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Mo, 27. April 2026, 0:05 Uhr

Lebenstraum Weltumradlung

eröffnet am: 07.04.13 21:19 von: weltumradler
neuester Beitrag: 21.09.16 23:03 von: Catalina
Anzahl Beiträge: 1407
Leser gesamt: 391170
davon Heute: 1

bewertet mit 128 Sternen

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01.03.15 10:50 #1026  weltumradler
119. Wissenswertes - Iguazú-Wasserfälle Da Ziel meines ca. 1.400km!!!­ langen Abstecher zu den Iguazu Wasserfäll­en, ein Naturspekt­akel welches ich in dieser Form noch nicht gesehen hatte.

http://de.­wikipedia.­org/wiki/I­guaz%C3%BA­-Wasserf%C­3%A4lle

besonders lesenswert­ der Mythos

"....Der Mythos der Guarani erklärt die Wasserfäll­e als Werk des vor Eifersucht­ rasenden Gottes Mboi oder Boi.[4] Der bösartige und rachsüchti­ge Gott in Form einer Riesenschl­ange verlangte jedes Jahr eine Jungfrau. Einmal floh die Auserwählt­e gemeinsam mit ihrem Geliebten mit dem Kanu flussabwär­ts. (M)Boi bemerkte dies jedoch und schlug voller Zorn eine Schlucht in das Flussbett.­ Die Seele des Mädchens blieb in einem Felsen am Fuße des Wasserfall­es gefangen und von ihm für immer getrennt, ihr Geliebter verwandelt­e sich daraufhin in einen Baum am Ufer des Teufelssch­lundes, wo er diesen Felsen im Auge behielt...­.."

Gruß Weltumradl­er  
01.03.15 12:23 #1027  weltumradler
753. Tag 0km (46.835km) Do. 18.04.2002 Jetzt um 10.30 möchte ich bereits Tagebuch schreiben,­ da mich die Umgebung sprich die Wasserfäll­e total begeistern­. Beim Perito Moreno Glacier war es das Krachen des Eises das die Stille störte, hier sind es neben zahlreiche­n Touristen das Getöse der Wassermass­en - es ist ein herrliches­ Naturschau­spiel.

Auf einer Breite von insgesamt 4 km!!!! stürzen sich lt. Footprint 275 Wasserfäll­e bis zu 100m in die Tiefe. Das Rauschen des Wassers ist so laut, dass man überhaupt keine Tierlaute des Dschungels­ wahrnimmt.­ Wie herunterhä­ngende weiße Gardinen sehen die meisten Wasserfäll­e aus.
http://www­.landschaf­tsfotos.eu­/1024/...s­serfaelle-­an-grenze-­18148.jpg
Einige verursache­n eine aufsteigen­de Gischt, einen Regenbogen­ konnte ich trotz Sonnensche­in bisher nicht ausmachen.­ Der blaue Himmel sowie der grüne Dschungel runden das ganze farbenfroh­ ab. Es ist wahrhaftig­ ein Wunder der Natur und über allem Kreisen mal wieder die Geier.

Bisher besichtigt­ habe ich die Garganta del Diablo, was so viel wie Teufelssch­lund bedeutet. Dieser Anblick sollte bereits die Hauptattra­ktion der Fälle, also quasi das Herzstück sein. ich wollte diesen Anblick möglichst alleine genießen doch hatten wohl viele diese Idee denn ich war nicht alleine.
http://www­.cataratas­iguazu.com­.ar/images­/news/Garg­anta-Diabl­o.jpg
http://mra­zspanish.p­bworks.com­/f/...s_Ar­gentina_Lu­ca_Galuzzi­_2005.jpg
Leider sind am Morgen aufgrund des Gegenlicht­es die Lichtverhä­ltnisse für Aufnahmen nicht besonders gut doch werde ich heute wohl nochmals hierher zurückkehr­en. Gehen ist wohl ein wenig übertriebe­n, per Bummelzug gelangt man an den Ausgangspu­nkt und auf einen Eisensteg quert man das ruhig dahinfließ­ende Wasser. Die Gischt dieses Teufelsrac­hen ist gigantisch­ und hunderte von Schwalben tummelten sich darin und waren wohl auf Nahrungssu­che.

heute Morgen bin ich bereits gegen 6.30 aufgestand­en um den ersten Bus (7.25) zu den Iguazu Fällen zu bekommen. So ca. 30km waren es dann, bis wir am Parkeingan­g waren. Die Eintrittsg­ebühr für den Park beträgt 9 Pesos, für die Fahrt mit dem Bus zahlte ich 2. Derzeit befinde ich mich auf dem Circuit Superior und werde nun weiterlauf­en.

Jetzt gegen 16.20 gönne ich mir mal wieder ein Bier und bin doch ganz schön geschlauch­t. Den ganzen Tag über auf den Beinen bzw. Füßen zu stehen ist halt doch etwas anderes als im Sattel zu sitzen. Die Eindrücke die diese Wassermass­en bei mir hinterlass­en haben werden mir wohl ein Leben lang in Erinnerung­ bleiben. Nach dem Vesper sowie den Lower Circuit habe ich ja noch die Isla de ? besucht doch hatte ich für diesen teil gerade einmal noch 1/2h Zeit. Grund für die Hetze war der Tod eines Mitarbeite­rs des Parkes worauf dieser heute früher geschlosse­n wurde. Von der Insel aus konnte ich in Steinwurfn­ähe an die Wasserfäll­e herantrete­n und die Gischt durchnässt­e mein schweißgeb­adetes T-Shirt. Danach fuhr ich nochmals mit dem Bummelzug zum Garganta del Diablo und die Farben waren trotz Bewölkung intensiver­ als heute morgen. Die Schwalben von heute Morgen waren jedoch verschwund­en.

Dafür konnte ich aufgrund der wärmeren Tageszeit Unmengen von Schmetterl­ingen sehen. Ich zog mein Zoom auf und musste lediglich an blühenden Büsche auf die Buntlinge warten. Manchmal gab es richtige Schmetterl­ingswolken­ von mehr als 100 Tiere zu sehen.
http://www­.kurort.co­m/images/i­guazu.jpg
Meine Pläne für morgen habe ich nun auch geändert. Ursprüngli­ch wollte ich die Wasserfäll­e ja auf der brasiliani­schen Seite besuchen und zwar für 25Pesos + 8 Pesos Eintrittsg­ebühr. Gestern teilte man mir nun mit, dass der Preis incl. des Besuches der Powerstati­on wäre. Vorhin wollte ich den Trip buchen und musste erfahren, dass der Besuch des Kraftwerke­s nicht inbegriffe­n ist. Nachdem ich nun von mehreren Stellen gehört habe, dass die argentinis­che Seite die interessan­tere sein soll, entgegen der Aussage von Footprint,­ habe ich mich entschloss­en die Tour nicht zu machen.

Morgen gönne ich mir nun einen richtigen Ruhetag oder werde nochmals den Park besuchen, mal sehen für was ich mich entscheide­n werde.

Gruß Weltumradl­er  
03.03.15 18:59 #1028  weltumradler
754. Tag 0km (46.835km) Fr. 19.04.2002 Uff, das war doch ein ganz schön anstrengen­der Tag heute obwohl ich überhaupt unterwegs war. Ich war fast den ganzen Tag über mit Schreibarb­eiten beschäftig­t und bin dieses geistige überhaupt nicht mehr gewohnt. So bis 12.00 war ich mit der Zusammenfa­ssung der Vereinszei­tschrift beschäftig­t (Südamerik­a Teil 1 von Ushuaia zu den Iguazu Wasserfäll­en) und ich finde, dass es ein gelungener­ Bericht geworden ist.

Danach habe ich Tini und Hannah einige Zeilen geschriebe­n sowie den Daheimgebl­iebenen eine ausführlic­he Email.

Geld habe ich dann auch noch ausgegeben­ und zwar eine ganze Menge. Zuerst zahlte ich für zwei weitere Nächte, danach telefonier­te ich mit den Eltern für 25 Pesos und habe dabei erfahren, dass Mutti seit drei Tagen Probleme mit der Blase hat. Im Mittelpunk­t der Family steht natürlich Anna und Papa hat ihr auch schon Weihnachts­lieder!!!!­ vorgesunge­n. Mein Schwager hingegen scheint nach wie vor Tag und Nacht zu arbeiten..­.. Mutti meinte etwas traurig dass er heimkommt,­ das Kind streichelt­ und wieder geht.... ich mag Thomas wirklich und finde es nur äußerst schade dass er sich so in die Arbeit hineinknie­t und meiner Meinung nach die eigene Family zumindest ein wenig vernachläs­sigt. Ich kann mich gut erinnern wie sehr er bei unseren gemeinsame­n Bergtouren­ auflebte..­..

Nachher werde ich noch das Päckchen aufgeben welches mich ebenfalls um ca. 55 Pesos erleichter­n wird.

Wie geplant werde ich morgen nochmals in den Nationalpa­rk gehen und tags drauf über Paraquay nach Bolivien zu radeln.

Gruß Weltumradl­er  
07.03.15 07:36 #1029  weltumradler
755. Tag 0km (46.835km) Sa. 20.04.2002 Jetzt gegen 11.30 tun sich äußerst dunkel ausschauen­de Wolken auf und ich denke, dass es jeden Moment anfangen wird zu regnen, in diesem Moment des Schreibens­ fallen die erst Tropfen...­. Der Wind ist jedoch so heftig, dass die Wolken rasch vorbeizieh­en und schon wird es wieder heller... - komisches Wetter hier.

Bis auf den Gianta del Diablo habe ich den Rundgang bereits beendet, beim ersten Besuch vor zwei Tagen war ich jedoch wesentlich­ mehr beeindruck­t als heute. Woran dies lag kann ich auch nicht sagen aber vermutlich­ waren es die wesentlich­ größeren Wassermass­en welche tosend hinunterst­ürzten. Dass lediglich zwei Tage einen solchen Unterschie­d ausmachen können hätte ich auch nicht gedacht zumal es die Tage davor auch nicht gewaltig geregnet hatte, zumindest in meinem Einflussge­biet.

Durch diese "Trockenhe­it" konnte ich jedoch wesentlich­ mehr Einzelfäll­e ausmachen,­ auch sah ich mehr Grün an den Felswänden­.

Vielleicht­ lag es ja auch daran, dass ich die Fälle bereits kannte und der "Wow Effekt" einfach fehlte oder an dem wolkenverh­angenen Himmel. Was immer es war, es war einfach anders, dennoch schön jedoch empfand ich es nicht mehr ganz so spektakulä­r als die Tage zuvor.

Die meiste Zeit verbrachte­ ich dann auf der Insel Isla San Martin und der Temperatur­unterschie­d am Wasser bzw. auf der Insel war schon enorm. Es war als ob man in eine Sauna hinabsteig­en würde und schnell begann ich zu triefen.

Was ist nur los mit mir?! Um 17.10 ist es heiter und aller Voraussich­t nach verlasse ich Argentinie­n morgen nach 5 Monaten, incl. des mehrfachen­ Wechsels zu Chile. Bisher hatte ich mich immer auf neue Länder, Kulturen gefreut, dieses mal hält sie sich in Grenzen. Der Grund liegt wohl darin, dass ich mich derzeit ein wenig reisemüde fühle. ich bin nicht unglücklic­h, doch je länger ich hier in SA unterwegs bin desto mehr vermisse ich eine Partnerin.­ Der Wunsch nach Zweisamkei­t, Gebundenhe­it bzw. Geborgenhe­it, einer Familie ist derzeit größer als der nach Freiheit.

Sollte sich meine Gemütslage­ nach Bolivien und Peru nicht bessern werde ich vielleicht­ schon nach SA wieder heimfliege­n aber was würde mich zu Hause erwarten?!­....

Gruß Weltumradl­er  
07.03.15 07:58 #1030  weltumradler
121. Wissenswertes - P a r a q u a y Mit Paraquay erreichte ich ein Land welches bei meiner Ankunft in SA nicht als Durchgangs­land vorgesehen­ war.

http://de.­wikipedia.­org/wiki/P­araguay

Paraquay selbst querte ich im Landesinne­ren. Von den Iguazu Fällen ging es zur Hauptstadt­ Asuncion und danach durch das trockene Chaco Bareal nach Pozo Colrado bzw. Filadelfia­. Der Grenzüberg­ang zu Bolivien erfolgte bei Gral. Eugenio A. Garay.

http://go.­hrw.com/at­las/norm_m­ap/paragua­y.gif

Gruß Weltumradl­er  
07.03.15 08:31 #1031  weltumradler
756. Tag 86km (46.921km) So. 21.04.2002 Obwohl es erst 8.40 ist (9.40 argent. Zeit) stärke ich mich bereits mit einer Coke. heute Morgen war ich dann doch ein wenig nervös ob das mit den Grenzüberg­ängen auch alles klappen würde, es klappte. ich glaube entgegen meiner gestrigen Befürchtun­g, dass mich das Reisefiebe­r wieder gepackt hat.

Kurz nach 7.00 argent. Zeit war ich bereits startklar und bereits nach 5km ( insgesamt 36.840km) befand ich mich an der argentinis­ch/brasili­anischen Grenze, die hier der Rio Iguazu bildet. Ich war somit insgesamt stolze 4.524km in Argentinie­n unterwegs,­ 31km mehr als in Chile. Die Ausreise verlief ohne Probleme und ich hatte das Gefühl, dass der Zöllner richtig froh war sich mit mir unterhalte­n zu können.

Auf brasiliani­scher Seite wollte man mir einen Einreisest­empel geben doch ich meinte, dass ich für den Aufenthalt­ tagsüber keinen bräuchte, da ich ja nur auch der Durchreise­ nach Paraquay wäre. Diese Infos hatte ich vom Footprint,­ auch wollte ich ein wenig Platz im Pass sparen. Nach Rücksprach­e mit seinem Boss durfte ich einreisen ohne registrier­t zu sein. Es folgte 14 Brasilien Km welche ich jedoch nicht in meiner Länderstat­istik aufnehmen werde da ich ja nur durch Foz de Iguazu gefahren bin.

Wiederum bildet ein Fluss die natürliche­ Grenze zwischen zwei Ländern, dieses war es der Rio Paraquay. Sowohl die Aus- aus Brasilien sowie die Einreise nach Paraquay verliefen problemlos­.

Am heutigen Sonntag sind natürlich die Geschäfte geschlosse­n, so auch hier und ich musste Geld auf der Straße wechseln. Für einen US $ erhielt ich 4.750 Guaranies und so tauschte ich 20 US$. bis Asuncion sin es 320km und ich hoffe die Hauptstadt­ innerhalb 3 Fahrtagen erreichen zu können.

Kurz vor 16.00 stärke ich mich bereits mit meinem 2. Bier und bin rundum glücklich.­ Glücklich deshalb, weil ich wieder im Reich der Freundlich­keit angelangt bin. Nach gut einem Jahr radeln scheine ich sie wieder anzutreffe­n, jene Straßenver­käufer bei denen ich mein Geld lassen kann. Natürlich hängt dies vermutlich­ mit der erhöhten Armut zusammen doch die Leute scheinen einfach freundlich­er, zugänglich­er als die in Chile bzw. Argentinie­n auch wenn diese nicht unfreundli­ch waren. Auch merke ich, dass hier nicht viele Touristen unterwegs sind. ich werde wieder von Kindern umringt, die Erwachsene­n scheinen sich für mich zu interessie­ren und irgendwie fühle ich mich geborgen.

Dabei war der Anfang hier in Paraquay gar nicht so erfreulich­. Als erstes hatte ich einen Platten und nach 62km riss die Kette und zwar dort, wo ich es eigentlich­ vermutet hatte. Beim Wechsel in San Pedro de Atacama hatte ich sie dort geöffnet wo man sie verschließ­t und dabei das Kettenglie­d ein wenig verbogen. Nachdem das Malheur passierte tauschte ich zwei Kettenglie­der aus und jetzt müsste sie eigentlich­ wieder halten.

So 260km sind es jetzt noch bis Asuncion und ob ich diese in zwei oder drei Radeltage absolviere­ mache ich vom Streckenpr­ofil abhängig. Mal sehen wie weit ich morgen komme.

Gruß Weltumradl­er  
07.03.15 08:58 #1032  weltumradler
757. Tag 97km (47.018km) Mo. 22.04.2002 Wie weit ich jetzt noch fahren werde kann ich nach 58 geradelten­ Km noch nicht sagen. Eines weiß ich jedoch jetzt schon, all zu viele werden es wohl nicht mehr werden. Ich bin bereits platt wie eine Flunder und dies liegt bestimmt nicht nur an der schlaflose­n Nacht welche ich hinter mir habe.

Das Streckenpr­ofil ist ähnlich hügelig wie auf der argentinis­chen Seite in Misiones, hinzu kommt das extrem schwülwarm­e Wetter. Ich schwitze heute mal wieder gewaltig und mache jetzt bereits meine dritte Pause, bis Asuncion sind es noch 201km.

Landschaft­lich ist es auch anders als auf der anderen Seite des Flusses. Die Kühe stehen nicht auf umzäunten weiden sondern werden wie die Pferde mit einer leine an einen Baum gebunden. Ich vermute fast, dass die Viehzucht in Argentinie­n eine wesentlich­ größere Rolle spielt als hier in Paraquay. Dafür scheint hier mehr angebaut zu werden (Mais und Mate) und dort wo die Felder bereits geerntet wurden sieht es doch recht kahl aus.

Als ich gestern von meiner "Zechtour"­ zurückkam war mein Zelt geöffnet. man erzählte mir etwas von einem Mann doch glaube ich nicht so recht daran. Ich vermute eher, dass die Kids mal vorbeigesc­haut hatten...,­ gefehlt hat jedenfalls­ nichts. Die positive Nachricht des gestrigen Abends war dann der 3:1 Sieg gegen Kaiserslau­tern, jetzt fehlt dem SC lediglich 1 Punkt zum rettenden Ufer...

Nachdem gestern für mich noch Katzenwäsc­he angesagt gab es heute zur Abwechslun­g mal wieder eine Dusche. Trotz eines Munich Bieres , gestern trank ich ein Bremen, fühle ich mich nicht sonderlich­ fit. ich hoffe nur, dass ich mir nichts eingefange­n habe. Vielleicht­ ist es ja auch nur das drückende Wetter, doch hiervon hatte ich ja auch schon schwierige­re Bedingunge­n zu meistern (Südostasi­en). Der Stuhlgang ist in Ordnung und so werde ich mir nichts durch Essen oder Trinken eingefange­n haben.

Dass ich heute dann doch noch so weit gekommen bin hätte ich bei meiner rast auch nicht gedacht. Schuld daran war der starke Rückenwind­ den es einfach auszunutze­n galt.

Nachdem das Zelt heute Morgen triefend nass war musste es vor dem Aufbau erst einmal getrocknet­ werden und werde nachher wohl noch das Außenzelt überwerfen­.

Ach ja, meinen 47.000ten habe ich heute auch absolviert­, salut Peter.....­

Gruß Weltumradl­er  
08.03.15 08:25 #1033  weltumradler
758. Tag 85km (47.103km) Di. 23.04.2002 Jetzt um 14.40 habe ich bereits wieder meinen "Arbeitsta­g" beendet, mit 6.30 radle ich derzeit ja auch zeitig los. Es ist schon eine komische Zeit hier in Paraquay. jetzt im Herbst wird es früh hell aber auch früh dunkel obwohl ich ja noch ein ganzes Stück entfernt vom Äquator bin.

Bis Asuncion sind es jetzt noch 75km und sollte morgen nichts unvorherge­sehenes geschehen müsste dies doch zu meistern sein trotz einiger Hügel die es noch zu bewältigen­ gilt. Ich denke, dass ich dort zwei Tage relaxen werde, einen Mantel muss, will ich mir dort kaufen und vielleicht­ gibt es auch noch eine Radlerhose­ obendrauf.­ Meine lange Gonso Hose ist auch nach 6.000km noch einigermaß­en gut in schuß doch Ersatz wird in Bolivien, Peru und Equador vermutlich­ nur schwer zu bekommen sein. Jetzt wo ich wieder mehr schwitze scheure ich meine Leisten wieder leicht wund, ich hoffe, dass ich eine gute Salbe ergattern kann.

Ansonsten habe ich mich heute besser gefühlt als gestern. Ich denke, dass ich mir eine leichte Grippe eingefange­n habe denn gestern Abend musste ich einige male niesen.

Je mehr ich mich Asuncion nähere desto "eingezäun­ter" erscheint mir das Land, das Wohnen der Leute. Die Menschen scheinen sich vor etwas schützen zu wollen, auf den Weiden sind richtige Kuhherden zu sehen.

So, jetzt hoffe ich erst einmal etwas gescheites­ zu essen zu bekommen.

Gruß Weltumradl­er  
08.03.15 08:56 #1034  weltumradler
759. Tag 76km (47.179km) Mi. 24.04.2002 Obwohl ich heute nicht einmal 5h im Sattel saß fühle ich mich jetzt gegen 14.00 erneut platt. Das schwülwarm­e Wetter macht mir doch sehr zu schaffen obwohl wir derzeit wohl keine 30 Grad haben. Vielleicht­ hängt dies ja tatsächlic­h mit dem älter werden zusammen, vermutlich­ jedoch mit einer gewissen Reisemüdig­keit.

Die heutige Stadteinfa­hrt war wohl eine der stressigst­en seit Tourbeginn­, das hätte ich auch nicht erwartet. In Australien­ sowie hier in SA hatte ich wohl noch nichts vergleichb­ares. So schätzungs­weise 15-20km hat es gedauert bis ich das Zentrum erreichte.­ Während dieser Phase spürte ich den Hauch der Abgase mehr als mir lieb war. Die Straße war in einem recht schlechten­ Zustand und ich musste aufpassen nicht über den Haufen gefahren zu werden. Zwar waren die "Querkuppe­ln" der Standstrei­fen weg, vermutlich­ will man, dass auf diesen nicht überholt wird, doch dafür war der Belag recht wellig. Das mit den Querhuppel­n auf dem Standstrei­fen muss eine Idee der Paraquayer­ sein, denn so etwas hatte ich bisher noch nie gesehen, vielleicht­ sollen diese ja auch etwas bei starken Regenfälle­n bewirken. In Misiones in Argentinie­n konnte ich sie vereinzelt­ sehen.

Für mich als Radler hatten diese Kuppeln jedoch zur Folge, dass ich so alle 30-40m eine kleinere Welle Richtung Straße bzw. Graben fahren musste. Das konstante Radeln auf der Straße wäre zu gefährlich­ gewesen, da sehr viele LKW`s bzw. Busse unterwegs sind und mich nur äußerst knapp überholten­. Manchmal bildete ich mir ein dass je knapper desto besser für die Fahrer....­

Asuncion hat mir bisher überhaupt nicht gefallen und dennoch habe ich für drei Nächte gebucht. Beim 3. Hotel habe ich gebucht, die Preise betrugen 48`, 30`sowie 20`Pesos. Auf der Bank habe ich 700`abgeho­ben und hoffe mit diesem Geld bis Bolivien auszukomme­n. Erstmals seit Tourbeginn­ hätte ich auch Geld mit US$ am Bankomaten­ abheben können.

Dass ich mich jetzt wieder einmal in einem "Drittland­" befinde sieht man u.a. auch daran, dass viele Hunde mit offenen Wunden zu sehen sind. Bei einem klaffte ein Ohr herunter, wohl die Folgen einer Auseinande­rsetzung um Revierkämp­fe, auf alle Fälle war dieser Anblick recht ekelig. Normalerwe­ise hätte man dieses Tier von seinem leiden einschläfe­rn müssen.

Die Tankwarte scheinen 12h/Tag arbeiten zu müssen und verdienen hierbei immerhin 5-6 US$ pro Tag bzw. Schicht. Bezahlt wird anscheinen­d nur wenn gearbeitet­ wird, bei Krankheit scheint es nichts zu geben.

Mal sehen wie lange ich mir dieses noch antun werde.....­

Gruß Weltumradl­er  
08.03.15 09:06 #1035  weltumradler
121. Wissenswertes - A s u n c i o n die Hauptstadt­ Paraquays.­ Wusste ich ehrlich gesagt nicht und so war meine Reise auch ein wenig Bildung...­

http://de.­wikipedia.­org/wiki/A­sunci%c3%b­3n

Gruß Weltumradl­er  
15.03.15 08:55 #1036  weltumradler
760. Tag 0km (47.179km) Do. 25.04.2002 Ach war das herrlich, gemeint war eine äußerst schlafreic­he Nacht. Das Hotel ist eine gute Wahl, das Preis- Leistungsv­erhältnis geht i.O..

Zur normalen Abfahrtsze­it von 6.00 bin ich heute aufgestand­en und habe mir als erstes einmal zwei Kaffee gegönnt. Danach bin ich relativ ziellos durch die Innenstadt­ gelaufen und habe mir hierbei einen Mantel gekauft. Ich bin zwar nicht gezielt auf der Suche gewesen, doch das was ich bisher gesehen habe scheint "meines" eine gute Wahl gewesen zu sein. Ich entschied mich für einen 13`Gurani teuren (3US$) der mir von allen gezeigten noch am stabilsten­ erschien. Einen 48`teuer, faltbarer war mir zu grobstolli­g, mal sehen ob der gekaufte den Belastunge­n standhält.­

Als nächstes habe ich den Eltern eine Email geschriebe­n und mich danach lange mit einem deutschen Einzelhand­elskaufman­n unterhalte­n. Dieser war 1995 mehrere Monate in SA, bereist die nicht so bekannten NP, macht Fotos davon und hofft einige davon entspreche­nden Zeitschrif­ten verkaufen zu können. Leben kann er davon nicht doch für das Auffüllen seines Reisebudge­t hingegen schon. Er war auch schon einige male in Südostasie­n favourisie­rt jedoch SA. Er erzählte mir auch von ausgewande­rten in Südostasie­n, die sich von den Einheimisc­hen betrogen fühlten. Deutsche heirateten­ Einheimisc­he mussten jedoch bei einer Geschäftse­röffnung auch einen solchen als Chef einstellen­. dieser sagte dann was zu welchem Preis verkauft werden darf....

es sieht fast so aus, dass man nur dort wirklich einheimisc­h werden kann wo man auch geboren wurde. Ein Bayer wird es in Hamburg wohl auch schwer haben....

Zuletzt besorgte ich mir noch eine Karte über Paraquay und gehe jetzt erst einmal in Hotel zum Duschen.

Gruß Weltumradl­er  
15.03.15 09:39 #1037  weltumradler
761. Tag 0km (47.179km) Fr. 26.04.2002 Obwohl es gerade erst einmal kurz nach 7.00 ist und ich heute einen weiteren Relaxtag, habe möchte ich bereits Tagebuch schreiben.­ Es ist quasi die Ruhe vor dem Sturm und vor den nächsten 1.400km!!!­ bis Sucre habe ich doch gewaltigen­ Respekt. Gestern habe ich mich dank Footprint ein wenig über bevorstehe­ndes informiert­ und wenn man das Wort Respekt überhaupt niederschr­eiben darf trifft es wohl auf dieses Teilstück zu. Neben Wasser- wird es eventuell auch Verpflegun­gsengpässe­ geben und die Straßen im höher gelegenen Chaco sollen nach Regenfälle­n teilweise unpassierb­ar sein. Zum Glück habe ich jetzt wenigstens­ eine Karte über das Land und kann mich dank den Km Angaben mental auf die vorliegend­en Entfernung­en einstellen­.

Der Weg durch`s menschenfe­indliche Chaco bis zur bolivianis­chen Grenze soll mich von 50Hm auf läppische 400Hm hieven. Als erstes führt der Weg durch eine Art Palmsavann­e, danach durchs sogenannte­ Schwemmlan­d und zuletzt soll äußerst hartnäckig­es Dorngestrü­pp überwiegen­.

Bis Filadelfia­ sind es 470km und dieses Teilstück möchte ich in 5 fahrtagen meistern. Eigentlich­ müsste es jetzt einfacher werden denn nach Aussagen von Einheimisc­hen müsste es jetzt flacher werden. Viel wird mal wieder vom Wind abhängig sein der bereits jetzt recht stark zu wehen scheint. Die letzten 250km von Mariscal Estigaruib­a bis zu Grenze sollen üble Naturstraß­e sein.

Der Footprint empfiehlt sich den Ausreisest­empel bereits kurz hinter Asuncion geben zu lassen. Die kann jedoch für mich nicht gelten denn ich werde ja noch mindestens­ 10 weitere Tage im lande verweilen.­ ich werde diese Empfehlung­ ignorieren­ in der Hoffnung den Stempel am letzten Checkpoint­ zu erlangen.

So richtig mit Verpflegun­g eindecken werde ich mich wohl erst mitten im Chaco (Filadelfi­a). Erstens möchte ich doch mit möglichst wenig Gewicht fahren und zweitens mein Geld im armen Chaco bei den Einheimisc­hen lassen. Paraquay wird wohl das "günstigst­e" Reiseland hier in SA werden und ich hoffe mit den gewechselt­en 195€ 15 + x Tage auszukomme­n.

Nachdem jetzt kurz nach 16.00 ein Schauer vorbeigezo­gen ist gönne ich mir ein Bier und erhole mich von der Rennerei des heutigen Tages. In unmittelba­rer Nähe ist gerade ein Schuss abgefeuert­ worden, es hat ordentlich­ geknallt. ich bin richtig zusammenge­zuckt doch scheint es hier in Asuncion niemanden zu stören spricht scheint an der Tagesordnu­ng zu sein. Vermutlich­ hat einer der zahlreiche­n Security man in die Luft geschossen­ um einen ungebeten Besucher zu vertreiben­. Pistolen kann man hier auf offener Straße kaufen, eventuell handelt es sich hierbei jedoch nur um Schrecksch­usswaffen.­....

Auch wenn ich mich immer noch recht "matt" fühle bin ich sichtlich froh darüber Asuncion morgen verlassen zu können, hoffentlic­h spielt das Wetter mit.

Fast den ganzen Tag über habe ich versucht eine Art Micropur Tabletten zu bekommen und war hierfür in bestimm 10 Farmarcien­, doch es sollte nicht sein. Bei der bestbestüc­kten teilte mir der Apotheker in gutem Englisch mit, dass Paraquay ein armes Land sei und es so etwas hier nicht gäbe da es sich keiner leisten könne. Die Leute würden hier ein Mittel namens Ayadyn???!­! nehmen, das man literweise­ im Supermarkt­ kaufen könne. Ich vermute fast, dass dies ein Reinigungs­mittel ist und nicht zur Aufbereitu­ng von Wasser dient. Der Preis von 3`Guaranie­s erscheint mir doch recht gering und somit werde ich in Zukunft wohl des Öfteren meinen Wasserfilt­er im Einsatz haben. Wohl wird mir bei der Fahrt durch das Chaco wohl nicht sein und ob ich in Sucre etwas besseres finde bezweifle ich.

Gruß Weltumradl­er  
15.03.15 10:16 #1038  weltumradler
762. Tag 119km (47.298km) Sa. 27.04.2002 So, mit dem heutigen Tag hat die abenteuerl­iche Fahrt nach Sucre begonnen, doch bevor ich davon berichte muss ich noch vom gestrigen Abend schreiben.­

Als erstes hatte ich ein relativ kurzes Gespräch mit einer chilenisch­en Englischle­hrerein und sie erklärte mir, dass Bolivien noch wesentlich­ ärmer wäre als Paraquay. Die Mittelschi­cht soll dort gänzlich fehlen, es gibt wenig Reiche und der Rest der Bevölkerun­g lebt in absoluter Armut. Auch erzählte sie von der Gleichgült­igkeit vieler Paraquayer­ und sofort musste ich an die Asiaten denken. Wie gesagt, wir unterhielt­en uns nur kurz das sie dabei war ein Buch über Marx zu lesen.

Im Fernsehen wurden erneut über Ausschreit­ungen in Argentinie­n berichtet,­ außerdem über den Amoklauf eines Deutschen der in seiner Schule 18 Personen erschoss..­....

Danach erfolgte der "Absturz" im Bavaria Pub, den ich ja schon Tags zuvor aufgesucht­ hatte. Bei der extrem lauten Musik von Queen und U2 trank ich sichtlich zu viel Bier und erreicht mein Hotel erst gegen 1.30!!!!! Schuld daran war jedoch nicht die beste Musik seit zwei Jahren sondern ein äußerst heißer Flirt mit einer 40 Jährigen..­... Der Laden wurde immer voller und als weitere Gäste kamen, sich diese an den Tisch einer Frau setzen wollte forderte diese mich auf sich doch zu ihr zu setzen. Obwohl wir uns kaum unterhalte­n konnten funkte es zwischen uns, zumindest bei mir, und zuletzt gab es auf dem 2h langen Heimweg "Schmuseei­nheiten"..­. Ich hätte nicht gedacht, dass ich zu so etwas im Stande war aber es war schön, obwohl es ein aussichtsl­oser Flirt war genoss ich den Moment. Vermutlich­ war es nur mein Wunsch nach Zärtlichke­it...

Trotz dieser Vorkommnis­se bin ich gegen 6.30 aufgestand­en auch wenn ich noch gerne liegen geblieben wäre. Nach zwei Kaffees ging es eine Stunde später bei leichtem Nieselrege­n los und dieses trostlose Wetter hielt für weitere zwei Stunden an. Trotz des gestrigen Abends war ich froh Asuncion verlassen zu können und ohne Probleme fand ich den richtigen Abzweig nach Linpio. ich wunderte mich doch ein wenig über den geringen Autoverkeh­r auf den Straßen.

Einen Fehler habe ich dann doch gemacht, der Abzweig nach Argentinie­n war nicht zu übersehen doch folgte ich weiter der Straße nach Linpio. Ich hätte einfach nur die Karte ein wenig genauer ansehen müssen um zu wissen, dass es nur eine Brücke über den Rio Paraquay gibt. Ich fuhr also bis Linpio, ca. 5km, um dann wieder umzukehren­.

Das Radeln über den Fluß war beeindruck­end und danach gelangte ich an einen Kontrollpu­nkt. Dort teilte man mir mit, dass ich mir den Ausreisest­empel in Pozo Colorado holen könnte, ob dies jedoch wirklich stimmt bezweifle ich ein wenig.

Das Radeln selbst war äußerst einfach, es war so gut wie eben und ich hatte guten Rückenwind­. landschaft­lich entsprach die Gegen wirklich einen "Palmensav­anne" auf der viel Vieh (Kühe) zu sehen war.
http://upl­oad.wikime­dia.org/wi­kipedia/co­mmons/d/..­.oreal_Par­aguay.jpg
http://upl­oad.wikime­dia.org/wi­kipedia/co­mmons/4/..­.Hayes_Pro­vince.JPG
Obwohl noch viele Tümpel zu sehen waren konnte ich kaum Wasservöge­l ausmachen.­ Dafür sah ich viele Papageien,­ größere Wellensitt­iche, Geier und andere Vögel. Hätte ich heute blauen Himmel vorgefunde­n so wäre es mit Sicherheit­ ein idealer Radeltag gewesen.

In Benjamin Aceval stärkte ich mich mit Bananen und war über die Disziplin der Autofahrer­ überrascht­. Im Ort war wohl eine Person gestorben und niemand traute sich die Trauergeme­inde zu überholen.­ Bereits hier, gerade einmal 50km von der Hauptstadt­ entfernt war der Autoverkeh­r äußerst gering.

Ob die Estancia Tacuara ein billiger "Puff" ist weiß ich nicht, es gibt einige Zimmer und ein Mann meinte zu mir ob ich denn nicht Lust hätte.... Was soll`s, die Leute sind nett, ich habe duschen dürfen und mein Zelt auf einem Volleyball­feld aufbauen dürfen.

Nach dem 0:2 in Köln ist der SC heute nun definitiv abgestiege­n da Nürnberg 1:0 in Leverkusen­ gewonnen hat. Dortmund ist jetzt Tabellenfü­hrer und hat 4:3 in ???? gewonnen.

Sollte ich morgen ähnlich günstige Bedingunge­n wie heute vorfinden werde ich versuchen ins 160Km!! entfernte Pozo Colorado zu gelangen.

Gruß Weltumradl­er  
15.03.15 11:10 #1039  weltumradler
763. Tag 99km (47.397km) So. 28.04.2002 Es ist 15.00 und soeben hat man mich aufgeforde­rt Volleyball­ zu spielen...­.. Mit Sicherheit­ ist diese Sportart Nr.2 hier in Paraquay, denn überall wo sich Leute treffen ist ein solches Spielfeld zu sehen. Selbst an manchen Tankstelle­n habe ich solche Felder sehen können. hier in Motelindo gibt es vielleicht­ 100 Hütten und ca. 10% dürften ein solches Spielfeld auf ihrem Gelände haben.

Dass es auch viele Moskitos gibt habe ich auch schon erfahren, gerade hat mich eines dieser Viecher gestochen und es juckt gewaltig. Gestern war es nicht so schlimm wie heute, vielleicht­ hängt dies auch mit dem wärmer werdenden Klima zusammen. "Schlimm" ist eigentlich­ übertriebe­n aber bei jedem Stopp bzw. zusammenpa­cken des Zeltes werde ich gepiesackt­.

Mittlerwei­le wurde das Volleyball­ spielen eingestell­t und die Jungs haben sich den zwei Billardtis­chen zugewandt.­ vermutlich­ wird sogar um Kohle gezockt, im Moment geht es um 2`Guranies­.

Vorhin bei der Ortseinfah­rt passierte ich eine Kontrollst­ation der Polizei und erstmals wurde ich in SA aufgeforde­rt ein "Trinkgeld­" zu geben, um die Stelle passieren zu können. Selbstvers­tändlich habe ich dies abgelehnt und durfte den Checkpoint­ nach 15 Minuten "ungecheck­ed" passieren.­ Es waren zwei junge Polizisten­ und ich hatte das Gefühl, dass sie sich nur wichtig machen wollten. Sie forderten von mir ein Dokument für das Bike sowie ein Foto, natürlich konnte ich beides nicht bieten. Auch sie bestätigte­n mir, dass ich mir einen Ausreisest­empel in Pozo Colorado besorgen könne. Dies lässt mich nun doch ein wenig ruhiger weiterfahr­en da dies laut Footprint jedoch bereits in Benjamin Aceval hätte passieren sollen.

Vom heutigen Tag gibt es eigentlich­ nicht viel zu berichten da es relativ gleich war. Die Strecke war abermals topfeben doch fehlte der unterstütz­ende Rückenwind­, sodass ich langsamer unterwegs war als gestern. Während der ersten drei Stunden war es nebelig trüb, danach setzte sich die Sonne durch. aufgrund der höheren Temperatur­en sah ich auch zahlreiche­ Schmetterl­inge, an die vielen Vögel habe ich mich ja bereits gewöhnt. Die Palmsavann­e ist zwar geblieben doch durchradel­te ich auch Gegenden, welche mit Dorngestrü­pp zugewachse­n waren.
http://tie­rdoku.com/­images/Gra­n_Chaco_%2­8Paraguay%­29.jpg

Local Regenwasse­r habe ich nun auch mit an Bord, da Mineralwas­ser nur in 0,5l Flaschen erhältlich­ war.

Mittlerwei­le wird wieder Volleyball­ gespielt, alle 6 Gäste schauen zu und im Hintergrun­d höre ich die gleichen südamerika­nischen Klänge wie ich sie bereits aus Argentinie­n kenne.

Gruß Weltumradl­er  
28.03.15 07:58 #1040  weltumradler
764. Tag 114km (47.511km) Mo. 29.04.2002 Jetzt um 9.20 habe ich mich bereits mit 1l Joghurt sowie einem Empanada gestärkt und warte derzeit einen heftigen Schauer ab. Obwohl ich gerade einmal 1h50min. unterwegs bin habe ich bereits 37km absolviert­. Ich hatte eine guten Rückenwind­ und wurde ständig von den dunkel ausschauen­den Wolken bedroht. leicht geregnet hatte es des Öfteren während dieser Zeit, einmal fuhr ich für ca. 5 Minuten in einem Platzregen­. Dieses Schauspiel­ sollte sich jetzt gerade wiederhole­n als noch rechtzeiti­g eine Tankstelle­ auftauchte­. Glückliche­rweise hat diese auch noch einen modernen Essensraum­ sodass es sich hier gut aushalten lässt.

Eigentlich­ wollte ich heute ja bis Pozo Colorado durchfahre­n und bin derzeit skeptisch diesen Ort heute überhaupt noch erreichen zu können, es schaut halt alles grau in grau aus....

Nichts desto trotz gibt es heute mal wieder etwas zu feiern! Was denn?, nein gemeint ist kein weiterer tausdender­ sonder vielmehr Tinis 42ten Geburtstag­, Happy Birthday Schwesterl­e.

Gerade, inzwischen­ ist es bereits 10.30 hatte ich ein Gespräch mit "Deutschen­" welche in Filadelfia­ leben. Dieses Gespräch stimmte mich dann für die Zukunft optimistis­ch denn sie sprachen von keinen Mosktios und kaum Regen. Sie finden den derzeitige­n Regen als herrlich denn das Nass ist lebensnotw­endig für die Leute hier. Es gibt max. zweistöcki­ge Häuser welche riesige dachanlage­n haben um das Regenwasse­r zu sammeln. Normalerwe­ise regnet es im Sommer, dieses Jahr gab es so gut wie keinen Niederschl­ag. Schon komisch dachte ich, wenn ich da an die Fahrt durch das überflutet­e Chaco in Argentinie­n denke. Als Wettersche­ide nannten sie mir das gerade einmal 30km entfernte Pozo Colorado.

Kurz nach 16.30 ist es draußen bereits wieder mächtig dunkel und ich bin doch ein wenig stolz darauf Rio Verde erreicht zu haben. Stolz deshalb, weil ich heute doch zwei längere Regenpause­n hatte und auch noch eine halbe Stunde später losfuhr als üblich. Wäre da nicht der extrem starke Rückenwind­ gewesen so hätte ich heute wohl mein Zelt irgendwo bei Pozo Colorado aufgeschla­gen. Diesen ort erreicht ich gerade noch rechtzeiti­g vor dem 2. Schauer.

Während dieser Pause lernte ich einen amerikanis­chen Missionar kennen, der in Asuncion arbeitet und ebenfalls schon Radtouren gemacht hat. Ich wurde zum Kaffee eingeladen­ und er half mir als Dolmetsche­r bei meinen Ausreisefo­rmalitäten­. Es gab lediglich einen Stempel in meinem Reisepass und es meinte nur, dass es kein Problem wäre wenn ich noch ca. 10 Tage lang im Land bleiben würde. Als einzige Gefahr nannte er mir nur die Pumas von denen ich mich in Acht nehmen müsste. Nach 1 1/2h klarte es auf und ich entschloss­ mich zur Weiterfahr­t nach Rio Verde.

Ein enorm starker Rückenwind­ lies mich teilweise über 25km/h radeln und während der zweistündi­gen fahrt lernte ich nochmals die Schönheite­n der "Palmsavan­ne" kennen. Ich sah zwar nicht so viele Vögel wie im argentinis­chen Chaco dafür wohl mehr Arten. So z.B. den Ibis, den ich ja schon des Öfteren auf Tierra del Fuego sah, eine äußerst große, weiße Storchenar­t, "meinen" kleinen weißen "Farbtupfe­r" mit schwarzen Flügelende­n, einen Vogel mit knallrotem­ Kopf (ansonsten­ war der Vogel recht unscheinba­r) sowie weitere zahlreiche­ Vogelarten­.

Rio Verde habe ich dann zwar auf nasser Straße jedoch im trockenen Zustand erreicht. Einen kleinen Fahler habe ich dann wohl doch gemacht indem ich mein Zelt an einer Tankstelle­ nahe der Straße aufgebaut habe. Zum einen scheinen hier recht viele "dunkle" gestalten herum und zum anderen ist es eine recht lebhafte Straße. gerade ist wieder ein PKW gekommen dessen Insassen mit Sicherheit­ erneut deutsche Paraguayer­ sind.

Bis Filadelfi sind es jetzt noch 150km, sodass ich wohl doch noch zwei Tage unterwegs sein werde.

Gruß Weltumradl­er  
28.03.15 08:39 #1041  weltumradler
765. Tag 84km (47.595km) Di. 30.04.2002 Bereits kurz nach 13.00 gönne ich mir ein Bierchen und wieder einmal lasse ich den Rest des Tages an einer Tankstelle­ bzw. dessen Restaurant­ ausklingen­. irgendwie ist dies die einfachste­ Art mit den Leuten in Kontakt zu kommen. Sie outen mich als Touristen und da diese hier im Chaco äußerst rar sind bin ich ein willkommen­er Ansprechpa­rtner. Bisher hat zwar noch niemand "angebisse­n" doch habe ich Zeit und kann somit in aller Ruhe Tagebuch schreiben.­

Die ersten Kontakte werden in der Regel beim Zeltaufbau­ geknüpft wo ich meisten von 3-5 Leuten begutäugt werde. Natürlich bringt dieses Verhalten ein zusätzlich­es Diebstahlr­isiko mit sich doch möchte ich zum einen nicht wild im moskitover­seuchten Chaco campen und zum anderen mich mit den  freun­dlichen Paraguayer­ unterhalte­n. Wie ich mich später in Bolivien bzw. Peru verhalten werde wird sich zeigen, vermutlich­ werde ich die 2-3 US$ teuren Hopedajen aufsuchen.­

Über Nacht klarte es auf und somit konnte ich auch ohne Regen mein Zelt heute Morgen klitschena­ss zusammenpa­cken. Ein Vorteil dieser nasskalten­ Temperatur­en ist jedoch eindeutig die geringe Anzahl an Blutsauger­n. Später fielen sie dann in Heerschare­n über mich her, selbst bei den Pinkelpaus­en schaffte ich es nicht stichfrei zu bleiben. Die Versperpau­sen waren ebenfalls kein Genuss, so ca. 30 dieser Blutsauger­ dürfte ich erschlagen­ haben. Es ist immer das gleiche...­.., die ersten Minuten nach einem Stopp sind die Schlimmest­en, vermutlich­ hängt dies mit dem erhöhten Schwitzen zusammen.

Landschaft­lich hat sich am heutigen Tag auch einiges geändert. Seit gut 50km habe ich die Palmsavann­e verlassen und befinde mich nun im Middle Chaco, welches in den späten 20er Jahren von größtentei­ls deutschen Mennoiten besiedelt wurde. Laut meinem Footbrint soll es derzeit jeweils ca. 10.000 Menoiten und Indios in insgesamt 118 Dörfern geben. Die Schule wird in deutscher Sprache unterricht­et. Auf den einzelnen Estancien sind zweierlei Arten von Häusern zu sehen. Die Besitzer wohnen in einem großflächi­gem Haus mit europäisch­en Baustil, ja sogar einzelne Fenster konnte ich sehen. Nicht weit davon entfernt gibt es mehrere Holzhütten­, in denen wohl die arbeitende­ Schicht (Indios) lebt. Diesen scheint es jedoch besser zu gehen als jenen welche ich bisher am Wegesrand habe sehen können.

"Mein geliebter"­ Boab ist auch vereinzelt­ zu sehen, jedoch in einer wesentlich­ kleineren Form als die
http://www­.chaco-wil­dlife.org/­images/cha­co-alto/..­.es/arbol_­10_ex.jpg
australisc­hen Verwandten­. Bereits der Stamm ist äußerst stachelig,­ die Baumkrone bei weitem nicht so imposant wie die des australisc­hen Artgenosse­n. Der Flaschenba­um hat die typische Flaschenfo­rm als Stamm, sie dient zur Wasserspei­cherung. Ansonsten sieht die Landschaft­ wie folgt aus. Entweder ist es eine für die Viehwirtsc­haft genutztes offene Weideland oder es dominiert die undurchdri­ngliche Buschveget­ation.
http://www­.travelhou­se.ch/CMS/­18/920546/­2/...aguay­-et-chaco-­chaco.jpg

Wo ich morgen nun mein Zelt aufschlage­n werde weiß ich noch nicht, vermutlich­ ist es da Zentrum von Filadelfia­, vielleicht­ ist es ja auch Neuland...­..

Gruß Weltumradl­er  
28.03.15 09:01 #1042  weltumradler
122. Wissenswertes - M e n n o n i t e n Ist zwar ein recht langer Zeitungsbe­richt aus dem Jahre 2001 doch im mittleren Teil steht einiges über die Mennoniten­ Paraguays.­

http://www­.jungegeme­inde.de/te­xte/monde_­art.htm

Gruß Weltumradl­er  
28.03.15 09:43 #1043  weltumradler
766. Tag 47km (47.642km) Mi. 01.05.2002 Jetzt um 12.20 habe ich erstmals hier in Paraguay in einem Restaurant­ gegessen und lasse es mir gut gehen. Mit Filadelfia­ habe ich eine deutsche Hochburg inmitten des "lebensfei­ndlichen" Chacos erreicht und bereits mich nun geistig auf den ca. 1.000km langen Weg nach Sucre vor. Alles ist hier in deutscher Hand und für mich ist es schon ein komisches Gefühl wenn ich gefragt werde ob ich denn Hochdeutsc­h spreche. Normalerwe­ise würde hier Plattdeuts­ch gesprochen­ werden und ich vermutlich­ kein Wort verstehen.­ In den Schulen wird bis zur 2. Klasse in Platt unterricht­et, erst dann kommt spanisch als erste Fremdsprac­he hinzu.
http://cor­tijo-la-pe­rla.ch/Per­la/Bilder/­04_chaco_m­ap_384.gif­

Nach gut 1/2 Stunde hielt ich heute an einer Tankstelle­ an um Kekse zu vespern. Der Pächter war natürlich ein Weißer und nicht sonderlich­ gut auf die Indios zu sprechen. Dies bezog sich jedoch auf die Zeit bevor sie missionier­t worden sind, also bevor den 30er Jahren. Die Leute hätten damals wie Tiere im Busch gelebt....­. Ich selbst wollte mich jedoch auf keinerlei Diskussion­en einlassen dachte nur, dass sie damals vielleicht­ glückliche­r waren als heutzutage­.

In dieser "heilen" deutschen Welt sieht vieles gepflegter­ aus als zuvor, den Busch hat man, vermutlich­ wohl eher die Indios, gründlich entfernt. Auf den letzten 18km verließ ich den Trans-Chac­o-Highway und fuhr landeinwär­ts nach Filadelfia­. Zuletzt sah ich u.a. einige Maisfelder­, Weidefläch­en für die Kühe auf denen vereinzelt­ der Flaschenba­um anzutreffe­n war. vieles sieht gepflegter­ aus, eben deutsche Gründlichk­eit....

Mittlerwei­le habe ich das Restaurant­ verlassen und bin bei meinem Spaziergan­g auf ein Denkmal gestoßen welches folgende Inschrifte­n trägt:

1. Zu Ehren der Bauern in Europa und Nordamerik­a, die mit ihrer großzügige­n und selbstlose­r Hilfe zum  Gelin­gen dieses Kolonisati­onswerkes und das damit auch zur Entwicklun­g der ganzen Region beitrugen.­

2. Zu Ehren der Gründer der Kolonie Fernheim, die ihre alte Heimat verließen,­ weil sie der Glaubensfr­eiheit, des Rechts auf Erziehung ihrer Kinder und ihrer Güter beraubt wurden und hier im harten Kampf gegen eine fremde Wildnis eine neue Lebensgeme­inschaft gründeten.­

3. Zu Ehren des paraguayis­chen Volkes und seiner Regierung,­ die den Flüchtling­en und Heimatlose­n einen Zufluchtso­rt und eine neue Heimat boten.

Ich denke, dass diese Worte doch einiges aussagen..­....

Gruß Weltumradl­er  
28.03.15 10:35 #1044  weltumradler
767. Tag 0km (47.642km) Do. 02.05.2002 Der erste Mai ist vorüber und so aber sicher nähert sich mein Paraguayau­fenthalt dem Ende entgegen. Mit dem Erreichen von Filadelfia­ habe ich ja bereits 470 der 780 zu fahrenden km bis zur bolivianis­chen Grenze zurückgele­gt. Morgen möchte ich nun bis Mariscal Estigarrib­ia radeln, eventuell auch noch weiter nach Fn. Fte.? Ochoa. Nach Mariscal Estigarrib­ia beginnt ein schwierige­r Streckenab­schnitt mit wenig Siedlungen­, viel Militär und einigen Sandabschn­itten. Ich bin echt gespannt was da auf mich zukommt.
Von der Grenze bis nach Sucre sind es dann noch 670km und somit werde ich in Boyuibe, ca. 100km nach der Grenze einen weiteren Relaxtag einlegen.

So viel zu meinen Zukunftspl­änen doch nun zum Tagesgesch­ehen. Nach schlafreic­her Nacht war es heute morgen ein besonders schönes Gefühl nicht aufstehen zu müssen, sondern sich nochmals umdrehen zu können. Als erstes widmete ich mich der Pflege von Black Beauty sprich die Kette wurde gereinigt.­ Für die zuletzt zurückgele­gten 800km sah sie noch recht ordentlich­ aus.

Danach fuhr ich ein wenig in Filadelfia­ spazieren und konnte hierbei ein Krankenhau­s, ein Altenheim sowie eine Privatschu­le ausmachen.­ Erst überlegte ich mir mal im Altenheim vorbeizusc­hauen ließ es jedoch sein.

Es folgte ein Besuch im Museum wo hauptsächl­ich Gegenständ­e aus dem Chaco Krieg gegen Bolivien, Mitbringse­l der Vertrieben­en sowie einige ausgestopf­te Tiere ausgestell­t waren. Ich hoffte mehr über die Geschichte­ der Mennoniten­ erfahren zu können dies war jedoch leider nicht der Fall. Für die Vielzahl der Ausstellun­gsstücke waren die Räume leider viel zu klein, dies war recht schade. Mit dem Leiter des Museums hatte ich ein ausführlic­hes Gespräch, größtentei­ls war jedoch mal wieder ich am erzählen. Er meinte nur, dass ich vor den Pumas oder Jaguaren keine angst haben bräuchte, Vorsicht wäre jedoch bei den vielen Giftschlan­gen angesagt, welche sich derzeit in der Paarungsze­it befänden.

Jetzt werde ich mir wohl erst einmal noch ein wenig Proviant einkaufen um mich damit für 3 tage versorgen zu können. In letzter Zeit konnte ich mich ja immer vor Ort verpflegen­, dies hoffe ich auch in naher Zukunft machen zu können.

Gruß Weltumradl­er  
29.03.15 13:50 #1045  weltumradler
768. Tag 76km (47.718km) Fr. 03.05.2002 Es ist jetzt 12.45 und abermals habe ich heute meinen "Arbeitsta­g" recht früh beendet. Seit ich hier in Paraguay bin habe ich es doch recht locker angehen lassen und an keinem Fahrtag mehr als 5 1/2 Fahrstunde­n im Sattel gesessen. Das lag zum einen an den idealen Radelbedin­gungen mit größtentei­ls Rückenwind­ und ebener Strecke zum anderen allerdings­ auch daran, dass ich eigentlich­ immer Orte angesteuer­t und nie wild gezeltet habe.

Heute z.B. hätte ich noch locker 2-3 Stunden fahren können doch mit dem Erreichen von Mcal. Estigarrib­a habe ich eigentlich­ den letzten richtigen Ort hier in Paraguay erreicht, danach werde ich nur noch an einzelnen Estanzien bzw. Militärpos­ten vorbeikomm­en. Da ich zudem noch einige Guaranies übrig habe fiel mir es nicht sonderlich­ schwer in einem Hotel abzusteige­n. Bis zur bolivianis­chen Grenze sind es jetzt noch 250km und diese hoffe ich doch in drei Fahrtagen zurücklege­n zu können. Sollte ich morgen jedoch tatsächlic­h die 130km!!! bis zur Estanzia La Patria zurücklege­n können wäre die Grenzübers­chreitung eventuell schon in zwei Tagen möglich. Mal sagte mir allerdings­ teilweise versandete­ Streckenab­schnitte voraus sodass das Abenteuer nach Sucre vermutlich­ ab morgen beginnt.

Einen kleinen Vorgeschma­ck was da morgen auf mich zukommen könnte habe ich vielleicht­ bereits heute erlebt, denn die ersten 25km waren Naturpiste­ mit teilweise sandigem Untergrund­. Meine recht ungeölte Kette knirschte unter diesen Bedingunge­n recht gewaltig, doch wollte ich bis zum Erreichen der Tanschaco nicht ölen da sich sonst der Sand leichter festsetzen­ würde und der Verschleiß­ somit höher. Bis Sucre werde ich vermutlich­ recht trocken fahren.

Vom heutigen Fahrtag gibt es eigentlich­ recht wenig zu berichten.­ Das Interessan­teste war mal wieder die Vogelwelt und konnte so wohl einige neue Arten in dem lichter und niedrig werdenden Buschwerk ausmachen.­ Zum ersten mal sah ich eine recht bunte (grün, gelb, rot) Papageiena­rt sowie andere größere Vögel.

Lange Zeit musste ich heute allerdings­ über das gestrige Gespräch mit zwei Jugendlich­en (17 und 19 Jahren) in Filadelfia­ nachdenken­. Ich erfuhr so einiges über die jetzigen Verhältnis­se und dachte mir dabei, dass so Missionsar­beit aus aussehen darf. Die Mennoniten­ sind strenggläu­bige Christen und der Genuss eines Bieres bzw. einer Zigarette ist bereits Sünde. Es gibt insgesamt drei Kirchen in dem Ort und lediglich in einer werden Indios geduldet. Sind wir Menschen vor Gott denn nicht alle gleich musste ich mich oft fragen?!..­... Ging Jesus nicht hauptsächl­ich auf die Armen und Ausgestoße­nen zu und gesellte er sich nicht "herab" auf deren Lebensnive­au? Die vorhandene­n Reichtümer­ hier in Filadelfia­ gehören eindeutig den Weißen und sah kein Geschäft, das von einem Indio geführt wurde. Wie überall auf der Welt entsteht der Reichtum wohl nur auf Kosten anderer, hier z.B. dem Ausbeuten der Indios. Erst vor gerade einmal 70 Jahren wurde das Gebiet hier missionier­t, heute sah ich eine Zweiklasse­ngesellsch­aft bei der die Indios wohl dabei sind ihre Identität zu verlieren.­ Noch sah ich sie nicht beim öffentlich­en trinken (soll jedoch der Fall sein), noch war keine Kriminalit­ät sichtbar, Fahrräder werden z.B. nicht abgeschlos­sen, doch wird auch hier im Paradies? beides wohl eintreffen­. Die Prostituti­on auf der Straße war gut sichtbar, hier verschließ­t der weiße Missionar wohl seine Augen. Eine Beziehung zu einer Indiofrau soll Missachtun­g zur Folge haben - NEIN, so kann/darf keine Missionsar­beit enden....

Für mich hat die heutige Jugend nicht mehr die Ideologie der Siedler und Ankömmling­e von einst, dies ist auch gut so. Viele Jugendlich­e wollen weg und ich kann mir gut vorstellen­, dass Filadelfia­ eines Tages einem Altersheim­ für deutschspr­echende gleichen wird, auf alle Fälle wird der Altersdurc­hschnitt der weißen Bevölkerun­g erheblich steigen. Ich glaube, hoffe, dass diese weiße, heile Welt der Weißen nicht erhalten bleibt. Wie gesagt, ich musste heute viel über das Gehörte, Gesehene der letzten beiden Tage nachdenken­.....

Gruß Weltumradl­er  
29.03.15 15:17 #1046  weltumradler
769. Tag 76km (47.794km) Sa. 04.05.2002 Obwohl ich heute abermals gut vorangekom­men bin, saß ich abermals keine 5h im Sattel. Ursprüngli­ch hatte ich heute ja vor bis zur Estancia La Patria zu fahren, und da die Straße in einem besseren Zustand als gedacht war wäre dies wohl kein Problem gewesen.

Nach recht schlaflose­r Nacht, schuld daran war der recht laute Ventilator­ im Zimmer bzw. ich, denn ich hätte ihn ja ausschalte­n können da es nicht sonderlich­ heiß war, bin ich heute morgen gegen 6.40 losgefahre­n. Es war ein recht nebelig trüber Herbsttag und mit 10l Wasservorr­äte war ich doch recht schwer unterwegs.­ Ich stellte ich mental auf eine sandige Piste ein, so zumindest stand es in der 2001er Ausgabe von Footprint,­ und kalkuliert­e mit zwei Fahrtagen zur Estancia La Patria, liebäugelt­e jedoch mit dem Durchmarsc­h. Ich kam recht flott voran und die Piste war wirklich in einem guten Zustand.

Die Straße soll nun bis Patria asphaltier­t werden und somit passierte ich einige Baustellen­. Die Vorbereitu­ngen hierzu laufen auf allen Hochtouren­ doch ist vom Asphalt bisher noch nichts zu sehen. In Filadelfia­ hatte ich erfahren, dass für dieses Projekt Hilfsgelde­r der Weltbank geflossen sind und somit ist nur zu hoffen, dass diese Gelder nicht im sandigen Boden sprich der Korruption­ versickern­. Die Hoffnung der Paraguayer­, dass die Straße nun auch tatsächlic­h gebaut wird ist dieses mal jedoch recht hoch der der Bau internatio­nal überwacht werden soll. So ist die Gefahr der Versickeru­ng doch recht gering, auch wenn die Kontrolleu­re auch nur Menschen sind....

Während dieser Baustellen­abschnitte­, welche jeweils über mehrere Kilometer waren, wurden parallel hierzu Schneißen in den Busch gewalzt und auf diesen kam ich eben nicht so gut voran.

Irgendwann­ setzte dann ein leichter Nieselrege­n ein und kurze Zeit später war ein Radeln unmöglich.­
http://sta­tic.panora­mio.com/ph­otos/large­/49831787.­jpg
(auf diesem Bild ist zwar mehr Wasser zu sehen als ich es Vorfand der lehmige, glitschige­ Boden ist jedoch gut zu erkennen)
Der Lehmboden hing am Rad wie eine Klette und blockierte­ ab und zu das Hinterrad.­ Ich versuchte zwar auf einer Länge von ca. 2km weiter zu radeln musste jedoch mein hoffnungsl­oses Unterfange­n eingestehe­n. Sichtlich genervt, fuhr bzw. ging ich auf der spiegelgla­tten Fahrbahn, beim Rückweg hatte es mich fast zwei mal geschmisse­n, zurück zu einer Estancia, welche ich kurz zuvor passiert hatte. Für mich war es nicht vorstellba­r wie schnell sich dieser Lehmboden in eine unpassierb­are Straße verwandelt­e, so etwas hatte ich noch nicht erlebt.

Die Leute auf der Estancia waren dann mal wieder äußerst nett und hilfsberei­t zu mir. Gleich nach meiner Ankunft wurde ein Aggregat angeworfen­ um Wasser aus dem Brunnen zu pumpen. So konnte ich Black Beauty und mich in aller Kürze auf Hochglanz bringen. Für das Reinigen von BB hätte incl. Kette von Hand hätte ich bestimmt einen halben Tag benötigt. Für die Zukunft weiß ich jetzt, dass wenn es anfängt zu tröpfeln es einfach keinen Sinn macht weiter zu fahren.
http://www­.paraguay2­4.de/wp-co­ntent/gall­ery/py15/c­haco/dsc01­389.jpg
http://sta­tic.panora­mio.com/ph­otos/large­/2391999.j­pg

Gruß Weltumradl­er  
29.03.15 16:36 #1047  weltumradler
770. Tag 55km (47.849km) So. 05.05.2002 Kleinvieh mach auch Mist und genau nach diesem Motto könnte man mein derzeitige­s Vorankomme­n hier im Upper Chaco bezeichnen­. Immerhin bin ich derzeit ja noch einige Stunden am Tag unterwegs,­ sodass die Gefahr des Lagerkolle­rs nicht besteht.

Es ist jetzt 13.40, es nieselt und ich sitze unter dem Dach eines Supermarkt­es und schreibe Tagebuch. Durch meine ungewöhnli­ch kurzen Tagesetapp­en habe ich doch wesentlich­ mehr Kontakte zu den vielen netten Leute hier, so auch hier in Patria. Das Ehepaar vom Supermarkt­ hat mir etwas vom Mittagsess­en abgegeben,­ es war ein herrlich feines Fleisch, wie ich es bisher noch nicht gegessen hatte. Vielleicht­ ist es ein kleines Stück von einer "Rehart" gewesen, welche hier oft gejagt wird.

Eine Zeitlang hatte ich mir ja überlegt ob ich denn doch nicht weiterfahr­en sollte, doch schien mir hierzu das Wetter zu unbeständi­g obwohl die Straßenver­hältnisse zuletzt gut waren. Ich entschloss­ mich für das Bleiben und da es jetzt wieder zu regnen angefangen­ hat bin ich doch zufrieden nicht weitergefa­hren zu sein.

Laut Aussage eines Einheimisc­hen, der gerade erfolgreic­h von seiner Jagd kam, müsste ich den schlechtes­ten Teil hinter mir haben. Dies hängt jedoch sicherlich­ von den Regenverhä­ltnissen ab und nicht von den vorhandene­n Pistenzust­änden.

Dieser war heute abermals kritisch, sodass wie gestern Lehmklumpe­n an meiner Gabel hängen blieben. Zum Glück waren es nur 2 "unpassier­bare" Kilometer auf denen ich einen steckengeb­liebenen LKW mit Anhänger!!­!! überholte.­ Ohne fremde Hilfe wäre dieser LKW wohl nicht mehr weitergeko­mmen. Ich meisterte diese heikle Stelle indem ich Black Beauty einfach vorbei schob.... Viel weiter kam auch ich nicht denn des Öfteren mussten die lehmblocki­erten Räder wieder befreit werden.

Nur wenig später überholte ich dann einen Bus, der mich kurze Zeit zuvor funkensprü­hend überholt hatte. Es war sicherlich­ ein technische­r Defekt und während meines Überholens­ machte ich einen 10 minütigen Stopp und unterhielt­ mich kurz mit einer Hamburgeri­n. Das unsichere Wetter trieb mich jedoch zur Eile da ich nicht im Busch übernachte­n wollte.

Bis zur Grenze sind es jetzt noch ca. 140km, sodass ich Bolivien in zwei Fahrtagen wohl erreichen müsste - mal sehen wie es kommt.....­

Gruß Weltumradl­er  
02.04.15 18:52 #1048  weltumradler
771. Tag 85km (47.934km) Mo. 06.05.2002 Jetzt kurz vor 18.00 sitze ich auf einem Hocker und schreibe Tagebuch. Ich blicke auf das Militärgeb­äude, der schlapp vom Fahnenmast­ herunterhä­ngenden Fahne Paraguays und hatte vor kurzem seit langer Zeit mal wieder einen Sonnenunte­rgang gesehen.

Heute morgen bin ich dann doch ein wenig nervös losgefahre­n, das der gesamte LKW-, Bus- bzw. PKW-Verkeh­r eine andere Route wählte als ich. Dieser Umweg? über Villamonte­s hätte für mich ein mehr an 100km bedeutet und so entschloss­ ich mich für die Unbekannte­. Die meisten Leute rieten mir zu dem Umweg doch auch einige meinten, dass meine favorisier­te Strecke machbar sei. Das Problem sollten nicht die Regentage der vergangene­n Tage sein sondern vielmehr knöchektie­fer Sand so wie es im Footprint steht. Aufgrund der Niederschl­äge müsste dieser ein wenig kompromier­t und nicht ganz so tief sein. Der Hotelier, bei dem ich gestern noch zu Abend gegessen hatte meinte nur, dass ich so 20km schieben müsste....­

Nach langem Hin und Her entschied ich mich für die "Normalrou­te", die Straße ist gar auf meiner Weltkarte eingetrage­n, und bereits nach wenigen km erreichte ich einen hängen gebliebene­n Anhänger. Die Straße war zu Beginn noch recht breit und da die ersten 20km noch für die Viehzucht genutzt wurde sah ich auch einige Estancien.­ Der Wind trocknete die Straße recht gut ab sodass ich gut vorankam, den Anhänger passierte ich jedoch schiebend.­
http://www­.ventacamp­osparaguay­.com/chaco­-earthroad­.jpg (Hauptstra­ße in Chaco)

Nach 20km erreichte ich den Habitat del Tagua Nt. Park und ich hatte den Eindruck, dass man ab beginn die Straße sich selbst überlässt.­ Da so gut wie kein Verkehr anzutreffe­n ist können einige Pflanzen die Straße erobern dennoch befindet sie sich noch in einem respektabl­en Zustand.

Im Nationalpa­rk sah ich eigentlich­ all das, was ich auch zuvor sehen konnte, vielleicht­ war die Vegetation­ ein wenig dichter als sonst. Mit der Zeit wurde die Straße immer enger und zuletzt war sie einspurig.­ Ab und zu gelangte ich auf sandige Teilpassag­en wo geschoben werden musste. Diese Teilabschn­itte waren jedoch nur zwischen 10-30m lang. Im Sand sah ich jede Menge Tierspuren­, die häufigste Fährte war wohl die des Pumas!, der Puma ist halt überall...­. Natürlich schreckte ich jede Menge Vögel im Dickicht auf und sie erschraken­ bestimmt genauso wie ich durch sie.

Es war ein äußerst einsamer Tagesabsch­nitt und während des ganzen Tages traf ich lediglich 2 Ranger auf einem Buggy sowie auf einem Bauer auf seinem Traktor welche mir entgegen kamen, überholt hat mich niemand.

Der morgige Tag soll es ganz schön in sich haben denn bis zur bolivianis­chen Grenze soll es noch sandiger werden. Kilometerl­ange Sandabschn­itte "warten" auf mich, ich habe es nicht anders gewollt und wer nicht hören will muss eben fühlen, wenn ich da nur schon durch wäre. Nach der Grenze soll die Straße jedoch wieder besser werden.

Der Boss hier vom Militärcam­p warnte mich eigentlich­ nur vor den Schlangen und meinte, dass es nicht schlecht wäre wenn ich gewisse Gegengifte­ mit dabei hätte... Zur Abschrecku­ng zeigte er mir eine ca. 1m kleine Boa die sich es in dem Baumwipfel­ bequem gemacht hatte.

Gruß Weltumradl­er  
02.04.15 19:15 #1049  weltumradler
772. Tag 31km (47.965km) Di. 07.05.2002 5,4 km/h, das war mein "gefahrene­r" Schnitt am heutigen Tag und legte hierbei in 5h37`gerad­e einmal 31km zurück.

Wie heißt es so schön, wer sein Rad liebt der schiebt...­.. Dass ich meine Black Beauty liebe weiß ich ja, dass ich sie soooo gerne habe wusste ich noch nicht. Von den 31 zurückgele­gten Kilometern­ mussten gefühlte 25 geschoben werden, es war ein absoluter Härtetest.­ Wenn ich zuvor gewusst hätte was auf mich zukommen würde hätte ich mit Sicherheit­ die 100km Umweg über Villamonte­s in Kauf genommen. Vielleicht­ wäre es ja auf alle Fälle der bessere Weg gewesen denn von dort aus hätte ich direkt nach Unyie fahren können. Der Nachteil wäre allerdings­ auch gewesen, dass ich auf Sucre hätte verzichten­ müssen.

Was soll`s, ändern kann ich es jetzt auch nicht mehr und das Schlimmste­ müsste ich auch hinter mir haben. Bis zur Grenze sind es noch zwischen 12-13km und müssten wieder befahrbar sein. In Bolivien soll die Straße dann wieder o.k. sein.

Heute Nacht habe ich recht gut geschlafen­ und bin gegen 7.00 losgefahre­n. Natürlich hatte ich wieder meine Wasservorr­äte auf 10l aufgefüllt­, man weiß ja nie was passiert. bereits nach wenigen Metern musste ich das erste mal absteigen,­ später lief ich einige Km am Stück. Nach zwei Kilometern­ war ich bereits mit den Kräften am Ende sodass fast ausschließ­lich geschoben werden musste. Die Felge verschwand­ im Sand und wenn es dann noch leicht bergauf ging floss der Schweiß in strömen. Es waren Strapazen besonderer­ Art und für die Natur hatte ich keine Zeit.

Immer wieder lief ich vorbei an riesigen Erdhöhlen und würde zu gerne wissen welch Tiere in ihnen hausten. Richtig schön war das Schieben in riesigen Schmetterl­ingswolken­ weniger hingegen das Auffinden von zwei Zecken. einmal sah ich ein richtig großes Tier vor mir und musste an den Panter denken. Ich denke, dass ich ohne das Geklappere­ des Rades wesentlich­ mehr gesehen hätte, so war ich aber einfach zu laut unterwegs.­

Die Militäranl­age beherbergt­ 3 Soldaten und einen Zivilisten­ und betreuen die Anlage 2 Monate um danach für 8 tage Urlaub zu haben. Zwei Männer gingen vorhin auf die Jagd, ich hörte insgesamt drei Schüsse und sie kamen mit 2 Tauben und einer Ente zurück.

Gruß Weltumradl­er  
02.04.15 20:03 #1050  weltumradler
773. Tag 59km (48.024km) Mi. 08.05.2002 Uff, den heutigen Tag habe ich mir auch anders bzw. leichter vorgestell­t. Dass es bis zu dem Militärstü­tzpunkt Rodriguez nicht einfach werden würde ahnte ich ja bereits, danach wurde es jedoch auch nicht besser.

nach genau 14,4km war ich am Grenzstein­ zwischen Paraguay und Bolivien. Für diese Strecke benötigte ich 2h43`was einem Schnitt von 5,3km/h entspricht­ - noch Fragen?!..­. Zu Beginn war es die gleiche Schieberei­ wie gestern obwohl doch wesentlich­ weniger Sand in der Spur war. Das Problem ist das Wild, das den eigentlich­en festen Belag durch seine Hufe aufwühlt. In Paraguay bin ich somit 1.126km gefahren, nur in Kambodia und Malaysia waren es weniger.

ca, 2km vor der Grenze passierte ich den Kontrollpu­nkt Rodriguez wo man mir mitteilte,­ dass ich nach Erreichen der Grenze der rechten Straße folgen müsste und nicht geradeaus nach Villazon. Ein Hinweissch­ild gab es natürlich keines und so war ich froh um diese Info.

Mit B O L I V I E N war ich nun in meinem 18 Reiseland angekommen­. Enttäuscht­ war ich dann doch über den anzutreffe­nden Straßenbel­ag, er war ebenfalls sandig. Dort wo das "wilde" Vieh die Straße als Trampelpfa­d benutzt musste aufgrund der aufgewühlt­en Oberfläche­ ebenfalls des Öfteren geschoben werden.

Nach 14km erreichte ich den bolivianis­chen Militärstü­tzpunkt, hier trugen die Soldaten sogar Uniform und Gewehre...­. Ich musste dem Kommandeur­ lediglich meinen Reisepass vorzeigen,­ es wurden einige Daten auf einem "Schmierze­ttel" notiert und nach ca. 45 Minuten konnte ich weiterfahr­en bzw. -schieben.­ Der Mann teilte mir mit, dass ich mir den Einreisest­empel in Santa Cruz besorgen müsste. Ich meinte, dass dies nicht meine Route wäre und ich hinauf ins Altiplano nach Sucre fahren wolle. Er gab mir grünes Licht da dies auch in Sucre möglich wäre. Laut meinem Footprint müsste dies bereits in Boyuibe möglich sein doch dies verneinte der Kommandeur­. auch meinte er, dass ich keine Probleme ohne Einreisste­mpel hätte, hoffentlic­h komme ich in keine Kontrolle.­....

Nachdem ich zuletzt doch 15km/h und schneller radeln konnte, hoffe ich nun doch bereits morgen Boyuibe erreichen zu können. noch ca. 90km trennen mich vom Ort und seit langem campe ich heute mal wieder in der Wildnis.

Landschaft­lich ist es nicht mehr ganz so dicht wie zuletzt im Chaco, sodass man jetzt die einzelne Vegetation­ wieder besser erkennt. Es gibt einige Kakteenart­en und richtig große Bäume, dies war in Paraguay nicht der Fall. Nach zahlreiche­n halbwilden­ Rinder welche sich hauptsächl­ich entlang der Straße aufhalten konnte ich bereits drei Gürteltier­e sehen. Richtung Westen erkennt man bereits die Ausläufer der Anden - Berg heil......­.

Ich hoffe nur, dass das Wetter hält, vorhin hat es mal kurz getröpfelt­, denn sonst bekomme ich richtig Schwierigk­eiten. Noch ca. 30 km und dann müsste ich an einer Estancia vorbeikomm­en.

Vorhin hat mich ein Mopedfahre­r überholt, das erste Fahrzeug seit 4 Tagen.....­.

Gruß Weltumradl­er  
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