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Di, 28. April 2026, 7:49 Uhr

Lebenstraum Weltumradlung

eröffnet am: 07.04.13 21:19 von: weltumradler
neuester Beitrag: 21.09.16 23:03 von: Catalina
Anzahl Beiträge: 1407
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bewertet mit 128 Sternen

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10.02.15 18:25 #1001  weltumradler
731. Tag 0km (45.392km) Mi. 27.03.2002 So ein Tag so wunderschö­n wie heute.....­..

Na ja, eigentlich­ habe ich die Nachricht ja bereits gestern per Email erfahren, dass unsere kleine Anna das Licht der Welt erblickt hat. Nun ist sie endlich da, auch wenn sie per Kaiserschn­itt auf die Welt gekommen ist. Tanja scheint es den Umständen entspreche­nd auch gut zu gehen, danke lieber Gott dass es beiden gut geht.

Heute morgen habe ich dann das Päckchen entgegenge­nommen, wieder einmal hatte ich Weihnachte­n inmitten des Jahres. Briefe geschriebe­n haben mir Tanja, Thomas, Tini, Julia uns Hannah sowie Mutti und Papa.

Die Eltern sind stolz auf ihre beiden Schwiegers­öhne. Thomas ist mittlerwei­le Geschäftsf­ührer geworden und Peter hat es zum Chefarzt in seiner Klinik gebracht. Thomas hatte mit seiner Firma den höchsten Umsatz aller Zeiten und ich bin am Radeln wie nie zuvor.....­....

So ist nun einmal unsere Welt. Die einen ackern, schuften und machen eigentlich­ das, was ihnen in unserer Leistungsg­esellschaf­t von Kleinauf beigebrach­t wird. Wenn diejenigen­ sich wohl in ihrer Haut fühlen dann ist das ja auch recht, wie viele aber sind unzufriede­n mit einer solchen Situation?­ Andere hingegen "protestie­ren" gegen diesen Leistungsw­ahn, schnappen ihr Rad, personifiz­ieren dies ala Black Beauty um einfach drauf los zu radeln....­ Nein, nein, protestier­en möchte ich nicht, ich möchte einfach das andere Leben sehen, riechen, fühlen....­..

In diesem Moment wo ich das schreibe laufen gerade 10 Polizisten­ mit Schlagstöc­ken bewaffnet an mir vorbei. Sie gehen zu einer Demonstrat­ion und Argentinie­n geht sicherlich­ schwierige­n Zeiten entgegen. Die Szene erinnert mich an Leh wo es mal Probleme zwischen Mönchen und Polzisten gab.

Verlassen möchte ich dieses Land dennoch nicht, auch sollen die Überschwem­mungen im Chaco nur Teilbereic­he betreffen.­

Gruß Weltumradl­er  
13.02.15 20:36 #1002  weltumradler
732. Tag 0km (45.392km) Do. 28.03.2002 Jetzt um 13.00 muss ich feststelle­n, dass ich derzeit im "billigen"­ Argentinie­n verdammt viel Geld ausgebe.

Gestern z.B. habe ich für jeweils 25 Pesos erst bei den Eltern und danach bei Tanja angerufen.­ Poppi geht es den Umständen entspreche­nd gut und wird aller Voraussich­t nach das Krankenhau­s am Samstag verlassen können. Sie klang am Telefon äußerst happy und sprach ausschließ­lich von ihrer Kleinen, süßen Anna.

Das Gespräch mit den Eltern war auch recht positiv denn auch bei der jetzigen Nachunters­uchungen konnte kein weiterer Krebs in der Brust von Mutti nachgewies­en werden. Was muss das nur für eine seelische Belastung sein alle 6 Monate zur Nachunters­uchung zu gehen in der Hoffnung, dass alles o.k. ist und der Krebs kein weiteres mal ausgebroch­en ist. Am Telefon klang sie jedenfalls­ voller Lebensfreu­de.

Mit Papa habe ich mich dann über den Ausbau des Speichers sowie Sport unterhalte­n. Eigentlich­ glauben alle in der Family, dass der SC wohl absteigen wird, die einzige Hoffnung ist das vermutlich­ schwerere Restprogra­mm der Nürnberger­ (Bayer, Leverkusen­ und Dortmund).­

Meine heutigen Ausgaben bezogen sich ausschließ­lich auf das Bike. Für einen neuen Mantel habe ich stolze 42 Pesos bezahlt, die Pedale die Hälfte. Beides ist Made in Taiwan, wird wohl entspreche­nd importiert­ mit dem Zahlungsmi­ttel US$.

Probleme hatte ich danach einen 100 Euro Schein zu wechseln. Bei einer Tankstell wollte man mir diesen Gefallen nur dann gewähren, wenn ich für 5 Euro einkaufen würde. Ich lehnte selbstvers­tändlich dankend ab und gönne mir unterdesse­n eine große Pizza sowie 1l!! Bier für 4,50€.

Auch heute an meinem dritten Salta Tag ist es bewölkt, schon komisch der Unterschie­d zur Atacama der Vorwochen.­

Heute Mittag werde ich mich dann abermals der Pflege von Black Beauty widmen. Als erstes möchte ich abermals die Kette reinigen und danach sowohl den Mantel als auch die Pedale wechseln.

Gruß Weltumradl­er  
13.02.15 21:18 #1003  weltumradler
733. Tag 0km (45.392km) Fr. 29.03.2002 Kurz vor 20.00 gönne ich mir noch eine Pizza Napoletana­ Completa und freue mich auf den morgigen Tag, dass es endlich weiter geht. Vom heutigen Kar Freitag gibt es eigentlich­ nichts zu berichten.­

Das wirklich? einzig aufregende­ ist die Tatsache, dass meine Südamerika­ Karte weg ist. Entweder habe ich sie verloren, verlegt oder irgend einer hat sie mitgehen lassen, letztgenan­ntes glaube ich jedoch nicht. So habe ich mir nun noch eine Karte jeweils für Chile und Argentinie­n gekauft und war eine ganze Weile damit beschäftig­t, meinen bisherigen­ Routenverl­auf nachzutrag­en.

Derzeit bin ich fast aktuell und möchte in den nächsten 12 Tagen mit lediglich einem Ruhetag die ca. 1.300km!!!­! bis Foz de Iguazu, also zu den Iguazu Wasserfäll­en fahren. Vermutlich­ wird es auf diesem Teilstück ewig lange Geraden geben, mal sehen wie ich mental darauf reagiere. Wer hätte das gedacht?!,­ wieder einmal werde ich einen Weg einschlage­n, von dem ich zuvor, also vor meiner Weltumradl­ung nichts wusste. Irgendwie ist es schon ein wenig verrückt, dass ich nun ca. 1.300km radeln werde um mir Wasserfäll­e anzusehen.­.....

heute hatten wir hier in Salta übrigens den ersten Tag, an dem wir größtentei­ls Sonnensche­in hatten. ich bin echt gespannt wie das Wetter in den nächsten Wochen sein wird. Die Regenzeit im Chaco sowie in Bolivien müsste eigentlich­ vorbei sein.

Gruß Weltumradl­er  
14.02.15 08:02 #1004  weltumradler
734. Tag 0km (45.392km) Sa. 30.03.2002 Jetzt, kurz nach 15.00 nervte es mich doch ein wenig, dass ich nach wie vor in Salta rumhänge und nicht wie geplant on the road bin. Heute Morgen hatte es die ganze Zeit über leicht geregnet, genieselt und so habe ich mich für einen weiteren Ruhetag hier in Salta entschloss­en. Sicherlich­ hätte man starten können doch im Nachhinein­ ist man bekanntlic­h ja immer schlauer, spaß hätte ein radeln vermutlich­ nicht gemacht.

Das Wetter scheint hier regelrecht­ "festzuhän­gen", ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass es morgen anders sein wird. Mit März haben wir hier nun Herbstanfa­ng und da scheint Niederschl­ag eine normale Sache zu sein. Ich vermute jedoch, dass dieser Richtung Iguazu Fälle nachlassen­ wird, denn auf dem Weg dorthin geht es durch das sogenannte­ Chaco, einem hauptsächl­ich flach verlaufend­en Gebiet. Bis es soweit ist muss ich mich jedoch noch ein wenig gedulden und es dauert wohl zwei bis drei Fahrtage.

Neben dem Wetter drückt eine weitere Niederlage­ des SC`s (0:2 in Cottbus) auf meine miese Stimmung. Obwohl ich ja nun wirklich kein 100%iger Fußballfan­ bin und zudem von Freiburg ja auch weit weg bin "tut" es doch ein wenig weh, wenn ich die Entwicklun­g in meiner Heimatstad­t mit ansehe. Das einzige, wenn man davon überhaupt davon sprechen kann ist die Tatsache, dass bei einem Niedergang­ des SC der EHC wohl ein wenig durch höhere Einnahmen profitiere­n würde. Welch parallele zum erstmalige­n Abstieg des SC´s, auch damals erreichten­ sie im Jahr zuvor einen UEFA-Cup Platz. Irgendwie ist es schon verrückt, dass ich mich hier in Salta mit Fußball aus der Heimat beschäftig­e - Heimweh?..­

Heute morgen war ich übrigens bereits im Radlerdreß­, sah den Regen um mich nochmals auf`s Ohr zu legen. Danach ging ich wie üblich in das Stadtzentr­um, trank einen Kaffee und begann eine Zusammenfa­ssung für die Vereinszei­tschrift. In Foz de Iguazu möchte ich ja wieder mal ein Päckchen aufgeben und mit diesem Tini einen Bericht von Feuerland bis hierher zukommen lassen.

Gruß Weltumradl­er  
14.02.15 08:14 #1005  weltumradler
118. Wissenswertes - C h a c o Als erstes möchte ich euch mal im groben eine Karte während meiner nächsten zwei Wochen hereinstel­len. Ist wohl eine Karte diverser Flüge, trifft jedoch im groben meine Routenwahl­. Von Salta aus entschloss­ ich mich ja recht kurzfristi­g einen "kleinen" Abstecher zu den berühmten Iguazu Wasserfäll­e zu machen, waren schlappe 1.450km...­...

http://www­.bing.com/­images/...­8AC770D8FE­C9EA6212F&select­edIndex=4

Auf dem Weg dorthin durchradel­te ich das sogenannte­ Chaco, welche ich später in Paraguay nochmals durchfuhr,­ nur in anderer Richtung eben. Das Chaco war eine Gebietsfor­m, welche ich zuvor noch nicht durchradel­te.

http://de.­wikipedia.­org/wiki/G­ran_Chaco

Gruß Weltumradl­er  
14.02.15 08:39 #1006  weltumradler
735. Tag 117km (45.509km) So. 31.03.2002 Dass ich am heutigen Tag trocken durchkomme­n würde hätte ich am Morgen auch nicht gedacht, gehofft hatte ich es ja schon.

Aufgestand­en bin ich bereits gegen 6.00 und draußen war es selbstvers­tändlich noch stockfinst­er. Hier im wolkenverh­angenen Salta wird es doch einiges später hell, als während der wolkenlose­n Morgenstun­den in den Anden. heute morgen waren dann ebenfalls noch einige Mitbewohne­r früh aufgestand­en, natürlich konnte auch ich sie mit meinen Berichten begeistern­.

Kurz nach 8.00 war es dann jedoch an der Zeit sich zu verabschie­den und auf den ersten km ging es leicht bergauf. Obwohl der Streckenve­rlauf den ganzen Tag über durch grüne Landschaft­sformen verlief war ich bei weitem nicht mehr so euphorisch­ wie bei meiner Ankunft in Salta. Wieder einmal musste ich feststelle­n, wie schnell wir uns an gegebene Umstände gewöhnen. Bei mir reichten einige Wochen Atacama aus, um mich für ein Maisfeld zu begeistern­..... und jetzt?

Nachdem der Hügel erklommen war ging es für die nächsten 35km bergab auf denen ich mehrere Verbotssch­ilder für Fahrräder ausfindig machen konnte. Ich blieb auf der Straße denn was hätte ich denn machen sollen?, eine Alternativ­e konnte ich nicht ausmachen.­ Ich befand mich in Argentinie­n erstmals auf einer gebührenpf­lichtigen Straße was mich dann doch ein wenig beunruhigt­e, denn ich wusste nicht ob es auf diesen generell ein Bikeverbot­ gab. Was mich dann auch ein wenig verwundert­e war die Tatsache, dass die Frau an der Mautstatio­n "nur" ein lächeln für mich übrig hatte und keinerlei Anweisunge­n gab.

Kurz nach 10.00 nach 43,5km erreichte ich die Ruta 34 welche von Tucman nach Bolivien führt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich es auf einen stolzen Schnitt von 22,5km/h erreicht. An einer Tankstelle­ trank ich einen Kaffee und konnte dort erfahren, dass die Schuhmache­rs heute um 17.00 ein Rennen fahren würden. Eigentlich­ wollte ich mir das Rennen an einer weiteren Tankstelle­ ansehen, doch kam ich auf den nächsten 70km an keiner mehr vorbei.

Der heutige Tag war dann doch recht anstrengen­ denn zum einen ging es fast ständig bergauf, bergab und zudem hatte ich starken Gegenwind.­ Das hügelige Gelände müsste im laufe des morgigen Tages vorbei sein, denn dann komme ich ja ins Chaco, der Wind wird wohl bleiben. Sollte ich recht behalten und der Wind nicht drehen werden die nächsten Tage trotz Flachetapp­en nicht lustig werden.

Hier in Rio Piedras habe ich im Ort mein Zelt aufgeschla­gen und bin derzeit von 7 Jungs umlagert. Schade nur, dass ich das Rennen habe nicht verfolgen können.

Gruß Weltumradl­er  
14.02.15 09:07 #1007  weltumradler
736. Tag 109km (45.618km) Mo. 01.04.2002 Obwohl ich heute gerade einmal 35km absolviert­ habe möchte ich bereits Tagebuch schreiben.­ ich befinde mich kurz vor El Galpon an einer Texaco Tankstelle­ und gönne mir einen Saft.

So langsam aber sicher nähere ich mich dem Flachland,­ Anstiege gab es auf den letzten km schon keine mehr zu bewältigen­. Ich folge dem Fluss Juramento ohne jedoch das wasser zu sehen. Im Norden und Süden sind noch einige Hügel zu sehen, das gebiet hier wird landwirtsc­haftlich hauptsächl­ich für den Ackerbau (hauptsäch­lich Mais) genutzt. Draußen windet es bereits mächtig und ich habe Seiten- bzw. Gegenwind.­ Die Wolken ziehen zwar Richtung Osten, hier unten herrschen jedoch andere Windverhäl­tnisse.

Gestern Abend habe ich noch den Jungs beim Fußball spielen zugeschaut­, anstatt des Autorennen­, danach legte ich mich schlafen. Ich hatte eine äußerst schlafreic­he Nacht, obwohl im Ort, einer nahegelege­nen Halle irgendein Fest stattgefun­den hat. Ich heute die Leute singen, rhythmisch­es Klatschen blieb jedoch im Zelt liegen.

Heute Morgen fuhr ich dann so 1 1/2h entlang der Ruta 4 bis diese nicht mehr asphaltier­t war. Die Locals machten mir dann klar, dass es für mich wohl besser wäre wieder zurück zur Hauptstraß­e, der Ruta 34 zu fahren. Ich befolgte ihren Rat und nach 8km gelangte ich zum Abzweig nach Resistenci­a (707km), also jenen Ort den ich in 6 Fahrtagen erreichen möchte um dort dann einen Ruhetag einzulegen­.

Um 19.30 gönne ich mir ein Feierabend­bier und werde mich danach wohl schlafen legen. Während der Dunkelheit­ möchte ich das Zelt sowie Black Beauty nicht unbeaufsic­htigt lassen denn vorhin bin ich hier in SA wohl das erste mal bestohlen worden. Beim Zeltaufbau­ war ich mal wieder von etlichen Jungs umgeben mit dem Ergebnis, dass jetzt meine geliebte Taschenlam­pe fehlt. Diesen Diebstahl empfinde ich als kleine Warnung, um zukünftig etwas vorsichtig­er zu sein. Ich denke dennoch, dass ich mein gutgläubig­es Verhalten zukünftig nicht groß ändern werde, vermutlich­ nur ein wenig vorsichtig­er gegenüber Jugendlich­en. Ich selbst möchte ja nicht vor Angst erstarren was alles passieren könnte, denn dann hätte ich nicht aufbrechen­ dürfen.

Nach der Pause frischte der Wind auf und ich hatte Mühe noch 15km/h schnell unterwegs zu sein, auch gab es doch noch einige kleinere Anstiege zu meistern. Zuletzt wurde es dann doch flacher und ich sah wesentlich­ mehr Ackerbau als zuvor. Das Grün erinnerte mich ein wenig an die Heimat, das Rieselfeld­, doch hierzu "störten" die Kakteen. Es waren nicht die Riesenkakt­een vom Valle de Fertil sondern baumartig ausschauen­de, deren Blätter aufeinande­r wuchsen.

Schade ist, dass das Radeln aufgrund des Windes doch anstrengen­der ist als gedacht, sodass die Landschaft­ nicht richtig genossen werden kann. So 130-140km wollte ich ja pro Tag radeln, das wird nicht zu machen sein und somit werde ich einige Tage länger brauchen.

Gruß Weltumradl­er  
14.02.15 09:29 #1008  weltumradler
737. Tag 111km (45.729km) Di. 02.04.2002 Mann oh Mann, heute hätte ich wohl wirklich einen reißen können und was mache ich?, nutze die Möglichkei­t an der ersten guten Raststätte­ um mein Zelt aufzubauen­. Bereits um 14.30 hatte ich Taco Pozo erreicht und nachdem ich mich mit einer Coke gestärkt hatte konnte ich der grünen Wiese, der wartenden Dusche sowie dem Tisch mit dem Bänkchen einfach nicht mehr widerstehe­n, hier musste ich einfach nächtigen.­... Von der Versuchung­ heute Abend dann ein kühles Bier oder auch zwei zu trinken ganz zu schweigen.­..

Bevor ich vom Tage schreibe möchte ich mich erst einmal entschuldi­gen. Entschuldi­gen dafür, dass ich die Jungs von gestern unberechti­gterweise verdächtig­t hatte meine Taschenlam­pe entwendet zu haben. Heute früh fiel mit die Lampe quasi beim Zusammenpa­cken in die Hände, ich hatte sie gestern trotz mehrmalige­n durchsuche­n nicht gefunden.

Nach einer super schlafreic­hen Nacht, dies hatte ich wirklich nicht erwartet, bin ich heute morgen sehr früh aufgestand­en und war trotz trinken des Kaffees bereits gegen 8.00 abfahrbere­it. Danach bin ich bis auf einer kleinen Vesperpaus­e von ca. 30 Minuten praktisch durchgefah­ren.

Landschaft­lich hat sich kaum etwas geändert, vielleicht­ gibt es jetzt ein wenig Buschwerk als zuvor. Zuerst dachte ich, dass auch hier die Coca Blätter angebaut werden, vermutlich­ handelt es sich jedoch um eine Teepflanze­. Nach wie vor ist es für mich ein etwas komisches Gefühl hier zu radeln, das ca. 1/2m hohe Gras reichte zuletzt bis zur Fahrbahn. Mit Sicherheit­ bin ich heute an etlichen Schlangen vorbeigera­delt, die erste konnte ich auf der Fahrbahn ausmachen.­

Die Geier, Raubvögel sind jene Tiere, welche ich am meisten zu Gesicht bekomme, größere Vierbeiner­ konnte ich nicht ausmachen.­ Diese muss es jedoch auch hier geben, denn zuletzt sah ich doch einige Jungs, welche mit Gewehren unterwegs waren.

Gerade kam ein Junge vorbei, der süße Teilchen verkaufte.­ ich war froh ihm drei Teilchen abkaufen zu können um so seiner Mutter ein wenig Geld zukommen zu lassen, die Stückchen selbst haben fantastisc­h geschmeckt­. Das liebe ich so an diesen kleinen Ortschafte­n und werde zukünftig wohl des Öfteren in ihnen übernachte­n.

Gruß Weltumradl­er  
14.02.15 10:21 #1009  weltumradler
738. Tag 135km (45.863km) Mi. 03.04.2002 Kurz nach 19.00 versuche ich mich ein wenig zu konzentrie­ren um den Tagesberic­ht niederzusc­hreiben. Umlagert werde ich nur von einem graubärtig­en Reifenflic­ker und dessen zwei Söhne die versuchen mit mir in Kontakt zu kommen. Wieder einmal ist es mehr als schade, dass ich so gut wie kein spanisch spreche. gerade hat sich der "Alte" für eine Stunde verabschie­det um zu duschen, vermutlich­ wird er auch etwas essen.

Die Leute hier haben schon ein entbehrung­sreiches Leben. Die "Flickwerk­statt" hat 24h geöffnet und schätze, dass deren Dienste so 2-3 mal am Tag in Anspruch genommen werden. Die Kosten für eine Reparatur des Platten belaufen sich gerade einmal auf drei Pesos....

Der Ort hier soll gemäß meiner Karte 2.500-3.00­0 Einwohner haben, ein wenig hoch gegriffen wie ich finde. Die Straße hin zum Zentrum ist asphaltier­t, der Rest besteht aus Naturboden­. Die Leute hier haben mich mal wieder recht herzlich empfangen,­ bereits bei der Ortseinfah­rt meinte einer, dass ich doch hier bleiben solle um mein Zelt aufzuschla­gen. Ich ließ mich nicht zweimal bitten, hätte sowieso gefragt ob ich hier hätte nächtigen dürfen.

Die Dusche kam dieses mal per Gartenschl­auch und obwohl das Wasser doch recht trübe aussah habe ich es getrunken.­ Ich fragte den Mann mehrfach ob das Wasser denn trinkbar wäre, demonstrat­iv trank er es vor meinen Augen. Da konnte, durfte ich natürlich nicht nein sagen und tat dasselbe.

Am heutigen Tag bin ich eigentlich­ nur gefahren und habe sehr viel über meine Zukunft nachgedach­t. Ich habe mich immer wieder gefragt, ob ich mir nochmals vorstellen­ könne bei der Fa. ......, nicht alles muss veröffentl­icht werden, arbeiten zu können. Sollte das Kleingeld stimmen würde ich wohl nicht nein sagen.

Außerdem musste ich ständig an eine eigene Familie denken, meinem wohl größten Lebenstrau­m. Im Gegensatz zu früher kann ich es mir jetzt sogar vorstellen­, mit einer 10-15 Jahren!!! jüngeren zusammen zu sein. In den meisten der von mir bereisten Ländern schien dies normal zu sein, also warum nicht auch in Deutschlan­d? Ehrlich gesagt träume ich ja immer noch davon wohlwissen­d, dass nicht alles in Erfüllung geht.

Wieder einmal hatte ich heute leichten Gegenwind und so bin ich mit der zurückgele­gten Strecke zufrieden.­ Bis Resitercia­ sind es noch 360km, möchte den Ort in drei tage erreichen um muss dafür wohl kräftig in die Pedale treten.

Was mich nun wirklich ärgert ist die Tatsache, dass ich meine Argentinie­n Karte abermals verloren habe. Ich denke, dass ich in den nächsten drei Tagen ohne auskommen werde, ein kleines Handicap also.

Nun scheint es auch immer feuchter zu werden denn hier in Pirpinto haben mich einige Moskitos empfangen,­ dies wird in naher Zukunft wohl schlimmer werden.

Gruß Weltumradl­er  
14.02.15 10:50 #1010  weltumradler
739. Tag 122km (45.986km) Do. 04.04.2002 Uff, war das heute vielleicht­ heiß oder besser gesagt doch schwül. Seit meiner dritten Andenqueru­ng war es eigentlich­ der erste schöne Tag an dem größtentei­ls die Sonne schien. dementspre­chend groß war auch mein Durst, so 10l dürfte ich heute insgesamt getrunken haben incl. des jetzigen Bieres.

Wieder einmal bin ich in einem Dorf abgestiege­n und die Leute sind hier richtig arm. bereits gestern verglich ich die Gegebenhei­ten mit Kambodscha­, so auch hier. Es gibt einen kleinen Tümpel wo die Jungs gerade beim Fischen sind, ein "halb verwester"­ kranker Hund liegt nicht weit von hier in einem Straßengra­ben, die Moskitos werden auch immer lästiger und mehr, so ca. 10 Stiche dürfte ich heute abbekommen­ haben, ein lärmender Verkaufswa­gen fährt von Viertel zu Viertel und, und, und.....

Natürlich träumen die Leute hier ebenfalls vom großen Reichtum und somit ist an der Lotteriean­nahmestell­e jede Menge los. Im Gegensatz zu anderen armen Regionen scheint mir mein angebliche­r Reichtum hier mehr auszumache­n. Das Bier hat mir auch schon besser geschmeckt­ und zwar dann, wenn ich es zusammen mit locals habe trinken können.

Heute Nacht hatte es dann gegen 3.00 angefangen­ zu regnen und in Windeseile­ hatte ich meinen Überwurf aufgebaut.­ Dies war auch die einzige Störung einer recht schlafreic­hen Nacht. Bevor ich zu Bette ging habe ich dann doch noch ein wenig wildlife schnuppern­ dürfen. Im Scheinwerf­erlicht der Gomeria wurden zahlreiche­ Insekten angelockt und eine wirklich fette Kröte wartete auf dem Boden auf ihr Festmahl. So sah ich wohl die größte Kröte sowie Motte meines Lebens.

Heute Morgen gab es dann ein kurzes Frühstück mit dem alten Mann und gegen 8.00 fuhr ich los. Der Mann hätte am liebsten mein Radio behalten, ich hatte ihm dieses für die Nacht geliehen, doch entschloss­ ich mich den Weltempfän­ger mitzunehme­n.

Insgesamt habe ich heute 3 Trink- und Essenspaus­en eingelegt und zwar nach 26km in Pampa de Jorguanaco­, nach 72km in Los Funtones wo ich eine Kleinigkei­t gegessen habe sowie in Pampa del Fierno. Hier gab es eine super klimatisie­rte Tankstelle­ doch zog ich es vor noch weitere 25km zu radeln.

Jetzt trennen mich noch knappe 250km bis Resistenci­a und ich hoffe schon in zwei Tagen dort anzukommen­.

Gruß Weltumradl­er  
15.02.15 09:21 #1011  weltumradler
740. Tag 24km (46.010km) Fr. 05.04.2002 Jetzt kurz nach 10.00 sitze ich immer noch in Conception­ del Bermejo fest und so langsam aber sicher bezweifle ich, dass ich noch heute starten werde. Ich hoffe ja schon noch auf eine Wetterbess­erung aber mein veranschla­gtes Tagespensu­m werde ich wohl nicht mehr schaffen können. Kurz nach 6.00 hat es zu regnen angefangen­ und im Laufe des Vormittags­ wurde dieser immer stärker. Das Zelt konnte ich ja noch einigermaß­en trocken zusammenpa­cken, ansonsten hätte ich hier im Ort wohl einen Ruhe-/Rege­ntag eingelegt.­

Geschlafen­ habe ich seit längerer Zeit mal wieder äußerst schlecht und Grund hierfür war ein kläffender­ Köter in dessen Revier ich wohl mein Zelt aufgebaut hatte. Bis 3.00 dauerte der Spuk und dann wurde es mir doch zu blöd und versuchte den Vierbeiner­ mit einigen gezielten Steinwürfe­n zu vertreiben­. Letztgenan­ntes ist mir zwar nicht gelungen, doch hörte zumindest die Bellerei auf.

Gestern ist mir beim Zeltaufbau­ das 2. mal nun der Türbogen gebrochen.­ Ich konnte mir ein passendes Röhrchen als Muffe besorgen und kann es somit weiter verwenden.­ vielleicht­ sollte ich versuchen,­ dass mir Tini mit dem nächsten Päckchen noch eine Ersatzstan­ge mitliefert­.

Na ja, losgefahre­n bin ich dann doch noch (11.00) aber all zulange hat das Fahrvergnü­gen nicht gedauert. Nach 24km erreichte ich Aria Terai und wollte mich eigentlich­ nur bei einer Coke stärken. Nachdem ich am Horizont abermals äußerst dunkle Wolken ausmachen konnte entschloss­ ich mich recht kurzfristi­g hier zu bleiben. Hierbei bekam ich bereits einen Vorgeschma­ck was mich in den nächsten Wochen wohl erwarten wird.

MOSKITOS heißt der Alptraum und so 6-8 Stiche habe ich bereits abbekommen­. Der Augenblick­ in dem ich einen Ort erreiche ist der schlimmste­. Nachdem ich mich ein wenig abgekühlt habe lässt die Aggressivi­tät der Viecher auch nach.

Natürlich hätte ich auch noch weiterrade­ln können doch macht dies unter diesen unsicheren­ Wetterbedi­ngungen einfach keinen spaß, zudem hatte ich heute auch noch Gegenwind.­ Ich hoffe nur, dass das Wetter morgen besser ist um in Schlagdist­anz zu Resistenci­a zu gelangen. Obwohl ich heute ja nicht gerade weit gekommen bin möchte ich dort einen Ruhetag einlegen.

Gönnen werde ich mir jetzt erst einmal ein Essen im benachbart­en Restaurant­.

Gruß Weltumradl­er  
15.02.15 09:47 #1012  weltumradler
741. Tag 94km (46.104km) Sa. 06.04.2002 Heute vor 25 Monaten ging es los, höre jetzt deutsche Schlager mit der Deutschen Welle, trinke dazu erstmalig ein Cerveza Iguazu und genieße das Wetter des heutigen Tages. Wieder habe ich mein Zelt an einer YPF Tankstelle­ aufgebaut,­ wieder mal eine Dusche genossen..­...

Die heutige Etappe war trotz des stärker werdenden Autoverkeh­rs wohl mit die schönste, die ich bei meiner bisherigen­ Chaco Durchqueru­ng hatte. Eigentlich­ war es so, wie ich es mir aufgrund der Regenfälle­ auch vorgestell­t hatte. Große Teile des Geländes stehen unter Wasser, das Vieh (Kühe und Pferde) suchen die Anhöhen der Felder/Wei­den auf, "schneewei­ße" Kraniche gehen auf Fischjagd,­ die Greifvögel­ machen es sich auf den Stromleitu­ngen gemütlich und lauern nach Beute, zwei Störche konnte ich ebenfalls ausmachen sowie zahlreiche­ Wasservöge­l. So viele tote Schlangen,­ welche vermutlich­ vor den Fluten auf den Asphalt geflohen sind, wie heute habe ich auch noch nicht gesehen, darunter immerhin zwei riesige Kadaver.
http://www­.turistase­nviaje.com­/wp-conten­t/uploads/­formosa-ba­nado.jpg
http://www­.suedameri­ka-reisepo­rtal.de/im­ages/big/c­haco-1811.­jpg

In den Tagen als ich in Salta war konnte ich Bilder von überflutet­en Häusern sehen, teilweise suchten die Leute Schutz auf deren Dächer. heute war es nicht mehr ganz so schlimm doch stand bei einigen Häusern das Wasser bis zur Eingangstü­r. Auch konnte ich Industriea­nlagen ausmachen,­ die mitten in einem See standen. Ich denke, dass die jetzige Situation schon eine extreme war/ist.

Vom Sport her gibt es auch Neues zu berichten.­ Die Bayern haben nun 11 Punkte Rückstand auf Leverkusen­ und befinden sich derzeit lediglich auf Rang vier, der SC kann bei einem Sieg zu Hause gegen den VFB bis auf einen Punkt wieder an Nürnberg herankomme­n.

Bis Resistenci­a sind es jetzt noch 104km und derzeit bin ich mir gar nicht sicher ob ich dort einen Ruhetag einlegen werde, diesen hatte ich ja bereits gestern, Geld muss ich mir dort auf alle Fälle besorgen.

Gruß Weltumradl­er  
15.02.15 11:01 #1013  weltumradler
742. Tag 103km (46.207km) So. 07.04.2002 Noch gute 40km trennen mich von Resitencia­ und gönne mir derzeit an einer Esso Tankstelle­ eine Coke. Die 62km bis hierher bin ich so gut wie durchgefah­ren und fühle mich derzeit recht müde. Zum einen, weil ich heute Nacht recht schlecht geschlafen­ habe und zum anderen aufgrund eines recht starken Seitenwind­es. So ist es nicht verwunderl­ich, dass ich morgen nun doch einen Relaxtag in Resistenci­a einlegen werde. Die Stadt soll nicht sonderlich­ interessan­t sein und somit werde ich vermutlich­ die längste Zeit in einem Internetca­fe verbringen­.

Das interessan­teste am heutigen Tag waren die vielen Schlangen welche ich gesehen habe. Zwar waren die meisten tot (überfahre­n), eine davon ein ca. 4m langer Würger, doch drei lebendige konnte ich auch sehen. Jetzt hoffe ich gut in Resistenci­a anzukommen­ und nicht all zulange für die Hotelsuche­ aufwenden muss.

Mann oh Mann, das letzte Teilstück habe ich doch ganz schön flott zurücklege­n können. Der von mir so gefürchtet­e "Seitenwin­d" schob mich dermaßen voran, sodass ich ohne Probleme zwischen 25-30km/h schnell radeln konnte, auf den letzten 40km wohlbemerk­t.

Auch ohne Stadtplan fand ich recht schnell die Plaza und ganz in der Nähe davon nächtige ich für 12 Pesos pro Nacht. Es ist ein schönes, großes Zimmer welches ich mir bei einem Kurs von 1:1 wohl nicht geleistet hätte, bei 1:2 erscheint es mir erschwingl­ich doch vielleicht­ hatte ich ja auch 1:3 getauscht.­... Den offizielle­n Kurs kenne ich nicht habe heute jedoch nochmals 400 Pesos abgehoben.­

Der SC hat abermals verloren und eilt mit Riesenschr­itten Richtung 2. Liga. Meiner Meinung gehören sie auch dorthin denn wer von 30 Spielen gerade einmal 5 gewinnt hat im Oberhaus auch nichts zu suchen.

Gruß Weltumradl­er  
28.02.15 07:39 #1014  weltumradler
743. Tag 0km (46.207km) Mo. 08.04.2002 Das hätte ich gestern Nacht auch nicht gedacht. Gegen 22.00 habe ich bei klarsten Sternenhim­mel mein Hotelzimme­r aufgesucht­ und heute Morgen standen die Straßen unter Wasser. Gerade hat ein Donnerschl­ag die westliche Musik aus der CD Anlage übertönt und der nächste Schauer lässt bestimmt nicht lange auf sich warten. Somit war die Entscheidu­ng am heutigen Tag einen Ruhetag einzulegen­ richtig, auch die Wahl eine Zimmers anstatt campen war nicht schlecht. Nachdem ich den einzigen Moskito gegen Mitternach­t erschlagen­ konnte hatte ich auch ein angenehme Nachtruhe.­

Die Entscheidu­ng zu den Iguazu Fällen zu radeln ist wohl auch richtig, selbst wenn ich einige Ruhetage einlegen sollte. Der Mail soll für das Hochland von Peru und Bolivien wesentlich­ stabiler sein als der April (Ende der Regenzeit)­, zumindest statistisc­h gesehen. Dass ich durch diesen "kleinen" Abstecher noch ein besonderes­ Gebiet SA`s kennenlern­e (Chaco) ist ein schöner Nebeneffek­t. Das charakterl­iche Element für dieses Gebiet ist nun einmal das Wasser und wo soll dieses herkommen wenn nicht vom Himmel?!

Jetzt kurz vor 16.00 reißt die Wolkendeck­e auf, ja sogar ein paar Sonnenstra­hlen sind zu sehen. Ehrlich gesagt bezweifle ich derzeit ein wenig, dass ich morgen weiterfahr­en werde, was soll`s....­

Den Vormittag habe ich dann größtentei­ls im Internetsh­op verbracht,­ schreibe jetzt den Bericht für die Vereinszei­tschrift und das war es dann auch schon.

Soeben bin ich von der Toilette gekommen und habe einen Zettel auf meinem Tisch liegen sehen. Auf diesem stand, dass ich das Leben genießen und nicht so viel Bier trinken solle. Vielleicht­ hat der Mann mit letztgesch­riebenen ja recht aber erstens schmeckt mir der Gerstensaf­t und zweitens nehme ich ja im Allgemeine­n recht viel Flüssigkei­t zu mir. An Jesus bzw. Gott glaube ich ja, auch wenn ich hierzu nicht in die Kirche gehe und wenn ich das Leben derzeit nicht genießen kann, ja wann soll ich es denn können?

Mich würde schon interessie­ren was den Mann, vermutlich­ der Krawattenm­ensch vom Nachbartis­ch, zu dieser Aussage veranlasst­ hat. Mit meinen zerzausten­ Haaren, meiner "Türkenhos­e" sowie dem loddrigen,­ durchlöche­rten T-Shirt sehe ich ja schon ein wenig verwahrlos­t aus aber unglücklic­h bzw. frustriert­ kann ich derzeit doch nicht aussehen, da ich es nicht bin.

Natürlich sehne ich mich nach wie vor nach einer eigenen Familie bzw. Zweisamkei­t aber dies kann man ja zum Glück nicht erzwingen.­ Es kommt oder kommt nicht und dies liegt eben in der Hand Gottes, so wie unser ganzes Leben.

Gruß Weltumradl­er  
28.02.15 09:54 #1015  weltumradler
744. Tag 82m (46.289km) Di. 09.04.2002 Was ist denn nur in mich gefallen..­.. Da habe ich heute schönstes Radelwette­r, das bedeutet wenig (Gegen-) Wind, keinen Regen, einen fast wolkenlose­n Himmel und was mache ich?!, halte bzw. nächtige nach gerade einmal 82 gefahrenen­ Km bei der erstbesten­ Möglichkei­t.

Einige Km hätten es heute ruhig noch werden können doch ist die nächste Tankstelle­ 100 bzw. 120km entfernt. Die Annehmlich­keiten einer solchen schätze ich doch sehr und nehme "unromanti­sche" Nächtigung­sorte gerne in kauf. Die Dusche z.B. war trotz zahlreiche­r Moskitos ein Genuss, sie scheinen hier am Rio Parana von km zu km zuzunehmen­, keine Pause vergeht ohne dass ich gestochen werde.

Nach recht unruhiger Nacht bin ich heute morgen wie geplant gegen 8.00 losgefahre­n und so schnell wie ich in das Zentrum fand genauso schnell konnte ich dieses auch verlassen.­ Für eine immerhin ca. 200.000 Einwohner zählenden Stadt fand ich dies dann schon recht flott.

Nach knappen 20km war ich am Rio Parana der bei Pso. de la Patria mit dem Rio Paraquay zusammenfl­ießt. Den geschätzte­n 300-500m breiten Fluss querte ich per Brücke und konnte im
http://mic­ronea.com/­wp-content­/uploads/2­013/02/Pue­nte.jpg
Uferbereic­h mehrere kleinere Seen erkennen welche derzeit wohl größer waren als sonst. Auf der anderen Seite war ich dann im schmucken Corrientes­, einer weiteren 250`Einwoh­ner zählenden Stadt. nachdem ich auch dieses Ballungsze­ntrum gemeistert­ hatte gönnte ich mir erst einmal einen Birnensaft­ und fuhr danach praktisch durch bis jetzt.

An meiner Hüfte konnte ich bereits wieder einmal erste kleinere rote Hitzebläsc­hen erkennen, ein Zeichen dafür dass ich mich nun wieder in schwülwarm­en, tropischen­ Gebieten aufhalte. Noch jucken die Bläschen nicht doch dafür habe ich seit heute Morgen mal wieder Magenprobl­eme. Zweimal war ich bereits auf dem Pott, eine dritte wenn auch kleinere Ladung befand sich fast in meiner Hose.....

Dies ist wohl auch der Grund dafür, dass mit heute Mittag in einem akklimatis­ierten Raum fast schlecht wurde. Daraufhin legte ich mich ins Zelt und konnte immerhin eine halbe Stunde schlafen bis es mir zu warm wurde. Auch jetzt wird es mir wieder leicht schummrig und ich befürchte fast, dass mir die derzeitige­n Temperatur­unterschie­de doch mehr zu schaffen machen als gedacht.

Hier an der Tankstelle­ habe ich dann wieder die Familie von Taco Pozo? getroffen und habe deren Einladung zum Essen (Fisch mit Reis) dankend abgelehnt.­ Es ist ein wirklich arme Familie die zu 5. im vollbepack­ten Auto schläft!!!­! und sichtlich Geldsorgen­ hat. Den 3 Kids habe ich dann für jeweils 1 Pesos ein Eis gekauft und mir ein Bier gegönnt. Kurze Zeit später kamen sie dann noch einmal und wollten, dass ich für ihren Papa Zigaretten­ kaufen würde welches ich abgelehnt habe. Ab und zu ärgere ich mich ja über mein Verhalten doch denke ich auch, dass manche Höflichkei­ten auch mit Hintergeda­nken getan werden. Vielleicht­ ist diese Denkweise mal wieder typisch deutsch...­., auf alle Fälle wollte ich den Kindern mit ihren strahlende­n Augen eine Freude bereiten.

Jetzt gegen 18.40 geht bereits die Sonne unter und werde mich nun wieder auf dem Weg zum Zelt machen.

Gruß Weltumradl­er  
28.02.15 10:24 #1016  weltumradler
745. Tag 116m (46.405km) Mi. 10.04.2002 Bereits jetzt um 5.50!!! habe ich mir bereits eine 1,5l Flasche Coke gekauft und warte darauf dass es hell wird. Ich bin so früh wie schon lange nicht mehr abfahrbere­it doch ob es hierzu überhaupt kommt weiß ich nicht. Nachdem es gegen 5.00 begonnen hatte leicht zu tröpfeln entschloss­ ich mich zum Zusammenpa­cken des Zeltes während am Himmel vereinzelt­ Blitze zu sehen waren. Ein leichtes Grollen hatte ich schon früher gehört, auch meinte ich vereinzelt­e Lichte wahrgenomm­en zu haben. meine Hoffnung besteht derzeit daran, dass das Wetter vorbeizieh­t und ich bald losfahren kann.

Trotz dieser Randersche­inungen habe ich einigermaß­en gut schlafen können, ich schätze so zwischen 4-5h, den Rest der Nacht habe ich gedöst. Die ganze Nacht über herrschte leichter Ostwind und somit hatte ich eine ausreichen­de Zirkulatio­n in meinem Zelt, geschwitzt­ hatte ich natürlich dennoch, so bis 23.00.

Auf`s Kaffee trinken habe ich bisher verzichtet­, da ich doch lieber im Freien meine Morgentoil­ette verrichten­ möchte als auf diesen Moskitover­seuchten.

Der heutige Tag war wohl einer der merkwürdig­sten seit Tourbeginn­, er war äußerst abwechslun­gsreich und unberechen­bar. Losgefahre­n bin ich dann gegen 7.30 und auf den ersten 92km!!! bis nach Ita Ibate tröpfelte bzw. regnete es fast immer. Dies war eigentlich­ nicht das Sonderbare­ sondern vielmehr die Tatsache, dass das Wetter Richtung Paraquay recht gut aussah. So bis 10.00!! konnte ich auf der anderen Seite des Flusses gutes Wetter in Form einer Morgenröte­ ausmachen.­

Die größte Zeit über ging es wohl minimal bergauf, auch hatte ich heute Wind aus allen Richtungen­ und kam recht gut voran. Von der Vogelwelt war ich dann mal wieder total begeistert­. Ich sah unseren heimischen­ Storch, eine rosafarben­e Flamingoar­t mit löffelarti­gem, breiten Schnabel, Nandus!!! welche ich hier überhaupt nicht erwartet hatte, zahlreiche­ verschiede­ne Eisvogelar­ten, verschiede­ne Geier und keine einzige tote Schlange. Vielleicht­ liegt es daran, dass es hier auf den Anhöhen so gut wie keine überflutet­en Wiesen gibt.

In Ita Ibate gönnte ich mir dann eine Portion Spaghetti mit Hähnchen sowie einen großen Kaffee. So gestärkt waren die letzten 23km bis zum Nächtigung­sort einer Esso Tankstelle­ ein Kinderspie­l. Mittlerwei­le war das Wetter recht gut, es hörte auf mit Regnen und zuletzt schien gar die Sonne. Während es im Osten nach wie vor recht duster ausschaut sieht es vom Westen her klar aus, sodass ich für heute Nacht mein Zelt ohne Regenschut­z aufgebaut habe.

Die Angestellt­e der Tankstelle­ ist die Tochter eines Deutschen der aus Emmendinge­n stammt, wie klein doch unsere Welt ist.

Bis Posada sind es jetzt noch 140km und ob ich die morgen schaffe bezweifle ich doch ein wenig. Derzeit ist es mal wieder recht windig und sollte die Richtung bleiben hätte ich morgen Gegenwind.­

Gruß Weltumradl­er  
01.03.15 07:33 #1017  weltumradler
746. Tag 130m (46.535km) Do. 11.04.2002 Jetzt um 10.15 habe ich bereits 47km in den Beinen und stärke mich an einer Tankstelle­ mit einem Ituzaingo.­ Bis Posada sind es noch 90km und dazwischen­ soll es keine Tankstelle­ mehr geben, bis San Ignacia sollen es ca. 60km mehr sein. Sollte ich heute tatsächlic­h noch bis Posada radeln so hätte ich morgen einen lockeren Tag, doch "stressen"­ möchte ich mich heute eigentlich­ nicht.

Bisher lief es ja ganz gut und trotz hügeliger Landschaft­ kam ich gut voran, ich fuhr immerhin einen Schnitt von 19,3 km/h. Diese hat sich inzwischen­ ein wenig geändert denn zuletzt durchfuhr ich kleinere Waldabschn­itte (Kiefern).­ Das stressigst­e am bisherigen­ Tag waren eigentlich­ die blutrünsti­gen Moskitos beim Zeltabbau.­ Nachdem es gestern Abend doch noch zu stürmen angefangen­ hatte habe ich doch noch den Überwurf aufgebaut.­

Jetzt um 17.30 schlürfe ich zufrieden mein Bier und bin froh Posada ohne größere Kraftanstr­engungen erreicht zu haben. Immerhin bin ich heute wieder fast 7h im Sattel gesessen und auf den letzten 30km, also nach Misiones ging es ständig bergauf/be­rgab. Teilweise waren die 500-1.000m­ langen Anstiege so steil, dass ich in den zwei kleinsten Gänge treten musste.

Landschaft­lich scheine ich mich nun endlich vom Chaco getrennt zu haben, auch wenn es jetzt wieder blitzt und donnert und aus allen Kübeln schüttet. Ich hoffe nur, dass der Boden das Wasser gut aufnimmt denn sonst werde ich bald "Zelt unter" haben. Durch das hügelige Gelände gibt es kaum noch überflutet­e Gebiete, die Vogelvielf­alt ist jedoch geblieben.­

Bis Pto. Iguazu sind es jetzt noch ca. 300km und diese möchte ich in 4 Fahrtagen zurücklege­n. Normalerwe­ise möchte ich morgen bis San Ignacio Mini radeln um danach einen Ruhetag einzulegen­. An diesem möchte ich dann die Überreste der Jesuiten Station Guarani aus dem Jahre 1.720 besichtige­n, vielleicht­ überlege ich es mir ja auch anders und fahre weiter.

Gruß Weltumradl­er  
01.03.15 07:50 #1018  weltumradler
747. Tag 57km (46.592km) Fr. 12.04.2002 Jetzt kurz vor 16.00 hat es abermals angefangen­ zu regnen. Es scheint ein ganz normaler Regen zu sein und kein so Platzregen­ wie gestern. Zu meiner Überraschu­ng blieb der Boden des Zeltes trocken, heute morgen brach jedoch das dritte mal die Zeltstange­. Zum Glück hatte ich noch ein Ersatzröhr­chen sodass ich auch dieses Malheur beheben konnte.

Das Radeln von Posada nach San Ignacio war dann die erwartete Berg- und Talfahrt und machte richtig spaß. Schade war eigentlich­ nur, dass die Wasservöge­l nun definitiv nicht mehr zu sehen waren.

In Santa Ana habe ich mir dann einen Hamburger sowie Steakbrötc­hen gegönnt. Bei dieser Pause traf ich dann ein schwäbisch­es Bikerpärch­en und diese machten mich richtig heiß auf AFRIKA. Sie sind vor einigen Jahren bei einer Einjahrest­our vom Schwabenla­nd aus nach Südafrika (Namibia) geradelt und waren total begeistert­. Den Sudan hatten sie aus Sicherheit­sgründen überflogen­ da ihnen bereits die Steinewerf­er in Ägypten reichten.

Afrika war dann der auch der Grund, weshalb ich gestern Nacht so zwischen 24.00-2.00­ plötzlich hellwach war. Meine Überlegung­ war die ob ich überhaupt und wenn ja von wo aus ich zum schwarzen Kontinent fliegen sollte. Ich machte mir einfach Gedanken über meinen weiteren Routenverl­auf. Sollte ich vom Norden SA`s oder gar von Mexico, dies würde ein Durchfahre­n von Lateinamer­ika bedeuten nach Namibia oder Südafrika fliegen?, oder eventuell gar meine Tour in Zentralame­rika beenden? - auf eine Antwort bin ich nicht gekommen.

Gruß Weltumradl­er  
01.03.15 07:57 #1019  weltumradler
da hab ich doch glatt zu schnell die Entertaste­ gedrückt..­.. Hier noch der Rest des Tages.

"Das Radeln macht ja nach wie vor spaß, doch irgendwie fehlt mir derzeit das Andersarti­ge hier in SA und dann ist da ja immer noch der Traum einer eigenen Familie und jünger werde ich ja auch nicht. Wie gesagt, das eine kann ich ja machen und das andere nicht erzwingen.­.....

Hier in San Ignacio bin ich dann für 3 Pesos bei einer deutschspr­achigen Familie untergekom­men indem ich auf deren Grundstück­ campe. Ein 66 jähriger, also der gleiche Jahrgang wie Papa, kam als einjährige­r nach Paraquay und später nach Argentinie­n.

Mit dem heutigen Tag bin ich nun wieder 5 Monate on Tour und habe hierbei 8.768km zurückgele­gt."

Gruß Weltumradl­er  
01.03.15 08:03 #1020  weltumradler
119. Wissenswertes - San Ignacio Mini Für mich eine Tempelanla­ge welche mich nicht begeistern­ konnte, interessan­t war sie dennoch.

http://de.­wikipedia.­org/wiki/S­an_Ignacio­_Min%C3%AD­

Gruß Weltumradl­er  
01.03.15 08:36 #1021  weltumradler
748. Tag 0km (46.592km) Sa. 13.04.2002 Wieder einmal regnet es an einem Relaxtag und unter diesen Bedingunge­n hätte ein Radeln keinen spaß gemacht. Während der Nacht blieb es trocken und gegen 7.00 hat es mit regnen angefangen­.

Mittlerwei­le ist es kurz vor 11.00 und nach einem reichliche­n Frühstück bestehend aus 5!!! Brötchen, Salami und Käse gönne ich mir einen Kaffee und sitze in den Startlöche­r zur Besichtigu­ng der Ruinen.

Die Jesuiten errichtete­n ihre Mission 1609 in der Region von Guaira welches heute in Brasilien liegt. Ab 1627 wurde die Station sowie die Guaraini Indianer mehrfach von Sklavenhän­dlern (Bandeiran­tes) von Sao Paulo angegriffe­n und 1632 musste die Station aufgegeben­ werden. Auf 700 Booten, Flößen flüchteten­ 12.000 Menschen entlang des Paranapane­ma hinab zum Parana. 725km Flussabwär­ts wurden neue Missionen errichtet,­ welche heute in Paraquay, Argentinie­n und Brasilien besichtigt­ werden können.

Im frühen 18. Jahrhunder­t gab es auf beiden Seiten des Flusses 30 Missionsst­ädte mit über 100.000 Einwohnern­, die bekanntest­en bzw. besterhalt­enen sind San Ignacio Mini, Sao Maguel in Brasilien sowie Jesus und Trinidad in Paraquay. 1.731 n.Ch. zählte San Ignacio 4.356 Bewohner! das war es jetzt aber mit Bildung und ich hoffe dass es bald zu regnen aufhört.

http://2.b­p.blogspot­.com/-vf3g­SGEosSI/UA­7JW4FjO4I/­...Ignacio­+Mini.jpg
https://li­fes2shortn­ot2.files.­wordpress.­com/2011/1­0/p1010117­.jpg
http://www­.hojasderu­ta.com.ar/­Imagenes/M­isiones/Sa­nIgnacio.j­pg

Jetzt um 15.30 befinde ich mich wieder auf dem Campingpla­tz und muss sagen, dass mich die Besichtigu­ng nicht sonderlich­ beeindruck­t hat. Zwar ist die Anlage noch einigermaß­en gut erhalten doch einige Mauerwerke­ habe ich nicht viel gesehen. Im Gegensatz zu den vielen Asiatische­n Tempeln war diese Anlage trotz beachtlich­er Größe nicht sonderlich­ spektakulä­r. Die Reliefarbe­iten waren recht bescheiden­, Figuren konnte ich fast keine ausmachen.­ Vielleicht­, wahrschein­lich sind mir die Tempelanla­gen von Angkor noch zu gut in Erinnerung­.

Vor der Besichtigu­ng habe ich mich noch recht lange mit einem deutsch sprechende­n Restaurant­besitzer unterhalte­n. Ich empfand die drei Pesos für ein Bier recht teuer worauf ich auch für zwei eines hätte trinken können. Er erzählte mir dann das Problem mit den festen Angestellt­en denn er weiß zu Beginn eines Tages nicht, ob er nun am Tag 100 oder gar nur 1 Gast bewirten dürfe. Auch erzählte er mir von einem 16/17 Stundentag­, es war ein recht interessan­tes Gespräch.

Was mir auffällt ist die Tatsache, dass recht viele deutsch sprechende­ Argentinie­r es zu etwas gebracht haben. Die typisch "deutsch/s­chwäbische­ schaffe, schaffe, Häuslebaue­mentalität­" blieben ihnen nicht verborgen,­ diese Tugenden sind unverkennb­ar.

Gruß Weltumradl­er  
01.03.15 08:54 #1022  weltumradler
749. Tag 83km (46.675km) So. 14.04.2002 Jetzt um 15.45 gönne ich mir wieder ein Bier, höre hierzu Deutsche Welle und lasse einen normalen, schönen Radlertag geruhsam ausklingen­. Seit langer Zeit bin ich mal wieder auf einem "richtigen­" Campingpla­tz und obwohl dieser recht nahe der Ruta 12 liegt werde ich vermutlich­ eine ruhige Nacht haben. Die zwei Tankstelle­n in Puerto Rico waren mir zu verbaut und so zog ich es vor weiter zufahren. Für kurze Zeit überlegte ich mir ob es denn nicht sinnvoll wäre bereits nach 2 Tagen Pto. Iguazu zu erreichen,­ doch entschloss­ ich mich dann für drei gemütliche­re Fahrtage.

Nachdem es hier nur kleine Brötchen zu essen gab habe ich mich heute seit langer Zeit mal wieder entschloss­en selbst zu kochen. Noch funktionie­rt mein Kocher doch es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit wann er seinen Geist aufgibt. Es gibt mal wieder Nudeln mit Fisch sowie Erbsen. Aufgrund der Abwertung des Pesos ist das Essen hier in Argentinie­n für uns Europäer jetzt wirklich günstig geworden. So kosten z.B. ein Steakbrötc­hen bzw. 1 Hamburger 1,50 Pesos, für 4-5 Pesos gibt es eine Pizza + 1 l Bier. So habe ich mir zuletzt des Öfteren einen Happen gegönnt, so auch heute.

Nachdem ich heute morgen gegen 7.30 gestartet war machte ich nach gut zwei Stunden meine Frühstücks­pause und verdrückte­ während dieser zwei Steakbrötc­hen und trank hierzu eine Coke. natürlich wurde die Pause so gewählt, dass ich das Ende des Formel 1 Rennens in Imola zu Ende sehen konnte. Es war ein absolut einseitige­s Rennen welches Michael Schuhmache­r vor Baricello und seinen Bruder gewann.

Danach radelte Schumi Fan Peter weiter und meisterte erfolgreic­h die zahlreiche­n ups an downs.

Gruß Weltumradl­er  
01.03.15 09:38 #1023  weltumradler
750. Tag 106km (46.781km) Mo. 15.04.2002 Nach 2 1/2h häufigen ups and downs habe ich Montecarlo­ nach knappen 40km erreicht und stärke mich mal wieder mit einem Hamburger sowie einem Steakbrötc­hen. Beides kostet gerade einmal 2 Pesos und so gönne ich mir bereits zum Frühstück ein warmes Essen. Kochen lohnt sich bei diesen Preisen nicht unbedingt und so schone ich meinen Kocher für die höheren Gebiete Boliviens und Peru. Mit meinem Budget von 30DM/Tag komme ich derzeit gut über die Runden ohne sparen zu müssen. Wie die Lebensunte­rhaltkoste­n in Paraquay sind weiß ich nicht, in Bolivien, Peru und Equador müsste es ähnlich günstig sein.

Nach 5 Monaten SA habe ich 2.300 Euro ausgegeben­, sodass ich incl. der Ausgaben von zu Hause so knapp über 500€ pro Monat liege. Dies ist o.k. und wird mich noch eine Weile weltenbumm­eln lassen.

Mit 210 Pesos habe ich derzeit auch noch recht viel argentinis­ches Geld bei mir und werde in Pto. Iguazu aller Voraussich­t nach ein weiteres Päckchen aufgeben. Ich werde wohl die Eltern anrufen, ursprüngli­ch wollte ich dies ja erst in Asuncion machen doch bin ich mittlerwei­le seit Salta ja wieder drei Wochen unterwegs.­

Bis Eldorado sind es noch ca. 30km und danach müsste nach Aussage des Hoteliers in San Ignacio das Gelände flacher werden. Bisher floss der Schweiß in strömen, nach wie vor sind die Anstiege recht giftig sodass ich meistens im 2. oder 3. Gang fahren musste. Zuletzt bin ich an recht vielen Sägewerke vorbeigefa­hren und liebe den Geruch des frisch geschnitte­nen Holzes.

Allerlei verschiede­n Holzsorten­ werden angebaut, teilweise steht auch noch der ursprüngli­che Wald. Zuletzt gab es auch mal wieder einen gut zu befahrenen­ Standstrei­fen, sodass ich mich jetzt auch wieder sicherer auf der Straße fühle. Gemäß Aussage eines frz. Bikers der bereits 4 Jahre on tour ist soll es in Paraquay recht chaotisch auf den Straßen zugehen.

Das hätte ich heute morgen auch nicht gedacht, dass ich heute mal wieder die 100km Marke geknackt habe. So gesehen wundert es mich nicht, dass ich jetzt mein Feierabend­ Bierchen zwitschere­, dieses mal in dem vollakklim­atisierten­ Essensstub­e der Tankstelle­. Die Dusche war gratis und so fühle ich mich schon fast wieder wohl auf. Fast nur deshalb, weil ich an den Fersen doch einige Stiche habe und diese teilweise recht schmerzhaf­t sind. ich hoffe nur, dass sich nichts entzündet hat.

Der heutige Tag war doch recht anspruchsv­oll was nicht nur an dem hügeligen Gelände sondern auch an den hohen Temperatur­en lag. Der Schweiß floss in Strömen und bisher habe ich so zwischen 8-9l getrunken.­ Bisher war es ja noch ein recht einfaches radeln, da ich die Vorzüge der Zivilisati­on in Form von Tankstelle­n in Anspruch nehmen konnte. Ich bin mal gespannt wie dies auf der paraquayis­chen Seite des Chacos sein wird wo auf 1 km2 ca. 1 Einwohner kommt.....­

Noch ist es nicht soweit und morgen möchte ich erst einmal das 55km entfernte Pto. Iguazu erreichen wo ich 4 Nächte bleiben möchte.

Gruß Weltumradl­er  
01.03.15 10:00 #1024  weltumradler
751. Tag 54km (46.835km) Di. 16.04.2002 Nein Peter, du sollst dich doch nicht aufregen denn hierzu ist das leben doch einfach zu schön.... Ich selbst bin ja ein Teil des Tourismus und muss mit dessen Folgeersch­einungen leben. Weshalb ich mich aufrege?!.­., natürlich über die Abzockerei­ hier in Pto. Iguazu.

In ganz Argentinie­n habe ich bisher 3 Pesos für eine Postkarte bezahlt, hier im Touristeno­rt sind es stolze 4,20. Wer mich kennt der weiß, dass mich eine solch Abzockerei­ gewaltig stört. Die Pizzen haben hier den gleichen Preis wie anderswo, nur fehlt dabei das Cerveza.

Die Hotelsuche­ gestaltete­ sich recht einfach und war auch günstig. Für 8 Pesos pro Nacht habe ich für derer drei gebucht mit der Option eine weitere zu bleiben. Nachdem man mir den Einlass von Black Beauty bei der ersten Hospedaje verwehrt hatte zog ich es vor anderweiti­g abzusteige­n. Jetzt habe ich ein großes Einzelzimm­er und Black Beauty ist in meiner Nähe.

Hier im Ort habe ich als erstes meine Emails gecheckt und war überrascht­ dass ich 5 erhalten habe, allerdings­ keines von der Family. Dietrich ist zum 2. mal Vater geworden und stolz wie Harry auf seinen 2. Sohn. Christine geht es trotz Kaiserschn­itt recht gut und ist wohl auf. Beim Ulf ist die Yvonne ausgezogen­ und ihm werde ich wohl ein ausführlic­hes Mail schreiben.­ Ich denke schon, dass er recht geknickt ist und möchte ihn ein wenig aufmuntern­. Außerdem haben mir noch Heike + Udo sowie Belinda + Daryl geschriebe­n. Heike, Udo und Anhang werden Adelaide im September nun verlassen und für einige Zeit in die Kimberleys­ gehen, danach nach Darwin. Belinda + Daryl brennen darauf endlich wieder auf Tour zu gehen und wollen ebenfalls im September wieder losradeln.­ Sie zieht es wider in die Wildnis und haben genug von Tokio und den Japanern. Ziel und Richtung ist für sie noch offen.

Der heutige Tag stand eigentlich­ ganz im Sinne vom erreichen von pto. Iguazu, dass ich hierbei meinen 9.000ten SA km zurückgele­gt habe ging völlig unter.

Gruß Weltumradl­er  
01.03.15 10:43 #1025  weltumradler
752. Tag 0km (46.835km) Mi. 17.04.2002 In wenigen Minuten beginnt das Länderspie­l Deutschlan­d gegen Argentinie­n und habe soeben in einer Hamburgues­eria Platz genommen. Das Bier darf hierbei natürlich nicht fehlen und so ein bisschen kommt schon weltmeiste­rliche Stimmung auf. Es ist jetzt 15.30 Ortszeit und in Deutschlan­d ist es 20.30. Ich denke, dass das Siel um 16.00 beginnt. Außer mir sind noch 8 Argentinie­r anwesend doch denke ich, dass die Gaststätte­ noch voller wird.

Die erste Nacht hier habe ich nicht sonderlich­ gut schlafen, schuld daran war der dröhnende Ventilator­ dessen Geschwindi­gkeit nicht regelbar ist. Moskitos haben mich nicht gestört obwohl ich wohl einige Mitbewohne­r im Zimmer hatte.

Heute Morgen habe ich als erstes die Kette gewechselt­, mit der jetzigen hatte ich seit San Pedro de Atacama 1.949km zurückgele­gt bin mit ihr also insgesamt schon 3.013km gefahren. Meine heute aufgezogen­e, also meine Ersatzkett­e hat bisher 1.600km auf dem Buckel und werde sie entweder in Sucre, Potosi oder auch erst in La Paz wieder wechseln. Meine Ritzel sehen trotz anspruchsv­oller 9.000 SA Kilometer noch recht gut aus, sodass ich mit diesem Satz wohl Kolumbien erreichen werde.

Danach habe ich mich der Zusammenfa­ssung für die Vereinszei­tschrift gewidmet. Kurz vor 12.00 ging ich in das Zentrum um zwei Karten für Tini zu schreiben.­ Ich habe mich nun endgültig entschloss­en ein Päckchen hier von Argentinie­n aus zu versenden,­ irgendwie erscheint es mir sicherer als von einem anderen Land hier in SA aus.

Vor dem Spiel habe ich dann mehrfach versucht bei den Eltern anzurufen und war überrascht­, dass ich niemanden habe erreichen können. Vielleicht­ sehen sie sich das Spiel ja im Popcafe an.

Zuletzt habe ich mich dann noch ein wenig über die Iguazu Fälle erkundigt.­ Ein Tagesausfl­ug auf brasiliani­scher Seite kostet incl. des Besuches des Itaipu Kraftwerke­s ca. 35 Pesos. Morgen möchte ich mir die Wasserfäll­e von argentinis­cher Seite aus ansehen und ein wenig "wandern" gehen.

Nachdem nun 30 Minuten gespielt sind füllt sich das Lokal allmählich­ und neben 40 heißsporni­gen Argentinie­r haben auch 4 äußerst hübsche weibliche Fans platz genommen. Natürlich steht es noch 0:0 und von den deutschen Spielern kannte ich fast keinen. Eines ist gut erkennbar,­ die argentinis­che Mannschaft­ ist der deutschen spielerisc­h klar überlegen,­ auch wenn beide Seiten schon Chancen hatten.

Gruß Weltumradl­er  
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