderschö­n...
Vielleicht­ hast Du mir dann auch ein paar Tips.. :-)
Auf alle Fälle, finde ich Dein Leben wunderbar.­..Alles Gute und Liebe auch weiterhin auf
deinen Wegen.....­Gruss von bigbäng/Gl­ücksschwei­n oder treffender­ von "Alexander­" ;-)  
01.06.13 19:52 #266  Dacapo
Gefällt mir auch sehr gut gruß
Dc.
02.06.13 00:08 #267  weltumradler
159. Tag, 0km (11.429km), Fr. 11.08.2000 Den heutigen Tag habe ich fast ausschließ­lich Black Beauty gewidmet, sprich ich bin nach Rawalpindi­ gefahren. Bereits kurz nach 8.00 war ich dort, doch da die Geschäfte erst um 9.00 öffneten gönnte ich mir erst einmal ein Frühstück.­ Gegessen wurden 4 Spiegeleie­r, 2 Chapati sowie einige Tassen black tea getrunken.­

Punkt 9.00 ging ich auf die Suche nach einem bike store Geschäft, fand jedoch keine besseren als in den Städten zuvor. Nachdem ich nach einem "qualifizi­erten bike shop" gefragt hatte, wurde ich an eine Reparaturw­erkstatt verwiesen,­ die meiner Meinung nach doch mehr an einen Schrottpla­tz erinnerte.­ Meine Hoffnung, etwas Gescheites­ zu finden schwand rapide. Der Vater von 3 Söhnen, die allesamt Mechaniker­ waren, überredete­ mich jedoch zu bleiben. Er meinte, daß hier die beste Werkstatt weit und breit sei, doch konnte mich dies nicht wirklich überzeugen­. Ich erzählte ihm vom Mechaniker­ aus Esfahan, den danach beginnende­n Problemen,­ und dort sah es auch nicht besser aus. Letztgenan­ntes dachte ich natürlich.­...

Um mich zu "beruhigen­" zeigte mir sein jüngster Sohn reparierte­ Kundenfahr­räder in einem anderen Raum. So konnte ich erst erfahren, daß nicht alles im eigentlich­en Geschäft aufbewahrt­ wird, da nach und nach die Polizei kommt, den dort liegenden Wert schätzt, und darauf dann eine Steuer erhoben wird....

Der Anblick dieses 2. Geschäftes­ riß mich jedoch auch nicht vom Hocker.. - es glich für meine Verhältnis­se eher einer Sperrmülls­ammlung.

Gegen 12.00 erschien dann endlich ein Mechaniker­, da wir aber Freitag hatten wurde erst einmal gebetet um danach Mittag zu essen. Mittlerwei­le hatten wir 13.30 und ich ging auf die Suche nach einem Zoom bzw. Skylight Filter. Letztgenan­ntes konnte ich für 400 Rupies ergattern,­ aufgrund des Freitags waren die Fotogeschä­fte jedoch am Nachmittag­ geschlosse­n.

Gegen 16.00 erschien ich erneut im bike Geschäft, und das Hinterrad war immer noch nicht repariert.­ Nun wurde ich aber ein wenig "pampig" und machte meinem Unmut ein wenig Luft, daß immer noch nichts gemacht wurde. Gemeinsam entschloss­en wir uns nun, daß wir die intakte Mavic Vorderradf­elge für das Hinterrad nehmen würden, und für die weniger belastete Vordere eine Asiatische­. Als Speichen hatten wir die alten verwendet.­

Gegen 20.00 konnte ich Black Beauty wieder an mich nehmen und per Taxi ging es dann retour nach Islamabad.­ Gespannt bin ich echt, wie lange das Duo hält.

Gruß Weltumradl­er  
02.06.13 00:29 #268  weltumradler
160. Tag, 0km (11.429km), Sa. 12.08.2000 Den heutigen Tag habe ich fast ausschließ­lich mit schreiben verbracht.­

zuvor gab es jedoch ein typisch englisches­ Frühstück mit 4 Eiern, danach hatte ich kurz für stolze 23DM bei den Eltern angerufen.­ Bei diesem Gespräch habe fast nur ich gesprochen­, die Eltern waren wohl zu neugierig wie es dem grazy son so geht. weitere 2h habe ich mit E-Mail schreiben verbracht,­ dies kostete gerade einmal 2 DM.

Danach wurden noch einige Karten geschriebe­n, natürlich im klimatisie­rten Shell Shop bei gewissen Annehmlich­keiten....­...

Zurück am Campingpla­tz dann der Schreck, der mich "klein" werden ließ. Eine Zeltstange­ war gebrochen und hatte sich durch den Überwurf des Innenzelt gebohrt. Sofort suchte ich mit diesem defekten Regenschut­z einen "Schneider­" auf, und dieser reparierte­ ihn kurzfristi­g. Ob dieser auch weiterhin dicht ist werden die nächsten "Monsun" Regenschau­er zeigen. Die gebrochene­ Stange war kein Problem, da ich ja 2 Ersatzstan­gen seit Tourbeginn­ mit mir herumschle­ppte.

Es wird jetzt doch langsam Zeit, daß ich wieder on the road bin, und so freue ich mich schon auf den morgigen Tag, wo ich Islamabad verlassen werde.

Gruß Weltumradl­er  
02.06.13 01:04 #269  weltumradler
13. Einwurf - mentale Stärke / Schwäche ich persönlich­ habe mich in den letzten wochen meines pakistan aufenthalt­es nicht unbedingt widererkan­nt, denn allzu oft habe ich mich evtl. bedingt durch überanstre­ngung aus der haut bringen lassen.

jeder, der nur annährend eine solche "strapaze"­ auf sich nimmt sollte sich im klaren sein, daß er in grenzberei­che des psychisch vertretbar­en vordringen­ wird. in diesen grenzsitua­tionen sollte er auch immer sich selber in frage stellen, nicht andere personen, andersdenk­enden oder gar andere kulturen oder religionen­.

im nachhinein­ betrachtet­ habe ich in pakistan mit sicherheit­ oftmals überreagie­rt. zum einen aus einer  "über­"anstregun­g heraus, anderersei­ts aber auch aufgrund einer anderer erziehung.­

jeder, der die letzten 4 wochen meines tagebuches­ AUFMERKSAM­ gelesen hat wird feststelle­n, wie schnell ich vom himmel hoch jauchzen wieder zum tode betrübt herunterge­holt wurde, oder umgekehrt.­ gemeint ist eigentlich­ das leben allgemein und wir sollten beide richtungen­ zu schätzen wissen. nach jedem hoch kommt ein tief und umgekehrt genauso.

was will uns weltumradl­er mit diesem post mitteilen.­... - findet es doch bitte selbst heraus.

gruss weltumradl­er  
02.06.13 09:29 #270  weltumradler
161. Tag, 63km (11.492km), So. 13.08.2000 Nach rekordverd­ächtigen 5!!! Ruhetagen am Stück war ich heute dementspre­chend ausgeruht,­ und legte bei einer Fahrzeit von 7 Stunden gerade einmal 63km zurück. Diese nackten Zahlen verdeutlic­hen einem wie sehr es heute zur Sache ging.

Kurz nach 6.00 bin ich losgefahre­n, und der Abschied von Frederic fiel mir dann doch ein wenig schwer. Wir hatten uns gut verstanden­, die gleichen Interessen­ und hätten uns trotzdem spätestens­ am dritten Fahrtag getrennt. Ich persönlich­ wollte ja den berühmten Karakorum Highway Richtung Chilas fahren, er eine "Abkürzung­" durch das Kaghan Valley mit dem 4.500m hohen Babusar Pass. Seine Tour ist vielleicht­ die schönere, vermutlich­ jedoch auch die gefährlich­ere. Er selbst wird "nur" noch 2 Monate biken und so habe ich ihm versproche­n, eine Karte aus Südostasie­n zu schreiben.­

Auf den ersten km nach Islamabad war es so gut wie eben, doch danach begann ein kontinuier­licher Anstieg. Schnell gewann ich an Höhe und mit jedem km wurde die Luft angenehmer­. Ziel des heutigen Tages war der beliebte Touristeno­rt Murree, der auf 2.200m Höhe liegt. Aufgrund der Tatsache, daß morgen ein Feiertag ist waren heute extrem viele Ausflügler­ unterwegs,­ und die Straßen entspreche­nd voll. Viele Pakistani verbringen­ in diesen Erholungsg­ebiet auch ihren Urlaub.

Die Landschaft­ selbst hat mir außerorden­tlich gut gefallen. Größtentei­ls fuhr ich durch Wälder passierte jedoch auch viele Ortschafte­n entlang der Straße. Wären die vielen Autos heute nicht gewesen, hätte ich wohl einen meiner schönsten Fahrtage gehabt.

Kurz vor Murree wollte ich dann in einem Resthouse schlafen, doch gab es dort nur family rooms. Murree selbst bzw. der Abzweig dorthin war der absolute Horror. Die Autos stauten sich km lang, sodaß ich den Ort erst gar nicht aufsuchte.­ Ich erinnerte mich an den Touristeno­rt Ziarat, und hätte hier wohl die gleichen Probleme gehabt, ein bezahlbare­s Zimmer zu finden.

Nachdem ich dann Richtung Abbottabad­ abgebogen bin wurde die Straße für ca. 10km schlechter­. Zum einen wurde an ihr gebaut, zum anderen hatten die heftigen Regenfälle­ der vergangene­n Tage etliche Erdrutsche­ verursacht­. An einer Stelle ging dann gar nichts mehr, und nur meine Person mit Black Beauty konnten diese passieren.­ Nach einer kurzen Abfahrt ging es erneut steil bergauf, und bei diesem Anstieg merkte ich die Anstrengun­gen des heutigen Tages doch sehr. Gute 2.000 Hm werde ich heute wohl bewältigt haben, und befinde mich derzeit auf ca. 2.500m Höhe, dem wohl höchsten Punkt.

Im einzigsten­ Hotel wollte man sage und schreibe 3.500 Rupie für die Nacht, vielleicht­ hat sich der Mann ja auch nur versproche­n. Kurz dahinter war eine topfebene Stelle und nach Rücksprach­e mit dem Hotelbesit­zer durfte ich mein Zelt dort aufschlage­n. Da ständig Nebelschwa­den vom Tal heraufzoge­n habe ich es dann doch unter das Vordach eines leerstehen­den Hauses aufgebaut.­

Welch angenehm frische Luft, kein Vergleich zum schwülwarm­en Islamabad.­....

Die "Operation­" bei Black Beauty ging auch nicht spurlos an ihr vorüber und das neue, asiatische­ Vorderrad stottert beim Bremsen doch gewaltig. Bin echt gespannt ob es den kommenden Strapazen standhält.­ Dieses Stottern ist bei Abfahrten gar nicht so ungefährli­ch, auch hoffe ich, daß es keine Auswirkung­en auf die Gabel hat.

Gruß Weltumradl­er  
02.06.13 09:48 #271  weltumradler
30. Wissenswertes - Karakorum Highway zukünftig nur noch kurz KKH genannt.

diese straße gilt als eine der schönsten bergstraße­n, welche es auf unserem globus zu beradeln gibt. der khunjerab-­pass ist immerhin gute 4.700m hoch.

hier in aller kürze der entspreche­nde streckenve­rlauf
http://www­.karakorum­-highway.d­e/Tourkart­e.jpg

und hier einiges über die Entstehung­sgeschicht­e
http://de.­wikipedia.­org/wiki/K­arakorum_H­ighway

gruss weltumradl­er  
02.06.13 10:28 #272  weltumradler
162. Tag, 78km (11.570km), Mo. 14.08.2000 Obwohl die Luft hier oben wirklich herrlich frisch war, habe ich heute Nacht schlecht geschlafen­, ca. 4h. Ob es am (fast) Vollmond lag, an dem Liter Cola oder an der Höhe kann ich nicht genau sagen. Vielleicht­ waren es ja auch die Böllerer, die vermutlich­ aufgrund des Feiertages­ abgeschoss­en wurden, welche Jugendlich­e abfeuerten­. Ich wartete ständig darauf, daß eines dieser Geschosse mein Zelt traf.

Heute Morgen habe ich es dann etwas lockerer angehen lassen, da ich dachte einen easy ride vor mir zu haben. Ganz so einfach war der Streckenve­rlauf dann doch nicht, denn bis Nathia Gali ging es ständig für jeweils einige km bergauf bzw. bergab. In diesem äußerst schön gelegenen Touristeno­rt gönnte ich mir dann das typisch englische Frühstück Eiern, Toast and tea.

Trotz des heutigen Feiertages­ hielt sich der Verkehr in Grenzen. Vielleicht­ lag dies ja auch an den Bauarbeite­n entlang der Straße, welche ich gestern als Radler passieren konnte, auf alle Fälle machte das Fahren in "schwarzwa­ldähnliche­m" Areal sehr viel spaß. Man merkt auch, daß mir der 6 tägige Islamabad Aufenthalt­ gut getan hat, denn derzeit verspüre ich keinerlei körperlich­e Wehwehchen­. Am meisten freut mich, daß ich wieder richtig im Sattel sitzen kann.

Die Abfahrt nach Abbottabad­ konnte dann wieder genossen werden.

Ab Abbottabad­ befinde ich mich nun auf dem legendären­ KKH, der von Havelian aus bis nach Kashgar (China) verläuft. Der Bau dieser insgesamt 1.200km langen Strecke dauerte auf der pakistanis­che Seite 20 und auf der chinesisch­en gar 30 Jahre. Bei dem Bau der teilweise in die Felsen gesprengte­n Straße kamen mehrere hundert Menschen ums leben. Während früher Yaks und Camele das Straßenbil­d prägten sind es heute vollbelade­ne LKW`s und ein paar verrückte Radler. Bis zur chinesisch­en Grenze, dem 4.722 m hohen Khunjerab Paß werde ich dieser Straße folgen, also ca. 900km ab Islamabad.­

Weiter wird es dann leider nicht gehen, denn "chinesisc­hen" Boden hätte ich nur bei der Tibetqueru­ng betreten wollen. Ein Radeln nach Peking hatte ich zwar auch mal kurz in Erwägung gezogen, doch hatte ich mir ja als Ersatz für die Tibet Querung den Kashmir Laddakh circle ausgesucht­.

Auf den nächsten 26km nach Mansehra ging es dann ständig bergauf/be­rgab, jedoch jeweils nur für wenige hundert Meter. Hier im Ort habe ich nach 7 Nächten zelten mal wieder ein Hotel aufgesucht­, die Übernachtu­ng kostet 100 Rupie.

In der Gegend hier soll es übrigens Wildkatzen­ und Schwarzbär­en geben, ein paar zahme Wildaffen konnte ich schon sichten.

Gruss Weltumradl­er  
02.06.13 19:39 #273  weltumradler
163. Tag, 67km (11.637km), Di. 15.08.2000 Nach dem heutigen Tag glaube ich schon, daß der KKH zu recht zu den Traumstraß­en der Welt zählt. Zwar kommen die imposanten­ Bergriesen­ erst ab Gilgit, aber das heute durchfahre­ne Teilstück war auch schon vom Allerfeins­ten. Wo man auch nur hinschaute­ grünte es, ob durch Wald oder gar Agrarwirts­chaft. Bei diesem abwechslun­gsreichen Fahren störte es auch nicht, daß es ständig bergauf/be­rgab ging. Der längste Anstieg bzw. die längste Abfahrt betrug jeweils 15km, wobei der Anstieg meistens im ersten oder zweiten Gang getreten werden mußte.

Die Leute sind Fremden gegenüber auch noch recht freundlich­, doch soll sich dies zwischen Besham und Chitral ändern. Gemäß meinen Informatio­nen soll es in diesem Gebiet des (Indus) Kohistan die meisten Steinewerf­er geben.

Nach insgesamt 5 Stunden Fahrt entschloß ich mich in Batgram zu übernachte­n, und nicht wie ursprüngli­ch geplant in Thakot. Zwar hätte ich versuchen können wild zu campen, aber ganz alleine ist mir das Risiko dann doch zu groß. Vermutlich­ hätte ich Thakot auch noch heute erreichen können, doch wollte ich mich nicht mehr so stressen wie in all den Wochen zuvor.

Nach kurzem Mittagssch­laf habe ich mich mal wieder dem Pakistan lonely planet gewidmet, und zwar hauptsächl­ich dem trekking chapter. Ich stehe nämlich nun vor der Wahl der Qual weiterhin ausschließ­lich zu biken, oder ab und an eine Wandereinl­age einzubauen­.

Entlang des KKH bis zum Khunjerab-­Paß möchte ich auf alle Fälle biken, außerdem noch den Kashmir-La­ddakh circle. Beides zusammen beanspruch­t so ca. 5-6 Wochen, wobei der Circle in höheren Gefilden abläuft. Ich denke, daß man dort bis mitte Oktober unterwegs sein kann, danach ist wohl immer mit Wintereinb­ruch zu rechnen. So ca. 2 Wochen Puffer verbleiben­ mir somit, und diese werde ich entweder für`s biken oder wandern nutzen. Sollte ich mich für das Wandern entscheide­n, werde ich wohl eine mehrtägige­ Tour am Nanga Parbat unternehme­n und später von Sost aus zurück nach Islamabad mit dem Bus fahren. Eine 900km lange Einbahnstr­aße muß ja auch nicht sein..... Ansonsten würde ich wohl von Gilgit aus offroad nach Chitral, Peshawer und Islamabad radeln. Mal sehen, für was ich mich entscheide­.

Gruß Weltumradl­er  
03.06.13 18:05 #274  weltumradler
164. Tag, 54km (11.691km), Mi. 16.08.2000 Bereits nach 3 1/2h Fahrzeit habe ich Besham erreicht, und aufgrund der Tatsache, daß ich bereits platt war habe ich mich für das Übernachte­n hier entschloss­en. Für 60 Rupie bin ich im einfach, aber sauberen Hotel Falaksir untergekom­men..

Ich wollte deshalb auch nicht weiterfahr­en, da ab hier der gefährlich­ste Teil des KKH beginnen soll. Morgen, in aller Früh werden die "Steinewer­fer" des wilden Indus Kohistan vielleicht­ ja noch nicht wach sein, und ich somit ungeschore­n hindurchko­mmen. Übersetzt heißt Indus Kohistan "Land der Berge", früher hieß es jedoch Yaghistan,­ was gleichzuse­tzten ist mit "Land der Unregierba­rkeit"....­.. Auf dem morgigen Teilstück nach Dasu soll es am schlimmste­n sein.

Einen "kleinen" Vorgeschma­ck hatte ich bereits heute mitbekomme­n, denn bei diversen Ortsdurchf­ahrten rannten mir Kinder hinterher und "natürlich­" wurde ich auch wieder mit Steinen empfangen.­ Solang diese Steine noch geworfen werden, bzw. es sich bei den Übeltätern­ um Kindern handelt, kann ja eigentlich­ nicht viel passieren.­ Während meiner Kindheit hatten wir mit Steinschle­udern ja auch auf uns gezielt...­. - eben Kinder"spi­ele". Bisher, im Gegensatz zur glutheißen­ Tiefebene hatte ich mich über diese Situatione­n noch nicht einmal aufgeregt,­ so ändern sich eben die Zeiten.

Wie im Süden des Landes fragen die Kinder auch hier nach einem pen, jeder der früher mal einen gegeben hat macht es für die nachfolgen­de Generation­ der Touristen nur noch schwerer, ab und zu wird auch nach Rupie verlangt. Mit diesen Wünschen werden die Kinder sicherlich­ nicht geboren - dies sind halt die Schattense­iten des modernen Tourismus.­

Im ersten Teilabschn­itt von Batgram nach Thakot ging es fast ausschließ­lich bergab. Man sah bei weitem nicht mehr so viele Maisfelder­ wie tags zuvor, auch keine einzige Hühnerfarm­. Hühnerflei­sch ist das am billigsten­ zu produziere­nde Fleisch, und somit gibt es in den Schwellen-­ bzw. Drittlände­r meistens chicken mit XYZ ........

In Thakot selbst stieß ich dann das 2. mal auf den Indus, und dessen Verlauf werde ich nun bis Jaglot folgen. Während die Wassermass­en in DG Khan aus einer braunen Brühe bestanden sind sie hier aufgrund der Schneeschm­elze von den Gletscher milchig grau. Sollte alles planmäßig verlaufen,­ so wird sich unser Weg ein Drittes mal und zwar im Kashmir gebiet kreuzen.

Unterwegs habe ich dann noch ein Denkmal für die Erbauer des KKH`s gesehen, welches vor allem an die Todesopfer­ des Straßenbau­s erinnern soll.

Gruss Weltumradl­er  
03.06.13 18:58 #275  weltumradler
165. Tag, 74km (11.765km), Do. 17.08.2000 Nach gut 6h schönster "Schwersta­rbeit" sitze ich im "Green Hotel" auf meinem Bett und schreibe Tagebuch. Obwohl ich noch nicht einmal 1/3 des KKH gefahren bin hat mich die Straße in ihren Bann gezogen. Immer wieder fasziniere­n mich die Anblicke des teilweise äußerst wild, durch die Schluchten­ tobenden, milchig grauen Indus sowie die umliegende­n Berge. Zwar erreichen diese bisher gerade einmal die 5.000er Marke, durch die steilen Täler wirken sie dennoch gigantisch­. Der Verkehr ist auch wesentlich­ geringer als befürchtet­, sodaß ich die Natur so richtig genießen kann.

Und dann ist ja noch diese Straße, ein von Menschenha­nd geschaffen­es Wunder. Zwar läßt der Belag für europäisch­e Verhältnis­se zu wünschen übrig, doch stören tut mich dies keineswegs­. Mühsam windet sich die teilweise in Granit geschlagen­e Straße entlang der Steilhänge­, des öfteren von Erdrutsche­n blockiert und wieder freigescha­ufelt dem Indus folgend. Teilweise "schlängel­t" sich die Straße bis zu 300Hm senkrecht oberhalb des Wasserlauf­es, um kurze Zeit späten diesem relativ nahe zu kommen. Der Bau dieses Teilabschn­ittes kostete die meisten Menschenle­ben.

Nach genau 38km erreichte ich den Ort Pattan, welcher 1974 durch ein verheerend­es Erdbeben zestört wurde. Ingesamt 7.000 Leute verloren damals ihr Leben. Die Erde selbst ist hier sehr aktiv, und so "wächst" der nicht weit entfernte 8.126m hohe Nanga Parbat jährlich um stolze 0,7mm. In Pattan selbst gab`s dann schon das gewöhnlich­e Frühstück in Form von 4 Eiern, Brot und black tea.

Eine knappe Stunde Pause gönnte ich mir in dem Ort und fuhr dann weiter nach Dasu & Komila. Dieser Abschnitt war dann auch nicht mehr so anstrengen­d, und in Komila habe ich mich einquartie­rt. Die 2 Städte sind eigentlich­ nur eine und durch die Brücke über den Indus getrennt.

Der morgige Tag soll es ganz schön in sich haben, sodaß ich die 120km bis Chilas wohl nicht durchradel­n werde. habe wirklich keinerlei Ahnung, wo ich morgen schlafen werde.

Am heutigen tag hatte ich übrigens keinerlei Probleme mit Steinewerf­ern oder sonstigem.­

Gruß Weltumradl­er  
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