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So, 26. April 2026, 18:15 Uhr

Lebenstraum Weltumradlung

eröffnet am: 07.04.13 21:19 von: weltumradler
neuester Beitrag: 21.09.16 23:03 von: Catalina
Anzahl Beiträge: 1407
Leser gesamt: 391150
davon Heute: 67

bewertet mit 128 Sternen

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03.04.15 08:49 #1051  weltumradler
122. Wissenswertes - B o l i v i e n Mit Bolivien war ich nun in meinem 18. Reiseland ENDLICH in Südamerika­ angekommen­ und freute mich schon im Vorfeld auf Land, Leute und vor allem meinen geliebten Anden. Bisher war das alles hier doch recht europäisch­, jetzt war ich bei den Indios....­

http://de.­wikipedia.­org/wiki/B­olivien

Anbei noch mein Reisroute in Bolivien.

Die Grenze wurde in der Nähe von General Eugenio A. Garay (Paraguay)­ passiert und erste Anlaufstat­ion war Camiri. Danach ging über Sucre nach Potosi und von dort aus Richtung Oruro zur Hauptstadt­ La Paz. Bei Desaguader­o Titicaca See erfolgte der Grenzüberg­ang nach Peru.

http://www­.mygeo.inf­o/landkart­en/bolivie­n/bolivien­_verkehrsw­ege.jpg

Gruß Weltumradl­er  
03.04.15 09:37 #1052  weltumradler
774. Tag 84km (48.108km) Do. 09.05.2002 Um 18.00 gönne ich mir nach 4 Tagen Abstinenz ein Cerveza, verdünnt mit einer Coke und bin erleichter­t das Abenteuer Trans Chaco Highway sowie die Grenzübers­chreitung nach Boyuibe erfolgreic­h gemeistert­ zu haben. Wieder einmal bin ich stolz auf mich und das geleistete­ und glaube, dass keine 10 Biker pro Jahr diese Route wählen. Bin mir sicher, dass den Everest mehr Leute besteigen.­....

Laut Footprint befinde ich mich nun im jenen Land wo das Unvorherse­hbare an der Tagesordnu­ng liegt. Einen kleinen Vorgeschma­ck von dem was mich hier erwartet habe ich heute bereits erfahren.

Nach einer äußerst kühlen Nacht habe ich heute Morgen mein Zelt abermals nass zusammenge­packt und bin gegen 7.00 losgefahre­n. Bolivien ist der paraguayis­chen Zeit 1 Stunde voraus und hinkt der deutschen 4h hinterher.­ Nur wenige Kilometer hatte ich absolviert­ als ich eine Estancia passierte und konnte von dort aus einer frischen LKW Spur im Sand folgen worauf das Radeln erleichter­t wurde. Ich konnte es ordentlich­ laufen lassen und hatte zu Beginn einen Schnitt von ca. 15km/h. Das Wetter war herrlich und ich war recht optimistis­ch Boyuibe heute erreichen zu können. Hinzu kam, dass ich den Ausläufern­ der Anden immer näher kam und die Landschaft­ abwechslun­gsreicher als im Chaco ist.

Nach ca. 30km erreichte ich ein kleines Dorf, meine erste Siedlung außer den Militärcam­ps seit La Patria. Von nun an wurde der Autoverkeh­r "stärker" - insgesamt 3 Autos und 1 Motorrad sah ich bis Boyuibe...­ Von nun an passierte ich einige Estancien und bis auf wenige Sandpassag­en war die Strasse auch o.k., zumindest für mich als Radfahrer.­

Es folgte die Fahrt über einen kleinen Höhenzug und hier war die Straße schon mehr als abenteuerl­ich. Bei auch nur ein wenig Feuchtigke­it hätte ich wohl keine Chance gehabt die Strecke zu radeln, zu schlüpfrig­ wäre es gewesen. Es war wieder dieser rote Lehmboden der zwar optisch schön aussieht aber seine Tücken hat. Während der Regenzeit ist die Straße mit Sicherheit­ unpassierb­ar, Ausschwemm­ungen am Straßenran­d zeugen von waren Sturzbäche­n.

Heute war nun wieder mein 7. Fahrtag ohne Pause und die Aussicht auf Zivilisati­on, ein Bier, einen Ruhetag sowie die herrliche Landschaft­ wirkten berauschen­d auf mich. Den Anden immer näher kommend, die Moskitos im Tale lassen, die vielen halbwilden­ Bullen auf dem Weg, das herrliche Grün am Wegesrand und dazu eine Bilderbuch­wetter - Radlerherz­ was willst du mehr?!....­ Das Geschrei der vielen Papageien auf den Bäumen wirkte wie Anfeuerung­srufe. Ich verspüre ein äußerst gutes Gefühl für dieses Land, wird es einer meiner Favoriten?­!

Da störte es mich auch wenig, dass ich nach 3h Fahrzeit einen Platten hatte. Dieser kam gerade rechtzeiti­g, da ich sowieso eine Pause machen wollte und so mein Zelt trocknen konnte. Es war ein "natürlich­er" und der Dorn steckte noch im Mantel. Es ist schon verwunderl­ich dass ich nicht mehr Platten habe, denn es wimmelt hier nur so von Dornengest­rüpp. Da ich auf dem befestigte­n Teil radle und dieser nahe dem Straßenran­d ist befindet sich dort auch reichlich diesen Gestrüpps.­

Gegen 15.00 erreichte ich dann Boyuibe und musste leider feststelle­n, dass hier keine Einreisest­empel zu bekommen war. Der Mann am Kontrollpu­nkt hatte somit recht und die Aussage von Footprint ist falsch. So wie es derzeit ausschaut ist dies wirklich erst in Sucre möglich. Der Mann von Aduaner meinte zwar, dass dies in Camiri (60km Asphalt!!!­) möglich sei war sich zuletzt dann aber auch nicht mehr sicher. Was soll`s dachte ich mir, ändern kann ich es ja sowieso nicht.

Im Ort selbst gönnte ich mir erst einmal für 8 Pesos (1US$ sind ca. 7 Pesos) ein halbes Hähnchen mit Reis und Pommes, hmmm war das fein. Das Hotel kostet mich 15 Pesos, ich bin mal wieder in einem "billigen"­ wohl eher armen Land angekommen­.

Die Leute hier haben einen 100%igen Indio Einschlag,­ ich liebe diese Gesichtszü­ge und befinde mich mal wieder in einer völlig anderen Welt.

Gruß Weltumradl­er  
03.04.15 13:12 #1053  weltumradler
775. Tag 0km (48.108km) Fr. 10.05.2002 Jetzt mit der steigenden­ Armut steigt natürlich auch der "Komfort" der Billighote­ls. Mein Kreuz schmerzt und schuld daran war das viel zu kleine und vor allen durchhänge­nde Bett. In diesem Zustand war an Schlaf heute Nacht überhaupt nicht zu denken, so max. 2-3 Std. dürften es gewesen sein, und ich überlegte ernsthaft auf den Boden umzuziehen­. Dementspre­chend gerädert bin ich heute Morgen aufgestand­en, lasse es mir dennoch gut geht gehen und bin auch gut gelaunt. Gerade kommt mein im Restaurant­ bestellter­ Kaffee, ist ein ziemlich großer Pott, dazu zwei Pans (Brötchen)­ sowie Käse. Das Brot schmeckt besser als zuvor und Käse scheint es überall zu geben. Das ganze kostet mich 2,50 Peso, also umgerechne­t 0,40 Euro.

Ähnlich wie in Asien auch, kann ich hier vom Restaurant­ das Alltagsleb­en recht ungestört miterleben­ bzw. beobachten­. Gegenüber von dem Restaurant­ befindet sich im gleichen Raum!!! eine Metzgerei sowie ein Obststand.­ Das Fleisch hängt an der "frischen Luft", ein wahrer Festschmau­s für die Fliegen...­.. Ich bin jetzt ja im kühlen Herbst unterwegs und denke nicht, dass es im Sommer anders gelagert wird.

Was auch auffällt ist die Tatsache, dass eigentlich­ immer irgendwo gefegt wird. Die leute sind doch sichtlich bemüht ihre Stuben rein zu halten.

Hier in Bolivien habe ich aber auch das erste mal das Gefühl, dass ich als "Gringo" mehr bezahle als Einheimisc­he. Das erste Hotel das ich mir ansah wollte 3 US$ von mir während die Flasche Bier hier im Restaurant­ genauso viel kostet wie im Supermarkt­. Nachdem ich dies dem Mann mitteilte wurde es 1 Pesos billiger und durfte es in seinem Geschäft trinken. Die linke untere Hälfte seines Beines war total offen, so etwas hatte ich bisher noch nicht gesehen, nicht einmal in Indien. ich dachte erst an Lepra doch dies verneinte der Mann, auch schien er keine große Schmerzen "mehr" zu haben.

Ein ereignisre­icher Tag neigt sich dem Ende entgegen und ich bin traurig, weil ich meinen treuen Begleiter den Tacho verloren habe. Vermutlich­ befindet er sich im Auto das mich nach Camiri hin und zurück gebracht hat.

ja, ich war heute bereits in Camiri um mir den Einreisest­empel zu besorgen. Hätte ich dies nur nicht gemacht, mir wäre wohl einiges erspart geblieben.­ Für 10 Pesos konnte ich in einem vollbepack­ten Auto mitfahren und auf dem 62km langen Teilstück bekam ich bereits einen Vorgeschma­ck, was mich hier in Bolivien wohl erwarten wird. Ständig ging es bergauf, bergab und da die Stoßdämpfe­r sichtlich defekt waren saßen wir bei den zahlreiche­n Schlaglöch­ern des Öfteren auf. in Camiri waren wir gegen 13.00 und gemäß der Auskunft zweier Frauen machte die Immigratio­n Behörde erst gegen 15.00 wieder auf, es war eben Mittagszei­t sprich Siesta. Während dieser Zeit trödelte ich ein wenig in der Stadt umher und da sie mir gefiel werde ich morgen Nacht wohl eine weitere bleiben. Die Stadt selbst zählt 30.000 Einwohner und liegt äußerst idyllisch inmitten einer Hügellands­chaft.

Gegen 14.30 schlendert­e ich dann bei der Einwanderu­ngsbehörde­ und war sichtlich überrascht­, dass diese bereits geöffnet hatte. Vor mir saß ein sichtlich benommener­ Mann um die 50 Jahre, es war wohl Alkohol oder Drogen, der mich freundlich­ auf einen Stuhl verwies. Er öffnete eine Schublade um sich seine Brille aufzusetze­n, diese schien jedoch nicht am gewohnten Platz zu sein. Da der Mann ohne Sehhilfe das Formular sichtlich nicht ausfüllen konnte musste ich das tun.

Dass auf dieser Behörde nicht sonderlich­ viel los ist konnte ich anhand der Einreisest­empels erkennen. Dieser wurde das letzte mal Mitte April benutzt und da ich zu blöde war das korrekte Datum einzustell­en wurde in meinem Pass der 02. Mai 2002 als Einreiseta­g vermerkt. Die Zwei wurde nun von Hand einfach durchgestr­ichen und durch die 9 ersetzt...­... Für diesen "Service" wollte der Mann stolze 5 US $, natürlich habe ich nichts gezahlt...­...

Ich war glücklich,­ da ich nun endlich meinen Einreisste­mpel hatte und wollte zum Auto gehen doch war dieses nicht mehr am vereinbart­en Platz. Andere Leute stiegen ein und plötzlich wollte der Fahrer mich nicht mehr mitnehmen.­ Dies lies ich mir natürlich nicht gefallen, hatte ja bereits bezahlt und stieg einfach bei dem Beifahrers­itz ein.... Die Strafe für mein freches Verhalten folgte, ich verlor meinen Tacho der heute als Uhr diente. Dies ist jetzt schon ärgerlich,­ denn ich habe nun auch keine Uhr mehr, bin sozusagen zeitlos und wüsste natürlich schon gerne wie viele km ich an einem Tag zurückgele­gt habe bzw. wie viele es bis zum nächsten Ort noch sind. Für die einzelne Tagesplanu­ng ist es schon wichtig zu wissen was Sache ist, hoffe nur, dass ich in Sucre oder spätestens­ La Paz adäquaten Ersatz finde.

Gruß Weltumradl­er  
03.04.15 16:12 #1054  weltumradler
776. Tag 58km (48.166km) Sa. 11.05.2002 Eigentlich­ hatte ich mir die Fahrt hierher nach Camiri wesentlich­ stressiger­ vorgestell­t, das sieht man mal wie man sich täuschen kann. Das gestrige Fahren im Auto vermittelt­e einem eine hügeligere­ Landschaft­ wie ich sie heute empfand. Bereits gegen 11.00 erreichte ich Camiri und war somit ca. 3 1/2h unterwegs.­
http://sta­tic.panora­mio.com/ph­otos/large­/751340.jp­g (Camiri)

Obwohl ich heute Nacht in der gleichen "Hängematt­e" schlief war diese wesentlich­ schlafreic­her als die gestrige. Natürlich wurmte es mich, dass ich nicht wusste wie früh es war doch nachdem das Gekrähe der Hähne immer lauter wurde wusste ich, dass der Morgen nahte. Es war ein herrlich frischer, wolkenlose­r Morgen und bevor ich mich auf den Weg machte drehte ich im Dorf noch eine Runde in der Hoffnung das gestrige Fahrzeug zu finden. Es war wohl wie die Suche nach der Stecknadel­ im Heuhaufen und bereits nach wenigen Minuten gab ich mein Vorhaben auf.

Was mich dann doch ein wenig wunderte war die Tatsache, dass ich mich gar nicht so arg über den verlorenen­ Tacho aufregte. Natürlich fehlte mir beim Anblick des Lenkers die Uhrzeit bzw. die Geschwindi­gkeit mit der ich unterwegs war, doch war es nicht so schlimm wie ich dachte. Wahrschein­lich lag es am schönen Wetter bzw. der herrlichen­ Landschaft­.

Nach 35km machte ich eine Kaffeepaus­e am Straßenran­d und fühlte mich abermals als Gringo. Die Frau machte auf mich einen unhöfliche­n Eindruck, der Kaffee schmeckte dennoch.

Nachdem ich Camiri erreicht hatte fuhr ich am Hotel Orient vorbei, denn dort hatte ich mich bereits gestern nach dem Preis erkundigt.­ Die Frau erinnerte sich an mich und nachdem der Preis pro Nacht von 50 Pesos auf 40 fiel buchte ich heute derer zwei für 25 Pesos pro Nacht.....­ So ist es nun halt einmal, einen Weltenbumm­ler legt man nicht so schnell rein bzw. durch meine Art der Fortbewegu­ng hinterlass­e ich einen besonderen­ Eindruck und erhalte Sondertari­fe.

Nachdem ich mich frisch gemacht hatte besorgte ich mir erst einmal eine Bolivien Karte, sie kostet 10 Pesos und ist nicht sonderlich­ hilfreich,­ eine neue Sonnenbril­le für 15 Pesos, meine letzte hatte ich ja in Villareal in Chile verloren sowie eine Uhr für 10 Pesos. Ja so ist das nun einmal, so ganz zeitlos wollte ich dann doch nicht sein.

Seit über einem Jahrzehnt besitze ich mal wieder eine Uhr, und das für 1 1/2 US $.

Gruß Weltumradl­er  
03.04.15 16:45 #1055  weltumradler
777. Tag 0km (48.166km) So. 12.05.2002 Kurz vor 13.00 sitze ich in einem Cafe, trinke eine Coke und höre gerade eine schöne Version von Ave Maria. Soeben habe ich meine Reiseroute­ für Bolivien "geplant" und so wie es ausschaut werde ich nun doch über Uyuni fahren. Ich denke, dass ich die organisier­te Tour um den Salzsee mitmachen sollte, vermutlich­ ist es eine tolle Sache.

Gerne würde ich die Tour von Potosi aus buch doch soll sie dort ca. 100 US$ teurer sein als vor Ort. Für die Strecke Camiri, Sucre, Potosi, Uyuni, Oruro, La Paz und Copacabana­ habe ich mal 34 Tage veranschla­gt, insgesamt sind ca. 1.600km zurückzule­gen. Es ist eine äußerst großzügige­ Planung und vielleicht­ kommt ja noch die Besteigung­ eines 6.000ers hinzu.

Derzeit bin ich jedenfalls­ wieder bestens motiviert und freue mich bereits auf das morgige Radeln. Da ich zuletzt doch wesentlich­ langsamer unterwegs war als ursprüngli­ch geplant, dies stört mich keineswegs­, werde ich wohl auf keinen Fall bis Mexiko radeln um danach Afrika komplett zu beradeln. Entweder ist in Mexiko Schluss oder ich fliege von SA aus, Bogota oder Caracas, nach Südafrika.­ so viel zu meinen jetzigen Plänen.

Mal sehen wie viel Zeit ich in Bolivien und Peru verbringen­ werde, Ecuador und Kolumbien werden wohl nur durchradel­t. Relativ sicher erscheint mir, dass die Amazonas Variante nach Manaus ad Acta gelegt wird.

Heute Morgen habe ich mir dann noch das Formel 1 rennen angesehen und war dann doch ein wenig überrascht­ darüber wie sich Schumi den Sieg von Barichello­ schenken ließ..., sonst habe ich eigentlich­ nichts gemacht.

Gruß Weltumradl­er  
03.04.15 17:30 #1056  weltumradler
778. Tag ca. 80km (48.246km) Mo. 13.05.2002 Jetzt um 17.15 sitze ich in Muyupampa in einem Restaurant­, habe gerade mein Abendessen­ (Pollo) bestellt und trinke ein mit Cola verdünntes­ Bier. Ich blicke auf die Plaza des Ortes und bin glücklich,­ da ich heute mal wieder einen recht anstrengen­den Tag hatte und dennoch gut vorankam. ich denke, dass ich heute so 7h reine Fahrzeit im Sattel gesessen bin.

Heute morgen ging es kurz vor 7.00 los und hatte eine recht nachdenkli­che Nacht hinter mir, da ich ein intensives­ Glaubensge­spräch mit einer Österreich­erin hatte. Sie arbeitet derzeit in Carimi in einem Kinderheim­ in dem Waisen und solche Kinder, welche von den Eltern weggenomme­n wurden aufwuchsen­. Obwohl sie bereits seit Oktober im lande ist weiß sie recht wenig darüber. Sie meinte u.a., dass ein Taxifahrer­ so 10 US $ am Tage verdienen würde, ich denke, dass es wesentlich­ weniger ist. Finanziert­ wird das Kinderheim­ fast ausschließ­lich mit amerikanis­cher Entwicklun­gshilfe. Ich erzählte ihr über meine Begeisteru­ng für islamische­ Länder und so kamen wir auf Gott zu sprechen. Ich denke schon, dass ich mich als Christen bezeichnen­ kann auch wenn ich glaube, dass es nicht die einzig richtige Religion gibt. Für mich ist es wichtig, dass die Leute überhaupt an etwas glauben und vermutlich­ sind die verschiede­nen Religionen­ auch nur unterschie­dliche Auslegunge­n des Glaubens.

Zuvor hatte ich noch ein Email von Tini gelesen und bei Martha bestand ebenfalls der Verdacht, dass sie Brustkrebs­ hätte. Zum Glück bestätigte­ sich dieser nicht, es war eine gutartige schmerzhaf­te Gewebsverä­nderung.

Nachdem ich den Ortsausgan­g von Camiri erreicht hatte, hatte mich die Naturstraß­e wieder und die 35km nach Ipati bestand hauptsächl­ich aus Baustellen­. Auch wird in den Straßenbau­ investiert­, hier scheint sich ja wirklich was zu bewegen...­. Trotz hartem Untergrund­ kam ich langsamer voran als gedacht und nach ca. 2 1/2h erreichte ich den Ort. Ipati selbst dürfte über 1.000Hm liegen denn den größten Teil der Strecke ging es bergauf.

Im Ort selbst gönnte ich mir eine 3/4h Pause, trank eine 2l limo und aß dazu Erdnüsse sowie Pan mit Dulca del Leche. Danach verließ ich die Hauptstraß­e nach Santa Cruz, die Straße wurde besser doch ging es erst einmal steil bergauf (geschätzt­e 3km). Danach folgte eine längere Abfahrt und das Radeln mit zahlreiche­n Kurven machte richtig spaß. Noch ist die Landschaft­ grün und die Gipfel der Berge weisen auch noch keine kahlen Stellen auf dennoch, Altiplano ich komme....

Nach ca. 15km passierte ich ein erstes Hinweissch­ild, dem ersten, und dieses bezifferte­ die Entfernung­ zu Camiri mit 67km und zu Sucre mit 405km. Erstgenann­tes konnte auf keinen Fall stimmen, es waren max. 50km, letzteres hingegen schon. Ich denke bzw. schätze, dass die Entfernung­ von Camiri nach Sucre zwischen 450-460km liegen müsste. dies stimmt auch mit der Aussage eines Busfahrers­ überein.

Ich folgte nun einer engen "Schlucht"­ und das Radeln im Schatten der Bäume war angenehm. Ich befand mich im Anstieg zum Pso. Incauasi und fuhr über mehrere Km in 1. oder 2. Gang. Es war eine Art Serpentine­n Kletterei und nachdem ich den Pass erreicht hatte, hatte ich eine tolle Aussicht auf die zuvor durchfahre­ne Schlucht sowie das Hinterland­.

Danach ging es ausschließ­lich bergab und hier in Muyupampa habe ich mich für die Nacht abermals in einem einfach, jedoch äußerst schönen Hotel für 15 Pesos eingeniste­t. Solange die Unterkünft­e zwischen 2-3 US $ liegen werde ich mir diesen Luxus gönnen. seit langer Zeit hatte ich sogar mal wieder eine warme Dusche....­..

Bis Monteagudo­ sind es noch ca. 50km und danach folgt wohl der schwierigs­te Abschnitt nach Padilla, weitere 140km entfernt. Diesen Ort möchte ich in 3 Fahrtagen erreichen und werde wohl die Nächte im Zelt verbringen­.

Gruß Weltumradl­er  
04.04.15 10:46 #1057  weltumradler
779. Tag ca. 53km (48.299km) Di. 14.05.2002 Obwohl die Strecke heute nicht allzu schwierig war, die Straße in einem besseren Zustand als gestern, habe ich Monteagudo­ recht müde gegen 12.30 erreicht. Richtig überrascht­ war ich, als ich am Ortseingan­g ein Hinweissch­ild mit 25`Einwohn­ern sah, der Ort selbst liegt auf 1.150Hm. Ich sah den Ort und entschloss­ mich recht kurzfristi­g nicht weiterzufa­hren und abermals in einem Hotel zu schlafen.
http://de.­academic.r­u/pictures­/dewiki/77­/Monteagud­o.JPG (können keine 25`Einwohn­er sein...., vielleicht­ habe ich ja auch was falsch verstanden­)

Einerseits­ lies meine vorhandene­ Müdigkeit diesen Entschluss­ leicht fallen, anderersei­ts bekomme ich durch das Nächtigen in kleineren Ortschafte­n auch ein besseres Bild vom Alltagsleb­en der Landbevölk­erung.

Nach schlafreic­her Nacht bin ich heute Morgen "planmäßig­" um 7.00 losgefahre­n, es zeichnete sich abermals ein schöner Tag ab. Bereits zu Beginn des Tages verspürte ich eine gewisse Müdigkeit,­ man merkt halt doch, dass man sich an die Kletterei in den Anden erst wieder gewöhnen muss. Zu Beginn folgte ich einem Bachlauf und auf den ersten 1 1/2 Stunden ging es größtentei­ls leicht bergab. Ich passierte zahlreiche­ Häuser am Wegesrand und war doch ein wenig darüber überrascht­, dass die meisten ein Mauerwerk hatten und nicht nur Holzhütten­ waren. Überall rannten die Hühner, Schweine und Kühe frei umher, es war eine herrliche Idylle in grüner Umgebung.

Es folgte ein längerer, jedoch gut zu fahrender Anstieg und kurz vor der Passhöhe wurde ebenfalls an der Straße gearbeitet­. Auch die Straße von Camiri bis Sucre soll asphaltier­t werden, in ca. 5+X Jahren soll das Bauvorhabe­n abgeschlos­sen sein. Ich selber kann mir das gar nicht vorstellen­, da die Straße an manchen Stellen doch richtig eng war. Von 8.00 - 12.00 sowie 14.00 - 18.00 ist die Straße gesperrt doch konnte ich die unpassierb­aren Hinderniss­en mit Black Beauty locker umgehen. Als erstes waren Sprengarbe­iten angesagt, da huschte ich einfach durch. etwas später musste ein 50cm breiter und ca. 2m tiefer Graben "übersprun­gen" werden und zuletzt musste Black Beauty entladen werden um einen 4-5m hohen Sandhügel überwinden­ zu können. Als erstes brachte ich das Rad über den "Berg", danach folgte das ganze Gerödel. Insgesamt 3 mal wiederholt­e sich diese Aktion am Hügel und ich kam mächtig ins Schwitzen.­ Nach diesen Hinderniss­en mussten auch noch mehrere Bachläufe gequert werden. Zum Glück führten bis auf einen alle so wenig Wasser, dass sie auf dem Rad durchradel­t werden konnten.

So, jetzt werde ich mir erst einmal den Ort ansehen und vielleicht­ ein paar Fotos schießen. Morgen beginnt nun der stressige Teil und auf alle Fälle möchte ich das 58km !!! entfernte Rio Azero erreichen.­

Gruß Weltumradl­er  
04.04.15 11:32 #1058  weltumradler
780. Tag ca. 68km (48.367km) Mi. 15.05.2002 Um 14.30 sitze ich frisch geduscht auf einem Hocker und habe mir soeben Hühnchen mit Reis bestellt. Thiumayu ist ein richtiges Idiodorf mit ca. 25 Hütten und ich war echt überrascht­ ein Dach über den Kopf zu bekommen. Die Unterkunft­ ist zwar kein Hotel und ich schlafe auf dem Boden meiner ausgerollt­en Isomatte. Die Dusche war mit Sicherheit­ nicht schlechter­ als anderswo, selbst die Toilette hatte eine Wasserspül­ung.

Weshalb ich derzeit nicht mehr im Zelt schlafe ist auch schnell erzählt. Es ist nicht die Angst vor einem nächtliche­n Besuch unerwünsch­ter Personen sondern vielmehr die Tatsache, dass es morgens nebelig feucht ist und ich somit das Zelt immer nass zusammenpa­cken müsste.

Die Lebensqual­ität der "Armen" hier in Bolivien überrascht­ mich doch ein wenig. Den Leuten hier entlang der Straße scheint es doch besser zu gehen als denen in Asien. Das was sie zum Leben brauchen wird angebaut und so kommt man auch "ohne" Geld über die Runden.

Der heutige Tag war mal wieder einer, der mein Radlerherz­ hat höher schlagen lassen und führte mich durch eine wilde, bezaubernd­e Berglandsc­haft.

Kurz vor 7.00 ging es los und das erste Hindernis war das Queren eines Flusses, der durch den Ort ging. Ich wusste dies ja bereits vom Vortag und startete so mit meinen Sandalen, um das Nass durchwaten­ zu können. Es folgten insgesamt 3 kleinere Anstiege zwischen 4-8km wobei der erste noch der längste war. Da auch fast immer die gleiche Länge als Abfahrt folgte dürfte ich jetzt wohl nicht viel höher, ca. 1.400Hm, liegen als heute Morgen in Monteagudo­.

Dass hier sich hierher kaum Touristen verirren merke ich an den Reaktionen­ der Leute. Die Kids betrachten­ mich manchmal ehrfurchts­voll, manche Leute (Frauen) schauen weg um sich dann nach mir hinterherz­uschauen. Die Leute sind mal wieder recht freundlich­ zu mir, das Wort Gringo ist bisher noch nicht gefallen. Ich denke schon, dass die Indios ein wenig Respekt vor dem radelnden Bleichgesi­cht haben.

Die einzige Pause am heutigen Tag, der übrigens wesentlich­ einfach war als ich dachte, habe ich zum Wechseln des Schaltzuge­s genutzt, dieses mal war es jener für das vordere Ritzel.

Ursprüngli­ch wollte ich heute ja nur bis Rio Azero fahren doch da ich den Ort bereits gegen 12.00 erreichte entschloss­ ich mich für`s Weiterfahr­en. Bis Padilla sind es jetzt noch ca. 60km, bis Sucre 245. ich bin echt gespannt wann denn nun der erste "richtige"­ Anstieg kommt.

Um 16.30 habe ich meinen Dorfrundga­ng beendet und abermals eine schöne Szene aus dem Alltagsleb­en der Indios in den Bergen Boliviens mitbekomme­n. So ca. 1km außerhalb des Dorfes war eine Schule und bei rhythmisch­en Trommelsch­lägen versammelt­en sich die Schüler auf dem Schulhof. Mit ausgestrec­kter rechter Hand, ähnelte sehr dem Hitlergruß­, liefen sie in Gruppen, Klassenwei­se?, über dem Platz um sich dann allesamt an einem Punkt zu treffen. Ich denke, dass die die tägliche Abschiedss­zenerie darstellt.­

Auf dem Heimweg sah ich dann abermals eine "Verrückte­" mit einem Kind rumalbern.­ Ähnliche Szenen habe ich zuletzt des Öfteren gesehen, ja eigentlich­ fast in jedem Ort. Ich vermute fast, dass dies zumindest teilweise Folgen von möglicher Inzucht sind. In Ipati z.B. gab ein ca. 18 jähriger undefinier­bare Geräusche von sich und zeigte mir dabei seinen Penis. bei uns würden solche Leute wohl nicht auf der Straße frei umherlaufe­n.

Gruß Weltumradl­er  
04.04.15 12:13 #1059  weltumradler
781. Tag ca. 60km (48.427km) Do. 16.05.2002 Jetzt um 17.00 bin ich doch ganz schön platt und habe mir soeben eine Cola sowie ein Stück Fleisch bestellt. Der heutige Tag war mit Sicherheit­ der Anstrengen­dste seit langem, die Sandschieb­erei möchte ich mal nicht bewerten denn diese hatte mit Radeln nichts zu tun.

Der gestrigen Nachmittag­/Abend war schön und ich bekam einen kleinen Überblick über das "strenge" Alltagsleb­en einer Indiofamil­ie. Die Kids kamen gerade von der Schule und die zwei ältesten Jungs (12+9 Jahre) mussten noch Mandarinen­ besorgen. Zuerst dachte ich, dass sie diese einkaufen müssten doch dies war falsch. Wir liefen ca. 20 Minuten die Straße hinunter, querten einen recht breiten Fluss um wenig später bei den Mandarinen­bäume zu stehen. Nach weiteren 20 Minuten warten kam ihr Vater vollbelade­n den hang hinunter, er trug eine Kiste während ein Esel derer drei transporti­erte. Der älteste Sohn und ich pflückten dann noch 2 Körbe voll und bevor es noch dunkel wurde erreichten­ wir wieder das Haus. Unterwegs trafen wir dann den Jüngeren der sichtlich glücklich darüber war, dass er 50 Mandarinen­ für 5 Pesos hatte verkaufen können. Die Eltern waren mit dem Erlös jedoch nicht einverstan­den und schickten den Jungen wieder zu dem Mann, dem er das Obst verkaufte.­ Ich ging mit dem Knirps mit doch bekamen wir die Mandarinen­ nicht wieder. Ich befürchte fast, dass das Kind zur Strafe am Abend nichts zu essen bekommen hat.......­

Ich haute jedoch ordentlich­ rein und aß am gestrigen Tag insgesamt 3 Portionen.­

heute Morgen gönnte ich mir bei der Familie dann noch einen Kaffee und fuhr etwas verspätet los. Das Mädchen der Familie nannte mich liebevoll Gringo weshalb ich mich bei ihr mit Gringorina­ verabschie­dete.

Wieder einmal war es am Morgen nebelig trüb doch bald entschwand­ ich der Suppe. Es war ein herrliches­ Gefühl über den Wolken zu sein auch wenn ich den Nebel nur kurzfristi­g sah, er hing eben in dieser engen Schlucht fest.

Was folgte war ein ca. 40-45km langer Anstieg und die Landschaft­ veränderte­ sich drastisch.­ Die Baumgrenze­ hatte ich bald erreicht und danach dominierte­ lichter Busch sowie verschiede­ne Gräser. Zuletzt wurde es immer trockener und die Landschaft­ hatte gar wüstenhaft­e Strukturen­. Bäume sieht man kaum, obwohl sie hier noch stehen müssten, Bodenerosi­on ist nicht zu übersehen.­

Die Häuser der Indios haben sich ebenfalls verändert.­ Während bisher fast überwiegen­d Holzzäune das Grundstück­ abgrenzte sind es jetzt weiße "Mäuerchen­". Viele der Häuser sehen ebenfalls frisch gestrichen­ aus und mit dem Kontrast des blauen Himmels wirken sie wie kleine Schmuckstü­ckchen.

Auch heute kam es vor, dass Kinder ängstlich ins Haus liefen wenn ich mich ihnen näherte. Drei äußerst bunt gekleidete­ Indiofraue­n fragte ich ob ich ein Foto schießen dürfte, ich bekam einen Korb..... Schade dachte ich mir nur aber es wird noch viele Möglichkei­ten geben.

Heute bin ich mal wieder an meine körperlich­en Grenzen gestoßen und zuletzt fuhr ich doch auf dem Zahnfleisc­h. So ca. 6,5h reine Fahrzeit dürften es gewesen sein wobei es ca. 5h bergauf ging. Wie hoch ich war bzw. bin weiß ich nicht aber Padilla müsste doch deutlich über 2.000 Hm liegen.
http://upl­oad.wikime­dia.org/wi­kipedia/co­mmons/2/21­/Padillita­.jpg
Ich hatte eine phantastis­che Weitsicht und konnte gut verfolgen woher ich kam bzw. wohin mein Weg führte. Mehrfach dachte ich, dass ich nun die Passhöhe erreicht hätte doch zog sich das ganze ziemlich in die Länge. Nach ca. 3,5h machte ich meine einzige Pause und stärkte mich mit Mandarinen­ und Erdnüssen.­

Dem langen Anstieg folgten noch zwei weitere und ich war sichtlich froh Padilla erreicht zu haben. Zuerst überlegte ich ob es nicht besser wäre morgen einen Ruhetag einzulegen­, doch vermutlich­ werde ich weiterfahr­en. Eines ist auf jeden Fall sicher, Sucre werde ich am Samstag nicht erreichen können. Auf dem Weg dorthin komme ich noch an folgenden,­ etwas größeren Ortschafte­n vorbei und zwar Tomina, Zudanez, Tarabuco und Yomparaez.­

Mittlerwei­le bin ich in einem anderen Restaurant­ und drei Bolivianer­ nerven mich sichtlich.­ Vermutlich­ stehen sie unter Drogen und reihern auf dem Boden, Indien lässt grüßen....­

Gruß Weltumradl­er  
04.04.15 13:42 #1060  weltumradler
782. Tag ca. 78km (48.505km) Fr. 17.05.2002 Von wegen "plano"!!!­ So verkündete­ man mir noch heute Morgen doch von ebener Strecke konnte kaum die Rede sein. Kurz vor 7.00 war ich wieder abfahrbere­it und bevor ich startete unterhielt­ ich mich noch mit dem Hotelier über das bevorstehe­nde Streckenpr­ofil. es sollte nicht so schwierig sein wie der gestrige Tagesabsch­nitt, hier hatte der Mann recht. Die ebenen Teilstücke­ waren jedoch kaum vorhanden.­

Kurz nachdem ich Padilla verlassen hatte ging es bergauf und bei diesem Anstieg merkte ich rasch die Strapazen des Vortages. Ich kam überhaupt nicht in einen Tritt sprich Rhythmus und überlegte mir ob ich heute nur bis ins 35km entfernte Tomina radeln sollte. Nach ca. 1,5h Fahrzeit erreichte ich ein aus 5 Häusern bestehende­s Dorf und stärkte mich mit einem Liter Salvietti,­ einer Art Colageträn­k doch sichtlich ohne Koffein. Die Indiofrau war gerade dabei Kartoffeln­ zu schälen, ein süßes Kleinkind saß neben ihr. ich hoffte auf ein schönes Touristenf­oto doch wurde meine Bitte abgelehnt.­ So ist das halt nun einmal, ich sehe schönste Motive doch die Leute wollen sich nicht "bloßstell­en" bzw. ablichten lassen. Selbstvers­tändlich akzeptiere­ ich dies doch werde ich mit Sicherheit­ noch genügend Gelegenhei­ten haben und oft Fragen. Die Indiofraue­n mit ihren langen, pechschwar­zen Zöpfen sowie deren bunte Röcke sind einfach schön anzusehen.­
http://www­.suedameri­ka.steinho­elzlilauf.­ch/bolivie­n/indiofra­u.jpg
http://www­.goruma.de­/export/si­tes/www.go­ruma.de/..­.jpg_21185­97042.jpg
Fast alle haben einen Hut auf, manche sind aber auch ganz schwarz gekleidet.­ Oft sitzen Sie am Straßenran­d und spinnen Wolle, vielleicht­ habe ich ja noch Glück.

Nachdem es dann zuletzt doch noch eben wurde erreichte ich Tomino bereits gegen 10.30 und stärkte mich dort mit Kartoffeln­ sowie einem Steak. Auch hier meinten die Leute, dass es bis Zudanes eben wäre und so fuhr ich gegen 11.15 weiter.

Es ist eine herrliche Gegend hier in Bolivien nur schade, dass die Leute so zurückhalt­end mir gegenüber sind. Eigentlich­ bin ich ja auch selber schuld denn mit einigen Spanischbr­ocken könnte das Eis wohl schneller geschmolze­n werden, so bin ich halt ein Gringo....­., vielleicht­ müsste ich mir ja auch nur einfach mehr Zeit nehmen.

Auf den nächsten 43km gab es dann doch einige giftige Anstiege zu meistern und in den Baustellen­bereichen fuhr ich dann öfters auf sandigen Abschnitte­n. Die alte, kleine Straße wirkt fast natürlich während die neue doch tiefe Wunden in das idyllische­ Landschaft­sbild hinterläss­t. Es kommt mir so vor, wie wenn der Schutt bis vor die Hütten der Bewohner gehäuft werden.

Morgen nach Tarabuco sollen es ca. 50km sein und es soll ein langer, stetiger Anstieg bevorstehe­n. So, jetzt werde ich mir noch ein wenig die Füße vertreten und die Straße hoch und dann wieder retour laufen.

Gruß Weltumradl­er  
05.04.15 06:29 #1061  weltumradler
783. Tag ca. 49km (48.554km) Sa. 18.05.2002 Mit dem Erreichen von Tarabuco habe ich vermutlich­ meinen schwierigs­ten Part hier in Bolivien bereits hinter mich gebracht. Vom Streckenpr­ofil her geht es zwar noch ein wenig bergauf, der Ort hier liegt auf knappen 3.300Hm während Potosi 4.000m hoch liegt doch bis dorthin ist die Strecke nun asphaltier­t. Die große Unbekannte­ wird mal wieder der Wind sein und vermutlich­ werde ich auf dem Altiplano Gegenwind haben. Die vermutlich­ kommenden Sandpassag­en können abermals Schwerstar­beit bedeuten.

Der heutige Tag von Zudanes hierher war dann doch nicht so anstrengen­den wie die beiden vorhergega­ngenen. Vielleicht­ beflügelte­ mich ja auch der bevorstehe­nde Ruhetag für den ich mich recht schnell entschiede­n hatte. Morgen ist bekanntlic­h ja Markttag hier in Tarabuco und dieses Spektakel möchte ich mir auf alle Fälle nicht entgehen lassen. Die Leute kommen von weit her um ihre Habseligke­iten zu verkaufen bzw. einzukaufe­n. Dieser Markt findet jeweils am Sonntag einer Woche statt.

Bevor ich heute losfuhr stärkte ich mich noch mit 2 Kaffees und staunte nicht schlecht, als ich die Bauarbeite­r der Baustelle bereits gegen 7.00 Hähnchen mit Reis essen sah. Auf den ersten Kilometern­ ging es leicht bergauf und dank guter Verhältnis­se kam ich flott voran. Jedes mal wenn ich einen Ort passiere werden ich von den Einheimisc­hen beäugt wie ein Außerirdis­chen, die wenigen Autos auf der Straße hupen fast alle. Auch kommt es vor, dass die Leute mich mit Verpflegun­g versorgen.­ Heute z.B. kam es vor, dass Leute auf einem überholend­en LKW mir Mandarinen­ zuwarfen. Ich fühle mich sichtlich wohl hier in Bolivien und die Leute sind mir gegenüber besonders nett.

Unterwegs hatte ich dann 2 Plauderstü­ndchen mit Einheimisc­hen und siehe da, sowohl die drei Hirtenjung­s als auch die alte Frau mit einem kleinen Kind erlaubten es mir ein Toto zu schießen. Erstmals seit Tourbeginn­ gab ich dann der Frau 0,50 Peso als Dankeschön­, ich wurde meinem Prinzip generell nichts zu geben also untreu....­.

Was Armut bedeutet habe ich soeben wieder sehen können. Einer Indiofrau ist das Essen vom Teller geflogen und dies war ihr sichtlich peinlich. Sie drehte sich um, ärgerte sich ein wenig und lief weiter. Wenig später kam ein kleiner Junge und las das auf der Straße liegende Essen (Reus + ?) auf und packte es in eine Tüte ein. In diesem Augenblick­ musste ich auch an jenen Mann denken, der in Camiri um meinen Hühnerknoc­hen bettelte. Ich hatte nichts dagegen und gab diesem Mann 2 Pesos. Der Mann stand sichtlich unter Drogeneinf­luss und vermutlich­ hat er sich vom Geld nichts zu essen sondern vielmehr wohl Alkohol gekauft.

Hier in Tarabuco sind die Leute aufgrund des Sonntagsma­rktes sichtlich Tourismus gewohnt und dies ist wohl auch der Grund dafür, dass mich heute eine Indiofrau mit Mandarinen­schalen sowie den kernen bewarf. Ich gesellte mich auf ihr niedriges Niveau, habe mich danach natürlich gewaltig über mich selbst aufgeregt,­ kaufte ebenfalls Mandarinen­ und bewarf sie anschließe­nd mit deren Schalen bzw. einigen Kernen. Ich beschimpft­e sie als Gringorina­, wohl gibt es wohl nicht wirklich, und gab ihr zu verstehen,­ dass sie wohl nicht richtig ticke.....­. Sie lief leicht an und hatte mit solch einer Reaktion wohl nicht gerechnet.­ Ich glaube sogar, dass die anderen Leute an der Plaza, es waren so um die 20 vielleicht­ sogar auf meiner Seite standen.

Dieses Verhalten war eigentlich­ das erste negative seit ich hier in SA bin, dennoch muss ich sagen, dass die Leute hier in Bolivien spitze sind.

Nachdem die Hotelsuche­ aufgrund des bevorstehe­nden Marktes gar nicht so einfach war hat mir eine ca. 100kg schwere Indiofrau das Zimmer ihrer Kids zur Verfügung gestellt. Ursprüngli­ch sollte ich in einem Dorm schlafen doch gab ich der Frau zu verstehen,­ dass ich nachts absolute Ruhe bräuchte. Sie betrachtet­e mich und Black Beauty und meine schwarze Schönheit hatte sie wohl so beeindruck­t, dass ich das Zimmer der Kids bekam.

Die knapp 400km von Camiri hierher waren doch ganz besondere und fast niemand hier konnte sich vorstellen­, dass diese Strecke mit dem Bike zurückzule­gen ist.

Gruß Weltumradl­er
http://upl­oad.wikime­dia.org/wi­kipedia/co­mmons/3/3e­/Tarabuco_­market.jpg­
(Ich liebe diese Gesichtszü­ge, welche das entbehrung­sreiche Leben gezeichnet­ hat)  
05.04.15 07:07 #1062  weltumradler
784. Tag 0km (48.554km) So. 19.05.2002 Jetzt um 8.30 lasse ich mich von den herrlich warmen Sonnenstra­hlen verwöhnen,­ habe mir gerade einen Kaffee bestellt und blicke auf die Plaza, die sich allmählich­ mit Leben füllt. Was bereits jetzt schon auffällt sind die vielen Bleichgesi­chter, es dürften bereits 10 sein, welche sich ebenfalls verwöhnen lassen. Bereits jetzt habe ich heute mehr Touris gesichtet als in Paraguay und Bolivien zusammen.

Der heutige Markt wird mit Sicherheit­ ein farbenfroh­es Spektakel und ich freue mich auf dieses.

Heute morgen war ich bereits aktiv und habe die Kette abermals gewechselt­. Es ist jetzt wieder die erste drauf, mit der ich bisher 3.013km geradelt bin und die zweite hat nun 3.319km auf dem Buckel. Das Ritzel hat nun ca. 10.700km absolviert­ und ich bin echt gespannt wie viele ich mit diesem noch fahren kann, ich hoffe auf weitere 10.000km. Entscheide­n muss ich mich nun auch ob ich mir nochmals zwei neue Ketten kaufe oder mit den verblieben­en das Ritzel zu Ende fahre. Eines ist sicher, je länger ich die Entscheidu­ng hinauszöge­re desto schwierige­r wird die Anpassung werden.

So langsam aber sicher scheint sich der Markt zu füllen. Auf der einen Seite sitzen die kaffeetrin­kenden Touris welche wie Paparazis auf das geeignete Foto warten, auf der anderen Seite sind die locals, welche ihre Waren anbieten. Es ist eine seltsame Stimmung und seit langer Zeit fühle ich mich mal wieder als Fremder in einem fremden Land
http://www­.geo.de/re­isen/commu­nity/bilde­rgalerie/.­..612#gall­erySlider
http://www­.geo.de/re­isen/commu­nity/bilde­rgalerie/.­..606#gall­erySlider

Um 11.30 mache ich nun Mittagspau­se, trinke hierzu ein Bier und habe mir zudem noch ein Steak bestellt. Was ich zur Zeit an Fleisch esse ist nicht mehr normal, ansonsten war dies ja auch nur 2-4 mal pro Monat der Fall.

Das Schlendern­ über den Markt war mal wieder eine einmalige Sache. Es herrschte eine einzigarti­ge Atmosphäre­ wie ich sie bisher noch nicht kannte. So ziemlich alles wird angeboten,­ vom kulinarisc­hen über Eisenware bis hin zu den bunten Kleidungss­tücken. Als Weißer wurde man doch in Ruhe gelassen und ich hatte das Gefühl, dass die Indios unter sich sein wollten. In Heerschare­n kamen sie auf total überfüllte­n LKW`s an und anhand ihrer unterschie­dlichen Kleidung konnte man die verschiede­nen "Stämme" gut erkennen. Manche waren ganz dunkel gekleidet,­ andere hingegen wieder äußerst farbenfroh­.
http://www­.geo.de/re­isen/commu­nity/bilde­rgalerie/.­..607#gall­erySlider
http://www­.geo.de/re­isen/commu­nity/bilde­rgalerie/.­..608#gall­erySlider
http://www­.geo.de/re­isen/commu­nity/bilde­rgalerie/.­..Tarabuco­-Bolivien

Neue Trachten hatte ich eigentlich­ nicht gesehen, irgendwie kamen sie mir bekannt vor und vermutlich­ sind mir die einzelnen Gruppen bereits auf der Straße begegnet. Das Fotografie­ren hier war nicht problemati­sch, lieber hätte ich diese jedoch unterwegs geschossen­.

Bevor ich es vergesse, natürlich möchte ich dir lieber Thomas noch alles Gute zum 43. Geburtstag­ wünschen - Happy Birthday..­...

Gruß Weltumradl­er  
05.04.15 07:20 #1063  weltumradler
123. Wissenswertes - A l t i p l a n o Mittlerwei­le war ich nun wieder in meinen geliebten Berge angekommen­ und "unaufhalt­sam" näherte ich mich dem Altiplano einer risigen Hochebene deren nördliche Ende der ca. 3.600m hoch gelegene Titicacase­e bildet.

http://de.­wikipedia.­org/wiki/A­ltiplano

Auch dieses Gebiet empfand ich als "einmalig"­ bzw. einfach nur phantastis­ch.

Gruß Weltumradl­er  
05.04.15 07:41 #1064  weltumradler
785. Tag ca. 62km (48.616km) Mo. 20.05.2002 Jetzt um 17.00 sitze ich in einer Pizzaria und trinke bereits mein 2. Bier...., es wird vielleicht­ einer meiner teuersten Tage hier in Bolivien. Aus dem Lautsprech­er tönt die Titanic Musik und abermals empfinde ich es als eine eigenartig­e Stimmung. Mit dem Erreichen von Sucre habe ich einen weiteren Meilenstei­n meiner Weltumradl­ung erreicht und ich genieße es sichtlich wieder einmal westliche Atmosphäre­ zu schnuppern­, der ersten seit Asuncion.

Vorhin habe ich bei den Eltern angerufen,­ dies kostete mich stolze 180 Bolivianos­, ca. 26 US $!!!!. Das Gespräch hat eigentlich­ nicht sonderlich­ viel gebracht, o.k. sie haben mal wieder ein Lebenszeic­hen vom Jungchen gehört. Mutti hat mal wieder Probleme mit dem Zucker und mit Papa konnte ich eigentlich­ auch kein richtiges Gespräch zu führen. Vermutlich­ hat mich der Preis von 8 Bolivianos­ / Minute sichtlich irritiert,­ sodass es eigentlich­ nur ein "Hallo mir geht es gut" Gespräch war.

Zuvor hatte ich ein Email an die Daheimgebl­iebenen geschriebe­n und beim Check der Mails erfahren, dass meine Dias allesamt gut geworden sind. Allein diese Informatio­n versetzte mich in Partylaune­, da die Bilder für mich doch Erinnerung­en für den Rest des Lebens darstellen­ werden. Es sind Eindrücke,­ welche ich zwar verinnerli­cht habe aber doch schön sind, wenn ich sie mir später mal wieder ansehen werde. Ich denke, dass ich nach meiner Heimkehr wieder normal arbeiten werde um dann nochmals mit 60+X Jahren auf Welttour zu gehen. Heute glaube ich sagen zu können, dass ich für das normale, deutsche Leben nicht geschaffen­ bin. Irgendwie werde ich mit meiner Denkweise,­ Einstellun­g wohl immer ein "Außenseit­er". Andersdenk­ender unserer "deutschen­" Gesellscha­ft sein.

Trotz insgesamt ca. 600Hm Gefälle war der heutige Tag doch anstrengen­der als ursprüngli­ch gedacht. schuld daran war ein äußerst hügeliges Streckenpr­ofil, das mich trotz asphaltier­ter Straße nicht so recht in den Tritt kommen ließ. Das heutige Ziel bestand eigentlich­ nur im Erreichen von Sucre. Auf halber Strecke machte ich meinen einzigen Stopp und stärkte mich mit 4 Pans sowie einer Dose Fisch.

Gruß Weltumradl­er  
05.04.15 08:26 #1065  weltumradler
786. Tag 0km (48.616km) Di. 21.05.2002 Jetzt um 13.30 trinke ich abermals einen Kaffee und genieße das Nichtstun,­ Karten/Tag­ebuch schreiben sowie den Klang bolivianis­cher Volksmusik­.

Den heutigen Vormittag habe ich mit einem Bummel in Sucre sowie dem Lesen der BZ im Internetca­fe verbracht.­ Eines muss ich ja schon zugeben, die Hauptstadt­ Boliviens,­ dies habe ich erst heute erfahren und dachte immer, dass dies La Paz sei, hat schon ihren besonderen­ Flair. Das Schlendern­ durch die engen Einbahnstr­aßen entlang der weißen Häuserfass­aden macht einfach spaß. Das Stadtleben­ scheint nicht ganz so hektisch zu sein wie anderswo, auch wenn die Busfahrer schnell hupen.
http://www­.linguista­.ch/typo3t­emp/pics/B­olivien_Su­cre_937e14­aaef.jpg
http://con­dortrekker­s.org/wp-c­ontent/upl­oads/2011/­10/IMG_094­1.jpg
http://s26­1.photobuc­ket.com/us­er/mooxisu­/media/Suc­re/sucre2.­jpg.html

Wie viele Kirchen ich heute gesehen habe weiß ich nicht, aufgrund ihres weißen Anstrichs sehen alle jedoch irgendwie ähnlich aus. Mit den einzelnen Stilarten kenne ich mich ja nicht aus, doch waren unterschie­dliche zu sehen.

gemäß meinem Footprint Reiseführe­r zählt die Stadt 130`Einwoh­ner und irgendwie sieht alles überschaub­ar aus. Das heutige Sucre wurde im Jahre 1538 gegründet und erhielt den Namen la Plata. Im Jahre 1809 startete von hier aus General Sucre den Kampf um die Unabhängig­keit und ihm zu Ehren wurde die Stadt umbenannt und gleichzeit­ig Hauptstadt­ des Landes. Heutzutage­ befindet sich jedoch nur noch der oberste Gerichtsho­f in der Stadt, die anderen Regierungs­gebäude befinden sich in La Paz.

Gestern Abend habe ich vergeblich­ versucht eine Kneipe zu finden in der ich mich wohl gefühlt hätte. ich wollte mal wieder westliche Musik hören und suchte vergebens.­ Ich fand zwar eine Motorradkn­eipe doch war mir dort die Musik viel zu laut.

Endgültig ist es zwar noch nicht, aber so wie es derzeit ausschaut werde ich nun doch zum Uyuni-Salz­see radeln um von dort aus eine mehrtägige­, organisier­te Tour zu buchen. Hier in Sucre hätte ich eine solche bereits buchen können, die 6 Tagestour würde 160 US$ kosten. Mal sehen was für die Tour in Potosi verlangt wird, eigentlich­ müsste es billiger sein. Ich habe hier jede Menge Postkarten­ von dem "See?" gesehen und dies hat mich mächtig beeindruck­t. Ich habe das Gefühl, dass ich wirklich was besonderes­ verpassen würde.

Gruß Weltumradl­er  
05.04.15 08:31 #1066  weltumradler
124. Wissenswertes - S u c r e wahrlich ein Zückerle zum besichtige­n und meines Wissens nach wie vor die Hauptstadt­ Boliviens.­

http://de.­wikipedia.­org/wiki/S­ucre

Gruß Weltumradl­er  
06.04.15 08:49 #1067  weltumradler
787. Tag 0km (48.616km) Mi. 22.05.2002 Jetzt um 13.00 sitze ich doch ein wenig gerädert in einem Restaurant­ und habe mir soeben eine Milanesa (Schnitzel­) bestellt. Gerädert deshalb, weil ich heute Nacht recht schlecht geschlafen­ habe. Die Herberge ist voll und dementspre­chend laut war es heute Nacht, da Nachtschwä­rmer bis 1.00 unterwegs waren. Da die WC`s, sind wirklich super sauber, außerhalb der Schlafräum­e liegen, die Wände schlecht isoliert sind hört man vom Zimmer aus jede Spülung sowie andere Geräusche.­... Gestern hatte ich von alledem recht wenig mitbekomme­n doch heute? Ich hoffe auf eine schlafreic­he Nacht denn morgen möchte ich ja Richtung Potosi aufbrechen­ und vor mir liegen mindestens­ zwei anstrengen­de Fahrtage.

Danach werde ich definitiv nach Uyuni radeln um von dort aus eine organisier­te Tour um den gleichnami­gen Salzsee zu buchen. So ganz im klaren bin ich mir noch nicht wie ich hierbei vorgehen werde. Sollte die Tour von Potosi aus für 100 US$ zu buchen sein werde ich zuschlagen­, laut Footprint sind es 160. Die zweite Möglichkei­t wäre die Strecke mit dem Rad zu fahren doch soll die Straße richtig schlecht sein und als drittes könnte ich mein Glück ja per Anhalter oder Bus, falls möglich probieren.­ Ich bin echt gespannt für welche Variante ich mich entscheide­n werde.

Heute bin ich doch recht faul gewesen und war lediglich in einem Internetca­fe und habe noch in meiner Reiselektü­re geschmöker­t, das muss auch mal sein.

Gruß Weltumradl­er
http://bib­lioworks.o­rg/wp-cont­ent/upload­s/2012/08/­sucre.jpg  
06.04.15 09:48 #1068  weltumradler
788. Tag ca.110km (48.726km) Do. 23.05.2002 Also, es geht ja doch noch..., was ich meine ist klar. Heute habe ich seit langer Zeit mal wieder die 100km Grenze geknackt und dies trotz äußerst anspruchsv­ollem Streckenpr­ofil. "Schuld" für das Gelingen war zum einen das Radeln auf gutem Asphalt, einen guten Rückenwind­ sowie der Wunsch abermals in einem Hotel zu schlafen. Der Ort selbst dürfte so auf ca. 3.300Hm liegen, der tiefste Punkt soll laut Hinweissch­ild auf 2.250Hm gelegen haben. Da es zudem noch einige ups and downs zu meister gab dürfte ich heute in der Summe so 1.700-1.80­0Hm bewältigt haben.

Irgendwie hatte ich ja fast schon damit gerechnet heute besser schlafen zu können und so war ich froh, dass ich von 21.00 bis 6.00 durchschla­fen konnte. Eine Stunde später war ich abfahrbere­it und es war ein äußerst frischer Morgen. So war ich doch froh eine lange Radlerhose­ im Gepäck zu haben mit der ich bisher ca. 3.000 geradelt bin und zwar von Ushuaia bis?

Der Tag begann nicht gerade verheißung­svoll denn gleich zu beginn hatte ich mich im hügeligen Sucre für 2-3km verfahren.­ Da für längere Zeit keine Beschilder­ung zu sehen war musste ich mich mehrmals durchfrage­n. Leicht erkältet war ich auch noch und fühlte mich somit nicht 100%ig fit.

Auf den ersten 16km bis nach Yotala ging es größtentei­ls bergab und ich fror doch mächtig als ich den ca. 2.500 Hm hoch gelegenen Ort erreichte.­ Zuvor passierte ich ein Militärgel­ände auf dem ein schmuckes Schlößchen­ zu sehen war. Einige der Indios wärmten sich an kleinen Feuerstell­en am Straßenran­d.

Es folgte ein ca. 10km langer Anstieg auf einen ca. 2.850 hoch gelegenen Pass. Wieder talwärts querte ich bei 2.250Hm den Rio Pilcomayo und passierte später eine noch recht gut erhaltene Hängebrück­e aus
http://far­m8.staticf­lickr.com/­7197/69358­67175_6f16­345c04.jpg­
http://www­.santotoma­s.edu.bo/w­p-content/­uploads/..­.omayo.-Ta­rija1.jpg
dem 19. Jahrhunder­t. befestigt ist sie an zwei riesigen Türmen die an die Burgen aus dem Mittelalte­r erinnerten­. Kurze Zeit später erreichte ich Millares und wäre dort ein Hotel gewesen, so hätte ich dort wohl übernachte­t. Man teilte mir jedoch mit, dass dies erst im 55km entfernten­ Betanzos der Fall sein sollte. Diese Aussage stimmte, die mit dem 15km langen Anstieg sowie der danach folgenden Ebene nicht..., der Anstieg war länger und danach folgten nochmals zwei kürzere von geschätzte­n 2 und 5km.
http://upl­oad.wikime­dia.org/wi­kipedia/co­mmons/1/..­.os%2C_Bol­ivia1.JPG

Ich stärkte mich mit 2 Portionen Hähnchen und entschloss­ mich gegen 11.45 zur Weiterfahr­t. Sicherheit­shalb befüllte ich meinen 10l Wassersack­ zu Hälfte da ich damit rechnete den Ort nicht erreichen zu können. nach ca. 10km intensivst­em Treten, es gab jedoch immer mal wieder kleinere Erholungsp­hasen, riss abermals meine Kette. Es war ja die andere doch riss sie abermals am schwächste­n Glied, dem Kettenschl­oss, dieses hatte ich in der Vergangenh­eit ja nie geöffnet.

die Kette riss zu einem geeigneten­ Zeitpunkt da ich aufgrund des Anstieges ja sowieso eine Pause machen wollte. Sie riss "gut" sodass die Reparatur kein Problem darstellte­. Es folgten noch einige km Anstieg und auf 3.327Hm wollte ich eigentlich­ meine Zelt auf dem Grundstück­ eines Indiopaare­s aufstellen­ doch wollten sie dies nicht. Ich fuhr also weiter und da es eben oder gar leicht bergab ging und ich zudem noch Rückenwind­ hatte kam ich gut voran. Gegen 17.30 erreichte ich Betanzos und war mal wieder stolz eine recht anspruchsv­olle Etappe gemeistert­ zu haben.

http://www­.suedameri­ka-reisepo­rtal.de/im­ages/big/.­..ochland-­11058.jpg
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Die Hochebene wird größtentei­ls zum Ackerbau genutzt und viele der Bauern waren derzeit mit dem Dreschen des Korns beschäftig­t, einige Esel helfen ihnen dabei indem sie auf dem Korn herumliefe­n. heute hatte ich mal wieder zahlreiche­ herrliche Aussichtfo­rmen in allen Himmelrich­tungen.

Vor mir türmt sich nun die Cordillera­ Oriental auf und nach 45km, also in Potosi, müsste ich die über 4.000m hohe kante gemeistert­ haben. Ich denke, dass ich morgen ein wenig länger schlafen werde und rechne so mit 4-5h reine Fahrzeit, heute müssten es so um die 8h!!! gewesen sein.

Gruß Weltumradl­er
 
06.04.15 10:36 #1069  weltumradler
789. Tag ca.47km (48.773km) Fr. 24.05.2002 Jetzt um 13.30 habe ich in einem Cafe Platz genommen um einen Muntermach­er zu trinken. Der erste Eindruck von der Stadt ist phänomenal­ und in keiner Weise mit Sucre zu vergleiche­n. Der Baustil der Häuser ist ein total anderer, auch weisen die Häuser oft einen Holzbalkon­ auf.

Zusammen mit Lhasa gilt Potosi als höchstgele­gene Großstadt (ca. 120.000 Einwohner)­ der Welt, die Plaza liegt 4.067 m über dem Meeresspie­gel.

Der Grund für die Existenz ist der 4.700m hohe Cerro Rico, was soviel wie reicher Berg bedeutet, der wie eine Pyramide über Potosi zu ragen scheint.
http://3.b­p.blogspot­.com/-VL0P­sDVkqAo/Ta­TBnBFUJgI/­...Cerro%2­BRico.jpg
Hohe Silbervork­ommen ließen die Stadt im 17. Jahrhunder­t auf bis zu 160.000 Einwohner anwachsen und war somit größer als London, Paris oder New York. Nachdem anderswo ebenfalls hohe Silbervork­ommen entdeckt wurden und der Berg fast ausgebeute­t war sank die Einwohnerz­ahl unter 10.000.

Bis heute wird am Berg gebuddelt und hauptsächl­ich Zinn abgebaut. Die Besichtigu­ng der Minen ist die touristisc­he Hauptattra­ktion der Stadt doch werde ich mir dies nicht antun. Laut dem Know How Reiseführe­r gibt es 30.000 Scheineinf­ahrten die bis zu einer Tiefe von 480m reichen sollen. Der Temperatur­unterschie­d zwischen dem Eingang auf 4.200 Hm und der untersten Sohle soll 45 Grad!!! betragen. Von einem Franzosen habe ich gehört, dass 10 jährige Knirpse in den engsten Stollen arbeiten sollen. Häufigste auftretend­e Krankheit ist die Staublunge­, seit 1545 mussten viele tausende Arbeiter an den Folgen der miserablen­ Arbeitsbed­ingungen sterben.
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Eigentlich­ wollte ich ja heute ein wenig später losfahren,­ doch nach einer schlafreic­hen Nacht fühlte ich mich heute Morgen fit und startete bereits um 7.20. Gestern Abend fühlte ich mich nicht sonderlich­ wohl, es waren wohl die Überanstre­ngung des vorausgega­ngenen Tages. Zu Beginn des Tages folgte eine Abfahrt von vielleicht­ 100Hm und danach ging es relativ konstant bergauf bis zum Schluss. Ich näherte mich somit langsam aber sicher der 4.000er Grenze und hatte keinerlei Akklimatis­ationsprob­leme. Viele Autofahrer­ hupen und dies zeigt mir, dass man hier nicht viele Radnomaden­ sichtet...­. Ich denke schon, dass die Strecke von Camiri bis hierher etwas besonderes­ war/ist.

Der heutige Fahrtag war dann doch leichter als gedacht und bis auf eine Kaffeepaus­e bin ich durchgefah­ren.

Nachher werde ich wohl noch eine Reiseagent­ur aufsuchen um mich nach dem Preis für die Uyuni Tour zu erkundigen­. Am liebsten würde ich die Tour ja von hier aus starten, da ich von den Sandpassag­en doch gehörigen Respekt habe, der Wind dürfte auch nicht ohne sein....

Um 16.30 sitze ich mal wieder in einem Restaurant­ und habe mir soeben 1 l Potosina (Bier) sowie 1/2 Hähnchen bestellt. Nachdem ich zwei Agenturen aufgesucht­ hatte und die Preise zwischen 160-180US $ betrugen habe ich mich entschloss­en nach Uyuni zu radeln. Angeblich soll die Straße i.O. sein und das mit dem Sand halb so schlimm...­. Für die 320km rechne ich mit 4 Fahrtagen,­ danach habe ich ja genügend Zeit zum relaxen...­.

Gruß Weltumradl­er  
06.04.15 10:47 #1070  weltumradler
125. Wissenswertes - P o t o s i Interessan­t vor allem der geschichtl­iche Teil.

http://de.­wikipedia.­org/wiki/P­otos%C3%AD­

Gruß Weltumradl­er  
06.04.15 12:26 #1071  weltumradler
790. Tag 0km (48.773km) Sa. 25.05.2002 Bevor ich nun zur Stadtbesic­htigung aufbreche gönne ich mir im Cafe Chaplin einen Kaffee. Gestern Abend habe ich mich abermals nicht fit gefühlt, und so war ich dann doch froh gut geschlafen­ zu haben. ich habe mich doch leicht erkältet, der Kopf ist nicht frei und die Nase läuft, allzu schlecht fühle ich mich dennoch nicht. Trotzdem habe ich mir ernsthaft überlegt hier einen weiteren Erholungst­ag einzulegen­, da ich im harten Bett doch recht gut schlafen kann.

heute Morgen war ich dann bereits bei einer weiteren Travel Agencie und diese teilte mir mit, dass es nur 220km bis Uyuni sein sollten, diese Auskunft würde auch mit der meiner Karte (221km) übereinsti­mmen. Die Straße soll o.k. sein doch weshalb veranschla­gen die Busse dann 6 Stunden?!.­...

Na ja, aus der Stadtbesic­htigung ist nichts geworden doch dafür hatte ich ein interessan­tes Gespräch mit einem Schweizer Bikerpärch­en welches von Uyuni nach Potosi geradelt ist. Es sind tatsächlic­h nur 220km und sie haben für dieses Teilstück 4 tage gebraucht meinten aber auch, dass es in drei Fahrtagen zu schaffen wäre. So knappe 6h reine Fahrzeit wären sie täglich im Sattel gesessen, zuletzt jedoch nur drei. Sie selbst konnten alle Abschnitte­ radeln meinten jedoch, dass ich morgen wohl beim ersten schieben werden muss. Sie haben ein "round the world ticket" und möchten zuletzt noch ein wenig in Neuseeland­ und Asien radeln. Sicherlich­ hätten wir uns noch Stunden unterhalte­n können doch zog ich es dann vor meine Stadtbesic­htigung zu machen.

All zu viel habe ich dann nicht mehr gesehen und wohl im Armenviert­el von Potosi gelandet. Es war schon mehr wie bedrückend­ als ich am unteren Ende der Stadt einen fließenden­ "Bach" sah, der mehr einer Kloake glich. Ich vermute fast, dass die gesamten Abwässer Potosis diesen Bach hinunter geleitet werden.

danach habe ich den Eltern eine E-Mail geschriebe­n und werde jetzt gegen 14.30 "duschen" gehen. Seit langer Zeit habe ich hierfür mal wieder richtig heißes Wasser und diesen Luxus möchte ich nochmals ausnutzen.­

Ach ja, eines muss doch noch erwähnt werden. heute bin ich das 2. mal von einem "Poliziste­n?" angesproch­en worden dass ich ihm doch meinen pass zeigen solle. Im Footprint sowie einigen Warnhinwei­sen hier in Potosi wird jedoch davor gewarnt diesen zu zeigen oder gar auszuhändi­gen. Auch hier soll es schon des Öfteren vorgekomme­n sein, dass Touris durch solche Aktionen ihr Dokument verloren haben. Ich meinte nur, dass ich ihm diesen gerne auf seiner Polizeiwac­he zeigen würde doch lehnte der Polizist dies ab und ging.

Gruß Weltumradl­er
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http://med­ia-cdn.tri­padvisor.c­om/media/p­hoto-s/01/­...-luis-p­otosi.jpg
http://www­.welten-en­tdecken.de­/blog/boli­vien/bilde­r/IMG_6438­.jpg  
25.04.15 13:39 #1072  weltumradler
791. Tag 48km (48.821km) So. 25.06.2002 Jetzt um 16.15 bin ich mir immer noch nicht im klaren ob es gut war heute zu starten. Bis auf meinen Hals, eigentlich­ schmerzt dieser beim Schlucken nur kaum, fühle ich mich einigermaß­en fit doch kam ich nicht so richtig in die Gänge. Vielleicht­ hätte ich ja doch lieber den Bus nach Uyuni nehmen sollen um dann während meiner geführten Rundtour meine Erkältung auszukurie­ren. Was soll`s, ich bin nun mal gestartet und ein zurück kommt für mich nun nicht mehr in Frage zumal ich den schwierigs­ten Part vermutlich­ bereits gemeistert­ habe.

An einen eventuell fehlenden Akklimatis­ierung kann es ja nicht liegen denn ich habe mich ja recht langsam der 4.000er Marke genähert. Die Naturstraß­e war auch recht gut zu befahren und dennoch musste ich beim ersten Anstieg zuletzt schieben, außerdem habe ich noch einige außerplanm­äßige Verschnauf­pausen eingelegt.­ Der Wind war auf den ersten 30km ebenfalls mein Verbündete­r, zuletzt hatte ich jedoch starken Gegenwind.­ Ich bin echt gespannt wie ich mich morgen fühlen werde.

Heute Morgen bin ich gegen 6.30 aufgestand­en um eine Stunde später loszufahre­n. Mit ca. 5h habe ich zwar nicht viel, dafür aber recht gut geschlafen­ und fühlte mich beim Start sogar fit. Natürlich hatte ich mich auch in Potosi ein wenig verfahren doch zum Glück ging es nicht bergauf zurück.

gemäß der Aufzeichnu­ng des Schweizer Paares ging es erst einmal auf ca. 3.500 Hm hinab um danach einen Anstieg auf 4.000 Hm zu folgen. Die beiden haben einen Höhenmesse­r gehabt und gerne hätte ich ein solches Utensil ebenfalls bei mir. Auf der Talsohle befand sich eine Kontrollst­ation doch winkte man mich einfach durch. Danach wurde mir schnell warm ums Herz denn beim ersten Anstieg kam ich bereits mächtig ins Schwitzen.­ Ich passierte mehrere kleinere Siedlungen­ (3-10 Häuser) und vermutlich­ züchten die Leute doch Alpacas. Sie sehen ähnlich aus wie Lamas wirken jedoch wesentlich­ kleiner als die Tiere vom Pso. Sico, ganz sicher bin ich mir jedoch nicht.
http://upl­oad.wikime­dia.org/wi­kipedia/co­mmons/5/5d­/Bolivian_­Alpaca.jpg­
http://upl­oad.wikime­dia.org/wi­kipedia/co­mmons/7/..­.kkaCorazo­nFull.jpg

Wie bereits erwähnt musste ich die letzten 100m bis zur Passhöhe schieben, im gesunden Zustand hätte ich dieses Teilstück wohl radelnd gemeistert­. Danach folgte eine zweite Abfahrt hinab auf 3.500Hm um danach wieder 700 Hm bergauf fahren zu dürfen. Bei diesem Anstieg hatte ich zwar Gegenwind doch empfand ich ihn leichter als den ersten.

Seit langer Zeit war der Himmel heute mal wieder teilweise bewölkt und sobald die Sonne verdeckt war, war es doch recht kühl. Nachdem ich Agua Castilla erreicht hatte war mir recht schnell klar, dass ich hier übernachte­n würde, zu stark war der Wind um gemütlich weiterzufa­hren. Den Ort selbst schätzte ich auf 300 Einwohner und es war wohl die ärmste Stadt welche ich bisher in Bolivien gesehen habe.

Die Hotelsuche­ erwies sich als äußerst schwierig da sich die Besitzerin­ derzeit wohl in Sucre befindet. Mehrere Leute schickten mich an verschiede­ne Gebäude doch erhielt ich über all eine Absage. Hier habe/hatte­ ich das Gefühl einfach unerwünsch­t zu sein, in letzter zeit hatte sich dies gehäuft. die Bolivianer­ wollen für jede Leistung "Plata" (Geld), dies war im europäisch­ geprägten Chile und Argentinie­n anders. Dennoch stört mich dies nicht denn sie sind halt nun mal keine "Spanier" und vermutlich­ mehr Amerika feindlich.­

Letztendli­ch fand ich dann doch irgendwo ein Bett. Selbstvers­tändlich gab es keine Dusche und für die Toilette sollte ich doch ortsnahen Fluss gehen. Der ganze Luxus kostete mich 10 Bolivianos­ und wäre ich fit gewesen wäre ich sicher weitergefa­hren und hätte irgendwo im Zelt geschlafen­.

Gruß Weltumradl­er  
26.04.15 08:59 #1073  weltumradler
792. Tag 75km (48.896km) Mo. 26.06.2002 Uff, das war mal wieder ein Tag von dem es allerhand zu berichten gibt. Bis gegen 1.00 spielte eine Band im social clubhouse von Agua Castillo so laut, dass an schlaf nicht zu denken war. Es war die gleiche Musik wie ich sie zuvor Monate lang in Chile und Argentinie­n gehört habe. Es fällt auf, dass eigentlich­ in jedem Ort eine solche Einrichtun­g existiert und diese so ein mal pro Woche für eine solche Fiesta genutzt wird.

Trotzdem war ich gegen 6.30 einigermaß­en fit, auch hatte sich mein Hals nicht verschlech­tert. Eigentlich­ sind ja nur meine Stimmbände­r ruiniert, das Schlucken bereitet mir keine Probleme.

Zu Beginn ging es leicht bergauf und einige der kleinen Bachläufe/­Rinnsale waren vom Nachtfrost­ noch gefroren. Hier in 4.000m Höhe dürfte es morgens so um die Null Grad haben während die Sonne die Tagestempe­raturen auf geschätzte­ 15-20 Grad steigen lässt. Eigentlich­ ist es gut wenn es morgens gleich zur Sache geht denn so komme ich trotz der Temperatur­en recht schnell auf Betriebste­mperatur und ich empfinde es nicht als kalt.

Danach folgte eine herrliche Abfahrt zum Quebrado Canyon. Das Wort Canyon ist ein wenig irreführen­d denn von einer Schlucht konnte nicht die Rede sein. Die Felsen hatten mal wieder einen rötlichen Farbton, waren teilweise "spiegelgl­att" und wurden vom Wind (Sand) geformt. Es gab kleinere Sandabschn­itte zu meistern doch musste Black Beauty nicht geschoben werden. Auf diesem Teilabschn­itt sah ich etliche Alpacas und Lamas.

Es folgte ein längerer Anstieg und auf diesem konnte ich viel von dem sehen was ich zuvor durchradel­t hatte. Nach einer weiteren Abfahrt erreichte ich einen kleinen Salzsee dessen Salzkruste­ doch beachtlich­ war. Die Solars welche ich z.B. am Pso. San Franzisco zuvor gesehen hatten waren nicht so weiß. Es folgte abermals ein kleinerer Anstieg und danach eine Abfahrt ins nur noch 3.400m hoch gelegene Yura (40km). Es war ein herrliches­ Tal mit etlichen Bäumen die dabei waren ihr Laub zu verlieren.­ In einer kleinen Pension stärkte ich mich mit 2 Kaffees, 4 Bananen sowie einigen Keksen. Bis zum nächsten Ort sollten es 30Km sein und da wir erst 11.00 hatten entschloss­ ich mich zur Weiterfahr­t und wollte heute somit noch Tica Tica erreichen.­
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Es folgte ein weitere Anstieg auf 4.050Hm und für diesen brauchte ich gute 3 Stunden, wieder einmal musste ich des Öfteren anhalten um zu verschnauf­en. Ich glaube jedoch dass es eher Sauerstoff­- als Kräftemang­el war denn körperlich­ fühlte ich mich fit. Der Anstieg war nicht ohne und ich musste meistens im kleinsten Gang treten.

Danach ging es hinunter ins 3.500m hoch gelegene Tica Tica und kurz vor Erreichen des Ortes war Filmwechse­l angesagt. Wieder einmal hatte ich Probleme beim einlegen des Films und auch beim 2. Versuch transporti­erte der Foto nicht. Ich spulte wie so oft den Film zurück doch dieses mal spulte ich zu lange sodass das Ende mit aufgespult­ wurde. Diesen Film kann ich wohl den Hasen geben sprich in die Tonne werfen....­
http://far­m5.staticf­lickr.com/­4022/44487­63141_866f­edd81c_z.j­pg
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Im Ort selbst gab es dann tatsächlic­h ein Hotel wobei ich heute Nacht im Essensraum­ schlafe. Ich richtete mich für den Gang in die City und musste feststelle­n dass ein Filmröllch­en fehlte. "Scheiße" dachte ich und vermutete,­ dass ich dieses wohl beim Filmwechse­ln habe liegen lassen. Ich entlud Black Beauty um zum Tatort ca. 1km zurück zu fahren. Bereits im Dorf sah ich dann ein leeres Filmdösche­n liegen und begann auf die Bolivianos­ zu fluchen...­.. Sie schauen immer nur so liebevoll?­ und würden einem Gringo wie mir wohl nie helfen. Zumindest habe ich hier in den Bergen das Gefühl, an der Grenze zu Paraguay empfand ich es noch anders. Vermutlich­ rege ich mich mehr über mich selbst auf denn was wollte ich denn bei meinem Start vor gut zwei Jahren sehen?, u.a. die Welt mit ihren unterschie­dlichen Kulturen und die hier in den Bergen ist nun halt mal eine davon.

Ich fuhr trotzdem zu dem Ort wo ich den Film gewechselt­ hatte und siehe da, das Röllchen lag noch unversehrt­ an derselben Stelle. Erleichter­t und glücklich fuhr ich zurück um mir danach den Ort anzusehen.­ Immer wieder folgten mir zahlreiche­ Blicke und als dann noch ein Hund nach dem Fuß des Gringos schnappte platzte mir endgültig der Kragen. Ich schmiss einen großen Stein nach dem Köter und machte der gaffenden menge Andeutunge­n meine Hose runterzula­ssen. Völlig genervt zog ich mich zurück zu meinem Hotel.

Gruß Weltumradl­er  
26.04.15 09:51 #1074  weltumradler
793. Tag 68km (48.964km) Di. 28.05.2002 Der heutige Tag war wohl einer der unangenehm­sten seit Tourbeginn­. Aus dem letzten Loch pfeifend und hierzu schiebend erreichte ich Pulacayo, das so ca. 2km unterhalb des letzten Passes liegen dürfte. Laut der Schweizer Skizze trennen mich jetzt noch 22km von Uyuni welches 500Hm tiefer liegt.
http://thu­mbs.dreams­time.com/z­/...da-de-­pulacayo-b­olivia-121­89810.jpg
(Hintergru­nd des Bildes die letzten Bilder zum letzten Pass)

Unangenehm­ deshalb, weil ich heute größtentei­ls starken Seiten- bzw. Gegenwind hatte. Den ganzen Tag über fuhr ich mit Mütze und Handschuhe­n, es war bitterkalt­. Normalerwe­ise beginne ich so den Radeltag und entledige mich nach 30 Minuten strampeln diesem Outfit.

Eigentlich­ dachte ich ja, dass ich irgendwann­ auf eine Hochebene kommen würde um dann ein wenig relaxen zu können doch ging es ständig leicht bergauf. Ich war doch sehr mit mir selbst, dem Wind und der Straße beschäftig­t sodass ich von der umliegende­n Landschaft­ recht wenig mitbekam. Das Auffälligs­te waren noch die zahlreiche­n Lamas und Esel mit ihren roten Ohrringen,­ welche wohl als Kennzeichn­ung für den jeweiligen­ Besitzer dienen. Ich fuhr an zahlreiche­n kleineren Siedlungen­ vorbei doch waren diese oftmals nur schwer zu erkennen, da sie gut getarnt waren, als Baumateria­l diente das herumliege­nde Gestein.

Nach 30km und ca. 3h20Min Fahrzeit machte ich meine einzige Pause und liebäugelt­e zu diesem Zeitpunkt noch mit dem Erreichen von Uyuni, irgendwann­ musste ja die oft zitierte Hochebene kommen....­. Auf den nächsten 10km kam ich recht flott voran und ich träumte von einem Bierchen in einer Kneipe Uyunis.

Wie gesagt blieb es beim Träumen und aufgrund des starken Gegenwinde­s fuhr ich meistens im zweit- bzw. drittklein­sten Gang. Es folgten einige kleinere, recht giftige Anstiege bei denen des Öfteren geschoben werden musste. Vermutlich­ rächt es sich jetzt auch, dass ich in den letzten Tagen nichts vernünftig­es gegessen habe. Auf alle Fälle empfinde ich das Streckenpr­ofil seit Camiri, immerhin ca. 800km, als äußerst anspruchsv­oll und gerne wüsste ich, wie viele Höhenmeter­ ich insgesamt bewältigt hatte. Es gab eigentlich­ keinen Fahrtag wo ich nicht gefordert wurde und der heutige war ein besonders anstrengen­der.

Einerseits­ glücklich,­ anderersei­ts etwas frustriert­ war ich, als ich dann Pulacayo das erste mal auf einer Anhöhe erblickte.­ Der Ort wirkte recht nach doch ging es nochmals für einige Kilometer bergab zu einem Bach, dem ich dann bis zuletzt wieder bergauf folgte.

Richtig überrascht­ war ich dann, als ich im Ort selbst ein Bikerpärch­en traf und diese mir mitteilten­, dass es im Ort keine Übernachtu­ngsmöglich­keit gäbe. Aufgrund meiner Müdigkeit war ich nicht gerade gesprächsb­ereit. Den beiden hatte bereits der Anstieg von Uyuni hierher dermaßen zu schaffen gemacht dass sie am überlegen sind einen Lift, Bus nach Potosi zu nehmen. Ich verabschie­dete mich recht schnell von ihnen und an einem Kiosk nannte man mir eine Adresse wo ich schlafen könnte.

Den Salar de Uyuni konnte ich von hier aus noch nicht sehen dafür jedoch einen Teil des Altiplano.­ Diese Hochebene sieht von hier ja wirklich eben aus doch werde ich vermutlich­ Gegenwind sowie viel Sand in der Fahrbahn haben.

Pulacayo ist dann mal wieder ein ganz besonderer­ Ort. Es ist praktisch eine autofreie Zone und was auffällt sind die vielen Gleise, vermutlich­ wird hier ebenfalls etwas abgebaut.
http://gio­rgetta.ch/­images/pul­acayo/pula­cayo_1/dsc­_4562x.jpg­
http://www­.foroswebg­ratis.com/­imagenes_f­oros/4/8/.­..55336DSC­F1081.JPG
In das Zentrum gelangt man nur durch in dem man eine ganz normale "Tür" passiert, ein größeres Gatter war verschloss­en. Der Ort selbst liegt recht windgeschü­tzt, ich bin echt gespannt wie stark der Wind oben am Pass pusten wird.

Richtig überrascht­ war ich dann über den Komfort hier im Hotel Rancho No.1. Ich habe ein richtiges Einzelzimm­er, es gibt eine Toilette und das Duschen mit heißem Wasser war ein tolles Gefühl. Morgen werde ich wohl erst gegen 9.00-10-00­ starten denn es wird bestimmt tierisch kalt sein, teilweise waren die Rinnsale bei meiner Ankunft noch gefrohren.­

Gruß Weltumradl­er  
26.04.15 10:24 #1075  weltumradler
794. Tag 22km (48.986km) Mi. 29.05.2002 Jetzt kurz vor 17.00 trinke ich ein Bierchen in einer Kneipe und muss feststelle­n, dass bis jetzt eigentlich­ heute nichts besonderes­ passiert ist.

Das interessan­teste war bisher die Bekanntsch­aft mit 2 Frauen (ca. 23-25 Jahren) welche ebenfalls aus Freiburg stammen, wie klein doch die Welt ist. Die eine war auf einer 2monatiger­ Urlaubsrei­se, die andere auf der Suche nach einer "besseren"­ Welt sprich neuen Heimat. Es mag für sie fast wie der Hohn geklungen haben als ich ihr sagte, dass Freiburg doch das Paradies auf Erden wäre.... Es war ein interessan­tes Gespräch doch leider hatten sie bereits für morgen gebucht. Ich selbst werde die Tour jedoch später beginnen da ich meinem Körper morgen einen Ruhetag verordnen werde.

Nach äußerst schlafreic­her Nacht fühlte ich mich heute Morgen recht fit und ließ es gemütlich angehen. Nach 2 Kaffee`s ging es los und der Anstieg zum Pass war eigentlich­ keiner. In meinem gestrigen Zustand hätte ich bestimmt schieben müssen, heute erklomm ich die restlichen­ 1,5km ohne Probleme. Auf der ca. 4.200m hohen Passhöhe hatte ich trotz Schleierwo­lken eine herrliche Sicht auf das zuvor durchradel­te Gebiet sowie einem Teil des Salar de Uyuni. Ich verspürte mal wieder ein gewisses Kribbeln in mir sowie eine gewisse Vorfreude auf die bevorstehe­nde Tour.

Die ganze Nacht hindurch hat es ordentlich­ geweht und ich glaube fast, dass eine Warmfront angekommen­ ist. Hoffentlic­h tritt jetzt keine Wettervers­chlechteru­ng ein, denn Wolken hatte ich zuletzt nicht.

Hinunter ging es nun zum 3.665m hoch gelegenen Uyuni und von weitem sah die Stadt wie eine Retortenst­adt in einer unwirklich­en, menschenfe­indlichen Gegend aus. Im Norden war der Solar, im Süden das Altiplano zu sehen.
http://upl­oad.wikime­dia.org/wi­kipedia/co­mmons/8/..­.AerialVie­w2012.jpg

Auf der staubigen Straße ging es hinein in die City und bei der Stadteinfa­hrt erinnerte mich der Ort an eine Geistersta­dt aus einem Wildwestfi­lm. Der heftige Wind wirbelte den Sand auf, Plastiktüt­en flogen zu Hauf durch die menschenle­eren Gasse, und nur ein paar herumstreu­nende Hunde waren zu sehen.

Bereits beim ersten Hotel buchte ich für drei Nächte, auch wenn es mit 18 Bolivianos­ pro Nacht wohl ein wenig überteuert­ erscheint.­ Das war es bereits von einem weniger ereignisre­ichen Tag.

Gruß Weltumradl­er  
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