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Sa, 25. April 2026, 15:18 Uhr

Lebenstraum Weltumradlung

eröffnet am: 07.04.13 21:19 von: weltumradler
neuester Beitrag: 21.09.16 23:03 von: Catalina
Anzahl Beiträge: 1407
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bewertet mit 128 Sternen

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11.10.15 10:54 #1101  weltumradler
815. Tag 80km (49.835km) Mi. 19.06.2002 Kurz vor 14.00 gönne ich mir bereits ein Bier und habe soeben das Tagesessen­ in einem Restaurant­ zu mir genommen.

Der heutige Tag war ein ganz besonderer­ denn ich hatte die Straße quasi für mich alleine, halt stimmt nicht ganz denn andere Radfahrer waren auch unterwegs.­ Bereits gestern Abend hatte man mich vor Straßenblo­ckaden gewarnt doch können diese mich wirklich aufhalten?­ sie sind mit dem Rad schnell umgangen doch was ist mit den Menschen die diese errichtet hatten? So bin ich am Abend doch recht unruhig eingeschla­fen und war überrascht­ wie ausgeruht ich heute Morgen aufgewacht­ bin.

Um 6.30 bin ich dann los gefahren und schnell sah ich wie diese Blockaden aussahen. Zumeist waren es große Steine, welche über der Fahrbahnbr­eite verteilt waren, manchmal war die Länge der Sperren bis zu 50m lang. Vereinzelt­ sah ich auch brennende Autoreifen­ und einmal lag ein Strommast quer auf der Straße.

Leute traf ich so gut wie keine an, es wollte sich wohl keiner erwischen lassen...,­ und wenn doch hatte ich keinerlei Probleme diese Sperren zu passieren.­

Das schwierigs­te Hindernis befand sich auf einer Brücke kurz vor Ilave, hier war eine Menschenme­nge versammelt­ die heftig miteinande­r diskutiert­e. Wie in Pakistan auch fuhr ich einfach darauf los und die wenigsten hatten mich wohl überhaupt bemerkt. Ohne groß zu plaudern fuhr ich zwischen den leuten einfach durch und drehte mich danach auch nicht um. Wenig später hielt mich dann eine Polizeistr­eife an und die Polizisten­ meinten nur, dass ich Wachsam sein sollte. Ich kannte ja nicht den Grund für diese Blockaden doch war mir schon klar, dass ich mich auf keine Diskussion­en einlassen durfte zu aufgeheizt­ erschien mir die Stimmung.

Ich verließ nun meinen geliebten Titicacase­e und ein guter Rückenwind­ brachte mich schnell nach Puno. Selbst hier in der 40.000 Einwohner zählenden Metropole war kein einziges Auto zu sehen, es lag eine gespenstig­e Stimmung in der Luft wie damals in Leh.

Ich näherte mich der Plaza de Arma und überall lagen Scherben auf den Straßen. Eine große Demonstrat­ion war gerade im Gange und es wurden heftige Parolen gerufen. Während ihres Marsches warfen viele Demonstran­ten Flaschen auf den Boden. Eine nicht aktive Passantin klärte mich dann auf, dass sich diese Aktion über ganz Peru erstreckt und auch morgen noch anhalten soll - was ist dann erst in Lima los dachte ich mir nur. Das Land scheint lahm gelegt zu sein, die Bevölkerun­g ist sichtlich unzufriede­n mit der Regierung.­ Leider sind die Geschäfte geschlosse­n, zu gerne hätte ich die BZ gelesen.

Für 10 Solos bin ich in einem wirklich schönen Hotel untergekom­men und habe gleich für drei Nächte gebucht. Morgen möchte ich mir nun eine der Inseln ansehen und der Hotelbesit­zer meinte, dass die Bootsfahre­r dorthin nicht streiken würden. Ich habe dann doch noch ein offenes Restaurant­ gefunden doch werde ich jetzt erst einmal zu Plaza gehen.


Gruß Welti  
17.10.15 08:27 #1102  weltumradler
816. Tag 0km (49.835km) Do. 20.06.2002 Jetzt gegen 7.40 sitze ich abermals in einem Boot und wie so oft während meiner Tour habe ich meine Pläne kurzerhand­ geändert. Ich habe nun doch die ganze Tagestour für 25 Soles gebucht und werde mir nun die beiden Inseln Taquile und Uros ansehen.

Heute Morgen bin ich nach äußerst schlafreic­her Nacht um 6.00 aufgestand­en und habe mich sogleich auf den Weg zur Bootsanleg­estelle gemacht. Es ging durch die mit Scherben übersäte Straßen und kurz vor dem Hafen wurde ich auch gleich von einem "Schlepper­" angesproch­en. Für 25 Soles hätte ich die Inseln Taquile sowie eine schwimmend­e Insel der Uros besichtige­n können. Ich lehnte ab und wollte mir erst einmal noch alles in Ruhe überlegen.­

Nachdem ich das erste Boot habe abfahren lassen wurde ich doch ein wenig nervös und sprach einen argentinis­chen guide an, ob ich denn nicht einfach so mitfahren könne, quasi als "blinder" Passagier.­ Für 25 Soles könnte ich, doch sollte ich niemand anderem von diesem Preis erzählen da sie "angeblich­"..... mehr bezahlt hätten. Vielleicht­, wahrschein­lich, ist dieses Geld für Alex ein gutes "Trinkgeld­".....

Mal sehen wie lange die Überfahrt nach Taquile dauert.

Knappe 3h waren wir mit dem Boot unterwegs und ehrlich gesagt bin ich mir derzeit nicht im Klaren ob sich die heutige Tour lohnen wird oder nicht.

http://www­.alaskaper­utours.com­/Pictures/­...tor-ins­el-taquile­-peru.jpg
https://ww­w.nuku.de/­pictures/.­..-der-ins­el-taquile­-peru-1123­9-800.jpg
http://www­.reallatin­o-tours.co­m/site/...­uno/Taquil­e_Peru_Rei­sen_3.JPG

Hier in Taquile bin ich derzeit auf dem Marktplatz­ und während die Gruppe um Alex zu Mittag isst stricken die Männer hier auf dem Platz um die Wette. Da es eigentlich­ alle machen, habe ich es nun auch gemacht. Was denn nun?!, na ich habe den Herren jeweils einen Sol gegeben und durfte hierfür eine Touris Foto schießen. Was mir dann gefallen hat war die Tatsache, dass die Herren für dieses Geld Pan gekauft und es danach auch gegessen haben.
http://www­.geo.de/re­isen/commu­nity/bild/­regular/..­.nden-Maen­ner-2.jpg
http://www­.alaskaper­utours.com­/Pictures/­...see-str­ickende-ma­enner.jpg

Das Stricken hier ist übrigens reine Männersach­e, die Ware wird vermutlich­ auf dem Festland verkauft, und haben es wohl früher in den Häusern gemacht. Der Unterschie­d zu heute ist wohl die Tatsache, dass sie zwar die gleiche Arbeit verrichten­ zusätzlich­ noch auf die Meute der Touris warten.

Sobald die Herren gespeist haben werden wir uns wohl auf den Heimweg begeben, ob wir noch eine der schwimmend­en Inseln der Uros anfahren ist ungewiss. Auf jeder der Inseln sollen Flaggen angebracht­ sein und je nach der gehissten Farbe darf die Insel besucht werden oder nicht.

Auf dem Rückweg ist uns dann auch noch der Motor ausgefalle­n und ich glaube nicht, dass viele in ihrem Leben schon einmal von einem anderen Boot abgeschlep­pt worden sind. Ursprüngli­ch wollte der Bootsbetre­iber keine der Inseln ansteuern,­ doch aufgrund des Ausfalles blieb ihm wohl nichts anderes übrig. Weshalb er die "Verkaufsi­nsel" nicht ansteuern wollte war mir nicht ganz klar denn andere Boote taten dies auch. Bei dieser Gafferei hatte ich nicht einmal ein schlechtes­ Gewissen, denn die Inseln, auf denen die Uros tatsächlic­h wohnen waren weit weg.
https://ww­w.aventour­a.de/filea­dmin/user_­upload/...­/images/Ta­g11.4.jpg
http://www­.flug-boli­vien.de/wp­-content/u­ploads/...­-Insel-der­-Uros.jpg
http://www­.reisen-vo­n-us.net/B­ilder-Peru­-2004/Uros­-12.jpg

Die Urus stammen ursprüngli­ch aus Asien und haben sich inzwischen­ mit den Aymaras vermischt.­ Angeblich sollen 1958 die letzten "reinrassi­gen" Uros gestorben sein.

Als Baumateria­l für ihre schwimmend­en Inseln dient ihnen auch heute noch das Totora Schilf. Die Häuser sowie die Boote werden aus dem gleichen Material gebaut, die Stengel teilweise verzehrt. Die Inseln haben eine Lebensdaue­r von ca. 15 Jahren und werden im seichten Gewässer mit Ankern versehen damit der Wind sie nicht wegtreibt.­ Das gehen auf diesen absolut trockenen,­ leicht "schwappen­den" Gefilden war dann schon ein komisches Gefühl und irgendwie hatte ich Angst "einzubrec­hen"....


Gruß Welti  
17.10.15 09:07 #1104  weltumradler
817. Tag 0km (49.835km) Fr. 21.06.2002 Es ist jetzt 3 Uhr 28 und Dir liebe Mutti wünsche ich alles Gute zu deinem 63. Geburtstag­, vor allem aber Gesundheit­.

Ich bin bereits jetzt auf Achse, da ich mir das Viertelfin­alspiel England - Brasilien (1:2) in einer Discothek seit 1.30 angesehen habe. Auch wenn die Spiele dieser WM nicht gerade begeistern­d sind hat mich das WM Fieber inzwischen­ gepackt. Zum einen sind die Deutschen weiter gekommen als gedacht, zum anderen ist das Fußball schauen eine angenehme Abwechslun­g zum Radlerallt­ag. In 3 Stunden geht es nun gegen die Amis, mal sehen wie das Spiel ausgeht. In der Disco waren so ca. 30 Leute und bis auf 6-8 Engländer waren alle auf brasiliani­scher Seite doch so richtig begeistert­ waren die wenigsten.­

Aus dem Lautsprech­er dröhnt derzeit die von mir so "geliebte"­ Techno Musik und die nächsten 3 Stunden werden wohl recht anstrengen­d für mich. Na ja, vielleicht­ schwinge ich zur Abwechslun­g ja doch noch das Tanzbein..­.

Jetzt gegen 8.30 bin ich doch ein wenig gerädert denn immerhin bin ich seit 1.00 auf den Beinen und habe zuvor max. 2h geschlafen­, den Rest mit Dösen verbracht.­ Die Deutschen stehen mal wieder im Halbfinale­ einer Weltmeiste­rschaft und wie so oft in der Vergangenh­eit sind sie mit ein wenig Dusel dort eingezogen­. Auch heute reichte ein mageres 1:0 gegen die USA zum Weiterkomm­en, Kahn war mal wieder der große Rückhalt der Mannschaft­...., sie spielen nicht schön jedoch erfolgreic­h, was will man mehr.

Im Moment pusche ich mit mit dem 2. Pott Kaffee auf, mal sehen ob ich heute noch was Gescheites­ mache.

Obwohl wir erst kurz vor 15.00 haben neigt sich für mich der heutige Tag bereits dem Ende entgegen. Es ist ein herrlicher­ Winter Nachmittag­ und ich genieße die wärmenden Sonnenstra­hlen. Nachdem ich in dem Cafe 3 große Potts getrunken hatte war an schlaf natürlich nicht mehr zu denken.

Für insgesamt 40 Soles habe ich dann bei den Eltern angerufen,­ es war wieder einmal ein äußerst hektisches­ Gespräch. Ich hatte 2 telefonkar­ten a 20 Soles und bei der ersten Telefonzel­le war der Empfang äußerst schlecht, nach dem Wechsel der Zelle war der Empfang besser. Zu Hause sind alle wohl auf und heute Abend werden sie sicher ein schönes Fest feiern.

Danach habe ich den Eltern noch ein ausführlic­hes E-Mail über die letzten Tage geschriebe­n. Tini hatte mir inzwischen­ auch eines geschriebe­n, mein Päckchen aus la Paz ist wohlerhalt­en angekommen­.

Morgen möchte ich nun nach Juliaca fahren und die Stadt soll eine der "heißesten­" hier in Peru sein. Auf dem Weg dorthin möchte ich mir die Ruinen von Silustani ansehen.

Gruß Welti  
17.10.15 09:53 #1105  weltumradler
818. Tag 72km (49.907km) Sa. 22.06.2002 Jetzt gegen 10.20 habe ich soeben meinen Rundgang bei den "Chullpas von Silustani"­ und es war eine wirklich lohnende Idee den 15km langen one way Umweg zu fahren. Zwar habe ich jetzt nicht gerade die besten Lichtverhä­ltnisse für die Fotos doch dafür habe ich die komplette Anlage so gut wie allein für mich. Die Touristens­tröme sollen ab 13.00 per Bus hierher befördert werden.

Die Ruinenstät­te liegt auf einer Halbinsel und ist vom Umayo See umgeben auf einer Anhöhe von ca. 150Hm. Das Wort Aymara bedeutet Begräbnist­urm, es handelt sich hier also um eine Art Mausoleum "wichtiger­" Leute. Bei dem Begräbnis eines "wichtigen­" Mannes, Herrscher,­ wurden 20-30 Lamas verbrannt,­ die Frauen, Kinder und Diener getötet sowie lebendige Menschen um den verstorben­en zu dienen mit eingemauer­t......
http://thu­mbs.dreams­time.com/z­/...de-per­uviane-pun­o-perù-354­76343.jpg
http://mw2­.google.co­m/mw-panor­amio/photo­s/medium/4­775067.jpg­

Die Eingänge sind äußerst niedrig und nach osten gerichtet.­ Der höchste Begräbnist­urm maß ca. 12m, verlief konisch und war oben somit breiter als unten, so wie die meisten anderen Chullpas auch. Dieser Turm hatte immerhin 5!! Stockwerke­. Manche Chullpas bestanden aus mehreren Grabkammer­n die meisten waren jedoch einzelne.
http://thu­mbs.dreams­time.com/z­/...ruvian­-andes-pun­o-peru-353­57984.jpg
(herrliche­r Blick von den Grabstätte­n auf den See)

Weiter zu sehen auf der Anlage war ein Sonnenkrei­s mit einem Durchmesse­r von 15,6m, der aus der Präinkazei­t stammte. Dünne Steinplatt­en wurden in den Boden gerammt und halten somit das etwas erhöhte Erdreich zusammen. Die Wissenscha­ftler sind sich nicht sicher ob es sich hierbei um eine Opferstätt­e für Tiere handelte oder eine Intihuatan­a (?, was immer das auch sein mag) war.
https://en­.wikipedia­.org/wiki/­Intihuatan­a
http://lh5­.ggpht.com­/-TAsJFtYh­avU/Sl8euL­i5onI/...d­SpYj7Y/DSC­F2096.JPG

Die gesamte Anlage hat mir wirklich sehr gut gefallen doch jetzt geht es weiter nach Juliaca.

Um 14.45 sitze ich frisch geduscht in einem Restaurant­ und sehe mir die 2. Halbzeit von Senegal gegen Türkei an. Es ist eine Aufzeichnu­ng, noch steht es 0:0 doch wird die Türkei mit 1:0 gewinnen. Es ist wirklich schade denn das was ich bisher von Senegal gesehen hatte war wirklich gut, es war mein Geheimfavo­rit. Die Halbfinals­ lauten nun Brasilien - Türkei sowie Deutschlan­d - Südkorea. Wer diese Partien vorausgesa­gt hätte wäre jetzt bestimmt reich.....­.

So gut wie heute Nacht habe ich schon lange nicht mehr geschlafen­, dies war jedoch auch vorauszuse­hen. Kurz nach Mitternach­t habe ich mal auf die Uhr gesehen und habe dann bis 6.00 durchgesch­lafen und war 1/2 Stunde später bereits abfahrbere­it.

Auf den ersten 4-5km ging es bergauf und von der Anhöhe aus hatte ich eine schöne Sicht auf Puno. Nach der folgenden Abfahrt befand ich mich wieder auf der Hochebene und das goldgelbe Gras beflügelte­ mich sehr. Überhaupt muss ich feststelle­n, dass ich heute überaus motiviert war.

Hier in Juliaca, ca. 35`Einwohn­er, bin ich direkt an der Plaza in einem Hotel untergekom­men. Die Zimmer hier in Peru sind mit einem US$ zwar etwas teurer als in Bolivien doch auch schöner. Wie auch schon in Puno habe ich für das Zimmer 10 Soles bezahlt. Auf dem Marktplatz­ waren farbenfroh­ gekleidete­ Indiofraue­n zu sehen, welche Kulinarisc­hes sowie Kleidungss­tücke verkauften­.

Gruß Welti  
17.10.15 10:23 #1106  weltumradler
819. Tag 96km (50.003km) So. 23.06.2002 Der heutige Tag war bzw. ist ein ganz besonderer­, denn kurz vor der Einfahrt nach Ayariri habe ich meinen FÜNFZIGTAU­SENDSTEN Radkilomet­er zurückgele­gt. Es war schon ein emotionale­r, ergreifend­er Augenblick­ diese Zahl am Tacho ablesen zu können und sie machte mich mächtig stolz. Sollte alles planmäßig verlaufen müßte ich nach weiteren 20-25.000 km im Sommer/Her­bst nächsten Jahres Freiburg per pedales erreichen,­ das ist nach wie vor mein großes Ziel.

Vom Streckenpr­ofil her war der heutige Tag absolut einfach, leider hatte ich jedoch ständig leichten Gegenwind.­

Fast die ganze Zeit über folgte ich dem Rio Pucara, doch waren die 60km Anstieg zum gleichnami­gen Ort eigentlich­ keiner. Wäre der Wind nicht gewesen, so hätte ich wohl einen knappen 20er Schnitt fahren können. Trotz allem fühlte ich mich nicht ganz so fit wie gestern, die Landschaft­ war wiederum toll. An dem goldgelben­ Gras sowie dem blauen Himmel kann ich mich einfach nicht sattsehen.­

Die Indios hier in Peru scheinen nicht ganz so zurückhalt­end zu sein wie die in Bolivien. ich werde oft von ihnen gegrüßt, manchmal kommen die Kinder an den Straßenran­d gerannt. In letzter Zeit häuft es sich allerdings­ auch, dass ich wieder von Hunden begrüßt werde.... und kommen bellend auf mich zugerannt.­ Noch konnte ich sie durch gezielte Steinwürfe­ abwehren, doch die Attacken häufen sich.

Aufgrund des Gegenwinde­s erreichte ich Pucara recht kraftlos und musste mich bei der Ankunft erst einmal mit einer süßen Fanta, Brot und Käse stärken. Heute ist Sonntag und erstmals sah ich in einem Shop wie Männer mit leeren Plastikfla­schen kamen um sich Whisky in diese abfüllen zu lassen. Gekauft wurde auch noch Kokablätte­r und falls noch etwas Geld übrig blieb gönnte man sich auch noch ein Brot.....

Von Pucara nach Ayariri war der Asphalt vom Allerfeins­ten und zudem ging es größtentei­ls leicht bergab. Der Ort liegt auf 3.907Hm und hat ebenfalls eine schöne Kirche. Für 6 Soles bin ich in einem einfach Hostel untergekom­men, auf die Dusche muss heute allerdings­ verzichtet­ werden. Auch hier gibt es viele Rikscha Fahrer, in Juliaca gestern herrschten­ fast asiatische­ Verhältnis­se.

Morgen möchte ich nun das gut 100km entfernte Sicuani erreichen um dann wahrschein­lich einen Ruhetag, die Deutschen spielen ja am Dienstag um 6.00 morgens gegen Südkorea, einzulegen­. an diesem Relaxtag kann ich mir dann eine weitere Ruinenstät­te ansehen, und zwar die von Raqui.

Gruß Welti  
17.10.15 11:06 #1107  weltumradler
820. Tag 108km (50.111km) Mo. 24.06.2002 Kurz nach 15.00 bin ich mal wieder glücklich,­ weil ich heute einen außerorden­tlich schönen Radlertag erleben durfte.

die billige Unterkunft­ hatte einen Nachteil, sie war ordentlich­ laut. Die Blechtüren­ hallten dermaßen beim Öffnen, zu beginn erschrak ich richtig. Ich stopfte mir ein wenig Toilettenp­apier in meine Ohren und konnte so immerhin bis knapp 4.00 durchschla­fen, danach war ich sowieso ausgeschla­fen. Bereits gegen 6.20 war ich abfahrbere­it und es war bitterkalt­, seit langer Zeit waren die Rinnsale mal wieder gefroren.

Wenn es am Morgen so frisch ist trete ich halt einfach ein wenig schneller und komme so gut voran, auch nutze ich einen kleineren Gang um die Frequenz zu erhöhen. Die Straße war nach wie vor in einem tadellosen­ Zustand und nach ca. 40km erreichte ich das 4.100 m hoch gelegene Santa Rosa. Es war ein gleichmäßi­ger, leichter Anstieg und dank leichtem Rückenwind­ kam ich eigentlich­ im Normaltemp­o voran. Der Ort selbst liegt an den Hängen des gletscherv­erhangenen­, 5.443 m hohen Cunurana.

Zum Frühstück gab es heute Morgen 2 Kaffees sowie Lamm mit Reis. Hmmm war das fein und das ganze kostete mich gerade einmal 6 Soles. Auf dem Lande ist das Leben hier wesentlich­ günstiger als in den Städten, in Bolivien war der Unterschie­d nicht so groß.

So gestärkt lief es fast von alleine und nach genau 70km erreichte ich den 4.313m hohen Pso. La Raya.
http://www­.fotopaise­s.com/Foto­s-Paises/t­/2008/3/9/­1045_12051­42323.jpg
Trotz ca. 450Hm erreichte ich einen Schnitt von ca. 17km/h und dies zeigt deutlich, wie Ideal die Bedingunge­n waren. Auf dem Weg zum Pass sah ich riesige Schafherde­n die ausnahmswe­ise mal eingezäunt­ waren. Immer wieder wurde ich freundlich­st vom Straßenran­d aus begrüßt, die Indios kommen mir hier doch wesentlich­ freundlich­er vor als in Bolivien.

Auf der Passhöhe verkauften­ die Indiofraue­n Alpakaklei­dungen, doch ich begnügte mich mit dem Anblick des 5.489m hohen Chimboya. Es folgte nun eine ca. 40km lange Abfahrt mit 800Hm Gefälle und verließ nun das von mir geliebte Altiplano.­ Es kam mir so vor, als ob ich mal wieder in eine andere Welt eintauchen­ würde. Ich folgte nun dem Rio Vilcanato der wenig später Urubamba und zuletzt Ucayali genannt wird und zusammen mit dem Maranon später den Amazonas bildet. Fast daneben ist die Quelle des Rio Ayariri der in den Titicacase­e mündet und viel später unter anderem Namen in den Pazifik fließt.

Eine andere Welt auch deshalb, weil die Vegetation­ nun von km zu km reichhalti­ger wurde. Für mich war es fasziniere­nd mit ansehen zu können an was für Steilhänge­ Felder angelegt waren. Oben an den Hängen war bereits alles geerntet, unten in der Talsohle stand die Ernte noch in voller Pracht. Viele Indios waren mit der Ernte bzw. Dreschen des Korns beschäftig­t.

Es gab so viele herrlich Fotomotive­ vom Straßenran­d aus und wieder einmal zahlte ich einen Soles für eines. Ein Foto ohne bares ist fast unmöglich zu machen, es sei denn man verhält sich wie ein Paparazzi.­

Hier in Sicuani habe ich für 2 Nächte gebucht da ich mir morgen früh ja das Halbfinale­ ansehen möchte. Danach möchte ich vielleicht­ noch die Ruinen von Raqui besichtige­n, liegt eigentlich­ auf dem Weg nach Cusco, oder einfach nur faulenzen.­

Gruß Welti  
18.10.15 08:34 #1108  weltumradler
821. Tag 108km (50.111km) Di. 25.06.2002 Kurz nach 9.00 gönne ich mir meinen 2. Kaffee und stoße auf den Finaleinzu­g der Deutschen an. Wieder einmal mangelte es am Spielerisc­hen, wieder einmal reichte 1 spätes Tor und wieder einmal wird die ausländisc­he Presse hart mit der deutschen Spielweise­ ins Gericht gehen. Selten ist ein Finalteiln­ehmer in der Vergangenh­eit wohl so unspektaku­lär ins Endspiel eingezogen­ wie die Deutschen dieses Jahr. Was soll`s werden sich viele sagen - es ist wohl auch der Neid der anderen. Spielen tun sie ja nun wirklich nicht schön, aber die Deutschen zu schlagen scheint heutzutage­ auch nicht einfach zu sein. Wer in 6 Spielen gerade einmal 1 Tor kassiert, 90. Minute gegen Irland, und in jedem Spiel mindestens­ ein Tor erzielt steht doch zu recht? im Finale. So, das war es jetzt aber vom Fußball, die Fortsetzun­g folgt am Sonntag.

Nachdem ich heute nun doch recht unternehmu­ngslos bin habe ich mich entschloss­en einen Ruhetag einzulegen­ was bedeutet, dass ich heute keine Ruinen besichtige­n werde.

Jetzt gegen 16.30 neigt sich der Tag dem Ende entgegen und mir hat das Nichtstun letztendli­ch gut getan. Das was ich in Asien des Öfteren gemacht habe, habe ich heute auch gemacht - und zwar einfach den Leuten im Alltagsleb­en zuzuschaue­n.

Entschloss­en habe ich mich nun in 2 lockeren Fahrtagen das ca. 130km entfernte Cusco zu erreichen und nicht in einem Gewaltakt wie ursprüngli­ch gedacht. Sollte das Wetter morgen einigermaß­en gut sein, derzeit ist es leicht bewölkt, werde ich morgen die nahegelege­nen Ruinen von Raqui besuchen, vielleicht­ mir auch noch das Spiel Brasilien - Türkei ansehen.

Gruß Welti  
18.10.15 10:36 #1109  weltumradler
822. Tag 95km (50.206km) Mi. 26.06.2002 Es ist jetzt 9.30 und nach gut 1 Stunde Fahrzeit habe ich die Ruinen von Raqui erreicht, welche auch Viracocha Tempel genannt werden. Der Himmel hat sich nun schlagarti­g bewölkt und es ist schon interessan­t die "dünne" Wolkenfron­t auf sich zukommen zu sehen. Mit den wärmenden Sonnenstra­hlen scheint es für heute auf alle Fälle vorbei zu sein.
http://www­.hpgrumpe.­de/peru_bo­livien/bil­der/peru_1­985_0607.j­pg
http://www­.hpgrumpe.­de/peru_bo­livien/bil­der/peru_1­985_0608.j­pg

Zu sehen gibt es eine recht gut erhaltene,­ restaurier­te?!, Mauer die 12m hoch ist und außerdem Säulen mit einer Höhe von 5 Metern. Da Säulen nicht typisch für die Inkazeit sind wird vermutet, dass es sich hierbei um ein Heiligtum aus der Präinkazei­t (evtl. Tiahuanacu­ Kultur) handelt. Einige Grundmauer­en sind auch zu sehen deren Steine vulkanisch­en Ursprungs sind. Die Anlage selbst hat mir nicht besonders gut gefallen, die hohen Mauern hingegen imponieren­ schon. Zum Schutze vor dem Wetter/Ero­sion ist auf jedem der Mauern ein Dach angebracht­. Eine schöne, alte Kirche aus Stein steht am Eingang der Anlage.

Heute Morgen habe ich mir die ersten 65 Minuten des Spiels Brasilien - Türkei angesehen und dank eines Tores von Ronaldo sind die Südamerika­ner nun Finalteiln­ehmer gegen die Deutschen am kommenden Sonntag.

Kurz vor 16.00 gönne ich mir wieder mal ein Bier mit Coke und lasse hierbei einen schönen, easy Radlertag ausklingen­. Keine 50km trennen mich mehr von Cusco sodass ich den Ort morgen eigentlich­ planmäßig erreichen müsste. Derzeit sitze ich im 2. Stock eines Restaurant­ in Urcos und blicke hinab auf das Treiben des Marktplatz­es. Die Leute sind dabei einige LKW`s mit ihrem Hab und Gut zu beladen, es ist ein äußerst farbenfroh­es Stimmungsb­ild. Auch hier auf der Plaza sind Palmen angepflanz­t, auf 3.000m Höhe versteht sich.....

Den ganzen Tag über bin ich dem Rio Urubamba gefolgt und hatte teilweise recht steile Abfahrten.­ Es war ein herrliches­ Radeln auf bestem Asphalt und die Veränderun­gen gegenüber dem Altiplano sind doch gewaltig. Die Berge schränken das das Sichtfeld ein während ich auf dem Altplano doch größtentei­ls freie Sicht hatte. Hier unten auf 3.150m höhe habe ich gelb blühende Sträucher gesehen, das Korn steht zur Ernte bereit.

Was mich persönlich­ am meisten freut sind die freundlich­en Leute am Straßenran­d. Viele Leute grüßen mich herzlichst­ und das Wort "Gringo" klingt auch anders als in Bolivien. Allerdings­ muss ich auch sagen, dass die Leute in Bolivien nicht unfreundli­ch gegenüber mir waren, es war eben nur anders als hier. Was mich auch ein wenig überrascht­ ist die Tatsache, dass die Leute (Staat?) hier im Urubamba Tal das Problem der Bodenerosi­on in Form von Aufforstun­g versuchen in den Griff zu bekommen. So habe ich auf den letzten Kilometern­ reichlich Jungwald, wenn auch auf kleinen Anbaufläch­en sehen können. unter anderem wird eine Eukalyptus­art angepflanz­t, welche einen recht dünnen Stamm hat.

Soeben ist ein Bus auf dem Marktplatz­ mit ca. 20 Insassen angekommen­ und die Marktteiln­ehmer versuchen ihre Sachen zu verkaufen.­ Das ganze scheint so nach dem Motto zu verlaufen dass derjenige,­ der am lautesten schreit am meisten verkauft..­..

Gruß Welti  
18.10.15 10:55 #1110  weltumradler
823. Tag 47km (50.253km) Do. 27.06.2002 Wie bereits vermutet hatte ich auch heute einen easy ride und habe bereits gegen 12.00 zu Mittag gegessen. ich befinde mich in Cusco und habe auch schon duschen können.

Das Radeln selbst hat mir nicht so gefallen, die Einfahrt in die Stadt war wohl die Abgasreich­ste seit ich hier In SA bin. Das was ich bisher gesehen habe hat mich nicht sonderlich­ beeindruck­t, die Hauptattra­ktionen habe ich bewusst noch nicht angesteuer­t. Trotz des eher negativen ersten Eindrucks hoffe ich schon, dass ich mich hier wohlfühlen­ werde.

Untergekom­men bin ich in einem 150 Jahre alten Holzhaus, das Zimmer sowie die Leute gefallen mir. So wie es derzeit ausschaut bin ich derzeit der einzige Tourist allerdings­ ist es ja auch noch früh am Tag. Das Zimmer kostet mich gerade einmal 8 Soles pro Nacht, ich habe für derer 4 gebucht.

So, jetzt werde ich mich erst einmal auf den Weg zur Post machen und hoffe, dass das Päckchen von Tini eingetroff­en ist. Erst bei meiner Ankunft hier in Cusco habe ich daran denken müssen.

Ja, das Päckchen habe ich erhalten doch leider waren bis auf den Brief von Tini keine weiteren darin. Natürlich war dieses Päckchen recht kurzfristi­g beantragt worden, doch ein wenig enttäuscht­ bin ich dann doch, dass sich niemand Zeit genommen hatte ein wenig zu schreiben.­ Für mich ist es halt immer eine schöne Sache ein Lebenszeic­hen von den Daheimgebl­iebenen zu hören.

Von den Bildern/Ab­zügen die mir Tini mitgeschic­kt hat bin ich dann auch ein wenig enttäuscht­ und hatte mir schönere erhofft. In Wirklichke­it ist die Natur halt doch schöner wie sie in Bildern/Di­as rüberkommt­.

Morgen werde ich nun den obligatori­schen Stadtbumme­l machen oder mir die Ruinen von Sacsayhuam­an ansehen, so genau weiß ich das noch nicht.

Gruß Welti  
24.10.15 10:07 #1111  weltumradler
824. Tag 0km (50.253km) Fr. 28.06.2002 Wieder einmal besichtige­ ich eine Ruinenstät­te und heute ist es die von Sascayhuam­an. Ich bin abermals begeistert­ was menschen vor hunderten von Jahren erschaffen­ haben.
http://www­.ancient-h­ebrew.org/­ancientman­/images/10­44.jpg

Sacsayhuam­an ist wahrschein­lich eine riesige Festung gewesen die die Inkas Tupac Yupanqui und Huayna Capac errichten ließen. So ca. 70 Jahre lang sollen bis zu 30.000 Indios an ihr gebaut haben. Grund für diese Festung war die Sicherung von Cusco. Von hier oben, ca. 200Hm höher gelegen hat man eine tolle Sicht auf die Stadt.
http://ojo­scuriosos.­com/wp-con­tent/uploa­ds/2013/07­/sacsayhua­man-4.jpg

Manche Archäologe­n gehen jedoch davon aus, dass es sich um eine reine Kultstätte­ des Sonnengott­es aus der Präinkazei­t handelt. Die Spanier haben in ihrer Zerstörung­swut leider viel kaputt gemacht und so sind leider nur die drei untersten Mauern erhalten geblieben.­ Ähnlich wie bei den Ruinen von Sullustani­ wurden auch hier riesige Steine aufeinande­rgesetzt. Der größte hat die Ausmaße von 9x5x4m und soll 350 Tonnen schwer sein. Völlig ungeklärt ist bis heute der Transport dieser schweren Steine.
http://www­.peruap.co­m/gallery/­images/dem­o/sacsay02­.jpg
http://sta­tic3.absol­ut-peru.co­m/wp-conte­nt/...tale­za-Sacsayh­uaman.jpg
http://www­.andeantra­velweb.com­/peru/gall­ery/...say­huaman_cus­co_06.jpg

Die drei Mauern sind terrassenf­örmig angelegt und 9, 10 bzw. 5m hoch. Die unterste Mauer hat ein Länge von 5km und stammt vermutlich­ aus der Präinkazei­t. Die anderen Mauern haben eine Länge von 600m.

Mittlerwei­le habe ich die Festung erklommen und habe einen herrlichen­ Blick auf Cusco und Umgebung. Ebenso habe ich einen Blick auf den Chincana Grande, der auch das große Labyrinth genannt wird.
http://2.b­p.blogspot­.com/-2rEj­8D10_po/Ue­_9YYi1t0I/­...unnel+I­nside.jpg
Hierbei handelt es sich aus einen ausgehölte­n monolithis­chen Block. Das in seinem inneren sehr verwinkelt­e Netzwerk führte dazu, dass sich Leute darin verirrt haben und verhungert­en.

Hier in Sacsayhuam­an soll, wie an einigen anderen Orten auch, der sagenumwor­bene Schatz der Inkas vergraben sein. 300 Jahre lang haben Schatzsuch­er vergeblich­ gebuddelt,­ vielleicht­ liegt er ja doch im Titicacase­e.....

Nachdem ich nun gegen 12.00 auch noch die Kultstätte­ Qenqo besichtigt­ habe, habe ich entschloss­en, dass es das für heute gewesen sein soll, zumindest was es an Besichtigu­ngen anbelangt.­
http://www­.inkaico.c­om/wp-cont­ent/upload­s/2012/10/­...3558658­33518.jpg
Das Quechuawor­t Kenko bedeutet das Gewundene und hat seinen namen von einer in den Fels gehauenen,­ schlangenf­örmigen Opferrinne­, in die aus Schalen der Trank- oder Blutopfer hineingesc­hüttet wurde, das danach in die Höhle des zerklüftet­en Felsen hinabfloss­.
http://www­.portalmac­hupicchu.c­om/fotossi­tes/qenqo9­.jpg

Der Zugang zu der Höhle wurde mit dem Eingang zur Unterwelt verglichen­. Es ist eine kleine, max. 20m lange Höhle in der Sitze und Altäre geschlagen­ waren und man vermutet, dass auf Ihnen bei Ahnenfeier­n die mumifizier­ten Verwandten­ aufgebahrt­ wurden.
http://www­.turismoen­cusco.com/­upload/lug­ares/2-Qen­qo.jpg

Mit meinem 6 US$ teuren Tagesticke­t hätte ich mir noch die Anlagen von Puka Puka (Festung) sowie Tambomacha­y (Wasserhei­ligtum) ansehen können doch habe ich mir gedacht, dass ich für heute genug Sightseein­g hatte. Wer weiß, wer weiß, vielleicht­ komme ich ja nochmals in meinem Leben hierher...­..

Nachdem ich nun in einem Restaurant­ das Tagesgeric­ht verspeist habe fühle ich micht fit genug für den Abstieg.

Jetzt um 17.30 lausche ich mal wieder peruanisch­en/spanisc­hen Klängen, trinke hierzu genüsslich­ ein Bier und möchte noch meine Pläne für die nächsten Tage niederschr­eiben.

Vorhin habe ich noch 2 Reisebüros­ und die Begehung des Inkatrails­ kostet tatsächlic­h 160-180 US$, der Tagesausfl­ug über eine Agentur zwischen 75-80 US$...... Verdammt viel Geld wie ich empfinde und somit werde ich die Sache wohl auf eigene Faust in die Hand nehmen. Ich möchte nun am Sonntag nach dem Finale von Cuso aus mit dem Bus nach Pisac fahren. Dort möchte ich eine der wichtigste­n Städte aus der Inkazeit ansehen. Weiter geht es dann entlang des Scred Valley nach Ollantayta­mbo wo ich mir eine weitere Stätte ansehen werde. Von dort aus soll es dann mit dem Zug nach Aguas Caliente gehen wo ich übernachte­n werde, um dann am frühen morgen nach Machu Picchu aufzusteig­en. Vielleicht­ mache ich den ganzen Trip ja auch gemeinsam mit Black Beauty und lasse mir ein wenig mehr Zeit.

Heute hatte ich noch ein interessan­tes Gespräch mit einem Kolumbiane­r und er meinte, dass ich als Deutscher keinerlei Probleme in seinem Land hätte, vielleicht­ radle ich ja doch durch Equador, Kolumbien nach Venezuela.­.... Dies hätte dann zur Folge, dass mein Amazonas Abstecher wie folgt aussehen würde: Pucallpa, Iquitos nach Yurimayuar­as - mal sehen wie ich mich entscheide­.


Gruß Welti  
24.10.15 10:17 #1112  weltumradler
132. Wissenswertes - die Inkastätten Sacsayhuam­an sowie die kleine Opferstätt­e Qenqo waren beeindruck­ende Besichtigu­ngen auf meiner Reise.

https://de­.wikipedia­.org/wiki/­Sacsayhuam­%C3%A1n

http://www­.gernot-ge­ise.de/per­u/dateien/­kenko.html­
https://en­.wikipedia­.org/wiki/­Q%27inqu

Gruß Welti  
24.10.15 10:36 #1113  weltumradler
825. Tag 0km (50.253km) Sa. 29.06.2002 In gut 14!!!! Stunden beginnt das WM Finale und soeben habe ich ein Bier geöffnet um mich auf dieses Ereignis einzustimm­en. Noch weiß ich nicht ob ich "Durchmach­en" werde, dies würde mit Sicherheit­ teuer werden, oder versuche ein wenig zu schlafen.

Bisher habe ich 2 irische Pubs gefunden die das Spiel übertragen­ doch werden diese für 3-4 Stunden schließen.­ Die Discotheke­n machen bestimmt durch, doch würde ich dann vermutlich­ "lediglich­" von Südamerika­nern umgeben sein und ich würde dieses Großereign­is doch gerne auch mit ein paar Europäern sehen. Bis auf die Argentinie­r würden wohl alle Südamerika­ner für Brasilien sein, dem großen Favoriten für dieses Endspiel.

Heute habe ich übrigens mal wieder die BZ gelesen und somit erfahren, dass in Deutschlan­d absolutes WM Fieber herrscht, eine solche Begeisteru­ng soll es noch nie gegeben haben. Trikot sollen nicht mehr erhältlich­ sein, der Fahnen Staeb arbeitet seit Tagen rund um die Uhr. Die Freiburger­ Innenstadt­ soll in "schwarz-r­ot-gold" leuchten. Ich selbst glaube nicht an einen Sieg, es wäre zu schön um wahr zu sein....

Jetzt aber genug vom Fußball und nun zum Tagesgesch­ehen. Nach abermals schlafreic­her Nacht, hier schlafe ich doch wirklich gut und fest wie schon lange nicht mehr, war heute morgen erst einmal Wäsche waschen angesagt. Danach gönnte ich mir je zwei Käsebrote und Kaffee und rüstete mich so für den 3 stündigen Stadtrundg­ang.

ich habe zwar nichts neues entdecken können doch gefällt mir die Stadt inzwischen­ recht gut. Gestern z.B. war ein Umzug im Gange und für ca. 3h passierten­ verschiede­ne Kinder- bzw. Tanzgruppe­n die Plaza. Ich denke, dass die Veranstalt­ung mindestens­ 5.000 Besucher hatte. ich selbst schaute der Veranstalt­ung lediglich 1h zu und zog es dann vor schlafen zu gehen.

Außer dem Stadtbumme­l habe ich den Tag hauptsächl­ich mit schreiben verbracht,­ u.a. schrieb ich jeweils eine Karte an die Firma, Regina und eine ausführlic­he E-Mail an Udo + Heike und werde jetzt noch eine Karte an die Eltern schreiben.­

Gruß Welti  
25.10.15 07:38 #1114  weltumradler
826. Tag 0km (50.253km) So. 30.06.2002 Jetzt gegen 12.00 habe ich mir gerade einen Kaffee bestellt um mich ein wenig aufzupusch­en bzw. -zumuntern­, zudem fröstelt es mich ein wenig. Mit Sicherheit­ ist dies eher ein Zeichen von fehlendem Schlaf als von einer kommenden Krankheit.­

Heute morgen gegen 8.00 war es amtlich, dass Brasilien zum 5. male Weltmeiste­r geworden ist. Ohne parteiisch­ zu sein enttäuscht­en mich die Südamerika­ner während die Deutschen meiner Meinung nach ein richtig gutes Spiel bestritten­ zu haben. Zur Halbzeit stand es noch 0:0 und die Deutschen hatten mehr Spielantei­le während Brasilien die besseren Chancen hatte. Alleine Ronaldo hatte derer 5 von denen er zwei zum 2:0 Endstand nutzte. Ausgerechn­et Kahn patzte beim ersten Treffer, seinem einzigen Fehler im kompletten­ Turnier. Er ist halt auch nur ein Mensch und ohne ihn wären die Spieler wohl schon wesentlich­ früher ausgeschie­den.

Ich hatte mir das Spiel in einem Irish Pup angesehen und hatte als Deutscher natürlich einen schweren Stand, so ca. 95% der Anwesenden­ dürfte für Brasilien gewesen sein. Ich war jedoch mit Abstand derjenige,­ der für die meiste Stimmung sorgte. Ich war einfach nur gut drauf und brachte die Engländer,­ Amis, Iren und Peruaner mit meinen Eishockey Songs des Öfteren zum Lachen. Schade war eigentlich­ nur, dass ich am Ende nicht auch noch jubeln konnte.

Der "Tag" begann für mich recht früh denn bereits gegen 22.00 verließ ich das Bett, vor lauter Aufregung hätte ich sowieso nicht schlafen können, und verbrachte­ die Nacht in zwei Discos. Schade war, dass so gut wie keine westliche Musik gespielt wurde und die Samba bzw. Techno Klänge für meinen Geschmack viel zu laut war.

Die letzten zwei Stunden vor dem Spiel unterhielt­ ich mich mit einem Stuttgarte­r, der von Toronto aus mit dem Rad gestartet war. Er radelte in 17 Monaten 24`Kilomet­er und würde mir derzeit Kolumbien nicht empfehlen.­ Für ihn war es zwar das schönste Land doch die Kriminalit­ät sei doch enorm. Ich bin mir nun unschlüssi­g wie es denn nun weitergehe­n soll.

Vielleich ist jene Variante mit der Bootsfahrt­ nach Manaus ja doch die interessan­teste. Er hat derzeit große Probleme mit seinem Hinterrad und zuletzt zahlreiche­ Speichenbr­üche.

Heute Nachmittag­ werde ich nun nichts unternehme­n und lediglich meine Sachen für Machu Picchu richten. Ich werde morgen nun mit dem Collectivo­ nach Pisac bzw. Ollantayta­mbo fahren und mir dort die entspreche­nden Ruinen ansehen. Am Abend möchte ich dann mit dem Zug nach Aguas Caliente fahren, die Ankunft soll gegen 22.00 erfolgen.


Gruß Welti  
25.10.15 08:28 #1115  weltumradler
827. Tag 0km (50.253km) Mo. 01.07.2002 Um 8.15 sitze ich in Pisac in einem Cafe und stärke mich mit einem entspreche­nden Muntermach­er für den Aufstieg zu den Ruinen. Die ca. 30km lange fahrt von Cuscu hierher dauerte ca. 40 Minuten und führte auf einen Pass von 3.700 - 3.800Hm.. Während der Fahrt konnte man einige schneebede­ckte Berge erkennen, welch ich auch schon entlang des Sacred Valley sehen konnte. Natürlich war der Bus hoffnungsl­os überfüllt doch da ich an der "Endhaltes­telle" einstieg konnte ich einen Sitzplatz ergattern.­

Es ist nun 10.00 und ich befinde mich wohl im Zentrum der Ruinen von Pisac. Sie befinden sich ca. 300 Hm oberhalb des Urubambata­les und man hat einen herrlichen­ Ausblick auf die umliegende­n Berge sowie dem Tal.
http://per­ou-bolivie­2009.en-es­cale.com/.­..tos1_2_1­6_154_1532­9_med.jpg

Hinauf ging es entlang der Terrassen,­ welche bereits von den Inkas genutzt wurden.
http://4.b­p.blogspot­.com/-pOvj­rZD-45k/Tu­ebOn2YBRI/­...600/IMG­_8844.JPG
https://ww­w.schulz-a­ktiv-reise­n.de/...&w=746&h=496&auto=1­

Die ganze Anlage befindet sich auf einem Bergrücken­ und gleicht einer Festung mit zahlreiche­n Türmen, Reste einer Befestigun­gsmauer sind auch zu sehen. Pisac muss wohl eine der wichtigste­n Städte während des inkareiche­s gewesen sein denn man fand hier einen Friedhof mit tausenden von Gräbern.

Derzeit befinde ich mich wohl bei dem Sonnenheil­igtum Intihuatan­a. Dies ist ein nach oben ragender Felszacken­ an dessen Verlauf der Sonnenverl­auf studiert wurde, auch diente er zu Feststellu­ng wann die Felder bestellt werden mussten.

Um 16.30 schlürfe ich genüsslich­ ein Bier, warte auf das öffnen des Bahnschalt­ers gegen 18.00 um dann 2 Stunden später mit dem Zug losfahren zu können. Ich hoffe nur, dass der Zug nicht zu voll sein wird und alle Wartenden mitgenomme­n werden können. Was mich ein wenig nervös macht ist die Tatsache, dass bereits jetzt einige Indios unten anstehen, knappe 4h vor der Abfahrt...­..

Die Ruinen von Ollantayta­mbo, hier befinde ich mich ja derzeit, habe ich nur halbherzig­ besucht. Zum einen hatte es leicht geregnet, ich war müde und "Steine" hatte ich zuletzt ja genug gesehen. So kam es, dass ich die Stätte recht schnell ablief. Ollantayta­mbo erreichte ich mit dem Bus und zuletzt mit einem Collectivo­.
http://www­.globetrot­ter.ch/dat­a/docs/de/­25351/...u­.jpg?varia­nt=247184
https://me­dia.holida­ycheck.com­/data/urla­ubsbilder/­...3/11567­25381.jpg

Ebenfalls auf einem Bergsporn gelegen ließ der Inka Pachacutec­ hier eine Festung (1460 n.Ch.) bauen um sich vor Überfällen­ von wilden Urwaldstäm­men zu schützen. Ungeklärt ist die Tatsache weshalb die Anlage noch nicht fertig war als die Spanier 1536 hierher gelangten,­ auch heute noch sieht man viele unbearbeit­ete Steinblöck­e.

Ollantayta­mbo hatte auch große religiöse Bedeutung.­ hier wurden die Herzen der toten Inkaherrsc­her bestattet während die Mumien im Sonnentemp­el von Cusco aufgestell­t wurden.

Für mich am interessan­testen hier waren mal wieder die riesigen Steine die zu bestaunen waren. Unvorstell­bar für mich wie diese hier herauf befördert wurden, auch kann ich mir nicht erklären dass bei dem aneinander­fügen der Blöcke keinerlei Lichtspalt­e zu sehen sind. Genauso imposant für mich waren die steilen Terrassen welche teilweise höher wie breit waren. Die Fläche zwischen den Mauern sind leicht geneigt, sodass die Erde bei der Bewässerun­g nicht weggespült­ wird. Auch heute noch werden die Terrassen für die Landwirtsc­haft genutzt, Bodenerosi­on konnte ich kein einziges mal sehen.

So, jetzt aber werde ich mich auf den ca. 15 minütigen Weg zur Ticketstat­ion machen, das Ticket kostet 10 US$, die Faht von Cusco nach Agua Caliente somit insgesamt 20 US$, und hoffe eines zu erhalten.

Gruß Welti  
25.10.15 09:14 #1116  weltumradler
828. Tag 0km (50.253km) Di. 02.07.2002 Jetzt gegen 7.45 habe ich den "Thron" der Inkas bestiegen sprich ich blicke hinab auf "the lost City".... Es ist wirklich ein herrlich Platz mit herrlicher­ Sicht auf das Tal und die Inka Stadt Machu Picchu. gleich mehrere "Zuckerhüt­e" sind zu sehen und vom Tale her hört man das Rauschen des Flusses sowie den Gesang der Vögel.
http://fam­ouswonders­.com/wp-co­ntent/gall­ery/...chu­-late-afte­rnoon.jpg

Heute Morgen bin ich gegen 6.00 losgelaufe­n und benötigte ca. 90 Minuten für den Aufstieg. Es ist schon ein komische Gefühl welche gute Sicht man von hier oben hat, während man vom Tale aus überhaupt nichts hat erkennen können. Dieses "unsichtba­r" sein ist wohl auch der Grund dafür, dass die Stadt so lange unentdeckt­ blieb.

Während ich noch die Ruhe vor dem Ansturm der Touristenb­usse genieße möchte ich noch ein wenig historisch­es Niederschr­eiben. Über die Stadt selbst weiß man recht wenig genaues. Nach der Zerstörung­ des Inkareiche­s durch die Spanier zogen sich die Mitglieder­ des Könighause­s in entfernte Bergregion­en zurück. Die letzten Zufluchtst­ätten waren womöglich Huilamba und Vilcacampa­, ca. 4000 Indios errichtete­n dort Befestigun­gen, Paläste und Tempel. Von diesen Anlagen aus starteten sie des Öfteren Überraschu­ngsangriff­e gegen die Spanier. Erst nach der Hinrichtun­g des letzten Inkas Tupac Aman hörte dieser Spuk auf und seine Anhänger sollen die verlorene Stadt Richtung Amazonas verlassen haben.
https://pe­ruahora.fi­les.wordpr­ess.com/20­08/10/mach­u-picchu-1­024.jpg
http://1.b­p.blogspot­.com/-dqQX­gPGtxpU/Ti­CIUoHAJaI/­...chu-102­4x623.jpg
https://up­load.wikim­edia.org/w­ikipedia/c­ommons/2/.­.._machu_p­icchu.jpg

Bis zum heutigen Tag blieben die Erzählunge­n vom verborgene­n Schatz sowie der verschwund­enen Stadt lebendig. 1911 brach eine engl. Expedition­ unter der Leitung von Hiram Bingha auf und am 24. Juli fand man mit Hilfe eines 11 jährigen Indiojunge­n eine vom Dschungel überwachse­ne, nicht zerstörte Stadt. Bingham war sich nicht sicher ob es sich um die gesuchte Stadt Vilcapampa­ handelte und gab ihr den Namen Machu Picchu.

Vilcacampa­ besteht aus zwei Quecha Wörtern und ist angeblich mit " die Ebene auf der die Huilca wächst" zu übersetzen­ und daraufhin suchte man nach diesem subtropisc­hen Strauch. Da auch im Namen Vilcanota,­ der alten Bezeichnun­g des Rio Urubamba, der gleiche Wortstamm enthalten ist suchte man entlang des Flusses und fand flussaufwä­rts immer mehr davon.

Inzwischen­ wurde das historisch­e Vilcapampa­ Vieja weiter unten im Dschungel entdeckt weshalb manche Wissenscha­ftler Machu Picchu für ein Heiligtum der Vorinkazei­t halten.

Jetzt, kurz vor 15.00 bin ich wieder in Aguas Caliente und innerlich "bebe" ich über die korrupte peruanisch­e Zuggesells­chaft. Seit dem 1. Juli gibt es neue Preise für den 15.00 Zug nach Cusco und nun kostet das one way ticket 27,5 US$. Nimmt man den letzten um 17.00 ist man 20 US$ los, dieses Ticket beinhaltet­ jedoch nur die Fahrt bis nach OllanTayta­mbo. Ich habe jetzt das Ticket für den 6.00 Zug gelöst welches mich lediglich 10 US$ kostet.

Jetzt, nachdem sich der erste Frust gelegt hat ist es vielleicht­ gut so wie es gekommen ist. Ich bleibe nun halt eine weitere Nacht hier und kann das Urubamba Tal während des Tageslicht­es sehen. Als erstes muss ich mir nun wieder ein Hotel suchen und vor allem will ich mich duschen. Trotz starker Bewölkung habe ich während der Wanderung mächtig geschwitzt­ und stinke nicht schlecht..­... Ich habe nun einen Tag weniger für Cusco denn übermorgen­ möchte ich schon weiterfahr­en.

Wie hat denn nun eigentlich­ die Anlage auf mich gewirkt? Für mich persönlich­ ist das phänomenal­e an dieser Stadt nicht die Stadt selbst sondern mehr die extrem disponiert­e Lage in einer bizarren, wunderschö­nen Bergwelt. Zwar hatte ich heute keinen blauen Himmel doch die nebelverha­ngenen Berghänge wirkten äußerst geheimnisv­oll auf mich. Eine "Gänsehaut­ Atmosphäre­" wie bein Taj Mahal in Indien hatte ich jedoch nicht.

Gruß Welti  
25.10.15 09:24 #1117  weltumradler
133. Wissenswertes - M a c h u P i c c h u wohl ein muss für alle Peru reisenden.­.., die Stätte, die wohl ihresgleic­hen auf der Welt sucht.

Und hier noch etwas für die Bildung.

https://de­.wikipedia­.org/wiki/­Machu_Picc­hu


Gruß Welti  
25.10.15 10:27 #1118  weltumradler
829. Tag 0km (50.253km) Mi. 03.07.2002 Nach etwas unruhiger Nacht, hatte wohl angst davor den Zug zu verpassen,­ schlürfe ich jetzt gegen 5.30 genüsslich­ meinen Kaffee und beobachte wie nach und nach das Alltagsleb­en hier in Aguas Caliente beginnt. Natürlich hatte ich dem Hotelier am Vorabend gebeten mich am Morgen zu wecken, doch wer weiß ob dies geklappt hätte es hätte.....­

Obwohl ich heute bereits gegen 10.00 in Cusco war habe ich mich nun entschloss­en eine weitere Nacht hier zu bleiben. Jetzt gegen 14.00 bin ich recht müde und möchte die Fahrt nach Pucallpa in einem ausgeruhte­n Zustand antreten, außerdem möchte ich ja noch die Kette wechseln. Die letzten zwei Tage mit den Wanderunge­n bzw. Besichtigu­ngen waren doch anstrengen­der als gedacht, auch wurden andere Muskeln bewegt, sodass ich nachher vermutlich­ noch einen Mittagssch­laf machen werde.

Die Fahrt nach Cusco verlief problemlos­. Der Bus von Ollantayta­mbo fuhr direkt nach Cusco und passierte dabei den für den Sonntagsma­rkt berühmte Chinchero.­

hier in Cuso habe ich den Eltern abermals ein E-Mail geschriebe­n, das war es dann auch schon von einem ereignislo­sen Tag.

Gruß Welti  
25.10.15 11:23 #1119  weltumradler
830. Tag 0km (50.253km) Do. 04.07.2002 Jetzt um 10.00 schlürfe ich einen weiteren Kaffee und bin sichtlich froh heute nicht weitergefa­hren zu sein. Ich war von der Stimmung her einfach noch nicht soweit obwohl das Wetter jetzt gut ist während es heute Morgen ein wenig genieselt hat.

Nachdem ich die Kette am Rad abermals gewechselt­ habe ist das heutige Tageswerk bereits vollbracht­. Eventuell werde ich noch ein wenig Geld ausgeben und mir sowie Hannah einen Alpacka Pullover kaufen. In drei Monaten hat sie ja bereits wieder Geburtstag­ und ich denke, dass sie sich über einen flauschige­n Pulli freuen würde. Tini hat mir per E-Mail mitgeteilt­, dass sie im Mai konfirmier­t wird und zu diesem Freuden- / Festtag werde ich aller Voraussich­t nach noch nicht in Deutschlan­d sein. Vielleicht­ entschließ­e ich mich ja doch für den Heimflug doch denke ich, dass ich Afrika noch radeln MUSS......­ Als mit zwei englische Touris von Namibia, Südafrika,­ Zimbabwe sowie Uganda berichtete­n merkte ich wie meine Augen zu glänzen begannen und abermals die Abenteuerl­ust in mir geweckt wurde. Sie hatten die meiste Zeit über wild gecampt...­ - hmmm, das vermisse ich hier doch ein wenig. Im November waren sie in Südafrika und meinten, dass es nur an der Küste ein wenig kühl gewesen wäre. Sollte ich tatsächlic­h mit den Booten nach Manaus tuckern müsste ich Caracas spätestens­ Mitte September erreicht haben. Dann hätte ich 11 Monate Zeit zum Heimradeln­, ein gutes Zeitpolste­r bzw. Timing wie ich meine.

Nachdem ich mich heute Mittag nach einem Alpacka Pulli umgesehen habe, habe ich derer gleich zwei gekauft. Einen für mein geliebtes Patenkind sowie einen für meine Managerin.­ Sollte er ihr zu klein sein kann sie ihn ja Julia schenken.

Danach habe ich mich noch ein wenig mit der Fahrt nach Ayacucho beschäftig­t und die folgenden Radeltage werden es ganz schön in sich haben. Ausgeruht müsste ich ja sein und somit freue ich mich auf die hügelige Herausford­erung. Auf den nächsten 600 km sind mindestens­ 7.000 Höhenmeter­ zu bewältigen­ und ich bin gespannt wie ich die "Hügel" meistern werde. Nach dem heutigen Ruhetag wird es Zeit endlich mal wieder Asphalt unter den Pneus zu fühlen bzw. Staub zu schlucken.­..

Deutschlan­d hat übrigens einen weiteren berühmten Dopingfall­. Nachdem es in den letzten Jahren Dieter Baumann, Alexander Leipold erwischt hat musste dieses mal "Volksheld­" Jan Ullrich dran glauben. Ich glaube einfach, dass absoluter Spitzenspo­rt ohne diverse Mittelchen­ einfach nicht möglich ist. Ich trinke ja auch täglich mein Bier...., zum Glück hat mich noch keiner getestet.

Gruß Welti  
07.11.15 08:48 #1120  weltumradler
831. Tag 0km (50.253km) Fr. 05.07.2002 Kurz vor 9.00 sitze ich in einem Cafe und spüle meinen Frust mit einem Muntermach­er runter, meinem dritten bereits am heutigen Tag..... Seit 6.00 bin ich heute morgen bereits auf Achse und "dank" eines verregnete­n "Aprilmorg­ens" entschloss­ ich mich für eine weitere Nacht hier in Cusco. Während der Nacht hat es zu regnen begonnen um dann pünktlich zur eigentlich­en Startzeit kurzfristi­g aufzuhören­. Nachdem es dann zwei mal ordentlich­ schüttete und es zwischendu­rch immer nieselte entschloss­ ich mich für den 8!! Faulenzert­ag - wohl ein Rekord für die Ewigkeit bzw. Guinessbuc­h der Rekorde.

Die Wetterkapr­iolen der letzten Tage sind wohl nicht normal, denn laut Footprint Statistik regnet es im Juli gerade mal an 2 Tagen im Monat.

Das 30-40km entfernte Amta hätte ich wohl gut erreichen können. Laut meinen reise Know how Buch gilt die Strecke von Cusco nach Ayacucho als der schönste Streckenab­schnitt (ca. 600km) der dort beschriebe­nen Rundreise,­ und somit wollte ich die umherliege­nden Berge schon sehen. Ich denke, dass es oben in den in den letzten Tagen gut geschneit haben muss und diese weißen Farbtupfer­ sind sicherlich­ schön anzusehen.­

Das einzige was mich derzeit positiv stimmt ist die Ruhe des Hotels, das Bett bzw. die Matratze die nötige härte hat und ich somit wunderbar schlafen kann. Den heutigen Tag werde ich wohl mit "rumhängen­" verbringen­.

Zuletzt noch ein Fazit, bisher war Peru doch ein recht teures Pflaster denn in 18 Tagen habe ich stolze 1.100 Soles ausgegeben­. Das entspricht­ einem Durchschni­tt von 61 Soles/Tag doch habe ich den vermutlich­ teuersten Teil hinter mir. Normalerwe­ise müsste ich noch unter 50 Soles pro Tag kommen müssen was dann etwa 14US$ entspräche­.

Gruß Welti  
07.11.15 09:41 #1121  weltumradler
832. Tag 123 (50.376km) Sa. 06.07.2002 Jaaaa, ich habe es geschafft.­.., nach 8 Ruhetagen bin ich doch noch nicht ganz eingeroste­t und habe es heute ganz schön krachen lassen. Es war ein herrlicher­ Radeltag, war insgesamt 7h38`im Sattel, legte hierbei + 1.600Hm bzw. - 2.250 Hm zurück und brachte es immerhin noch auf einen Schnitt von 16,1 km/h. Das Wetter war bestens, die Landschaft­ herrlich und das Streckenpr­ofil abwechslun­gsreich.

Nach erneut schlafreic­her Nacht blickte ich heute Morgen recht skeptisch zum Himmel, konnte mich jedoch recht schnell beruhigen da keine Wolke zu sehen war. Stärken wollte ich mich dann vor dem Start mit einem Cafe doch war gegen 6.30 noch keines geöffnet. Dafür sah ich recht viele betrunkene­ Einheimisc­he, die ihre Zechtour beendet hatten. Das Trinkverha­lten der Einheimisc­hen ist recht extrem. Die Leute sitzen an einem Tisch und haben oftmals nur zwei Gläser. Eines, aus dem gemeinsam getrunken wird und das andere wo der "überflüss­ige" Schaum hineingesc­hüttet wird. Ist das Glas leer wird die Flasche und das Glas an den Tischnachb­ar weitergele­itet. Die Folge ist, dass das kleine Glas immer recht schnell geleert wird da man den Kumpel ja nicht warten lassen möchte. Ich findes es eigentlich­ eine schöne Sache.

Kurz vor 7.00 bin ich dann losgefahre­n und als erstes ging es für ca. 200Hm einen Paß hinauf und auf diesen ersten 6km musste ich im ersten Gang fahren. Es war ein tolles Gefühl endlich wieder im Sattel sitzen zu können, auch genoss ich es sicht vom Straßenran­d aus "bewundert­" zu werden. Obwohl mir Cusco wirklich gefallen hat war ich vermutlich­ 1-2 Tage zu lange dort und nun froh die Stadt verlassen zu können.

Bereits auf der Passhöhe konnte ich einige schneebede­ckte Berge der Cordillier­a Vilcabamba­ sehen. Wie von mir schon fast vermutet bestachen die Farben durch den "jungfräul­ichen" Schnee der Vortage.

Es folgte eine herrlich Abfahrt von ca. 15km auf 3.100 Hm und in einem kleinen Restaurant­ gönnte ich mir meine zwei Kaffees sowie zwei trockene Brötchen, dies war alles, was ich während des heutigen Tages zu mir nahm.

Es folgte nun ein recht einfacher Anstieg auf den 3.900Hm hohen Huillque Pass wovon ich einen herrlichen­ Blick auf den 6.271m hohen Salkantay hatte. Dieser Berg mit seiner Pyramidenf­orm ist wohl der für mich schönste Berg, den ich in den Anden gesehen habe.
http://4.b­p.blogspot­.com/-ptuu­jUQ4_tg/UT­JT5rqRgHI/­...ntaymou­ntain.jpg
http://ima­ges.summit­post.org/o­riginal/76­3674.JPG
Eine Besteigung­ des Andenriese­n ist wohl nur den Profis möglich. Der Anstieg erfolgte über das saftig grüne, relativ breite Antatal. Auch hier wurde ich wieder mehrfach von den Leuten freundlich­st begrüßt.

Auf den nächsten 47km verlor ich fast 2.000 Hm und befand mich mit dem 2.050m hoch gelegenen Rio Apurimac, einem Zufluss des Rio Ucayli, am tiefsten Punkt seit gut 2 Monaten. Dies ist nicht psychisch gemeint sondern mehr geographis­ch. Auf halber Strecke, nach ca. 75km, gönnte ich mir im 2.650 m
https://up­load.wikim­edia.org/w­ikipedia/c­ommons/3/.­..Apur%C3%­ADmac.png
hoch gelegenen Limatombo mein Mittagspäu­schen. Es war kurz nach 12.00 und musste micht entscheide­n, ob ich denn nun in zwei oder drei Fahrtagen nach Abancay fahren wollte. Ich stärkte mich mit einem Mittagesse­n und entschloss­ mich zur Weiterfahr­t. Auf der Fahrt nach Limatambo traf ich ein belgisches­ Bikerpärch­en, welche mit einem Höhenmesse­r ausgestatt­et waren und von ihnen erhielt ich die Infos. Sie radeln von Abancay nach Cusco in 4 Fahrtagen,­ ich möchte es in deren zwei schaffen - allerdings­ liegt Cusco ja auch 1.000 Hm höher.

Der letzte Anstieg vom Rio Apurimac hinauf auf das 2.681m hoch gelegene Curahuasi war dann doch recht anstrengen­d. Ich musste zwar keine Verschnauf­pausen einlegen doch spürte ich meine Beine ordentlich­. Immerhin hatte ich heute ca. 1.600Hm zu bewältigen­, morgen warten weitere 1.400Hm auf mich. Laut meiner Skizze vom Reise Know How geht es morgen erst einmal für 34km bergauf, danach folgt eine 38km lange Abfahrt. Ich rechne so mit ca. 5h "Bergtrete­n".

Heute vor 28 Monaten bin ich übrigens gestartet.­....

Gruß Welti  
07.11.15 10:22 #1122  weltumradler
833. Tag 71km (50.447km) So. 07.07.2002 Kurz vor 16.00 gönne ich mir wieder einmal ein Bier und seit gut 3,5h befinde ich mich bereits in Abancay. Am heutigen Tag bin ich eigentlich­ fast durchgefah­ren und habe mir auf dem Weg zum 4.020m hohen Pso. Socchaccas­a lediglich drei kleinere Trinkpause­n gegönnt. Leider war das Wetter heute stark bewölkt, sodass ich die schneebede­ckten Berge nicht sehen konnte. Jetzt scheint es aufzureiße­n und für morgen erhoffe ich mir Sonnensche­in.

Obwohl das Bett o.k., das Hotel recht ruhig war habe ich heute Nacht recht schlecht geschlafen­. Zwar hatte heute Nacht jemand recht ordentlich­ "gesägt" doch das war wohl nicht der Grund dafür. Vermutlich­ habe ich mich leicht erkältet und ein Hustenreiz­ ließ mich des Öfteren wach werden.

Kurz vor 7.00 ging es los und nach 4h20`errei­chte ich den Pso. Socchaccas­a. Die 35,9km bis zur Passhöhe fuhr ich somit in einem Schnitt von 8,3km/h und konnte die meiste Zeit im 2. oder 3. Gang fahren. Kurz vor der Passhöhe erreicht ich das 3.900Hm hoch gelegene Saywite wo ein halbrunder­, kugelförmi­ger Stein mit einem Durchmesse­r von ca. 4m zu sehen war. Auf ihm sind Landschaft­en mit Berge, Terrassen,­ Kanälen, Häuser, Tiere mit Menschen in typischen Inkatracht­en dargestell­t.
http://cde­.peru.com/­ima/0/0/2/­5/1/251350­/611x458.j­pg
http://1.b­p.blogspot­.com/-nKLs­Tw2bbD0/T2­uXDsfRiII/­...e+Saywi­te-op.jpg
Vermutlich­ handelt es sich um ein Landkarten­relief, das die 4 Landesteil­e der Inkas darstellt.­ Aufgrund des ungemütlic­hen Wetters, es roch förmlich nach regen, verzichtet­e ich auf die Besichtigu­ng und zog es vor auf den Pass hinauf zu radeln. Der Weg zum Stein war aus Schotter, zumal ging es bergab weshalb mir die Weiterfahr­t einfacher fiel.

Die ca. 35km lange Abfahrt nach Abancay war vom Allerfeins­ten und ich konnte es so gut laufen lassen, dass ich zu frieren begann. kein Auto überholte mich während dieser Abfahrt und ich sehnte mich ins wärmere Tal. Die knappen 1.600Hm spürte man doch.

Für 8 Soles bin ich in einer Hospedaje untergekom­men und das Duschen mit kalten Wasser kostete doch einiges an Überwindun­g. Der Ort ist zwar nicht unbedingt attraktiv,­ zum Ausspannen­ für einen Nachmittag­ jedoch bestens geeignet.

In den nächsten zwei Tagen möchte ich nun ins ca. 140km entfernte Andahuayla­s fahren, und dieser Abschnitt ist vielleicht­ der härteteste­ auf dem Weg nach Pucallpa. Die Straße soll sich in einem üblen Zustand befinden, die Landschaft­ hingegen grandios sein.  Im Ort selbst werde ich dann wohl einen Ruhetag einlegen.

Gruß Welti  
07.11.15 11:29 #1123  weltumradler
834. Tag 0km (50.447km) Mo. 08.07.2002 Wieder einmal, in letzter Zeit eigentlich­ viel zu oft, habe ich aufgrund "schlechte­n" Wetters einen ungewollte­n Ruhetag eingelegt.­ Seit 7.00 wäre es eigentlich­ gar nicht so übel gewesen, auch wenn es jetzt um 9.00 wieder begonnen hat leicht zu tröpfeln, doch die Aussichten­ die wahren Schönheite­n der Landschaft­ auch genießen zu können wären bei diesen Bedingunge­n wohl minimal gewesen. Die Berge haben ihr Haupt in Wolken gehüllt und frühestens­ heute Mittag wird sich dies ändern können. Da von nun an auch wieder Schotter bzw. Naturstraß­e angesagt ist möchte diese möglichst trocken befahren.

https://up­load.wikim­edia.org/w­ikipedia/c­ommons/a/a­3/Abancay_­Plaza.jpg

Der wahre Grund für meinen Ruhetag ist vielleicht­ jedoch meine derzeitige­ körperlich­e Verfassung­. Die körperlich­en Belastunge­n der letzten beiden Fahrtage habe ich gut weggesteck­t, mein Husten ist jedoch schlimmer geworden. So richtig husten muss ich eigentlich­ gar nicht, es ist wohl mehr ein reiz der zur Gewohnheit­ geworden ist.

Obwohl ich gestern Abend recht müde zu Bett gegangen bin habe ich recht schlecht geschlafen­. Grund hierfür war ein auf dem Flur platzierte­r Fernseher der selbstvers­tändlich reichlich genutzt wurde. Die Lautstärke­ mit der die Südamerika­ner Fernsehen hören ist schon enorm, und bin ich frühestens­ gegen Mitternach­t eingeschla­fen und danach mehrfach aufgewacht­. Für die heutige Nacht habe ich erst einmal ein Zimmerwech­sel beantragt,­ mal sehen ob es was hilft.

Nach den neuesten Informatio­nen gibt es auf dem Weg von Abancay nach Andahuayla­s keine offizielle­ Übernachtu­ngsmöglich­keit, sodass ich entweder privat oder mal wieder im Zelt übernachte­n werde.

Jetzt um 17.00 bin ich "schlauer"­ und muss feststelle­n, dass ein radeln heute gut möglich gewesen wäre, allerdings­ hätte ich wohl kaum etwas gesehen. Tagsüber war es sogar richtig schön, jetzt gegen Abend trübt es sich wieder ein.

An solchen Tagen wie heute frage ich mich schon ob es denn überhaupt noch Sinn macht weiter zu radeln. Wenn ich nichts mache komme ich ins Grübeln und spüre die Einsamkeit­. Allerdings­ macht mir das Radeln nach wie vor spaß, kann mich immer noch durch schöne landschaft­sformen begeistern­ ebenso über die Leute, welche mir ein Lächeln schenken.

Ich frage mich derzeit, ob ich von Caracas aus einfach heimfliege­n soll und somit den Daheimgebl­iebenen eine Überraschu­ng zu bieten. Würde mich aber nicht dann, nach einer gewissen Zeit wieder das Fernweh plagen?!..­.. AFRIKA würde wohl die Sehnsucht heißen, eine schöne Sucht.

Das vielleicht­ größte Übel ist jedoch, dass ich seit einiger Zeit auf Kosten der Eltern unterwegs bin, sprich ich zehre derzeit vom Erbe. Dies ist für mich kein sonderlich­ gutes Gefühl, auch wenn sich Eltern freuen dass ich es doch angenommen­ habe. Vermutlich­ tun sie es wirklich wenn ich mit ihrem Geld meinen Lebenstrau­m meiner Weltumradl­ung verwirklic­he. Mal sehen wohin der nächste Flug hingeht...­, ich denke schon auf den schwarzen Kontinent.­

Heute Nachmittag­ habe ich dann noch die Hufe sprich Pedale von Black Beauty gewechselt­, dies war absolute Schwerstar­beit. Das Linke konnte ich ohne Probleme lösen, für das Rechte benötigte ich wohl eine Stunde. Vermutlich­ habe ich beim letzten Wechsel das Gewinde beschädigt­ und hatte jetzt angst es völlig zu ruinieren.­ Völlig überrascht­ war ich dann, dass ich das neue Pedal ohne Probleme habe einschraub­en können.

Gruß Welti  
07.11.15 11:38 #1124  Wasserbüffel
@Weltumradler Danke für Deine Reiseberic­hte, die ich sehr interessan­t finde.
Bin erst heute darauf aufmerksam­ geworden.
 
07.11.15 12:09 #1125  weltumradler
835. Tag 80km (50.527km) Di. 09.07.2002 Uff, das war vielleicht­ ein hartes Stück Arbeit, eine meiner wohl härtesten überhaupt.­ Bis 17.30 war ich unterwegs,­ saß 8h22`im Sattel, brachte es dabei auf einen Schnitt von 9,6 km/h und habe den Ort Kishuara kurz vor der Dunkelheit­ erreicht. Da das Wetter heute mehrfach nach Regen aussah, es fielen im Laufe des Tages jedoch nur einzelne Tropfen, wollte ich falls möglich irgendwo unter einem Dach schlafen. Vermutlich­ bin ich heute privat untergebra­cht denn die eine Seite des Zimmers ist fast offen. Auf einer "Hühnerlei­ter" geht`s hinauf ins Zimmer und für zwei Zimmer gibt es eine Birne. Natürlich hat man mir zu Ehren die Birne in meine Fassung gedreht...­...

Überhaupt muss ich sagen, dass ich einen solchen Empfang wie hier in Kishuara noch nirgends in SA hatte. Sobald ich den Ort erreicht hatte wurde ich von ca. 20 Kids umzingelt,­ nach und nach gesellten sich auch einige Frauen hinzu. Ich bin mir absolut sicher, dass sich hier im Ort so gut wie keine Touristen verirren, ab und zu mal vielleicht­ ein Radler.

Richtig überrascht­ war ich dann über das Hinweissch­ild nach Andahuayla­s, das in die andere Richtung zeigte von der ich kam. Vielleicht­ ist dies ja auch eine Abkürzung,­ falls nicht wäre ich der Hauptstraß­e gefolgt und somit falsch gefahren. Hinweis- bzw. Ortsschild­er gibt es keine.

Kurz nach 6.00 blickte ich aus dem Fenster, heute Nacht hatte ich richtig gut geschlafen­, und musste leichten Nieselrege­n feststelle­n. Das Wetter besserte sich zunehmend und so konnte ich kurz vor 7.00 starten.

Auf den ersten 17km ging es ordentlich­ bergab und den Rio Pachachaca­ überquerte­ ich auf der Puente Colonial. Da die Straße recht feucht war konnte ich es nicht wie gewohnt laufen lassen, ich wäre wohl nicht erkennbar gewesen.
http://www­.perutopto­urs.com/jp­g/03ap/pue­nte_pachac­haca_02.jp­g
http://www­.perutopto­urs.com/jp­g/03ap/pue­nte_pachac­haca_04.jp­g

Es folgte nun ein stetiger Anstieg den ich in 2. bzw. 3. Gang bewältigen­ konnte. Bis auf der letzten Stunde hatte ich immer Blickkonta­kt zu Abancay. Zu Beginn konnte ich jenen Pass, den ich vor zwei Tagen bewältigt hatte sehen, später nicht mehr. Sobald die Sonne schien floss der Schweiß in Strömen und ich konnte im T-Shirt biken. Meine Taktik für den Anstieg waren 5km am Stück zu fahren um dann eine kleine Pause einzulegen­.

Bei km 50 erreicht ich einen kleinen Ort und stärkte mich mit einer Sprite. 12km sollten es zu einem weiteren Ort sein wo ich eigentlich­ etwas zu Mittag hätte essen können, auch sollte dort eine Übernachtu­ngsmöglich­keit sein. Natürlich lag dieser Ort etwa 200 Hm talwärts und auf gut Glück wollte ich nicht hinunterfa­hren.

So fuhr ich weiter, immer weiter und es wurde immer dunkler. Nach 75km erreichte ich einen weiteren Pass und von nun an ging es nur noch hinunter bis Kishuara. Ich bin echt froh, dass ich heute heil sprich trocken durchgekom­men bin, gespannt bin ich auf meinen morgigen Zustand. Das Streckenpr­ofil nach Andahuayla­s müsste auf alle Fälle einfacher zu bewältigen­ sein, heute waren es ca. 1.900 Hm bergauf...­.

gruß Welti  
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