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Sa, 25. April 2026, 9:52 Uhr

Lebenstraum Weltumradlung

eröffnet am: 07.04.13 21:19 von: weltumradler
neuester Beitrag: 21.09.16 23:03 von: Catalina
Anzahl Beiträge: 1407
Leser gesamt: 391049
davon Heute: 33

bewertet mit 128 Sternen

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08.11.15 07:33 #1126  weltumradler
836. Tag 0km (50.527km) Mi. 10.07.2002 Kurz nach 10.00 wollte ich eigentlich­ auf Passhöhe sein und wo bin ich?!, im Restaurant­ und trinke einen Kaffee. Wieder einmal regnet es, dieses mal seit gestern ab ca. 21.00.... Obwohl ich unter einem Wellblechd­ach geschlafen­ habe konnte ich so gut wie durchschla­fen. Das Wetter scheint für Juli nicht normal zu sein denn seit gut 2 Wochen regnet es fast täglich innerhalb der 24 Stunden. Laut meiner Footprint Ausgabe sollte es so z.B. in Cusco an durchschni­ttlich 2 Tagen im Juli regnen, als ich dort war fielen an 6 oder 7 meiner 8 Aufenthalt­stage regen.

Natürlich könnte man auch an einem solchen Tag wie heute biken doch in knapp 4.000 m Höhe macht dies keinen sonderlich­en spaß und Black Beauty wäre vermutlich­ nicht wieder zu erkennen. Der Vorteil von diesem abermalige­n ungewollte­n Ruhetag ist die Tatsache, dass ich zumindest ein wenig einen Eindruck vom harten, entbehrung­sreichen Leben der Indios in einem kleinen Bergdorf der Anden bekomme.

http://www­.pitopia.d­e/pictures­/standard/­j/...o/33/­josecito_9­53933.jpg
http://www­.wildost.d­e/images/p­roduct_ima­ges/...s/5­2_1_Peru-D­orf-1.jpg
http://p1.­pkcdn.com/­peru-auf-d­em-dorf_27­7544.jpg
Den Kindern scheint dies wenig auszumache­n, einige spielen draußen in Sandalen, natürlich ohne Socken.

Es ist jetzt 15.00 und es regnet immer noch..... und soeben habe ich zu Mittag bzw. Abend gegessen und nochmals das Höhenprofi­l des reise Know Hows studiert. Dabei konnte ich erfreut feststelle­n, dass ich bereits gestern auf den ca. 4.000m hohen Cruzccasa Pass war. Ich habe somit gestern knappe 2.000 Hm bewältigt.­...

Bis zum 4.100m hoch gelegenen Huayllacca­sa Pass sind es noch gute 20km mit max. 500 Hm, falls es dazwischen­ nicht noch einige ups and downs gibt, und danach geht es ja für ca. 40km hinab nach Andahuayla­s. So wie es derzeit ausschaut bezweifle ich jedoch meine morgige Ankunft dort.

Nachdem ich heute Nacht ca. 10h durchgesch­lafen habe, habe ich heute Mittag derer zwei noch draufgeleg­t. So gesehen hat mir das abermalige­ Nichtstun gut getan auch wenn ich derzeit das Gefühl habe "nicht vom Fleck" zu kommen.

Gruß Welti  
08.11.15 08:12 #1127  weltumradler
837. Tag 60km (50.587km) Do. 11.07.2002 Kurz nach 18.00 regnet es mal wieder und kann es gar nicht glauben, dass ich mich nun tatsächlic­h in Andahuayla­s befinde und dazu noch trocken durchgekom­men bin. Zur Feier des Tages habe ich in einem wirklich tollen Hotel gleich für zwei Nächte gebucht. Mit 10 Soles kostet es gerade einmal 2 oder 3 Soles mehr wie in einem der Billigunte­rkünfte. Die richtig heiße Dusche war eine wohltat, ich hab mich sogar ein wenig verbrühen dürfen.

http://sta­tic.panora­mio.com/ph­otos/large­/97621477.­jpg
http://www­.andahuayl­asperu.com­/fotos/...­panoramica­-de-andahu­aylas.jpg

Der heutige Tag begann alles andere als verheißung­svoll, denn als ich kurz nach 6.00 mal aus dem Fenster blickte regnete es abermals. Ich legte mich nochmals auf`s Ohr und dachte darüber nach eine weitere Nacht hier in Kishuara zu verbringen­.

Zwei Stunden später stand ich dann auf und war eigentlich­ fest entschloss­en doch aufzubrech­en. Es wurde nun ein wenig heller, auch hatte der Nieselrege­n aufgehört.­ Ich packte meine 7 Sachen, wollte Black Beauty beladen und musste feststelle­n, dass das Hinterrad fast platt war. Bei der Kontrolle konnte ich gleich zwei Löcher feststelle­n, konnte jedoch nur einen Fremdkörpe­r, ein kleines Drahtstück­, im Mantel ausfindig machen.

Nachdem ich den "Schaden" behoben hatte verabschie­dete ich mich von der netten, 5 köpfigen Familie, stärkte mich mit einem Reisgerich­t im Restaurant­ um gegen 10.00 aufzubrech­en. Die ersten 2km waren eine reine Schlammsch­lacht doch nach Erreichen der Hauptstraß­e wurden die Bedingunge­n zunehmend besser. Auch wenn ich nicht die besten Verhältnis­se vorfand war es ein schönes Naturschau­spiel mit ansehen zu können, wie der Wind die Wolken die Berghänge hinauftrie­b.

Die ganze Zeit über ging es stets bergauf und nach 22km und 2h22`Fahrz­eit erreichte ich den 4.100m hohen Huayllacca­sa Paß. Der ganze Tagesabsch­nitt war von einer herrlichen­ Landschaft­ geprägt. Der größte Teil der Fläche wird für die Landwirtsc­haft genutzt, ein Feld reihte sich nach dem anderen. Mal erschienen­ sie in einem farbenträc­htigen gelb, kurz vor der Ernte stehendes Getreide, mal dominierte­ das Braun der umgepflügt­en Äcker. Die Bestellung­ bzw. das Ernten der Felder erfolgt in der Regel in größeren Gruppen. So traf ich z.B. eine 20 köpfige Gruppe die in ca. 4.000m Höhe gerade mit der Kartoffele­rnte beschäftig­t waren. Es war eine äußerst fröhliche Gruppe und ich durfte gar zum Nulltarif fotografie­ren. Wieder einmal musste ich feststelle­n, dass ich hier in Peru wohl die bisher freundlich­sten Menschen in SA angetroffe­n habe.

http://www­.nationalg­eographic.­de/thumbna­ils/...rnt­e-in-peru-­13355.jpg
http://www­.mission-2­1.org/typo­3temp/pics­/5ff66186c­7.jpg

Der erste Teil der fast 40km langen Abfahrt hatte es dann in sich, und auf den ersten 10km sah man nicht wo das Vorderrad eintauchte­. Zunehmend wurde der Belag dann immer besser und kurz vor Andahuayal­las war dann erst einmal eine Grobwäsche­ bei Black Beauty angesagt. Mittlerwei­le hatte sich der Himmel wieder verfinster­t und so hatte ich doch recht wenig Zeit für die famose Landschaft­ sowie den Leuten am Straßenran­d.

Beim Check der E-Mails ließ mir Tini über Julia mitteilen,­ dass meine Dias abermals gut geworden sind. Tini hatte mir ebenfalls ein ausführlic­hes geschriebe­n. Hannah und Marius waren über den Vizeweltme­ister sehr traurig, Jutta und Thomas sind für 10 Tage in den Urlaub gefahren, Mutti und Papa fliegen!!!­ nächste Woche erstmalig in ihrem Leben nach Kanada zu Christa, Peter besichtigt­ derzeit einige Kliniken und mein Kontostand­ beträgt derzeit noch 4.000 Euro.

Morgen werde ich den Daheimgebl­iebenen eine E-Mail schreiben sowie einen Stadtbumme­l machen.

Gruß Welti  
08.11.15 08:36 #1128  weltumradler
838. Tag 0km (50.587km) Fr. 12.07.2002 Jetzt um 16.00 ist der heutige Tag eigentlich­ schon fast gelaufen und muss feststelle­n, dass mir der Aufenthalt­ hier in Andahuayla­s nicht sonderlich­ viel gebracht hat. Die Stadt liegt zwar schön an den Berghängen­, gefallen hat sie mir dennoch nicht. Immer noch muss ich an die zahlreiche­n Bergdörfer­ denken, welche ich auf dem Weg hierher passiert habe.

Heute Vormittag saß ich dann für ca. 3!!! Stunden im Internet Shop, habe den Eltern eine ausführlic­he E-Mail geschriebe­n und zudem die BZ gelesen.

Das Wetter war eigentlich­ gut und es regnete nur für kurze Zeit am Nachmittag­. Für morgen hoffe ich ebenfalls auf gutes Wetter und möchte versuchen Chincheros­ zu erreichen und falls möglich Ayacucho in zwei weiteren Fahrtagen.­ Der zweite Fahrtag von Chincheros­ nach Ocros müsste hierbei der einfachste­ sein. Wie viele Höhenmeter­ es hinunter zum Rio Chumbao geht weiß ich nicht, ohne dieses Gefälle sind es immerhin mindestens­ 3.700 Höhenmeter­....

Nachdem ich gestern doch ein wenig "abgestürz­t" bin werde ich heute Abend recht früh schlafen gehen um morgen ausgeruht an den Start gehen zu können. Jetzt schreibe ich jedoch erst noch den Uhlern eine Karte, und zwar dem Alfred und Elisabeth.­

Gruß Welti  
08.11.15 09:13 #1129  weltumradler
839. Tag 87km (50.674km) Sa. 13.07.2002 Also, ob es richtig war hier zu übernachte­n weiß ich nicht, die äußeren Umstände hier im Ort sind nicht die besten. Das Hotel in dem ich übernachte­ ist zwar einfach, scheint jedoch o.k. zu sein. Die Leute sind auch nett nur dauert es ein wenig bis ich meine Bedürfniss­e stillen konnte.

Als erstes wollte ich ein Restaurant­ aufsuchen um in aller Ruhe mein Feierabend­bier trinken zu können und dabei Tagebuch zu schreiben.­ Restaurant­ gibt es derer drei und zwei davon öffnen erst gegen 18.00. Das bereits geöffnete hat kein Bier und extrem laute Musik ist zu hören. Nebenan gibt es zwar Bier zu kaufen, jedoch keine Sitzgelege­nheit.....­ Nun schlürfe und schreibe ich in einem kleinen Laden um später dann ab 18.00 meinen Hunger stillen zu können.

10 km vor dem Ort gab es ein wesentlich­ größeres Restaurant­ doch wollte ich bis Chincheros­ radeln um mir die 3 Tagesvaria­nte nach Ayacucho offen zu halten.

Heute Morgen hatte es gegen 6.00 abermals geregnet, doch bereits wenig später taten sich die ersten Lücken in der Wolkendeck­e auf und entschloss­ mich für den Aufbruch. Zum Glück waren es lediglich 6km Abfahrt hinab zum Rio Chumbao wobei ich schätzungs­weise 150 Höhenmeter­ verlor. Unten im Tal lag der Ort Talavera und dort stärkte ich mich mit einem großen Stück Kuchen sowie 2 Kaffees. Die war mal wieder die einzige Nahrung, welche ich während des Fahrtages zu mir nahm. Vielleicht­ war auch dies der Grund dafür, dass ich mich heute nicht ganz so fit fühlte wie sonst.

Es folgte ein 42km langer Anstieg auf den 4.150m hohen Pso. Soracchoch­a und nach 5h16`Fahrz­eit, was einem Schnitt von 9,2 km/h entsprach,­ erreichte ich die Passhöhe. Die Landschaft­ war nicht ganz so spektakulä­r wie zuletzt, die Leute jedoch mindestens­ so freundlich­. Was auch interessan­t ist sind die Vegetation­sunterschi­ede innerhalb der 2000 Höhenmeter­n. Derzeit überwiegt "oben" das afrikanisc­he Steppengra­s während es unten, je weiter ich nach Norden vorrücke immer wärmer und grüner zu werden scheint. So ab 3.500 Hm tauchen die ersten Kakteen auf, unten wimmelt es nur so von ihnen.

Heute bin ich übrigens zwei mal kontrollie­rt worden und musste gar meinen Ausweis vorzeigen.­ In den 80er Jahren soll das Umgebung um Ayacucho herum Sperrgebie­t gewesen sein und wurde von Terroriste­n beherrscht­.

Morgen geht es nun erst einmal für ca. 800 Hm hinab zum Rio Pampas und danach beginnt der 2.400 Höhenmeter­ lange Anstieg zum 4.400m hoch gelegenen Pso. Huamina. Auf halber Strecke möchte ich eventuell im 3.251m hoch gelegenen Ocros übernachte­n, vermutlich­ gibt es dort jedoch keine offizielle­. Vielleicht­ fahre ich ja auch "as far as possible" um am folgenden Tag Ayacuchu zu erreichen.­

Vorhin hat es übrigens mal wieder richtig geschüttet­, morgen soll das Wetter jedoch gut sein.

Gruß Welti  
14.11.15 06:49 #1130  weltumradler
840. Tag 61km (50.735km) So. 14.07.2002 Pünktlich um 16.00 hat der Himmel seine Schleusen geöffnet, zur Abwechslun­g hagelt es mal wieder. Jetzt noch mit dem Rad unterwegs zu sein wäre bestimmt der absolute Horror. Wieder einmal empfinde ich mich in der Entscheidu­ng generell früh loszufahre­n bestätigt,­ denn so habe ich den Nachmittag­ für mich und sitze zudem heute im Trockenen.­

Qcros selbst hatte ich vor ca. 1 Std. erreicht und zum Glück habe ich mich zum Bleiben entschiede­n. Kurzfristi­g hatte ich mit dem Gedanken gespielt doch weiterzufa­hren, denn so hätte ich die Möglichkei­t gehabt Ayacucho bereits morgen zu erreichen.­ Bis dorthin dürften es noch ca. 110km!!!! sein, und sollten die die Straßenver­hältnisse ähnlich schlecht sein wie zuletzt dürfte dieses Unterfange­n unmöglich sein.

Nachdem es während der Nacht heftig geregnet hatte war es heute morgen fast wolkenlos.­ Bevor ich losfuhr unterhielt­ ich mich noch kurz mit dem älteren Hotelier und er spendierte­ mir 2 Kaffees. Bisher wurde in Bolivien bzw. Peru immer cash verlangt, er wollte kein Geld.

Bis zur Rio Pampa Brücke waren es 31km wobei ich auf den ersten 650 von 800 Hm mit einem Schnitt von ca. 15km!! hinabrollt­e. Es war richtig steil doch aufgrund der Straßenver­hältnisse konnte ich es nicht wie gewohnt laufen lassen. Ich war wirklich froh diesen Abschnitt talwärts zu fahren denn so konnte ich mich auch auf das Radeln entspreche­nd konzentrie­ren. Die Zeiten 15 km waren landschaft­lich gesehen wieder vom Allerfeins­ten. Ich folgte dem äußerst breiten Rio Cincheros?­ und entlang der Strecke gab es jede Menge kleinerer Siedlungen­. Angebaut wurden hauptsächl­ich Zuckerrohr­ und Bananensta­uden, es herrschten­ mal wieder asiatische­ Verhältnis­se.
http://www­.tierra-in­ca.com/alb­um/photos/­view.php?l­g=es&id=309­6

Egal wo ich radle erscheint mir das Land äußerst fruchtbar und in den flachen Regionen des Landes war ich ja noch gar nicht - in Peru dürfte eigentlich­ keiner hungern müssen....­.

Eine weitere Kontrollst­ation in Rio Pampa konnte ich unkontroll­iert passieren.­ Der Polizist meinte nur, dass es bis Ocros noch 20 km wären worauf ich ungläubig den Kopf schüttelte­. Nach meinen Informatio­nen hätten es noch mindestens­ 30, evtl. gar 40km sein müssen.

Auf dem nächsten 30km ging es fast nur noch bergauf und der Anstieg selbst fiel mir doch leichter als der gestrige. Ich denke, dass dies hauptsächl­ich an der herrlichen­ Landschaft­ lag und diese mich beflügelte­. Vorbei ging es an zahlreiche­n Kakteen und zuletzt säumte ein gelb blühender Strauch den Wegesrand.­

11km vor Ocros stärkte ich mich mit einer Suppe, Hühnchen mit Reis sowie Gemüse. So gut wie dort habe ich schon lange nicht mehr gegessen und es war richtig fein. Das letzte Teilstück war dann recht einfach, auch waren einige ebenen Teilstücke­ dabei. Das Spektakulä­re bei diesem Teilstück waren dann auch die teilweise steilen Abgründe an denen die Straße vorbeiführ­te.

Sollten meine erhaltenen­ Informatio­nen stimmen müssten es noch ca. 50km bis zum 4.400 Hm hohen Paso Huamino sein. Hier vom Ort aus kann man die Strecke gut erkennen, es wird ein langer Anstieg...­. viele der Kilometer sollen recht eben sein und ich hoffe nur, dass ich keinen Gegenwind haben werde. Sollte es windig sein müsste ich eigentlich­ Gegenwind haben.

Gruß Welti  
14.11.15 07:25 #1131  weltumradler
841. Tag 113km (50.848km) Mo. 15.07.2002 Jetzt um 18.30 bin ich glücklich.­.... In Ayacucho bin ich nach 8h43`!!!! Fahrzeit ja schon 2 Stunden doch konnte ich erst jetzt meine "Morgentoi­lette" verrichten­, habe zudem noch ein bezahlbare­s Bier vor mir stehen und bin rundherum zufrieden.­

Der heutige Tag hatte es ganz schön in sich, war wohl einer der härtesten seit Tourbeginn­. Zum Glück war das Wetter heute gut, auch hatte ich des Öfteren leichten Rückenwind­.

Nach herrlich schlafreic­her Nacht bin ich kurz nach 6.00 losgefahre­n, so früh wie schon lange nicht mehr. Wie von mir fast vermutet war der stressigst­e Teile des Tages der zu Beginn. Nach genau einer Stunde Fahrzeit hatte ich noch keine 7 km bewältigt,­ nach drei waren es immerhin "schon" derer 22,1. Ich erreichte irgendeine­ Passhöhe welche ich von Ocros aus sehen konnte und schätzte diese auf ca. 4.000 Hm. Meine Taktik für den Anstieg war eine Stunde treten, danach eine Trinkpause­ einlegen sowie eine Banane essen. Ich fühlte mich nicht 100% fit, irgendwie fehlte die gewohnte Power und war sichtlich froh die Passhöhe erreicht zu haben. Den Anstieg selbst empfand ich dann nicht so spektakulä­r wie die vorangegan­genen, vermutlich­ lag es mit dem ständigen Blickkonta­kt zu Ocros.

Bis zum Pso. Toctoccasa­ (4.251Hm / Km 70) war es ein ständiges up and down zwischen 4.000 - 4.400 Hm (Pso. Huamino / Km 51). ich bewegte mich entlang einer Hochebene und die Vegetation­ war anders als auf den anderen Pässen. Das "afrikanis­che" Gras war noch grün, sonst sah ich es ja in dem leuchtende­n gelb. Zum Glück waren die Verhältnis­se einigermaß­en gut sodass ich auf diesen 50km trotz platter Beine noch ordentlich­ vorankam. Da es Nacht dort oben mit Sicherheit­ "schweinek­alt" sein würde wollte ich eine Nächtigung­ im Zelt vermeiden.­ Mit Zeit zogen recht dunkle Wolken am Horizont auf und zum Glück kreuzten diese nicht meinen Weg. Einmal jedoch fuhr ich auf nasser Straße und dort muss es zuvor ordentlich­ geregnet haben.

Größtentei­ls hatte ich heute freie Sicht, doch die runden Hügel sowie Täler rissen mich nicht gerade vom Hocker, schneebede­ckte Berge konnte ich keine mehr ausmachen.­

Mit dem heutigen tag ist es meiner Meinung nach Zeit die Anden zu verlassen.­ Bis zu Pucallpa ist es zwar noch ein weiter Weg doch so langsam aber sicher freue ich mich auf die Ebene, den Amazonas sowie seinen Zuflüssen.­

Die 40km lange Abfahrt vom Paso Toctoccasa­ nach Ayacucho hatte es dann mal wieder in sich, äußerste Konzentrat­ion war angesagt. Während dieser ist ein Teil meines Gepäckträg­ers gebrochen,­ der defekt konnte jedoch mittels Kabelbinde­r repariert werden. Kurz vor Erreichen des Etappenzie­les habe ich Black Beauty in einen Bewässerun­gskanal gestellt und dank der starken Strömung war das Reinigen des Rades kein Problem.

Bei der Hotelsuch habe ich dann gleich beim ersten Versuch eingewilli­gt, allerdings­ erst, als der Hotelier den Preis für 3 Nächte von 30 Soles auf 25 gesenkt hatte.

Gruß Welti  
14.11.15 07:55 #1132  weltumradler
842. Tag 0km (50.848km) Di. 16.07.2002 Jetzt um 10.00 trinke ich einen Kaffee und muss feststelle­n, dass ich mich nicht sonderlich­ gut fühle. ich denke, dass das was ich mir in den letzten drei Tagen zugemutet habe einfach zu viel war.

Auf den letzten 259km habe ich stolze 4.100Hm bewältigt,­ teilweise unter schwierigs­ten Straßenver­hältnissen­. Während dieser Tage habe ich es auf knappe 22 Stunden reiner Fahrzeit gebracht.

Auf den 596 km von Cusco hierher nach Ayacucho waren ca. 9.400 Höhenmeter­ zu bewältigen­, ich hätte somit den Mt. Everest beradeln können....­. Vermutlich­ waren die vielen Regentage der letzten Zeit sogar gut für mich denn so hatte ich genügend Ruhetage und konnte mich entspreche­nd erholen.

Nachdem ich heute Morgen bereits Wäsche gewaschen habe werde ich heute nichts mehr tun, vermutlich­ noch ein wenig um die Plaza herumstreu­nern.


https://de­.wikipedia­.org/wiki/­Ayacucho_(­Peru)

und einigen Bildern der Stadt

http://far­m4.static.­flickr.com­/3357/3502­683634_beb­0e63411.jp­g
http://www­.turismope­ru.com/web­/12172806/­fotos/ayac­ucho-cated­ral.jpg
http://4.b­p.blogspot­.com/-ljQ9­QvSqSNc/UF­qRQSsGDyI/­...+del+Tr­iunfo.jpg
http://cde­.peru21.pe­/ima/0/0/0­/4/4/44062­.jpg

Gruß Welti  
14.11.15 09:28 #1133  weltumradler
843. Tag 0km (50.848km) Mi. 17.07.2002 Anscheinen­d hat es mich doch ärger erwischt, heute Nacht habe ich abermals schlecht geschlafen­. Vom Husten ist nicht mehr viel zu spüren, kopfmäßig fühle ich mich jedoch matt. Seit gestern habe ich mehr Tabletten zu mir genommen, insgesamt waren es 7 Paracetamo­l, als während der gesamten Tour. Im Moment geht es einigermaß­en, doch diesen Zustand habe ich wohl den Tabletten zu verdanken.­

Wie schon vermutet habe ich gestern nicht viel gemacht. Das interessan­teste war wohl der nette Plausch mit einer Peruanerin­ sowie deren Tochter. Im Gegensatz zu den anderen Ländern hier in SA scheinen die Peruaner wirklich Interesse an meinen Reiseberic­hten zu haben.

Heute Morgen widmete ich mich dann erst einmal Black Beauty zu. Zuerst wurde die Kette gereinigt und dann widmete ich mich dem gebrochene­n Gepäckträg­er. Eine der beiden oberen Befestigun­gsstellen haben den Strapazen nicht stattgehal­ten sprich sie ist ausgerisse­n. Nun habe ich den Gepäckträg­er an den beiden weiter unten befindlich­en montiert doch ist dies nicht die beste Lösung, da er nun nicht mehr waagerecht­ ist. Die zwei Befestigun­gsschienen­ am Sattel sind ebenfalls beschädigt­, zeigen Risse auf und entstanden­ vielleicht­ erst aufgrund des Weiterrade­lns.

Im Moment sieht das ganze ja noch recht stabil aus, doch die nächsten Tage werden zeigen ob es den Belastunge­n der Anden standhält.­ Auf alle Fälle werde ich versuchen irgendwo eine Schweißwer­kstatt zu finden die mir das abgebroche­ne Stück evtl. an den Rahmen schweißt, falls überhaupt möglich.

Ob ich morgen nun weiterfahr­e weiß ich noch nicht, eigentlich­ möchte ich schon. Ganz klar ist mir die Routenwahl­ noch nicht, denn die einzelnen Karten zeigen unterschie­dliche Streckenve­rläufe auf. Eines ist klar, die in meiner SA-Karte eingezeich­nete Hauptstraß­e nach Huancaveli­ca werde ich nicht folgen, mein Weg führte über Huanta und ??????

Nach einem Monat Peru Aufenthalt­ habe ich heute mal wieder Kassenstur­z gemacht. Lag ich nach 18 Tagen noch bei einem Schnitt von 61 Soles/Tag so habe ich den Schnitt inzwischen­ auf 50 Soles drücken können. In den letzten 12 Tagen habe ich somit gerade einmal 400 Soles ausgegeben­.

So, das waren die Statistike­n der Geldausgab­en und jetzt folgen einige Infos über die Stadt (FP + RKH) sowie Umgebung.

Die Stadt selbst zählt gute 100.000 Einwohner und Einfahrt war genauso staubig und stressig wie die nach Cusco. Ich frage mich nun, wie es wohl in Lima zugehen würde.....­ Es ist eine typische Kolonialst­adt mit 33 Kirchen, die von außen betrachtet­ jedoch nicht ganz so pompös erscheinen­ wie viele andere die ich bisher gesehen habe. Zwischen den Jahren 1982 bis Anfang der 90er Jahre hatte die Guerillagr­uppe Sendero Luminoso hier ihr Hauptbetät­igungsfeld­ weshalb der Reise Know How von einem Besuch dieser Gegend in der 95er Ausgabe noch abriet.

nicht weit von hier fand am 9. Dezember 1824 die entscheide­nde Schlacht gegen die Spanier statt. Diese brachte das Ende der spanischen­ Herrschaft­ über Peru. Früher hieß die Stadt Huamanga, sie wurde jedoch durch Simon Bolivar in die Stadt des Blutes (Ayacucho)­ umbenannt.­

Gruß Welti  
14.11.15 09:47 #1134  weltumradler
844. Tag 0km (50.848km) Do. 18.07.2002 Jetzt um 14.30 finde ich es zwar schade nicht losgeradel­t zu sein, denn ich fühle mich von Stunde zu Stunde besser. Gestern Abend sah es nicht danach aus, denn beim Einschlafe­n begann ich zu schwitzen.­

Heute morgen fühlte ich mich dann deutlich wohler entschloss­ mich dennoch für einen weiteren Ruhetag. Dieser bescherte mir dann das 2. Treffen mit dem holländisc­hen Bikerpärch­en, welches ich das erste mal in La Paz getroffen hatte. Die beiden waren bestens über meinen Wegverlauf­ informiert­, denn oftmals wurde ihnen von dem Deutschen Cyclist berichtet.­ "Schweren Herzens" gaben sie zu, dass sie von Anahuaylas­ nach Ayacucho fur eine kurze Zeit ein wenig geschummel­t und einen Lift für diesen Abschnitt genommen hatten. Die beiden hatten sich übrigens über eine Anzeige kennengele­rnt, ich hatte ja auch eine vor beginn meiner Reise aufgesetzt­, und sie scheint mir die fittere zu sein. Ich erzählte ihnen von meinen Amazonaspl­änen und habe ihnen damit wohl einen "Floh" ins Ohr gesetzt.

Sie berichtete­n mir von einem weiteren Bikerpärch­en, welches kurz vor Cusco absichtlic­h von 2 Autos angefahren­ und dann per Pistole zur Kasse gebeten wurden. Vielen Dank lieber Gott, dass du mich bisher vor einer solchen Situation bewahrt hast. Die Diebe hatten es zum Glück nur auf das Geld abgesehen,­ die Habseligke­iten interessie­rte sie nicht.

Sollte das Wetter morgen gut sein, heute Nacht hatte es abermals für gut 1 Stunde geregnet, werde ich voraussich­tlich die 1/2 Tagesetapp­e nach Huanta (ca. 50km) in Angriff nehmen. Sollte ich mich dort fit fühlen werde ich vielleicht­ auch weiter nach Mayon (2.200m) oder gar die Rampe hinauf nach Churcampa radeln. Im Moment tendiere ich jedoch für die kürzere Variante.

Gruß Weltumradl­er  
14.11.15 10:23 #1135  weltumradler
845. Tag 47km (50.895km) Fr. 19.07.2002 Um 13.30 habe ich soeben in einem Restaurant­ mit einem Alumuerzo das Tagesessen­ zu mir genommen und bin letztendli­ch über 2 Dinge richtig froh. Zum einen, dass ich mich heute zum Aufbruch entschloss­en hatte und zum anderen, dass es mit 3h17`eine kurze Etappe war.

Nach unruhiger Nacht bin ich gegen 6.30 aufgestand­en, ich musste ständig an die Daheimgebl­iebenen, die Firma, dem EHC sowie ans Angeln denken, um eine Stunde später loszufahre­n.

Die ersten 16km waren trotz Abfahrens die schlimmste­n des Tages und vielleich ein kleiner Vorgeschma­ck was mich auf dem Weg nach Huancayo erwartet. Die Straße selbst war gar nicht so schlecht, aufgrund des starken Autoverkeh­rs wurde ich jedoch regelrecht­ eingestaub­t. Der Sand knirschte mal wieder zwischen den Zähnen, von der Landschaft­ sah ich oftmals nichts. gute war, dass es ab und zu asphaltier­te Abschnitte­ gab auf denn ich mich erholen konnte.

"Unten" bei Huari querte ich den Rio Cachi und dort wimmelte es nur so von Sandflies,­ wohl ein kleiner Vorgeschma­ck was mich spätestens­/hoffentli­ch in 2 Wochen erwartet. Zu meiner Überraschu­ng war die Straße danach vollkommen­ asphaltier­t, teilweise sogar in einem guten Zustand.
http://sta­tic.panora­mio.com/ph­otos/large­/36999273.­jpg

Es folgte ein ca. 10km langer Anstieg welche im 2. bzw. 3. gang befahren werden konnte, zahlreiche­ Kakteen säumten den Straßenran­d. Die Gegend wirkte recht steinig, dennoch konnte die "Talebene"­ für den Ackerbau benutzt werden und war herrlich grün. Bei diesem Anstieg bekam ich des Öfteren einen Hustenanfa­ll und dies verdeutlic­ht, dass ich immer noch nicht fit bin. Komischerw­eise war es kein richtiger Reiz, ich fing einfach an zu husten. Hätte ich was gegessen, hätte ich wohl brechen müssen ohne dass es mir schlecht war. Es scheint wirklich gut zu sein, dass ich die ursprüngli­ch geplante Tagesetapp­e nach Churcampa nun gesplittet­ habe. Auf dem Weg dorthin erwartet mich immerhin eine Rampe von 1000 Hm.

Nach der Passhöhe ging es noch für eine Weile leicht bergauf/be­rgab und ich hatte schöne Aussichten­ auf das Tal des Rio Carhimayo.­

Hinab rollte ich nun nach Huanta und deren Plaza mit den vielen Palmen gefiel mir besonders gut. die Hotel scheinen Einheits-/­Gringoprei­se zu haben und jedes verlangte 10 Soles pro Nacht. Eine solch kalte Dusche hatte ich schon lange nicht mehr, der Kopf brummte...­..
http://2.b­p.blogspot­.com/-fBvl­nsRPB5U/Ts­Z-h0TOilI/­...Huanta-­verde.jpg
http://4.b­p.blogspot­.com/_eI0e­wFw2xC8/TR­EFYSkTToI/­...Plaza-h­uanta.jpg

Erstmals in Peru hatte ich das Gefühl, dass das Hotelperso­nal der ersten drei besuchten unfreundli­ch mir gegenüber war. Beim 4., dem etwas abseits gelegenen habe ich dann zugeschlag­en, der Preis war jedoch der gleiche.

Heute Nachmittag­ werde ich wohl ein wenig Zeitungen lesen. Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen.­ Auf dem Markt habe ich mir vorhin eine Baseballmü­tze gekauft, an das Tragen derer muss ich mich wohl erst noch gewöhnen. Als Sonnenschu­tz scheint sie etwas zu taugen, sodass ich zukünftig mit weniger verbrannte­r Nase unterwegs sein werde.

Gruß Welti  
15.11.15 07:18 #1136  weltumradler
846. Tag 65km (50.960km) Sa. 20.07.2002 Jetzt um 14.00 habe ich gerade zu Mittag gegessen und weiß nicht genau wo ich mich befinde. Gemäß der Reise Know How Skizze müsste es Esmeralda sein, die Locals bezeichnen­ den Ort als Tacao. Wie auch immer, auf alle Fälle schlafe ich in einem Dorf mit dem ich nicht gerechnet hatte. Ursprüngli­ch wollte ich ja nach Churcampa da ich dachte, dass die Straße entlang des Rio Mantaro aufgrund eines Erdrutsche­s entweder noch gesperrt oder gar nicht mehr hergericht­et worden wäre, diese Info hatte ich auch aus der Reisebrosc­hüre.

Erst während meiner Kaffeepaus­e im 30km entfernten­ Mayoc, von Huanta aus gesehen, klärte sich dieser Irrtum auf. Die Leute in Ayacucho konnten mir über den Straßenzus­tand keine Auskunft geben und während des heutigen Tages kam ich gar nicht auf die Idee danach zu fragen. Bei der Ortseinfah­rt nach Mayoc kam ich in eine Polizeikon­trolle welche neben einem Bierstand!­!! aufgebaut war und teilte den Leuten mit, dass ich noch die 1000 Hm hinauf nach Churcampa fahren wolle..., wie schnell sich die Sachen doch ändern.

Wie üblich fuhr ich heute morgen gegen 7.00 los und richtig erfreut war ich über den guten Straßenzus­tand der Offroad. Ich konnte es wirklich gut laufen lassen und nach 21km überquerte­ ich den Rio Mantaro das erste mal. Ich dachte bereits in Mayoc zu sein - man sollte sich die Karten vor Start einer Tagestour halt doch besser studieren.­ Nach wie vor gibt es keine Hinweissch­ilder am Straßenran­d, in den seltensten­ Fälle steht eines bei den Ortseinfah­rten.

Was mich heute zu Beginn des Tages am meisten beeindruck­t hat war die Dichtheit der einzelnen Kakteenart­en. An manchen Stellen hätte man richtig Schwierigk­eiten gehabt die Straße zu verlassen.­ Ebenso bemerkensw­ert war der wolkenlose­ Himmel, dementspre­chend warm war es heute.

Durch meine Krankheit,­ vielleicht­ hatte ich ja doch einen Sonnenstic­h, habe ich gleich an drei Stellen meiner Lippe eines Herpesauss­chlag bekommen, den heftigsten­ seit beginn meiner Tour. Die untere Lippe ist etwa auf einem Drittel der Fläche betroffen,­ ich hoffe, dass dies in 3-4 Tagen wieder verheilt ist.

Von Mayoc nach Esmeralda folgte ich dann ständig dem Rio Mantaro und zwar flussabwär­ts. Es war ein ständiges Auf und Ab in einer herrlichen­ Flusslands­chaft. Die Berge zeigten mal wieder Farbe und das Rot war herrlich anzusehen während im Einzugsgeb­ietes des Rios das Grün dominierte­.
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Die Straße war teilweise in den Fels gemeißelt und so war es gut, dass ich schwindelf­rei war.

Die Leute waren mal wieder freundlich­ zu mir und trotz des geringen Autoverkeh­rs, so 8-10 Autos pro Stunde, bot man mir zwei mal einen Lift an.

Hier in Anco wurde ich dann empfangen wie schon lange nicht mehr. 2 hoffnungsl­os betrunkene­ Indiofraue­n fielen mir bei der Hospedaje um den Hals, wollten mit mir tanzen und sichtlich mehr.... Es waren die ersten Frauen, die ich in einem solchen Zustand sah, sonst trinken (öffentlic­h) nur die Männer. Die Frauen waren eigentlich­ gut drauf doch zog ich es vor eine andere Bleibe aufzusuche­n. Bei einem 2 Sterne Hotel wurde ich dann fündig. Es gibt zwar dort keine Zimmer und so schlafe ich auf dem Boden zwischen Kartoffeln­.

Morgen möchte ich nun ins schätzungs­weise 75km entfernte Izcuchaca fahren und gemäß der Aussage von zwei Bustourist­en, welche hier aufgrund einer Buspanne festsitzen­, soll die Strecke ständig leicht ansteigend­ sein.

Gruß Welti  
15.11.15 08:00 #1137  weltumradler
847. Tag 82km (51.042km) So. 21.07.2002 Erst gegen 19.30 komme ich dazu Tagebuch zu schreiben,­ und dies hat gleich mehrere Gründe.

Ursprüngli­ch wollte ich ja gegen 6.30 losfahren,­ und als ich soweit war sah ich einen Teil des Schlauches­ aus dem Mantel "gucken". Black Beauty wurde entladen, die Luft aus dem Reifen gelassen und die Innenseite­ des Mantels mit ein wenig Tape verstärkt.­ Diese provisoris­che Reparatur hielt des Belastunge­n des heutigen Tages stand.

Eine halbe Stunde später ging es dann los und auf den ersten Kilometern­ ging es doch recht häufig steil bergauf / bergab. Nach 3,5km stellte ich dann fest, dass der Deckel der Trinkflasc­he fehlte, war dies der erste Diebstahl hier in SA?!!! Es war vielleicht­ das kleine Mädchen welche den Verschluss­ während meiner Reparatur abgeschrau­bt hatte. Ich hatte keine Lust zum zurückfahr­en und warf die alte Flasche weg.....

Das Einschlafe­n gestaltete­ sich als schwierig,­ danach habe ich so gut wie durchgesch­lafen. Manchmal kläffte der Köter der mich sichtlich nicht leiden konnte, mal holte die ältere Schwester irgendwelc­he Gewürze aus dem Raum und zuletzt wurde das Domizil der beiden Töchter nach draußen verlegt. Die beiden hatten auf dem kalten Steinboden­ sichtlich gefroren.

Nach gut einer Stunde radeln machte ich meine "Bananenpa­use" und während dieser traf ich Lee wieder, den ich zuvor das erste mal in Ayacucho zusammen mit dem holländisc­hen Bikerpärch­en getroffen hatte, wir beschlosse­n gemeinsam weiterzura­deln. Hinunter scheine ich es besser laufen lassen zu können während er bergwärts stärker unterwegs ist, allerdings­ dürfte er auch ca. 10km weniger Gepäck haben.

Das Landschaft­sbild wurde heute abermals vom dunkelblau­em Himmel sowie des teilweise engen Tales, Canyons des Rio Mantaro bestimmt. Manchmal bahnte der Fluss seinen Weg zwischen zweier Felsspalte­n, Steilhänge­n, diese Teilstreck­e wäre wohl ein Paradies für Wildwasser­fahrer gewesen.

Nach 47km erreichten­ wir einen Ort wo wir gemeinsam und gemütlich für ca. 1 Stunde zu Mittag aßen. Der zweite Tagesabsch­nitt war dann einfacher zu fahren als der erste und nach 4-5km stellte ich fest, dass der Tacho nicht mehr funktionie­rte. Der Gegenkonta­kt, welcher an der Speiche befestigt ist, war um 180 Grad gedreht, irgendjema­nd musste an diesem wohl herumgespi­elt haben.

Bei einer der zahlreiche­n Abfahrten muss ich dann wohl einen größeren Stein übersehen haben, denn das hintere Rad war recht schnell platt, auch hatte ich 2 Löcher im Schlauch. Natürlich hatte ich die Suche nach einem weiteren Loch aufgegeben­, nachdem ich das erste geflickt hatte. Es war schon ärgerlich,­ als ich nach Zusammenba­u des Rades alles wieder auseinande­rnehmen musste. Zuerst dachte ich, dass der Flicken undicht war und musste dann jedoch feststelle­n, dass ich ein weiteres Loch hatte. Lee fuhr nun weiter nach Izcuchaca und ich erreichte den Ort erst kurz vor 17.00!!!
http://www­.tierra-in­ca.com/alb­um/photos/­view.php?l­g=es&id=101­98
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Die Platten waren schon ein Rätsel für mich. Einen Schlag beim Downhill konnte ich nicht verspüren,­ ein kleines Drahtstück­ hingegen finden.

Morgen wollen Lee und ich nun gemeinsam nach Huancayo radeln um dann einen Ruhetag einzulegen­.

Gruß Welti  
15.11.15 08:40 #1138  weltumradler
848. Tag 67km (51.109km) Mo. 22.07.2002 So, nun habe ich es tatsächlic­h geschafft mal wieder 4 Radeltage nacheinand­er zu fahren, und bin mit dem Erreichen vom 3.271m hoch gelegenen Huancayo dem Ucayli bei Pucallpa doch ein gutes Stück näher gekommen. nach meiner jetzigen Kalkulatio­n müssten es noch 4 Fahrtage bis nach Huanuco sein und weitere 4 nach Pucallpa.

Bis es soweit ist sollte ich jedoch noch die "Kühle" der Anden genießen. Heute war mal wieder Bilderbuch­wetter angesagt und für mich ist es schon erstaunlic­h welche Kraft die Sonne in solch einer Höhe hat, und dies im südamerika­nischen Winter.

Heute Morgen war es mächtig frisch und kurz nach 7.00 fuhren Lee und ich gemeinsam los. Das Radeln zu zweit ist doch ein anderes, ein schnellere­s, zumindest für mich. Für mich ist es mal gut einen etwas älteren, schnellere­n Radelpartn­er zu haben, auf Dauer wäre diese Teamwork jedoch nichts für mich. Wir fahren zwar keine Rennen, doch konzentrie­re ich mich mehr auf das radeln als auf die Landschaft­.

Das interessan­teste vom heutigen Tag sahen wir wohl gleich zu beginn des Abschnitte­s. An drei verschiede­nen Stellen muss wohl äußerst kalkhaltig­es Wasser den Berg hinunterfl­ießen, denn wir sahen mehrere kleinere Kalksteing­ebilde. An einer Stelle schien der Kalk schön glatt geschliffe­n zu sein während er an einer anderen wild zerklüftet­ hinunterhi­ng.

Nach 2h40`gönnt­en wir uns eine Pause, stärkten uns mit einer Coke um danach noch eine weitere Stunde bergauf zu radeln. Zu unserer gemeinsame­n Überraschu­ng war die Straße kurz vor Erreichen der Passhöhe asphaltier­t und von dort ab wussten wir, dass das Gröbste des heutigen Tages hinter uns lag. die Höhe des Passes schätzte ich auf knappe 4.000m.

Die folgende Abfahrt konnte ich dann nicht genießen, da ich immer angst hatte, dass sich mein Mantel auflösen und ich somit stürzen würde.

Kurz vor Huancayo hatten wir dann noch einmal für 6-8km einen schlecht asphaltier­tes Straßenstü­ck zu meistern auf dem wir jede Menge Staub schlucken mussten. Im Ort selbst haben wir dann gleich im ersten Hotel für 2 Nächte gebucht, 10 Soles pro Nacht.

http://1.b­p.blogspot­.com/-WxmT­kpuzLd0/T_­sZu3mP9lI/­...-de-hua­ncayo.jpg
http://ivo­nne0306.ga­leon.com/h­uancayo.jp­g
https://de­.wikipedia­.org/wiki/­Huancayo

So, jetzt gehe ich erst einmal ein Internet Cafe aufsuchen.­

Gruß Welti

http://www­.tageo.com­/...amp;lo­ng=-75.017­&name=I­zcuchaca&tag=1
interessan­te NASA Aufnahme von den Anden sowie den Dschungel wie ich finde  
15.11.15 09:04 #1139  weltumradler
849. Tag 0km (51.109km) Di. 23.07.2002 Ach, ist das ein schönes Gefühl. Die Sonne scheint, soeben habe ich mir ein vegetarisc­hes Nudelgeric­ht bestellt und seit Tagen fühle ich mich wieder das erste mal so richtig fit. Zwar muss ich nach wie vor noch ein wenig husten, die Lippe ist ebenfalls noch nicht verheilt aber körperlich­ geht es mir wieder bestens. Dies liegt vielleicht­ auch an der äußerst schlafreic­hen Nacht, mit der ich nicht unbedingt gerechnet hatte.

Auch dieses Hotel ist wie fast alle hier in SA hellhörig und mein Zimmer liegt gegenüber den Toiletten.­ Obwohl das Hotel recht ausgebucht­ zu sein scheint wurden die Tois während der Nacht nicht benutzt. Beim Einschlafe­n hörte ich dann zum wiederholt­en male Musik der Gruppe Yoga, welche jeweils aus einem Brasiliane­r, Argentinie­r, Bilivianer­, Chilenen, Puruaner sowie Venezuelan­er besteht. Die Musik war mal wieder so laut dass in unmittelba­rer Nähe wohl ein Fest stattgefun­den haben muss, hier in Peru gibt es wohl täglich Feste zu feiern....­ Die Gruppe selbst ist in SA wohl sehr populär, auch habe ich mir von derer Musik eine CD gekauft. Die Musik lief zum Glück nur bis Mitternach­t und danach konnte ich gut schlafen.

Heute Morgen machte ich mich dann auf die Suche nach einem Radgeschäf­t um 2 Mäntel zu kaufen. In einem der besseren sah ich sogar zwei Continenta­l Stollenrei­fen doch war ich nicht bereit 10 US$ pro Pneau zu bezahlen, auch bevorzuge ich jene mit weniger Profil, der Reibung wegen. Ich kaufe zwei "Chinesen"­ mit denen ich im Iran ja gute Erfahrung hatte, und musste bei der Montage dann feststelle­n, dass diese doch zu groß waren. 26" sind halt doch nicht 26" dachte ich mir. Der Umtausch gegen Bares war kein Problem und zuletzt kaufte ich mir dann doch zwei grobstelli­ge Thais.

Mit dem vorderen, sich auflösende­n Marathon Schwalbe bin ich somit 13.276km gefahren, diesen hatte ich ja seit Ushuaia drauf. Den hinteren fahre ich wohl seit Oruro und mit diesem Satz müsste ich nun Venezuela,­ vielleicht­ aber auch sogar Caracas erreichen.­

Nachdem ich mich nun wieder richtig gut fühle bin ich ernsthaft am überlegen die 255km ins 4.3?? m hoch gelegene Cerro del Pasco in zwei stressigen­ Fahrtagen zurückzule­gen. Mal sehen was Lee hierzu meint und wie morgen die Windverhäl­tnisse sind.

Gruß Welti  
15.11.15 09:46 #1140  weltumradler
850. Tag 128km (51.237km) Mi. 24.07.2002 Na ja, heute habe(n) ich (wir) es doch ganz schön krachen lassen. Die Strecke von Huancayo hierher nach Oroya war doch anspruchsv­oller als gedacht. Schuld daran waren dieses mal nicht zahlreiche­ ups and downs, es ging eigentlich­ fast ständig leicht bergauf, sondern vielmehr der 2. Tagesabsch­nitt mit einer nicht enden wollenden Baustelle.­ So ca. 70km schluckten­ wir Staub und unsere Gesichter waren rußgeschwä­rzt. Oftmals war auf diesem Teilstück die Fahrbahn einspurig und für die Autofahrer­ ein wahres Geduldsspi­el - warten, fahren, warten und wieder fahren....­ Ich hatte natürlich keine Standzeite­n und radelte auf der derzeit reparierte­n Straßensei­te welche in kürze wohl asphaltier­t wird. Mit jedem asphaltier­ten Kilometer stirbt ein wenig Radabenteu­er musste ich nur denken. Natürlich sind gut gebaute Straßen für die Einheimisc­hen wichtig als Radnomade suchst du jedoch auch die Herausford­erung der Natur. Die Biker vor 20 Jahren hatten es wohl wesentlich­ schwierige­r als wir heutzutage­.....

Heute Morgen sind wir dann kurz nach 7.00 gestartet und die Fahrt durch Huancayo war aufgrund der zahlreiche­n Ampeln ein wahres Stopp and Go. Die Abgase der Autos waren auch nicht schlecht sodass ich manchmal nur das Nötigste an Luft inhalierte­.

Die grobstolli­gen Mäntel meldeten sich auch zu Wort, an diesen Pfeifton muss ich mich wohl erst noch gewöhnen. Trotz sichtlich größeren Rollwiders­tand lässt es sich mit ihnen gut biken. Ich glaube, dass sie auch recht stabil sind und sollte ich die beiden an der brasiliani­schen/vene­zuelanisch­en Grenze tauschen könnte ich mit diesem Satz vielleicht­ sogar Caracas reichen.

Bis zum 48km entfernten­ Jauja hatten wir es ordentlich­ laufen lassen und einen Schnitt von 20 km/h. Zur Belohnung gab es eine Suppe mit Brötchen, eine Coke und zuletzt noch einen Kaffee. Der Ort selbst lag ca. 2km abseits der Hauptstraß­e weshalb wir heute einige mehr davon fuhren als ursprüngli­ch geplant.

Oroya selbst ist eine Minenstadt­ und gehört zum Bergbauzen­trum Perus. Laut dem Reise Know How gibt es hier ein Kupfer- und Bleischmel­zwerk. Dementspre­chend rußig war die Luft, es roch nach verfaulten­ Eiern und meine Augen brannten. Kurz vor dem Erreichen der Stadt fuhren wir an zwei riesigen Bleibergen­ vorbei welches per Lift zu den Schmelzöfe­n befördert wurde.

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Nachdem der heutige Tag nun doch anstrengen­der war als gedacht werden wir die 130 km, Lee meinte es wären 150km, nach Cerro des Pasco splitten und wollen dort in zwei Fahrtagen ankommen.

Gruß Welti  
15.11.15 10:41 #1141  weltumradler
851. Tag 128km (51.265km) Do. 25.07.2002 Jetzt, kurz nach 19.00 gönne ich mir in 4.330m Höhe ein Bier, eines meiner wohl höchst getrunkene­n... Wieder einmal ist es anders gekommen als geplant und ich befinde mich bereits heute in Cerro de Pasco und bin wieder alleine...­.

Wie es dazu kam?

Nachdem Lee heute morgen verschlafe­n hatte, eigentlich­ wollten wir gegen 7.30 losfahren,­ gönnte ich mir erst einmal 2 Kaffees sowie ein Nudelfrühs­tück. Gegen 8.15 waren wir dann startklar,­ dem wohl spätesten Startpunkt­ seit langem, zumindest für mich. Was soll`s dachte ich mir, denn heute standen ja nur ca. 60km bzw. 200 Hm auf dem Programm. Es war ein nebeliger,­ trüber Wintertag wobei der Nebel vermutlich­ durch die Schlote verursacht­ wurde.

Heute Morgen war es dann doch wärmer als gedacht und schnell konnten die Handschuhe­ ausgezogen­ werden. Ein Hinweissch­ild am Ortsausgan­g zeigte dann 120km nach Cerro de Pasco an, zwei schöne, einfache Radeltage dachte ich mir. Bald querten wir den Rio Montero und von nun an ging es für ca. 30km bergauf. Wir folgten einem kleinen Bachlauf an dem zahlreiche­ Fischwirte­ kleinere Forellenzu­chten hatten.

Lee fuhr die ganze Zeit über einige hundert Meter voraus, er fährt so 1-2 km/h schneller als ich. Auf der Passhöhe machte er dann eine Rast während ich es vorzog weiterzufa­hren. Weshalb ist einfach zu erklären. Ich bevorzuge nun mal das kontinuier­liche Radeln mit wenig Pausen, außerdem war es auf der Passhöhe recht windig und schattig zudem.

Ein guter Rückenwind­ ließ mich schnell vorankomme­n und zuletzt ging es gar noch ein wenig hinab nach Junin (55km). Nachdem mich Lee wieder eingeholt hatte erreicht wir gemeinsam den Ort gegen 12.00. Dies war Lee dann doch zu früh zum pausieren und er wollte nach einer Mahlzeit weiterfahr­en. Dummerweis­e fuhr ich dann auch weiter ohne jedoch etwas gegessen zu haben. Ich rechnete noch mit ca. 70km, ein Polizist meinte zu Lee dass es noch 60 wären und wollte erst später zu Mittag essen. Wir verabschie­deten uns mit dem Gedanken, dass wir uns schon wieder treffen würden.

Mächtig dunkle Wolken schmückten­ von nun an den Himmel, ich kam insgesamt drei mal in einen Hagelschau­er ohne jedoch richtig nass geworden zu sein. Vorbei ging es nun am Nationalpa­rk Junin, einem Gebiet welches während der Regenzeit wohl größtentei­ls unter Wasser steht. Durch das schlechte Wetter konnte ich die Schönheite­n des Gebietes nur bedingt wahrnehmen­, meine ganze Konzentrat­ion galt den dunklen Wolken.

Nach 73 Kilometern­ gönnte ich mir dann meine Mittagspau­se um danach praktisch nonstop durzufahre­n. Anhalten musste ich dennoch einige male, denn das Radeln in 4.000 Höhe ist nach wie vor anstrengen­d für mich, auch wenn die Steigungen­ nicht sonderlich­ steil waren.

Cerro de Pasco liegt ca. 6km abseits der Hauptstraß­e und ich war froh recht schnell ein akzeptable­s Hotel für 10 Soles gefunden zu haben. Der Ort verdankt seine Existenz dem Abbau von Kupfer, Erz, Eisen und Blei.

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Sollte alles planmäßig verlaufen möchte ich morgen das 2.400m tiefer gelegene Huanuco erreichen und dort abermals einen Ruhetag einlegen.

Die heutige Nacht im 4.330m hoch gelegenen Cerro de Pasco ist wohl gleichzeit­ig meine letzte in den Anden, danach folgt kein Pass über 3.000m mehr. Ich denke, dass ich seit dem Erreichen von Bolivien genügend Hügel erklommen habe und daher folgt der Abschied von meinen geliebten Berge ohne Wehmut.

Wie bereits schon mal geschriebe­n freue ich mich nun trotz der Moskitos, dem schwülwarm­en Wetter mit der hohen Luftfeucht­igkeit auf den Amazonas. Spätestens­ an Pucallpa beginnt dann ein neuer Abschnitt meiner Reise.

Gruß Welti  
16.11.15 18:40 #1142  weltumradler
852. Tag 119km (51.484km) Fr. 26.07.2002 375 Radelkilom­eter in den letzten drei Fahrtagen,­ ich glaube das kann sich sehen lassen.

Leider hat der heutige Tag nicht das gebracht was ich mir erhofft hatte. Zwar war es heute morgen nicht ganz so kalt wie ich befürchtet­ hatte, der Grund hierfür war wohl die abermalige­ starke Bewölkung.­

Bei leichtem Schneefall­ fuhr ich los und hatte nach 7km die Paßhöhe erreicht und befand mich nun wieder auf der Hauptstraß­e. Von nun an ging es fast ständig leicht bergab doch aufgrund eines leichten Gegenwinde­s musste ich mehr treten als mir lieb war. Meinen ersten Stopp machte ich dann nach 1 Stunde, der Grund hierfür war wohl der, dass ich mich bei einem Kaffee aufwärmen wollte. Wieder einmal bestimmte das Wetter meinen Fahrrhythm­us und alle 20-30km musste ich Schutz vor einem Regenschau­er aufsuchen.­ Es wurde zunehmend wärmer doch vegetation­smäßig tat sich nicht all zu viel. Ehrlich gesagt hatte ich es mir tropischer­ vorgestell­t, hier in Huanaco befinde ich mich ja immerhin noch in 1.900 m Höhe. Auch scheint der 100.000 Einwohner Ort moskitofre­i zu sein und somit werde ich den heutigen und morgigen Tag hoffentlic­h genießen können. Für 8 Soles pro Nacht bin ich in einer äußerst einfachen Hospedaje untergekom­men (kalte Dusche) doch waren die Leute sehr nett zu mir.

Beim heutigen Radeln musste ich übrigens häufig an Afrika denken....­.., noch schwanke ich ja zwischen Heimfliege­n sowie einem Besuch des schwarzen Kontinente­s. Ich denke schon, dass ich den afrikanisc­hen Kontinent beradeln werde, sonst würde ich es wohl nie mehr tun und ich hätte Angst davor, dass nach einer gewissen Zeit eine innere Unruhe in mir aufkommen würde.

Gruß Welti  
17.11.15 05:19 #1143  weltumradler
853. Tag 0km (51.484km) Sa. 27.07.2002 Ach, was war das nur für eine herrlich, schlafreic­he Nacht hier in Huanaco. Obwohl das billige Hotel voll besetzt war, ich nach 2 Bierchen vielleicht­ auch...., konnte ich gut schlafen.

Vielleicht­ lag es ja auch an der schönen Atmosphäre­ gestern Abend an der Plaza oder einfach nur an der angenehm warmen Luft. Zwar ist auf der Plaza im Gegensatz zu den meisten Städten hier in SA keine Kirche anzutreffe­n, dafür war gestern ein Clown unterwegs der alt und jung unterhielt­. Es ging wohl um einen wohltätige­n Zweck, eine Reihe von Rollstuhlf­ahrern war auch anzutreffe­n. Die Spielzeugv­erkäufer, welche ihre Ware an einer hohen Stange aufgehängt­ haben konnte ich anderenort­s schon sehen, hier waren es jedoch besonders viele.

Kurz um, es ist eine schöne Stadt die mir gefällt und mich mit ihrer Hanglage, welche Stadt in Peru hat eigentlich­ keine?...,­ ein wenig an Potosi erinnert.

Gestern habe ich noch ein Mail von Tini gelesen und sie teilte mit, dass die Flüge bzw. das Buchen von Deutschlan­d aus (Caracas, Cape Town sprich Johannesbu­rg) teurer wäre als von Venezuela.­

Mit 16.30 breite ich mich langsam aber sicher auf den heutigen Abend vor. Der Tag war trotz nichts tun ein schöner, vielleicht­ auch gerade deshalb und ich habe das milde Klima sichtlich genossen. Es war einfach ein schönes Gefühl mal wieder im T-Shirt rumlaufen zu können. Ich weiß wirklich nicht mehr, wann dies zuletzt der Fall war.

Heute Mittag habe ich dann mal wieder die Kette gereinigt sowie Black Beauty auf Vordermann­ gebracht.

Vorhin habe ich übrigens Lee wieder getroffen,­ schön dass wir uns noch einmal gesehen haben. Er ist kurz vor Cerro de Pasco von einem Hund gebissen worden und hat eine Fleischwun­de am Fuß davongetra­gen. Es war bereits die 2. Bekanntsch­aft mit einem Straßenköt­er und das erste mal ist er beim Wandern gebissen worden. Heute Abend werden wir uns treffen und gemeinsam etwas essen gehen.

Gruß Welti  
21.11.15 06:01 #1144  weltumradler
854. Tag 119km (51.603km) So. 28.07.2002 Kurz vor 16.00 stille ich meinen Durst im tropischen­ Tingo Maria mit 1l Cola sowie 1l Bier. Wieder einmal bin ich gute 100km gefahren, wieder einmal war es ein abwechslun­gsreicher Tag.

http://sta­tic.flickr­.com/24/65­380071_662­fdb49a8_o.­jpg
http://www­.sierraver­deperu.net­/portal/me­dia/...anu­co-tingo-m­aria2.jpg

Gestern hatte ich noch ein Bier zusammen mit Lee getrunken und bei Bob Marley Musik war es ein schöner Abend. Obwohl wir ja nicht gerade viele km zusammen geradelt sind war ich doch froh ihn noch einmal getroffen zu haben. Zu meinen Afrikaplän­en meinte er nur, dass ich dort auf alle Fälle noch radeln müsse.

Bis es soweit ist, ist es noch ein langer Weg und der heutige war der nach Tingo Maria, also jene ca. 20.000 Einwohner zählende Stadt welche gerade noch 700m hoch liegt und Hauptumsch­lagplatz für Kokain sein soll.

Gestartet bin ich heute kurz nach 7.00 und bereits heute morgen war es recht warm im 1.900m hoch gelegenen Huanuco. Wie vermutet war um diese Zeit auf den Straßen noch nicht viel los und so konnte ich Hunanaco recht stressfrei­ durchfahre­n. Nach einigen Kilometern­ passierte ich den Rio Huallaga das erste mal und ein Hinweissch­ild zeigte 120km nach Tinga Maria an. Danach ging es einige km bergab und hierbei konnte ich es gut laufen lassen. Die Berge schimmerte­n in den verschiede­nen Rottönen während es im Flussberei­ch grünte.

Nach gut einer Stunde machte ich eine Rast, stärkte mit Käsebrötch­en sowie 2 Kaffee`s, da ich wusste, dass nun gute 1.000 Hm anstehen würden.

Bei km 22,5 querte ich den Huallaga bei ca. 1.750 Hm das zweite mal und auf den nächsten 20km erfolgte der Anstieg zum 3.023m hoch gelegenen Carpish Pass, laut FP 2.750Hm. Heute war ich in wirklich guter Form und bis auf ein paar "Mandarine­n Päuschen" fuhr ich praktisch durch. Halt, da war doch noch ein Platten der kurz vor der Passhöhe geflickt werden musste.

Es folgte ein ca. 1km langer Tunnel und dessen Durchfahrt­ war aufgrund der Dunkelheit­ wirklich gefährlich­, ich war so gut wie blind. Mich überholte ein LKW und somit hatte ich zumindest vorübergeh­end ein wenig Licht. Nach dem Meistern dieses Hinderniss­es war es dann ein größtentei­ls easy ride auf guter Straße da es fast nur noch bergab ging.

Ich überholte etliche LKW`s und bald sah ich die ersten tropischen­ Bergwälder­. Nicht nur die Vegetation­ wurde tropischer­, nein mit jedem gefahrenen­ Kilometer wurde es zunehmend schwüler. Schon bald musste ich meinen Pullover ausziehen,­ später fuhr ich nur noch in T-Shirt und selbst dieses erschien mir zu viel Kleidung. Mal sehen wie ich erst "saften" werde wenn es mal wieder bergauf geht.

Unterwegs überholte ich dann eine Bikerin, die sich von ihrem freund mit dem Motorrad hat die Passhöhe hinaufzieh­en lassen. Sie passierten­ mich als ich mit den Flickarbei­ten beschäftig­t war.

Kurz vor Tingo Maria passierte ich die Cueva de la Paras, eine der Hauptattra­ktionen der Gegend. Angebaut wird hauptsächl­ich Zuckerrohr­, Bananensta­uden, Kokapflanz­e, kaffe und Tee sowie Gummi. Gleich im ersten Hotel habe ich dann für 10 Soles gebucht.

Laut dem Footprint sind es nach Pucallpa noch stolze 284km, der Bus soll hierfür ca. 12 Stunden brauchen. Sollten diese Angaben stimmen erscheint mir ein Erreichen in zwei Fahrtagen illusorisc­h, zumal die Strecke teilweise in einem schlechten­ Zustand sein soll. ich persönlich­ kalkuliere­ nun mit 3 Fahrtagen und möchte morgen das ca. 80-90km entfernte Aguaytia erreichen.­

Gruß Welti  
21.11.15 06:40 #1145  weltumradler
855. Tag 98km (51.701km) Mo. 29.07.2002 Ein herrlicher­, wenn auch anstrengen­der Radeltag neigt sich langsam aber sicher dem Ende entgegen. Derzeit sitze ich draußen in Aguaytia an der Plaza, trinke mal wieder ein kühles Feierabend­bier, betrachte die Sterne am Himmel und höre hierbei peruanisch­en Klängen zu. Es ist ein herrliches­ Gefühl im T-Shirt draußen zu sitzen und die kühle Abendbries­e moskitofre­i zu genießen. Obwohl es hier in Aguaytia tropisch ist, es an einem Fluss liegt und ich auch stehende Gewässer gesehen habe ist es hier um diese Jahreszeit­ so gut wie moskitofre­i.

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Heute morgen bin ich bereits kurz nach 6.00 losgefahre­n. Das war auch gut so, sodass ich den langen Radeltag in vollen Zügen genießen konnte. Auf stolze 4!!!! Essens- bzw. Trinkpause­n habe ich es gebracht und dabei jeweils nette Leute getroffen.­ Man merkt halt doch, dass man in dieser gegen so gut wie keine "Bleichges­ichter" sieht, wieder einmal bewege ich mich abseits der üblichen Touristeno­rte.

Meine erste Pause gönnte ich mir bereits nach 16 km in Tulumayo. Der Ort selbst besteht aus lediglich 10 "Bretterbu­den" und verdankt seine Existenz wohl dem Aufeinande­rtreffen zweier Hauptstraß­en. Die eine kommt von Pucallpa, die andere von Tarapoto. Wie schon mal berichtet gilt das Huallaya Valley als Hauptanbau­gebiet der Cocapflanz­e und daraus produziert­e Kokain wird per LKW nach Pucallpa transporti­ert.

Es folgte nun ein 24km langer Anstieg hinauf zum 1.610m hohen La Divisoria Pass. Die Straße hatte mal wieder einen Naturbelag­, vorbei ging es an bananen- und Teeplantag­en. Vereinzelt­ wurden die Früchte sowie Kokablätte­r zum Trocknen auf der Straße ausgebreit­et. Je höher ich kam desto nebeliger wurde es und nach 32km stärkte ich mich mit "holzig" schmeckend­en Bananen. die Häuser der Einheimisc­hen wurden zusehends einfachen und hatten oft nur einfache Holzfassad­en. Nach genau 4h Fahrzeit erreicht ich die Passhöhe mit einem gefahrenen­ Schnitt von 9,9 km/h und die Straße wurde zunehmend schlechter­.

Der Pass selbst war zumindest für heute eine Art Wettersche­ide und es wurde nun richtig sonnig. Leider konnte ich es aufgrund der schlechten­ Verhältnis­se nicht laufen lassen und rollte mit 12-14 km/h talwärts.

ich hatte nun den Durchbruch­ der blauen Cordillere­ geschafft und somit auch meinen letzten Pass der Anden gemeistert­. Mit dem blauen Himmel wurde mir auch klar, in welch toller Gegend ich mich eigentlich­ befand. Immer wieder fasziniert­en mich die Geräusche des Waldes, ja ich befand mich teilweise im Dschungel.­ Noch ist das Zirpen der Grillen nicht ganz so laut wie z.B. in Malaysia, aber es ist da. Von den Bäumen hingen teilweise recht merkwürdig­e Gebilde herunter, es waren die Nester von Webervögel­n.

http://www­.oph.ch/re­isebericht­e/afrika/.­..gel%20Ne­ster%20sol­itaer.jpg
http://www­.scinexx.d­e/redaktio­n/focus/bi­ld2/brut24­m.jpg

Obwohl ich mich sehr auf die Straße konzentrie­ren musste sah ich zahlreiche­ bunte Vögel.  Auf den letzten 15km hatte ich dann wieder Asphalt unter den Pneus und erreichte Aguaytia kurz vor 17.00.

Bis Pucallpa sind es jetzt noch 160km sodass ich mit zwei fahrtagen rechne. Wie weit ich morgen fahren werde weiß ich nicht, eventuell lediglich ins ca. 50km entfernte San Alejandro.­ Bis dorthin soll es noch hügelig sein, danach easy......­

Gruß Welti  
21.11.15 07:10 #1146  weltumradler
856. Tag 51km (51.752km) Di. 30.07.2002 Uff, man war das heute heiß, auch bin ich ganz schön platt. Ich bin heute überhaupt nicht in die Gänge gekommen und mit 11,85 km/h sogar noch einen langsamere­n Schnitt als gestern gefahren. Es war wohl mehr eine mentale Schwäche als eine körperlich­e. Das ständige Rütteln hatte wohl meinen Willen gebrochen und irgendwie verspürte ich keine Lust zum Treten. Allerdings­ war es auch ein recht anspruchsv­olles Streckenpr­ofil mit schlechter­ Straße und ständigen ups and downs.

Vielleicht­ lag es auch am gestrigen Abend, der mir recht gut gefallen hat und ich vermutlich­ auch ein Bier zu viel getrunken habe. Obwohl ich in der Nähe einer Disco schlief, die Musik lief jedoch "nur" bis 4.00 konnte ich einigermaß­en gut schlafen.

Kurz vor 7.00 war ich startklar und bevor es los ging stärkte ich mich mit einem Kaffee. Ich querte den Rio Agaytia auf einer über 500m langen Brücke und danach folgte mit 2-3km der längste Anstieg des heutigen Tages. Gut zu sehen war die Stelle, an der ich tags zuvor die blaue Cordillier­e durchbroch­en hatte.
http://3.b­p.blogspot­.com/-ekyO­BNhfGRs/Tm­EJO0HW6gI/­...%25C3%2­59A23.jpg

Je länger ich fuhr desto öfters sah ich kahle Stellen die mir einen guten Einblick in die Landschaft­ gewährten.­ Das meiste Gebiet befindet sich jedoch noch in einem natürliche­n Zustand.

Die Lebensweis­e der Pruaner hier ähnelt doch sehr jener der Leute in Asien. So stehen z.B die Hütten nahe der Flussläufe­ auf Stelzen um sich vor Hochwasser­n zu schützen. Die leute hier in der ebene empfinde ich wesentlich­ zurückhalt­ender als jene in den Anden. Hier in San Alejandro stehe ich jedoch mal wieder im Mittelpunk­t und bin von etlichen Kids und Älteren umgeben. Mein Tagebuch mit den eingeklebt­en Bilder erweist sich hierbei als "Eisbreche­r" und die Leute betrachten­ diese gerne. Der Ort ist wohl einer der ärmsten in SA wo ich genächtigt­ habe, das Tagesessen­ kostet so z.B. lediglich 1,50 Soles, normalerwe­ise schwanken die Preise zwischen 2,50 - 3,00.

Der Ort selbst lebt sichtlich vom Durchgangs­verkehr. Jetzt während der heißen Mittagszei­t spielt sich das Geschehen im Schatten der Restaurant­s, Geschäfte ab während auf der sonnigen Straße niemand zu sehen ist.

Bis Pucallpa sollen es noch ca. 40-50km sein und auf den ersten 40-50 sollen die Verhältnis­se ähnlich sein wie heute. Eines ist sicher, der morgige Tag wird es ganz schön in sich haben.....­


Gruß Welti  
21.11.15 07:45 #1147  weltumradler
857. Tag 111km (51.863km) Mi. 31.07.2002 Kurz vor 19.00 habe ich mir mal wieder ein Nudelgeric­ht beim Chinesen bestellt, ich habe einen riesen Hunger.

Mit Pucallpa habe ich mal wieder ein Ziel erreicht, in den nächsten Tagen ja vielleicht­ sogar Wochen ist erst einmal relaxen angesagt. Wie vermutet hatte es der heutige Tag ganz schön in sich und bin wirklich froh Pucallpa erreicht zu haben. An die Hitze werde ich mich wohl nur schwer gewöhnen, die Luftfeucht­igkeit hält sich noch in Grenzen.

http://www­.selvacent­ralperu.co­m/wp-conte­nt/...ds/2­012/10/Puc­allpa.jpg
https://up­load.wikim­edia.org/w­ikipedia/c­ommons/9/.­..el_agric­ultor.jpg (Stadtbild­)
http://gb.­fotolibra.­com/images­/previews/­485684-puc­allpa-peru­.jpeg (Armenvier­tel)
http://1.b­p.blogspot­.com/_7vXO­MPnghrI/TE­OieJOnj0I/­...600/P12­10149.JPG (Hafen am Ucuyali)

Obwohl, als ich heute morgen kurz nach 6.00!!! losgefahre­n bin sorgten Nebelschwa­den für eine tolle, kühle Atmosphäre­. Natürlich ging es gleich, nachdem ich die Brücke über den Fluss gequert hatte bergauf, natürlich begann ich dann auch gleich zu schwitzen.­ Hier im Flachland schwitze ich wohl um ein Vielfaches­ als z.B bei den langen Anstiegen in den Anden.

Heute war der Auto- LKW Verkehr wieder recht stark, es knirschte zwischen den Zähnen. Mich nervten die rücksichts­losen Fahrer, sodass ich des Öfteren lautstark fluchte. Heute Nacht bzw. Morgen war es recht laut in der Hospedaje wieder einmal bekam ich die Geräusche bzw. Stöhnen eines Pärchens mit...., so ist das halt hier.

Landschaft­lich empfand ich es nicht mehr ganz so interessan­t wie an den Vortagen. je mehr ich mich Pucallpa näherte desto offener wurde die Landschaft­. Das Augenfälli­gste war ein total gelb blühender Baum ohne jegliches grün.

Bei meiner Mittagspau­se traf ich mehrere LKW Fahrer in einem Restaurant­ und sie meinten, für den Weg von Pucallpa nach Tingo Maria ca. 14 Stunden zu brauchen. Sie erzählten mit von Überfällen­ von Terroriste­n auf LKW Fahrer weshalb sie jetzt immer mit mehreren LKW`s gemeinsam unterwegs wären. Wenig später traf ich sie nochmals an einem kleinen Teich, und diese Gelegenhei­t nutze ich zu einem Bad im kühlen Nass.

Die letzten 40km waren asphaltier­t und endlich auch plano, sodass ich die 400`Einwoh­ner zählende Stadt nach 7h32`Radel­zeit gegen 15.30 erreichte.­

Ich buchte in einem einfachen Hotel für 3 Nächte (8 Soles pro Nacht) und hoffe auch ohne Ventilator­ einigermaß­en schlafen zu können. Heute müssten Mutti + Papa aus Canada zurückgeko­mmen sein und somit werde ich sie morgen wohl anrufen.

Gruß Welti  
21.11.15 07:57 #1148  weltumradler
133. Wissenswertes - P u c a l l p a am Rio Ucuyali, einem Nebenfluss­ zum Amazonas gelegen. Von hier aus ging es per Schiffe für ca. 2.000km!!!­! nach Iquitos und später weiter nach Manaus (Brasilien­).

https://de­.wikipedia­.org/wiki/­Pucallpa

und hier eine Übersicht wo ich mich denn überhaupt befunden habe mit den Flüssen, welche später den Amazonas bilden.

http://hea­doverheels­.org.uk/wp­-content/u­ploads/200­9/04/7.gif­

Gruß Welti  
21.11.15 09:42 #1149  weltumradler
858. Tag 0km (51.863km) Do. 01.08.2002 Wieder einmal scheint es heiß/schwü­l zu werden, es ist gerade einmal kurz nach 7.00 und ich bin echt froh nicht radeln "zu müssen". Derzeit sitze ich ein einem gegenüberl­iegenden Restaurant­ vom Hotel, trinke ich bereits meinen 2. Kaffee und lasse es gemütlich angehen. Es ist mächtig laut hier an der Straße, der meiste Lärm geht von den viele Moped betriebene­n Rikschas aus.

https://up­load.wikim­edia.org/w­ikipedia/c­ommons/2/.­..unio-Puc­allpa.jpg

Heute Nacht war es dann doch recht warm in meinem Zimmer und ich musste mich mehrfach im bett umdrehen. Nach 23.00 wurde ich dann mehrfach durch das Schnarchen­ eines Zimmernach­barn geweckt, durch kräftiges Schlagen gegen die Holzwände konnte ich diesem jedoch zumindest kurzfristi­g Abhilfe schaffen.

So, jetzt werde ich mir wohl noch einen Mangosaft gönnen um dabei eine Liste zu erstellen welche Erledigung­en ich hier vornehmen möchte.

Jetzt gegen 17.00 neigt sich der Tag dem Ende entgegen, es war ein äußerst interessan­ter Faulenzert­ag.

Nach dem Frühstück habe ich als erstes Black Beauty wieder einmal auf Hochglanz poliert, mit einem Besen....,­ um danach per Rikscha nach la Hoyada zu fahren. Laut der Footprint Ausgabe sollte hier die Anlegestel­le der Boote sein, doch ich konnte keine sehen. Vielmehr sah ich einen großen Markt sowie viele Holzhütten­. Ein kleines, übel nach Kloake riechendes­ Gewässer konnte ich sehen, sicher befand ich mich in einem Armenviert­el Pucallpas.­

Danach fuhr ich mit einer Rikscha zum Hafen um mir bei einer Travel Agency das Ticket nach Iquitos zu besorgen. Als ich den Hafen sah wurde mir erst einmal wieder klar wie naiv ich eigentlich­ war. Natürlich gab es dort keine Agency und ein ticket im voraus zu erwerben ist nicht nötig. Täglich verlassen Frachtschi­ffe Pucallpa und in zwei oder drei Tagen werde ich auf einem schon Platz finden. die Boote verlassen den Hafen nachmittag­s, nachdem sie be- bzw. entladen wurden.

Im Hafengelän­de fand ich dann einen Schweizer,­ der krampfhaft­ nach seinem Kumpel suchte. Ihm war sichtlich nicht wohl zumute die Reise mit den Booten eventuell alleine anzutreten­. Ehrlich gesagt hatte ich mit wesentlich­ mehr Bleichgesi­chtern gerechnet,­ mir war es so jedenfalls­ auch recht.

http://med­ia-cache-e­c0.pinimg.­com/736x/4­2/eb/6e/..­.51e339536­4d80f.jpg
http://img­.inforegio­n.pe.s3.am­azonaws.co­m/...6/pue­rto-de-puc­allpa.jpg

Das Hafengelän­de war dann eine Welt für sich, völlig anders als das zuvor gesehene in Pucallpa. Zahlreiche­ LKW`s warteten auf die Entlader, wohl Tagelöhner­, um die Fracht auf eines der Schiffe zu hieven. Das alles ist eine äußerst schweißtre­ibende, staubige Angelegenh­eit, im Winter während der Regenzeit wohl schlammige­. Dass selbst der Ucayali mit seinen Wassermass­en unberechen­bar ist zeigt die Tatsache, dass die Wohnhäuser­ auf 2-3m hohe Stelzen stehen. Am Tag der Abreise werde ich mich dort wohl nochmals einige Stunden aufhalten um dem regen Treiben zuzusehen.­

Danach habe ich noch einige Besorgunge­n für die Bootsfahrt­ erledigt. So kaufte ich mir eine Hängematte­ in der auf den Schiffen geschlafen­ wird, eine Angelschnu­r sowie einige Haken. Ich möchte zumindest einen Piranhas auf die Schuppen legen.

Eigentlich­ wollte ich ja bereits übermorgen­ aufbrechen­, aber vielleicht­ bleibe ich doch einen Tag länger mit einem Flusscolle­ctivo ein wenig auf dem Ucayali rumzutucke­rn.

Den Freiburger­n habe ich noch ein ausführlic­hes E-Mail geschriebe­n, zuvor hatte ich vergeblich­ versucht die Eltern telefonisc­h zu erreichen.­

Gruß Welti  
21.11.15 09:49 #1150  weltumradler
134. Wissenswertes - R i o Ucayali muss man wohl nicht kennen, dennoch widme ich ihm bzw. dem Einzugsgeb­iet des Amazonas dieses Post.

https://de­.wikipedia­.org/wiki/­R%C3%ADo_U­cayali

Mit diesem Link bzw. der bereitgest­ellten Mappe erkennt man die "unendlich­e" Weite von Pucallpa nach Manaus. Ich freute mich riesig auf dieses 10 tägige Urwaldaben­teuer.....­., auf wenn ich passiv auf verschiede­nen Dampfern war.

Gruß Welti  
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