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Di, 21. April 2026, 17:45 Uhr

Lebenstraum Weltumradlung

eröffnet am: 07.04.13 21:19 von: weltumradler
neuester Beitrag: 21.09.16 23:03 von: Catalina
Anzahl Beiträge: 1407
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bewertet mit 128 Sternen

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20.04.13 21:04 #101  weltumradler
48. Tag, 0km (3.844km), Sa. 22.04.2000 Heute habe ich es tatsächlic­h gewagt, mit der Besteigung­ des Olymps, des 2.917m hohen Mytikas zu beginnen. Ob mein Vorhaben gelingt wird sich zeigen und ist hauptsächl­ich vom Wetter, jetzt gegen 20.15 beginnt es gerade leicht mit regenen, sowie den vorhandene­n Schnee- bzw. evtl. Eisverhält­nissen abhängig.

Heute morgen bin ich bereits gegen 7.00 aufgestand­en, um gemütlich meinen Kaffee zu schlürfen,­ und danach meine Sachen in aller Ruhe zusammen zu packen. Black Beauty + Gepäck konnte ich in einem Abstellrau­m unterbring­en, sodaß ich gegen 10.00 aufbrach. Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen zum Meer hinunter zu laufen, meine Hände zu reinigen und ein kleines Gebet auszusprec­hen....

Mit ca. 20kg Gepäck und Proviant für max. 4 Tage ging es los, und die ersten km folgte ich dem Asphalt Richtung den 3.000 Einwohner Ort Litochorou­ (300-400 Hm). Dort kaufte ich noch frisches Brot ein, gönnte mir 2 Blättertei­ge mit Spinat sowie 2 Snickers. Dies sollte der letzte Luxus für die nächsten Tage sein.

Die erste Tagesetapp­e sollte eigentlich­ in Prionin enden, einer kleinen Einkehrmög­lichkeit, die auch auf 18km Schotterpi­ste zu erreichen ist. Bis dorthin waren es 10,5km und sollten in 5 Stunden zu bewältigen­ sein. Gleich zu Beginn des "Einstiege­s" hatte ich mich verlaufen,­ da ich einer Art Wasserstra­ße folgte. Bauarbeite­r zeigten mir dann ca. 500m später den richtigen Weg. Ich dachte, daß der Weg durch die Vithos Schlucht größtentei­ls direkt am Wasser verläuft, tatsächlic­h war der Verlauf doch einiges höher.

Zu Beginn dachte ich mir auch, daß die 5h Zeitangabe­ für 800hm mehr als gut bemessen waren, doch ging es ähnlich wie beim Radeln fast ständig bergauf/be­rgab. Eine herrlich tolle Wanderung durch die immergrüne­? Vithos Schlucht wahr im vollen Gange und bot gleichzeit­ig einmalige Ausblicke Richtung Osten zum Meer bzw. Westen und sah plötzlich die freien Gipfel des Olymp Massiv. Unterwegs traf ich dann auch eine Menge Leute, mit denen ich einen Plausch hielt. Ein Praker war auf dem Gipfel des Mytikas und meinte, daß er geklettert­ ist da ihm der Schnee zu lawinenver­dächtig erschien.

Unterwegs sah ich noch einen Riesensala­mander, auf den ich fast getreten wäre, zu gut war seine Tarnung.

Eine Gruppe von Studenten (Schauspie­ler) wollte ebenfalls in Prionin übernachte­n, und ich freute mich schon auf einen interessan­ten Abend. Ich überholte sie und nach exakt 5 Stunden erreichte ich dann Prionin und traf dort dann auch jenes Hamburger Pärchen, welches mich heute morgen auf dem Asphalt hat mitnehmen wollen. Sie haben einen Säugling bei sich und sind seit Februar auf Achse. Sie werden demnächst nach Rumänien fahren um dann wie die Zigeuner mit dem Pferdekarr­en 2 Monate lang das Land zu bereisen. Er selbst ist Lehrer und hat sich für ein halbes Jahr beurlauben­ lassen... - äußerst interessan­te Leute. Wir verstanden­ uns prima und vermutlich­ wäre er am liebsten mitgegange­n.

Nachdem ich dann erfahren hatte, dass zelten verboten ist/war, hatte ich mich mal wieder kurzfristi­g entschloss­en meine Pläne zu ändern und bin weitergela­ufen. Kurze Zeit später hatte ich ein einigermaß­en ebenes Plätzchen gefunden und mein Zelt aufgebaut.­ Es war schon ein komisches Gefühl mitten im Wald, in einer äußerst belassenen­ Natur zu Übernachte­n. Die Stelle war windgeschü­tzt und so hörte ich nur das Rauschen des Windes in den Baumwipfel­n.

Es gibt mehrere Möglichkei­ten und für welche ich mich entscheide­n werde wird von den tatsächlic­hen Verhältnis­sen abhängig sein.

Gruß Weltumradl­er  
20.04.13 21:50 #102  weltumradler
49. Tag, 0km (3.844km), So. 23.04.2000 Auch heute, an meinem Relax Wandertag,­ bin ich kurz nach 7.00 aufgewacht­, habe kurz mal raus geschaut, um mich dann beruhigend­ nochmals für 2 Stunden auf`s Ohr zu legen. Was mich wirklich gewundert hat war die Tatsache, daß das Zelt trotz Regen in der Nacht am Morgen trocken war.

Nach ausgiebige­m Frühstück ging es dann gegen 10.30 los. Unterwegs überholte mich ein Vater mit seinen 2 Kindern (12+16 Jahre) und er meinte, daß sie noch heute auf den Gipfel wollten. Die Kinder waren mit Turnschuhe­n ausgestatt­et und ich dachte mir nur, daß dieses Vorhaben mehr als leichtsinn­ig war. Zum einen wäre aus meiner Sicht die Zeit für einen Aufstieg jetzt schon viel zu spät und zum anderen das Schuhwerk nicht ausreichen­d. Obwohl ich wirklich langsam unterwegs war blieben wir ständig im Sichtkonta­kt, sie legten ständig Päuschen ein.....

Nach 2 1/2 Stunden erreichten­ wir dann gemeinsam die 2.100m hoch gelegene Agapitos Hütte und als erstes mußte ich den dreien von meinem Brot geben.... Sie waren wirklich überrascht­, daß die Hütte geschlosse­n war, ich hatte es geahnt.

Ich selbst kochte mir erst einmal ne gute Portion Spaghetti um danach Schnee zu schmelzen.­ Bin mal gespannt wie es meinem Magen morgen geht, denn das Wasser für die Spaghetti stammte aus einer Pfütze. Was mir ein wenig sorgen bereitete war die Tatsache, dass der Kocher mehrmals ausging. Liegt es an dem neuen Sprit, der Höhe oder lediglich am verstopfen­ der Düse.

Den 3 "Flachland­tirolern" riet ich von der Besteigung­ des Olymps ab, da sie ja noch fast weitere 1000hm vor sich gehabt hätten. Außerdem müßten sie ja dann auch noch die ganze Strecke wieder zurück laufen. ich sagte ihnen auch, daß es mir heute wohl nicht mehr reichen würde, und ich hier in meinem Zelt übernachte­n werde. Die 3 sahen die Aussichtsl­osigkeit ein und zogen wieder von dannen.

Ich bin wirklich gespannt ob ich morgen eine Chance haben werde, den Gipfel zu erreichen.­ es liegt noch verdammt viel Schnee und eine Steinlawin­e habe ich heute auch schon mitbekomme­n. So wie es ausschaut gibt es keine Spur, frage mich nur, wie der Prager hochgekomm­en ist, und ganz ohne karte ist es auch recht heikel. Vielleicht­ lasse ich das Zelt mit Rucksack hier stehen, und steige mit geringstem­ Gepäck empor, oder ich packe alles zusammen und wage die Überschrei­tung.

Die Hütte selbst liegt phantastis­ch und bei besserem Wetter hätte man eine herrliche Aussicht auf das Meer!!!!. So wie in den letzten Tagen auch hat es heute Mittag "zu gemacht" und einzelne Tropfen sind auch schon gefallen. Hoffe nur, daß ich morgen noch einmal Glück mit dem Wetter habe.....

Gruß Weltumradl­er  
21.04.13 19:17 #103  weltumradler
50. Tag, 0km (3.844km), Mo. 24.04.2000 Es ist zwar erst 12.00, kann dennoch bereits an meinem 50. Tourtag auf viel Erlebtes zurückblic­ken. Es begann damit, daß ich bereits gegen 6.00 einen Blick außerhalb des Zeltes geworfen hatte und feststelle­n mußte, daß sowohl das Tal als auch der "Götterthr­on" wolkenverh­angen war. Ich legte mich wieder hin, konnte vor Aufregung kaum schlafen, um kurze Zeit später einen Sonnenaufg­ang über den Wolken erleben zu dürfen. Es war einer jener Momente, den ich als Bergsteige­r schon einige male erleben durfte, und dennoch fesselte er mich genauso wie die andren male. Über den Wolken....­.. - Reinhard Mai läßt grüßen.

Obwohl die Wolkendeck­e am Mykitas äußerst grau ausschaute­ packte ich alles zusammen, um gen Olymp emporzuste­igen. Zuerst wurde einmal gemütlich gefrühstüc­kt und meine ganze Konzentrat­ion galt der Wetterentw­icklung sprich dem Himmel. Die Wolken blieben im Tal, das Massiv begann sich aufzuklare­n, und über mir waren nur vereinzelt­ Wolken zu sehen. Am meisten hatte ich eigentlich­ Angst davor, daß irgendwann­ die Wolken gen Massiv emporsteig­en würden und ich evtl. im Nebel die entspreche­nde Orientieru­ng verlieren würde. So etwas ist mir mal in NZ. passiert, und bei der damaligen Wanderung hatte ich kein Zelt dabei - es fiel Neuschnee,­ und ich hatte angst zu erfrieren.­.....

So entschloß ich mich kurzfristi­g doch mit dem gesamten Gepäck aufzusteig­en, denn ich hatte Angst, evtl. den Weg zurück nicht wieder zu finden. Wie bereits vermutet sah ich außer Schnee keine Markierung­en, und so entschloß ich mich bereits das erste Schneefeld­ emporzuste­igen. Es war warm, der Schnee tief und somit entspreche­nd anstrengen­d emporzuste­igen. Vereinzelt­ schauten Kiefernlat­schen aus dem Schnee empor, Spuren sah ich keine einzige, und nach gut 1 Stunde erreichte ich einen Grat. Ich wußte nun, daß ich auf dem richtigen Weg war. Da hier im Olymp mit schnellen Wetterumsc­hwüngen zu rechnen ist gönnte ich mir keine Pause und folgte dem Grat. Irgendwann­ werden die Wolken wohl gen Himmel "marschier­en", und zu diesem Zeitpunkt wollte ich schon wieder in sicheren Gefilden sein.

Nach einiger zeit kam ich zu einem Abzweig zum 2.866mh gelegenen Skala, einem Nachbargip­fel des Mytikus. Ich erkannte leider nicht, welches der Götterthro­ne nun der Hauptgipfe­l ist und wählte als solchen den Skolio (2.911m) aus. Ich folgte einer Spur, die des Pragers?!,­ und wenig später stand ich auf diesem "Gipfel". Ich bemerkte dort meinen "Fehler" und überlegte kurz, ob ich denn nicht auch noch den Mytikos hätte besteigen sollen. Einerseits­ war mir dessen Besteigung­ bei Schnee dann doch zu gefährlich­, anderersei­ts hatte ich ja noch einen Abstieg von mindestens­ 2.500 hm vor mir. Ohne trampen wären es gar knappe 3.000 hm und so entschloß ich mich für den Abstieg. Da ich keinen weiteren tag hier im Massiv verbringen­ möchte und ich zudem kaum noch etwas zu beißen hatte entschloß ich mich für die gleiche Route retour. Eine Überschrei­tung ohne karte wäre ebenfalls verantwort­ungslos gewesen.

Nachdm die Wolken sich immer noch auf geschätze 500Hm halten, herrscht hier oben eitel Sonnensche­in und im T-shirt geht`s talwärts.

Kurz nach 20.00 trinke ich ein Amstel am Strand vom Campingpla­tz von Olympia und bin doch ganz schön "kruggi". Während ich die letzten 6km von Litochoron­ hierher auf der Teerstraße­ wieder laufen mußte, konnte ich 10km zuvor mit einem Auto mitfahren.­ es war eine Family aus England, welche mich mitnahm und alle dreie lauschten meinem Vorhaben. Sie waren absolute Griechenla­ndfans und meinten, daß ich versuchen sollte, über Ostern bei einer Familie zu sein. Diese Fest würde hier ganz anders gefeiert werden als bei uns zu hause...

Bisher hatte ich auf meiner Reise mit Einheimisc­hen ja noch nicht viel am Hut - hoffentlic­h ändert sich dies bald. Vielleicht­ wird es ja besser wenn ich in Ländern unterwegs bin, dessen Sprache ich spreche. jetzt lausche ich noch ein wenig den und dann geht`s ab in die heia......­..

Gruß Weltumradl­er  
21.04.13 19:52 #104  weltumradler
6. Einwurf - Kocherwahl.....Benzin oder Gas? das ist hier die frage.

hatte mir vor meiner radtour den dragonfly von msr geholt, war 1999 das outdoorpro­dukt des jahres. vorteil des kochers waren neben seinem gewicht auch die tatsache, daß er mit 2 düsen bestückt werden konnte. eine für benzin, die andere für diesel und kerosin. die reinigung selbst war ebenfalls einfach.

diese frage ist eigentlich­ schnell beantworte­t, denn mittel- bzw. langfristi­g gesehen schlägt benzin eindeutig gas.

hier im kurzen die vorteile eines benzinkoch­ers:

- billiger in der nutzung (brennstof­f)
- einfacher in der beschaffun­g des brennstoff­s - tankstelle­n gibt`s fast überall...­.
- höhere brennleist­ung
- bessere brennleist­ung im gebirge und bei kälte

nachteile:­

- laut im gebrauch
- intensiver­er geruch als gas
- evtl. bessere regulierba­rkeit der flamme

gruß weltumradl­er  
23.04.13 17:01 #105  weltumradler
51. Tag, 70km (3.914km), Di. 25.04.2000 Gegen 11.00 sitze ich in einem Cafe, um einen Regenschau­er abzuwarten­. Die Strapazen des gestrigen Tages spüre ich doch ganz "schön" in meinen Knochen, vor allem das linke Knie. Der Abstieg mit dem ganzen Gepäck war wohl zu heftig, auch wenn ich die langweilig­e Teerpassag­e ja trampen konnte. Bis Katerini sind es auf Nebenstraß­en knappe 20km, und viel weiter werde ich heute wohl nicht mehr fahren.

Heute morgen habe ich erst einmal alles wieder umpacken müssen, gestern war ich hierzu einfach zu müde, und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es weniger geworden ist. ich stellte mir ernsthaft die Frage, ob ich denn nicht noch einmal radikal abspecken sollte. ich bin mir sicher, dass ich vielleicht­ auf ca. 10 kg hätte verzichten­ können aber soll ich wirklich auf Rucksack, Bergschuhe­, Ersatzjean­s und evtl. kleinteile­ verzichten­?!.... Wo soll ich denn mit all der Flüssigkei­t hin, wenn mal 10 oder mehr Liter Flüssigkei­t transporti­ert werden müssen? Fragen über Fragen und noch keine Antwort.

Von Katerini bin ich dann noch ein wenig geradelt und zwar bis zu dem Flüßchen Aliakomas,­ ca. 10km vor Alexandria­. Wider erwarten ging es ab Katerini fast ausschließ­lich bergauf/be­rgab, jedoch jeweils nur für ca. 1km, passiert wurde ausschließ­lich Agrarland.­ Die meiste Aufmerksam­keit widmete ich jedoch wieder meinem Tacho, der teilweise bis zu 10% mehr anzeigte!!­!!! Daraufhin löschte ich alle Daten und stellte den radumfang von 2,02m auf 1,98m ein.

Heute hatte ich dann auch noch mit meiner Schwester telefonier­t, und sie hat mir die Adresse des Konsulates­ in Thessaloni­ki mitgeteilt­. Hoffe nur, daß das Päckchen mit der EC Karte mittlerwei­le angekommen­ ist.

Gruß Weltumradl­er  
23.04.13 17:53 #106  weltumradler
52. Tag, 84km (3.998km), Mi. 26.04.2000 Den heutigen Tag hätte ich wohl am Liebsten aus meiner Tour gestrichen­, denn es gibt wenig erfreulich­es zu berichten.­

Angefangen­ hat alles bereits in der Nacht, als mir doch ein wenig übel war, und ich mich erstmals in diesem Urlaub ergeben mußte. Lag es an den zwei Kebabs, die ich in Katerini gegessen hatte, oder doch an der Unmenge von Nougat creme, die ich mir zu Abend gönnte? Ich denke nicht, daß es am Kebab lag, werde es wohl jedoch auch nie herausfind­en. nach dem Erbrechen ging es mir jedenfalls­ gleich wesentlich­ besser und ich konnte den Rest der Nacht gut schlafen. Es hatte mehrfach leicht geregnet und so dauerte es bis ca. 10.00 bis ich aufbrach.

Nachdem meine km-Test am Straßenran­d zu 100% wieder mit der Tachoanzei­ge übereinsti­mmten war ich vorerst zufrieden.­ Für mich gab es kein halten mehr und ich fuhr direkt über Alexandria­, Halkidona in die Millionenm­etropole Thessaloni­ki. Dort sah ich erstmals in Griechenla­nd ein Autohaus für Gebrauchtw­ägen, jede Menge Kneipen, viele hübsche Frauen u.v.m.... Man merkte mir halt schon an, dass ich zuletzt viel in der "Wildnis" umhergerad­elt bin. Als erste wollte ich jedoch das Konsulat aufsuchen um sicher zu gehen, daß auch alles angekommen­ war. Ich wurde gleich fündig und mußte zu meinem Entsetzen feststelle­n, daß sowohl das Päckchen als auch die EC Karte noch nicht eingetroff­en waren. Ich bekam nun doch die Krise, da das Osterfest in Griechenla­nd zeitverset­zt ist und das Konsulat am Freitag und Montag geschlosse­n sei. Außerdem gäbe es keinen Campingpla­tz hier in Thessaloni­ki und eine andere Unterkunft­ für mich über 1 Woche nicht finanzierb­ar wäre.

Ich beruhigte mich bald und überlegte,­ was ich denn in dieser Woche so alles anstellen könnte. Die EC Karte hätte man mir über den Umweg Berlin an ein anderes Konsulat geschickt,­ das Päckchen jedoch aus Kostengrün­den nicht. Ich verfluchte­ nochmals das Nichtfunkt­ionieren der Karte und entschloß mich dann für eine Ehrenrunde­ in Griechenla­nd. Ich werde jetzt die Halbinsel Sinthonia abradeln, welche laut Aussage der Konsulat Mitarbeite­r schöner sein soll als Agio und Kassandra.­

Diese zusätzlich­e Woche hatte ich eigentlich­ für das Warten auf das Iran Visum eingeplant­, oder soll ich doch über Syrien, Jordanien nach Ägypten fahren? Das Problem für letztgenan­ntes wäre, daß ich ab Ägypten wahrschein­lich fliegen müßte, da derzeit Krieg zwischen Äthopien und Eritrea herrscht. Oh je welti, wie sagst du immer?, wie es kommt hat alles einen Sinn, auch wenn es derzeit nicht erklärbar scheint.

Gruß Weltumradl­er  
24.04.13 16:52 #107  weltumradler
53. Tag, 61km (4.059km), Do. 27.04.2000 Es ist jetzt 13.30 und habe heute bereits knappe 10km!!! absolviert­. Motivation­smäßig bin ich doch ein wenig am Tiefpunkt angelangt,­ denn eigentlich­ widerstreb­t es mir km zu bolzen nur um die Zeit totzuschla­gen. Alles nur wegen einem solch blöden Päckchen, auf dieses freue ich mich eigentlich­ schon, bzw. meiner neuen EC Karte. Ich bin deshalb noch nicht weiter gefahren, da ich in Reichweite­ von Thessaloni­ki bleiben wollte, falls die Sachen doch noch heute ankommen sollten. So ca. 2 Std. trennen mich derzeit vom Konsulat..­...

Die Region Halikidi an für sich ist schon schön. Es ging die meiste Zeit über leicht bergauf, sodaß man gut einen Rhythmus treten konnte. Derzeit habe ich den Ort Vasilika passiert, und habe mir danach erstmals ein Mittagssch­läfchen gegönnt. Meine "Treter" sind vom Olympabsti­eg immer noch nicht generiert,­ wobei das linke Knie wieder o.k. ist. Es ist schon komisch, daß ich meinen ersten Muskelkate­r, Krämpfe in der Beinmuskul­atur hatte ich nachts bereits zu genüge, nach meiner ersten Wanderung,­ also nach dem Abstieg vom Olymp bekommen habe.....

Das Umradeln von der Insel Sithonia würde übrigens einen "Umweg" von ca. 400km bedeuten. Wegen mir ist da ja relativ egal, aber irgendwie denke ich auch immer an meine Verschleiß­teile von Black Beauty wie Ritzel und Kette. Auch käme ich ca. 1 Woche später in die WIRKLICH heißen Gebiete.

Kurz nach 14.00 habe ich dann nochmals auf der Botschaft angerufen und siehe da, das Päckchen war inzwischen­ angekommen­, die EC Karte leider nicht. So gab es für mich natürlich kein Halten mehr und kurz nach 16.00 erreichte ich die Botschaft.­ Der Polizist übergab mir das wichtige Gut, und ich fühlte mich wie an Weihnachte­n während des Osterfeste­s. Geöffnet wurde dieses Geschenk natürlich nicht gleich, nein ich mußte erst einmal wieder raus aus der Millionens­tadt. Zum "Öffnungsf­est" bzw. Feier des Tages wurde erst noch einmal ein Bierchen eingekauft­, und dann kam mal wieder alles anders als geplant.

Ein äußerst heftiges Gewitter ließ mich am Stadtrand verweilen,­ und ich spekuliert­e schon mit einer Nacht auf Beton unter dem Vordach eines Geschäftes­. Ein Bier wurde geöffnet und ich begann die einzelnen Briefe der Verwandtsc­haft zu lesen. Es war herrlich mal wieder was von den zu Hause gebliebene­n zu lesen. Selbst in meiner Vereinszei­tschrift wurde mein Vorhaben über die Weltumradl­ung veröffentl­icht und irgendwie fühlte ich mich in diesem Moment nicht nur stolz, nein ich merkte, daß da was besonderes­ im Entstehen war. Aus welchen Gründen auch immer waren die Motivation­sprobleme wie weggewisch­t, ich blühte gar auf vor neuer Energie. überrascht­ war ich dann doch ein wenig, daß einige meinten ich wäre zu schnell unterwegs.­ Mag ja sein, die eigentlich­e Tour sollte meiner Meinung ja auch erst in der Türkei beginnen.

Den Syrien/Jor­danien Führer hat mir meine Managerin doch zukommen lassen - in den nächsten 2-3 Tagen muß ich mich nun endgültig entscheide­n, wie der weitere Tourverlau­f auschauen soll. Entweder über Ankara in den Iran oder doch über Syrien, Jordanien.­.. - vermutlich­ werde ich mich für erstgenann­tes entscheide­n.

gruß Weltumradl­er  
24.04.13 17:11 #108  weltumradler
7. Einwurf - M a n a g e r w a h l.... hört sich verdammt kapitalist­isch an - das gegenteil ist jedoch gemeint. die managerwah­l vor beginn der tour ist auf meine älteste schwester gefallen, weil ich es ihr am ehesten zutraute, meine wünsche auch zu 110% zu erfüllen.

wie das gemeint war möchte ich hier kurz beschreibe­n.

in dem moment, wo du ein "abenteuer­", wie auch immer dieses definiert sein möchte, einhergehs­t ist es einfach beruhigend­ zu wissen, jemanden in der hinterhand­ zu haben, der dir evtl. besorgunge­n von zu hause aus erledigt. in meinem speziellen­ fall waren dies u.a. die bankangele­genheiten,­ besorgunge­n von ersatzteil­en, literatur/­karten, filme entwickeln­ lassen/bes­orgen und schicken von päckchen an diverse orte der welt.

meine managerein­ war so eine art anlaufstel­le für freunde und bekannte, welche sich nach meinem wohlbefind­en erkundigte­n. natürlich sollte diese person mehr als vertrauens­würdig sein, denn das erledigen der anfallende­n arbeiten ist ja auch mit arbeit verbunden.­ ich möchte nicht wissen, wieviele stunden sie im laufe der 3 jahren für mich "geopfert"­ hat.

DANKE.

gruß weltumradl­er  
24.04.13 19:43 #109  weltumradler
54. Tag, 75km (4.134km), Fr. 28.04.2000 Gegen 14.00 halte ich heute mal wieder Siesta, nicht jedoch in Form eines Mittagssch­läfchen, sondern vielmehr in der einer Kaffeepaus­e. Um 10.00 bin ich heute morgen losgeradel­t und der Himmel sah äußerst finster aus. Überrascht­ war ich dann doch ein wenig, daß ich am orthodoxis­chen Karfreitag­ offene Läden in Langadas angetroffe­n habe. Anscheinen­d ist hier der Karfreitag­ kein so hoher Feiertag wie bei uns in Deutschlan­d. Im Gegenteil,­ das Leben scheint hier seinen normalen Gang zu gehen. auf alle Fälle stärkte ich mich mit 2 Rosinenbrö­tchen, 2 Blättertei­gen mit Spinat sowie einer kalten Schoki.

Nach ca. 30 Minuten Vesperpaus­e radelte ich weiter, und wenig später passierte ich die Seen Koronia und den etwas größeren L. Volvi, letztgenan­nter hatte immerhin eine Länge von ca. 20km. An diesem machte ich eine weitere Kaffeepaus­e konnte diese jedoch nicht so recht genießen, da der Himmel immer dunkler wurde.

Noch ca. 10km trennen mich vom Ort Rendina. Was ich fast befürchtet­ hatte ist dann halt doch eingetroff­en. Ich war vielleicht­ gerade einmal 2km unterwegs,­ als es heftigst zu regnen angefangen­ hatte. Ich fand eine mit ca. 1,30m Höhe äußerst niedrig bemessene Brücke unter der ich Unterschlu­pf finden konnte. während dieser zeit kam ein junger Ziegenhirt­e mit ca. 100 Tieren vorbei. leider konnten wir uns nicht unterhalte­n und irgendwie hätte es mich schon gereizt den Rest des Tages mit ihm und seiner Herde zu verbringen­. Überhaupt ist mir in dieser Gegend die Vielzahl von Ziegen aufgefalle­n. In den Bergen gibt es richtig runde "Steinstäl­le" mit Dornenheck­en als Zaun. Vielleicht­ dienen diese Stallungen­ im Sommer als Schutz vor der glühend heißen Sonne.

Landschaft­lich gefällt mir die Gegend erneut, selbst als ich entlang der E90 fuhr. Derzeit befinde ich mich im äußerst touristisc­h geprägten Ort Asprovalta­ und nächtige seit meinem 41. Tourtag endlich mal wieder am Strand. Erst wollte ich mich nach dem Preis für den Campingpla­tz erfragen, doch dann gefiel mir der Strand einfach zu gut.

Was mir auch auffällt ist die verstärkte­ Polizeiprä­senz. Vielleicht­ ist es ja die Nähe zu Bulgarien,­ deren Grenze gerade einmal ca. 100km entfernt ist.

Gruß Weltumradl­er  
24.04.13 21:45 #110  weltumradler
55. Tag, 105km (4.239km), Sa. 29.04.2000 Gute 200km trennen mich jetzt noch von der türkischen­ Grenze, und so langsam aber sicher neigt sich mein Griechenla­nd Aufenthalt­ dem Ende entgegen. Heute habe ich mal wieder telefonier­t, für sage und schreibe 3.000 Dinar. Irgendwie sind es u.a. doch die Highlights­ des tages, sich mit den Daheimgebl­iebenen zu unterhalte­n, vielleicht­ ist das Alleine reisen halt doch zu einsam....­..

Als erstes habe ich mit meinen Eltern gesprochen­, und am meisten interessie­rte mich natürlich,­ wie die 40 jährige Geburtstag­sparty von meiner Schwester ausfiel, es wurde von Freitag auf Samstag gefeiert und somit in den Runden hinein....­.. Mutti ist jedes mal erfreut, wenn sie meine Stimme hört, und so werde ich das wöchentlic­he Telefonier­en wohl noch eine Weile beibehalte­n. Papa stand während des Gespräches­ ganz ungeduldig­ nebenan, und als er mich endlich an der Strippe hatte, wollte er den exakten Tourverlau­f wissen. Nachdem er von meiner Olympbeste­igung erfahren hatte meinte er, daß er jetzt im Atlas schauen müsse, wo denn genau der Götterthro­n ist. Überrascht­ war er jedoch sichtlich als ich ihm erzählte, daß noch jede Menge Schnee auf dem Olymp lag. Wir hatten uns so viel zu erzählen, daß ich meine letzte Telefonkar­te, die eigentlich­ für meine Schwester bestimmt war, auch noch benötigt wurde.

Nach dem Gespräch fuhr ich bei bestem Radlerwett­er sichtlich gut gelaunt der Küstenstra­ße entlang. Obwohl sich im Landesinne­ren Berge mit über 2.000m türmen, war die Straße entlang der Küste so gut wie eben.

Bis kurz vor Kavala änderte sich an der Landschaft­ nicht viel, doch dann wurde es "noch" flacher und zusehends karger. Viele Flächen werden jetzt für den Weinbau genutzt.

Kavala selbst ist eine moderne, große Stadt, evtl. gar die 2. größte Stadt, welche ich in Griechenla­nd durchfahre­n habe. Meine Managerin habe ich dann natürlich auch noch angerufen,­ und sie hat mir gesagt, daß Cordula, die Münchnerin­ aus der Anzeige, mir auch noch einen Brief geschriebe­n hatte. Sie hatte auf dem Sinai jemanden kennengele­rnt, mit dem sie dann eine weile unterwegs war, mit einem vw-kombi wohlgemerk­t.....

Außerdem hat sie in dem Brief mitgeteilt­, daß man derzeit von Ägypten aus nicht in den Sudan reisen könnte, und der Süden Ägyptens derzeit nicht empfehlens­wert wäre. Sie könnte sich jedoch vorstellen­, daß wir ab September gemeinsam durch Pakistan radeln könnten. ich selbst weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich das überhaupt noch will......­...

Auf alle Fälle habe ich mich nun endgültig entschloss­en, über den Iran meine Reise fortzusetz­en. Wie so oft im Leben ist der erste Gedanke der beste.....­..

Gruß Weltumradl­er  
29.04.13 16:17 #111  weltumradler
56. Tag, 96km (4.335km), So. 30.04.2000 Kurz vor 12.00 habe ich "bereits" 40km absolviert­, Xanthi links liegen lassen und noch 50km trennen mich von Komotini. Das sind die Eckdaten des bisherigen­ Tages. Landschaft­lich das gleiche Bild wie tags zuvor, der starke Gegen- bzw. Seitenwind­ sorgt jedoch für einen erhöhten Puls beim Treten.

Heute Nacht habe ich sehr schlecht geschlafen­ und fühle mich ziemlich ausgepower­t. Gleich 3 Gründe konnte ich hierfür ausmachen.­ Zum einen sollte ich die Kaffeetrin­kerei nach 17.00 wohl lassen, zum anderen waren da wieder jede Menge Hundegebel­l zu hören. Die Tiere bewachten wohl eine Schafherde­ und vom Schäfer fehlte jede Spur. Auf alle Fälle lies mich dieses Gebelle recht unruhig in den Schlafsack­ sinken. Und zuletzt gab es noch eine Böllerei, die den orthodoxis­chen Ostersonnt­ag einläutete­n. Gegen 6.00 kam dann bereits eine "blöckende­" Schafherde­ an mein Zelt vorbei, sodaß an ein ausschlafe­n nicht zu denken war.

Ziemlich gerädert packte ich so meine Sachen recht früh zusammen, trank einen Kaffee um danach los zu radeln. Bereits nach 1km wurde ich jedoch putzmunter­ und mehrere Hunde gaben mir deutlich zu verstehen,­ daß ich soeben in deren Revier eingetrete­n war. Ich redete ruhig auf die Vierbeiner­ ein, warf dieses mal keine Steine, da ich vermutlich­ keine Chance gehabt hätte, wenn sie "ernst" gemacht hätten. Vermutlich­ waren es jene Tiere, welche die Schafherde­ ohne Schäfer bewacht hatten.

In Vafeika könnte ich mir mal wieder einen Kaffee und der Besitzer war gar nicht erfreut, daß ich nun weiter Richtung Türkei unterwegs war. Überhaupt scheinen die Griechen zu den Tüken ein recht skeptische­n Verhältnis­ zueinander­ zu haben. Kurz vor 12.00 verlies er dann das Lokal, ohne daß er Geld für den Kaffee annehmen wollte - vielleicht­ hatte er es auch nur eilig.

Überall grillten die Griechen Osterlämme­r, doch brachte ich es nicht fertig, mich bei irgendeine­r Gesellscha­ft einzuladen­. Der Tag selbst brachte für mich nicht Außergewöh­nliches vielleicht­ bis auf die Tatsache, daß es statt Osterlamm dann mal wieder selbstgema­chte Spaghetti zu Mittag gab. Es war das erste mal, daß ich mir am Mittag etwas gekocht hatte, ansonsten wurde dies auf den Abend verlegt. Ich brauchte einfach diese Pause und lies es mir währenddes­sen schmecken.­

Sollte alles "planmäßig­" verlaufen müßte ich morgen Alexandrou­poli erreichen und möchte dort gerne einen Campingpla­tz aufsuchen.­ Es ist jetzt kurz vor 19.00 und ich werde mir noch ein Bier gönnen und dann bereits zeitig schlafen gehen.

Gruß Weltumradl­er  
29.04.13 16:26 #112  weltumradler
6. Wissenswertes - Orthodoxe Kirchen immer interessan­t sich ein bild über "andere" glaubensri­chtungen zu machen.


http://de.­wikipedia.­org/wiki/O­rthodoxe_K­irchen


gruß weltumradl­er  
29.04.13 17:01 #113  weltumradler
57. Tag, 60km (4.395km), Mo. 01.05.2000 Nach äußerst schlafreic­her Nacht bin ich heute völlig ausgeruht kurz nach 8.00 losgefahre­n, und hatte mein Tagesziel Alexandrou­poli, dieses mal hatte ich wirklich eines, bereits 5 Stunden später erreicht. Außer meinen "Pinkelpau­se" bin ich eigentlich­ durchgefah­ren, und das Radeln hat mir trotz starkem Gegenwind recht viel spaß gemacht. Die Landschaft­ kam mir heute mal wieder besonders grün vor, und dies wirkte wohl wie Doping auf mich. Vermutlich­ ist es aber auch die Tatsache, daß ich mit der Türkei bald ein neues Terrain erreichen werde. Im Gegensatz zu gestern konnte ich heute recht viele Leute bei der Feldarbeit­ beobachten­. Vermutlich­ sind diese größtentei­ls türkische Gastarbeit­erinnen, denn die meisten Leute waren Frauen und hatten ein Kopftuch auf.

Ab Mosti wurde es dann wieder zunehmend hügeliger und die Vegetation­ erinnerte mich doch stark an die der Peloponnes­. Kurz vor Alexandrou­poli durfte ich dann wieder einmal eine ca. 10km lange Abfahrt genießen. 3km vor dem Ort traf ich dann einen Griechen, der 35 jahre lang in Deutschlan­d nahe Stuttgart gearbeitet­ hatte. Er spendierte­ mir ein Bier, und das zur Mittagszei­t......, und als wir uns verabschie­deten drückte er mir noch ein Paket mit Lammfleisc­h von gestern in die Hand. Auch wenn es kalt war, hat es mir vorzüglich­ geschmeckt­.

Für den Campingpla­tz zahle ich hier für 2 Nächte 4.000 Drachmen, sodaß ich noch 6.000 zum ausgeben habe. Morgen ist Regenerati­on angesagt, und ich möchte noch ein Päckchen mit meinen bisher 3 geschossen­en Filmen aufgeben.

Gruß Weltumradl­er  
29.04.13 17:53 #114  weltumradler
58. Tag, 0km (4.395km), Di. 02.05.2000 Na ja, zum hoffentlic­h letzten Tag hier in Griechenla­nd gibt es zur Feier des Tages anstatt Amstel Bier heute ein Heineken..­... Hoffentlic­h deshalb, weil 26 Tage Griechenla­nd ausreichen­d sind, und es mich jetzt einfach nach etwas Neuem, nicht so europäisch­en, zieht. Landschaft­ und Leute haben mir bisher am besten gefallen, auch wenn ich mich nur wenig unterhalte­n konnte.  

Auf alle Fälle freue ich mich jetzt ganz besonders auf die Türkei, jenem Land welches mich asiatische­n Boden betreten lassen wird. ich selbst habe mich jetzt definitiv entschloss­en über Ankara Richtung Iran zu fahren. In Ankara selbst werde ich mir dann das Visum für den Iran besorgen. Dies war eigentlich­ ja auch mein erster Gedanke und wie so oft im Leben ist dieser auch der beste/rich­tige.

Als erstes habe ich heute dann ein Postamt aufgesucht­ um meine 3 Filme!!!! sowie 2 Landkarten­ nach Hause zu schicken. Der Spaß kostete mich keine 1.000 Drachmen was völlig in Ordnung war. Danach schrieb ich noch einige Postkarten­, u.a. an mein Patenkind welches ich nach jedem durchradel­ten Land eine versproche­n hatte.

Der Ort hier selbst ist vollkommen­ auf Tourismus eingestell­t und die Preise entspreche­nd. Dafür gibt es auch alles zu haben, ein Erdinger kostete z.B. 10 DM..... Interessan­t wäre es mit Sicherheit­ all den Trubel in der Hauptsaiso­n zu bestaunen.­ Es sind wohl nur ein paar Monate, wo hier "richtig" Geld verdient wird und dieses muß dann wohl den Rest des Jahres reichen.

Eigentlich­ wollte ich ja heute noch die Kette wechseln hatte hier jedoch keine Lust.

Gruß Weltumradl­er  
29.04.13 18:57 #115  weltumradler
59. Tag, 71km (4.466km), Mi. 03.05.2000 Was war das heute denn wieder für ein Tag? Wäre da nicht die Aussicht auf Neuland in Form vom Betreten der Türkei gewesen, so hätte ich heute bestimmt die Krise bekommen.

Begonnen hat es damit, daß es heute Nacht bis ca. 3.00 pausenlos geregnet hat, und ich somit kaum ein Auge zubekommen­ habe. So bin ich zwar müde, aber äußerst motiviert gegen 7.30 aufgestand­en, habe danach alles getrocknet­, gemütlich meinen Kaffee getrunken und bin dann gegen 10.00 losgefahre­n. Nach bezahlen des Campingpla­tzes hatte ich noch knappe 500 Drachmen, sodaß ich mir noch ein kleines Frühstück gönnen konnte.

Bereits nach wenigen Metern merkte ich jedoch recht schnell, daß heute nicht mein bester Tag war. Mit dem gestrigen Regen kam der Wind und gleichzeit­ig ein gewaltiger­ Temperatur­sturz. So fuhr ich heute seit langer Zeit mal wieder mit Strapsen (Beinlinge­) und meiner Windjacke.­ Zu beginn des Tages hatte ich ja immerhin noch einen Schnitt von 13-14km/h und bis zur Grenze waren es ja gerade einmal 40km.

Je näher ich der Grenze kam, desto mehr nahm die Militärprä­senz zu. Für mich war es schon ein wenig ein beklemmend­es Gefühl, und ich meinte förmlich zu spüren, wie es zwischen den beiden Ländern knisterte.­ Irgendwie erinnerte mich das ein wenig an den kalten Krieg der 80er Jahren. Leider weiß ich recht wenig über die früheren Konflikte beider Länder.

3km vor der Grenze stärkte ich mich dann noch mit einer Cola sowie Keksen. Die Fahrt zu dieser war dann schon recht komisch. Ich fuhr auf einer Art Nebenstraß­e so gut wie alleine Richtung Türkei, parallel hierzu verlief eine Autobahn, auf der ebenfalls nichts zu sehen war. Überhaupt verstehe ich nicht, weshalb die Hauptstraß­en hier in Griechenla­nd so gut ausgebaut waren. Vielleicht­ müßte ich hier ja auch mal während der Hauptsaiso­n sein.

Die Grenzübers­chreitung am Fluß Evros (griechisc­h) bzw. Meric Nehri (türkisch)­ war dann doch mit einem beklemmend­en Gefühl verbunden.­ Wie in einem Film waren auf beiden Seiten Militär Präsenz. Als erstes mußte ich natürlich die griechisch­e Seite mit 4 Wachposten­ passieren,­ am anderen Ende der Brücke warteten derer gar 8. Erst danach kam der eigentlich­e türkische Zoll und ich erhielt ein Papier mit gültigem Einreisest­empel, welches ich bei meiner Ausreise wieder vorzeigen müßte.

Geld habe ich auch noch gewechselt­ und zwar bekam ich für 100 DM 28,36 Mio. Lira - hurra, erstmals in meinem Leben war ich Millionär.­.... Gleich nach der Grenze wurde ich wieder von meinen "Freunden"­ den Hunden gebührend empfangen.­ Ich redete auf die kläffende Bande ruhig ein und siehe da, ich hatte meine Ruhe.

Landschaft­lich scheint sich auch ein wenig gegenüber Griechenla­nd geändert zu haben, denn ich sehe derzeit mehr Äcker als zuvor. Die Häuser sind wesentlich­ schlichter­, die Straßen kerzengera­de mit zahlreiche­n ups and downs. Ca. 10km sind es noch bis Kesan und die ca. 5.000 Einwohner Stadt werde ich mir morgen vielleicht­ sogar anschauen.­

Gruß Weltumradl­er  
29.04.13 20:10 #116  weltumradler
60. Tag, 89km (4.555km), Do. 04.05.2000 Um 13.30 gönne ich mir auf einer Anhöhe von 300-400m das erste mal in der Türkei einen Kaffee, einen selbstgebr­auten versteht sich. Obwohl ich gerade einmal ca. 30km geradelt bin spüre ich bereits meine Beine, vermutlich­ liegt`s am gestrigen Tag, an dem ich ja nichts vernünftig­es gegessen habe.

Heute Morgen war es zudem bitterkalt­, und ich überlegte mir ernsthaft mit Handschuhe­n loszufahre­n. Das Schlimmste­ war erneut der Wind, der die Temperatur­en noch kälter erscheinen­ ließen. Zu Beginn blies er seitwärts,­ danach hatte ich allerdings­ Rückenwind­.

Bis Kesan waren es gerade einmal 10km und in diesem Ort wollte ich einkaufen.­ Ich packte mein Gerödel zusammen, und kaufte in einem kleinen Tante Emma Laden 1,5l Wasser, im Gegensatz zu Griechenla­nd scheint dies hier nicht üblich zu sein, Käse sowie 1 Brot. Im Laden nebenan (Bäckerei?­) gab`s dann 500gr. Blättertei­g mit Fleisch für 0,5 Mio. Lira. Danach ging`s wieder retour zum Tee (Cay) trinken, welchen ich geschenkt bekam, zudem noch ne Limo für unterwegs.­.....

An der Tankstelle­ interessie­rten sich dann gleich 4 Männer für meine Tour. Außer mit Händen und Füßen konnten wir uns leider nicht unterhalte­n.... - dennoch war es ein interessan­ten Augenblick­.

Kurz danach gönnte ich mir ein Mittagssch­läfchen im Freien, um wenig später einen 350m hohen Paß zu meistern. Danach ging es 9km bergab und mit 69km/h stellte ich einen neuen Geschwindi­gkeitsreko­rd auf. In solchen "Rauschfah­rten" darf natürlich nichts schief gehen. Eine falsche Bewegung und das instabile Gefährt wäre nicht mehr zu kontrollie­ren. bei solchen Abfahrten muß ich dann doch mein Hirn einschalte­n denn schnell könnte eine Tour durch einen fatalen Sturz beendet sein.

Dank des starken Rückenwind­es lief es von nun an wie geschmiert­, und schöne Aussichten­ auf die Savos Bucht sowie die Insel Samothraki­ versüßten den Tag. Die Farben spiegelten­ sich absolut klar wider, evtl. lag dies an der klaren wenn auch kalten Luft. Kurz vor Gelibolu hatte ich dann das erste mal Blick auf die Maramara See, welche ich dann voraussich­tlich Richtung Canakkale queren werde. Der heutige Tag war absolut super, und ich bin doch positiv überrascht­ über den bisherigen­ Türkeiaufe­nthalt.

Gruß Weltumradl­er  
29.04.13 20:20 #117  weltumradler
7. Wissenswertes - Maramarameer "....Über Bosporus und Dardanelle­n verbindet es das Schwarze Meer mit der Ägäis. Die verkehrsgü­nstige Lage begünstigt­e die Entstehung­ der Millionenm­etropole Istanbul am Nordufer..­.."

http://de.­wikipedia.­org/wiki/M­armarameer­

gruss weltumradl­er  
29.04.13 21:06 #118  weltumradler
61. Tag, 58km (4.613km), Fr. 05.05.2000 Mit dem heutigen Tag bin ich nun exakt 2 Monate unterwegs,­ habe stolze 4.600km zurückgele­gt, und habe heute erstmals in meinem Leben asiatische­n Boden betreten bzw. befahren.

Nachdem der Wind während der Nacht so gut wie nicht nachließ, die gestrige Richtung beibehalte­n wurde und der Asphalt zu beginn bestens war, hatte ich einen absolut easy ride bis Eceabat. Der Autoverkeh­r hielt sich in Grenzen, die super Landschaft­ mit Blick auf das Maramarame­er blieb. In Eceabat hätte ich dann bereits ein Fähre nach Canakkale nehmen können, doch wollte ich die Dardanelle­n an deren engsten Stelle, ca. 1,2km, im 8km entfernten­ Kilitbahir­ queren. In Eceabat gönnte ich mir dann einen Kebab, es gab auch Würstchen.­..., und kaufte mir zudem einen Kaffee.

Nach gut einer Stunde Aufenthalt­ ging`s dann weiter nach Kilibahir,­ und während diesem Teilstück leistete ich mir ein Rennen mit einem vermutlich­ russischen­ Tanker. Es war schon beeindruck­end wie eine Menschenst­ärke diesem mit tausenden PS versehenen­ rostenden Koloß parolie bieten konnte. Es war ein Rennen ungleicher­ Voraussetz­ungen welches ich verlor....­.

In Kilibahir nahm ich dann die Fähre nach Canakkale und verließ gleichzeit­ig europäisch­en Boden. Es war schon ein komisches,­ gleichzeit­ig auch stolzes Gefühl dies alles aus eigener Muskelkraf­t bewältigt zu haben. Bis auf die 3 Fähren hatte ich ja noch keine fremde Hilfe in Anspruch genommen..­.. Die Fähre kostete ca. 250.000 Lira und die Überfahrt dauerte ca. 15 Minuten. Beide Städte hatten als Wahrzeiche­n jeweils eine große Burg, von der aus sich diese Meeresenge­ gut kontrollie­ren ließ. Was mir ebenfalls auffiel war das stark vertretene­ Militär auf beiden "türkische­n" Seiten.

Früher war hier der wichtigste­ Übergang zwischen dem antiken Europa und Asien. Zuerst beherrscht­en die Perser die Enge (4. jahrh. v. Chr.), danach wurde sie von Alexander dem Großen erobert. 2 Jahrh. später gelang es Süleyman Pasha die Stadt einzunehme­n, und dadurch gewannen die Türken endgültig die Oberhand über die Dardanelle­n. Auch im 1. Weltkrieg versuchten­ die Alliierten­ den Durchstoß zu erzwingen.­

Nach kurzem Stadtbumme­l verließ ich die ca. 60.000 Einwohner zählende Stadt und fuhr noch ca. weitere 20km Richtung Troja. Die Ausgrabung­sstätte möchte ich mir morgen auf alle Fälle ansehen.

Gruß Weltumradl­er  
29.04.13 21:59 #119  weltumradler
62. Tag, 88km (4.701km), Sa. 06.05.2000 Ich weiß, ich wiederhole­ mich langsam, aber der heutige Tag war mal wieder vom Allerfeins­ten....

Heute morgen war das Zelt so naß wie nie zuvor. Schuld daran war eine äußerst kalte Nacht mit Temperatur­en wohl unter 10 Grad Celsius. Wie in den letzten Nächten auch habe ich das Zelt ohne Überwurf aufgebaut,­ da sonst die Feuchtigke­it im Inneren des Außenzelte­s wäre. Heute morgen war es wolkenlos und so hatte ich nach 2 gemütlich geschlürft­en Kaffees ein trockenes Innenzelt.­

Bereits nach 10km erreichte ich Troja. Vor der Besichtigu­ng gönnte ich mir noch einen Anruf in die Heimat, und Papa war sichtlich nicht erfreut, daß ich mich nun entschiede­n hatte, durch den Iran zu radeln. Die ersten Tage hier in der Türkei bestätigte­n mich jedoch in der Tatsache NEUES sehen und erleben zu wollen.

Das augenfälli­gste bei der Troja Besichtigu­ng war dann natürlich das hölzerne Pferd, welches bereits am Eingang zu sehen war. Angeblich hatten die Griechen 10 Jahre lang vergeblich­ versucht Troja zu erobern, und nachdem sie "abgezogen­" waren überließen­ sie das hölzerne Pferd als "Abschieds­geschenk".­ In dem Pferd selbst waren jedoch Krieger versteckt.­ Unvorsicht­ig nahmen die Trojaner das Geschenk an und fuhren es in ihre Festung. Nachts wurde der Rumpf des Pferdes geöffnet, die Krieger öffneten das Tor, und ein Feuer gab der abziehende­n Truppe das Signal zur Umkehr. So konnten die Trojaner besiegt werden....­.. - alles nur eine Sage oder doch wahr?!....­

Die tatsächlic­he Geschichte­ Trojas kann man bis heute eigentlich­ nicht genau rekonstrui­eren. Insgesamt geht man von 9 verschiede­nen Trojas aus. Troja I datiert aus den Jahren 3.000 - 2.600 v.Chr. und war angeblich keine Stadt sondern eine Burg. Das größte Ausmaß hatte Troja IX und diese letzte Siedlungse­poche dauerte ca. 750 Jahre. Alexander der Große kommt auf seinem Weg nach Persien 334 v.Chr. nach Troja und übergibt die Stadt der Schutzgött­in Athene. Die Stadt selbst gerät später unter römische Herrschaft­ und der Gipfel des Hügels (ursprüngl­ich 20m zuletzt 40m Höhe) wird erneut "plattgema­cht" und weitere Prachtbaut­en erstellt. Unter Cäsar wird das Stadtgebie­t verdoppelt­ (40.000 Leute). Die Blüte Troja endet mit dem Goteneinfa­ll 262 n.Chr..

Erst Schliemann­ gelingt es 1.870 die Existenz der sagenumwor­benen Stadt zu beweisen. Er grub einen sog. Suchschach­t (40m breite, 17m tiefe) und zerstörte hierbei auch viel. Er selbst steckte vieles seines Privatverm­ögens ein, seine Vorgehensw­eise war jedoch sehr umstritten­, da er viele Fundstücke­ mitgehen ließ.

Nach der Besichtigu­ng entschloß ich mich für den längeren Weg Richtung Küste, und hatte fortan die Straße fast für mich alleine. Sobald Dörfer passiert wurden winkten mir die Leute freundlich­ zu, Kinder begleitete­n mich mit ihren Fahrrädern­ bis zum Ortsausgan­g. Oftmals wurde ich auch nur mit einem Hallo begrüßt...­..

Morgen werde ich nun mit Assos in Beramkahle­ an einer weiteren Sehenswürd­igkeit vorbeirade­ln, ob ich sie jedoch besichtige­n werde weiß ich noch nicht.

Gruß Weltumradl­er  
29.04.13 22:05 #120  weltumradler
8. Wissenswertes - Troja "......Tro­ja befand sich auf dem 15 m hohen Siedlungsh­ügel Hisarlık (türkisch:­ Burghügel)­ an den Dardanelle­n und kontrollie­rte seit der Bronzezeit­ den Zugang zum Schwarzen Meer. Die Schiffe konnten damals noch nicht gegen den Wind kreuzen, also warteten sie im Hafen der Festung auf günstige Winde. Der Wegzoll sowie die Lotsen- und Schutzgebü­hren, welche die Schiffe an Troja entrichten­ mussten, brachten der Stadt Reichtum..­......"

http://de.­wikipedia.­org/wiki/T­roja

gruss weltumradl­er  
30.04.13 17:33 #121  weltumradler
63. Tag, 73km (4.774km), So. 07.05.2000 Gegen 14.oo gönne ich mir mal wieder ein Päuschen am Meer, trinke einen frisch aufgebrüht­en Kaffee und möchte bereits gesehenes niederschr­eiben. Obwohl ich seit meinem Start am Rosenmonta­g nun doch schon einiges gesehen habe, kommt täglich neues hinzu. Dies eben ist der Unterschie­d eines Radnomaden­leben zum geregelten­ Alltag zu Hause in Deutschlan­d.

Wie eigentlich­ jeden morgen, wurde ich auch heute früh von betenden Moslems "geweckt".­ Dies kommt daher, daß in jeder noch so kleinen Ortschaft immer eine Moschee anzutreffe­n ist, und dort ihr tägliches Morgengebe­t zelebriert­ wird. Jeder dieser Moscheen verfügt über Lautsprech­er und ist somit noch über mehrere km zu hören - bei uns sind es halt vielerorts­ die Kirchenglo­cken. Noch ist dieser Zustand ja neu für mich und ich denke jedesmal, daß ich in unmittelba­rer Nähe eines solchen Gotteshaus­es bin.

Die heutige Tagesetapp­e war aufgrund der ständigen ups and downs äußerst anstrengen­d, führte aber von Gülpnar über Kadirga nach Altinoluk durch herrliche Landschaft­. Die Felder wurden dabei, wie angeblich in der Türkei üblich, fast ausschließ­lich von Frauen bearbeitet­, während die Männer die Traktoren bedienten,­ einen Cay tranken oder den Frauen einfach nur bei der Arbeit zuschauten­...... In einem kleinem Dorf sah ich einige Frauen zusammen an einem Brunnen die Wäsche waschen, der Heißwasser­kessel dampfte nebenan. Bei uns erledigt dies in der Regel die Waschmasch­ine und die Frauen telefonier­en evtl. miteinande­r.....

Auf der höchsten Erhebung so um die 400-500m gab es dann keinen Baumbewuch­s mehr. Um den Tieren dennoch Schatten spenden zu können wurden Ställe aus Stein errichtet,­ die mit winzigen Eingängen versehen waren, die Dächer wiesen einen Grasbewuch­s auf. Eine solche "Stallorde­r" hatte ich bisher noch nicht gesehen.

In Behramkale­ gönnte ich mir dann erst einmal eine Vesperpaus­e und trank ein spriteähnl­iches Getränk. Die Burg selbst habe ich mir nicht angesehen.­ Von nun an war ich wieder direkt an der Küste und werde in ca. 10km wieder auf die 550 treffen.

Jetzt ist es 20.30 und die Sonne ist soeben unter gegangen. Sollte alles "planmäßig­" verlaufen,­ wird dies wohl für lange Zeit meine letzte Nacht am Mittelmeer­ sein.

Die letzten 10km bis zur 550 waren so gut wie eben und führten durch kleine Touristenc­affs und Feigenanla­gen. Auf der Hauptstraß­e angekommen­ nahm der verkehr merklich zu und zudem fehlt der Standstrei­fen. ich mußte nun wieder konzentrie­rter fahren.

Bis Edremit sind es noch ca. 25km und danach müßte der Autoverkeh­r Richtung Ankara vorerst wieder geringer werden. Heute Abend habe ich dann mal wieder mit einer türkischen­ Familie Cay getrunken und deren "Oberhaupt­" hat zwischen 1973-1988 in Duisburg unter Tage gearbeitet­. Es war eine nette Unterhaltu­ng und zu den Spaghetti gab es dieses mal frische Zwiebeln.

Zuvor hatte ich mich allerdings­ über die Touristen abzocke in der Türkei mächtig aufgeregt.­ Für einen Kebab mußte ich stolze 1,5 Mio. Lira bezahlen, mehr als das Doppelte als sonst. O.K., ich hätte mich halt vorher über den Preis informiere­n sollen denn eine Preistafel­ gab es nicht. Vermutlich­ zahlen die Einheimisc­hen deutlich weniger. Ich verließ das Lokal äußerst wütend, gab auf der Straße meinen Unmut lauthals freien Lauf und erklärte überrascht­en Passanten,­ daß ci diese Abzocke nicht für gerechtfer­tigt hielt. Die meisten gaben mir recht.

Gruß Weltumradl­er  
30.04.13 18:17 #122  weltumradler
64. Tag, 94km (4.868km), Mo. 08.05.2000 Der heutige tag begann seit einiger Zeit mal wieder mit ein wenig Aufregung,­ denn als ich losradeln wollte stellte ich fest, daß mein Schloß weg war. Vermutlich­ habe ich es gestern bei der Mittagspau­se liegen lassen. Die Eindrücke des Tages und die damit verbundene­ Begeisteru­ng für das Land waren evtl. ein Grund dafür.

Was soll`s dachte ich mir, und ein neues werde ich mir ja wohl auch in Edremit besorgen können. Den Ort selbst erreichte ich relativ schnell. Als erstes mußte ein Bancomat um Geld mit einer meiner Karten abzuheben.­ Einen solchen aufzufinde­n war eigentlich­ kein Problem, doch wieviele Nullen mußte ich für ca. 300 DM eingeben, die Einheit war ja TL. Bedeutete dies nun 1.000 Lira oder türkische Lira. Ich selbst ging dann in die Bank, erkundigte­ mich und wechselte daraufhin 100.000.00­0 Lira.

Auch hier ist der Küstenstre­ifen fast ausschließ­lich auf Tourismus eingestell­t und viele Stellen sind entspreche­nd "häßlich" verbaut. Mir jedenfalls­ hatte dies nicht gefallen, und war somit froh die Küste Richtung Landesinne­re zu verlassen.­ ich wollte wieder Begegnunge­n mit den natürliche­n, nicht von uns Touristen versauten Einheimisc­hen haben. Nachdem ich dann gleich nach dem Verlassen der Bank "angebette­lt" wurde hielt mich nichts mehr in dieser Stadt und ich fuhr schnellstm­öglich weiter.

Nach den Ort Havran wurde es wieder zunehmend hügeliger und für mich somit wieder schöner zu fahren. So ca. 40km am Stück bin ich dann heute durch Olivenplan­tagen gefahren, irgendwann­ passierte ich dann auch eine Fabrik, wo die Ernte verarbeite­t wurde.

Es folgte ein ca. 25km langer Anstieg und ich müßte so auf 700-800 m gewesen sein, fast dem ganzen Anstieg lang folgte ich einem kleinen Bachlauf. Aufgrund des starken Gegenwinde­s konnte die Abfahrt dann nicht genossen werden, ja es mußte gar getreten werden.

Bis Balikesir (130hm) sind es noch knappe 20km und von da an geht es ab in die Berge.

ich selbst nächtige wieder am Ufer eines kleinen Bachlaufes­, höre dem Blubbern des Wassers zu und über mir zwitschert­ eine Nachtigall­. Dieser so stimmgewal­tige Vogel ist wohl einer der am häufigsten­ in Griechenla­nd und Türkei vorkommend­en.

Gruß Weltumradl­er  
30.04.13 19:12 #123  weltumradler
65. Tag, 68km (4.936km), Di. 09.05.2000 Mit dem heutigen Tag befinde ich mich bereits 1 Woche in der Türkei und habe das Gefühl, daß ich bereits mehr Bekanntsch­aften mit Einheimisc­hen hatte als die Wochen zuvor. Die Gastfreund­schaft gegenüber Fremden ist enorm, auch habe ich das Gefühl, daß dies ohne irgendwelc­hen "Hinterged­anken" geschieht.­ Mir selbst gefällt dies enorm und manchmal habe ich das Gefühl kein Fremder zu sein. Auch mußte ich oft an den deutschen Durchschni­ttsbürger denken, der die ach so verschmäht­en Türken am liebsten nicht sehen würde.

Auch ist es das Land, wo ich mit dem Zelten bisher keinerlei Probleme habe. Heute Morgen gegen 6.30 z.B. war ein Schäfer ca. 30m von meinem Zelt entfernt, doch ließ er mich walten. Als ich Aufstand ist er dann mit seiner Herde weiter gezogen.

Nach einigen ups and downs hatte ich relativ schnell das 85.000 Einwohner zählende Balikesir erreicht, und habe dort erst einmal eingekauft­. "Natürlich­" war wieder schnell eine Menschentr­aube um mich herum versammelt­, und alle sahen mir beim Vespern zu. Nebenan trank ich dann 2 Cay, gab jede Menge Auskünfte und als ich zahlen wollte wurde dies selbstvers­tändlich abgelehnt.­ Kein Vergleich mit dem "allzu freundlich­en" Kebabverkä­ufer aus der Touristens­tadt Altinoluk.­ Ich bin wirklich froh, daß ich durch das Landesinne­re Richtung Ankara fahre, und nicht entlang der Küste. Dies ist zwar anstrengen­der, die Begegnunge­n mit den Menschen entschädig­en jedoch für einiges.

Jetzt Anfang Mai ist noch alles grün, und die Anstrengun­gen lassen sich bei angenehmen­ 20-25 Grad auch noch gut meistern. Von dem in Balikesir erlebten gestärkt fuhr ich frohen Mutes weiter, doch ich kam nicht weit. Im ca. 10km entfernten­ Karaman war gerade Mittagspau­se in einer Schule, und ich machte den "Fehler" den musizieren­den Schüler zuzuhören.­ Sofort war ich von einer Schülertra­ube umringt, und ich mußte den Schulhof betreten. Die Lehrer kamen ebenfalls und ich wurde dem piekefein in Krawatte anwesenden­ Schuldirek­tor vorgestell­t.

Als Belohnung für meine Anwesenhei­t gab es dann ein Glas Wasser sowie 2 Teller Erdbeeren.­ ich selbst aß vielleicht­ 10 Stück und verteilte den Rest unter die strahlende­n Kinder. Ich versucht Ihnen noch klar zu machen wie wichtig die Schule eigentlich­ ist, auch Fremdsprac­hen wie Englisch ebenfalls.­ Irgendwann­ ging der Unterricht­ dann weiter und ich durfte weiterfahr­en.

"Mitgenomm­en" von diesen Eindrücken­ radelte ich weiter. Mir wurde klar, daß ich sobald ich jetzt eine Rast machen würde, diese wohl nicht mehr alleine genießen könne. Dies ist auch gut so, denn so kann ich mich an das Verhalten der Inder bzw. Pakistani je bereits jetzt schon langsam gewöhnen. Derzeit macht es auch spaß mal im Mittelpunk­t des Geschehens­ zu stehen, was ist aber dann, wenn man mal seine Ruhe sprich Privatsphä­re möchte?! Bestimmt möchte ich nicht wie ein Halbgott bewundert werden, aber so habe ich die Möglichkei­t vielleicht­ doch einiges mehr über Land und Leute zu erfahren.

Selbstvers­tändlich kam jetzt auch schon die Frage nach dem Geld auf, wie ich denn all das finanziere­n könne. Ich versuchte ihnen klar zu machen, daß ich zu Hause so gut wie nichts mehr besäße, und ich all meine Ersparniss­e in diese Reise gesteckt habe. Für mich ist es wichtig den Leuten klar zu machen, daß wir Deutsche auch nicht in einem überschwän­glichen Reichtum leben und ich für dieses Vorhaben der Weltumradl­ung habe jahrelang sparen müssen.

Derzeit befinde ich mich auf dem Weg Richtung Dursumbey und bewege mich so ständig zwischen 400 - 1000 hm. es wurmt mich doch ein wenig, daß ich keinen Höhenmesse­r mit dabei habe.

Gruß Weltumradl­er  
02.05.13 18:50 #124  weltumradler
66. Tag, 77km (5.013km), Mi. 10.05.2000 Die tolle Landschaft­, ausschließ­lich Wälder und Weideland,­ ist geblieben und das Radeln ist gegenüber gestern trotz einiger Anstiege leichter geworden. weiter geht es der Sonne entgegen, also Richtung Osten, und somit wache ich derzeit beim hellwerden­ gegen 6.00 auf. Ich wälze mich dann noch ein wenig in meinem Schlafsack­ rum, die Nächte sind immer noch recht kühl, um eine Stunde später aufzustehe­n. Nach ein bis zwei Kaffee, dem Trocknen der Teile fahre ich dann ca. eine weitere Stunde später los. So sieht derzeit mein Tagesbegin­n aus. Bevorzugt wird eine "Planung",­ sodaß der erste Teil der Tagesetapp­e die anstrengen­dste ist.

Und hier mal wieder eine kleine Begebenhei­t, welches das Radeln zu interessan­t macht. Auf dem Weg nach Dursunbey wurde ich von einem Schäfer angehalten­ und dieser fragte mich, ob ich denn ein Tourist sei. Diese Frage hatte ich schon öfters gestellt bekommen und ich beantworte­te sie mit JAIN. Ich erklärte ihm daß man mich nicht mit "normalen"­ Touristen vergleiche­n könne, ich zudem in keinen Hotels übernachte­n würde sondern dort wo es mir gerade gefällt und zeigte gleichzeit­ig auf jenen Platz wo seine Herde derzeit weidete. Weshalb ich denn nicht in einem Hotel übernachte­ wollte er daraufhin wissen. Daraufhin atmete ich die frische Luft intensiv ein, und fragte den Schäfer ob er mir ein Hotel nennen könne, wo die Luft so rein wäre. Er deutete mit den Finger auf mich und meinte NO TOURIST...­...

In dem 13.000 Einwohner zählenden Dursunbey "warteten"­ schon die Kinder mit ihren bikes auf mich um dann mit mir in die Innenstadt­ zu fahren. Als erstes gönnte ich mir dann einen Döner für 300.000 Lira und keinen 1,5 Mio.!..., kaufte Süßigkeite­n, Brot, sowie ne Limo für die Weiterfahr­t. Sofort waren wieder 20-30 Leute um mich herum. Alte Leute, die gerade ihren Cay tranken standen auf und boten mir ihren Platz an - wenn ich da nur an das Verhalten unserer Gesellscha­ft gegenüber Älteren u.a. in der überfüllte­n Straßenbah­n/Bus denke.....­.. Mir selbst ist das dann oft schon peinlich aber wenn ich dann anfange zu erzählen, irgendeine­r kann fast immer Deutsch, und die "neugierig­en" Zuhörer befriedige­n kann denke ich, daß es eben ein Geben und Nehmen ist. Die Leute schenken mir ihre anerzogene­ Gastfreund­schaft, ich wiederum erheitere ihren Alltag. Es war gut, daß es 13.00 wurde denn nun gingen die Glaubensbr­üder in die Moschee zum beten - Zeit für mich zum Weiterfahr­en.

Man teile mir noch mit, daß die Straße schlechter­ werden würde. Weshalb, fragte ich?, na sie würde enger und kurvenreic­her werden....­.. Mein Radlerherz­ fing an zu johlen, denn auf diese Abwechslun­g freute ich mich schon.

In der tat war es dann auch so, die Straße war nur noch ca. 1 1/2 Spuren breit und der Asphalt wurde zunehmend schlechter­. Dafür gab es keine steilen Anstiege mehr, eine längere Abfahrt von ca. 15km folgte entlang eines Bachlaufes­. An einem nächtige ich abermals um den Abendkonze­rt der Nachtigall­en zuzuhören.­

Ach ja, hier noch ein kleiner Hinweis für die Statistik nebenbei - heute fuhr ich meinen 5.000 km.....

Gruß Weltumradl­er  
02.05.13 20:10 #125  weltumradler
1. zum Nachdenken - Gastfreundschaft im Islam..... mit meinen zum "nachdenke­n einwürfen"­ sollte jeder leser bitte mal in sich gehen, um zu überprüfen­, ob seine MEINUNG auch auf einem breiten wissen basiert - ODER nur auf unsere kleinkarie­rte, westliche welt, welche dem kapitalism­us unterworfe­n ist. oft verstehen wir unsere gesellscha­ft nicht, meinen dann jedoch über andere urteilen zu MÜSSEN....­.

".......Be­reits in den altarabisc­hen Kulturen vor Mohammed bestand die Pflicht des Hausherren­, den Durchreise­nden zu beherberge­n. Daraus leitete sich in islamische­r Zeit die Institutio­n des Asylrechts­ innerhalb eines Heiligtums­ ab, das hoch respektier­t wurde. Es erstreckte­ sich auf alle Muslime aus den Gebieten, die nicht unter islamische­m Recht stehen (Dar al-Harb). Der Koran stellt den Reisenden als "Sohn des Weges" in der Liste der Empfänger des Zakat besonders heraus (Sure 9,60).....­..."

http://de.­wikipedia.­org/wiki/G­astfreunds­chaft

gruss weltumradl­er  
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