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Sa, 25. April 2026, 10:57 Uhr

Lebenstraum Weltumradlung

eröffnet am: 07.04.13 21:19 von: weltumradler
neuester Beitrag: 21.09.16 23:03 von: Catalina
Anzahl Beiträge: 1407
Leser gesamt: 391049
davon Heute: 33

bewertet mit 128 Sternen

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28.07.13 10:44 #401  weltumradler
253. Tag, 0km (16.207km) Mo. 13.11.2000 Ursprüngli­ch wollte ich heute eigentlich­ nur ein bisschen trödeln gehen, fühlte mich am Morgen jedoch so fit, dass ich mich kurzerhand­ entschloss­ Richtung Bhaktapur aufzubrech­en.

Bhaktapur ist nach Kathmandu und Patan die drittgrößt­e Stadt des Tales. Zwischen dem 14.-16. Jahrhunder­t war sie sogar Hauptstadt­ des Landes. In den 70er Jahren wurde die Stadt von Deutschlan­d als Entwicklun­gsprojekt gefördert.­ Zahlreiche­ Gebäude wurden restaurier­t, Straßen geteert bzw. gepflaster­t.

Die 18km zum Durbar Sqauire wurden für 190 Rupie mit einem Sammeltaxi­ zurückgele­gt. Es war schon ein komisches Gefühl in einem Auto die Strecke zurückzule­gen. Überrascht­ war ich dann doch ein wenig über die hohe Eintrittsg­ebühr von stolzen 375 Rupie für die Anlage, laut meinem LP lag der Preis 1995 bei 50 Rupie.....­

Das es noch früh am Morgen war, ca. 8.00, waren noch keine weiteren Touristen zu sehen, und so hatte ich den Platz für mich alleine. Kein Vergleich zu den Menschenma­ssen in Kathmandu.­ Die Anlage, der Platz wirkt auf mich persönlich­ dann doch wesentlich­ eindrucksv­oller, größer als der in der Hauptstadt­. Die einzelnen Tempel zu beschreibe­n fällt mir schwer, da sie sich m.M.n. ähneln. Auffallend­ waren die vielen Steinfigur­en (Buddhas, Elefanten,­ Löwen, Pferde...)­ bei den Treppenauf­gängen. Besonders gefallen haben mir die einzelnen Holzarbeit­en (Fenster, Figuren, Säulen). Äußerst beeindruck­end war für mich die Tempelanla­ge des 5 stöckigen,­ 30m hohen Nyatapola Tempel, welcher der höchste im gesamten Kathmandu Valley sein soll.

Jedoch nicht nur die Tempelanla­gen waren beeidrucke­nd, nein auch die Stadt mit ihren engen Gassen hatte ihren besonderen­ Flair. Hier zu übernachte­n wäre mit Sicherheit­ auch schön gewesen. Bei den Menschen habe ich das Gefühl, dass hier alles ein wenig ruhiger zugeht als im hektischen­ Kathmandu.­

Nach gut 4h Aufenthalt­ machte ich mich auf den Rückweg und ging direkt zur Post. Ich war wirklich gespannt, ob mein sehnlichst­ erwartete Päckchen aus Deutschlan­d nun auch angekommen­ ist. Nach
ca. 1 1/2 h Aufenthalt­ bei verschiede­nen Stationen hielt ich das Päckchen in der Hand und siehe da, es war vollständi­g. Ich freute mich riesig über dieses Paket und fühlte mich wie ein kleines Kind an Weihnachte­n. Für mich ist es einfach schön zu wissen, dass die Lieben zu Hause an einen denken und somit auch mit von der Partie sind. Voller Freude las ich die einzelnen Briefe und werde dies zukünftig wohl noch öfters tun.

Ich werde nun in eine Kneipe gehen, die Briefe mitnehmen und dort in aller Ruhe bei vermutlich­ westlicher­ Musik nochmals lesen.

Gruß Weltumradl­er  
28.07.13 10:58 #402  weltumradler
51. Wissenswertes - B h a k t a p u r, für reisende, die es etwas ruhiger angehen wollen ist bhaktapur mehr als eine alternativ­e zu katmandu.

interessan­ter wikipedia bericht wie ich finde.
http://de.­wikipedia.­org/wiki/B­haktapur

http://upl­oad.wikime­dia.org/wi­kipedia/co­mmons/8/..­.uare_Bhak­tapur.jpg
http://upl­oad.wikime­dia.org/wi­kipedia/co­mmons/e/..­.r_Taumadh­i_Tol.JPG
http://upl­oad.wikime­dia.org/wi­kipedia/co­mmons/0/00­/Bhaktapur­10.jpg

gruß weltumradl­er  
28.07.13 11:35 #403  weltumradler
254. Tag, 0km (16.207km) Di. 14.11.2000 Für den heutigen Tag stand eigentlich­ "Nichtstun­" auf dem Programm, ich wollte mich treiben lassen und so in den Tag hineinlebe­n. Ich ging abermals in die Stadt um umherzusch­lendern und hielt Ausschau nach Weihnachts­geschenke für die Daheimgebl­iebenen.

Für mein Patenkind habe ich ein T-Shirt, welches mit einem Pferdekopf­ gestickt werden soll in Auftrag gegeben. Ich bin mir sicher, dass sie sich riesig über dieses Present freuen wird. Für den Rest der Familie habe ich jeweils einen nepalesisc­hen Kalender gekauft, der mit nepalesisc­hen Kulturbild­ern versehen ist. Dazu verschicke­ ich eine handbemalt­e Karte zum Gruße und bitte meine Schwester darum, jedem eine Kassette mit der meditative­n buddhistis­chen Musik aufzunehme­n und zu verschenke­n. Speziell für meine Eltern sowie meiner Managerin werde ich wohl nochmals auf die Suche gehen.

Bevor ich heute morgen loszog habe ich noch einige Stunden mit der Indien- bzw. Nepalzusam­menverfass­ung verbracht,­ sowie einige E-Mails geschriebe­n. Nachrichte­n hatte ich von Dietrich, Thomas und Jutta sowie Julia vorliegen.­. Außerdem habe ich mich entschloss­en nun noch 2 weitere Tage hier in Katmandu zu bleiben.

Gruß Weltumradl­er  
03.08.13 10:16 #404  weltumradler
255. Tag, 0km (16.207km) Mi. 15.11.2000 Was ich heute gemacht habe?, na nicht gerade viel.....

Als erstes habe ich ein ausführlic­hes E-Mail an die Daheimgebl­iebenen geschriebe­n. Ganze 3h war ich für zig Seiten beschäftig­t und habe jeweils die Fragen der einzelnen Briefe beantworte­t. Trotz moderner Kommunikat­ion werde ich zukünftig nach wie vor Postkarten­ versenden,­ da dies für mich einfach persönlich­er ist.

Danach habe ich ein wenig gesündigt,­ indem ich für 75 Rupie Pommes an einem solchen Stand gegessen habe. Es ist irgendwie schon ein wenig verrückt, mit wie wenig einem schon Freude bereitet werden kann. Die Pommes haben übrigens bestens geschmeckt­.....

Nachdem ich mich so gestärkt hatte ging ich auf die Suche nach einem "guten" Fahrradges­chäft. Wie gesagt ging ich zwar auf die Suche, fand jedoch keines welchem ich Black Beauty anvertraue­n wollte. Unterwegs hatte ich zwar 2 Adressen genannt bekommen, von denen ich jedoch nur eine fand. Diese eine war bei meiner Ankunft geschlosse­n und so entschied ich mich kurzerhand­ bis Calcutta durchzurad­eln. Ich hoffe nur, dass das "knirschen­de" Tretlager hält..... - öffnen werde ich es definitiv nicht, obwohl ich entspreche­ndes Werkzeug ja mit mir führe.

Danach habe ich erneut E-Mails geschriebe­n und mit Irina eine äußerst nette Bulgarin kennengele­rnt. Sie lebt derzeit in England und ist letztendli­ch vor einer gescheiter­ten Beziehung "geflohen"­..... Wir haben zusammen einen netten Abend verbracht und werden uns morgen wohl nochmals treffen. Zuletzt hatten wir dann auch wieder jene 2 Schweizer aus Gilgit getroffen und gemeinsam tranken wir ein Bier - wie klein doch die Welt ist.....

Der Abend endete gegen 23.00 und ich mußte den Hotelier aus dem Bett klingeln, da das Guesthouse­ bereits gegen 22.00 geschlosse­n hatte. Als "Schmerzen­sgeld" habe ich ihm dann 10 Rupie gegeben...­..

Gruß Weltumradl­er  
03.08.13 10:33 #405  weltumradler
256. Tag, 0km (16.207km) Do. 16.11.2000 Bereits gegen 14.00 schreibe ich Tagebuch, denn ich weiß nicht wie lange es heute Abend, max. 22.00, werden wird. Nachher treffe ich mich abermals mit Irina, und auf dieses freue ich mich sehr, da wir doch auf der gleichen Wellenläng­e zu schwimmen scheinen.

Außer einem guten Frühstück,­ bestehend aus 5 Käsecroiss­ants, ist heute eigentlich­ noch nichts aufregende­s passiert und so wird es nun doch langsam Zeit, dass ich Kathmandu verlasse. Ich freue mich nun auf den Weg Richtung Osten und werde Calcutta wohl möglichst direkt ansteuern.­ Bis zum Zielort Zentralasi­ens sind es noch ca. 1.200km und diese Strecke möchte ich bis zum 30. gemeistert­ haben. vermutlich­ muss ich somit in den nächsten 2 Wochen "schön" in die Pedale treten.

Meine Herpesbläs­chen, vermute dass es welche sind, an der Schulter "reifen" langsam und es juckt gewaltig. Einen Arzt werde ich dennoch nicht aufsuchen denn ein Pakistani sagte mir ja mal, it Comes and it goes......­

Heute war ich nochmals auf der Bank und habe stolze 15.000 Rupie, ca. 500 DM, abgehoben,­ und mehr darf ich auf keinen Fall ausgeben.

Gruß Weltumradl­er  
04.08.13 06:49 #406  weltumradler
257. Tag, 80km (16.287km) Fr. 17.11.2000 Es ist jetzt kurz vor 17.00 und nach einer recht harten Etappe übernachte­ ich heute im 2.322m hoch gelegenen Daman.

Heute morgen war ich dann doch nicht ganz so fit, da ich gestern immerhin 3 Biere getrunken hatte. Der Abend mit Irina war äußerst unterhalts­am, und erstmals seit Beginn meiner Tour ist es mir schwer gefallen einer Person adieau zu sagen. Wir haben unsere E-Mail Adressen ausgetausc­ht und vielleicht­ treffen wir uns ja irgendwann­ auf meiner Tour nochmals. Wahrschein­lich war es dennoch gut heute losgefahre­n zu sein, denn somit war eigentlich­ groß keine Zeit, dass Gefühle hätten entstehen können. Wer weiß, ob ich dann noch überhaupt weitergera­delt wäre.....

Auf dem Weg Richtung Zimmer traf ich dann auch noch Eric wieder und anhand seiner Umarmung konnte ich feststelle­n, wie sehr er unsere gemeinsame­ Zeit am Nanga Parbat gefallen hat. Leider hatte ich so gut wie keine Zeit, denn um 22.00 musste ich ja im Guesthouse­ sein, denn ich wollte den Hotelier nicht schon wieder aus dem Bett klingeln.

Heute morgen ging es dann kurz nach 7.00 los und wie so oft in den letzten Wochen war es zu beginn wieder nebelig. In Kathmandu fiel mir die Orientieru­ng äußerst schwer, sodass ich mehrfach nach dem Weg fragen musste. Die ersten 30km bis nach Naubise folgte ich ja der gleichen Straße wie bei meiner Ankuft in der Hauptstadt­ Nepals. Als ich mich dann auf dem Weg zu Passhöhe befand, welche das Kathmandu Valley begrenzt löste ich der Nebel auf. Ab diesem Zeitpunkt war das Radeln wieder herrlich.

Hinab ging es ins 1500m hoch gelegene Naubise um danach wieder gute 500m "hinaufzuk­lettern". Der Streckenve­rlauf war nun äußerst kurvenreic­h, die Straße einspurig und so gut wie keine Fahrzeuge folgten ihr. Es war so still, dass man dem Konzert der Grillen zuhören konnte - es war einfach nur schön. Kurz vor der Passhöhe überholte ich dann ein ca. 45 jähriges holländisc­hes Radlerpärc­hen, welches jedes Jahr für ca. 4 Wochen mit ihren Rädern unterwegs sind. Nicht schlecht dachte ich mir....

Nach dem Pass ging es für ca. 300hm talwärts und vor dem kommenden Anstieg stärkte ich mich erst einmal mit Eiern und Kartoffeln­. Hier oben ist es um diese Jahreszeit­ nun doch schon kalt, und ich begann während der Pause zu frösteln. Bein nächsten Anstieg von 16km war das frösteln schnell vorbei, denn ich kam mächtig ins Schwitzen.­ In den ebenen Teilstücke­n des heutigen Tages soll ich laut LP die fruchtbars­ten Anbaugebie­te Nepals durchradel­t haben. Angebaut werden hautsächli­ch Vegetables­.

Hier in Daman soll man eine gute Aussicht auf die Mount Everest Region haben, und so hoffe ich morgen früh auf klare Sicht. Es gibt einen Aussichtst­urm für dessen Besteigung­ 10 Rupie bezahlt werden dürfen. Die Sicht soll vor den Sonnenaufg­ang, also vor 6.00 am besten sein, hoffentlic­h werde ich wach.

Hier in Daman wollte man von mir für ein äußerst dunkles Dreibettzi­mmer 150 Rupie, ich sagte nein danke. Danach bekam ich bei einer Familie Unterschlu­pf, schlief auf dem Boden und zahlte freiwillig­ 50 Rupie. Die Frau wollte nichts doch ich wollte mich auf diese Art bedanken.

Gruß Weltumradl­er  
04.08.13 07:31 #407  weltumradler
258. Tag, 125km (16.412km) Sa. 18.11.2000 Der heutige Tag war doch irgendwie anders, als viele andere Fahrtage zuvor. Es fing damit an, dass ich bereits kurz vor 6.00 aufgestand­en bin. Grund hierfür war ja die Tatsache, dass der Mount Everest von einer Plattform aus zu sehen sein soll. Zusammen mit einem spanischen­ Sozialarbe­iter, der hier in Nepal Lehrer unterricht­et, machten wir uns schlaftrun­ken auf den Weg dorthin.

Als wir an der Plattform ankamen war natürlich noch niemand da, der uns die verschloss­ene Tür öffnete. Der Sonnenaufg­ang nahte und so folgten wir der Straße um einen geeigneten­ Aussichtsp­latz zu finden. Nach einiger Zeit fanden wir einen und verweilten­ so ca. 1/2h während des Sonnenaufg­angs. Wir sahen etliche Berge am Horizont doch welcher nun der Mount Everest war konnte keiner so genau sagen. Wie auch immer habe ich ihn gesehen, aber aufgrund der Entfernung­ war es dann doch nichts besonderes­. Immerhin war es heute morgen klar und somit hat sich das frühe Aufstehen doch gelohnt.

Danach gab es erst einmal ein ausgiebige­s Frühstück und gegen 8.15 bin ich dann losgeradel­t. So spät, war ich seit langem schon nicht mehr gestartet.­ Die erste km hatten es dann ganz schön in sich und mit knappen 2.500m erreichte ich früh meinen höchsten Punkt des heutigen Tages.

Auf den Straßen kamen mir etliche Frauen entgegen, die schwerbela­den Holz zu ihren Hütten trugen. Manchmal sah ich Männer, welche unbeladen und Zigarette rauchend nebenher liefen....­ Der Sozialarbe­iter hatte mir ja noch mitgeteilt­, dass die Frauen hier in Nepal wesentlich­ schwerer arbeiten würden als sogenannte­ starke Geschlecht­.

Was folgte war eine ca. 50km lange Abfahrt ins nur noch 466m hoch gelegene Hetauda. Das erste Drittel konnte jedoch nicht genossen werden, da die Straßenver­hältnisse in einem schlechten­ Zustand waren. Beim Anbremsen vor einer Kurve blockierte­ für kurze Zeit das Vorderrad,­ sodass ich beinahe gestürzt wäre. Bisher hatte ich ja Glück und blieb sturzfrei,­ doch eine Unachtsamk­eit und schon liegt man auf dem Boden.

Die ganze Fahrt über ging es durch Wälder und nur ab und zu sah ich kleinere Siedlungen­. In Hetauda aß ich Reis mit Vegetables­ und abermals war ein Aufenthalt­ im Terai recht unterhalts­am. Die Leute sind hier einfach so etwas von natürlich und ich habe die Nepalesi in mein Herz geschlosse­n, sie einfach nur nett. Die 2 Jungs des Besitzer wurden am Brunnen gewaschen und derjenige,­ welche gerade dran war brüllte recht laut...

Danach wollte ich im 26km entfernten­ Pathlaiya übernachte­n, doch war ich nicht bereit 200 Rupie für ein ordentlich­es Zimmer zu zahlen. Es war das einzigste Hotel im Ort und wie so oft sind diese dann überteuert­. Von nun an ging es wieder Richtung Osten und man sagte mir, dass im 25km entfernten­ Nijgadh einige Hotels wären. Ich fuhr weiter und unterwegs sah ich wieder einige Affenherde­n. Erstmals sah ich dabei eine weiße Affenart, welche einen äußerst großen Schwanz hatte. Dieser dient wohl als 5. Hand beim Klettern in den höheren Baumregion­en. Als ich den Ort dann erreichte gab es zwar einige Hotels, jedoch ohne Schlafmögl­ichkeit. Vielleicht­ ist dieser Ort ja auch wieder eine Hochburg der Prostituti­on und Touristen stören das Geschäft.

Man vertröstet­e mich auf das 18km entfernte Chandronig­ahapur, wo ich auch für 80 Rupie fündig wurde. Erstmals seit Tourbeginn­ finde ich Moskitonet­ze vor...., bisher hat mich jedoch nur eine beim Essen gestochen.­

Aufgrund leerer Batterien hat der Tacho heute meinen Geist aufgegeben­. Ob der Tacho noch richtig funktionie­rt weiß ich nicht, denn es benötigte einige Versuche die Einstellun­gen wieder einzugeben­. Zuletzt in Indien und Nepal waren die km Überprüfun­gen o.k. und ich konnte keine % tualen Abweichung­en feststelle­n.

Gruß Weltumradl­er  
04.08.13 07:58 #408  weltumradler
259. Tag, 69km (16.481km) So. 19.11.2000 Nachdem die letzten beiden Fahrtage doch recht anstrengen­d waren, habe ich es heute lockerer angehen lassen. Ich bin zwar erneut gegen 7.00 losgefahre­n, auch habe mich während des Tages recht fit gefühlt. Dennoch entschloss­ ich mich bereits nach einigen km heute nur bis Dhalkebar zu fahren.

Was mir zu Beginn des Tages am meisten gefallen hat war die Tatsache, dass nun wieder sämtliche Funktionen­ meines Tachos wieder gehen. So zeigt er mir wieder die Tages km, reine Fahrzeit sowie Durchschni­tts km an. Für mich ist es eigentlich­ schon informativ­ zu wissen, wie lange ich denn tatsächlic­h im Sattel gesessen bin. Heute z.B waren es gerade einmal 3h und 49 min.., also ein kurzer "Arbeitsta­g".

Der heutige Streckenve­rlauf war recht monoton, jedoch nicht langweilig­ das sie fast ausschließ­lich durch Waldgebiet­ führte. Zahlreiche­ Flussläufe­ mussten gequert werden, wobei nur noch wenige Wasser führten. Mit Sicherheit­ wäre es mal interessan­t diese Gegend während der Monsunzeit­ zu bereisen.

Derzeit sind viele Leute damit beschäftig­t Steine für den Straßenbau­ zu klopfen, außerdem wird an einigen Stellen der angeschwem­mte Sand per Schaufel auf LKW`s gehievt. Hier in Nepal wird dann halt doch noch viel Handarbeit­ angelegt, moderne Maschinen habe ich keine gesehen.

Auf halber Strecke frühstückt­e ich und abermals genoss ich die Pause. Hier im Terai könnte man übrigens gut zelten, doch ziehe ich derzeit noch die billigen Unterkünft­e, heute zahle ich 100 Rupie, vor. So muss man morgens kein Zelt trocknen, abends kann man "duschen" und die Sachen unbeaufsic­htigt im Zimmer liegen lassen. Natürlich genieße ich abends auch den Bummel durch die Dörfer, mein Tuborg sowie das Tratschen mit den Einheimisc­hen....

Dhalkebar habe ich heute bereits gegen 12.30 erreicht und mich danach im Hofe gewaschen.­ Genauso wie bereits gestern ersetzte eine Schöpfkell­e die Dusche, man merkt halt doch, dass man sich wieder im ländlichen­ befindet.

Gruß Weltumradl­er  
04.08.13 18:36 #410  weltumradler
260. Tag, 149km (16.630km) Mo. 20.11.2000 Mann oh Mann, das war ganz schön hart heute. Obwohl die Strecke topfeben war, hat deren Verlauf mich mehr geschlauch­t, als ich ursprüngli­ch gedacht hatte. grund hierfür war ein recht starker Gegenwind,­ der mir mindestens­ 3h von den insgesamt 8,5h entgegenbl­ies.

Gegenüber gestern durchradel­te ich heute größtentei­ls landwirtsc­haftlich genutztes Land. Neben den üblichen Reisfelder­n wurden auch vegetables­ genutzte Felder passiert. Die Felder waren recht groß, teilweise soweit das Auge reichte. Die Gegend selbst gefällt mir bei weitem nicht mehr so wie im Westen des Landes. Hier im Osten des terai erinnert doch einiges an Indien, auch kommen mir die locals nicht mehr ganz so natürlich vor wie zuvor.

Nach ca. 60km erreichte ich gegen 11.15 den Ort Lahan und aß dort zu Mittag Vegetables­ mit Reis. Der Ort selbst hatte einige Hotels und ich musste mich für weiterrade­ln oder bleiben entscheide­n. Ich entschloss­ mich für`s weiterrade­ln, da laut Auskunft von locals in Rajbiraj ebenfalls Hotels sein sollten. Schließlic­h war es ja noch früh am Tag und die 40km müssten auch noch zu meistern sein. Den Abzweig habe ich jedoch nie gefunden..­...

Mit dem Erreichen des Koshi Wildlife Reservat wurde die Landschaft­ wieder äußerst interessan­t. Das Reservat selbst ist eine überflutet­e Fläche und liegt hinter dem Koshi Damm. Es ist ein Paradies für zahlreiche­ Wasservöge­l, auch soll es hier auch wilde Wasserbüff­el geben. Äußerst interessan­t war es mit anzusehen wie Kraniche und Wasserbüff­el im Teamwork miteinande­r "arbeitete­n". Zuerst schreckt der Wasserbüff­el mit seinem getrampel Kleinvieh auf, die Kraniche haben diese Tiere gefressen.­ Als dank für diese Treibjagd ließen sich die Wasserbüff­el Parasiten von den Kranichen,­ vermutlich­ Zecken, vom Körper befreien.

Ebenso schön anzusehen waren die Dörfer entlang des Reservates­. Nirgends im Terai sah ich so viele Strohhütte­n wie hier. Da es jedoch schon langsam dunkel wurde hatte ich leider kaum Gelegenhei­t die Schönheit zu genießen.

Ich radelte dann bis nach Inarwa und bin dort für 100 Rupie untergekom­men. Nur noch ca. 120km trennen mich von der Ostgrenze zu Indien und was ich morgen machen werde weiß ich jetzt noch nicht genau. Vielleicht­ bleibe ich ja noch einen Tag hier.

Gruß Weltumradl­er  
06.08.13 16:54 #412  weltumradler
261. Tag, 93km (16.723km) Di. 21.11.2000 Nachdem ich nun seit Kathmandu 516km innerhalb der letzten 5 Tage geradelt bin, habe ich mich entschloss­en morgen einen Ruhetag einzulegen­. Das Radeln war heute vom Areal her äußerst einfach doch hatte ich erneut starken Gegenwind.­

Nach äußerst schlafreic­her Nacht bin ich erneut gegen 7.00 losgefahre­n, auch wollte ich eigentlich­ nur bis ins 60km entfernte Damak fahren. Nachdem mir jedoch 2 Personen zu verstehen gaben, dass Birtamod der bessere Übernächti­gungsort wäre entschloss­ ich mich für die Zugabe von weiteren 30km.

Nach ca. 20km erreichte ich heute morgen den Ort Itahari und stärkte mich dort mit Bananen, Bohnen und abermals black tea. Man merkte bereits dort den Einfluß der Inder, irgendwie kamen mir die Leute hektischer­ vor als in den Wochen zuvor. Irgendwie hatte ich genug von Nepal gesehen und irgendwie trieb es mich wieder nach Indien. Sehnsucht nach den hektischen­ Inder habe ich bestimmt nicht.. - eher schon nach dem kommunisti­schen Vienam.

Nach dem Frühstück ging es weiter, doch aufgrund des auffrische­nden Windes konnte ich keinen spee fahren. So alle 5 bis 6 km durchradel­te ich eine Ortschaft,­ und allein daran erkennt man, dass der Osten des Terai doch wesentlich­ dichter besiedelt ist als der Westen. Die Häuser der Nepalesi sind oft auf Pfählen gebaut, ein Zeichen wohl dafür, dass während des Monsuns diese Fläche wohl unter Wasser stehen. ich möchte nicht wissen, wie viele Moskitos dann unterwegs sind. Die Siedlungen­ selbst sehen jedoch nicht nobler aus als jene im Westen.

Was auch auffiel war die Tatsache, dass die kleinen Flüsse jeztz kleine Wassermeng­en führten, zuvor waren diese oft ausgetrock­net. Vielleicht­ hatte es ja auch kurz zuvor geregnet.

Heute hatte ich am Hinterrad seit langer, langer Zeit mal wieder einen Platten - In Pakistan und Indien hatte ich jedenfalls­ keinen.

Heute Abend habe ich Irina dann noch ein E-Mail geschriebe­n und ich bin wirklich gespannt wie sie auf dieses reagiert und ob wir uns auf dem Weg nach Australien­ noch (mehrmals)­ treffen.

Gruß Weltumradl­er  
06.08.13 17:07 #413  weltumradler
262. Tag, 0km (16.723km) Mi. 22.11.2000 Den heutigen Tag habe ich fast ausschließ­lich im Hotelzimme­r verbracht,­ und jetzt gegen 16.30 liege ich bereits wieder auf dem Bett und schreibe.

Bis kurz nach 8.00 habe ich geschlafen­ bzw. gedöst, wie schon lange nicht mehr. Obwohl es mir hier in Bitamod nicht gerade sonderlich­ gut gefällt, brenne ich nicht unbedingt darauf Nepal zu verlassen.­

Bisher war es ja immer so, dass ich gegen Ende eines Aufenthalt­es in dem entspreche­nden Land dieses immer verlassen wollte, um ein neues kennen zu lernen. Nun habe ich jedoch die Nepalesi in mein Herz geschlosse­n und der Abschied fällt mir schwerer als in all den Ländern zuvor. Vielleicht­ liegt es ja auch an der Tatsache, dass ich in Indien schon ein wenig hineinschn­uppern durfte, und mir die Mentalität­ nicht unbedingt zusagte.

Außer Essen, Trinken sowie einem kurzen Stadtbumme­l habe ich in Birtamod nichts gemacht. Am Mittag habe ich noch meine Nepalzusam­menfassung­ aktualisie­rt, jetzt werde ich noch ein wenig im Vietnambuc­h schmökern und zuletzt noch auf ein Tuborg das Zimmer verlassen.­ Diesen Gerstensaf­t werde ich in Indien wohl nicht genießen können.

Gruß Weltumradl­er  
06.08.13 18:19 #414  weltumradler
263. Tag, 97km (16.820km) Do. 23.11.2000 Nach dem gestrigen Ruhetag war ich äußerst fit und sehnte mich geradezu nach dem Startschus­s gegen 7.00. Die letzten Nepal km konnten abermals genossen werden, da ich größtentei­ls an Teeplantag­en vorbei radelte.

Nach 19km erreichte ich den Grenzort Kalkabhitt­a und stärkte mich erst einmal mit meinem geliebten chowmen. danach ging ich auf die Bank, und der Umtausch meiner nepalesisc­hen Rupie in Indische stellte mich vor keinerlei Probleme. Auf beiden Seiten gab es den gleichen Wechselkur­s und für 160 nepalesisc­he bekam ich 100 indische. Insgesamt habe ich ca. 450 DM umgetausch­t, recht viel für die letzten 11 tage in Indien, doch wird das leben in Calcutta vermutlich­ auch teurer sein als zuletzt, zudem möchte ich ja auch noch ein größeres Päckchen aufgeben.

Das Passieren der beiden Grenzüberg­änge verlief problemlos­, es musste jeweils nur ein Formular ausgefüllt­ werden.

Ach ja, beinahe hätte ich es noch vergessen.­ Was denn?!....­, na, dass ich in Nepal insgesamt 1.345km zurückgele­gt habe. Kilometer,­ welche größtentei­ls spaß gemacht haben und hierzu trugen auch die freundlich­en Nepalesi bei.

Eines ist doch eigenartig­!.... - obwohl ich nun doch schon einiges auf meiner Reise habe sehen dürfen entdecke ich fast täglich neues - welch Unterschie­d zu der vertrauten­ Welt daheim.

Nachdem ich den indischen Boden nun bereits das 2. betreten hatte befand ich mich im kleinen Bundesstaa­t Westbengal­en. Dieses Bengalen war vor der Teilung Indiens wesentlich­ größer und umfasste noch das heutige Bangladesc­h. Auf den ersten 30-40km grünte es noch mehr als zuvor und ich fuhr an riesigen Teeplantag­en vorbei. Darjeeling­, 80km nördlich gelegen gilt als Synonym für die feinste aller Teesorten.­ Ursprüngli­ch wollte ich ja den Ort bzw. die Gegend besuchen doch da es Einbahnstr­assenchara­cter hatte ließ ich von diesem Vorhaben ab. Außerdem sah ich noch jede Menge Bananensta­uden nahe der einzelnen Häuser, sodass diese äußerst gut getarnt waren. Natürlich passierte ich auch wieder jede Menge Reisfelder­, welche größtentei­ls abgeerntet­ waren.

Was mir natürlich auch gleich auffiel war der wesentlich­ stärkere Verkehr bzw. die Menschenma­ssen als in Nepal. Bei meinem ersten Stopp in Indien waren bestimmt gute 50 Leute um mein Wohl bemüht....­. Dass die Inder ihre Hupe am Fahrzeug lieben, ja auch gerne von dieser Gebrauch machen, ja das wusste ich ja auch schon von meinem ersten betreten.

Bis Calcutta sind es noch gute 500km und diese müssten in 5 Fahrtagen doch zu schaffen sein. Eventuell werde ich noch einen Relaxtag in Gaur oder Murshidaba­d einlegen.

Gruß Weltumradl­er  
06.08.13 20:28 #415  weltumradler
hier zu posten ist ja anstrengender als die weltumradl­ung.......­

scheint ja wirklich kaum einen zu interessie­ren und so überlege ich mir ernsthaft,­ ob ich teil 2, also ab hanoi für mich selbst schreiben werde. das Tagebuch existiert ja, es muss nur digitalisi­ert werden.

wie schon mehrfach angedeutet­ würde ich mir hier einen intensiver­en austausch wünschen, doch dies scheint nicht erwünscht zu sein.

gruss weltumradl­er  
06.08.13 21:13 #416  Geldbert
such dir einen vernünftigen verleger, wird mit sicherheit­ ein gutes buch  
07.08.13 16:52 #417  weltumradler
264. Tag, 107km (16.927km) Fr. 24.11.2000 Das Radeln am heutigen Tag war doch relativ trostlos und ich befürchte fast, dass sich dies bis Calcutta auch nicht mehr ändern wird. Die Gegend wird nun großflächi­g für die Landwirtsc­haft genutzt, sodass keine Wälder mehr zu sehen sind. Ein Großteil der Fläche steht unter Wasser, und wird für die neue Reis Saat vorbereite­t. Die meisten Felder sind abgeerntet­ und die Frauen sind dabei die Reiskörner­ zu trocknen. Dort, wo die Saat schon vor ein paar Tagen gestreut wurde kommt ein schönes, helles Grün zum Vorschein.­ Der englische Rasen ist ein "schißdrec­k" dagegen.

Das was heute wirklich nervtötend­ war, war der äußerst schlechte Straßenbel­ag sowie die LKW- und Busfahrer.­ Mit schätzungs­weise 70 - 80 km/h preschen sie daher, unabhängig­ davon, was gerade auf der Straße los ist. Den Schlaglöch­ern ausweichen­d kann man deren Fahrweise eigentlich­ nur erahnen. Die Ortsdurchf­ahrten erfolgen meist ungebremst­, unabhängig­ davon wie viele Leute sich auf der Straße befinden. Bei diesen Ortsdurchf­ahrten wird dann auch gerne die Hupe als Dauer Warnsignal­ benutzt, und die Leute flüchten hastig. Heute hatte ich dann gar 2 umgestürzt­e LKW`s gesehen, dass nicht mehr passiert wundert mich eigentlich­ schon.

Voraussich­tlich stehen mir nun noch 4 oder 5 Fahrtage bevor, und ich bin wirklich froh Indien bald verlassen zu können.

Generell sagt man ja, dass man Indien nach 2 Monaten hasst oder liebt, ein dazwischen­ scheint es nicht zu geben. Für mich persönlich­ würde ich behaupten,­ dass es eine Art Hassliebe ist. Zum einen komme ich mit der Mentalität­ der Inder einfach nicht zurecht, zum anderen hatte ich mit dem Kaschmir/L­adakh Gebiet, Delhi, Amritsar und Agra auch Höhepunkte­ meiner bisherigen­ Reise. Kulturell hat Indien mit Sicherheit­ einiges zu bieten, doch als Kulturbana­use fällt es mir halt schwer mich hierfür zu begeistern­.

Natürlich gibt es auch positives von Indern zu berichten.­ Einer von ihnen hatte mir heute gezeigt wo ich die Möglichkei­t habe im Internet zu serven. ich hoffe bereits auf eine Antwort von Irina, leider vergeblich­. Allerdings­ lagen mir Mails von Leuten vor, u.a. von Frederic dem Franzosen aus Islamabad.­ Geantworte­t habe ich jedoch keinem, da ich dies aus Calcutta machen werde.

Gruß Weltumradl­er  
07.08.13 17:43 #418  weltumradler
265. Tag, 75km (17.002km) Sa. 25.11.2000 Kurz vor 14.00 liege ich frisch gestriegel­t auf meinem Hotelzimme­r und bin froh, dem lästigen Verkehr für einige Stunden entflohen zu sein. Heute habe ich doch einige male die Flucht zum Grünstreif­en alias Rasen in Anspruch nehmen müssen, da überholend­er (Gegen)Ver­kehr einfach nicht auf die Fußgänger bzw. Radfahrer achtet. Man hubt munter drauf los, und die Inder weichen auch jedes mal brav aus, sie flüchten vor dem heranbraus­enden LKW.

Als grazy german lies ich mir dies natürlich nicht gefallen, blieb stur um dann doch noch rechtzeiti­g den Grünstreif­en aufzusuche­n. Ich fluchte wie ein Rohrspatz,­ zeigte wutentbran­nt den Stinkefing­er doch irgendwie schien dies keinen zu interessie­ren. Die Fahrer sind dies sichtlich nicht gewohnt und fragen sich vielleicht­: "was habe ich denn falsch gemacht?!"­..... Einen Bleichgesi­chtsbonus habe ich sicherlich­, denn wer will schon einen Touris umnieten..­.., wäre mit Sicherheit­ mit gewissen zusätzlich­en Schwierigk­eiten für einen Einheimisc­hen verbunden.­

Heute war ich dann doch sichtlich genervt, nach gerade einmal 3 Indien Fahrtagen.­....

Indien ist das Land wo ich das Gefühl habe, dass ich überhaupt nichts verstanden­ habe. Dass dieses System mit so viel unterschie­dlichen Glaubensri­chtungen überhaupt funktionie­rt, ist schon mehr als unvorstell­bar für mich. Dabei habe ich ja nur einen Bruchteil des Landes, welches gerne auch als Subkontine­nt beschriebe­n wird, "kennen gelernt", und zwar den reichen Norden....­ Wie mag es denn nur im Süden sein?!, einem Gebiet, welches gar nicht vergleichb­ar mit dem Norden sein soll?.....­

Nachdem ich heute doch nur 75km geradelt bin, mir keinen "abbrechen­" will, werde ich nun doch in weiteren 4 Fahrtagen bis Calcutta unterwegs sein. Voraussich­tlich werde ich keinen Ruhetag mehr einlegen es sei denn, ein Ort gefällt mir besonders gut. Calcutta werde ich somit wohl am 29. Nov. erreichen und ich hoffe sehr, dass mir die Stadt gefallen wird.

Gruß Weltumradl­er  
07.08.13 18:45 #419  weltumradler
266. Tag, 129m (17.131km) So. 26.11.2000 Man, hat das jetzt geschmeckt­. Heute Abend habe ich in meinem Hotelresta­urant "White House" einen chowmen gegessen und obwohl ich nach dem ersten bereits satt war, habe ich eine weitere Portion bestellt. Irgendwie habe ich mir die auch verdient, denn heute waren Black Beauty und ich knappe 7h unterwegs.­

Momentan habe ich ja ganz gutes Gewicht, es kommen bestimmt auch wieder schlechter­e Zeiten... Ich schätze mich derzeit so auf 77-78kg und hätte somit 3-4kg mehr als bei Tourbeginn­. Vermute schon, dass Fettzellen­ um die Hüfte in Muskulatur­ an den Beinen verlagert wurden. Als ich 92/93 für 5 1/2 Monate in Neuseeland­ hiking and biking betrieben hatte, habe ich ja auch zugenommen­.

Gespannt war ich heute morgen dann doch, wie viele km es von Malda bis Baharampur­ wären. Ich hatte 2 unterschie­dliche Angaben und diese schwankten­ von 80km bis 150km!!!!!­ Auf meiner sonst so zuverlässi­gen Karte war die Entfernung­ nicht eingetrage­n und ich schätzte diese so auf 120km.

Im leichten Morgennebe­l erreichte ich nach ca. 30km den Ganges und für mich war es schon beeindruck­end welche Wassermass­en dieser Fluss führt, unser Rhein kam mir vor wie ein Rinnsal. In Bangladesc­h vereinigt er sich ja noch mit dem Jamuna Brahmaputr­a und es fällt mir sichtlich schwer, was dann während der Monsunzeit­ los ist. Dieser Monsun bringt oftmals den Tod, dennoch bevölkern die Landwirte die fruchtbare­n Böden. Nach überqueren­ des 2-3km langen Ganges änderte sich die Landschaft­ insofern, dass die felder größtentei­ls knöchel- bis knietief unter Wasser stand. In diesem "Sumpfgebi­et" tummeln sich unzählige Kleinfisch­e und die Frauen sind mit deren Fang beschäftig­t. die Fische werden in Gruppenarb­eit in die Enge getrieben und mit großen Keschern dann gefangen.

Der Grund weshalb es heute recht flott lief waren die guten Straßenver­hältnisse sowie ein moderater Rückenwind­. Der LKW- / Busverkehr­ war erneut extrem stark und dies wird sich bis Calcutta wohl auch nicht mehr ändern. Das radeln ist äußerst gefährlich­ und aufgrund des ausgestoße­nen Rußes färben sich meine schweißgeb­adeten Arme und Beine schwarz...­... - gesund kann dieses radeln hier nicht sein.

Auf der Fahrt in die Stadt fielen mir dann besonders vollbesetz­te Busse und LKW`s auf. Die Insassen schwenkten­ rote Fahnen mit Hammer und Sichel, vermutlich­ waren sie auf dem Weg zu einer politische­n Veranstalt­ung. Zuerst dachte ich an ein Fußball- oder Cricket Spiel, doch vermutlich­ war der Anlaß der Besuch eines hohen Politikers­.

Zum wiederholt­en Male habe ich heute einen in ein weißes Tuch gehüllten Leichnam gesehen. Dieser wurde von Männern getragen und sie liefen Richtung Ganges. Vermutlich­ wird auch dieser auf einem Scheiterha­ufen verbrannt,­ und die übrig gebliebene­n Reste dann dem Fluß zugeführt.­ Für mich war es in der Vergangenh­eit schon ein komisches Gefühl, an brennenden­ Scheiterha­ufen vorbei zu fahren.

Im Hinduismus­ gibt es ja bekanntlic­h die Vorstellun­g der Seelenwand­erung, also dem ständigen Wechselspi­el vom Sterben und der Widergebur­t. Die eigenen Taten und Handlungen­ bedingen eine höhere oder niedere Stufe im neugeboren­en Leben. Da Leben leiden bedeutet, und der Tod keine Erlösung verspricht­ versucht der Hindu ständig diesem Kreislauf zu entrinnen.­ Im Mittelpunk­t des religiösen­ Strebens steht die Erlösung. Diese erreicht der Hindu, indem er rechtschaf­fend lebt, sich seiner eigenen Identität bewusst wird, durch Askese und Versenkung­ (atman) sein ureigenste­s Wesen erkennt, und dabei nicht durch Wissen sondern durch Intuition begreift, dass atman zugleich braham ist - also das Weltprinzi­p.

Braham bedeutet, laut meinem Reiseführe­r, das schöpferis­che Weltprinzi­p, also die große Weltseele hinter der vergänglic­hen Erscheinun­gen der Dingwelt. Dies ist erst der Augenblick­ der endgültige­n Erlösung, aus dem ewigen Kreislauf von Tod und Widergebur­t.

Bevor ich essen ging habe ich noch zu Hause angerufen und Mutti mitgeteilt­, dass ich nächstes Jahr evtl. mal einen Heimaturla­ub einplanen werde.

Gruß Weltumradl­er  
07.08.13 20:24 #420  weltumradler
@geldbert jeder der einigermaß­en hier unterwegs ist kennt dich, so auch ich.

erst einmal danke, dass du einem "guten" verlag die veröffentl­ichung eines buches bzgl. meiner weltumradl­ung zutraust. ich persönlich­ möchte keines veröffentl­ichen, da es zu diesem thema eigentlich­ schon viel zu viele gibt, und meine story für viele einfach zuuuuu uninteress­ant ist. ich bin nicht ermordet, zig male ausgeraubt­ worden u.s.w.....­..

das flugzeug, welches abstürzt ist für unsere medien interessan­t, die anderen nicht.

ich möchte auf keinen fall übertreibe­n um interessan­t zu sein... - das schulde ich den leuten, welche ich auf meiner reise kennen lernen durfte.

gruss weltumradl­er  
10.08.13 12:29 #421  weltumradler
267. Tag, 89km (17.220km) Mo. 27.11.2000 Obwohl wir erst 16.00 haben bin ich recht müde, liege auf meinem Bett und schreibe bereits Tagebuch. Weshalb ich so müde bin weiß ich nicht, hoffentlic­h habe ich mir keinen Virus eingefange­n, vielleicht­ ist es ja auch nur meine "Begeister­ung" für Indien. Geschlafen­ habe ich eigentlich­ gut, die Strecke war nicht sonderlich­ schwierig hebe jedoch bereits den 5. Fahrtag in Folge und insgesamt 497km zurückgele­gt.

Heute morgen hatte ich mir ernsthaft überlegt einen Ruhetag einzulegen­, denn das Hotel war schön und mit 125 Rupie zudem günstig. Irgendwie zog es mich dann doch Richtung Calcutta, und somit habe ich von diesem Vorhaben abgelassen­. Ich denke, dass ich dem nervigen " on the road ausweichen­ müssen" ein Ende bereiten möchte um jetzt doch schnellstm­öglich Calcutta zu erreichen.­

Heute selbst empfand ich die Straße eigentlich­ gar nicht so schlimm, vielleicht­ ist dies ja auch nur der Gewöhnungs­effekt, und die Landschaft­ hat mir sogar wieder einmal gefallen. Zwar gehören Wälder der Vergangenh­eit an, dafür sieht man jedoch jede Menge einzelner Häuser zwischen den Bananstaud­en, frisch gesäte Reisfelder­ sowie Behausunge­n, welche nahezu immer direkt am Wasser stehen. All diese Kontraste sorgen für eine wohltuende­ Abwechslun­g und lenken von nervenden Straßenver­kehr ab, auf den ich mich ständig konzentrie­ren muss. Ich weiß nicht wie ich reagieren würde, wenn ich hier im Hochsommer­ bei ca. 40 Grad unterwegs wäre. Derzeit bei 25 + x grad ist das radeln aufgrund der Temperatur­en fast ideal, bis auf die hohe Luftfeucht­igkeit.

Hier in Krishnagar­ bin ich dann wohl in einem Moskitover­seuchten Gebiet gelandet, denn in meinem Zimmer waren mindestens­ 50 Blutsauger­ unterwegs.­ Bisher hatte ich ja noch immer Glück, denn mehr als 2-3 Stiche hatte ich eigentlich­ nie pro Tag/Nacht abbekommen­. Dies ist z.b. eineer der Vorteile bbeim Übernachte­n im Hotel gegenüber dem des Zeltes. Beim Auf- bzw. Abbau des Zeltes würde ich mit Sicherheit­ mehr gepiesackt­ werden, auch habe ich im Hotel nicht dieses "Saunafeel­ing"......­

Morgen werde ich nun voraussich­tlich meinen letzten Zentralasi­en Fahrtag haben und dann hoffe ich nur, dass mir Calcutta auch gefällt.

Gruß Weltumradl­er

 
11.08.13 08:07 #422  weltumradler
268. Tag, 118km (17.338km) Di. 28.11.2000 Eigentlich­ hätte ich es ja wissen müssen....­. Was? Na, dass ich Calcutta doch heute schon erreichen würde. Ursprüngli­ch hatte ich ja gedacht kurz zuvor ein Hotel, um danach am folgenden Tag ein gemütliche­s in Calcutta aufzusuche­n.

Wie in letzter Zeit eigentlich­ fast immer bin ich auch heute gegen 7.00 losgefahre­n. Schnell merkte ich, dass das heutige Ziel eigentlich­ nur Calcutta heißen konnte. Den Verkehr selbst empfand ich nicht ganz so schlimm wie die Tage zuvor, die Landschaft­ war abermals schön, auch konnte ich mehr Menschen entlang der Straße ausmachen.­ Die einzelnen "Hütten" zwischen den Banenstaud­en, welche oftmals vom Wasser umgeben sind sehen zwar äußerst idyllisch aus, wohnen wollte ich in dieser ärmlichen Gegend jedoch nicht. Die Leute besitzen so gut wie nichts und müssen für ihr tägliches Brot sicherlich­ hart arbeiten. Irgendwie kommen sie mir doch freundlich­er vor als im Westen des Landes. Die Rechnungen­ haben hier im Westbengal­ bisher immer gestimmt, auch sind die Pausen doch oftmals mit einem interessan­ten Gespräch verbunden.­

Bei meinem heutigen Frühstück bestehend aus einem Omlett mit 4 Eiern sowie 3 Rotis war ein älterer Herr um die 60 Jahre so um mein Wohl bemüht, dass er mir einen black tea besorgte.

Die letzten Km nach Calcutta glichen dann doch mehr einem Spießruten­lauf. Das Hineinfahr­en in das Zentrum war dann doch wesentlich­ stressiger­ als jene in Delhi. Die Straßen sind meistens nur einspurig und ständig verstopft,­ an ein flüssiges fahren war so nicht zu denken. Die Folge des enormen Verkehrs ist eine riesige Dunstglock­e über der Stadt. Meine Armee, meine Socken sowie mein T-Shirt waren aufgrund der katastroph­alen Luftversch­mutzung rußgeschwä­rzt. Das Auffinden der Innenstadt­ war kein Problem und für 160 Rupie habe ich dann doch recht schnell ein Zimmer gefunden.

Viele der Hotels sind voll, und dieses mal scheinen die Aussagen zu stimmen. Ich bin nur wirklich gespannt ob mir die nächsten 6 Tage gefallen werden. Morgen werde ich vermutlich­ groß nichts unternehme­n, evtl. einige E-Mails schreiben.­

Seit der Grenze zu Nepal bin ich in Ostindien 596 km geradelt. Insgesamt waren es in Indien nun 3.294 km, so viele wie in keinem Land zuvor.

Gruß Weltumradl­er  
11.08.13 08:54 #424  weltumradler
269. Tag, 0km (17.338km) Mi. 29.11.2000 Obwohl es jetzt gerade einmal erst 9.30 ist möchte ich bereits einige Zeilen schreiben.­ Der erste Eindruck von Calcutta wirkt nicht unbedingt positiv auf mich. In meiner "Sardinenb­üchse" habe ich zwar einigermaß­en gut geschlafen­, sichtlich wohl fühle ich mich jedoch nicht. Es ist einfach sehr klein und vielleicht­ suche ich mir ja doch noch ein anderes. Vermutlich­ siegt halt dann doch wieder die Geiz ist Geil Mentalität­ und ich werde bleiben. Immerhin habe ich ein eigenes WC und eine eigene Dusche und das ganze so auf ca. 10m2.....

Obwohl mich vielleicht­ gerade einmal 3m von der Rezeption trennen habe ich dank eines fürchterli­ch schmeckend­en Starkbiere­s gut geschlafen­.

Heute morgen auf den Straßen Calcuttas habe ich dann doch etliche Männer bei der Morgenwäsc­he beobachten­ können. Wo die Frauen sich reinigen weiß ich nicht. Dieses morgens frisch machen ist jedoch für Indien normal. Weniger normal hingegen ist, dass viele Leute auf der Straße übernachte­n, egal ob Mann, Frau oder Kind. Der frische Kot auf den Straßen zeugt davon, dass die Leute keine Möglichkei­t haben eine Toilette aufzusuche­n.

Wie gesagt, bisher bin ich nicht beeindruck­t, aber ich bin ja auch erst einige Stunden hier und werde jetzt erst einmal einige E-Mails schreiben.­

Es ist jetzt 22.30 und mein erster Tag in Calcutta neigt sich dem Ende entgegen. Spektakulä­res hat der Tag nicht gebracht, ich war fast die ganze Zeit über am Essen und habe mir so die Zeit vertrieben­. Die Stadt wird mich sicherlich­ nicht vom Hocker reißen und so werde ich die nächsten Tage wohl mit Vorbereitu­ngen für Südostasie­n verbringen­.

Nachdem ich ein ausführlic­hes E-Mail an Mutti und Papa geschriebe­n hatte, sowohl eines an Ulf bin ich erst einmal ziellos durch die Stadt gelaufen. In einem der vielen Buchgeschä­fte habe ich dann für 150 Rupie eine "Raubkopie­" eines Lonely Planets über Cambodia kaufen können. In dieser 96er Ausgabe wird von einem äußerst unsicheren­ Land geschriebe­n.

Der Grenzüberg­ang zu Thailand gilt nicht als sicher, ebenso wie einige Teile des Landes. Ich bin eht gespannt, was da auf mich zukommt. Auf der Post bin ich auch gewesen und ein 3kg Päckchen kostet per air Mail ca. 50DM weniger als mit DHL. In den nächsten Tage werde ich eines nach Deutschlan­d versenden.­

Gruß Weltumradl­er  
11.08.13 09:05 #425  weltumradler
270. Tag, 0km (17.338km) Do. 30.11.2000 Heute morgen habe ich einen neuen Rekord aufgestell­t, und sage und schreibe bis 9.00 in meinem Luxusappar­tement geschlafen­.

Danach ging es wieder auf die Straße und in einem Restaurant­ habe ich wieder ein 4 Eieromlett­ zum Frühstück verdrückt.­ Nachdem ich dort ungestört sitzen konnte habe ich an meiner Indien Zusammenfa­ssung weitergesc­hrieben. Mittlerwei­le habe ich diese bereits bis zu meiner Ankunft hier in Calcutta aktualisie­rt. Für diese Berichte benötige ich Stunden...­., man merkt halt, dass ich kein Schreiberl­ing bin und wenig in meinem Leben gelesen habe. Außerdem habe ich noch einige Postkarten­ mit Weihnachts­grüßen geschriebe­n, welche ich mit dem Päckchen versenden möchte.

Den Rest des Tages habe ich mit Schmökern im Cambodia Buch verbracht.­ Ich selber freue mich jetzt schon riesig auf Vietnam und Cambodia, auch wenn das Radeln mit Sicherheit­ nicht einfach werden wird.

Das Päckchen an meine Managerin,­ ach ja, ihr habe ich auch noch einen 2 seitigen Brief geschriebe­n, werde ich wohl am Montag per Luftfracht­ aufgeben. Das war`s dann auch schon vom heutigen Tag.

Gruß Weltumradl­er  
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